Die Schweinegrippe kommt

Die amerikanischen Nachrichtenkanäle haben einen „Field Day“, einen Freudentag. Endlich haben sie wieder ein Thema, das man hochdramatisch und drohend den Amerikanern in die Wohnzimmer bringen kann. Die Schweinegrippe ist da. Und nun werden die Horrorbilder an die Wand gemalt. Da wirkt die Entscheidung der Obama-Regierung, den Gesundheitsnotstand auszurufen, wie Öl ins Feuer. Allerdings ist das eine ganz normale Amtshandlung, die auch bei der Vereidigung des Präsidenten oder bei der jüngsten Flut im Mittleren Westen passierte. Es geht bei dieser Entscheidung vielmehr darum, schneller und einfacher reagieren zu können. So war es der Gesundheitsministerin Janet Napilotano möglich, umgehend 12 Millionen Einheiten des Medikaments Tamiflu aus den Bundeslagern vorsorglich freizugeben.

Doch davon spricht keiner, lieber malt man das Horrorbild vom kleinen Mexikaner an die Wand, der illegal und hustend die Grenze überschreitet und sofort die bösen Viren verbreitet. Die Gefahr kommt sowieso derzeit mehr von den Konservativen im Land, die die Schweinegrippe in Mexiko und die Einzelfälle in den USA nun dazu hernehmen, um für eine totale Abriegelung der Grenze zum Nachbarland zu werben. Mit Äusserungen wie, „Die illegalen Einwanderer bringen uns die Schweinegrippe“ wird gezielt Politik gemacht. Bei sowas kriege ich einen dicken Hals.