Amerika ist ein kaputtes System

Wenn man hier drüben lebt und arbeitet, Steuern zahlt und Teil ist dieser Gesellschaft, dann fragt man sich – zumindest als ein „Zugereister“ – wie man hier noch immer vom „American Dream“ reden kann. Denn bei diesem Traum geht es ja nicht nur um den persönlichen Aufstieg im amerikanischen Arbeitsalltag. Der „American Dream“ steht auch für die Vormachtstellung der USA, für ein Land, das die hehren Ziele der Demokratie, der Sicherheit, der Gleichberechtigung, der Chancengleichheit vertritt.

Doch davon sind Amerika und die Amerikaner weit abgerückt. Das amerikanische System ist gescheitert und ich frage mich, ob man es überhaupt noch reparieren kann. Auf der anderen Seite des Landes fetzt man sich in Washington DC. Man sagt, das ist streitbare Demokratie. Doch was es wirklich ist, es ist eine Auflösung genau dieser Demokratie. Zwei Parteien reiben sich auf, es geht um parteipolitische Strategien, Ziele, Vorstellungen, um das Ausbremsen des unliebsamen politischen Gegners. Dabei vergessen wird das Wohl des Landes. Es bräuchte Reformen, die dringend kommen müßten, doch nicht durchgesetzt werden. Und das seit Jahren. Amerika blockiert sich selbst durch ein System, das von Grund auf korrigiert werden müßte. Das Vertrauen der Bürger in die Politik ist verloren gegangen.

Gerade lese ich über die Oakmore Nachbarschaft in Oakland. Dort lebt eigentlich auch die Bürgermeisterin der Stadt, Jean Quan. Doch ihre Nachbarn sind alles andere als zufrieden mit der Politikerin, die schon lange die klare Sicht auf die Dinge verloren hat. Quan ist gescheitert. Wenn sie ehrlich zu sich wäre, dann müßte sie zurücktreten, denn die Stadt ist seit ihrer Wahl 2010 in die totale Schieflage geraten. Quan lächelt, sie ist sicherlich eine intelligente Frau, doch unfähig ein Stadt wie Oakland zu führen. Die Mord- und Kriminalitätsrate steigt unaufhörlich, Unternehmen wandern ab, die Polizeireihen haben rund 250 Lücken. Die Stadt wirkt immer mehr, wie unregierbar. Und daran ist auch die Bürgermeisterin mit schuld.

Nun haben sich ihre Nachbarn zusammen getan und privat einen Sicherheitsservice für einige Straßen angeheuert. Zuvor hatten sie ein Nachbarschaftstreffen mit der Polizeiführung. Dabei wurden ihnen klar gemacht, dass sie eigentlich auf sich alleine gestellt sind. Die Polizei werde bei Einbrüchen oder kriminellen Handlungen in der Gegend nicht mehr erscheinen. Falls etwas passiere, sollte man online über eine Webseite den Vorfall melden. Das wars.

Oakland ist weit weg von Nürnberg, was hier lokal passiert, ist wahrscheinlich von geringem Interesse für einen Leser oder eine Leserin in Franken. Und doch, der Fall drückt aus, was sich zur Zeit hier in den USA abspielt. Das Vertrauen in den Staat und die Autoritäten ist gesunken. Amerika schafft sich in diesen Tagen immer mehr ab.

Alltag in Oakland

„A man was fatally shot and another man was injured by gunfire late Friday night in East Oakland, according to police.“ Das ist eine ganz normale Meldung am Sonntagmorgen in Oakland, der Stadt, in der ich lebe. Ich trinke meinen Kaffee und wundere mich, was hier passiert. 120 Morde allein in diesem Jahr und das Jahr ist noch nicht einmal zu Ende.

Wir haben hier eine Bürgermeisterin, die nach Wahlexperimenten mit gerade mal 28 Prozent der Erststimmen im Amt landete und überhaupt keinen Plan hat, wie man die ausufernde Gewalt in der Stadt unter Kontrolle bekommt. Sie kandidierte als Politikerin mit einer Plattform, dass sie die Bürgerinnen und Bürger der Stadt mobilisieren und einen sogenannten „100 Block Plan“ umsetzen wolle. Angedacht war, dass in den 100 gefährlichsten Straßenblocks der Stadt, eine Art „Bürgerwehr“ mit Unterstützung der Polizei patroulliert. Wie dieser Plan aussieht und wo genau diese 100 Blocks sein sollen, das ist auch zwei Jahre nach der Wahl von Jean Quan nicht bekannt. Aber sowohl Polizeiführung wie auch Experten im Bereich der Gewaltprävention sehen diesen vagen Plan nur als Lachnummer…und er funktioniert ganz offensichtlich nicht. 2011 stieg die „Homicide Rate“ an und 2012 liegt die Zahl der Ermordeten jetzt schon darüber.

Die Polizeieinheiten wurden so dezimiert, dass von einer fruchtbaren Polizeiarbeit kaum noch die Rede sein kann. In Oakland fehlen nahezu 300 Beamte, das sind fast 50 Prozent der jetzigen Einheit. Innerhalb von zwei Jahren fiel die Aufklärungsrate bei Morden von 48 Prozent auf 23 Prozent. Bei Hauseinbrüchen kommt überhaupt kein Streifenwagen mehr vorbei. Man wird aufgefordert auf der Webseite des „Oakland Police Departments“ einen Bericht abzugeben, erhält daraufhin eine Bestätigung für die Versicherung. Das war es dann!

Und was macht Jean Quan. Nichts. Sie ist abgetaucht und wenn sie mal öffentlich auftritt, dann faselt sie von der schönen Stadt und, dass man doch die lokalen Geschäfte unterstützen soll. Von Mord, Gewalt, Kriminalität in dieser tatsächlich schönen Stadt kein Wort. Warum ich mich aufrege? Ich lebe seit nunmehr 13 Jahren hier, zahle hier Steuern und frage mich, was geschehen muß, damit endlich jemand im Rathaus dem Morden in Oakland ein Ende setzt.

Drohnen fürs Haushaltsloch

Oakland gleicht einer Kriegszone. In diesem Jahr wurden bereits 102 Menschen umgebracht. Die Bürgermeisterin Jean Quan bekommt das Problem nicht unter Kontrolle und schwafelt von einem 100 Block Plan, den keiner versteht und der auch nicht offengelegt wird. Die politische Führung in der Stadt ist unfähig oder unwillig, hinzu kommt, dass nach Budgetkürzungen und Haushaltsumschichtungen nur noch ein Skelett der lokalen Polizeibehörde übrig geblieben ist. Nur noch etwas über 600 Mitarbeiter sind auf der Gehaltsliste zu finden, fast doppelt so viele wären vonnöten in einer Großstadt wie Oakland mit solch einer Kriminalitätsrate. Und diese Zahl von 600+ sind nicht alleine Streifenpolizisten, damit ist jeder aufgeführt, der fuer die OPD arbeitet, also von der Sekretärin bis zum Pförtner. Kein Wunder also, dass bei „einfachen“ Einbrüchen keine Polizei mehr kommt. Man wird mittlerweile aufgefordert, online eine Anzeige zu stellen, aufzulisten, was gestohlen wurde, damit man dann ganz einfach einen Beleg für die eigene Versicherung ausdrucken kann.

Die Mordrate steigt weiter, im Rathaus sitzt eine unfähige Bürgermeisterin, die keinerlei Basis mit dem Stadtrat findet, um die eigentlichen Probleme in Oakland anzugehen. Die Situation wird schlimmer, das Haushaltsloch größer, das Budget für die Polizei und andere städtische Einrichtungen kleiner. Nun setzt der Sheriff von Alamada County, dem Bezirk, in dem auch Oakland liegt, auf eine ganz neue Strategie. Anstelle von teuren Hubschraubereinsätzen über der Stadt und der Region sollen kriegserprobte Drohnen zum Einsatz kommen Die Anschaffungskosten liegen zwar bei 50.000 – 100.000 Dollar, doch langfristig könnten damit die Kosten für die Überwachung von oben gedrosselt werden. Sheriff Greg Ahern hat sich eine gerade mal zwei Kilogramm schwere und etwas über einen Meter breite Drohne ausgesucht, die fortan die Dinge aus der Luft betrachten soll. Die Hersteller der Drohnen bieten sogar an, diese auf besonderen Wunsch der Polizeibehörden zu bewaffnen. Möglich wäre durchaus, dass Gummigeschosse von oben abgefeuert werden könnten.

Feuerwehren und Umweltschutzorganisationen im Land nutzen bereits Drohnen für ihre Arbeit. Polizeidienststellen dagegen noch kaum, doch das soll sich nun ändern. Klar ist jedoch auch, so einfach wird es mit einer Einführung der Drohnen über amerikanischen Großstädten nicht werden, denn schon jetzt klagen Bürgerrechtsanwälte gegen solch eine Nutzung und möglicher Verletzung der Privatsphäre von Bürgern. Sie glauben nämlich nicht, dass die Drohnen nur gegen hartgesottene Kriminelle eingesetzt werden sollen.

Oakland ausoccupied

Die Bestandsaufnahme nach dem letzten Wochenende ist klar. Die außerparlamentarische Oppositionsbewegung „Occupy Oakland“ ist an ihre Grenzen gestoßen. Der Rückhalt in der Bevölkerung sinkt, die Gewaltexzesse schaden dem politischen Ansatz. Auch Erklärungen der größtenteils jungen und radikalen Demonstranten, dass alles nur eine Reaktion auf Polizeigewalt, staatliche Gewalt und soziale Ungerechtigkeit sei, wirken eher wie aus dem Handbuch des anarchistischen Buchladens auf der Haight Street/Ecke Masonic. Die Revolution frisst sich selbst. Occupy Oakland hat sich überlebt.

Jean Quan, die vielgescholtene Bürgermeisterin Oaklands, steht vor dem, vor ihrem eigenen Scherbenhaufen. Anfangs sympathisierte sie mit der Bewegung, ihr Mann und ihre Tochter marschierten bei den Demonstrationszügen mit, sie hätte gerne, durfte aber nicht. Quan selbst stellte sich schützend vor die Protestler und verärgerte damit Kollegen im Rathaus und die lokale Polizeispitze, die sich ziemlich allein gelassen fühlte. Erst kamen unklare, dann klare Anweisungen von Jean Quan, dann wieder ein „na ja, so war das nicht gemeint“.

Quan kämpft derzeit gegen eine Abwahl, Unterschriften werden gesammelt. Auch ihre Wischi-Waschi Haltung in Sachen Occupy Oakland ist dabei ausschlaggebend. Nach den gewaltsamen Ausschreitungen am vergangenen Wochenende, mit Bildern der brennenden US Fahne, die durch die Fernsehnation flimmerten, ist Jean Quan an die Grenzen gestoßen. Sie erkennt endlich, dass sie schon lange kein Teil mehr der außerparlamentarischen Opposition ist, sie ist für die Occupados Teil des Establishments. Nun muß sie handeln. Hart durchgreifen ist nicht so ihr Ding, Quan quatscht lieber und denkt, sie kann so die Dinge lösen. Ihr neuester Vorschlag ist, sich an Occupy Wall Street zu wenden, quasi die Altherren und -damen der Bewegung zu bitten, doch bitteschön Einfluß auf die wilden Jungen in Oakland zu nehmen. Was nicht einfach sein wird, denn einen nationalen Sprecher oder Ansprechpartner gibt es nicht, und wenn, ist unklar, ob der oder die überhaupt Einfluß nehmen könnten und wollten.

Oakland war schon immer ein Hotspot der radikalen Opposition. Hier war das Zentrum der Black Panther Bewegung, , der Free-Speech Movement, hier entwickelte sich der Punk. Und nun eben Occupy. Ein „schwarzer Block“ macht der Bewegung zu schaffen. Es wird sich zeigen, wie Quan die Sache weiterhin handhaben wird. Eines ist klar, sie hat sich durch geschicktes Taktieren ins Rathaus wählen lassen und merkt nun, dass die Dinge doch nicht so einfach laufen, wie sie sich das vorgestellt hatte.

Occupy Oakland ein Alptraum

Eigentlich ist Oakland eine schöne Stadt. Direkt an der San Francisco Bay gelegen mit Blick aufs Golden Gate, nette und historische Stadtteile, viel Grün, multikulturell und vielseitig. Doch Oakland ist seit Jahren in den Schlagzeilen. Die hohe Mordrate, Armut und soziale Probleme sind nicht gerade eine gute Werbung für die Stadt.

Und nun eben auch noch Occupy Oakland. Was in New York an der Wall Street begann, breitete sich schnell übers ganze Land aus. Öffentliche Parks wurden besetzt, Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit lautstark  geäussert „wir sind die 99 Prozent“. Doch irgendwas lief schief. Eine weltweit beachtete Protestaktion mit der erfolgreichen Blockade des Hafens von Oakland stieg anscheinend einigen Protestlern zu Kopf. Denn danach gab es nur noch Chaos. Demonstrationen und Hausbesetzungen wurden aufgelöst, immer wieder kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Am Samstag dann der vorläufige Höhepunkt. Rund 1000 Demonstranten marschierten durch die Innenstadt, zuerst friedlich. Dann kam es zu Konfrontationen, als eine Gruppe von Protestierenden ein seit Jahren leerstehendes Gebäude besetzen wollte. Es sollte das „Headquarter“ der Occupy Bewegung werden. Bürgermeisterin Jean Quan hatte schon vorher deutlich gemacht, dass kein Grundstück und kein Gebäude besetzt werden darf.

„All hell broke loose“.
Die Polizei schritt ein, drängte die Demonstranten zurück und Stunden der Gewalt begannen. Einige der „Occupados“ drangen sogar ins Rathaus ein, schmissen eine Vitrine mit einer historischen Nachbildung der „City Hall“ um, rissen die kalifornische und die amerikanische Fahne von der Wand, um sie anschließend auf den Stufen des Rathauses anzuzünden. Die Einsatzkräfte in der Stadt mußten sogar noch Unterstützung von 14 weiteren Polizeieinheiten aus umliegenden Gemeinden anfordern. Auf die fast bankrotte Stadt rollt damit erneut eine riesige Rechnung zu.

Am Ende standen 400 Verhaftungen, verletzte Polizisten und Demonstranten, ein noch nicht abzusehender materieller Schaden, ganz zu schweigen von einem demolierten Ruf für „meine“ Stadt. Interessant auch, dass es übers Wochenende gleich fünf Morde gab, zahlreiche Einbrüche und Diebstähle. Die Polizei jedoch mußte sich auf den Einsatz gegen Occupy Oakland konzentrieren und vertröstete viele Anrufer nach Straftaten auf den Montag. „That’s also the American Way“.

Oakland streikt!!!

Letzte Woche ging es rund in Oakland. Dienstagmorgen in aller Herrgottsfrühe wurde das „Occupy Oakland“ Camp vor dem Rathaus geräumt, am Abend wurde demonstriert und das ganze mit Tränengas und Gummiknüppel beendet. Bürgermeisterin Jean Quan, die an dem Tag gerade in Washington DC war, hat seitdem mehr als Kopfschmerzen, sie wird für das harte Vorgehen der Polizei verantwortlich gemacht. Als sie auf einer Demonstration zu den Protestierenden sprechen wollte, wurde sie kurzerhand von der Bühne gebuht. Filmaktivist Michael Moore hingegen umjubelt, der von einer Protestwelle von zehn und mehr Millionen Amerikanern sprach und frei nach John F. Kennedy erklärte „Wir sind alle Oakländer“.

Nur einen Tag nach der Räumung des innerstädtischen Zeltlagers wurde erneut gecampt. Doch die Polizei hielt sich zurück, die Bürgermeisterin, die sich gerne selbst als langjährige Aktivistin beschreibt, wollte nicht ganz als Buhfrau da stehen. Also, hat sie nur zugeschaut, als die Schlafsäcke wieder entrollt wurden. Egal, was Polizei, Geschäftsinhaber und ein großer Teil der Bürger in Oakland auch dagegen sagten. Jean Quan hat die Orientierung verloren. Und mit der Errichtung des neuen Camps wurde auch gleich ein Generalstreik für diesen Mittwoch ausgerufen. Alle in Oakland sollen sich an diesem Streik beteiligen, Angestellte und Schüler, Lehrer und Banker….vom NZ-Korrespondenten war nicht die Rede, also werde ich wohl dienstlich dort sein. Am Abend soll dann noch der Hafen, einer der größten an der amerikanischen Westküste, blockiert werden. Die Gewerkschaft der Longshoremen hat bereits angekündigt, wenn der Bürgerprotest groß genug ist, dann werde kein Gewerkschafter die „Picket Line“ übertreten.

Man kann also gespannt sein, was da heute in Oakland passiert. Die Nation blickt auf die Stadt an der Bay, denn hier geht es nicht mehr nur um den Protest gegen die Wall Street, hier geht es auch darum eine umstrittene Lokalpolitikerin zu stürzen und vor laufenden Fernsehkameras eine breite Protestbewegung zu präsentieren. Falls der Generalstreik Erfolg haben sollten, friedlich und in aller Breite, dann hätte das eine Vorbildfunktion für weitere Städte in den USA.

Occupy Oakland

Wow, Oakland ist in den nationalen und internationalen News. Es wird endlich mal nicht über die hohe Mordrate der Stadt berichtet. Das ist doch  mal was, oder? Na ja, nicht ganz, denn was die Stadt in die Vorabendnachrichtensendungen brachte ist das harte Vorgehen der Polizei gegen die Occupy-Demonstranten. Dienstagmorgen wurde das Zeltlager der Bewegung direkt vor dem Rathaus geräumt und am Abend gab es eine Demonstration in der Stadt. Und die eskalierte. Objekte flogen durch die Luft und die Polizei antwortete mit Tränengas und Gummiknüppel. Ein Veteran des Irakkriegs wurde schwer am Kopf verletzt und liegt seitdem im Krankenhaus.

Bürgermeisterin Jean Quan, die sich gerne selbst als Aktivistin der Straße darstellt, war gerade nicht in der Stadt, hatte die Räumung des Camps jedoch angeordnet. Ein absoluter PR-Alptraum begann. Oakland wurde schlagartig zum Frontkampf der Occupy-Bewegung in den USA erklärt, obwohl es hier um was ganz anderes geht. Das Camp der Protestler war umstritten. Direkt vor dem Rathaus roch es nach Urin und Fäkalien, die Sicherheitslage wurde immer schwieriger, herbeigerufene Rettungssanitäter wurden nicht ins Camp gelassen. Also sah sich die Stadtführung gezwungen, die Zelte abzubrechen. Jean Quan, die noch im Wahlkampf im letzten Jahr sicherlich gerne für ein PR-Photo den Schlafsack neben den Demonstranten ausgerollt hätte, gab das ok und flog dann nach Washington für einen Termin. Und dann knallte es, die Situation geriet außer Kontrolle, keine Bürgermeisterin weit und breit und die ersten Aussagen von ihr waren schließlich auch nur Larifaridudeldei.

Die Oakland Stadtführung machte in den Folgetagen einen Rückzieher. Die Zelte stehen wieder, die Polizei hält sich zurück und Filmemacher Michael Moore kam am Freitag nach Oakland, um seine Solidarität mit der Occupy-Bewegung allgemein und im besonderen mit den Demonstranten in Oakland zu bekunden. Für den kommenden Mittwoch wurde ein Generalstreik in Oakland ausgerufen, auch soll es einen Marsch zum Hafen von Oakland geben, dem größten Arbeitgeber in der Stadt. Über die Inhalte der „Occupy Wall Street“ Bewegung wird hier kaum noch gesprochen. Von einer Regulierung der Banken, von einem Umdenken im Finanzwesen der USA ist nur noch selten die Rede. Hier geht es vor allem um eine Auseinandersetzung mit der Stadt und der Polizei. Wir gegen die. Man habe das Recht, mitten in der Stadt Zelte aufzubauen. „Wir sind das Volk“ auf Oakländisch. Die inhaltliche Debatte haben kommunistische und sozialistische Splittergruppen übernommen, die von einer Abschaffung des Kapitalismus und einer „Entkolonialisierung des Eigentums“ sprechen.

Man kann gespannt sein, wie es weiter geht. Auf der anderen Seite der Bay in San Francisco ist das SF Occupy Camp. Auch hier gibt es Probleme, auch hier will die Stadt räumen lassen. Es tut sich was in den USA, mal sehen, was daraus noch wird. Von der Massenbewegung, die auch Michael Moore in seinem Interview mit CNN erwähnt, sehe ich allerdings nicht viel/

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Es hat sich aus-occupied

Was unter großem Medieninteresse begann, schon als „Tea Party“ Bewegung von links bezeichnet wurde, geht einem schnellen Ende entgegen. Überall flaut die Bereitschaft ab, in den Straßen zu zelten und zu protestieren. In den frühen Morgenstunden beendete die Polizei die Occupy Bewegung in Oakland. Um 4:40 Uhr räumte ein Trupp der Bereitschaftspolizei den Frank Ogawa Plaza, direkt vor dem Rathaus. Dort hatten seit Wochen rund 450 Personen gecampt. Bürgermeisterin Jean Quan meinte anfangs noch unterstützend und billigend „Demokratie kann durchaus chaotisch sein“, doch die Proteste von Bürgern, Ladeninhabern und Verantwortlichen in der Stadt nahmen zu. Also war Schluß mit lustig am Dienstagmorgen.

Auch in San Francisco wächst die Kritik am illegalen Camp in Downtown. Schon ein paarmal wurden die Zelte von der Polizei abgebrochen, damit sie nur Stunden später wieder woanders errichtet wurden. Das Problem für die „Occupy“-Bewegung ist jedoch nicht der mangelnde Zeltplatz. Vielmehr haben die Proteste es nicht geschafft mehr Menschen einzubeziehen. Die Camps werden gesehen, wahrgenommen, die Medien berichten ausführlich darüber, doch die breite Unterstützung in der Bevölkerung fehlt. Und selbst die Politiker, die sich im Wahlkampf befinden, wie Bürgermeister, Kongressabgeordnete und andere, suchen nicht gerade die Nähe der Demonstranten. Die „Occupy“-Bewegung ist mehr ein Sturm im Wasserglas. Man hat mal was gemacht und gut ist. Von einer einflussreichen linken „Tea Party“ kann da noch lange nicht die Rede sein.

Lemmi und der dicke Hals

Enid Blyton und ihre fünf Freunde habe ich verschlungen. Geistergeschichten und Krimis, Sachbücher und der kleine Nick. Als ich in Nürnberg zur Schule ging, war ich regelmässig in der Stadtbücherei und bin von dort immer mit einer vollen Tasche Bücher nach Hause gefahren. Das war für mich der erste, einfache und kostengünstige Schritt die weite Welt des Buches kennenzulernen. Später habe ich dann selbst eine Kinderbücherei in der Städt. Kinderklinik Nürnberg aufgebaut.

Stadtbibliotheken, das Angebot Kinder ans Lesen heran zu führen, aber auch einen Raum zu schaffen, in dem jeder die unendliche Weite des Wortes entdecken kann, ist eine der wichtigsten Steuerausgaben einer Kommune. Hier in den Räumen von Stadtbüchereien werden Weichen fürs Leben gestellt.

Klar, nun kommen die Kritiker und sagen einem, Bücher, pfff, wer braucht die noch? Ipad, Kindle, Lesen am Bildschirm, das sei die Zukunft. Wer so denkt, vergisst jedoch die Notwendigkeit, die wunderbare Welt der Phantasie zu fördern. Und die beginnt schon mit dem Geruch eines Buches. Man nenne mich altmodisch oder nicht zeitgemäß, ist mir alles recht. Aber wenn die Stadt Oakland den Plan umsetzt, 14 Niederlassungen der Stadtbibliothek zu schließen, nur drei Außenstellen und die Zentrale unter stark beschränkten Öffnungszeiten weiter zu führen, dann frage ich mich wirklich, was Politiker eigentlich denken.

Wer diesen Blog regelmäßig liest, weiß, ich bin kein Fan der Bürgermeisterin von Oakland, Jean Quan. Sie wurde nicht mit den meisten Stimmen gewählt und geht einem mit ihrem Gequake so ziemlich regelmäßig auf den Geist. Oakland ist eine hochverschuldete Stadt. Auch hier muß man an allen Ecken und Enden sparen. Doch bei Büchereien hört der Spaß auf. Hier zeigt sich, wie wichtig Kultur- und Wissensvermittlung, ethnische Vielfalt, Weiter- und Fortbildung für Lokalpolitiker wirklich ist. Und nicht nur das, in einer Stadt mit unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen ist die Bücherei mehr als nur eine Ansammlung von Buchregalen. Hier treffen sich alte und junge Menschen, tauschen sich aus, nutzen den sicheren Raum für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Die Büchereien in Oakland sind in vielen Stadtteilen die einzigen sicheren Einrichtungen für Kinder und Jugendliche.

Jean Quan hat keinen Plan, und das reimt sich auch noch und ist nicht gut! Es geht bei der Aufrechterhaltung des derzeitigen  Büchereiangebotes nicht um riesige Beträge. Ja, Millionen, aber keine Unsummen. Wenn aber versucht wird ein professionelles Football- und ein professionelles Baseballteam mit erheblichen Beträgen aus lokalen Steuermitteln in der Stadt zu halten, aber gleichzeitig vielen Lesern die Bücher vor der Nase zuzuklappen, dann ist Schicht im Schacht. Auch als Nichtwähler zahle ich in dieser Stadt Steuern. Nächste Woche ist hier eine öffentliche Stadtratssitzung, ich glaube, ich werde denen mal etwas von Lemmi und den Schmökern erzählen.

Kaputt bewahren

Ich habe schon viel über Oakland geschrieben. Seit 1999 lebe ich in dieser Stadt und langsam habe ich vom vielen Kopfschütteln schon Nackenprobleme. Kein Wunder, bei dem, was hier so alles passiert. Einmal wird der Slang der Afro-Amerikaner zur Sprache erhoben und in den lokalen Schulen unterrichtet „Yo, Man, wuzz up“. Ein anderes mal wird Jean Quan zur Bürgermeisterin bestimmt, obwohl sie in der Wahl weit weniger Stimmen bekommt als der eigentliche Frontrunner. Und nun will der Oakland Zoo sich vergrößern. Natürlich wurde das schon von der Stadt abgenickt.

Der Grund für die Expansion ist ein neues Projekt des Tiergartens. Man wolle sich mehr auf heimische Tiere und Pflanzen konzentrieren und die Vielfalt der Flora und Fauna Kaliforniens zeigen und bewahren. Einziges schildbürgerliches Problem ist, der Zoo will ein Riesengebiet in den Oakland Hills, dem sogenannten Knowland Park, platt machen, bebauen, für die Erweiterung nutzen. Doch dieses Gebiet steht unter Naturschutz, weil gerade hier viele heimische Tiere und Pflanzenarten ungestört leben können. Darunter auch viele geschützte Arten. Die Offiziellen des Tiergartens erklärten, man werde die Neuorientierung des Zoos behutsam angehen und alles umweltkonform aufbauen. Allerdings eben auf Kosten von allem was da kreucht und fleucht. Eine Bürgerinitiative will nun die Expansionspläne der „Artenschützer“ stoppen. Oakland, Oakland….ich kriege schon Krämpfe im Nacken.