Rübe ab in Kalifornien!

Vor ein paar Wochen war noch Markus Löning, der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, in San Francisco. Er besuchte das Staatsgefängnis von San Quentin auf der anderen Seite der Bay und sprach danach auch mit Jeanne Woodford von Death Penalty Focus. Löning erklärte mir danach im Gespräch, dass er vom Erfolg der Kampagne überzeigt sei, dass Kalifornien ein wichtiges Zeichen gegen die Todesstrafe in den  USA setzen werde.

DPF stand hinter der Initiative „Proposition 34“, die am Dienstag zur Abstimmung kam. Darin ging es um die Zukunft der Todesstrafe. Die Höchststrafen für 706 Männer und 19 Frauen sollten in lebenslange Haftstrafen ohne Aussicht auf Begnadigung umgewandelt werden. Woodford und Death Penalty Focus führten an, dass das dem Staat weitaus billiger käme und langfristig mehr für die Sicherheit in Kalifornien beitrage. Denn damit könnten eingesparte Mittel für die Kriminalitätsbekämpfung eingesetzt werden. 46 Prozent der Morde, 56 Prozent der Vergewaltigungen in Kalifornien werden nicht aufgeklärt. Das liegt zum Teil auch daran, weil die Polizeibehörden nicht genügend Mittel zur Verfügung haben, an allen Ecken und Enden einsparen müssen.

Doch fast 54 Prozent der Wähler stimmten für die Beibehaltung der Todesstrafe in Kalifornien. Alle gutgemeinten Argumente halfen nichts, der Großteil der Wähler will Köpfe rollen sehen. Auch wenn seit 2006 niemand mehr hingerichtet wurde, egal, ein Mord muss mit einem staatlichen sanktionierten Mord beglichen werden.

Im NZ Interview führte Jeanne Woodford aus, dass die Todesstrafe in Kalifornien eine Fiktion sei. Seit der Wiedereinführung der „Death Penalty“ in Kalifornien 1978 wurden 13 Verurteilte hingerichtet. Dem steht eine Zahl von Häftlingen gegenüber, die deutlich macht, dass sich auch in Zukunft die Reihen der zum Tode Verurteilten nicht lichten werden. Die Richter kommen mit den Einsprüchen und automatischen Berufungsverhandlungen nicht nach. Es werden mehr zum Tode Verurteilte im Gefängnis eines natürlichen Todes sterben, als jemals in der Todeskammer ihr Leben lassen. Jeanne Woodford und ihren Mitstreitern war klar, dass diese Diskussion über das für und wider Todesstrafe nicht auf einer moralischen Ebene geführt werden darf. Aber selbst beim Geldargument waren die Wähler im Blutrausch. Die kalifornischen Steuerzahler wird dieses Votum vom Dienstag Hunderte von Millionen Dollar kosten. Geld, das dem Staat fehlt und an anderer Stelle eingespart werden muß. Ich warte schon jetzt auf das Gekreische bei weiteren Einsparungen im öffentlichen Schulsystem.

 

Gemeinsam gegen die Todesstrafe

Internationaler Tag gegen die Todesstrafe     

Am heutigen 10. Oktober ist der internationale Tag gegen die Todesstrafe. In 57 Staaten der Welt sitzen rund 20.000 Menschen in den Todeszellen und warten auf ihre Hinrichtung. Allein in den USA, sind 3170 Gefangene auf Death Row untergebracht.

Vor zehn Jahren gab es den ersten internationalen Tag gegen die Höchststrafe, der von 130 Nichtregierungsorganisationen ausgerufen wurde. Damals hatten erst 111 Staaten ein Verbot der Todesstrafe per Gesetz festgeschrieben. Heute sind es bereits 141.

In Kalifornien wird am 6. November auch über die Zukunft der Todesstrafe in diesem Bundesstaat abgestimmt. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass auch im Pazifikstaat niemand mehr hingerichtet werden wird. Und Kalifornien könnte den Trend für weitere amerikanische Bundesstaaten anführen. Wie Jeanne Woodford von Death Penalty Focus im obigen Audiobericht erklärt, wird schon bald der Wendepunkt in den USA erreicht sein. Sie sieht das Ende der Todesstrafe in Amerika in 10-15 Jahren.

Todesstrafenbefürworter auf Death Row

Am 6. November wird in Kalifornien auch über die Zukunft der Todesstrafe abgestimmt. Jeanne Woodford, die Leiterin von „Death Penalty Focus“, ist sich sicher, dass die Wähler in diesem Bundesstaat der Höchststrafe ein Ende setzen. Damit würden die Strafsätze der 725 Todeskandidaten in eine lebenslängliche Haftstrafe ohne Aussicht auf Bewährung umgewandelt werden.

Doch wenn man mit zum Tode Verurteilten in San Quentin spricht, dann ist man von den Antworten der Häftlinge mehr als überrascht. Sie nämlich wollen zum Großteil das jetzige System beibehalten. Das liegt sicherlich auch daran, dass seit 1978 erst 13 Häftlinge hingerichtet wurden. Die Todesstrafe in Kalifornien, wie Jeanne Woodford es beschreibt, eine Fiktion ist. Hauptgrund für die Haltunge der Todeskandidaten ist jedoch, dass der kalifornische Staat für „Death Row“ Fälle weitaus mehr Geld und Einspruchmöglichkeiten zur Verfügung stellt, als in „normalen“ Mordfällen. Das hieße für den Großteil der jetzigen Todeskandidaten, dass sie schon jetzt das Ende der Fahnenstange erreicht hätten und keinerlei, wenn auch nur theoretische, Aussicht mehr auf eine Freilassung hätten.

Wenn man mit „Death Row“ Insassen spricht, sagen einem viele, sie haben die Tat, für die sie verurteilt wurden nicht getan. Andere meinen, die Anwälte im Verfahren hätten vieles nicht beachtet oder übersehen, seien unfähig gewesen. Wichtig für diese „Capital Crime“ Fälle ist auch, dass sie nach einem staatlichen Richter in Kalifornien, der gewählt wird, auch noch einem Bundesrichter vorgelegt werden. Und der wird auf Lebenszeiten berufen, heißt, er muss sich nicht zur Wiederwahl stellen und kann diese Fälle wirklich objektiv und ohne eigene Interessen und Bedenken betrachten.

Auf alle Fälle ist Proposition 34 auf „Death Row“ umstritten. Dennoch, es geht um eine Neuausrichtung der Strafjustiz in Kalifornien, um eine Reform, für die viel Geld benötigt wird. Geld, das beim System Todesstrafe eingespart werden kann und sollte. In diesem Fall sollte man wohl die Einwände der Betroffenen vollends außer acht lassen.

„Ich sehe das Ende der Todesstrafe“

Vor ein paar Tagen traf ich in ihrem kleinen Downtown Büro Jeanne Woodford. Sie ist Direktorin von Death Penalty Focus, der größten Todesstrafengegner Organisation in den USA. Lange Zeit drängte ich auf dieses Interview, doch Woodford ist beschäftigt. Am Wahltag im November stimmen die Wähler auch über die Zukunft der „Death Penalty“ in Kalifornien ab. Und die Kampagne für eine Aussetzung der Höchststrafe wird von ihr geleitet.

Death Penalty Focus hätte keine bessere Frau für diese Aufgabe finden können. Mehr als 25 Jahre arbeitete sie selbst in San Quentin, war u.a. Gefängnisdirektorin, mußte dabei vier Hinrichtungen ausführen, arbeitete anschließend für die Schwarzenegger Administration an einer Gefängnisreform. Jeanne Woodford ist ein respektierte und geachtete Frau, belesen, erfahren, analysierend. Ihr macht bei diesem Thema niemand etwas vor. Sie kennt die Fakten und den Alltag auf Death Row, sie weiß, welche Folgen Hinrichtungen für Angehörige der Opfer und des Täters, genauso wie für die Gefänfnismitarbeiter haben. Doch sie kennt vor allem die Zahlen, die belegen, dass die Todesstrafe zu teuer und einfach nicht effektiv ist. Es sei eine „falsche und gescheiterte Politik“, die nichts, aber auch gar nichts mit der „öffentlichen Sicherheit“ zu tun habe.

Jeanne Woodford wirkt im Interview konzentriert doch auch distanziert, nur selten läßt sie persönliche Gedanken und Empfindungen durchblicken. Und wenn doch, wird schnell klar, dass sie sich aus ganzem Herzen zur Aufgabe gemacht hat, ihre langjährigen Erfahrungen im Kampf gegen die Todesstrafe zu nutzen. Immer mehr Bundesstaaten in den USA schaffen die Todesstrafe ab. Woodford ist sich daher sicher: „Es gibt einen Wendepunkt, an dem das US Verfassungsgericht sagt, die Todesstrafe ist nicht länger sozial akzeptabel. An dem Punkt wird sie als nicht verfassungskonform eingestuft. Ich bin mir sicher, in den nächsten 10-15 Jahren wird die Todesstrafe in den USA abgeschafft werden“.

 

 

Death Row am Ende

734 Häftlinge im Staatsgefängnis von San Quentin warten derzeit auf ihre Hinrichtung. Einige von ihnen schon seit über 30 Jahren. Wer in Kalifornien mit dem Tode bestraft wird, stirbt meist eher aus natürlichen Gründen als an einem Giftcocktail. Die Todesstrafe ist nicht schnell, sie kann es auch gar nicht sein.

Und genau das ist der Grund warum nun versucht wird, die Todesstrafe in Kalifornien ganz abzuschaffen. Den Bundesstaat quälen finanzielle Sorgen. Überall und an allem wird gespart. In der Bildung, in öffentlichen Einrichtungen, Dienstleistungen, in State Parks. Warum also nicht auch im Strafvollzug, denn Tatsache ist, die Unterbringung der Todeskandidaten und der langwierige Prozess von der Verurteilung bis zur Hinrichtung ist um ein vielfaches teurer als eine lebenslängliche Haftstrafe.

Jeanne Woodford, die 30 Jahre lang selbst in San Quentin arbeitete, als Wärterin, als Direktorin und schließlich in die Adminstration von Gouverneur Schwarzenegger berufen wurde, ist nun die Direktorin von Death Penalty Focus. Die Todesstrafengegner haben Hunderttausende Unterschriften gesammelt, damit im Herbst am Präsidentschaftswahltag auch über die Zukunft der Höchststrafe in Kalifornien abgestimmt wird. Im NZ-Interview hat Jeanne Woodford erklärt, dass es vor allem ums Geld geht und sie deshalb durchaus davon überzeugt ist, dass noch in diesem Jahr die Todesstrafe in Kalifornien abgeschafft wird.

Zum Them hier ein Audiobeitrag:

Todesstrafe in Kalifornien     

Gute Nachricht zu Weihnachten

Die frohe Weihnachtsbotschaft kommt aus Kalifornien. Alles sieht nach dem Ende der Todesstrafe im Sonnenstaat aus. Am Wahltag im kommenden November soll nicht nur der neue Präsident und der gesamte Kongreß neu bestimmt werden. Die Kalifornier werden dann auch über die Zukunft der „Capital Punishment“ abstimmen. Und alles sieht derzeit danach aus, als ob die Volksbefragung gute Chancen auf Erfolg hat.

In einem Interview mit der NZ erklärte Jeanne Woodford, die frühere Gefängnisleitung von San Quentin und jetzige Direktorin von Death Penalty Focus, dass sie davon ausgehe, dass die Kalifornier die vernünftigste Entscheidung treffen werden. Was für eine Abschaffung der Todesstrafe spreche, ist, so Woodford, dass eine lebenslange Haftstrafe dem Staat weitaus billiger komme als die Todesstrafe mit all ihren Sicherheitsbestimmungen und Einspruchmöglichkeiten. Und, Strafe müsse „schnell, um abschreckend zu sein“. Doch genau das sei die Todesstrafe nicht. Einige der Häftlinge auf der kalifornischen „Death Row“ warten bereits seit Ende der 70er Jahre auf ihre Hinrichtung.

Woodford und Death Penalty Focus bekommen immer mehr Unterstützung. Gouverneur Jerry Brown ist genauso ein erklärter Gegner der Todesstrafe, wie die kalifornische Generalstaatsanwältin Kamala Harris, die trotz ihrer erklärten Ablehnung der „Death Penalty“ 2008 gewählt wurde. Und nun meldet sich auch die höchste Richterin im Bundesstaat, Tani Cantil-Sakauye, zu Wort. In einem Interview mit der Los Angeles Times erklärte sie, dass die Todesstrafe „nicht effektiv“ sei und der Staat sich eine Reform der Höchststrafe finanziell nicht leisten könne. Tani Cantil-Sakauye ist eine frühere Staatsanwältin und wurde 1990 vom republikanischen Gouverneur Pete Wilson ernannt.

Tod für die Todesstrafe

Gestern hatte ich ein interessantes Interview mit Jeanne Woodford, der früheren Gefängnisleitung von San Quentin. Sie fing als Wärterin in den 70er Jahren an und arbeitete sich nach oben. Von Gouverneur Grey Davis wurde sie zum „Warden“ ernannt, überwachte als Gefängnisdirektorin in San Quentin vier Hinrichtungen. Von Gouverneur Arnold Schwarzenegger wurden sie später in die Administration des „California Departments of Corrections“ geholt, um dort die Reform des Strafvollzugs zu koordinieren.

Eine normale Karriere einer sehr klugen, weitsichtigen und interessanten Frau. Doch dann wendete sie sich von CDC ab und wurde die Direktorin der größten Anti-Todesstrafenorganisation „Death Penalty Focus“. Jeanne Woodford weiß wovon sie spricht, selbst Befürworter der Todesstrafe hören ihr zu, wenn sie auf die Probleme der Höchststrafe und im Strafvollzug allgemein hinweist. Ihr macht niemand etwas vor.

Wir sprachen über ihren Werdegang, ihre Erfahrungen, ihre Sicht auf Strafvollzug und Todesstrafe, über ihre sehr persönlichen Erlebnisse mit Todeskandidaten, aber auch über die Zukunft der „Death Penalty“ in Kalifornien und in den USA. Woodford ist sich sicher, dass im kommenden Jahr die kalifornischen Wähler die Todesstrafe in diesem Bundesstaat abschaffen werden.

Das ganze Interview gibt es demnächst in der Printausgabe der Nürnberger Zeitung zu lesen.