„Lyin‘ Ted“ und Donalds Tweet

Im Wahlkampf 2016 machte sich Donald Trump über so manchen Gegner lustig. Jeb Bush hatte „low energy“, Marco Rubio war zu klein („little Mario“), Bernie Sanders war für Trump nur „Crazy Bernie“ und natürlich gab es da auch „Crooked Hillary“. Einer aus der eigenen Partei, der bis zum Schluß sein Fett abbekam war „Lyin‘ Ted“, damit gemeint war der texanisch-republikanische Senator Ted Cruz. Beide schenkten sich im Wahlkampf nichts, doch vor allem Trump griff Cruz immer wieder auf Twitter an. Unbarmherzig, brutal und frontal.

Foto: GoFundMe.

Nach der erfolgreichen Wahl von Donald Trump wurde das Geschimpfe begraben, nun war man wieder beste Freunde. Allerdings haben so einige die bitteren und beleidigenden Worte von Trump in Richtung Ted Cruz nicht vergessen. Einer davon Antonio Arellano, ein Aktivist aus Houston, der kurzerhand eine GoFundMe Seite online stellte, um seine Idee einer großen Billboard-Tafel zu verwirklichen. Und die soll nun schon bald genau dort stehen, wo Präsident Trump schon bald  für seinen Senator Ted Cruz im Wahlkampf auftreten will. Cruz muss sich nämlich einer Wiederwahl stellen und sein Sieg im November ist nicht sicher. Man kann sich also fragen, wie die Wählerinnen und Wähler darüber denken, wenn Trump für Cruz wirbt, wenn er noch vor kurzem über ihn sagte, dass Ted Cruz eigentlich so rein gar nichts für die Texaner erreicht hat, „all talk, no action“!

Der amerikanische Witzwahlkampf

Trump gewinnt South Carolina, Bush steigt erwartungsgemäß aus und ist um 96 Millionen Dollar leichter. Gerade mal 80.000 Wählerinnen und Wähler nehmen an der Vorwahl der Demokraten in Nevada teil. Und wenn im Juni endlich im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien abgestimmt wird, ist alles gelaufen.

Da waren es nur noch fünf. Foto: Reuters.

Da waren es nur noch fünf. Foto: Reuters.

Es ist schon ein seltsames Demokratieverständnis in den USA, dass in Iowa und New Hampshire der nächste Präsident vorbestimmt wird. Beide Bundesstaaten sind alles andere als repräsentativ, doch die Wahlentscheidung dort hat einige Kandidaten zu Fall gebracht. Am Ende bleiben jene übrig, die die größte Klappe oder das meiste Geld haben. Wir hier drüben in Kalifornien werden erst am 7. Juni abstimmen, dann stehen die Kandidaten der jeweiligen Partei schon fest.

In diesem Jahr ist vor allem auffällig, was sich da auf der republikanischen Seite tut. Donald Trump, der Besserwisser mit goldener Haartolle, dominiert mit Nichtaussagen den Wahlkampf. Auch in South Carolina gewinnt er deutlich und das sogar mit den Stimmen der Christlich-Konservativen im Land. Darauf hatte Ted Cruz gehofft, der nur dritter wurde. Marco Rubio, der immerhin die Unterstützung der Gouverneurin Nikki Haley hatte, kommt gerade so auf den zweiten Rang, dennoch zehn Prozentpunkte hinter Trump. Jeb Bush, abgeschlagen auf dem vierten Platz, erklärt daraufhin das Ende seiner Kandidatur.

Im Rennen geblieben ist noch John Kasich und Ben Carson. Bei letzterem fragt man sich, was er noch erreichen will. Seine Tage sind lang vorbei. Kasich hingegen ist der letzte verbliebene gemäßigte Republikaner. Er setzt alles auf Michigan und seinen Bundesstaat Ohio, wo am 8. und 15. März gewählt wird. Wenn er da nicht punkten kann, ist für ihn die Wahl gelaufen. Dann sind die Republikaner fest in der Hand von radikalen Stimmen. Denn sowohl Trump, wie auch Cruz, Rubio und Carson haben bereits angekündigt, im Falle eines Wahlsieges alle politischen Entscheidungen von Barack Obama rückgängig zu machen.

Am Super-Tuesday, am 1. März, wird in 14 Bundesstaaten gewählt. Danach wird das Feld noch einmal kleiner werden oder sich schon eine Entscheidung absehen lassen. Zumindest bei den Republikanern. Bei den Demokraten hingegen wird es so schnell nicht gehen. Bernie Sanders hat genügend Unterstützung und Geld in der Kasse, um seine Ideen und Forderungen bis zum Parteikonvent am 25. Juli in Philadelphia zu bringen. Er will eine politische Revolution, das heißt auch im Falle einer Niederlage, die Politik der Demokraten und damit Hillary Clintons zu beeinflussen. Gute Chancen hat er, denn Hillary Clinton wird auf Sanders‘ Hilfe bei der eigentlichen Wahl ums Weiße Haus angewiesen sein.

Das Ende der Bush-Ära

Den Namen kennt man, Mama kam, sogar der große Bruder reiste an, um ihm zu helfen. Doch am Ende war es das wohl mit der Präsidentschaftskandidatur von Jeb Bush. Er galt lange Zeit als der Kandidat der Republikaner. Bekannter Name, erfolgreich als Gouverneur eines wichtigen Bundesstaates, er hatte die richtigen Verbindungen in die Partei und zu Spendern und konnte vor allem viel Geld sammeln.

Die Gouverneurin von South Carolina, Niki Haley, unterstützt lieber Marco Rubio als ihren Freund Jeb Bush. Foto: Reuters.

Die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, unterstützt lieber Marco Rubio als ihren Freund Jeb Bush. Foto: Reuters.

Aber dann kam alles anders. Erst drängelten sich mehr und mehr Kandidaten auf der republikanischen Seite nach vorne, die alle ins Oval Office wollten. Und schließlich übernahm der Egomane Donald Trump das Zepter im Wahlkampf. Seine verbalen Ergüsse und Hirngespinste bestimmten fortan das Geschehen. Bush wurde von Umfrage zu Umfrage nach hinten durchgereicht. Das Ergebnis in Iowa ein einziges Desaster. New Hampshire war nicht viel besser. Und nun steht South Carolina an, da sollte es eigentlich klappen endlich nach vorne zu preschen. Daraus wird wohl wieder nichts. Der Staffellauf für Bush ist vorbei.

Donald Trump liegt in der republikanischen Wählergunst – warum auch immer – weit vorne. Dahinter ist ein offener Faustkampf um Platz zwei ausgebrochen. Beste Chancen für South Carolina hat nun der Senator Marco Rubio, den ausgerechnet die Bush-Freundin, die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, unterstützt. Jeb Bush hatte auf ihre Loyalität gehofft und sich damit ein erfolgreiches Abschneiden in South Carolina erhofft. Haley jedoch erklärte am Mittwoch, dass sie auf Marco Rubio setze, denn mit ihm als Präsidenten werde alles in Amerika besser.

Das war der Schlußpunkt für den ehemaligen Florida-Gouverneur. Haley ist beliebt in South Carolina. Mit ihrer klaren und deutlichen Entscheidung für Rubio hat sie die Wahl entschieden – zumindest für Jeb Bush. Der wartet nun noch ab, für wen die Wähler am Samstag vor allem stimmen werden. Und Wunder gibt es ja bekanntlich immer wieder, das sang schon Katja Ebstein in den 70er Jahren. Die Wahrscheinlichkeit jedoch, dass Bush am Montag noch im Rennen sein wird, sind gering. Irgendwann muß einfach Schluß sein. Der Traum vom Oval Office wird für Jeb Bush in South Carolina enden.

Ein seltsamer Wahlkampf

Sieben Kandidaten standen heute Abend auf der Bühne in Manchester, New Hampshire. Drei Gouverneure, zwei Senatoren, ein Immobilieninvestor und ein Neurochirurg. Ein paar von ihnen machen Sinn, ein paar überhaupt keinen und dann sind da noch diejenigen, vor denen man sich nur fürchten kann.

Es läuft auf einen Dreikampf zwischen Cruz, Trump und Rubio hinaus. Foto: AFP.

Es läuft bei den Republikanern auf einen Dreikampf zwischen Ted Cruz, Donald Trump und Marco Rubio hinaus. Foto: AFP.

Die Wahl in New Hampshire wird ein Wendepunkt sein. Einige der Kandidaten haben bereits angekündigt, wenn sie hier nicht besser abschneiden, werden sie sich zurückziehen. Und das sind gerade jene, die am meisten Sinn machen. John Kasich, Gouverneur von Ohio und Chris Christie, Gouverneur von New Jersey. Und auch Jeb Bush, ehemaliger Gouverneur von Florida, wird bei einem Scheitern in New Hampshire sehr genau überlegen müssen, ob er noch weitermachen will und kann. Alle drei überzeugen immer mehr in den Debatten, verweisen auf ihre Bundesstaaten, auf ihre Politik und Erfolge dort. Sie bauen auf das, was sie erreicht haben. Doch irgendwie kommt das beim Wähler nicht an.

In dem Umfragen hat bislang keiner der drei einen großen Sprung nach vorne machen können, und das, obwohl gerade Kasich und Christie viel Zeit und Geld in New Hampshire investiert haben. Wenn sie am Dienstag nicht deutlich aus dem Mitläuferfeld ausbrechen können, ist für sie das Rennen gelaufen. Allein John Kasich hat in New Hampshire 100 „Town Hall Meetings“ abgehalten. Das ist nur hier möglich, woanders im weiten Land ist sowas undenkbar. Und nach der Stimmabgabe in New Hampshire geht es Schlag auf Schlag weiter.

Nach diesem Urnengang werden weitere Kandidaten ausscheiden, das steht fest. Und wie es jetzt aussieht, könnte das ganze auf einen Dreikampf zwischen Ted Cruz, Marco Rubio und Donald Trump hinauslaufen. Damit stände wohl endgültig fest, dass die republikanische Partei nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Von Einheit, Geschlossenheit und der Bereitschaft dieses tief gespaltene Land wieder zusammen zu führen ist man dann Jahre entfernt. Auf Amerika kämen harte Zeiten zu.

Die Republikaner können auch anders

Eine richtige Debatte ohne Donald Trump. Foto: Reuters.

Eine richtige Debatte ohne Donald Trump. Foto: Reuters.

Ich dachte schon; „Oh, Graus“. Eine republikanische Debatte ohne den Unterhaltungskönig Donald Trump. Das ist ja wie Stromberg ohne Stromberg. Aber so schlimm wurde es dann doch nicht. Die sieben verbliebenen Kandidaten – Ted Cruz, Marco Rubio, Jeb Bush, Ben Carson, Rand Paul, Chris Christie und John Kasich – lieferten doch tatsächlich so etwas wie eine politische Debatte. Es gab manchmal ein Hin und ein Her, es wurden Standpunkte verteidigt, erklärt, darum gestritten. Und sicherlich gab es auch Angriffe der Kandidaten, aber eben keine Verbaltiefschläge a lá Trump. Die Republikaner können also debattieren, wenn sie denn wollen und gelassen werden.

Der Donald, der eigentlich nicht auf der Bühne sein wollte, war dennoch da. Sein Name wurde mehrmals genannt, es drehte sich auch öfters mal um seine Sicht der Dinge. Und dann hatte Trump ja auch noch kurzerhand eine Konkurrenzveranstaltung aus dem Boden gestampft. Zeitgleich lief eine Benefiz-Veranstaltung für US Veteranen, auf der die Donald-Show so richtig ins Laufen kam. Trump als Gönner, der für die „Wounded Warriors“-Stiftung fünf Millionen Dollar einsammelte.

Schon vor der Debatte am Donnerstagabend und nach seiner Ankündigung nicht mit den anderen auf der Bühne stehen zu wollen, hatte er das Rampenlicht gesucht. Interview folgte auf Interview, zuletzt wenige Minuten vor seinem eigenen Auftritt für die Veteranen im Privatjet mit CNN. Der Nachrichtensender übertrug dann pikanterweise auch zeitgleich zur FOXNews Debatte die One-Man-Show des Multimilliardärs. Ich bin so langsam wirklich gespannt, wie die ersten Wahlen in Iowa und dann New Hampshire ausgehen werden. Danach wird sich das Feld deutlich verkleinern. Dann wird sich zeigen, ob sich eine vielleicht geeinte republikanische Partei noch gegen den Egozentriker Trump wehren kann.

„Wir brauchen mehr Waffen“

      Die Waffendiskussion im Wahlkampfjahr
Ein Sturmgewehr zum Verkauf. Foto: Reuters.

Ein Sturmgewehr zum Verkauf. Foto: Reuters.

War ja klar! Präsident Barack Obama will so ein klein bißchen was beim Waffenkauf verändern und schon laufen die Republikaner Amok. Oops, falsche Wortwahl bei diesem heiklen Thema. Denn das wollen die Republikaner ja nicht, also Amok laufen. Sie sagen ja, wie nun Jeb Bush in seinem jüngsten Wahlkampfvideo, dass „gesetzestreue, bewaffnete Amerikaner machen das Land sicherer.“ Nach der Logik, müsste ich eigentlich im Garten Eden leben, denn nirgends sonst auf Welt, sind so viele Knarren im Umlauf. Oben gibt es einen aktuellen Audio-Beitrag zum Anhören.

Donald Trump, Goethe und die Geister

Donald Trump ist ein Phänomen. Der Immobilienmogul und Milliardär hat mit seiner NBC-Sendung „The Apprentice“ das „Reality TV“ in den USA aufgemischt, seine Worte „You’re fired“ sind in den amerikanischen Alltagssprachgebrauch eingegangen. Obwohl er der superreichen High Society angehört, gern gesehen ist auf den vielen Parties und Events im Big Apple, wird er doch von vielen als ein Unikum belächelt. Seine Haarpracht ist legendär. Der selbstverliebte Trump sagt, was er will. Trump nimmt keine Rücksicht auf niemanden, das ist seine Lebensleitlinie.

Donald Trump versaut den Republikanern den Wahlkampf. Foto: AFP.

Donald Trump versaut den Republikanern den Wahlkampf. Foto: AFP.

Wenn man sich die Äußerungen Trumps der vergangenen Jahre durchliest, dann wird einem schnell klar, dass der Donald regelmäßig mit rassistischen und sexistischen Kommentaren aufgefallen ist und auch vor Verschwörungstheorien nicht zurückschreckte. Trump lässt nicht erst als Kandidat ums Weiße Haus die Sau raus. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass der Präsidentschaftsaspirant auch nach Monaten im Rennen und nach Tiefschlägen gegen Mexikanern, Frauen, Flüchtlingen, internationalen Partern und Obama noch immer in Führung liegt. Keiner kann sagen, man habe von nichts gewußt.

Der Narzist Trump spielte und spielt mit offenen Karten. Und seine Partei, für die er kandidiert, schaut taten- und hilflos zu. Niemand distanziert sich klar und deutlich, keiner weist den Milliardär in seine Schranken. Weder führende republikanische Politiker im Kongress und Senat, noch Mitbewerber um die Kandidatur der Partei. Letztere erklären zwar hin und wieder, Trump hätte dies oder das nicht sagen sollen, um dann im gleichen Atemzug noch eins drauf zu setzen. Ben Carson reagierte auf die Äußerung Trumps, Moslems in den USA registrieren zu lassen, mit der Aussage, das setze ein „gefährliches Signal“. Doch Carson selbst meinte zuvor, ein Moslem als amerikanischer Präsident sei „undenkbar“. Auch verglich er Flüchtlinge mit „tollwütigen Hunden“. Und auch Jeb Bush meinte, der Vorschlag Trumps sei „abscheulich“, um kurz darauf zu erklären, die USA sollten nur „christliche Flüchtlinge“ aus Syrien aufnehmen.

Die Grand Old Party läßt Donald Trump weiter wüten. Er bestimmt die Themen im Wahlkampf, gibt Steilpässe für das gesamte GOP-Team, hinter denen die anderen Kandidaten nur her hecheln. Niemand stoppt den Donald, der sich von den Umfragewerten bestätigt fühlt. Ein Wahlkampf des Klamauks und der Provokation. Doch die Zeit läuft den Republikanern davon. Glaubten anfangs noch viele Parteioberen und Kommentatoren, Donald Trump wäre nur ein kurzzeitiges Gastspiel auf der Wahlkampfbühne vergönnt, der sieht sich nun eines besseren belehrt. Trump blieb im Rennen und versaut den Republikanern den sicher geglaubten Wahlsieg gegen Hillary. In ein paar Wochen, am 1. Februar, wird in Iowa gewählt, vier Wochen später haben bereits 16 Bundesstaaten ihre Stimmen für den republikanischen Kandidaten abgegeben. Trump hat mittlerweile gute Chancen der Kandidat der Partei zu werden, die ihn eigentlich gar nicht haben will. Und das alles nur, weil man zu lange seinem Polterkurs zugeschaut hat. Das erinnert schon sehr an die Geister aus Goethes „Zauberlehrling“, die man rief und nicht mehr los wurde.

Vom Hoffnungsträger keine Spur (mehr)

Es wurde viel geschrieben über das Duell der Polit-Dinos Bush vs. Hillary. Jeb Bush gegen Hillary Clinton. Beide seien die Zugpferde ihrer Partei, haben den bekannten Namen, können sehr viel Geld bei Spendern eintreiben. Doch aus dem Zweikampf wird nichts. Hillary marschiert zwar weiterhin auf die Nominierung ihrer Partei zu, aber der ehemalige Gouverneur von Florida, Jeb Bush, wird wohl nicht der Kandidat seiner Partei werden.

Irgendwie fehl am Platz: Kandidat Jeb Bush. Foto: AFP.

Irgendwie fehl am Platz: Kandidat Jeb Bush. Foto: AFP.

Für alle überraschend ist Bush nicht der Frontrunner der Republikaner. Das Geld hat er, die Erfahrungen auch und dazu noch zwei ehemalige Präsidenten in der Familie, die ihm liebend gerne zur Seite springen würden. Aber Jeb Bush kann einfach nicht überzeugen. Bei den drei Fernsehdebatten stand er irgendwie deplatziert auf der Bühne, so, als wolle er sagen „was mache ich hier eigentlich?“. Am besten hat das wohl der omnipräsente Donald Trump ausgedrückt, der Bush als „low energy“ umschrieb. Kein Elan, keine Energie, keine Stimmungskanone. Jeb Bush überzeugt kaum noch jemanden, von einem mitreißenden Wahlkampf keine Spur.

Das drückt sich auch in den Umfragen aus. Der Präsidentenbruder und -sohn kommt einfach nicht voran. Er hängt bei seinen paar Prozentpunkten fest, andere liegen weit vor ihm, er schafft es nicht aus dem Umfragekeller herauszukommen. Nun hofft Jeb Bush auf die Vorwahlen in New Hampshire, ein politisch unbedeutender Kleinstaat, in dem als zweites gewählt wird. Hier will er punkten, hier setzt er fortan seine Kräfte und sein Geld ein. Es soll ein positives Zeichen von New Hampshire ausgehen, von hier aus will er das Feld aufrollen. Doch Beobachter und Kommentatoren glauben nicht an das Wunschdenken von Jeb Bush. Und auch nicht daran, ob er es überhaupt bis zum Beginn der Vorwahlen schaffen wird. Zwar erklärt der 62jährige ständig, seine Kampagne verlaufe ganz nach Plan und sein Team sei guter Dinge, doch hinter den Kulissen sieht es anders aus. Einigen Mitarbeitern wurde bereits gekündigt, anderen die Gehälter gekürzt. Die Stimmung im Team Bush ist alles andere als gut, denn egal, was man auch macht und versucht, es zahlt sich nicht aus in den Umfragen.

Jeb Bush wird wohl nicht der Kandidat seiner Partei werden, es scheint, er will es auch gar nicht. Seine Körpersprache ist eindeutig. Es sieht so aus, als ob er sich zu dieser Kandidatur überreden ließ, wahrscheinlich mit dem Argument, dass er die Partei hinter sich habe. Doch dann kamen Trump und Carson und ein Dutzend weiterer Kandidaten und die Frage, für was steht eigentlich Jeb Bush? Er ist kein Kämpfer, kein Entertainer, kein motivierender und mitreißender Politiker. Und auch eine große Vision für das Land fehlt ihm. Jeb Bush wird wohl nur noch hoffen, einigermaßen glimpflich aus dem Abenteuer Präsidentschaftswahlkampf heraus zu kommen. Das kann man ihm nur wünschen.

Eine politische Woche

Es tat sich einiges in dieser Woche. Zwei Demokraten, Jim Webb und Lincoln Chafee, beendeten ihre aussichtslose Kandidatur ums Rennen für das Weiße Haus. Joe Biden kündigte das Ende seines angedachten Umzugs ins Oval Office an und machte damit endgültig Platz für Hillary, die in dieser Woche im Mittelpunkt in Washington DC stand. Clinton überzeugte bei der Marathonanhörung über ihre Rolle und wann sie was wußte beim Terrorangriff auf das US Konsulat im lybischen Bengasi. Die Republikaner veranstalteten ein Tribunal im Wahlkampf, um, wie es der Fraktionsvorsitzende der GOP, Kevin McCarthy, nannte, Hillary auf ihrem Weg ins Weiße Haus zu stoppen. Ein politisches Fanal sollte es werden, doch daraus wurde nichts. Hillary Clinton war gut auf die Angriffe vorbereitet.

Der Demokrat Lincoln Chafee gab auf. Eine Chance hatte er im Präsidentschaftsrennen sowieso nicht. Foto:  Brian Snyder/Reuters.

Der Demokrat Lincoln Chafee gab auf. Eine Chance hatte er im Wahlkampf sowieso nicht. Foto: Brian Snyder/Reuters.

Doch das war noch nicht alles in dieser Woche. Die Umfragen unter republikanischen Wählern ergaben, dass fast 60 Prozent für einen Außenseiter stimmen würden. Donald Trump, Ben Carson und Carly Fiorina führen derzeit die Republikaner vor. Der Wahlkampf verläuft so gar nicht nach den Plänen des konservativen Establishments in den USA. Das Darling der Partei, der Gouverneur von Wisconin Scott Walker, ist bereits aus dem Rennen ausgeschieden. Auch der ambitionierte Texaner Rick Perry ist Vergangenheit. Und nun muß sogar Jeb Bush eingestehen, dass ihm das Geld knapp wird. Im Vorfeld sammelte Bush fast 100 Millionen Dollar ein, davon scheint nicht mehr viel übrig zu sein. Er setzt nun auf einen Schmalspurwahlkampf, um überhaupt noch bis zum Beginn der Vorwahlen in Iowa zu kommen. In den Umfragen liegt er weit abgeschlagen.

Der einzige Republikaner, der politische Erfahrung mitbringt und vielleicht noch eine Chance hat, ist der 44jährige Senator aus Florida, Marco Rubio. Aber selbst er liegt derzeit mehr als zehn Prozentpunkte hinter Ben Carson und weit über 20 Prozentpunkte hinter Donald Trump. Alle Kandidaten, bis auf den Milliardär Trump, hängen am Geldhahn der Spender. Der Donald lacht nur darüber und greift in seine eigene Tasche. Mittlerweile erkennen auch die Medien in den USA, dass Trump keine Lachnummer ist. Er will durchhalten und wird wohl auch bis zu den Vorwahlen in Iowa, New Hampshire und dem „Super Tuesday“ im Rennen bleiben.

Am kommenden Mittwoch findet die dritte republikanische Fernsehdebatte statt. Danach, das ist schon jetzt klar, wird sich das Kandidatenfeld weiter lichten. Wer hier nicht punktet, sollte aufhören, gerade auch im Hinblick auf den eigentlichen politischen Gegner, die Demokraten. Denn dort entwickelt sich ein Zweikampf zwischen einer Überfrau und einem Senator, der keine Negativkampagne führen will. Hillary Clinton hat noch Schonzeit. Das liegt vor allem jedoch am Unvermögen der Republikaner, die aktuell die besten Wahlkampfhelfer der einstigen First Lady sind.

 

„We are doomed“

Donald Trump kämpft ohne Bandagen. Foto: Reuters.

Donald Trump kämpft ohne Bandagen. Foto: Reuters.

Die jüngsten Zahlen machen einen schon etwas nervös. Donald Trump führt mit 32 Prozent das republikanische Kandidatenfeld an. Hinter ihm, mit 22 Prozent, der Neurochirurg Ben Carson. Weit abgeschlagen sind Marco Rubio mit zehn Prozent und dann Jeb Bush mit nur noch sieben Prozent. Es ist ein Desaster für die Republikaner, denn derzeit wollen mehr als die Hälfte der Wähler einen politischen Außenseiter im Weißen Haus. Die bekannten Politköpfe sind nicht gefragt, haben ausgedient, kommen wenige Monate vor dem Beginn der Vorwahlen in Iowa an ihre Grenzen. Geldgeber wenden sich ab, die Themen, die sie ansprechen sind nicht gefragt, sie müssen mehr reagieren auf das, was Trump und Carson von sich geben, als ihre eigenen Visionen für die USA darzulegen. Auweia, Republikaner!

Auf der demokratischen Seite scheint das Rennen gelaufen zu sein. Hillary Clinton hat eine komfortable Führung in den Umfragen. Auch wenn Bernie Sanders immer mal wieder Achtungserfolge erzielt, er wird die „Grand Lady“ der Partei nicht stürzen können. Mit der Absage von Joe Biden gibt es innerparteilich keine ernstzunehmende Konkurrenz mehr für Hillary.

Also, könnte es zu einem Zweikampf Clinton gegen Trump kommen? Was ich vor einem halben Jahr noch als unmöglich gehalten habe, ist nun durchaus denkbar. Doch der Donald hat noch harte Monate vor sich. Ja, er liegt in den Umfragen klar vorne, doch bei zwei wichtigen Wählergruppen fällt er durch: Frauen und Hispanics. Sein großes Mundwerk hat ihn da in die Bredouille gebracht. Wenn er tatsächlich als Sieger aus den republikanischen Vorwahlen hevorgehen sollte, dann muß Donald Trump eine Kehrtwende machen, denn ohne die Stimmen der Hispanics im Land hat er am 8. November keine Chance. Bei den Frauen könnte Trump durchaus noch punkten, denn Hillary Clinton ist nicht gerade beliebt bei ihnen, warum auch immer.

Trump vs. Clinton wäre ein offener Schlagabtausch, in dem es vor allem um Tiefschläge gehen würde. Trump macht seit Wochen klar, dass sein Wahlkampf der schmutzigste aller Zeiten werden wird. Nichts und niemand ist vor ihm sicher. Eine Hillary Clinton wäre da keine Ausnahme. Doch Hillary ist erfahren genug, sie kann nicht nur einstecken, sie würde auch mit aller Konsequenz austeilen. Klar, es wäre ein mehr als unterhaltsamer, doch auch ein brutaler und folgenreicher Wahlkampf. Denn am Ende würde jemand ins Weiße Haus einziehen, dem oder der man nicht trauen kann.