Die patriotische Football Front

Die NFL, die National Football League, hat immer mal wieder Probleme mit den eigenen Spielern. Greg Hardy von den Carolina Panthers wurde wegen häuslicher Gewalt gegen seine Freundin für schuldig befunden. Doch das war kein Problem für die Dallas Cowboys den „Linebacker“ zu verpflichten. Der Besitzer der Cowboys, Jerry Jones, meinte sogar, Hardy sei „einer der wahren Führungsspieler im Team“. Jones hatte auch schon Josh Brent erneut ins Team geholt, nachdem der alkoholisiert einen Verkehrsunfall verursachte, bei dem sein Mitspieler Jerry Brown ums Leben kam.

Ray Rice von den Baltimore Ravens wurde in einem Aufzug von einer Überwachungskamera gefilmt, wie er seine damalige Verlobte zusammenschlug. Erst liess ihn die NFL fallen, doch dann einigte man sich in einer Klage auf ein Millionen Dollar schweres Abfindungspaket. Und die Fans standen dennoch zu Rice, viele trugen bei Heimspielen T-Shirts mit dem Aufdruck: „Free Ray Rice“.

Gewalt gegen Freundinnen, Partnerinnen, Ehefrauen ist bei NFL-Spielern keine Seltenheit. Auch die Horrorbilder von Tierquälerei und die folgende Verurteilung von Michael Vick hielten gleich mehrere NFL Teams nicht davon ab, den Quarterback wieder anzuheuern. Vick hatte in einem seiner Häuser einen Hundekampfring aufgezogen. „Verlierer“ wurden erdrosselt, erschossen, ertränkt, erhängt oder mit Elektroschocks hingerichtet. Nach seiner Haftstrafe wurde Vick erst von den Philadelphia Eagles, dann den New York Jets und schließlich von den Pittsburgh Steelers unter Vertrag genommen.

Egal, wie brutal und folgenschwer die Straftaten auch waren, die 32 weißen, superreichen Männer, denen die NFL-Teams gehören, hatten nie ein Problem einem „guten“ Spieler zu verzeihen. Frei nach Johanna von Koczian: Das bisschen Blut, Schlagen und Töten ist ja nicht so schlimm, sagt mein Mann.

Colin Kaepernick (rechts) wagt es mit einem Mitspieler während der Nationalhymne zu knien.

Anders jedoch sieht es da im Fall Colin Kaepernick aus, dem ehemaligen Quarterback der San Francisco 49ers. Kaepernick hat weder um sich geschlagen, ist nicht besoffen oder bedröhnt und mit weitreichenden Folgen durch die Gegend gefahren, hat auch keinem anderen und keinem Tier etwas zuleide getan. Kaepernick hat sich vielmehr hingekniet. Das war alles. Und zwar immer wieder dann, wenn in den Stadien die Nationalhymne angestimmt wurde. Der Footballspieler wollte so ein Zeichen setzen: „Ich werde nicht stehen, um stolz auf die Fahne eines Landes zu sein, in dem Schwarze und Menschen mit dunkler Hautfarbe unterdrückt werden. Für mich ist das wichtiger als Football und es wäre verlogen von mir, das nicht wahrzunehmen. Da liegen Menschen in den Straßen, da bekommen andere bezahlten Sonderurlaub und kommen mit Mord durch.“ Damit spielte Kaepernick auf die „Black Lives Matter“ Bewegung an, auf die zahlreichen Toten nach Polizeiaktionen und die oftmals Straffreiheit der Beamten.

Fan Protest gegen Colin Kaepernick. Fotos: Reuters.

Das war zu viel für die NFL. Zwar schlossen sich einige Mitspieler dem Protest an, auch in zahlreichen High Schools und Colleges knieten sich Footballspieler fortan in Solidarität mit Kaepernick und der „Black Lives Matter“ Movement auf dem Spielfeld hin, doch die Aktion spaltete das Land. Aufruhr in den Stadien, wenn die 49ers spielten, „Fans“ verbrannten Trikots von Kaepernick und posteten die Videos auf youtube, FOXNews berichtete ausführlich darüber, Kaepernick solle doch nach Kuba oder Russland gehen, wenn es ihm hier nicht passe.

Seit März 2017 ist Colin Kaepernick ohne Vertrag. Nicht weil er ein schlechter Spieler oder nicht in Form ist, sondern vielmehr weil kein Team ihm einen Vertrag geben will aus Angst, ein paar „patriotische“ Fans würden ihre Jahrestickets zurückgeben. Das ist die NFL, das ist Amerika im Jahr 2017. Wer einer Frau vor einer Überwachungskamera brutalst ins Gesicht schlägt, wer Spaß daran hat zuzusehen, wie sich Hunde zerfleischen, wer sich und andere besoffen im Straßenverkehr gefährdet, der ist in der „National Football League“ jederzeit wieder willkommen. Wer dagegen ein politisches Statement abgibt, wer den (Schein-)Patriotismus der USA hinterfragt und sei es nur dadurch während des Absingens der Nationalhymne nicht zu stehen, der wird aus der „Sportlerfamilie“ der NFL verbannt. Wie verlogen und heuchlerisch kann der Sport eigentlich noch sein?

 

 

Hände weg vom Handy

In Kalifornien darf man schon lange nicht mehr beim Autofahren telefonieren. Also mit dem Handy in der Hand. Das ist verboten, wie eigentlich fast überall in den USA. Nicht alle halten sich nicht daran, wie man tagtäglich auf den Straßen, den Highways und den Freeways sehen kann. Es wird getextet und telefoniert, als gäbe es kein Morgen. Viele meinen, wenn sie das Telefon laut geschaltet haben und es nur in der Hand und nicht am Ohr halten, sei alles in Ordnung. Falsch.

Ein bekanntes Bild im Rückspiegel. Foto: Reuters.

Ein bekanntes Bild im Rückspiegel. Foto: Reuters.

Damit ist nun Schluß. „Assembly Bill 1785“ sieht vor, dass ab dem 1. Januar 2017 mobile Telefone nicht mehr in der Hand eines Fahrers in Kalifornien gehalten werden dürfen. Weder fürs SMS schreiben, weder fürs Telefonieren und auch nicht, um auf die Navigationsapp zu schauen oder in der Musikauswahl nach passenden Autofahrsongs zu suchen. Nix geht mehr. Was erlaubt sein wird ist, dass das Handy fest in einer Halterung sitzt und man nur mal drücken oder eine Fingerbewegung zum Empfang eines Anrufes tätigen darf. Das wars.

Gouverneur Jerry Brown hat dieses neue Gesetz schon unterzeichnet, damit wird es ab dem 1. Januar geltendes Recht. Bei Zuwiderhandlungen gibt es beim ersten Mal ein 20 Dollar Ticket, danach jedes Mal 50 Dollar. Mit der Verschärfung des Gesetzes soll weiter die Unfallgefahr durch Ablenkung am Steuer reduziert werden. Die Polizei hat damit eine klare Handlungsgrundlage, denn bislang konnten sich Fahrer damit herausreden, dass sie das Telefon nur wegen der Navigation in der Hand hielten. Wichtig ist diese Information auch für Touristen, die meinen, im „Land of the Free“ sei alles nicht so eng gefasst. Auch diese Annahme ist falsch.

Duschen ist noch erlaubt

      Wasserknappheit in Kalifornien

Ja, Duschen darf man noch. Zähneputzen, Hände waschen, auch noch das Geschirr abspülen. Aber in Kalifornien ist das Wassersparen zum heißen Thema geworden. Überall wird darüber geredet, sogar DJs beim Anmoderieren von Songs sprechen von der Wasserknappheit im Bundesstaat.

Es bleibt nicht mehr viel Wasser zum Bootfahren.

Es bleibt nicht mehr viel Wasser zum Bootfahren.

Nun soll auf breiter Front gespart werden. Zumindest bei den Bürgern und den Kommunen. Das reicht vom Verbot des Autowaschens vor der Haustür, bis hin zum Nichteinschenken von Wasser in Restaurants, falls nicht danach gefragt wird. Die Farmer sind erst einmal noch davon ausgenommen, obwohl sie 80-85 Prozent des kalifornischen Wasserhaushalts verbrauchen. Doch so ganz ausgenommen sind sie dann doch nicht, wenn man sich das Central Valley und andere riesige landwirtschaftliche Flächen genauer ansieht. Viele Felder liegen brach, können aus Kostengründen nicht mehr bewässert werden. Der Preis für Wasser ist angestiegen, an vielen Orten zahlt sich der Anbau von Gemüse und Obst nicht mehr aus. Im „Golden State“ ist die Krise angekommen.

Genug Wasser ist doch da

Die Filter wurden nach Saudi Arabien verkauft, die Anlage ist zum Teil verrostet. 23 Jahre lang lag die Entsalzungsanlage im kalifornischen Santa Barbara eingemottet am Strand. Ende der 80er Jahre wurde die Anlage für 34 Millionen Dollar gebaut, es herrschte eine Dürre. Doch dann kam der Regen und die Pumpen wurden abgeschaltet. Die Produktion von Trinkwasser war so einfach zu teuer.

In Carlsbad, nördlich von San Diego, entsteht die größte Entsalzungsanlage in Nordamerika.

Im kalifornischen Carlsbad, nördlich von San Diego, entsteht die größte Entsalzungsanlage in Nordamerika.

Nun sieht es wieder ganz anders aus. Kalifornien geht ins vierte Dürrejahr, so schlimm wie heute war es noch nie. Und der Stadtrat von Santa Barbara will die alte Anlage wieder hochfahren. 40 Millionen Dollar sollen dafür veranschlagt werden, damit will man aus der Krise kommen. Die zwei großen Reservoirs rund um Santa Barbara sind nur zu 30 Prozent gefüllt. Die Bürger der Stadt hatten zwar im letzten Jahr etwa 23 Prozent des Wasserverbrauchs eingespart, doch das nutzte nicht viel. Der Wasserpegel sinkt weiter.

Umweltschützer sind entsetzt, denn durch die gewaltigen Röhren wird nicht nur das Wasser aus dem Meer abgepumpt. Fische, Kleintiere, Plankton werden ebenfalls in die Rohre gezogen. Der Schaden sei für das fragile Ökosystem nicht absehbar, beklagen sie. Santa Barbara ist nicht die einzige Stadt und Gemeinde in Kalifornien, die Entsalzungsanlagen eröffnen will. Für eine Milliarde Dollar wird in Carlsbad, nördlich von San Diego, die größte Entsalzungsanlage Nordamerikas gebaut. Dort sollen dann täglich fast 190 Millionen Liter Wasser entsalzt werden. Auch in San Luis Obispo County und in Monterey County sollen solche Anlagen entstehen.

Es ist ein teures Unterfangen, was sich am Ende nicht auszahlen wird. Denn bislang wurde nicht alles unternommen, um Wasser im Sonnenstaat einzusparen. Diese Diskussion beginnt erst jetzt und ganz langsam, gerade auch, weil Gouverneur Jerry Brown vor wenigen Tagen den Wassernotstand ausgerufen und verlangt hat, dass die Gemeinden in diesem Jahr 25 Prozent ihres Wasserhaushalts einsparen müssen. Wie, das ist nicht offen. Die Entsalzungsanlagen können nur auf lokaler Ebene etwas Abhilfe schaffen, für die Bewässerungsanlagen in den riesigen landwirtschaftlichen Betrieben im Central Valley sind sie keine Lösung. Es wäre zu teuer, das Wasser so herzustellen und dann mit gewaltigen Pumpanlagen über die Berge ins Central Valley zu schaffen.

Doch die Diskussion um die Wiederaufnahme der Entsalzung in Kalifornien zeigt, dass etwas im Umbruch ist. Der Notstand ist nun überall zu spüren, man versucht neue Wege zu gehen. Doch wie beim Fracking und bei der Ölgewinnung in Nationalparks wird der falsche Weg eingeschlagen. Es muß hier mehr Öl, dort mehr Wasser her, um den Durst der Amerikaner zu stillen. Doch Entsalzungsanlagen täuschen eigentlich nur über das eigentliche Problem hinweg: Kalifornien verbraucht zu viel Wasser.

Tiefschnee wird zum Fremdwort in Kalifornien

Eigentlich müßten zum ersten April rund 160 Zentimeter Schnee in den Bergen der Sierra Nevada gemessen werden. Das ist normal, so war es schon immer, daran konnte man auch absehen, wie viel Wasser in den kalifornischen Reservoirs landen wird. Doch derzeit ist alles anders. 60-70 Prozent der Messstellen weisen überhaupt keinen Schnee auf. Insgesamt liegt die Schneedichte gerade mal bei ein paar Inches, 6 Prozent von dem, was eigentlich da sein sollte. Also kaum der Rede Wert.

Ein ausgetrockneter See in Kalifornien, ein normales Bild im Sonnenstaat.

Ein ausgetrockneter See in Kalifornien, ein normales Bild im Sonnenstaat.

Nun will Kalifornien Wasser einsparen, denn die Lage wird immer dramatischer. Die Trockenperiode hält an, Seen, Flüsse und Reservoirs sind leer oder fast ausgetrocknet. Und noch liegt ein langes, trockenes Jahr vor uns bis zur nächsten „eigentlichen“ Regenzeit. Schon seit langem wird in Kalifornien vom Wassereinsparen geredet, doch bislang alles mit gut Zureden und auf freiwilliger Basis. Das half nichts, zumindest wurde nicht genug Wasser eingespart, um auch nur ein bisschen Entlastung zu schaffen.

Jetzt greift der kalifornische Gouverneur Jerry Brown durch. 25 Prozent sollen die Städte und Gemeinden einsparen. Öffentliche Grünflächen werden fortan nicht länger bewässert, 4,6 Millionen Quadratmeter öffentliche Rasenflächen sollen durch wasserarme Anpflanzungen ersetzt werden. Golfplätze, Uni-Campuse und Friedhöfe müssen wassersparende Bewässerungsanlagen einbauen. Für eine begrenzte Zeit bekommen die Kalifornier nun eine finanzielle Unterstützung, um in ihren Häusern neue wasserkonservierende Systeme einzubauen. Das alles sind nur ein paar der nun vorgegebenen Maßnahmen, die jedoch zeigen, es wird ernst in Kalifornien.

Ein mir bekannter Manager eines exklusiven Golfclubs in San Francisco meinte, in Kalifornien müsse man sich endlich daran gewöhnen, dass man eben nicht mehr nur auf dem Grün spielt. Es gehe um das Spiel und nicht um den grünen Rasen. Ein Umdenken beginnt, ein langsamer Prozess in einem Bundesstaat, in dem viel Wert auf Show und Schein gelegt wird. Dass etwas passieren muß ist allen klar, nur wie schnell und wie intensiv ist vielen noch nicht bewußt. Die anstehende Feuersaison wird zeigen, dass Kalifornien ein ausgetrockneter Staat ist. Die Frage für viele ist derzeit nicht, ob es zu gewaltigen Bränden aufgrund der Trockenheit kommen wird, sondern nur, wie katastrophal die Brände sein werden.

Kein Platz mehr im Todestrakt

Eingang zum Todestrakt von San Quentin.

Eingang zum Todestrakt von San Quentin.

731 Männer und 20 Frauen sind in Kalifornien zum Tode verurteilt. Sie warten zum Teil schon seit fast 40 Jahren auf ihre Hinrichtung. Die Frauen sind in einem Sicherheitstrakt im Frauengefängnis von Chowchilla untergebracht, die Männer im ältesten Staatsgefängnis des Bundesstaates in San Quentin. Und hier sind sie einzeln in einer 1,20 Meter mal 2,60 kleinen Zelle weggesperrt. Die „Death Row“ in San Quentin kann 715 Gefangene aufnehmen, doch diese Zahl ist schon lange überschritten worden. Nun verlangt Gouverneur Jerry Brown vom kalifornischen Parlament eine finanzielle Spritze in Höhe von 3,2 Millionen Dollar, um weitere Todeskandidaten in anderen Zellenblöcken der „Bastille by the Bay“ unterzubringen. Angedacht sind 100 umgebaute Zellen und Waschräume.

Eigentlich war schon lange ein Neubau für die größte „Death Row“ in den USA geplant, doch nach wie vor ist fraglich, ob und wie lange es die Todesstrafe in Kalifornien überhaupt noch geben wird. Seit 2006 wurde kein verurteilter Mörder mehr hingerichtet. Damals war ich als Medienzeuge zur Hinrichtung von Michael Morales geladen worden. Die Aufgabe wäre gewesen, der Verabreichung der Giftspritze zuzusehen und anschliessend anderen Medienvertretern über das zu berichten, was ich gesehen hätte. Die Exekution wurde in letzter Minute gestoppt. Ein Bundesrichter verlangte, dass ein Arzt während dieser Prozedur dabei sein sollte, doch kein Mediziner ließ sich auf die Schnelle finden. Seitdem gab es in Kalifornien keine Hinrichtung mehr. Die Legalität des Giftcocktails und die gesamte Verfassungskonformität der Todesstrafe wird seitdem angezweifelt und vor den Gerichten diskutiert.

Und die „Death Row“ wächst dennoch weiter. Jedes Jahr kommen rund 20 neue Todeskandidaten hinzu. Seit 2006 ist die Zahl der Verdammten von 646 auf 751 angewachsen. 49 Häftlinge starben in dieser Zeit an Selbstmord, Krankheiten, Drogenmißbrauch oder aus anderen Gründen hinter den dicken Mauern des Todestrakts.

 

Wann regnet es mal wieder?

In Deutschland wartet man auf den Frühling. Wann wird es wärmer, wann scheint die Sonne, wann öffnen die Straßencafes? Und in Kalifornien wird schon seit langem in den Wetterberichten der allabendlichen Nachrichtensendungen erklärt: „Well, it was a beautiful day, but Spencer, when is the rain coming?“ Und Wettermann Spencer deutet auf das Satellitenbild, irgendwo da draußen über dem Pazifik sieht man ein paar Wolken, und dann meint Spencer: „There is a slight chance, that we will get some rain. Maybe next week.“ Aber in der nächsten Woche wird klar, aus der kleinen Chance wurde wieder mal nichts. Der aubleibende Regen bleibt das bestimmende Thema an der Pazifikküste.

Kalifornische Autofahrer werden an einer Autobahn zum Wassersparen aufgefordert.

Kalifornische Autofahrer werden zum Wassersparen aufgefordert.

Kalifornien hat den trockensten Januar aller Zeiten erlebt. Es gab nur ein kleines Gewitter im Februar, ein Tropfen auf dem heißen Stein. Anfang März machten die meisten Ski-Resorts in Nordkalifornien dicht. Man kann noch nicht mal von einem Mangel an Schnee reden, es gab einfach gar keinen. Die Krise im Sonnenstaat wird immer größer, seit fast drei Jahre herrscht eine Dürre. Die Sonne lacht vom blauen Himmel und der Wasserpegel sinkt immer weiter ab.

Etliche Fachgremien im Bundesstaat fordern bereits massive Ein- und Beschränkungen im Wasserverbrauch der Bürger. Vor einem Jahr forderte Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown, dass die Bürger 20 Prozent ihres Wasserverbrauchs einsparen sollten, Ende 2014 waren es nur 10 Prozent. Seit letzten August gingen 2831 Anzeigen wegen Wasserverschwendung bei den Behörden ein, doch man setzte vor allem auf gutes Zureden. Das wird jedoch nicht mehr reichen. Mittlerweile bewässern zahlreiche Gemeinden entweder gar nicht mehr oder nur noch zweimal in der Woche öffentliche Grünflächen. Viele Farmer im Central Valley lassen weite Teile ihrer Anbauflächen brach liegen. Die Situation wird immer schlimmer. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Und noch ist die ganze Dimension der Wasserknappheit bei den Bürgern nicht angekommen. Das wird sich jedoch bald ändern. Die kalifornischen Feuerwehren bereiten sich auf eine der extremsten Feuersaisons in diesem Jahr vor. Kalifornien ist ausgetrocknet, die Frage ist nicht mehr ob es brennen wird, sondern nur noch wie verheerend die Waldbrände sein werden.

“It’s hella time for Oakland”

Amtseinführungsfeier in Oakland.Eine neue Bürgermeisterin in Oakland und mit ihr kommt die Hoffnung auf eine Zeitenwende für die gebeutelte Stadt. Irgendwie steht meine zweite Heimatstadt schon immer im Schatten von San Francisco. Auf der anderen Seite der Bay ist anscheinend alles mehr „glitzy“, schillernder und weltbewegender. Und dabei ist Oakland eine tolle Stadt, die sich nicht verstecken muß, die man einfach kennenlernen sollte.

Das wurde heute wieder klar. Am Montag wurde Libby Schaaf als Bürgermeisterin vereidigt und die ganze Woche über wurde Oakland gefeiert. Gegipfelt hat das heute in einer Riesenparty in der ehemaligen Produktionshalle von „American Steel“.

Künstler in den "American Steel" Studios.

Künstler in den „American Steel“ Studios.

Dort sind nun Künstlerstudios untergebracht, viele von ihnen hämmern und sägen, löten und schweißen, schrauben und bohren hier an den gewaltigen Kunstexponaten für das einmalige Burning Man Festival in der Wüste von Nevada. Und genau das wollte Libby Schaaf am heutigen Tag auch zeigen. Zum einen die Diversität der Stadt, zum anderen die Energie, die man hier finden kann.

Lokale Künstler, Musiker, Geschäftsleute kamen zusammen, um zu feiern, um diesen neuen Beginn für Oakland anzugehen. Das reichte von lokalen Bands zu Modedesignern, zu Schokoladenherstellern, zu Malern und unheimlich kreativen Leuten, die in meiner Nachbarschaft leben.

Als dann Libby Schaaf endlich auf die Bühne trat, standen neben ihr noch andere frisch gewählte Stadträte und die Kongressabgeordnete für Oakland, Barbara Lee. Auch Gouverneur Jerry Brown war anwesend, der selbst in Oakland lebt. Schaaf sprach nur kurz, forderte die Gekommenen alle zum Mittanzen auf.

Partystimmung bei der Amtseinführung.

Partystimmung bei der Amtseinführung.

Es war diese Aufbruchstimmung, die mitreißend war. Jeder im vollbesetzten Saal kannte die Probleme der Stadt. Die hohe Mordrate, die hohe Kriminalitätsrate, die sozialen Spannungen, die Arbeitslosigkeit. Doch all das wurde an diesem Tag verdrängt, man ließ sich vielmehr begeistert mitreißen von dem, was dieser Wechsel im Rathaus bedeuten könnte. Hier konnte man die ganze Vielfalt, Schönheit, den Reichtum einer mulitkulerellen und kreativen Stadt erleben. Und man kann nur wiederholen, was Libby Schaaf im Wahlkampf immer und immer wieder predigte: “It’s hella time for Oakland”.

So eine Amtseinführung fände ich durchaus auch passend für Nürnberg, vielleicht beim nächsten Mal. Eine Feier, die die Schönheit und die Vielfalt der Noris zeigt. Kultur, Kunst, Musik, Kreativität. Da könnte Nürnberg durchaus etwas vom „Oakland way of life“ lernen.

 

Die Spritpreise steigen

An der Tankstelle wird es billiger und billiger. Die Preise purzeln in den Keller, so billig habe ich schon seit Jahren nicht mehr in Kalifornien getankt. Nach den Terroranschlägen des 11. Septembers fiel der Spritpreis auf 85 Cent pro Gallone, das sind 3,78 Liter. Seitdem ging es nur noch bergauf. Obwohl bis 2008 Präsident George W. Bush am Ruder war, machten die Republikaner ganz selbstverständlicherweise seinen Amtsnachfolger Barack Obama dafür verantwortlich. Der Spritpreis über vier Dollar für die Gallone sei einzig und allein seiner Umwelt- und Energiepolitik anzulasten. Obama wolle nicht die Ölreserven in geschützten Regionen von Alaska und in verschiedensten Nationalparks anbohren und verlange von den Amerikanern, dass sie ihr mobiles Leben etwas überdenken.

Die Spritpreise in Kalifornien sollen wieder ansteigen.

Die Spritpreise in Kalifornien sollen wieder ansteigen.

Seit dem Frühsommer sieht das allerdings anders aus. Der Preis an der Tankstelle fällt und fällt. Fast täglich werden weitere Cents vom Gallonenpreis gestrichen. Auf FOXNews hört man allerdings kein Dankeswort an Obama. Denn wenn er auf der einen Seite für die hohe Tankrechnung verantwortlich ist, dann müßte er doch auch dafür zuständig sein, wenn am Ende weniger bezahlt wird. Fehlanzeige.

Die Republikaner haben nun jedoch ein neues Horrorszenario gefunden, um gegen Obama und seine Demokraten vorzugehen. Diesmal ist der Schauplatz Kalifornien, der Bundesstaat mit den höchsten Spritpreisen im Land. Das ist einfach so, das war schon immer so. Doch der kalifornische Gouverneur Jerry Brown, ein Ur-Demokrat durch und durch, will zum Jahresanfang die Ölindustrie dazu verpflichten, Schadstoff ärmeres Benzin zu verkaufen oder aber Zahlungen beim Emissionshandel zu leisten. Pikanterweise wurde das sogenannte „California’s Global Warming Solutions Act“ 2006 vom damaligen Gouverneur Arnold Schwarzenegger, einem Republikaner, unterzeichnet. Aber das scheint egal zu sein, ein Demokrat will es umsetzen. Und Obama ist ja auch so ein Grünträumer.

Die Produktion des „sauberen“ Sprits, um niedrigere Emissionswerte zu erreichen, wird teuer für die Industrie, denn sie hat lange Zeit einfach gar nichts gemacht. Von daher ist schon jetzt klar, dass die zusätzlichen Ausgaben an die Autofahrer weitergegeben werden. Was das genau in Cents bedeuten wird, steht noch nicht fest. Republikanische Schwarzseher sprechen von 16 – 76 Cent Preisanstieg für eine Gallone. Realistischer scheint eine zusätzliche Gebühr von 9 – 10 Cent zu sein.

Einige lautstarke Gruppen haben sich bereits gebildet und fordern eine Aufhebung des Gesetzes. Sie meinen, die höheren Kosten treffe vor allem sozial schwache Bevölkerungsgruppen. Der ganze Unfung vom „global warming“ könne nicht auf dem Rücken der Armen ausgetragen werden, heißt es. Gouverneur Brown läßt sich davon jedoch nicht abhalten, er will das Gesetz umsetzen und damit die Industrie zu einer neuen Produktionsweise zwingen. Kalifornien soll eben sauberer werden.

Es geht auch ohne Plastiktüten

Kalifornien ist Plastiktütenfrei.

Kalifornien ist Plastiktütenfrei.

Die Nürnberger Zeitung berichtet über die Bestrebungen der EU, den Plastiktütenverbrauch drastisch zu verringern. Das ist hier schon lange umgesetzt, zumindest in zahlreichen Kommunen, in denen ich unterwegs bin, wie Oakland, Berkeley und auch San Francisco. Jetzt muß man in diesen Städten für die Tüten zahlen, was dazu führte, dass nunmehr die meisten mit Tragetaschen einkaufen gehen.

Es war auch ein Unding. Hier wurde nicht eine Tüte verwendent, nein, die Milchgallone wurde gleich in zwei, drei dünne Tüten gesteckt. So ging das weiter, am Schluß verliess man den Laden mit rund 20 Plastiktüten. Ein Irrsinn, der leider noch in vielen amerikanischen Städten vorkommt. Denn in den USA wird nicht von oben entschieden, hier treffen die Kommunen die Entscheidungen, wenn es um so etwas wie Tüten oder im Falle von Berkeley um eine Extra Steuer für Limonaden geht. In Kalifornien jedoch, meinem Bundesstaat, sind seit dem 30. September per Gouverneursentscheid Plastiktüten aus den Läden verbannt worden. Gouverneur Jerry Brown, der selbst gleich hier um die Ecke wohnt, hat das erfolgreiche lokale Model auf den ganzen Bundesstaat ausgeweitet

Da macht die direkte Demokratie wieder Sinn. Die Bürger stimmen über das ab, was ihnen wichtig ist. Und Plastiktüten sind es eben nicht. Ich gehe hier meistens bei Trader Joe’s einkaufen, meine Leinentaschen aus Nürnberg, Dortmund, Ruanda und Istanbul habe ich immer im Auto, ein Augenfang im Laden. Entweder beobachte ich Amerikaner, die versuchen das zu lesen, was auf den Taschen steht. Oder es sind Deutsche, die einen dann anlächeln und „Guten Tag“ sagen. Ein netter Nebeneffekt der plastiktütenfreien Zeit.