Death Penalty – ein Interview mit Mike Farrell

Mike Farrell. Foto: DPF.

Mike Farrell (80) ist Schauspieler und Produzent. Für seine Rolle als B.J. Hunnicutt in M*A*S*H wurde er weltberühmt. Seit den 1980er Jahren setzt er sich für soziale und gesellschaftliche Initiativen ein und ist u.a. auch Präsident von Death Penalty Focus, einer US weiten Organisation gegen die Todesstrafe. Ich konnte vor ein paar Tagen mit Mike Farrell in San Francisco über das kalifornische Moratorium sprechen:

 

Waren Sie überrascht, als der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom ein Moratorium für die Todesstrafe im Bundesstaat verkündete?

Ich war zufrieden, begeistert, aber nicht überrascht, denn ich wusste, er wollte etwas machen. Und wenn man sich die Möglichkeiten ansieht, die er hatte, machte das Moratorium am meisten Sinn.

Newsoms Amtsvorgänger, Jerry Brown, war auch offen gegen die Todesstrafe und es hieß bis zum Schluss, er würde noch was unternehmen. Waren Sie enttäuscht, dass er am Ende nichts tat?

Ja, wir waren sehr enttäuscht. Die Organisation, für die ich mich einsetze, gemeinsam mit vielen anderen Gruppen haben eine breite Kampagne gefahren, um Gouverneur Brown zum Handeln zu bewegen. Wir wollten schlichtweg die Todesstrafe beenden und von ihm die Höchststrafen in lebenslängliche Haftstrafen umwandeln lassen. Die Macht des Gouverneurs ist beschränkt, uns war also klar, dass Gouverneur Brown nicht etwas riesiges unternehmen würde. Aber wir versuchten Druck auszuüben, baten ihn, zumindest ein Moratorium auszusprechen und all jene auf Death Row, deren Strafe er umwandeln könnte, umzuwandeln. Aber wir waren sehr frustriert, sehr enttäuscht, dass er einfach alle im Todestrakt ignorierte und einfach nichts tat.

Warum glauben Sie, dass Gavin Newsom dann das tat, was Jerry Brown nicht unternommen hat?

Ich kannte Gavin Newsom schon, als er noch nicht Gouverneur war. Ich wusste, er war gegen die Todesstrafe und unserer Idee eines Moratoriums sehr aufgeschlossen. Ich hatte das Gefühl, dass er ein integrer Mann sei. Wissen Sie, wir haben leider in diesem Land eine lange Geschichte an Leuten, die im Wahlkampf viel versprechen und wenn sie dann gewählt sind, das alles wieder vergessen. Aber bei Gouverneur Newsom hatte ich den Eindruck, dass er das machen würde, was für ihn möglich war. Aber was genau, das wusste ich auch nicht. Als ich dann den Anruf bekam, ob ich zu einem Treffen vor der Verkündigung kommen könnte, war ich mehr als begeistert, als ich rausfand, um was es ging. Und als ich dann im Raum war und hörte, was er zu sagen hatte, war es all das, was ich von ihm erhofft hatte. Er machte klar, dass er die Todesstrafe in Kalifornien beenden will. Und dabei betonte er, dass er es nicht nur als eine Entscheidung der Newsom Administration sehen will. Er will es zu einer Entscheidung des kalifornischen Staates machen, es soll hier keine Todesstrafe mehr geben. Und zu diesem Moratorium gab es noch ein paar, wie ich finde, Extras, wie den sofortigen Abbau der Hinrichtungskammer und seine Aussage, dass er dem neuen Giftcocktail für Hinrichtungen nicht zustimmen werde. Denn dieser braucht die Unterschrift des Gouverneurs, um eingesetzt zu werden. Er macht also so viel, wie er gesetzlich tun kann und lässt darüberhinaus noch prüfen, was noch getan werden kann. Und wir überlegen, wie wir ihm dabei helfen können.

Was wäre der nächste Schritt, um die Todesstrafe in Kalifornien ganz abzuschaffen?

Es gibt da zwei Möglichkeiten. Zum einen die Wählerabstimmung, die wir schon mit anderen Organisationen 2012 und 2016 versuchten. Wir waren knapp davor, aber schafften nicht ganz die Mehrheit. Und zum anderen ist da der kalifornische Verfassungsgerichtshof, der genauso, wie kürzlich das Verfassungsgericht in Washinton State handeln kann. Was Newsom auch noch machen könnte, wäre, all die Todesurteile in lebenslängliche Haftstrafen oder lebenslängliche Haftstrafen ohne Aussicht auf Begnadigung umzuwandeln. Wenn es nach mir ginge, dann wäre das lebenslänglich, denn so bliebe noch die Begnadigung. Aber das bedeutet, dass das Verfassungsgericht in Kalifornien weitestgehend zustimmen müsste. Wir wissen aber nicht, ob die Richter da mitziehen, wenn man sich ansieht, wie sie auf einige der von Gouverneur Brown umgewandelten Strafen reagierten. Das ist fraglich, das weiß auch Gouverneur Newsom nicht. Was nun kommt ist eine genaue Prüfung, was noch getan werden kann. Wir werden sehen. Was wir wissen ist, dass es keine Hinrichtungen geben wird, so lange er Gouverneur ist. Das können nun also vier oder acht Jahre sein. Wir kennen auch seine politische Zukunft nicht, ich hoffe nur, es wird eine gute sein.

Was würden sie denjenigen sagen, die Gouvereur Newsom nun vorwerfen, gegen den Willen der kalifornischen Bevölkerung gehandelt zu haben, denn die jüngste Abstimmung zum Thema ergab ja eine andere Mehrheit – die Todesstrafenbefürworter gewannen.

Proposition 66 setzte sich mit wenigen Stimmen mehr durch. Was man verstehen muss, der Abstimmungsprozess in Kalifornien ist mehr als schwierig. Man braucht dafür eine Menge Geld und unsere Gegner hatten einfach viel mehr. Deshalb haben wir verloren und sie gewonnen. Und sie haben mit den Angstbildern gearbeitet, dass diese gefährlichen Leute dann frei kämen, man Angst haben sollte, sich unter seinem Bett verstecken müsse. Die Mörder suchen dann schon nach ihren nächsten Opfern. Dagegen kommt man nur schwer an, wenn man den Leuten klar machen will, dass das System ja funktioniert und diejenigen hinter Gitter auch hinter Gitter bleiben. Ich widerspreche also dieser Meinung, der Gouverneur habe sich gegen den Willen des Volkes entschieden. Ja, sie haben erfolgreich diese Initiative gewonnen und es ist das Gesetz. Aber diese Initiative hat Dinge versprochen, bei der sie wussten, sie können nicht eingehalten werden. Ein Gericht bestätigte zum Beispiel, dass es nicht möglich sei, innerhalb von fünf Jahren die Hinrichtung durchzuführen. Das ist unmöglich und das Gericht hat das bestätigt. Die Initiatoren von Prop. 66 wussten das. Sie haben die Wähler bewusst getäuscht. Umfragen zeigen außerdem, dass die Menschen in Kalifornien viel lieber lebenslänglich ohne Aussicht auf Begnadigung sehen würden als die Todesstrafe. Daher ist die Behauptung falsch, nur weil Proposition 66 gewonnen hat, dass die Menschen in Kalifornien die Todesstrafe wollen.

Was bedeutet denn nun die Erklärung von Gouverneur Newsom für die Todeskandidaten im East Block von San Quentin? Ändert das was an ihren Lebensumständen, werden sie nun anders bewacht oder teils auch in andere Gefängnisse verlegt?

Nach dem Gesetz ändert sich gar nichts. Ich glaube aber, der Gouverneur und seine Mitarbeiter prüfen derzeit jedoch einige Möglichkeiten. Ich habe da auch ein paar Vorschläge, mal sehen, ob die auch gehört werden. Aber eine der Tatsachen bezüglich Death Row, die ich als unmenschlich ansehe, ist, dass man die Menschen dort als nicht mehr lebenswert einstuft. Todeskandidaten dürfen nicht an Programmen teilnehmen, die anderen Gefangenen in San Quentin angeboten werden, darunter auch Mördern, die zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt wurden. Wir brauchen hier nicht über Resozialisierungsprogramme sprechen, denn es wäre ja ein Widerspruch jemanden zum Tode zu verurteilen, um ihn dann wieder resozialisieren zu wollen. Aber ich denke, auch diese Leute sollte man wahrnehmen, ihre Gegenwart. Es ist unsere Verantwortung, sie als Menschen zu behandeln, egal ob sie zum Tode verurteilt wurden. Ich glaube also, dass es Programme und Angebote auch für sie geben sollte. Der Umstand allein auf Death Row zu leben ist unfassbar. Wir wissen das, denn es gibt dort mehr Selbstmorde, als es jemals Hinrichtungen gab. Wir sollten uns also unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sein, wie wir mit diesen Leuten umgehen und was wir ihnen anbieten.

Death Penalty Focus ist ja mit zahlreichen Todeskandidaten in San Quentin in engem Kontakt. Was haben Sie von dort gehört, wie das Moratorium aufgenommen wurde?

Ich habe einige Rückmeldungen bekommen, und die sind gemischt. Nicht jeder freut sich und nicht jeder ist damit einverstanden. Es gibt einige, die sagen, lass es uns durchziehen. Wir haben Freiwillige, die sagen, sie wollen sterben, sie wollen so nicht mehr weiterleben. Ich kenn ein paar von ihnen persönlich. Es ist ganz fürchterlich, jemanden zu erklären, warum er am Leben festhalten und nicht aufgeben und sich freiwillig hinrichten lassen soll. Es gibt diese alte Weisheit, wo es Leben gibt, da gibt es Hoffnung. Ich glaube, diejenigen auf Death Row können Hoffnung haben, dass es in Zukunft keine Death Row mehr geben wird. Und einige von ihnen werden die Möglichkeit haben, die Fakten ihres Falles neu beleuchtet zu bekommen und vielleicht entlassen zu werden, eine geringere Strafe zu bekommen, als Mensch gesehen zu werden.

Vor einigen Jahren habe ich mit der früheren Direktorin von Death Penalty Focus, Jeanne Woodford, gesprochen und sie redete von ihrer Hoffnung eines “Wendepunktes”, wenn die Todesstrafe in den USA abgeschafft werden wird. Glauben Sie, dass diese Entscheidung in Kalifornien dieser Wendepunkt sein könnte?

Ich denke, es gibt gute Gründe, dass das so ist. Aber, Mister Trump hat nun zwei Leute zu Verfassungsrichtern gemacht, die erklärt haben, dass ihnen die Finalität wichtiger ist als Gerechtigkeit. Ich finde das ekelhaft und fürchterlich. Was mir das sagt ist, wir müssen unsere Kampagne von Bundestaat zu Bundesstaat weiterführen, bis das Verfassungsgericht einfach anerkennt, dass die Todesstrafe nicht länger in den Vereinigten Staaten gewollt ist. Denn diese neuen Ernennungen zeigen, dass wir weder die politische Führung noch das Streben nach Gerechtigkeit haben, was wir noch vor ein paar Jahren hatten, als Richter Kennedy noch am Verfassungsgericht war. Ich glaube nicht, dass wir heute von diesem Gericht eine Führungsrolle erwarten können.

Von außen betrachtet scheint das Thema Todesstrafe eine Frage zwischen dem liberalen und konservativen Amerika zu sein. Wie sehen Sie das?

Ich glaube, das stimmt heute so nicht mehr. Es gibt konservative Organisationen, die sich aktiv für ein Ende der Todesstrafe einsetzen. Einige aus religiösten Gründen, andere aus wirtschaftlichen Gründen. Aber es gibt sie und wir haben in dieser Bewegung mit ihnen einige starke Allianzen geschlossen. Über die politischen Grenzen hinweg sind auch Konservative nicht nur gegen die Todesstrafe, sondern auch für eine Gefängnisreform. Und ich finde, das ist ein gutes Zeichen für eine bessere Situation in diesem Land, denn die Gefängnisse sind ganz schlimm. Für mich ist die Todesstrafe, der Todesprozess die Krönung eines schrecklichen Systems. Wie der Deckel auf einer Mülltonne. Es ist etwas, was nicht nur die Opfer und diejenigen verroht, die dazu verurteilt wurden. Es verroht auch all jene, die dieses System aufrecht erhalten, Wärter und Scharfrichter, die Richter selbst und alle, die daran Teil haben. Ich finde, es entmenschlicht jeden.

Waren Sie schon immer gegen die Todesstrafe und warum sind Sie es?

Immer ist ein langer Zeitraum (lacht). Ich wurde kirchlich erzogen und da hieß es, dass das Töten falsch sei, deshalb war für mich klar, dass man das nicht tun sollte. Als sehr junger Mann war ich schon davon überzeugt, dass die Todesstrafe nicht richtig ist. Als ich Mitte 20 war, engagierte ich mich in einer Organisation, die sich für Menschen mit sozialen Problemen einsetzte. Probleme, die einen oftmals ins Gefängnis bringen. Wir gingen in die Gefängnisse und sprachen mit diesen Leuten und versuchten sie zu ermutigen, nach ihrer Entlassung zu uns zu kommen. Damals bröckelte für mich schon die Fassade, ich verlor den Respekt vor diesem Gefängnissystem. Ich fand es schrecklich, sinnlos und die Todesstrafe einfach falsch. Die Todesstrafe ist für mich das schlimmste Beispiel dieses entmenschlichenden Systems. Man kann also schon sagen, dass ich ein Leben lang ein Gegner der Höchststrafe bin.

Aber gegen die Todesstrafe sein und sich dann mit Death Penalty Focus dagegen einsetzen, sind zwei verschiedene Dinge. Wann kam für Sie der Punkt, wo Sie sagten, ich muss mehr tun als nur dagegen sein?

Ich war Teil einer Fernsehshow (M*A*S*H), die sehr berühmt war und ein Pfarrer aus den Südstaaten, wo es die meisten Hinrichtungen gibt, sprach mich an. Das war in den späten 70ern, Anfang der 80er Jahre, als die Todesstrafe nach einer vierjährigen Unterbrechung wieder zugelassen wurde. Er meinte, er habe gehört, dass ich gegen die Todesstrafe sei, wahrscheinlich hatte ich da was unterschrieben oder in einem Interview etwas dazu gesagt. Der Pfarrer sagte, dass das System nun hochgefahren werde und wir ein Blutbad in diesem Land erleben werden. Und er meinte, er bräuchte jemanden, der in der Presse Aufmerksamkeit findet. Er wäre mir sehr dankbar, wenn ich helfen könnte. Und ich sagte, ok. Er nahm mich dann mit zu meinem ersten Besuch einer Death Row nach Tennessee. Danach ist es wie Treibsand, wenn man einmal seinen Fuss drin hat, kommt man nicht mehr weg. Ich fand das System so frevlerhaft in jeder Beziehung, so unmenschlich, so brutal. Es ist für mich genau das Gegenteil von dem, was ich glaube, was wir als Menschen tun sollten. Und allein die Tatsache, dass es so etwas gibt, zeigt, dass wir als Gesellschaft versagt haben.

Befürworter der Todesstrafe sagen immer, dass die, die gegen die Todesstrafe sind nicht an die Opfer und deren Familien denken. Was sagen Sie dazu?

Ich habe selbst ein Familienmitglied durch eine Mord verloren. Ich weiss, wie sich das anfühlt, wenn ein geliebter Mensch ermordet wird. Ich bin also ganz und gar nicht unsensibel. Ich verstehe das. Ich kann mir vorstellen, wie das sein mag, wenn meine Frau oder Tochter von einer Bestie verletzt, vergewaltigt, ermordet werden würde. Ich würde wahrscheinlich diesen Bastard mit meinen eigenen Händen erwürgen wollen. Ich hoffe, ich würde es nicht. Ich denke, ich würde das nicht tun, denn ich weiss, es gibt ein Rechtssystem, das dafür zuständig ist. Ich glaube, wir als Menschen sollten danach streben besser zu sein, als jene, die das Schlimmste tun. Es ist also falsch. Ich kenne zu viele Leute, die Angehörige von Opfern sind. Menschen, deren Leben durch einen schrecklichen Mord zerrissen wurden, die aber den Drang nach Rache überkommen haben. Die dem Täter nicht mehr die Augen auskratzen, die Ohren, die Nase, den Hals ab- und aufreissen wollen. Sie sagen, nichts, was ich tun würde, nichts was der Staat tun kann, bringt mir meinen geliebten Menschen zurück. Und mir zu sagen, dass der Tod eines anderen irgendwie den Tod meines Familienangehörigen ausgleicht, ist für mich und den Ermordeten eine Beleidigung.

Sehen Sie den Tag, an dem Death Penalty Focus überflüssig wird?

Ich hoffe auf den Tag an dem Death Penalty Focus überflüssig ist (lacht). Ich sprach vor kurzem mit ein paar Freunden daüber. Wir sagten, wir sollten eine Party organisieren, “Gott sei Dank” und Schluss machen. Wir haben unseren Job erledigt. Jetzt müssen wir zur Organisation “Lebenslänglich ohne Aussicht auf Begnadigung” werden. Ich werde einfach immer gegen unser Gefängnissystem sein. Wir sollten die Gefängnisse auflösen. Das wird mein Fokus sein. Wenn ich sage, die Gefängnisse auflösen, dann meine ich, wir brauchen sicherlich Institutionen zum Korrigieren, aber das was wir hier haben “Correctional” zu nennen ist bescheuert und eine Lüge. Was ich gelernt habe ist, jene Leute, die sich falsch verhalten, brauchen Bildung und Aufmerksamkeit. In manchen Fällen medizinische Betreuung, psychologische in anderen. Wir sollten Institutionen haben, die eine Mischung aus Schule und Krankenhaus sind. Man lehrt diesen Leuten, wie man sich richtig verhält. Und man lehrt ihnen ihre Wunden zu heilen, die sie zu solch extremen Verhaltensweisen gebracht haben. Das wäre ein wertvolles Bestreben einer Gesellschaft und nicht Menschen in Käfige zu sperren und hinzurichten.

Kalifornien kann von Småland lernen

Donald Trump hat immer eine Antwort parat. Und nicht nur das, er weiß auch alles besser, kennt sich in allem hervorragend aus. Immerhin ist er ein Geschäftlemacher, ein „Dealmaker“, ein Experte für alles. Ist auch klar, denn er verkauft ja seit Jahrzehnten das Bild vom „selfmade“ Milliardär, der nun eben auch Präsident geworden ist. Unterschlägt dabei gerne das Startvermögen, mit dem er ins Leben geschickt wurde, die vielen Konkursmassen, die er hinterlassen hat, die verbrannte Erde, die an seinen Sohlen klebt.

Die Titelseite sagt alles aus….“Make America Rake Again“, Harken für Amerika.

Egal, Trump ist in diesen Tagen der Waldspezialist, gibt schon mal den Feuerwehrleuten und eigentlichen Experten der Forstwirtschaft gute Hinweise, wie sie in Zukunft das Problem Waldbrand angehen sollten. Also, Gummistiefel an, Rechen in die Hand und los. Die Blätter auf dem Waldboden müssen weg, das bisschen Unterholz auch, klinisch sauber soll es sein, so der erklärte „Germaphobe in Chief“. Trump weiß es, verweist auf Schweden, daran sollte sich Kalifornien ein Beispiel nehmen, denn die haben ja auch nicht ständig so dolle und so teure Waldbrände.

Hätten denn die an Intensität und Häufigkeit zugenommenen Feuer nicht auch was mit dem Klimawandel zu tun? Immerhin verwiesen ja studierte Klimaexperten auch darauf als Grund für die Brände. „No, no“, antwortete der Präsident da nur auf die Frage eines Journalisten. Alles sei mit einem sauberen Wald zu lösen, danach würde es keine Waldbrände mehr geben, denn am Boden wäre dann ja nichts mehr, was brennen könnte. Ist klar! Von Trump hätte ich eigentlich auch nichts anderes erwartet als so eine Kaspar-Erklärung. Das Dumme ist nur, dass seine bereitwillige Anhängerschaft diesen Hokus-Pokus auch noch glaubt. In Trumpschen Huldigungskreisen heisst es schon, warum sollen wir in Alabama, Texas und Tennessee denn dafür bezahlen, wenn die Kalifornier zu blöd, zu unwillig oder zu ignorant sind, zu erkennen, dass die Lösung des Waldbrandproblems ganz einfach mit einem Rechen gelöst werden kann, nach dem Motto, wir harken uns die schöne Welt, widi-widi wie sie mir gefällt.

Es war schon ein Bild für sich, als Donald Trump da vor verkohlter Erde neben Gouverneur Jerry Brown und Governor-Elect Gavin Newsom stand. Beides erklärte Trump-Gegner und -Kritiker, die sich bei den Worten des El Presidente sicherlich auf die Zunge beißen mussten, um nicht lauthals loszubrüllen, was für eine Hohlbirne da gerade in die Mikrofone, Kameras und Schreibblöcke der Journalisten quasselt. Fazit, Trump weiß alles besser. Wiedermal! Die Folgen sind absehbar.

Das verrückte Wahlsystem in Kalifornien

Man kann sich nur über die Wahlsysteme in den USA wundern. Denken wir an die Präsidentschaftswahl 2000 zwischen Al Gore und George W. Bush, an „Straw Polls“ in Iowa, wo eine kleine Minderheit mit Heu abstimmt und somit gehörigen Einfluss auf die nationale und Weltpolitik nimmt. Und da ist die Wahl von Donald Trump, die nur noch Kopfschütteln hervorgerufen hat

Kalifornien, die demokratische Bastion im Westen der USA, ist da nicht viel besser. In diesem Jahr wird ein Nachfolger von Jerry Brown bestimmt, der nach zwei direkt aufeinanderfolgenden Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Nun hat Kalifornien ein ganz besonderes Wahlgesetz, eingeführt 2010. Der Vorwahlkampf findet gemeinsam statt, heisst, alle Kandidaten sind auf einer Liste aufgeführt. Demokraten, Republikaner, Grüne, Sozialisten, Unabhängige. Am 5. Juni sind Wählerinnen und Wähler zur Stimmabgabe aufgefordert. Die Top 2 nach dieser Vorwahl treten dann im Herbst gegeneinander an. Das kann dazu führen, dass zwei Demokraten in der Hauptwahl aufeinander treffen könnten. Die anderen Parteien blieben außen vor.

John Cox ist die Hoffnung der Republikaner in Kalifornien. Foto: Reuters.

Allerdings, und das ist die Hoffnung der Republikaner nicht nur in Kalifornien, es könnte sich auch ganz unerwartet ein Republikaner für den Kampf um den Regierungssitz in Sacramento durchsetzen. Der Geschäftsmann John Cox will im Juni auf Platz zwei hinter dem Demokraten Gavin Newsom landen, um so eine Chance im November zu haben. Die ist nicht gross, doch sie ist da. Die Republikaner in Washington glauben zwar nicht, dass am Ende einer von ihnen die Politik in Kalifornien bestimmen wird, aber ein republikanischer Gouverneurskandidat auf dem Wahlzettel im November würde zumindest die konservativen Wählerinnen und Wähler dazu bringen, überhaupt zur Wahl zu gehen. Denn im November wird auch das gesamte Abgeordnetenhaus im US Kongress neu bestimmt. Kalifornien hat dort 53 Sitze, 14 davon sind von Republikanern besetzt. Bei einer geringen republikanischen Wahlbeteiligung könnten mehrere dieser 14 Sitze verloren gehen, damit würde die konservative Mehrheit in Washington ins Wanken geraten. Keine guten Aussichten für Donald Trump und die GOP. Man kann also gespannt sein, ob Kalifornien in diesem Jahr zum „Battlefield“ für die Republikaner werden wird. Ein ungewohntes Bild, denn in den letzten Jahren machten deren Vertreter immer große Bögen um „California“.

Es brennt weiter

Weit über 100.000 Hektar Land und 1000 Gebäude sind bereits verbrannt. Die Flammen in Ventura und Santa Barbara County sind gerade mal zu 55 Prozent unter Kontrolle. Zwei Menschen starben, darunter ein Feuerwehrmann. Das „Thomas Fire“ brennt seit dem 4. Dezember. Es war in der Nähe des “Thomas Aquinas College” (Thomas Fire) bei Santa Paula im Osten ausgebrochen.

Das Feuer ist zum zweitgrößten in der Geschichte des Bundesstaates angewachsen und könnte noch zum größten werden. Nach wie vor kämpfen Tausende von Feuerwehrleuten gegen die Flammen. Am heutigen Donnerstag werden erneut starke Santa Ana Winde von bis zu 90 Stundenkilometern erwartet, die die Brände wie ein Fön anfachen, sich drehen und die Flammen damit vor sich her treiben.

Weite Teile der Region sind total abgebrannt. Im „Los Padres National Forrest“ sieht man nur noch schwarze Erde. Die Kleinstadt Ojai wurde von den Rettungseinheiten als „Doughnut“ bezeichnet, sie überlebte, aber alles drum herum brannte ab. Der Tourismus und die lokale Wirtschaft sind total eingebrochen. Gerade viele Arbeitnehmer in der Serviceindustrie und der Landwirtschaft haben ihre Jobs verloren. Wie es weitergehen soll, weiss derzeit noch niemand.

Kalifornien wurde in diesem Jahr massiv von Feuern getroffen. Erst im Oktober wütete eine Feuerwalze in Sonoma und Napa County, bewegte sich durch die Kleinstadt Santa Rosa. Das „Tubbs Fire“ traf die berühmte Weingegend des Bundesstaates mit voller Härte. Und nun seit mehr als 17 Tagen brennt Südkalifornien. Normalweise sind die Santa Ana Winde ein paar Tage lang ein Problem, doch in diesem Jahr sind sie besonders heftig und andauernd. Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown erklärte, die immer größer und intensiver werdenden Brände werden zu einer Realität für Kalifornien. Sie seien ein deutliches Zeichen für den Klimawandel, wer dies, wie der Präsident der Vereinigten Staaten, nicht wahrhaben wolle, begehe einen gewaltigen Fehler und versündige sich an zukünftigen Generationen.

Die patriotische Football Front

Die NFL, die National Football League, hat immer mal wieder Probleme mit den eigenen Spielern. Greg Hardy von den Carolina Panthers wurde wegen häuslicher Gewalt gegen seine Freundin für schuldig befunden. Doch das war kein Problem für die Dallas Cowboys den „Linebacker“ zu verpflichten. Der Besitzer der Cowboys, Jerry Jones, meinte sogar, Hardy sei „einer der wahren Führungsspieler im Team“. Jones hatte auch schon Josh Brent erneut ins Team geholt, nachdem der alkoholisiert einen Verkehrsunfall verursachte, bei dem sein Mitspieler Jerry Brown ums Leben kam.

Ray Rice von den Baltimore Ravens wurde in einem Aufzug von einer Überwachungskamera gefilmt, wie er seine damalige Verlobte zusammenschlug. Erst liess ihn die NFL fallen, doch dann einigte man sich in einer Klage auf ein Millionen Dollar schweres Abfindungspaket. Und die Fans standen dennoch zu Rice, viele trugen bei Heimspielen T-Shirts mit dem Aufdruck: „Free Ray Rice“.

Gewalt gegen Freundinnen, Partnerinnen, Ehefrauen ist bei NFL-Spielern keine Seltenheit. Auch die Horrorbilder von Tierquälerei und die folgende Verurteilung von Michael Vick hielten gleich mehrere NFL Teams nicht davon ab, den Quarterback wieder anzuheuern. Vick hatte in einem seiner Häuser einen Hundekampfring aufgezogen. „Verlierer“ wurden erdrosselt, erschossen, ertränkt, erhängt oder mit Elektroschocks hingerichtet. Nach seiner Haftstrafe wurde Vick erst von den Philadelphia Eagles, dann den New York Jets und schließlich von den Pittsburgh Steelers unter Vertrag genommen.

Egal, wie brutal und folgenschwer die Straftaten auch waren, die 32 weißen, superreichen Männer, denen die NFL-Teams gehören, hatten nie ein Problem einem „guten“ Spieler zu verzeihen. Frei nach Johanna von Koczian: Das bisschen Blut, Schlagen und Töten ist ja nicht so schlimm, sagt mein Mann.

Colin Kaepernick (rechts) wagt es mit einem Mitspieler während der Nationalhymne zu knien.

Anders jedoch sieht es da im Fall Colin Kaepernick aus, dem ehemaligen Quarterback der San Francisco 49ers. Kaepernick hat weder um sich geschlagen, ist nicht besoffen oder bedröhnt und mit weitreichenden Folgen durch die Gegend gefahren, hat auch keinem anderen und keinem Tier etwas zuleide getan. Kaepernick hat sich vielmehr hingekniet. Das war alles. Und zwar immer wieder dann, wenn in den Stadien die Nationalhymne angestimmt wurde. Der Footballspieler wollte so ein Zeichen setzen: „Ich werde nicht stehen, um stolz auf die Fahne eines Landes zu sein, in dem Schwarze und Menschen mit dunkler Hautfarbe unterdrückt werden. Für mich ist das wichtiger als Football und es wäre verlogen von mir, das nicht wahrzunehmen. Da liegen Menschen in den Straßen, da bekommen andere bezahlten Sonderurlaub und kommen mit Mord durch.“ Damit spielte Kaepernick auf die „Black Lives Matter“ Bewegung an, auf die zahlreichen Toten nach Polizeiaktionen und die oftmals Straffreiheit der Beamten.

Fan Protest gegen Colin Kaepernick. Fotos: Reuters.

Das war zu viel für die NFL. Zwar schlossen sich einige Mitspieler dem Protest an, auch in zahlreichen High Schools und Colleges knieten sich Footballspieler fortan in Solidarität mit Kaepernick und der „Black Lives Matter“ Movement auf dem Spielfeld hin, doch die Aktion spaltete das Land. Aufruhr in den Stadien, wenn die 49ers spielten, „Fans“ verbrannten Trikots von Kaepernick und posteten die Videos auf youtube, FOXNews berichtete ausführlich darüber, Kaepernick solle doch nach Kuba oder Russland gehen, wenn es ihm hier nicht passe.

Seit März 2017 ist Colin Kaepernick ohne Vertrag. Nicht weil er ein schlechter Spieler oder nicht in Form ist, sondern vielmehr weil kein Team ihm einen Vertrag geben will aus Angst, ein paar „patriotische“ Fans würden ihre Jahrestickets zurückgeben. Das ist die NFL, das ist Amerika im Jahr 2017. Wer einer Frau vor einer Überwachungskamera brutalst ins Gesicht schlägt, wer Spaß daran hat zuzusehen, wie sich Hunde zerfleischen, wer sich und andere besoffen im Straßenverkehr gefährdet, der ist in der „National Football League“ jederzeit wieder willkommen. Wer dagegen ein politisches Statement abgibt, wer den (Schein-)Patriotismus der USA hinterfragt und sei es nur dadurch während des Absingens der Nationalhymne nicht zu stehen, der wird aus der „Sportlerfamilie“ der NFL verbannt. Wie verlogen und heuchlerisch kann der Sport eigentlich noch sein?

 

 

Hände weg vom Handy

In Kalifornien darf man schon lange nicht mehr beim Autofahren telefonieren. Also mit dem Handy in der Hand. Das ist verboten, wie eigentlich fast überall in den USA. Nicht alle halten sich nicht daran, wie man tagtäglich auf den Straßen, den Highways und den Freeways sehen kann. Es wird getextet und telefoniert, als gäbe es kein Morgen. Viele meinen, wenn sie das Telefon laut geschaltet haben und es nur in der Hand und nicht am Ohr halten, sei alles in Ordnung. Falsch.

Ein bekanntes Bild im Rückspiegel. Foto: Reuters.

Ein bekanntes Bild im Rückspiegel. Foto: Reuters.

Damit ist nun Schluß. „Assembly Bill 1785“ sieht vor, dass ab dem 1. Januar 2017 mobile Telefone nicht mehr in der Hand eines Fahrers in Kalifornien gehalten werden dürfen. Weder fürs SMS schreiben, weder fürs Telefonieren und auch nicht, um auf die Navigationsapp zu schauen oder in der Musikauswahl nach passenden Autofahrsongs zu suchen. Nix geht mehr. Was erlaubt sein wird ist, dass das Handy fest in einer Halterung sitzt und man nur mal drücken oder eine Fingerbewegung zum Empfang eines Anrufes tätigen darf. Das wars.

Gouverneur Jerry Brown hat dieses neue Gesetz schon unterzeichnet, damit wird es ab dem 1. Januar geltendes Recht. Bei Zuwiderhandlungen gibt es beim ersten Mal ein 20 Dollar Ticket, danach jedes Mal 50 Dollar. Mit der Verschärfung des Gesetzes soll weiter die Unfallgefahr durch Ablenkung am Steuer reduziert werden. Die Polizei hat damit eine klare Handlungsgrundlage, denn bislang konnten sich Fahrer damit herausreden, dass sie das Telefon nur wegen der Navigation in der Hand hielten. Wichtig ist diese Information auch für Touristen, die meinen, im „Land of the Free“ sei alles nicht so eng gefasst. Auch diese Annahme ist falsch.

Duschen ist noch erlaubt

Wasserknappheit in Kalifornien     

Ja, Duschen darf man noch. Zähneputzen, Hände waschen, auch noch das Geschirr abspülen. Aber in Kalifornien ist das Wassersparen zum heißen Thema geworden. Überall wird darüber geredet, sogar DJs beim Anmoderieren von Songs sprechen von der Wasserknappheit im Bundesstaat.

Es bleibt nicht mehr viel Wasser zum Bootfahren.

Es bleibt nicht mehr viel Wasser zum Bootfahren.

Nun soll auf breiter Front gespart werden. Zumindest bei den Bürgern und den Kommunen. Das reicht vom Verbot des Autowaschens vor der Haustür, bis hin zum Nichteinschenken von Wasser in Restaurants, falls nicht danach gefragt wird. Die Farmer sind erst einmal noch davon ausgenommen, obwohl sie 80-85 Prozent des kalifornischen Wasserhaushalts verbrauchen. Doch so ganz ausgenommen sind sie dann doch nicht, wenn man sich das Central Valley und andere riesige landwirtschaftliche Flächen genauer ansieht. Viele Felder liegen brach, können aus Kostengründen nicht mehr bewässert werden. Der Preis für Wasser ist angestiegen, an vielen Orten zahlt sich der Anbau von Gemüse und Obst nicht mehr aus. Im „Golden State“ ist die Krise angekommen.

Genug Wasser ist doch da

Die Filter wurden nach Saudi Arabien verkauft, die Anlage ist zum Teil verrostet. 23 Jahre lang lag die Entsalzungsanlage im kalifornischen Santa Barbara eingemottet am Strand. Ende der 80er Jahre wurde die Anlage für 34 Millionen Dollar gebaut, es herrschte eine Dürre. Doch dann kam der Regen und die Pumpen wurden abgeschaltet. Die Produktion von Trinkwasser war so einfach zu teuer.

In Carlsbad, nördlich von San Diego, entsteht die größte Entsalzungsanlage in Nordamerika.

Im kalifornischen Carlsbad, nördlich von San Diego, entsteht die größte Entsalzungsanlage in Nordamerika.

Nun sieht es wieder ganz anders aus. Kalifornien geht ins vierte Dürrejahr, so schlimm wie heute war es noch nie. Und der Stadtrat von Santa Barbara will die alte Anlage wieder hochfahren. 40 Millionen Dollar sollen dafür veranschlagt werden, damit will man aus der Krise kommen. Die zwei großen Reservoirs rund um Santa Barbara sind nur zu 30 Prozent gefüllt. Die Bürger der Stadt hatten zwar im letzten Jahr etwa 23 Prozent des Wasserverbrauchs eingespart, doch das nutzte nicht viel. Der Wasserpegel sinkt weiter.

Umweltschützer sind entsetzt, denn durch die gewaltigen Röhren wird nicht nur das Wasser aus dem Meer abgepumpt. Fische, Kleintiere, Plankton werden ebenfalls in die Rohre gezogen. Der Schaden sei für das fragile Ökosystem nicht absehbar, beklagen sie. Santa Barbara ist nicht die einzige Stadt und Gemeinde in Kalifornien, die Entsalzungsanlagen eröffnen will. Für eine Milliarde Dollar wird in Carlsbad, nördlich von San Diego, die größte Entsalzungsanlage Nordamerikas gebaut. Dort sollen dann täglich fast 190 Millionen Liter Wasser entsalzt werden. Auch in San Luis Obispo County und in Monterey County sollen solche Anlagen entstehen.

Es ist ein teures Unterfangen, was sich am Ende nicht auszahlen wird. Denn bislang wurde nicht alles unternommen, um Wasser im Sonnenstaat einzusparen. Diese Diskussion beginnt erst jetzt und ganz langsam, gerade auch, weil Gouverneur Jerry Brown vor wenigen Tagen den Wassernotstand ausgerufen und verlangt hat, dass die Gemeinden in diesem Jahr 25 Prozent ihres Wasserhaushalts einsparen müssen. Wie, das ist nicht offen. Die Entsalzungsanlagen können nur auf lokaler Ebene etwas Abhilfe schaffen, für die Bewässerungsanlagen in den riesigen landwirtschaftlichen Betrieben im Central Valley sind sie keine Lösung. Es wäre zu teuer, das Wasser so herzustellen und dann mit gewaltigen Pumpanlagen über die Berge ins Central Valley zu schaffen.

Doch die Diskussion um die Wiederaufnahme der Entsalzung in Kalifornien zeigt, dass etwas im Umbruch ist. Der Notstand ist nun überall zu spüren, man versucht neue Wege zu gehen. Doch wie beim Fracking und bei der Ölgewinnung in Nationalparks wird der falsche Weg eingeschlagen. Es muß hier mehr Öl, dort mehr Wasser her, um den Durst der Amerikaner zu stillen. Doch Entsalzungsanlagen täuschen eigentlich nur über das eigentliche Problem hinweg: Kalifornien verbraucht zu viel Wasser.

Tiefschnee wird zum Fremdwort in Kalifornien

Eigentlich müßten zum ersten April rund 160 Zentimeter Schnee in den Bergen der Sierra Nevada gemessen werden. Das ist normal, so war es schon immer, daran konnte man auch absehen, wie viel Wasser in den kalifornischen Reservoirs landen wird. Doch derzeit ist alles anders. 60-70 Prozent der Messstellen weisen überhaupt keinen Schnee auf. Insgesamt liegt die Schneedichte gerade mal bei ein paar Inches, 6 Prozent von dem, was eigentlich da sein sollte. Also kaum der Rede Wert.

Ein ausgetrockneter See in Kalifornien, ein normales Bild im Sonnenstaat.

Ein ausgetrockneter See in Kalifornien, ein normales Bild im Sonnenstaat.

Nun will Kalifornien Wasser einsparen, denn die Lage wird immer dramatischer. Die Trockenperiode hält an, Seen, Flüsse und Reservoirs sind leer oder fast ausgetrocknet. Und noch liegt ein langes, trockenes Jahr vor uns bis zur nächsten „eigentlichen“ Regenzeit. Schon seit langem wird in Kalifornien vom Wassereinsparen geredet, doch bislang alles mit gut Zureden und auf freiwilliger Basis. Das half nichts, zumindest wurde nicht genug Wasser eingespart, um auch nur ein bisschen Entlastung zu schaffen.

Jetzt greift der kalifornische Gouverneur Jerry Brown durch. 25 Prozent sollen die Städte und Gemeinden einsparen. Öffentliche Grünflächen werden fortan nicht länger bewässert, 4,6 Millionen Quadratmeter öffentliche Rasenflächen sollen durch wasserarme Anpflanzungen ersetzt werden. Golfplätze, Uni-Campuse und Friedhöfe müssen wassersparende Bewässerungsanlagen einbauen. Für eine begrenzte Zeit bekommen die Kalifornier nun eine finanzielle Unterstützung, um in ihren Häusern neue wasserkonservierende Systeme einzubauen. Das alles sind nur ein paar der nun vorgegebenen Maßnahmen, die jedoch zeigen, es wird ernst in Kalifornien.

Ein mir bekannter Manager eines exklusiven Golfclubs in San Francisco meinte, in Kalifornien müsse man sich endlich daran gewöhnen, dass man eben nicht mehr nur auf dem Grün spielt. Es gehe um das Spiel und nicht um den grünen Rasen. Ein Umdenken beginnt, ein langsamer Prozess in einem Bundesstaat, in dem viel Wert auf Show und Schein gelegt wird. Dass etwas passieren muß ist allen klar, nur wie schnell und wie intensiv ist vielen noch nicht bewußt. Die anstehende Feuersaison wird zeigen, dass Kalifornien ein ausgetrockneter Staat ist. Die Frage für viele ist derzeit nicht, ob es zu gewaltigen Bränden aufgrund der Trockenheit kommen wird, sondern nur, wie katastrophal die Brände sein werden.

Kein Platz mehr im Todestrakt

Eingang zum Todestrakt von San Quentin.

Eingang zum Todestrakt von San Quentin.

731 Männer und 20 Frauen sind in Kalifornien zum Tode verurteilt. Sie warten zum Teil schon seit fast 40 Jahren auf ihre Hinrichtung. Die Frauen sind in einem Sicherheitstrakt im Frauengefängnis von Chowchilla untergebracht, die Männer im ältesten Staatsgefängnis des Bundesstaates in San Quentin. Und hier sind sie einzeln in einer 1,20 Meter mal 2,60 kleinen Zelle weggesperrt. Die „Death Row“ in San Quentin kann 715 Gefangene aufnehmen, doch diese Zahl ist schon lange überschritten worden. Nun verlangt Gouverneur Jerry Brown vom kalifornischen Parlament eine finanzielle Spritze in Höhe von 3,2 Millionen Dollar, um weitere Todeskandidaten in anderen Zellenblöcken der „Bastille by the Bay“ unterzubringen. Angedacht sind 100 umgebaute Zellen und Waschräume.

Eigentlich war schon lange ein Neubau für die größte „Death Row“ in den USA geplant, doch nach wie vor ist fraglich, ob und wie lange es die Todesstrafe in Kalifornien überhaupt noch geben wird. Seit 2006 wurde kein verurteilter Mörder mehr hingerichtet. Damals war ich als Medienzeuge zur Hinrichtung von Michael Morales geladen worden. Die Aufgabe wäre gewesen, der Verabreichung der Giftspritze zuzusehen und anschliessend anderen Medienvertretern über das zu berichten, was ich gesehen hätte. Die Exekution wurde in letzter Minute gestoppt. Ein Bundesrichter verlangte, dass ein Arzt während dieser Prozedur dabei sein sollte, doch kein Mediziner ließ sich auf die Schnelle finden. Seitdem gab es in Kalifornien keine Hinrichtung mehr. Die Legalität des Giftcocktails und die gesamte Verfassungskonformität der Todesstrafe wird seitdem angezweifelt und vor den Gerichten diskutiert.

Und die „Death Row“ wächst dennoch weiter. Jedes Jahr kommen rund 20 neue Todeskandidaten hinzu. Seit 2006 ist die Zahl der Verdammten von 646 auf 751 angewachsen. 49 Häftlinge starben in dieser Zeit an Selbstmord, Krankheiten, Drogenmißbrauch oder aus anderen Gründen hinter den dicken Mauern des Todestrakts.