Eine politische Woche

Es tat sich einiges in dieser Woche. Zwei Demokraten, Jim Webb und Lincoln Chafee, beendeten ihre aussichtslose Kandidatur ums Rennen für das Weiße Haus. Joe Biden kündigte das Ende seines angedachten Umzugs ins Oval Office an und machte damit endgültig Platz für Hillary, die in dieser Woche im Mittelpunkt in Washington DC stand. Clinton überzeugte bei der Marathonanhörung über ihre Rolle und wann sie was wußte beim Terrorangriff auf das US Konsulat im lybischen Bengasi. Die Republikaner veranstalteten ein Tribunal im Wahlkampf, um, wie es der Fraktionsvorsitzende der GOP, Kevin McCarthy, nannte, Hillary auf ihrem Weg ins Weiße Haus zu stoppen. Ein politisches Fanal sollte es werden, doch daraus wurde nichts. Hillary Clinton war gut auf die Angriffe vorbereitet.

Der Demokrat Lincoln Chafee gab auf. Eine Chance hatte er im Präsidentschaftsrennen sowieso nicht. Foto:  Brian Snyder/Reuters.

Der Demokrat Lincoln Chafee gab auf. Eine Chance hatte er im Wahlkampf sowieso nicht. Foto: Brian Snyder/Reuters.

Doch das war noch nicht alles in dieser Woche. Die Umfragen unter republikanischen Wählern ergaben, dass fast 60 Prozent für einen Außenseiter stimmen würden. Donald Trump, Ben Carson und Carly Fiorina führen derzeit die Republikaner vor. Der Wahlkampf verläuft so gar nicht nach den Plänen des konservativen Establishments in den USA. Das Darling der Partei, der Gouverneur von Wisconin Scott Walker, ist bereits aus dem Rennen ausgeschieden. Auch der ambitionierte Texaner Rick Perry ist Vergangenheit. Und nun muß sogar Jeb Bush eingestehen, dass ihm das Geld knapp wird. Im Vorfeld sammelte Bush fast 100 Millionen Dollar ein, davon scheint nicht mehr viel übrig zu sein. Er setzt nun auf einen Schmalspurwahlkampf, um überhaupt noch bis zum Beginn der Vorwahlen in Iowa zu kommen. In den Umfragen liegt er weit abgeschlagen.

Der einzige Republikaner, der politische Erfahrung mitbringt und vielleicht noch eine Chance hat, ist der 44jährige Senator aus Florida, Marco Rubio. Aber selbst er liegt derzeit mehr als zehn Prozentpunkte hinter Ben Carson und weit über 20 Prozentpunkte hinter Donald Trump. Alle Kandidaten, bis auf den Milliardär Trump, hängen am Geldhahn der Spender. Der Donald lacht nur darüber und greift in seine eigene Tasche. Mittlerweile erkennen auch die Medien in den USA, dass Trump keine Lachnummer ist. Er will durchhalten und wird wohl auch bis zu den Vorwahlen in Iowa, New Hampshire und dem „Super Tuesday“ im Rennen bleiben.

Am kommenden Mittwoch findet die dritte republikanische Fernsehdebatte statt. Danach, das ist schon jetzt klar, wird sich das Kandidatenfeld weiter lichten. Wer hier nicht punktet, sollte aufhören, gerade auch im Hinblick auf den eigentlichen politischen Gegner, die Demokraten. Denn dort entwickelt sich ein Zweikampf zwischen einer Überfrau und einem Senator, der keine Negativkampagne führen will. Hillary Clinton hat noch Schonzeit. Das liegt vor allem jedoch am Unvermögen der Republikaner, die aktuell die besten Wahlkampfhelfer der einstigen First Lady sind.

 

Die Reise nach Jerusalem

Besser läßt sich das Kandidatenkarussell wohl nicht umschreiben. Es ist wie das beliebte Kindergeburtstagsspiel „Reise nach Jerusalem“. Da laufen sie im Kreis, mal langsamer, mal schneller und hoffen, einen Stuhl zu erwischen.

Jim Webb winkt schon mal zum Abschied. Foto: AFP.

Jim Webb winkt schon mal zum Abschied. Foto: AFP.

Der Demokrat Jim Webb steht nun ohne Sitzplatz da. Seine Kandidatur war sowieso ein „long shot“, wie man hier eine fast aussichtslose Situation nennt. Webb konnte nie aus den Schatten der übermächtigen Hillary Clinton und des erfolgreichen Einzelkämpfers Bernie Sanders treten. Seine „Message“ kam bei den Wählern nicht an. Nach der ersten Fernsehdebatte der Demokraten meinten etliche Kommentatoren und Wähler, Webb sei zu konservativ für die Demokraten. Groß punkten konnte er nicht gegen die beiden Frontrunner in seiner Partei. Das Geld blieb aus, die Spender wendeten sich lieber anderen Kandidaten zu. Der Rückzug von Jim Webb war nur noch eine Frage der Zeit, nun ist der 69jährige raus aus dem Rennen ausgestiegen.

Auf der republikanischen Seite hat sich die Situation für Carly Fiorina verschlechtert. Nach der letzten, der zweiten republikanischen Fernsehdebatte, stieg sie in den Umfragen, lag zeitweise sogar auf Platz drei hinter Donald Trump und Ben Carson. In ihrem Umfeld hoffte man auf ein Wunder. Doch damit ist nun Schluß.

Carly Fiorinas Kandidatur is bald zu Ende. Foto: AFP.

Carly Fiorinas Kandidatur is bald zu Ende. Foto: AFP.

In nur wenigen Tagen verlor sie massiv an Unterstützung. In den jüngsten Umfragen kommt sie gerade noch auf vier Prozent und liegt damit auf dem siebten Platz im Kandidatenreigen, weit abgeschlagen und ohne Chance auf einen frischen Start. Denn Fiorina hat gerade in den für sie wichtigen Wählergruppen, Frauen und Universitätsabsolventen, massive Stimmen eingebüsst. Hinzu kommt, dass auch bei ihr die Spendengelder ausbleiben. Zwar steht in der kommenden Woche die nächste Fernsehdebatte der Republikaner an, doch niemand rechnet mehr mit einem großen Punktgewinn der einzigen Frau im Republikanerfeld.