Mit der Wumme zum Parteitag

San Bernardino, Orlando, Dallas, Baton Rouge, nur ein paar Orte, an denen Bewaffnete in diesem Jahr wild durch die Gegend ballerten, ein Blutbad anrichteten. Die Polizei in den USA ist sichtlich nervös geworden. Man weiß nie, was bei einem Einsatz passieren könnte.

Und nun findet der Parteitag der Republikaner in Cleveland, Ohio, statt. Eine Partei feiert sich selbst und ihren exzentrischen Kandidaten Donald Trump. Eine Partei, die für das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz eintritt, allgemein und überall. Selbst der egozentrische Milliardär hat davon immer wieder im Wahlkampf getönt und erklärt, viele der Terrorattacken im Land hätten durch die „good guys“ mit Knarre verhindert werden können.

Man darf, wenn man will, seine Knarre offen zeigen. Foto: Reuters.

Man darf, wenn man will, seine Knarre offen zeigen. Foto: Reuters.

Es scheint, die Republikaner bekommen jetzt die Quittung für ihre langjährige Blockade von sinnvollen Waffengesetzen. Denn Ohio ist ein Bundesstaat mit einem „open carry “ Gesetz. Heißt, den Bürgerinnen und Bürgern ist es erlaubt offen mit Schußwaffen durch die Gegend zu laufen, sie bei sich zu führen und der Welt zu zeigen, man sei bewaffnet. Das Problem bei allem ist nur, dass solche Wahlparteitage immer auch etwas verstörte Zeitgenossen und radikale Gruppen anziehen, teils gewaltsame Proteste sind vor dem eigentlichen Parteitagsort vorbestimmt. Die „Quicken Loans Arena“ ist zwar gut gesichert, doch die Polizei wird sich mit Sicherheit einer bewaffneten Menge gegenüber sehen. Wer davon ein „good guy“ und wer ein „bad guy“ ist, lässt sich so schnell nicht klären. Nur ein kleiner Sicherheitsbereich, nur zugänglich für den inneren Zirkel der Partei und den Kandidaten, abgesichert vom Secret Service, ist ausgenommen. Ansonsten darf man überall in Cleveland, auch im rund 1,7 Quadratmeilen umfassenden Eventbereich offen seine Wumme tragen.

Der Präsident der lokalen Polizeigewerkschaft, Stephen Loomis, forderte sogar den republikanischen Gouverneur John Kasich auf, für die Tage des Parteitages ein Verbot des „open carry“ Gesetzes, zumindest für Cleveland auszusprechen. Doch Kasich weigerte sich und erklärte: „Ein Gouverneur von Ohio hat nicht die Macht willkürlich ein in der Bundes- und Landesverfassung garantiertes Grundrecht zu suspendieren“. Klare Worte, man kann nur hoffen, dass niemand diese Worte in den kommenden Tagen bereuen wird.

 

 

Keine Liebe auf dem Lovefest

Am kommenden Montag beginnt in Cleveland, Ohio, der Wahlparteitag der Republikaner. Diese „Conventions“ ein paar Monate vor dem Wahltermin kommen normalerweise einem Fest der Liebe gleich. Der Kandidat, der sich in den Vorwahlen durchsetzen konnte, wird tagelang in Reden gefeiert. Es wird darauf geachtet, wer wann und was sagt, solche Parteitagsreden haben, wie Barack Obama zeigt, schon die Grundlage für Präsidentschaftswahlkämpfe gelegt.

Doch in diesem Jahr ist nichts normal. Gerade bei den Republikanern, die den patriotischen „America First“ Unterton immer so gerne hinausposaunen. Donald Trump hat das Lager der „Grand Old Party“ gehörig aufgemischt, so sehr, dass sich wohl Lincoln und Reagan im Grab umdrehen würden, um dieses peinliche Schauspiel ihrer Partei nicht mitansehen zu müssen.

Ohios Gouverneur John Kasich wird nicht beim GOP-Parteitag in Cleveland dabei sein. Foto: Reuters.

Ohios Gouverneur John Kasich wird nicht beim GOP-Parteitag in Cleveland dabei sein. Foto: Reuters.

John Kasich, Gouverneur von Ohio und selbst Präsidentschaftskandidat, der als letzter aus dem Rennen gegen Trump ausschied, erklärte zur aktuellen Lage der GOP: „Stimmt alles mit der Immigration? Natürlich nicht. Aber sind wir total gegen Immigration? Natürlich nicht. Sind wir eine Partei, die sagt, aufgrund eines religiösen Tests ist jemand hier nicht willkommen? Das ist nicht meine Partei…die Partei hat ihren Kurs verloren“. Kasich macht keinen Hehl daraus, dass er Donald Trump nicht unterstützen wird. Auch wenn er vor Monaten, wie alle anderen republikanischen Präsidentschaftskandidaten, einen Eid unterschrieb, im Falle des Wahlsieges eines anderen, auch diesen Kandidaten zu unterstützen. Trump schäumt, da Kasich in seinen Augen diesen Eid gebrochen hat. Doch John Kasich steht damit nicht alleine da.

Einzig Chris Christie, Gouverneur von New Jersey, hat sich nach seinem Ausscheiden aus dem Rennen überschnell hinter dem New Yorker Milliardär eingereiht. Das willige Helferlein Christie erhofft sich dadurch einen Posten in einer möglichen Trump-Administration. Andere ehemalige Kontrahenten von Trump, und da gibt es diesmal einige, halten sich noch sehr mit ihrer Unterstützung zurück. Der Parteitag in Cleveland wird also nicht zum freudigen Ringelrei der Republikaner werden. Schon allein deshalb nicht, weil einige der bekannten Namen der Partei nicht kommen wollen. Selbst John Kasich, der eine kurze Anfahrt hätte, wird nicht in die „Quicken Loans Arena“ radeln, auch wenn er gleich um die Ecke wohnt.

John McCain, Lindsey Graham, die Bush Familie, darunter zwei ehemalige Präsidenten und ein Präsidentschaftskandidat, Mitt Romney und zahlreiche republikanische Gouverneure, Senatoren und Kongressabgeordnete haben bereits öffentlich erklärt, sie hätten keine Zeit, keine Lust oder seien irgendwie nicht in der Lage nach Cleveland zu reisen. Eine herbe und laute Ohrfeige für Donald Trump, der sich von der Partei hintergangen fühlt. In Cleveland wird es sicherlich die Donald-Party mit Fahnen, Konfetti und Luftballons geben. Ein deutliches Zeichen der Einheit an die Nation und die eigene Parteibasis wird diese „Love Parade“ allerdings nicht sein.

America will be great again…really?

Er ist nicht mehr zu stoppen. Zumindest nicht bis zum Wahltag im November. Foto: Reuters.

Er ist nicht mehr zu stoppen. Zumindest nicht bis zum Wahltag im November. Foto: Reuters.

Erst Ted Cruz am Wahlabend, nun auch John Kasich am Tag danach. Donald Trump ist der letzte im Rennen um die Nominierung der Republikaner. Sein Sieg in Indiana untermauerte noch einmal, dass ohne ihn in der republikanischen Partei nichts mehr geht. Zumindest bis zum Wahltag im November. Denn das hausgemachte Problem namens Trump spaltet nicht nur die Partei, sondern stellt sie auch vor eine ungewisse Zukunft. Mit dem grandiosen Sieg des New Yorker Milliardärs ist er damit auch zum quasi Sprecher und Vorsitzenden geworden. Sein Wort zählt, die Kritiker werden zum Stillschweigen verdonnert.

Trump hat viele in den eigenen Parteireihen und darüberhinaus auf dem Weg zu seiner Nominierung verprellt. Zahlreiche Republikaner haben bereits angekündigt ihn nicht zu behindern oder innerparteilich zu bekämpfen, aber ihn eben auch nicht im Wahlkampf zu unterstützen. Wichtige Geldgeber, wie die Koch-Brothers, hatten auch schon angedeutet, dem Donald keine Schecks zu schreiben. Und das heißt viel, denn das rote Tuch der Koch-Brothers und vieler andere war, ist und bleibt Hillary Clinton.

Viele in der republikanischen Partei gehen davon aus und hoffen innerlich, dass Hillary Clinton die Wahl im November gewinnen wird. Trump wäre dann von einem Tag auf den anderen eine Nullnummer, abgeschrieben, vergessen. Vier Jahre Hillary sollten genügen, um die eigene Partei wieder zu stärken, zu einen, aufzubauen, so der Plan B. Und schon jetzt geht das Gerangel im Hintergrund los. Marco Rubio und auch Ted Cruz, beide Mitte 40, werden als Hoffnungsträger ihrer Partei gesehen. Sie hätten Zeit, ihre neuen Versuch auf das Präsidentenamt vorzubereiten. Ganz strategisch, akribisch, durchdacht, genau so, wie das auch die verhasste Hillary Clinton getan hat. Der Wahlkampf 2016 ist noch lange nicht vorbei, da werden schon jetzt die ersten Gehversuche für 2020 unternommen.

Niemand mag Ted Cruz

Der eine beschreibt ihn als „leibhaftigen Luzifer“ (John Boehner), die andere als unappetitliche „Leber mit Zwiebeln“ (Ana Navarro). Das übertrifft sogar noch die Schmährufe von Donald Trump, der Ted Cruz nur als „Lying Ted“ betitelt. Und Trump scheint wohl richtig zu liegen, denn die großspurige Allianz zwischen Cruz und Kasich, um den New Yorker Milliardär noch zu stoppen, scheint null und nichtig zu sein.

Kann dieses Gesicht lügen? Foto: Reuters.

Kann dieses Gesicht lügen? Foto: Reuters.

Vor ein paar Tagen hieß es noch, die beiden Kandidaten hätten sich darauf geeinigt, dass Ted Cruz sich auf Indiana konzentriert, John Kasich auf Oregon und New Mexico. Beide wollten sich dabei nicht in die Quere kommen, um so die Wählerstimmen bündeln zu können. Kasich zog sich daraufhin aus Indiana zurück. Doch am Donnerstagmorgen erklärte Cruz gegenüber überraschten Reportern: „Es gibt keine Allianz“. Nur wenige Minuten später kam die Antwort des Kasich-Lagers per Twitter: „Ich kann Lügner nicht ausstehen“. Lachender Dritter ist Donald Trump, der nur sagt: „I told you so“.

Auch die Strategie von Ted Cruz mit Carly Fiorina bereits eine Vize-Präsidentschaftskandidatin zu präsentieren war ein Schuß in den Ofen. Die Kommentatoren und Late-Night-Comedy Shows hatten einen wahren „Field Day“. Sie machten sich über Cruz lustig, dass der, obwohl er eigentlich keine Chance hat Kandidat seiner Partei zu werden, eine Stellvertreterin präsentiert. Und das mit den Worten, dass Fiorina für den Job als „Commander in Chief“ mehr als geeignet wäre, wenn ihm etwas im Weißen Haus passierte. Eine Steilvorlage für bitteren Humor. Und selbst erzkonservative Kommentatoren und Aktivisten, wie Ann Coulter, twitterten, sie warte nur darauf, dass Cruz nun auch noch seinen Kandidaten fürs Innen- und Verteidigungsministerium vorstellt.

Ted Cruz‘ Zeit läuft ab. Am Dienstag wird in Indiana gewählt, in dieser Wahl muß er liefern. Doch in den Umfragen sieht alles nach einer weiteren Niederlage für ihn und nach einem weiteren Sieg für Donald Trump aus. Wenn das eintrifft, dann war es das für den Texaner. Und mal ehrlich, darüber wird kaum jemand im Land so richtig traurig sein.

 

Gratulation, Madame President!

The 45th president of the United States of America - Hillary Clinton. Foto: AFP

The 45th president of the United States of America. Foto: AFP

Hillary Clinton ist durch. Sie wird die erste Präsidentin der USA werden, falls sie sich nicht noch den totalen Fehltritt im Wahlkampf erlaubt. Nach 44 Männern kommt mit der Nummer 45 endlich eine Frau ins Weiße Haus. Das ist wohl das Ergebnis des heutigen Wahlabends. Denn mal ehrlich, Donald Trump wird nicht die volle Unterstützung seiner Partei bekommen. Und ein Ted Cruz gewinnt keine „Swing-States“, das hat er heute Abend erneut in Pennsylvania gezeigt. Mehr als eine Klatsche war für ihn nicht drin.

Bei den Demokraten selbst hat Bernie Sanders zwar einen hervorragenden Wahlkampf geführt, Hillary Clinton politisch weit nach links gezogen, doch eine Chance gegen die Über-Demokratin und Kandidatin des Partei-Establishments hatte er nie. Und sehen wir mal die Dinge, wie sie wirklich sind, die Vorwahlen der beiden großen Parteien sind eine einzige Farce. Sie sind undemokratisch, undurchschaubar und, ja, unamerikanisch.

Welche Rolle Iowa und New Hampshire in jedem Wahlkampf spielen ist schlichtweg verrückt. Diese Kleinststaaten mit ihren paar Stimmchen haben ein Übergewicht im Wahlkampf, das mehr als unangemessen ist. Dann die Superdelegierten der Parteien, die frei entscheiden, für wen sie stimmen können. Hillary Clinton hat nur deshalb eine so deutliche Führung gegen Bernie Sanders, weil viele dieser gehorsamen Parteisoldaten für Clinton stimmen wollen. Demokratisch ist was anderes.

Bei den Republikanern sieht es nicht viel anders aus, wenn ein Kandidat wie John Kasich, der bislang gerade mal 153 Delegiertenstimmen und einen einzigen, seinen Bundesstaat, gewonnen hat, sich noch ersthafte Chancen ausrechnen darf, dem Frontrunner Donald Trump durch Schiebereien auf dem Parteitag die Krone zu entreißen. Ich bin wahrlich kein Trump-Fan, aber Ergebnisse von Wahlen sollten anerkannt werden.

Die Sieger am Dienstagabend sind also Donald Trump und Hillary Clinton. Alle anderen im Rennen und auch die amerikanische Öffentlichkeit sollte sich damit nun abfinden. Was nun vor uns liegt in den kommenden sechs Monaten, wird der wohl brutalste, schmierigste und fieseste Wahlkampf aller Zeiten werden.

Die Allianz, die zu spät kommt

Ted Cruz und John Kasich meinen ernsthaft, sie haben noch eine Chance Donald Trump zu stoppen. Mit ihrer Allianz in den letzten Vorwahlen soll der Milliardär ins Stolpern geraten, um so nicht noch über die notwendige 1237 Delegiertenstimmenhürde zu kommen. Dann, so die Hoffnung, entscheidet sich alles auf dem Parteitag in Cleveland.

Donald Trump verbindet die Kontrahenten Cruz und Kasich. Foto: Reuters

Donald Trump verbindet die Kontrahenten Cruz und Kasich. Foto: Reuters

Die Blutsbrüderschaft zwischen Kasich und Cruz sieht vor, dass der Gouverneur von Ohio freies Feld in New Mexico und Oregon bekommt, dem texanischen Gouverneur hingegen wird freie Fahrt in Indiana ermöglicht. Damit sollen die Wahlstimmen gebündelt und zumindest ein paar Schlachten gegen Trump gewonnen werden. Der Krieg scheint nämlich schon längst verloren zu sein.

Donald Trump, das wird langsam einigen in der Grand Old Party bewußt, wird wohl der Kandidat der Partei werden. Ob man das nun will oder nicht. Trump spaltet die Reihen, eine gemeinsame Linie wird es nicht geben. Und die Partei wird nach diesem Wahlkampf nicht mehr die selbe sein. Schon jetzt muss man bei den Republikanern in einer Zeitrechnung vor und nach Donald Trump denken.

Die Allianz zwischen Ted Cruz und John Kasich ist ein letzter Versuch, nach außen die Dinge nochmal gerade zu rücken. Doch was die beiden übersehen ist, dass Trump eigentlich nur das offenlegt, was schon seit langem unter der Oberfläche brodelt.Die Republikaner sind tief gespalten, man denke nur an die lautstarke Tea-Party-Fraktion. Von einer Einheit ist man weit entfernt. Die Parteibasis ist frustriert mit der Parteiführung und ihren Repräsentanten im Kongress und Senat. Donald Trump ist eigentlich nur die lang angekündigte Antwort auf den Chaosverein, zu dem die Republikaner in den letzten Jahren geworden sind.

Ted Cruz und die New Yorker Werte

Ted Cruz hat nun ein Problem. Monatelang hat er gegen Donald Trump gewettert, ihn beschimpft, ihn niedergemacht, immer und immer wieder ihn als den Kandidaten abgetan, der für die „New York Values“ stehe. Also für Liberalismus, für Abrtreibung, Homo-Ehe, Multikulti, demokratischen Sozialismus. Doch seine Worte beißen Ted Cruz nun in seinen eigenen Allerwertesten. Denn der Wahlkampf kommt nun nach New York, einem der bevölkerungsreichsten Bundesstaaten in den USA. Und das bedeutet, hier gibt es viele Delegiertenstimmen zu gewinnen, die Cruz unbedingt braucht, um den aus New York kommenden Milliardär zu schlagen.

Donald Trump und auch John Kasich haben die Worte von Cruz aber nicht vergessen. Trump erinnerte sein Publikum auf einer Wahlkampfveranstaltung in Queens daran, dass der Texaner so gar nicht gut auf New York und seine Menschen zu sprechen ist. Und auch John Kasich buhlt im „Empire State“ um Wählerstimmen mit einem Werbespot, in dem die Freiheitsstatue und das World Trade Center gezeigt werden und spielt dabei auch die abschätzigen Kommentare von Ted Cruz ein.

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Ted Cruz wollte am Freitag ungestört in New York City Wahlkampf betreiben, doch daraus wurde nichts. Demonstranten warteten schon auf ihn, erkärten, er habe nichts in dieser Stadt zu suchen. Auf seine Anti-NYC-Worte angesprochen, meinte Cruz, er stehe nach wie vor dazu. Trump stehe für Werte, die nichts mit der konservativen Bewegung in der republikanischen Partei zu tun haben. Kein bißchen bereue er seine Aussagen. „Wenn man wissen will, was liberale Werte der Demokraten sind, dann muß man nur dem Scheckbuch von Donald Trump folgen“, erklärte der von sich überzeugte Texaner in Anspielung auf die Spenden Trumps. Cruz macht also weiter in New York, weiter mit seinen Verbalangriffen gegen den führenden Donald. Vor allem bei orthodoxen Juden und fundamentalistischen Krichengruppen will er Stimmen gewinnen.

Der Wahlkampf in New York City wird zum „Ultimate Fighting“-Ring der Republikaner. Donald Trump mit einem Heimvorteil, John Kasich als quasi ebenfalls attackierter Nachbar und ein Ted Cruz, der im Big Apple kaum punkten und vielmehr so richtig einen auf die Mütze bekommen wird. Von der Seitenlinie betrachtet, kann man da nur sagen, der amerikanische Wahlkampf bleibt unterhaltsam spannend!

Obama ist mal wieder an allem schuld

Präsident Obama in Havanna. Foto Reuters.

Präsident Obama in Havanna. Foto Reuters.

Havanna, Brüssel, Obama. In Kuba der Schulterschluss mit den Kommunisten, in Brüssel die Attentate der Terroristen und an allem ist Barack Obama schuld. So zumindest die einhellige Meinung der republikanischen Präsidentschaftsanwärter. Na immerhin sind sie sich in einem einig. Donald Trump twittert, Raul Castro hätte keinen Respekt vor Obama, die Terroranschläge in Brüssel gingen auch auf Baracks Mütze, denn der amerikanische Präsident überzeuge nur durch eine lasche Haltung gegenüber radikalen Islamisten. Ted Cruz meinte, der Besuch sei ein Schlag ins Gesicht für alle Exil-Kubaner, die vor der Diktatur auf der Karibikinsel geflohen seien. Und John Kasich erklärte, er als Präsident hätte sofort seine Reise unterbrochen, um aus dem Oval Office die europäischen Partner und Freunde anzurufen.

Präsident Bush in Peking.

Präsident Bush in Peking.

Obama macht irgendwie alles falsch. Selbst ein Foto von ihm in Havanna vor einem Wandbild von Che Guevara sorgt für Aufregung. Konservative erbosten sich über den Präsidenten, der sich vor diesem Bildnis ablichten ließe, er stehe stramm, meinten einige auf twitter. Verschwiegen wird dabei gerne, dass auch republikanische Präsidenten gerne zum politischen Feind reisten und sich dabei vor Wandgemälden fotografieren ließen.

Egal, wie sich Obama dreht und wendet, was er sagt und nicht sagt, es wird ihm falsch ausgelegt. Im letzten Jahr seiner Amtszeit, in den Hochzeiten des Wahlkampfes wird jedoch deutlich, für was Obama wirklich steht; für die Diplomatie der Worte. Er sucht lieber den Dialog, als gleich locker und ohne was zu sagen aus der Hüfte zu schießen. Trump und Cruz umschreiben ihre Ideen für die amerikanische Außenpolitik gerne mit militärischen Mitteln. Flächenbombardements seien eine eindeutige Sprache, so Trump und Cruz. International ausgehandelte Verträge und Abkommen seien das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Von daher würde in einer Trump- oder Cruz-Administration so einiges am ersten Tag in den Schredder wandern.

In den letzten Monaten von Barack Obama als Präsident der USA wird einem bewußt, dass diese Amtszeit gar nicht mal so schlecht war, wie sie oftmals dargestellt wird. Und man erkennt in dem Gekreische der republikanischen Kandidaten, was Obama hätte erreichen können, wenn er die politische Unterstützung in Washington gehabt hätte. „Hope“ und „Change“ wären durchaus möglich gewesen, zumindest ein klein bißchen. Doch das „Yes, we can“ wurde dann doch nur zu einem „Yes, we could have“.

Marco bleibt in Florida

Florida, Ohio, Illinois, North Carolina, Missouri. Fünf Wahlen, zwei Sieger und die heißen wieder Donald Trump und Hillary Clinton. Auf zwei Wahlgänge wurde am Dienstag besonders geachtet, Florida und Ohio. Aus dem einen Bundesstaat kommt Senator Marco Rubio, aus dem zweiten Gouverneur John Kasich. Und für beide waren Siege lebenswichtig, um überhaupt noch eine Berechtigung zum Weitermachen zu haben. Kasich siegte in Ohio, Rubio ging unter. So deutlich, dass der Senator schon kurz nach den ersten Hochrechnungen das Ende seines Wahlkampfes verkündete. Marco bleibt also gleich in Florida.

Marco Rubio kann am Mittwoch in seinem Bett in Miami ausschlafen. Foto: Reuters.

Marco Rubio kann nun in seinem Bett in Miami ausschlafen. Foto: Reuters.

Der strahlende Sieger – mal wieder – Donald Trump. Dem konnten weder Kloppereien auf seinen Veranstaltungen, Tausende von Gegendemonstranten noch Dutzende von Anti-Trump Werbeclips und eine immer größer werdende politische Gegenfront etwas anhaben. Vier der fünf Wahlen gingen an ihn. Die Republikaner sollten sich langsam aber sicher mit dem Supgergau in ihren Reihen abfinden. Donald Trump wird 2016 entweder der Kandidat der Lincoln- und Reagan-Partei oder es kommt zu einem Hinterzimmerdeal, der am Ende die Republikaner spalten wird. Beides wäre politischer Selbstmord.

Trump wird es wahrscheinlich nicht schaffen, die 1237 notwendigen Delegiertenstimmen noch vor dem Parteikonvent im Juli einzusammeln. Aber er wird mit einer deutlichen Führung nach Cleveland reisen. Das würde dann zu einem Parteitag führen, auf dem eine Entscheidung gefällt werden muß, und die ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.

Bei den Demokraten sieht nun alles nach Hillary Clinton als Kandidatin aus. Sie hat am heutigen Dienstag ihren Vorsprung deutlich ausbauen können. Mit den erklärten Superdelegierten hat sie nun mehr als doppelt so viele Stimmen wie ihr Herausforderer Bernie Sanders. Doch Clinton, das muß man offen und ehrlich sagen, hat sich in diesem Wahlkampf bewegt. Politisch ist sie auf Sanders zugegangen, hat viele seiner Themen aufgegriffen. Sie ist zur Kämpferin geworden, die das Ziel, das Oval Office, fest im Blick hat. Ein Bernie Sanders und schon gar nicht ein Donald Trump werden sie noch aufhalten. Dennoch liegt viel Arbeit vor ihr. In einigen Bundesstaaten konnte Sanders fast 90 Prozent der Erstwähler und jungen Wähler auf sich vereinen. Hillary braucht jedoch die massive Unterstützung aus dem Sanders Lager, um am Ende die erste amerikanische Präsidentin zu werden.

Trump marschiert weiter

Nur der Texaner Ted Cruz kann Donald Trum noch stoppen. Foto: Reuters.

Nur der Texaner Ted Cruz kann Donald Trum noch stoppen. Foto: Reuters.

„Ted Cruz hat in Maine gewonnen, denn das liegt ja gleich neben Kanada“. Ein typischer Trump-Satz in diesem wahnwitzigen Wahlkampf. So was hat Amerika und die Welt noch nicht gesehen. Am Abend stand es bei den Republikanern 2:2. Zwei Siege für Donald Trump (Louisiana und Kentucky, zwei Siege für Ted Cruz (Kansas und Maine). Marco Rubio und John Kasich lagen unter ferner liefen und müssen sich nun ernsthaft die Frage gefallen lassen, was sie eigentlich noch in diesem Wahlkampf wollen. Rubio tönt nach wie vor, er ist der einzige Kandidat, der die Partei gegen Trump einen kann. Das klingt ungefähr so überzeugend, wie wenn ich meinen fast 16jährigen Neffen, ein Leichtathletik-Ass, zum 1000 Meter Lauf herausfordere und ihm erkläre, ich war 1984 auf dieser Distanz Schulmeister an der Staatlichen Realschule Nürnberg. Einfach lächerlich! Kasich hingegen zielt wohl auf den Vize-Präsidentenposten ab, das will er mit einem Sieg im wichtigen „Swing-State“ Ohio beweisen.

Ab Ende März Ende werden zwei Kandidaten bis zum Wahlkonvent im Juli marschieren: Donald Trump und Ted Cruz. Zwei Persönlichkeiten, die keiner im republikanischen Establishment auch nur annähernd gut finden kann. Trump der Egomane, Cruz der christliche Fundamentalist. Beide vertreten nicht die Mehrheit der Partei. Zu lange hat man in der GOP zugeschaut, was da passiert. Das Ergebnis: auf dem Highway ist die Hölle los, doch in der Zentrale der Partei kam das nicht an. Dort hieß es nur, das richtet sich schon, das wird schon, kein Grund zur Sorge. Doch mit jeder Umfrage, mit jedem Wahlsieg von Trump und auch Cruz wurden die Sorgenfalten der alten Herren in der Grand Old Party tiefer. Und nun ist es zu spät. Die verbliebenen Rubio und Kasich, die in den Parteireihen als gemäßigt gelten, sind hoffnungslos abgeschlagen. Mit der zwangsläufigen Nominierung von Trump oder Cruz schwinden die Aussichten auf einen Erfolg in der Novemberwahl. Selbst dann, wenn die Kandidatin der Demokraten die verhasste Hillary Clinton sein wird. Amerika ist derzeit wahrlich „out of its mind“, doch trotz allem nicht bereit, einen Präsidenten Donald Trump oder Ted Cruz ins Oval Office zu schicken.