„Not my president“

Am kommenden Samstag steht der „Million Women’s March“ an. Einen Tag nach der Vereidigung von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA wird es im ganzen Land zu Massenprotesten kommen. Die zentrale Veranstaltung ist in Washington DC angesetzt, von überallher fliegen Frauen ein, um am Lincoln Memorial, unweit des Weißen Hauses und des US Kongresses, gegen den Rechtsruck unter Trump in der Gesellschaft zu protestieren. Es heißt, „Frauen und Feministinnen protestieren öffentlich gegen die Vereidigung von Donald Trump zum Oberbefehlshaber“.

Doch auch in vielen Städten der USA werden am Samstag die Menschen auf die Straße gehen, zumindest all jene, die nicht für Donald Trump gestimmt haben. Hier in Oakland, in San Francisco, in San Jose und in Hunderten von Städten im ganzen Land, wollen Hunderttausende gegen Trump protestieren. Ob der das wahrnimmt sei dahingestellt, ob er danach twittert ist garantiert.

Donald Trump redet zwar davon das Land in einer tiefen Krise wieder zusammen zu führen, doch davon merkt man nichts. Im Wahlkampf buddelte er die tiefsten Gräben, nach seinem Wahlsieg schüttete er sie nicht zu, ganz im Gegenteil, Trump sichert seine Schützengräben noch ab. Auch wenn er am Freitag schwören wird, er werde der Präsident aller Amerikaner sein, das, was er von sich gibt, was er über Twitter verbreitet, vor allem das, was er in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit angehen will, läßt nur einen Schluß zu: Trump arbeitet für sich und sein Image und für niemanden sonst.

52 Demokraten aus dem Kongress haben bislang erklärt, sie werden nicht an der „Inauguration“ von Donald Trump teilnehmen. Die Situation eskalierte am Wochenende, als der Abgeordnete und Bürgerrechtler John Lewis in einem Interview erklärte, Trump sei für ihn kein „legitimer“ Präsident. Das Verhalten Russlands zeige, dass Trump nicht fair die Wahl gewonnen habe. Deshalb werde er, Lewis, am kommenden Freitag nicht dabei sein.

Donald Trump reagierte wie eh und je. John Lewis sei nur „all talk, talk, talk”. Er solle sich mehr um die brennenden und von Kriminalität verseuchten Innenstädte kümmern, als seinen Wahlsieg anzuzweifeln. Gerade das „all talk, talk, talk“ stieß vielen Demokraten auf, denn Lewis marschierte mit Martin Luther King in den 60er Jahren, führte den Protestzug von Selma an, wurde brutal von den „State Troopers“ niedergeknüppelt. Lewis ist eine Ikone der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, wer ihn mit solchen Worten kritisiert, zeigt, dass er nur wenig von der amerikanischen Geschichte weiß. Trumps Twittererguss erinnert da schon sehr an das Bildchen des Kreisverbandes Nürnberg-Süd/Schwabach, in dem es heißt „Sophie Scholl würde AfD wählen“. Rechtspopulisten aller Länder vereinigt euch!