Das gewollte Chaos des Mister Trump

Eine Woche im Amt, dann kam der große Knaller. Zuvor hatte King Donald I schon mehrfach per Dekret wichtige politische Entscheidungen seines Vorgängers Barack Obama ausgebremst und ausgehebelt. Trump wollte schnell einen neuen Ton in Washington setzen.

Und dann am vergangenen Freitag die umstrittenste aller Entscheidungen, Menschen aus Somalia, Sudan, Iran, Irak, Syrien, Jemen und Libyen voerst die Einreise in die USA zu verweigern. Ein Einreiseverbot für Muslime meinten die einen. Ein Einreiseverbot für „radical islamic terrorists“ argumentierte Trumps Umfeld, so, als ob sich Terroristen ordnungsgemäß an Pass- und Visagesetze und die Formalitäten des internationalen Luftverkehrs hielten.

Foto: Reuters.

Donald Trump und seine Gehilfen fegen durch Washington ohne Rücksicht auf Verluste. Alles wird in Frage gestellt, Geschichte wird umgeschrieben, Verträge gekündigt, Freundschaften beendet. Nach außen wirkt alles stümperhaft, nicht durchdacht, überhastet, ohne Plan. Doch Trump und seine Berater haben einen Plan, den haben sie schon im Wahlkampf deutlich gemacht. Sie wollen Amerika neu ausrichten und das mit einer Chaos-Strategie. Trump twittert weiter, wettert und hetzt gegen Demokraten, Medien und alle, die sich ihm in den Weg stellen, darunter auch namhafte Republikaner wie die Senatoren John McCain und Lindsey Graham.

Es sieht nach Unvermögen aus, das Ziel nicht erkennbar. Trump hat jedoch in diesen Tagen das Ziel fest vor Augen. Er will seine Basis stärken, verbreitet dafür Falschmeldungen, und alles was über ihn, seine Entscheidungen und Absichten berichtet wird, bezeichnet er als „Fake News“. Auf seinem Haussender FOXNews haben sich so einige Moderatoren, allen voran Sean Hannity, zu Bütteln des neuen Kaisers gemacht. Trump schafft bewußt Unruhe, will die Gesellschaft spalten und so seine Gefolgschaft ganz auf sich ausrichten. Was er sagt stimmt, was die anderen sagen ist falsch. Gegenfragen sind nicht erlaubt und werden als unerlaubte Kritik am „Big Man“ gesehen.

Die Trump-Anhänger jubeln, endlich einer, der in Washington aufräumt, durchgreift, seine Wahlversprechen einlöst. Zumindest sieht es danach aus, doch Trump kann nicht auf Dauer per Dekret regieren. Was er aber schafft ist, er zeigt mit ausgestrecktem Finger auf den Kongress und schiebt den Abgeordneten und Senatoren die Schuld zu: „Ich würde ja gerne machen, aber die unterstützen mich nicht“. Die Mauer muß gebaut, der Umweltschutz beendet, Unternehmen gezwungen, Terroristen die Einreise in die USA versperrt werden. America First!

Noch jauchzen die Trumpschen Chöre, denn bislang betrifft sie nicht das, was er umsetzt. Die „New York Times“ und „Washington Post“ lesen sie nicht, CNN schauen sie nicht, die Mauer stört sie nicht, eine Ölpipeline durch Reservate geht sie nichts an, Hauptsache das Benzin wird billiger. Flüchtlinge aus Somalia und Syrien kennen sie nicht. Von daher „Make America Great Again“, „Hire American, Buy American“. So sehr ich mich vor diesem Vergleich auch scheue, all das erinnert mich an die Worte von Pastor Martin Niemöller:

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

„Natural-Born Candidate“

Donald Trump nervte jahrelang mit einer Debatte über den Geburtsort von Präsident Barack Obama. Trump und viele in der sogenannten „Birther“-Szene wollten nicht wahrhaben, dass Obama auf Hawaii geboren wurde. Sie warfen dem damaligen Präsidentschaftskandidaten und dann „Commander in Chief“ vor, dessen Geburtsurkunde sei gefälscht, Barack Obama sei eigentlich in Kenia zur Welt gekommen und damit nicht wählbar. Auch der republikanische Senator John McCain, der 2008 gegen Obama antrat, mußte nachweisen, dass er ein „natural-born“ Amerikaner sei. McCain war zwar 1936 in Coco Solo in Panama geboren, doch das Gebiet des Panamakanals stand damals unter US amerikanischer Flagge und somit war der Senator aus Arizona wählbar. So die Auslegung des „Natural-Born Citizens.

"Isch bin kein Kanadier". Ted Cruz will ein "richtiger" Amerikaner sein. Foto: Reuters.

„Isch bin kein Kanadier“. Ted Cruz ist davon überzeugt, ein „richtiger“ Amerikaner zu sein. Foto: Reuters.

Diesmal ist alles anders. Ted Cruz, der Erzkonservative im Rennen, der sich durchaus Chancen auf die Kandidatur machen kann, wurde 1970 in Calgary, Kanada, geboren. Seine Mutter eine US Amerikanerin, der Vater ein Kubaner. Der Senator aus Texas hatte also von Geburt an auch einen amerikanischen Pass. Cruz behielt seine doppelte Staatsbürgerschaft bis zur Verkündigung seiner Kandidatur.

Trump, der nicht gerade einen sauberen Wahlkampf führt und in Iowa in den Umfragen hinter Cruz liegt, brachte nun die alte Frage wieder an. Was ist ein „natural-born citizen“, die Voraussetzung für den Job des US Präsidenten? Langt es, wie bei Ted Cruz, ein Elternteil mit amerikanischem Pass zu haben und somit von Beginn an amerikanischer Staatsbürger zu sein. Oder, wie das die „Birther“-Gemeinde um Donald Trump sieht, muß ein Präsident in den 50 Bundesstaaten oder auf amerikanischem Territorium, z.B. in einer Botschaft, geboren sein. Kanada fiele da zweifellos nicht darunter.

Donald Trump meinte am Mittwoch in einem Interview, die Wähler sollten das für sich entscheiden, ob sie jemanden wählen möchten, der dann erst einmal vor Gericht seine eigentliche Berechtigung für den Job abklären lassen muß. Das sei für das Land eine große Hürde. Er werde sicherlich nicht wieder eine Initiative wie bei Obama starten, finanzieren und unterstützen, ABER man solle sich darüber schon mal Gedanken machen.

Ted Cruz selbst wischte den Kommentar von Trump mit einem Lächeln vom Tisch. Seine Anwälte hätten alles genau geprüft, er sei US Amerikaner, „natural-born“, und somit „ready for the job in the White House“. Das Schlammcatchen, auch US Wahlkampf genannt, hat jetzt erst so richtig begonnen.

„You’re fired Radio Goethe Man“

Politische Berichterstattung ist oftmals zäh und langweilig. Das hoch drei sind Wahlkämpfe. Man versucht eigentlich ständig über nichts zu schreiben, über Nullaussagen, Versprecher, Reaktionen. Und dann ist da Donald Trump, ein Egozentriker, ein Selbstdarsteller, ein von sich so eingenommener Egomane, der einfach alles besser weiß und auf alles eine Antwort kennt. Ich bin mir sicher, Donald Trump würde sogar mir sagen, ich hätte keine Ahnung von der deutschen Musikszene und sollte es sein lassen: „You’re fired Radio Goethe Man“.

Trump legt sich derzeit mit allen und jedem an. Keiner in seiner Partei und darüberhinaus ist vor seinen verbalen Ausbrüchen sicher. Das verspricht einen ungemeinen Unterhaltungseffekt, den man so noch nie im amerikanischen Wahlkampf erlebt hat. Trump teilt aus: Der Texaner und frühere Gouverneur Rick Perry sollte erst einmal einen IQ Test machen bevor er als Kandidat zugelassen wird, denn er verstehe bestimmte Begriffe gar nicht. Arizonas Senator und die graue Eminenz in der Partei, John McCain, sei verrückt und habe keine Ahnung von Politik. Jeb Bush sei eine Null, die nur einen bekannten Namen habe und auf keinem Fall Präsident werden dürfe. Der Ex-George W. Bush Berater, Karl Rove, sei ein unfähiger „Clown“, den FOXNEws einfach nicht mehr als Kommentator einladen solle.

Trump liebt das twittern. In kurzen knappen Sätzen versprüht er sein Gift auf seine innerparteiligen Konkurrenten, verbreitet seine politische Ziele vom Mauerbau, einer starken US Armee, Wirtschafts- und Außenpolitik und liebt es sich hier selbst zu beweihräuchern. Der Milliardär mit der eigenwilligen Haartolle ist das Schicksal der republikanischen Partei. Die Demokraten müssen derzeit überhaupt keinen Wahlkampf führen, denn Trump macht ihn für sie. Er hat eine unvergleichgliche Medienpräsenz, denn jeder weiß, der Donald hält nicht zurück, das schafft Freude, Stimmung und gute Einschaltquoten. In den Umfragen unter republikanischen Wählern steigt und steigt er, derzeit hat er sich sogar etwas vom breiten Feld mit rund 17 Prozent abgesetzt.

Falls Donald Trump noch länger im Rennen bleiben sollte, und das ist sehr stark anzunehmen, ist der Wahlkampf schon ein Jahr vor dem eigentlichen Termin im November 2016 entschieden. Trump trampelt wie ein Elefant durch den politischen Porzellanladen und hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Von einer geeinten Partei, die regierungsfähig ist, sind die Republikaner meilenweit entfernt. Genau das führt uns Trump in diesen Tagen vor Augen. Der Wahlkampf ist Showbusiness. Von inhaltlichen Debatten will man nichts wissen, Stellung bezogen wird auf Twitter. Und keiner kann das besser als Donald Trump. Er ist als selbsternannter Heilsbringer, als Retter Amerikas in dieses Rennen eingestiegen. „I’m the man“ und niemand kann und darf neben ihm bestehen bleiben. Donald Trump wird sicherlich nicht der Kandidat der Republikaner werden, doch er setzt alles daran, dass nach ihm nur verbrannte Erde bleibt. Nicht für den eigentlichen politischen Gegner, sondern für die eigene Partei.

„Let’s take our country back“

Der jugendlich wirkende Rand Paul will Präsident werden.

Der jugendlich wirkende Rand Paul will Präsident werden.

Irgendwie erinnert mich dieser Schlachtruf „Let’s take our country back“ an die aggressive Mucke von Rage Against The Machine. Da fehlt am Ende nur noch ein geschrienes „Motherf…..“. Doch am Dienstag war es nicht der Sänger von Rage Against The Machine, Zack de la Rocha, der das von der Bühne ins Mikrofon brüllte. Vielmehr rief es der republikanische Senator Rand Paul aus Kentucky seinen Anhängern zu. Es war auf einer durchorganisierten Veranstaltung in Louisville, Kentucky, und Rand Paul verkündete ganz offiziell, dass er ums Präsidentenamt kandidieren werde. „Let’s take our country back“!

Die Rede sei präsidial gewesen, meinten einige Kommentatoren. Paul präsentierte sich, wie sein Vater Ron Paul bei vorhergehenden Wahlkämpfen, als Außenseiter, als jemand, der nicht auf Lobbyisten hört und schon gar nicht die Parteilinie verfolgt. Immer mal wieder hatte sich der Jungsenator in der letzten Zeit mit den Parteialten angelegt, allen voran John McCain. Er verfolgt in der Außenpolitik und der Finanzpolitik ganz andere Wege. Die USA sollten nicht den Weltpolizisten spielen und die Schuldenbremse in die Verfassung schreiben, so Paul.

Paul geht keiner Auseinandersetzung aus dem Weg. Er wendete sich gegen eine übertriebene Beobachtung der eigenen Bürger durch die Geheimdienste, er wehrte sich gegen die flächendeckenden Abhörmaßnahmen der NSA. Zwar glaubt er, dass es die Erderwärmung gibt und, dass der Mensch daran Schuld ist, dennoch wetterte er gegen die Maßnahmen der Obama Adminstration. Den einzelnen Bundesstaaten sollte es erlaubt sein die Homo-Ehe zu verbieten. In vielen Punkten liegt Rand Paul durchaus auf der Parteilinie und doch stellt er sich als Querdenker dar, als unabhängig, als Washington Außenseiter.

Der 52jährige will mit einer „Grasroots“ Kampagne bis ins Weiße Haus kommen. Seine Ideen und Reden kommen vor allem bei jüngeren Wählern an, die für ihn den Wahlkampf führen werden. Das ist auch seine Stärke, denn bei den klassischen Republikanern fällt Rand Paul durch. Er hat keine Vernetzung im Washingtoner Politzirkus. Die Altherrenpartei der GOP setzt im Wahlkampf lieber auf ein sicheres, sprich etabliertes Zugpferd, als auf einen dynamischen Tea Party Aktivisten, der mehr durch seine Aufmüpfigkeit als durch seine Parteidisziplin bekannt wurde.

Rand Paul ist nach Ted Cruz der zweite offizielle Kandidat der Republikaner. Nächste Woche wird ein weiterer Name in den Hut geworfen, dann will Marco Rubio, Senator aus Florida, seine Kandidatur verkünden.

Let the games begin

Die Milliardendollarwahl im November 2016 wirft ihre Schatten voraus. Neben der großen Frage, ob Hillary Clinton nun für die Demokraten kandidieren wird oder nicht, beginnen auf der anderen Seite des politischen Spektrums die ersten Stellungskämpfe. Zahlreiche Kandidaten der Republikaner positionieren sich, loten aus, wie ihre Chancen bei Wählern und Sponsoren sein könnten. Das alles 20 Monate vor dem eigentlichen Wahltermin.

Senator Ted Cruz will unbedingt Präsident werden.

Senator Ted Cruz will unbedingt Präsident werden.

Am Montag nun wird der erste Republikaner ganz offiziell seine Kandidatur erklären. Der texanische Senator und das Darling der Tea Party, Ted Cruz, ist am Montag zu Gast in der „Liberty University“, einer christlich konservativen Eliteschmiede. Und hier will Cruz seine Ambitionen verkünden, als nächster Mieter auf Zeit ins Anwesen 1600 Pennsylvania Avenue einzuziehen. Cruz wird nicht wie die anderen Möchtegernpräsidenten ein Wahlkampfkomitee einrichten, um ersteinmal zu schauen, ob denn überhaupt was möglich sei. Er steigt vielmehr sofort ins Rennen ein.

Seit 2012 ist Ted Cruz im US Senat. Von Anfang an war er einer der lautstarksten Stimmen der rechtsaußen Tea Party Fraktion im Kampf gegen die verhasste Gesundheitsreform „Obamacare“. Cruz blockierte 2013 den Haushaltsplan der Regierung in der Absicht, die staatliche Finanzierung von „Obamacare“ zu streichen. Das führte am Ende dazu, dass weite Teile der Administration geschlossen werden mußten. 21 Stunden quasselte Cruz sogar am Stück im Kongress, um so eine Abstimmung zu verhindern. Der Schuß ging nach hinten los, Cruz und die Tea Party wurden für die Schließung öffentlicher Einrichtungen, Parks, staatlicher Angebote und Dienstleistungen verantwortlich gemacht.

Nun aber ist Cruz zurück. So seltsam es klingen mag, aber gerade Barack Obama ist sein Vorbild in Wahlkampffragen. Obama kandidierte als Jung Senator aus Illinois für das Weiße Haus und setzte sich innerparteilich mit jugenlichen Charme, „Hope“ und „Change“ Rufen gegen Hillary Clinton und dann auch im eigentlichen Wahlgang durch. Und genau das will auch Cruz in einer politischen Revolution von Rechtsaußen schaffen. Er konzentriert sich auf die jungen Republikaner und konservativen Wähler, die für ihn die extra Meile im Wahlkampf laufen wollen. Cruz präsentiert sich als junger, dynamischer Querdenker in der eigenen Partei, der sich nicht zum politischen Establishment in Washington zählt. Einer der einflussreichsten republikanischen Senatoren, John McCain, bezeichnete Cruz und seine Unterstützer schon mal als „Irre“. Die Tea Party will aber mit aller Gewalt den politischen Wechsel in Washington erreichen und dabei dem Land ihren Stempel aufdrücken. 20 lange und durchaus auch unterhaltsame Monate liegen vor uns, wenn man denn, wie ich, das Politspektakel in Washington als „unterhaltsam“ wertet.

Kann ich US Präsident werden?

Nein, eigentlich will ich ja gar nicht. Also, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden. Das wäre echt nichts für mich. Zwei Jahre lang Wahlkampf führen, blöde Fragen beantworten, immer schön lächeln und am nächsten Tag lesen zu müssen, was ich am Vortag gegessen, gelesen, getragen, gemacht habe. Also nein, ich will nicht.

ABER…und das aber ist bewußt groß geschrieben…vielleicht wäre es ja doch möglich. Bislang galt eigentlich immer, dass ein US Präsident in den USA geboren sein mußte. In der Verfassung heißt es: „Natural born citizen“. Aus diesem Grund haben die „Birthers“, die Rechtsausleger der Tea Party Bewegung, auch noch immer nicht aufgegeben, die Legalität von Barack Obamas Präsidentschaft anzuzweifeln. Sie meinen, er habe getäuscht, sei in Kenia geboren und sei eigentlich gar nicht berechtigt das hohe Amt zu besetzen. Auch Präsidentschaftskandidat John McCain mußte begründen, warum er kandidieren darf, denn McCain kam nicht in den USA zur Welt, sondern in der Panama Kanal Zone. McCain allerdings argumentierte, dass diese Zone damals amerikanisches Territorium war.

Ein Kanadier will US Präsident werden.

Ein Kanadier will US Präsident werden.

Interessanterweise gibt es erneut diese Debatte. Der republikanische Senator Ted Cruz will Präsident werden und ihm werden gute Chancen eingeräumt, u.a. hat er die Unterstützung der Tea Party. Cruz allerdings war bis letztes Jahr nicht nur Amerikaner sondern auch Kanadier, denn Cruz wurde in Calgary, in der kanadischen Provinz Alberta, geboren. Seine Mutter war US Amerikanerin, sein Vater ein kubanischer Flüchtling, der auf den kanadischen Ölfeldern arbeitete. Da die Mutter Amerikanerin war hatte der kleine Ted von Anfang an auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Und deshalb meint er, er sei ein „natural born citizen“ und dürfe daher kandidieren.

Am Ende werden wohl die Gerichte entscheiden, was eigentlich diese drei Wörter bedeuten, die von den Gründungsvätern nie klar definiert wurden. Die Frage ist nun, wie weit die Auslegung gehen könnte, also, ob ich mir mit meinem amerikanischen Pass doch noch Hoffnungen machen kann, wenn ich denn wollte, fürs Präsidentenamt zu kandidieren. Denn Bayern war ja amerikanische Besatzungszone, der Besatzungsstatus endete erst mit der deutschen Wiedervereinigung 1990. Die Frage ist also, ob ein US Territorium dem einer amerikanisch kontrollierten Besatzungszone gleichkommt? Wer nun meint, diese Argumentation sei zu hirnspinstig, der sollte sich mal die Urteile des amerikanischen Verfassungsgerichts in der Vergangenheit ansehen. Da wurden Unternehmen die gleichen Grundrechte wie Personen zugestanden, was bedeutet, dass Unternehmen im Wahlkampf den Schutz der Meinungsfreiheit genießen, also auch dementsprechend laut- und finanzstark auftreten dürfen. Oder die haarsträubenden Urteile zum Waffenbesitz in den USA, die Auslegung was das Recht auf „to bear arms“ wirklich bedeutet. Von daher liege ich doch gar nicht so falsch mit meiner Aussage, dass ich 1968 eigentlich auf amerikanischem Boden geboren wurde, oder?

Die Geister, die man rief

      Angriffe im Irak
Barack Obama am Wochenende im "Rose Garden" des Weißen Hauses.

Der amerikanische Präsident Barack Obama am Wochenende vor Pressevertretern im „Rose Garden“ des Weißen Hauses.

Amerikanische Bomberpiloten kennen sich langsam aus im Irak. Zum dritten mal wird eine größere Angriffswelle auf Stellungen im Irak geflogen. Diesmal heißt der Gegner „Islamischer Staat“. Keine Bodentruppen sollen eingesetzt werden, das wird immer wieder betont, die Lösungen werden aus der Luft gesucht.

Hinzu kommt, dass die CIA bereits Waffen an die Kurden im Norden liefert. Sollen die sich doch mit den Terroristen des „IS“ rumschlagen, auch wenn die USA maßgeblich an der katastrophalen Lage im Irak mitverantwortlich sind. Barack Obama versucht sich zu erklären, die Republikaner werfen ihm eine lasche Kampagne vor. Da hätte er es auch gleich sein lassen könnnen, meint John McCain. Die Aussagen der republikanischen Spitzenpolitiker lassen schon mal ahnen, was auf Amerika und die Welt zukommen wird, wenn 2016 ein neuer, ein republikanischer Kandidat zum Präsidenten bestimmt wird. Die Kommentare von McCain, Graham oder auch King machen mir zumindest deutlich, warum der „Kriegspräsident“ Obama 2008 mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde: Es hätte schlimmer kommen können.

Ein aktueller Audiobeitrag zu Reaktionen in den USA auf den neuen Militäreinsatz im Irak.

Die Republikaner kochen vor Wut

0531-bergdahl-parents-obama.jpg_full_600Kurz nachdem Präsident Barack Obama am Samstag im Rose Garden des Weißen Hauses mit den Eltern von Sergeant Bowe Bergdahl vor die Presse getreten war, um die Befreiung des seit fünf Jahren vermissten Soldaten zu verkünden, da wurde auch schon Kritik am Geheimdeal laut. Denn Obama hatte den Bergdahl im Austausch für fünf hochrangige Taliban im Gefangenenlager von Guantanamo Bay „frei gekauft“. Das war wohl die letzte Möglichkeit, die Obama, Verteidigungsminister Chuck Hagel und die betroffenen Militärs sahen. Man kann davon ausgehen, dass zuvor sowohl etliche militärische Befreiungsszenarien und wie auch diplomatische Verhandlungen durchgespielt wurden. Denn Amerika hatte bislang immer gesagt: „Wir verhandeln nicht mit Terroristen“. Dagegen stand der Grundsatz, wir lassen niemanden zurück. In den USA sieht man im ganzen Land Fahnen „MiA-PoW“, was für „Missing in Action – Prisoner of War“ steht. Und Bowe Bergdahl war genau das, missing in action, prisoner of war.

BoweObama handelte und das ohne den Kongress zu benachrichtigen. Howard McKeon, der republikanische Vorsitzende des Kongressausschusses für die Streitkräfte und der Senator James Inhofe, der führende Republikaner im gleichen Ausschuss des Senats, warfen Obama vor, illegal gehandelt zu haben. Denn eigentlich müßte der Kongress 30 Tage vor dem Transport eines inhaftierten Terroristen benachrichtigt werden. Das hatte das Weiße Haus vermieden, um den Deal mit den Taliban und Katar nicht zu gefährden. Auch meinten beide führenden Republikaner, der Präsident müsse sich nun erklären. Denn wie kann es sein, dass bislang als hochgefährlich eingestufte Taliban jetzt einfach so außer Landes gebracht werden. Sei die Gefahr nicht mehr existent, fragten McKeon und Inhofe?

Der grantige und immer etwas angesäuert wirkende republikanische Senator John McCain kritisierte am Sonntagmorgen in der CBS Sendung „Face the Nation“, dass die Obama Administration mit Terroristen verhandelt habe, was bislang ein absolutes Tabu für Amerika war. McCain, der selbst ein PoW war, meinte weiter, es dürfe nicht angehen, dass die Taliban selbst bestimme, welche Gefangenen freigelassen werden. Der republikanische Senator Ted Cruz, einer der aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten seiner Partei erklärte, es sein ein „gefährlicher Preis“ für die Freilassung Bergdahls gezahlt worden.

Die Republikaner im Kongress machten am Wochenende deutlich, dass sie Barack Obama diesen „Publicity Sieg“ nicht gönnen. Sie setzen nun alles daran, diesen Gefangenenaustausch als „illegal“ und „unverantwortlich für Amerika“ darzustellen.

Handschlag mit dem Teufel

Es dauerte nicht lange, da reagierten die Falken in Washington. Die Welt traf sich in Johannesburg zu einer Gedenkveranstaltung für den verstorbenen Nelson Mandela, doch in den USA wurde eine Geste breit diskutiert. Barack Obama schüttelte die Hand von Kubas Präsidenten Raul Castro.

Senator John McCain meinte: „Das ist Propaganda für Raul, dessen diktatorisches, brutales Regime aufzuwerten. Warum sollte man jemandem die Hand schütteln, der Amerikaner inhaftiert hält?“ Senator Marco Rubio, Sohn von kubanischen Einwanderen und Präsidentschaftskandidat der Republikaner in Warteschleife, erklärte, das Castro Regime unterhalte nach wie vor enge Kontakte zu Terrororganisationen. „Wenn der Präsident schon seine Hand schüttelt, hätte er ihn fragen nach den Grundfreiheiten fragen sollen, für die Mandela stand und die in Kuba verwehrt bleiben“, meinte der Senator aus Florida.

Doch genau diese Werte, für die Mandela stand, sprach Obama in seiner Rede an. „Es gibt zu viele Führer, die sich solidarisch mit Madibas Kampf für Freiheit zeigen, die aber keinen Widerspruch von ihrer eigenen Bevölkerung dulden“. Irgendwie kamen wohl die Bilder im amerikanischen Fernsehen an, aber nicht der Ton. Zumindest schossen sich die konservativen Talk Show Moderatoren und die Medien auf Obamas Handschlag ein. Was er sagte, wurde dabei schlichtweg übergangen. Das ist ein Beispiel dafür, wie vergiftet die politische Lage in Washington ist.

 

Es wurde auch langsam Zeit

Ich gebe unumwunden zu, ich war nie ein Fan von Sarah Palin, der halben Gouverneurin aus Alaska. Als John McCain sie als seine Vize-Kandidatin im Wahlkampf 2008 vorstellte, dachte ich echt, jetzt spinnt er. Im Vorwahlkampf fiel der Senator aus Arizona noch durch sein kluges, durchdachtes und auch pragmatisches Denken auf. Und dann sowas! Sarah Palin wurde als „Hot Babe“ dargestellt, als „Pitbull mit Lippenstift“ im Politzirkus, als eine politische Außenseiterin, die bereit ist, mit dem eisernen Besen durch Washington zu kehren.

Die Kandidatur von Palin wurde dann doch eher zu einer Lachnummer, auch wenn sie zum Darling der Rechtsausleger von der „Tea Party“ wurde. Mehr als platte Phrasen konnte sie dann doch nicht ablassen. Na ja, unterhaltsam war es dann manchmal schon, als sie z.B. nach ihren außenpolitischen Erfahrungen gefragt wurde und darauf verwies, dass man von Alaska auch Russland sehen könne. Nach dem Motto, ja, ich bin auch Ornithologe, weil ich am Morgen immer die Tauben vor dem Fenster sehe.

Na egal, Palin wurde – Gott sei Dank – nicht Vize-Präsidentin, sondern startete – traurigerweise – eine sehr lukrative Fernsehkarriere. U.a. mit einer Reality Show „Sarah Palins Alaska“. Zwar nur für eine Spielzeit, dann war Schluß, aber das sind wir ja von ihr gewohnt, sie schmeißt gerne die Brocken frühzeitig hin. Und dann bekam sie noch einen sehr lukrativen Kommentatorenposten bei FOXNews. Ein Dreijahresvertrag wurde mit der damals noch potenziellen Präsidentschaftskandidatin für 2012 unterzeichnet, rund eine Million Dollar soll sie pro Jahr für ihre Einschätzungen erhalten haben. Und die waren eigentlich immer so: „Obama keine Ahnung, Obama kein Patriot, Obama unamerikanisch, Obama Sozialist, Obama planlos….Tea Party GUUUUT!“

Nun aber ist Schluß, FOXNews kam nach den verlorenen Wahlen der erklärten Senderpartei zu der Erkenntnis, dass Sarah Palin wohl doch nicht so die dolle Analystin ist. Puh, hoffen wir mal, dass wir nun endlich das Kapitel Sarah Palin in den USA ausgestanden haben. Umblättern und gut ist.