Enemy of the State

So schnell kann es gehen und man ist ein Staatsfeind. Und das gleich in doppelter Hinsicht: ich bin Immigrant und Journalist. Also unerwünschter kann ich wohl nur sein, wenn ich Latino wäre und für CNN arbeiten würde. Donald Trump mag die Medien und ihre Vertreter nur dann, wenn sie wie FOXNews in sein Horn blasen und Hofberichterstattung durchführen. Kritischen Journalismus, Nachfragen, investigative Berichte bewertet er als „Fake News“, stempelt Reporter als „größte Feinde“ des Landes ab.

Donald Trump richtet damit einen riesigen Schaden an und das auf lange Zeit. Es ist wohl beabsichtigt, dass Trump eine „Alternative Realität“ schafft, in der sein Wort Gesetz und Wahrheit gleichermaßen sind. Seine Anhänger, und das sind nahezu 30 Prozent der Wähler, glauben nur noch das, was Trump tweetet und in seinen Reden von sich gibt. Sie nehmen gar nicht mehr wahr, dass der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika seit Amtsantritt nachweislich weit über zweitausend Mal gelogen, Un- oder Halbwahrheiten verbreitet hat. Kein einziges Mal hat dieser Präsident sich für seine Lügen entschuldigt, sie zurück genommen oder relativiert.

Ganz im Gegenteil, Trump hat eine Scheinwelt erschaffen, in der es nur noch Gut und Böse gibt. Er ist natürlich auf der guten Seite, alle, die ihn und seine Entscheidungen hinterfragen, kritisieren, anzweifeln sind die Bösen. Er bezeichnet Medien, die nicht einfach nur das abdrucken und sagen, was er von sich gibt, als „Fake News“, als Lügenpresse. Das ist gefährlich für die Demokratie, das diskreditiert die Rolle des Präsidenten und des Weißen Hauses für alle, die nach ihm kommen. Doch Trump ist das egal, er macht da weiter, wo er als Kandidat angefangen hat. Mexikaner sind für ihn „Vergewaltiger“, protestierende Footballspieler „Hurensöhne“, Muslime „Bombenleger“ und Journalisten „Staatsfeinde“. Ich habe mir deshalb schon mal neue Businesskarten bestellt:

Wir brauchen einen trumplosen Tag

Ich glaube langsam wirklich, man sollte Donald Trump ignorieren. Zwar kann man ihn nicht ganz ignorieren, denn immerhin ist er der amerikanische Präsident. Sein Wort hat Gewicht, national und international. Seine Entscheidungen haben Auswirkungen auf lange Zeit hinaus. So ist die Wahl seiner Bundesrichter mehr als kritisch zu beobachten, denn die werden auf Lebenszeit bestimmt, heisst, Donald Trump könnte den USA und der Welt damit ein folgenreiches, jahrzehntelanges Erbe hinterlassen.

Aber man sollte Donald Trump einfach mal reden lassen, ohne alles zu kommentieren, was er da tagtäglich in seinen Auftritten, auf Pressekonferenzen, am Rande von Veranstaltungen und vor allem auf Twitter von sich gibt. Man sollte – und ich schließe mich dabei ein – nicht alles auf die Goldwaage legen, was dieser Mann, der nur von einem Drittel der Amerikaner gewählt wurde, von sich gibt. Und das ist schwer einzuhalten, denn Tweets des 45. Präsidenten rufen gewaltige Gewitter in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hervor. Was Trump in seinen Kurznachrichten verlauten lässt, wird international gelesen und bewertet. 51,3 Millionen „Followers“ hat Trump, darunter wohl jeden Journalisten mit einem Twitter Account, der auch nur am Rand über Politik berichtet.

Und doch, es würde gut tun, wenn nicht alles kommentiert wird, was Donald Trump vom Stapel lässt. Denn Trump braucht die Reaktion wie die Luft zum Atmen. Das sieht man auch an dem jüngsten Tweet, Trump liebt Umfrageergebnisse, wenn er sie denn auf sich beziehen und für sich hinbiegen kann. Für ihn wäre es eine Katastrophe mal an einem Tag auf die Webseiten der verhassten New York Times und Washington Post zu klicken und keinen Artikel über ihn zu finden, CNN und MSNBC einzuschalten und nicht seinen Namen zu hören. Den Hofsender FOXNews möchte ich gar nicht erwähnen, Trump würde einen Infarkt erleiden, wenn er morgens „Fox & Friends“ einschaltete und in einer Sendung nicht über ihn gesprochen werden würde. Für den Egozentriker Donald Trump wäre die Welt nicht mehr in Ordnung, sein Weltbild würde aus den Fugen geraten.

Aber das ist ein Wunschdenken, denn nicht nur die verhassten Journalisten berichten über Trump, auch die Leser, Hörer und Zuschauer verlangen nach ihrer regelmäßigen „Trump Dosis“. Wie sonst lässt es sich erklären, das Klickzahlen auf Trump-Berichte weitaus höher liegen, dass Rückmeldungen gerade nach Trump Artikeln und Radiobeiträgen kommen? Wir alle sollten also etwas entspannter werden und unseren Trump Konsum runterschrauben.

Getötet im Einsatz

Steven Sotloff war einer von 60 Journalisten, die 2014 umgebracht wurden.

Steven Sotloff war einer von 60 ermordeten Journalisten.

Es ist eine traurige Bilanz. Mindestens 60 Journalisten wurden in diesem Jahr in Ausübung ihres Berufes oder weil sie Journalisten waren getötet. Es sind 10 weniger als noch ein Jahr zuvor, doch in den letzten drei Jahren sind so viele Reporter umgebracht worden, wie noch nie zuvor. Die grausamsten Morde waren die Enthauptungen der amerikanischen „Freelancer“ James Foley und Steven Sotloff, die von den IS Terroristen in Syrien umgebracht wurden.

Viele Reporter, Kameraleute, Fotografen starben, deren Namen meist unbekannt sind, die sich jedoch für eine Geschichte in Gefahr begaben. Sie waren in Kriegsgebieten unterwegs, berichteten über Korruption, recherchierten über das, was andere nicht veröffentlicht haben wollten. Es ist diese tägliche Arbeit, die beim Lesen eines Artikels, beim Hören eines Rundfunkfeatures, beim Sehen einer Fernsehdokumentation, kaum transportiert werden kann.

Auf meinen Reisen in Krisenregionen hatte ich immer größten Respekt vor denjenigen, die sich ganz selbstverständlich im Gefahrenalltag bewegten. Sie leben dort, sie arbeiten dort, sie sind ganz selbstverständlich dort. Und wer einmal diesen Job macht, kommt nur noch selten davon los. Es sind nicht nur die Geschichten, nicht nur der Nervenkitzel, der zur Sucht werden kann. Es ist auch das Unverständnis auf das man stößt, wenn man zurück kommt und nur schwer über das berichten kann, was man gesehen, erlebt, erfahren, gefühlt hat.

Die Arbeit von Journalisten, von Medienschaffenden wird oftmals kritisiert. Manchmal zurecht. Doch wie eine Berichterstattung entsteht, gerade unter solch erschwerten Bedingungen, wie sie Reporter in Kriegs- und Krisengebieten erleben, ist nur schwer vorstellbar und nachvollziehbar. Die Zahl von 60 getöteten Journalisten in diesem Jahr drückt das nur annähernd aus. Doch als Leser, Hörer, Zuschauer sollte man daran denken, wenn man mit Nachrichten und Informationen im täglichen Leben lebt. Daran, dass andere dafür ihr Leben riskiert haben.