Antisemitismus im Trump-Land

Die „Oakland Hebrew Day School“ liegt genau gegenüber von meinem Fitness Club, dem „Oakland Hills Tennis Club“. Da ich das Spazierengehen mit meinem Hund meistens an ein Workout anschließe, parke ich immer im Schatten eines Baumes, der genau am Zaun der Schule liegt. Käthe wartet und weiß, danach ist sie mit mit ihrem Auslauf dran. So auch gestern, ein Tag wie immer. Doch als ich zurück zu meinem Wagen kam, stand da ein Sicherheitsbeamter der Schule. „Is that your car“, fragte er. Ja, meinte ich. Er kam auf mich zu, schüttelte mir die Hand und meinte, „Thank you for taking care of your dog“. Ich wußte, auf was er hinaus wollte und fragte ihn, ob es ein Problem sei, wenn ich hier parke. Nein, nein, sagte er. Der Schulleitung sei nur aufgefallen, dass da ein Wagen sehr nah am Zaun parke und er habe kontrolliert was da los sei. Als er meinen Hund im Auto sah, wußte er gleich, warum der Wagen da stand. „I watched out for her, beautiful dog“.

Am 3. März wurden zahlreiche Grabsteine auf dem Waad Hakolel Friedhof in Rochester, New York, beschädtigt. Foto: AFP.

Am Zaun der Schule sind Schilder angebracht, dass das Gelände mit Kameras überwacht wird. Heute stand ein Streifenwagen vor der Schule, als ich langsam an ihm vorbeifuhr sah ich, dass der Beamte mein Kennzeichen in den Computer eingab. Es herrscht Angst bei Mitgliedern der jüdischen Gemeinde. Jüdische Einrichtungen, Schulen, Kulturzentren, Synagogen stehen unter besonderer Beobachtung in diesen Tagen und Wochen. Es hat sich etwas verändert in den USA, im Trump-Land. Mit dem erfolgreichen Wahlkampf und der Amtsübernahme durch Donald Trump sehen sich Rassisten und Juden- und Islamhasser im Aufwind. Offen treten sie auf, schlagen um sich, beschädigen Einrichtungen und Friedhöfe, verbreiten Angst und Schrecken. Die jüdischen Gemeinden in den USA werden mit Bombendrohungen überzogen. Allein in der ersten Märzwoche wurde 100 antisemitische Zwischenfälle in 33 Bundesstaaten gezählt, daruter Anschlagsdrohungen, geschändete Friedhöfe, Hakenkreuzschmierereien an Synagogen.

Nun haben zum ersten Mal überhaupt alle 100 Senatoren im US Senat einen gemeinsamen Brief an den Chef des Homeland Security Ministeriums, John Kelly, an den Justizminister, Jeff Sessions, und an den FBI Direktor, James Comey, geschickt, in dem sie die Bundesbehörden dazu auffordern, alles in ihrer Macht mögliche zu tun, um Kommunen im Kampf gegen diese neue Welle Antisemitismus und Rassismus zu helfen. Eine symbolische Einheit, die mehr als wichtig ist.

Das Problem ist einfach nicht mehr wegzureden. Rechte Gruppen sehen sich durch die Wahl Donald Trumps gestärkt, auch wenn dieser jüngst erklärte, er verabscheue solche Art von Gewalt. Doch das kam für viel in den jüdischen Gemeinden zwischen New York und San Francisco zu spät. Zuvor hatte sich der New Yorker Selbstdarsteller um eine klare Position herumgeredet. Es müsste nun eigentlich eine Chefsache sein, die unsäglichen, hasserfüllten und unamerikanischen Zwischenfälle zu stoppen. Doch der Präsident schweigt erneut. Darauf zu warten, bis es wirklich zu Bombenanschlägen gegen eine Schule in den Oakland Hills oder ein jüdisches Kulturzentrum in San Francisco kommt, ist nicht nur unverantwortlich, es würde vielmehr jene mitverantwortlich machen, die jetzt keine klare Stellung beziehen.

28 Bombendrohungen

In den Notrufzentralen in 17 Bundesstaaten schrillten gestern die Telefone. 28mal gingen gestern Bombendrohungen gegen jüdische Kultureinrichtungen und Schulen ein. In San Francisco erhielt die „Anti-Defamation League“, eine Organisation, die sich gegen Diskriminierung und Diffamierung von Juden einsetzt, um 16 Uhr solch einen Anruf. Die benachrichtigte Polizei und Spezialkräfte sperrten und evakuierten einen ganzen Straßenblock auf der zentralen Market Street. Es kam zu einem Verkehrschaos im Feierabendverkehr. Gefunden wurde nichts, nach drei Stunden wurde die Sperre aufgehoben.

Nur eine Woche nach der Schändung eines jüdischen Friedhofs außerhalb von Saint Louis wurde am Wochenende in Philadelphia ein jüdischer Friedhof das Ziel von anti-semitischen Straftätern. Sie kippten auch hier etwa 100 Grabsteine um. Der Anne Frank Center in den USA wandte sich daraufhin mit einem Tweet direkt an Präsident Donald Trump: „Mr. President, es ist an der Zeit, dass sie eine nationalweit übertragene Rede live und zur besten Sendezeit aus dem Oval Office geben, in der sie erklären, was sie gegen Antisemitismus, aber auch gegen die Islamophobie und andere Formen des Hasses unternehmen wollen.“

Donald Trump hat bislang nur am Rande eines Besuches im afro-amerikanischen Smithsonian Museum dazu etwas gesagt. Zuvor hatte er in einer Pressekonferenz auf eine Frage eines israelischen Reporters nach den gestiegenen Übergriffen gegen Juden in den USA erklärt, “Erstens, bin ich die am wenigsten anti-semitische Person, die Sie in ihrem gesamten Leben gesehen haben. Zweitens, Rassismus, ich bin die am wenigsten rassistische Person”. Aber das genügt in dieser Zeit nicht mehr. Seit seinem Wahlsieg haben sich die Drohungen und auch Angriffe gegen jüdische Personen und Einrichtungen dramatisch in den USA erhöht. Allein in den ersten Wochen dieses Jahres wurden 54 jüdische Einrichtungen in 27 Bundesstaaten ganze 70 mal bedroht. Im gesamten letzten Jahr gab es gerade mal eine Anschlagsdrohung.

Das Klima in den USA ist aufgeheizt, auch und vor allem durch Donald Trump. Rassistische und anti-semitische Gruppen sehen sich im Aufwind, fühlen sich durch den Wahlkampf und den Wahlsieg von Donald Trump bestätigt. Der wiegelt zwar ab, aber eben auch eher halbherzig. Nun muß man darauf hoffen, dass der Brandstifter oder zumindest der Brandbeschleuniger zum Feuerlöscher taugt. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Hier kommt Hannukah

Am heutigen 1. Dezember hat Hannukah, das jüdische Lichterfest begonnen. Es dauert acht Tage, daran erinnern die acht Lichter des Hannukah-Leuchters. Es gibt nur wenige Lieder zum Fest, doch nun wurde passend zum Beginn ein richtig „catchy“ Pop Song von Matisyahu aus New York City veröffentlicht. Toll gemacht, hitverdächtig und voller Infos zu Hannukah….also unbedingt laut anhören…

„Happy Holidays“, wie man hier drüben sagt….also „Happy“ Hannukah, „Happy“ Kwanzaa und „Happy“ Weihnachten.

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Interview mit Arno Hamburger

Ich habe gerade die neueste „[Radio Goethe] Magazine“ Show online gestellt. Darin ein Interview mit Arno Hamburger über Nürnberg, sein Nürnberg.

      Arno Hamburger

[Radio Goethe] Magazine ist eine Sendung auf mehreren Stationen in den USA und Kanada mit dem Ziel über Deutschland in Übersee zu berichten. Und Nürnberg kommt darin natürlich immer wieder vor.