„Ich will hingerichtet werden“

Am Mittwoch hatte ich ein Interview mit Mike Farrell, dem Präsidenten von „Death Penalty Focus“, einer Organisation in den USA die sich gegen die Todesstrafe einsetzt. Farrell ist bekannt für seine Rolle in der Hitfernsehserie „M.A.S.H.“ Ich sprach mit ihm für ein Feature über die Entscheidung des kalifornischen Gouverneurs, Gavin Newsom, alle Hinrichtungen im Bundesstaat auszusetzen. Newsom hatte vor wenigen Wochen verkündet, die neue Hinrichtungskammer abbauen zu lassen, keine Todesurteile mehr zu unterschreiben und auch seine Unterschrift nicht unter den geplanten, neuen Gift-Cocktail für Exekutionen zu setzen.

Ein neues Ausstellungsstück für das San Quentin Museum – Der Hinrichtungsstuhl. Foto: CDCR.

Mike Farrell ist begeistert von diesem mutigen, politischen Schritt, wie er sagt, denn noch ist eine kleine Mehrheit der Kalifornier für die Höchststrafe. Farrell meinte aber auch in dem Gespräch, dass nicht jeder auf „Death Row“ in San Quentin mit der Entscheidung des Gouverneurs einverstanden sei. Gestern nun war ich erneut in San Quentin, um Reno zu besuchen, der seit 1978 auf seine Hinrichtung wartet und wohl einer der ersten gewesen wäre, wenn Kalifornien wieder mit dem staatlichen Morden begonnen hätte. Er bestätigte das, was Mike Farrell andeutete. Es gibt Gefangene im Todestrakt, die Gavin Newsom verklagen wollen. Die ganz deutlich sagen: „Ich will hingerichtet werden“.

Die Zustände im East-Block des ältesten Staatsgefängnisses von Kalifornien sind unzumutbar, unmenschlich und brutal. Wer dort depressiv wird, dem werden Psychopharmaka verschrieben, an den Umständen wird jedoch nichts verändert. Die meisten der Häftlinge vegetieren in ihren 2,40 mal 1,40 Meter grossen Zellen. 750 Todeskandidaten sind dort untergebracht und einige von ihnen wollen hingerichtet werden, ihrem Leben ein Ende setzen, sie haben genug von der Warterei, die Jahrzehnte dauern kann. Gavin Newsom hat mit seiner Entscheidung die Todesstrafe nicht verboten, das kann er nicht, er hat sie nur ausgesetzt. In seiner Amtszeit wird es also keine Hinrichtungen geben. Was das genau für die Häftlinge bedeutet ist noch unklar, denn die Todesstrafe ist nach wie vor in den kalifornischen Gesetzbüchern aufgeführt. Hinter den Kulissen, so auch Mike Farrell, wird nun daran gearbeitet, die Höchststrafe ganz abzuschaffen. Doch bis dahin wird es Klagen geben, von Befürwortern der Todesstrafe, von Opfergruppen und eben auch von Gefangenen selbst. Die allerdings werden ein Problem haben einen Anwalt zu finden, der sich ihrem Fall annimmt, denn die Frage ist, gibt es ein Recht auf die eigene Hinrichtung.

Der Feuerwehrmann im Weißen Haus

Erinnern wir uns an letztes Jahr. In Kalifornien wüteten riesige Brände, vernichteten Waldgebiete und ganze Gemeinden und Präsident Donald Trump drohte zum einen damit, Bundesmittel genau der Behörde zu entziehen, die der Bundesregierung und damit ihm untersteht – dem US Forrest Service, der weite Teile des Waldes in Kalifornien kontrolliert. Zum anderen forderte er die Kalifornier auf, mehr die Wälder zu harken, denn das habe er in einem Gespräch mit dem finnischen Präsidenten erfahren. Finnland habe kaum Waldbrände, weil man dort eben im Wald harke, so Trump. Die Finnen erklärten ganz diplomatisch, dass sie das eigentlich nicht tun und auch der finnische Präsident meinte nur, er habe das sicherlich nicht seinem amerikanischen Kollegen geraten.

Donald Trump nahm allerdings nichts zurück. So ist er eben. Und Trump hat zu allem einen Ratschlag, weiss alles besser. Er erklärt General Motors wie sie mit ihren Autos international wieder konkurrenzfähig werden und Boing wie sie fortan ihre Flugzeuge bauen sollten. Doch Feuer scheinen ihn zu begeistern. In Paris brennt die Kathedrale von Notre Dame und Trump gibt auch gleich wieder Tipps, wie man am besten das Feuer löschen könnte. Präsident Donald Trump schlägt den Franzosen tatsächlich vor, dass sie doch aus der Luft die Flammen bekämpfen sollten.

Man möchte schon gar nichts mehr sagen. Nur noch ungläubig den Kopf schütteln, wären da nicht auch die humorvollen Kommentare auf sein Tweet. Allen voran der User „Charly M.“: „Können Sie uns bitte zeigen, wie man ein Feuer löscht? Wir Franzosen haben keine Ahnung, wir blasen derzeit drauf, aber es hilft nichts. Bitte hilf uns, oh großer Weltherrscher“. Ja, mit Humor lässt sich selbst ein Donald Trump aushalten!

 

 

Das Ende der Todesstrafe?

Gavin Newsom ist manchmal ein mutiger Politiker. Als Bürgermeister von San Francisco brachte er 2004 seine Partei und viele im Land gegen sich auf, als er die gleichgeschlechtliche Eheschließung in San Francisco erlaubte und dies als Kampf um Gleichberechtigung für fundamentale Bürgerrechte einstufte. 2004 war ein Wahljahr. Newsom gab dennoch nicht nach, auch auf Druck von Politikerinnen wie Dianne Feinstein und Hillary Clinton, die sich offen gegen die „Gay Marriage“ aussprachen. Die konservative Basis im Land wurde aktiv, wollte auf alle Fälle, dass George W. Bush wieder- und die „San Francisco Values“ nicht gewählt werden. Bush forderte sogar im Wahlkampf eine Verfassungsänderung, um die Ehe zwischen Mann und Frau festzuschreiben. Das kam bei der Christlichen Rechte an, W. wurde im Amt bestätigt, Newsom der Buhmann seiner Partei.

Gavin Newsom ist mittlerweile kalifornischer Gouverneur und noch immer bereit unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Am Dienstagabend sickerte durch, dass Newsom am heutigen Mittwoch ein Moratorium für die Todesstrafe in Kalifornien verkünden will. Damit würde er ein knappes Wahlergebnis von 2016 aushebeln. Die kalifornischen Wähler hatten sich mit 51 Prozent für eine Beschleunigung der Hinrichtungen ausgesprochen. Der Trend war allerdings offensichtlich und nur noch eine Frage der Zeit, wann die Wähler im Golden State sich gegen die „Death Penalty“ wenden würden.

Newsom greift dem nun voraus. Er wird die 737 Todeskandidaten nicht begnadigen, das kann und darf er nicht. Aber er stoppt den Exekutionsprozess, in dem er den Gefangenen einen unbefristeten Aufschub gewährleistet, der nicht angefochten werden kann. Hinzu wird die Unterzeichnung der Zusammensetzung des Gift-Cocktails verweigert, was Hinrichtungen unmöglich macht. Und schliesslich soll die „Death Chamber“, die Hinrichtungskammer, geschlossen werden, was Exekutionen in Kalifornien verhindern würde.

Es war schon lange bekannt, dass Gavin Newsom ein Gegner der „Capital Punishment“ war. Er berief sich dabei auf seinen katholischen und jesuitischen Hintergrund. Die Todesstrafe sei „moralisch und ethisch“ nicht verantwortbar. In einem Interview wurde er kürzlich gefragt, ob er denn seine Unterschrift unter die Anordnung zu einer Hinrichtung setzen würde. Newsom antwortete überlegt: „I’m not prepared to answer that question, because I’m not prepared to answer the question. And in that preparation comes a lot of soul searching.“

Das Moratorium von Gavin Newsom ist vor allem eine politische Entscheidung, denn seit 2006 wurde in Kalifornien niemand mehr hingerichtet. Seitdem gibt es ein juristisches Gerangel darüber, wie man einen verurteilten Mörder „human“ sterben lassen kann. Zur letzten angesetzten Exekution war ich noch als Medienzeuge geladen, diese wurde jedoch in letzter Minute gestoppt und wir nach Hause geschickt. Seitdem wächst die „Death Row“ in San Quentin. Forderungen nach einem Gefängnisneubau waren immer wieder zu hören, denn im ältesten Staatsgefängnis von Kalifornien herrscht notorischer Platzmangel.

Nun gibt es viele offene Frage, was passieren wird. Allen voran jene, ob die zum Tode Verurteilten weiterhin im East-Block von San Quentin untergebracht bleiben oder ob einige von ihnen in andere Flügel des Gefängnisses oder sogar in andere Gefängnisse in Kalifornien verlegt werden. Auch muss nun geklärt werden, wie die Todeskandidaten fortan behandelt werden. Bislang unterliegen sie einer strengeren Kontrolle und Überwachung, was mehr zeit- und personalintensiv, aber vor allem auch teurer ist. Auf „Death Row“ selbst ist man zum einen erleichtert, zum anderen gespannt, was dieser Stop der Hinrichtungsmaschine für jeden einzelnen von ihnen bedeuten wird.

Die Reaktionen blieben auf die Ankündigung Newsoms nicht aus. Todesstrafenbefürworter im Bundesstaat kündigten umgehend Klagen an, denn Newsom, so ihr Argument, setze sich über den Wählerwillen hinweg. Auch Donald Trump mischte sich ein und tweetete, dass er, wie auch die Freunde und Familien der Opfer, nicht begeistert sei.

Die demokratische Senatorin aus Kalifornien und Präsidentschaftskandidatin, Kamala Harris, hingegen gratulierte ihrem Gouverneur, Freund und Wegbegleiter. Harris wandte sich als Staatsanwältin von San Francisco und später als Justizministerin von Kalifornien offen gegen die Todesstrafe.

Die Aussetzung der „Death Penalty“ in Kalifornien ist kein endgültiges Aus für diese verfehlte, unmenschliche und brutale Strafe. Was nun kommen muss – und wird – ist ein neuerlicher Volksentscheid, mit dem in Kalifornien die Todesstrafe aus den Gesetzbüchern gestrichen wird. Gavin Newsoms Moratorium ist aber auch ein mutiger und wichtiger Schritt für das ganze Land. In 30 Bundesstaaten gibt es noch die Todesstrafe. Kalifornien mit der größten „Death Row“, jeder vierte zum Tode Verurteilte in den USA wartet in San Quentin auf den Tag X, setzt da nun ein deutliches Zeichen. Eines, das gehört werden muss.

„The best Sauna in the world“

Freitagnachmittag im Fitnessclub in den Oakland Hills. Fix und fertig und verschwitzt setze ich mich noch etwas in die Sauna, einfach um runterzukommen. Nach ein paar Minuten sehe ich durch die Glastür einem älteren Mann mit schütterem, aber längerem Haar zu, wie er sich langsam auszieht. Dann öffnet er die Tür, „Hi, how are you?“ und legt sein Handtuch auf die Bank. Er schaut auf die Temperaturanzeige und sagt die 140 Grad Fahrenheit seien ok, angenehm für ihn. Ich antworte darauf, mir ist das schon etwas zu heiss, doch er winkt ab.

„You know, the best Sauna was in Nuremberg“, meint er und ich habe das Gefühl, er will mich damit beeindrucken. Es sei so richtig heiss gewesen und danach habe er sich draußen in den Schnee gelegt. So müsse das sein, meint er. Ich frage nach, „Nuremberg?“ Und er ja, da wohnten seine Freunde Julia und Wolfi, tolle Leute, beides Musiker im lokalen Orchester. Und er erzählt und erzählt und erzählt. Vom Christkindlsmarkt und den Bratwürsten, der Burg und eben der besten Sauna der Welt. Ich tropfe vor mich hin und bei ihm öffnet sich so gut wie keine Pore. Mittlerweile berichtet er von Paris, Barcelona, Hamburg und Berlin („I love Berlin“) und kommt immer wieder auf das Thema Sauna zurück. Die seien einfach besser in Deutschland. Heißer, gemischt, entspannter, richtige Saunalandschaften. Das hier, so der vielgereiste Saunafreund, sei einfach nichts gescheites.

Es kommt ja nicht oft vor, dass ich hier jemanden treffe, der Nürnberg kennt oder sogar schon mal da war, aber dann nackt in einer Sauna in Oakland sitzen und jemand schwärmt von meiner Heimatstadt ist schon etwas außergewöhnlich. Und da ich mich dann als Nürnberger im Exil zu erkennen gebe, erfahre ich auch noch gleich, wo es die besten Bratwürste und Schnitzel gibt („But they don’t have a good Steak“)….und das als Vegetarier. Nach gefühlten zwei Liter Schweissverlust halte ich es nicht länger aus und verabschiede mich. Er schüttelt mir die Hand, „I’m Mark“, sagt er. „Arndt“, antworte ich. „Nice to meet you, Hans“, sagt er…und ich buchstabiere ihm gleich mehrmals meinen Namen, nackig vor ihm stehend und mich fragend, ob ich wirklich so nuschele, dass mein Name immer wieder als „Hans“ gehört wird. Oder liegt es daran, dass einfach jeder Deutsche „Hans“ oder „Wolfgang“ heißen muss? „Is this a Scandinavian name?“, fragt er nach. So vor mich tropfend und im Adamskostüm will ich mich nun doch nicht auf ein großes Gespräch über die Ursprünge meines Namens mehr einlassen und meine nur noch, ich werde ihn das nächste Mal fragen, ob er sich noch an meinen Namen erinnere. Er lacht, „see you next time“, steht auf, breitet sein Handtuch auf der gesamten Bank aus und legt sich hin. So also macht man es richtig in der Sauna!

We love our Oakland teachers

In Oakland streiken die Lehrer. Davon betroffen sind 36.000 Schüler. Es geht um mehr als nur um mehr Bezahlung, auch wenn die im gesamten Bezirk von Alameda am niedrigsten ist. Lehrer im Oakland Schuldistrikt verdienen zwischen 46.000 und 85.000 Dollar, viel zu wenig, um in der Stadt oder der Bay Area leben zu können. Die Gewerkschaft fordert 12 Prozent mehr Lohn, die Schulverwaltung bietet sieben Prozent mehr.

Auch die Montera Middle School in meiner Nachbarschaft wird bestreikt.

Die lokale „Union“ erklärte, dass 85 Prozent ihrer Mitglieder dem Streikaufruf folgen und die Eingänge zu den Schulen blockieren. Streikbrecher würden nicht behindert werden, aber sie gibt es kaum. Die Stadt und der Schulbezirk haben Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche eingerichtet, damit diese nicht auf der Straße sitzen.

Auch in Chicago, Denver, Los Angeles und in anderen US Städten wird gestreikt. Es geht um das öffentliche Schulwesen, das immer mehr unterminiert, dem Geld entzogen wird für eine vermeintliche freie Schulwahl der Eltern. Gerade die Trump-Administration fährt einen Frontalkurs gegen die „public schools“ in den USA, die sie als linksliberalen Hort abtun. Auf lokaler Ebene kommen da noch die schwierigen finanziellen Situationen der Kommunen hinzu. Viel Spielraum gibt es nicht für die öffentlichen Schulen, wenn dann auch noch „Charter“ und Privatschulen Schüler abziehen, fehlt an allen Ecken und Enden das Geld. Schulsozialarbeiter und Schulkrankenschwestern werden genauso gestrichen, wie Kunst- und Musikunterricht, Sportangebote und schulische Veranstaltungen. Die „public schools“ in den USA werden ausgeblutet.

Die Streiks, wie hier in Oakland, gehen also um mehr als nur um eine Gehaltserhöhung. Auch wenn die dringend notwendig ist, denn bei Mietpreisen von 3500 Dollar für eine Einzimmerwohnung kann man als Lehrer keine großen Sprünge mehr machen. Die Gewerkschaft unterlegt dies mit der Zahl, dass allein im vergangenen Jahr rund 600 Lehrer in Oakland gekündigt haben. Neubesetzungen der offenen Stellen sind kaum möglich, da die Gehälter hinten und vorne nicht reichten, um Berufsanfänger nach Oakland zu bringen.

Der Streik stößt auf breite Unterstützung in der Bevölkerung. An bestreikten Schulen wird hupend vorbeigefahren, um Solidarität mit den davor stehenden Lehrerinnen und Lehrern zu demonstrieren. Überall in Oakland sieht man die Schilder „We support our Oakland teachers“, Cafes und Restaurants bieten kostenlose Getränke und Speisen für die Streikenden an. Wie lange der „Strike“ andauern wird ist fraglich, man verhandele weiter, heißt es von beiden Seiten.

Das Problem mit der Politik

Die kalifornische Senatorin Dianne Feinstein. Foto: Reuters.

Dianne Feinstein ist die dienstälteste Senatorin von Kalifornien. Seit nunmehr 30 Jahren vertritt die 85jährige ihren Bundesstaat in Washington. Erst im vergangenen November wurde sie für sechs weitere Amtsjahre wiedergewählt. Doch die Wähler hätten sich das noch einmal überlegen sollen, wenn man sich dieses Video ansieht.

Eine kalifornische Umweltgruppe hatte Feinstein in DC besucht. Es waren Kinder und Jugendliche, die mit der Senatorin ins Gespräch kommen wollten, um mit ihr über den „Green Deal“ zu sprechen, einen politischen Fahrplan, wie die USA die umweltpolitischen Herausforderungen der Zukunft angehen können und müssten. Und das schnell. Mehrere der Präsidentschaftskandidaten und – kandidatinnen der Demokraten unterstützen diesen „Green Deal“, darunter auch die zweite kalifornische US-Senatorin, Kamala Harris.

Doch Dianne Feinstein ließ sich auf die Kindergruppe nicht ein, erklärte ihnen, dass sie nicht einfach zu ihr kommen könnten und Forderungen stellen, dass Politik anders laufe und sie sowieso nicht auf sie hören werde, weil sie ja gewählt wurde. Auf den Einwurf einer Jugendlichen, dass sie doch gewählt wurde „from the people and for the people“ fragte Feinstein, wie alt das Mädchen sei. 16, antwortete die. „Dann hast Du auch gar nicht für mich gewählt“, war die patzige Antwort der 85jährigen.

Schon lange wird kritisiert, dass Feinstein zu abgehoben, zu weltfremd, „out of touch“ mit ihren Wählern ist. Und das zeigt sich nun erneut sehr deutlich mit diesem Video. Ihre Reaktionen kommen der einer verbohrten, hochbetagten Politikerin gleich, die sich wiederwählen ließ, um an ihrer Machtposition festzuhalten und deutlich macht, dass sie kein Verständnis dafür hat, dass junge Menschen besorgt und angstvoll auf ihre Zukunft blicken.

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„Kamala Harris for President“

Kamala Harris kandidiert     

Sie wurde in Oakland geboren und hier verkündete sie am Sonntagnachmittag ganz offiziell ihre Kandidatur für das PräsidentInnenamt. 20.000 Menschen kamen, um diese Worte zu hören. Weit über 200 Medienvertreter waren anwesend, um über die Ankündigung zu berichten. Die 54jährige Kamala Harris will für die Demokraten gegen Donald Trump antreten.

Sie ist nicht die einzige im demokratischen Lager, die in den politischen Zweikampf mit Trump ziehen wird. Doch Harris hat durchaus Chancen, sich in der eigenen Partei durchzusetzen. Das zeigte auch der Auftritt am Sonntag vor dem Rathaus in Oakland. Sie wurde gefeiert und mit „Kamala, Kamala“ Rufen angefeuert. Der Name Donald Trump fiel kein einziges Mal und doch drehte sich viel in Harris‘ Rede um ihn. Es war eine durchaus patriotische Rede. Die US Senatorin erklärte, sie liebe dieses Land, die vielen verschiedenen Gesichter, die Offenheit, die multikulturelle Vielfalt. Allein das grenzt sie schon von einem „America First“ rufenden Mauerpräsidenten ab.

Zuvor trug ein Oakland Gospel Chor die Nationalhymne vor, eine Schülerin sprach die „Pledge of Allegiance“, den Fahneneid und nicht gerade wenige US-Flaggen waren am Rathaus angebracht. Dazu noch die Fahnen aller 50 Bundesstaaten. Es war auch und gerade eine Veranstaltung für die Fernsehnation, Harris wollte damit zeigen, dass sie nicht nur eine Kandidatin aus der liberalen Bay Area ist, sondern eine Kandidatin für ganz Amerika sein will.

Was diese Rede auch bemerkenswert machte, ist, dass Harris nicht einfach nur auf Amtsinhaber Trump einschlug. Das wäre an diesem Nachmittag, an diesem Ort einfach gewesen. Nein, Kamala Harris betonte auch, für was sie kämpfen will. Für eine allegemeine Krankenversicherung, für ein Grundrecht auf bezahlbare Bildung, für die Stärkung von Frauen, für eine Anhebung des allgemeinen Einkommens, für die Wiederherstellung der internationalen Rolle Amerikas, für „Science Facts“ und gegen „Science Fiction“ im Kampf gegen den Klimawandel. Harris ist nicht einfach eine Anti-Trump Kandidatin. Hier sprach eine Politikerin, die einen langen, beschwerlichen und teuren Weg vor sich hat. Sie appellierte an die Menschen mit ihr zu kämpfen, denn nur gemeinsam habe man eine Chance. Allein der Ton dieser Rede ließ aufhorchen. Harris versprach, einen respektvollen Wahlkampf zu führen…auch wenn das nicht leicht werden wird. Ihre Worte erinnerten an die von Michelle Obama: „When they go low, we go high“. Auf Kamala Harris sollte man in den kommenen Monaten achten, sie hat durchaus eine Chance, die erste amerikanische Präsidentin zu werden.

„The Female Barack Obama“

„The Female Barack Obama“

Kamala Harris ist eben nicht einfach „nur“ der weibliche Barack Obama. Eigentlich ist die Behauptung, die nun durch die Presse geistert, rassistisch und sexistisch zugleich. Denn sie beschränkt Harris auf die gleiche Hautfarbe wie Obama- sie ist die Tocher einer Inderin und eines Jamaikaners – und mindert ihre durchaus beeindruckende Karriere als Juristin und Politikerin.

Die kalifornische Senatorin Kamala Harris will Präsidentin werden. Foto: Reuters.

Nun also kandidiert sie offiziell. In einem Fernsehinterview am Martin-Luther-King-Day gab sie ihre Kandidatur bekannt. Am kommenden Sonntag soll eine große Kick-off Veranstaltung in Oakland folgen. Hier in Oakland, in ihrem Heimatstaat, wird es ein Büro für ihren Wahlkampf geben. Die Headquarters werden in Baltimore, dem „East-Oakland“ sein.

Kamala Harris beobachte ich schon länger. Sie ist eine erklärte Todesstrafengegnerin, die auch unter erheblichem Druck zu ihrer Überzeugung steht. Als Staatsanwältin von San Francisco musste sie 2004 einen Mann anklagen, der zuvor einen Polizisten erschossen hatte. Es ist üblich, dass bei Polizistenmord die Todesstrafe verlangt wird. Doch Harris blieb bei ihrer Haltung, bei dem, was sie im Wahlkampf für den Posten des „District Attorneys“ gesagt hatte: Sie werde keine Todesstrafe fordern. Der Druck in San Franciso war groß, auch und vor allem von Seiten der Polizeieinheiten, der „Peace Officers“. Kamala Harris verlangte hingegen eine lebenslängliche Haftstrafe ohne Aussicht auf Begnadigung für David Hill.

Dieser Fall stoppte nicht ihre Karriere. Harris wurde gewählte Justizministerin von Kalifornien und schließlich US-Senatorin. Nun will sie den nächsten Schritt gehen und wirft ihren Hut in den Ring. Kamala Harris hat sich entschieden, an diesem „blutigen Kampf“, wie sie es in einem Interview beschrieb, teilzunehmen. Es wird brutal, hässlich und teuer werden. Doch die 54jährige ist bereit und hat schon jetzt eine beeindruckende Gruppe an Unterstützern um sich gesammelt. Es wird spannend….

Gleich gehe ich harken

Donald Trump weiß es mal wieder besser. Zwar sind Zweidrittel des kalifornischen Waldes als „National Forest“ ausgeschrieben, also unter seiner Aufsicht, doch der nicht gerade belesene und halbwissbegierige Mann im Oval Office meint, die Kalifornier liegen nur am Strand, bräunen sich die Bäuche und sind schlichtweg faul. Denn was er schon vor ein paar Wochen vorgeschlagen hat, wird einfach nicht im Sonnenstaat umgesetzt.

Trump meinte kurz nach den desaströsen Feuern in Kalifornien, er habe mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö gesprochen, der erklärte, so Trump, dass solche Brände in den Wäldern Finnlands nicht passierten, weil die Finnen regelmäßig den Boden harkten und das Laub aufklaubten. Ist logisch, dass da Horden von Finnen durch die nordischen Wälder streifen und Blatt für Blatt aufsammeln. Einziges Problem bei der Geschichte, Sauli Niinistö hat das nie gesagt. Auf Nachfrage gleich mehrerer finnischer und amerikanischer Medien meinte er, er habe mit Donald Trump zu keinem Zeitpunkt über die Wälder Finnlands und Kaliforniens gesprochen. Also, eine weitere bestätigte Lüge des amerikanischen Präsidenten.

Doch egal, Trump legt nach. Während die Kleinstadt Paradise nach den Bränden nicht mehr existiert und der neue kalifornische Gouverneur, Gavin Newsom, den Brandschutz zur Priorität erklärt hat, droht der Präsident ganz offen mit dem Entzug jeglicher Gelder für Kalifornien. Und das vor dem Hintergrund, dass der Bundesstaat am meisten in die US Haushaltskasse einzahlt. Nicht nur das, die stetig steigende Feuergefahr liegt sicherlich nicht an den Blättern, die auf dem Waldboden zu finden sind. Als ich Mitte der 90er Jahre nach Kalifornien zog, gab es eine „Fire Season“. Immer im Herbst, nach dem heißen Sommer und noch vor dem winterlichen Regenfällen, war man gewarnt. Die Schilder zur Brandgefahr standen auf „Extreme“. Doch das ist lange her. Nun gilt das ganze Jahr über hohe oder extreme Feuergefahr in den Wäldern des Bundesstaates.

Der Klimawandel ist hier bereits zu spüren, darin sind sich nahezu alle Klimaforscher einig. Doch Trump hört lieber auf die paar wenigen Pseudo-Wissenschaftler, die ihm das Märchen von der Wetterfee erzählen. Die Menschen können nichts dafür, von daher setzt Trump einfach weiter auf Kohle und Öl, wendet sich gegen ein Umdenken in der Energie- und Verkehrspolitik und haut seine dämlichen Ratschläge raus. Wir Kalifornier sollten also mehr harken und den Waldboden reinemachen. Also, weiß ich ja, was ich heute noch mache. Gummistiefel und Arbeitshose an und wie ein Zwerg aus Schneewittchen „dum-di-dum-di-dum“ pfeifend und eine Rechen geschultert in den Wald marschieren. Alles klar, Mister President!

Alles ok in Point Reyes

San Francisco zieht Jahr für Jahr Millionen von Touristen an. Viele von ihnen besuchen die Golden Gate Bridge, fahren kurz mal hoch in die Marin Headlands, um von dort den Ausblick auf die Brücke, das Golden Gate und dahinter Downtown San Francisco zu genießen. Nur wenige fahren weiter in die Headlands hinein, entlang des legendären Highway 1.

Zum Glück kann man nur sagen, denn kurz danach kommt Point Reyes National Seashore, ein Nationalpark, direkt vor den Toren der Bay Area. Irgendwie wirkt dieser Teil in West-Marin County wie vergessen. Hierhin haben sich zahlreiche Aussteiger zurückgezogen, unzählige Musiker und Künstler leben in der Gegend, die mit den gewaltigen Redwoods beginnt und am oftmals nebeligen Pazifikstrand endet. Und in Point Reyes Station sendet auch KWMR, eine engagierte Community Station, auf der Freitagnacht auch Radio Goethe ausgestrahlt wird.

Ich fahre gerne dorthin, laufe alleine  und nur mit meinem Hund am endlosen Strand entlang, setze mich irgendwo an den Strand, beobachte die gewaltigen Wellen, schaue mir das teils skuril wirkende, angeschwemmte Holz an, genieße den heftigen Wind. Manchmal sieht man Seelöwen, hin und wieder kann man auch einen Wal auf seiner langen Reise von Nord nach Süd beobachten. Einmal konnte ich hier sogar bei einer Seehundrettung mithelfen. Point Reyes National Seashore ist ein ganz besonderer, ja, irgendwie spiritueller Ort zum Abschalten, Durchatmen, Auftanken.

Und da es eben ein „National Seashore“ ist, ist die Gegend nun auch von der Haushaltskrise im fernen Washington betroffen. In den letzten Tagen habe ich viel über Touristen gelesen, die in andern Parks, wie Yellowstone, Death Valley oder Joshua Tree National Park einfach ihren Müll liegen haben lassen, die jagten, dort lebende Tiere aufschreckten, Pflanzen ausrissen, mit Geländewagen und Motorrädern mitten durch die Parks rasten. Das alles, weil keine Parkranger vor Ort waren, es keine Aufsicht gab, ein scheinbar gesetzloser Raum entstanden ist. Trumps Kampf um die Mauer scheint das Beste in einigen Zeitgenossen hervorzubringen.

Anders war es gestern in Point Reyes. Es waren kaum Besucher dort, eigentlich wie immer, nur wenige Autos waren zu sehen. Ein Surfer versuchte die gewaltigen Wellen zu reiten und gab nach einer halben Stunde auf. Er kam nicht über die zweite Welle hinaus, die Strömung war zu stark. Die Toiletten an den Parkplätzen waren geschlossen, am Strand selbst kein Müll, keine Idioten, die sich ausleben mussten. Alles war friedlich, so wie immer. Es waren wunderbar entspannende Stunden an einem meiner Lieblingsorte hier an der kalifornischen Küste.