Da waren es nur noch 15

Da war die Stimmung im Kamala Harris Lager noch gut.

Nun also doch. Vor ein paar Wochen hatte ich schon geschrieben „Kamala Harris solte aufgeben“, anscheinend hat es mit der Übersetzung etwas gedauert. Nun hat die US Senatorin von Kalifornien aufgegeben. Sie ist die dritte PräsidentschaftskandidatIn, die in den letzten Tagen aus dem Rennen um die Kandidatur ihrer Partei ausgestiegen ist. Zuvor schon hatten Montanas Gouverneur Steve Bullock und der frühere Kongressabgeordnete Joe Sestak die Reissleinen gezogen.

Kamala Harris war mit viel Aufmerksamkeit gestartet. Vor 22.000 Anhängern verkündete sie im Januar in Oakland, dass sie Präsidentin werden will. Es war ein Auftakt nach Maß. Dutzende von Medienvertretern, Live-Fernsehberichte und eine mitreißende Kandidatin ließen hoffen. Doch in den Wochen darauf verkündeten mehr und mehr Kandidaten und Kandidatinnen ihre Absicht Donald Trump aus dem Weißen Haus zu werfen. Kamala Harris ging mit ihrer Message und ihrem Charisma im weiten Anwärterfeld schlichtweg unter. In all den Monaten konnte sie nicht zum Spitzentrio aufschließen, weder auf nationaler Ebene noch in einigen der frühen Vorwahlstaaten.

Nun ist sie draußen, in einer Erklärung hieß es, sie habe nicht genug Geld in ihrer Wahlkampfkasse, um weiter zu machen. Das ist mehr als schade, denn Harris, eine Vertraute von Barack Obama, hätte die Reihen der Demokraten einen können. Unter anderen Umständen wäre sie die richtige Kandidatin gewesen, aber die Demokraten schwächen sich gerade selbst mit einer Armee von Überegos, die alle glauben, Donald Trump besiegen und das Land wieder zusammenführen zu können. 15 Frauen und Männer der Demokraten sind es nun noch immer, die ins Oval Office wollen. Man kann nun gespannt darauf sein, was Harris mit ihrer neuen Rolle anfangen wird. Zumindest wird sie im US Senat wieder als lautstarke Kritikerin dieses Präsidenten in Erscheinung treten.

No Spectators: The Art of Burning Man

Ich war mehr als gespannt auf diese Ausstellung – „No Spectators: The Art of Burning Man„. Burning Man kommt also ins Museum, ins Oakland Museum of California. Und da war für mich gleich die Frage, wie man das machen, wie man das schaffen kann. Denn das alljährliche Treffen, dieser ungewöhnlichen und kreativen Community in der Wüste von Nord-Nevada wurde mir einmal von einem Künstler als „die größte Galerie der Welt“ beschrieben. Wie also kann man das auf so einen beschränkten Raum bringen?

Ein Kostüm aus Leder und Nieten.

Nun also sind einige Kunstobjekte, gereinigt und entstaubt, in den Museumsräumen in Oakland zu sehen. Dazu Videofilme, Fotos, Gegenstände und die Geschichte dieses Festivals zum Nachlesen. Ich könnte nun ausholen und hier schreiben, was alles fehlt. Da ist zuallerst diese Weite auf dem ausgetrockneten Seebett, da ist der feine Staub, der in alle Poren reinkriecht, die Hitze. Doch vor allem sind da die Menschen, die man auf Playa in Black Rock City trifft.

Das alles kann eine Ausstellung gar nicht einfangen, umfassen, darstellen. Und der Versuch wurde auch gar nicht erst unternommen. Ein Museum ist kein Spiegel, diese Ausstellung bietet vielmehr den Versuch Burning Man zu verstehen, einen Blick hinter all den „Dust“ zu werfen. Und der gelingt. Gezeigt wird die Kreativität im Kleinen, wie angefertigte Kostüme für die Playa. Ein paar größere Objekte sind auch Teil von „No Spectators“, sogar ein Tempel im Kleinformat wurde im Außenbereich des Museums nachgebaut.

Burning Man war bei meinen Besuchen immer die faszinierende Kunst, die Kreativität der Teilnehmer, das Eintauchen in diese ganz andere Welt, wo Grenzen verschoben, wo Dinge einfach machbar gemacht wurden. Wenn auch nur für ein paar Tage, Burning Man ist ein besonderes Erlebnis, eine tiefe Erfahrung mit diesen ganz speziellen, eigenen und sehr persönlichen Burning Man Momenten. Am Eingang zur Black Rock City wird man mit „Welcome home“ begrüßt. Auch in der Ausstellung im Oakland Museum of California hängt solch ein Schild. Die Faszination von Burning Man ist nicht einfach zu beschreiben. Irgendwie muss man dort gewesen sein, das alles mal selbst erlebt haben, um diese ganze Dimension zu erfahren. Morgens mit dem Fahrrad über die Playa fahren und erstaunt sein, wie über Nacht neue Kunstobjekte aus dem sandigen Seebett aufgetaucht sind. Oder nachts ganz weit draußen auf der Playa stehen und tief bewegt auf das Lichter- und Feuerspektakel vor einem zu blicken. Hier, wo vor ein paar Wochen nichts war und wenige Tage später nichts mehr sein wird.

Das alles kann in einer Ausstellung nicht nachempfunden werden, doch „No Spectators“ unterstreicht zum einen den Einfluss und die Bedeutung dieser besonderen Kunstcommunity. Zum anderen macht sie neugierig darauf, wie das wirklich ist in Black Rock City. Diese Museumsshow ist daher auch wie eine Einladung zu verstehen, in diese andere, zeitlich begrenzte amerikanische Kleinstadt – für eine Woche die drittgrößte Kommune in Nevada – zu reisen, dort zu leben und Teil dieser eigenwilligen Gemeinschaft zu werden. „No Specators“, kein Zuschauer eben zu sein.

Foto: Reuters.

Kalifornien hol die Rechen raus

Das Tweet kam von ganz oben. Von ganz, ganz oben. Der Präsident tweetete am Sonntagmorgen zum ersten Mal über die katastrophalen Brände in Kalifornien. Und was kam, ein Angriff auf Kalifornien, auf Natur- und Klimaschützer und auf Gouverneur Gavin Newsom. Trump forderte mal wieder, den Waldboden zu „säubern“, sprich Newsom solle eine Rechenbrigade aufstellen, um das Laub aufzukehren. Und wenn das nicht passiere, dann würde die Bundesregierung auch keine Hilfsgelder mehr nach solchen Katastrophen nach Kalifornien schicken.

Gouerneur Newsom reagierte perfekt in seinem Antworttweet, etwas lax übersetzt: „Sie glauben nicht an den Klimawandel. Von daher machen Sie sich vom Acker“. Newsom hatte in der vergangenen Woche mehrfach darauf hingewiesen, dass die gewaltigen Feuer ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren sind. Das Energieunternehmen PG&E und seine veraltete Infrastruktur, der Klimawandel und dazu noch mehr und mehr Menschen, die in ländlichen, abgelegenen Gegenden leben. Vom Laubkehren hat er nicht gesprochen.

Was Trump mal wieder in dieser Attacke vergisst ist, dass rund 60 Prozent der Wälder in Kalifornien Bundeswald sind und damit unter der Kontrolle der Regierung in Washington, der Trump Adminstration, stehen. Er ist also selbst für die idiotischen Rechenbrigaden zuständig, die er da fordert und die, seien wir mal ehrlich, nichts bringen würden. Selbst in Finnland nicht. Und auch die Ankündigung, Kalifornien keine Hilfsgelder mehr auszahlen zu wollen, übersieht, dass der Golden State der größte Einzahler in den Bundeshaushalt ist. Ohne Kalifornien würde die „Union“ alt ausschauen. Aber das scheint Trump und seine Unterstützer nicht zu interessieren. Der morgendliche Angriff auf Kalifornien war hingegen typisch für Trump. Zuvor kein Wort zu den Feuern und dann so etwas. Trump enttäuscht einfach nicht, mehr kann man von ihm nicht erwarten.

Das Feuer wird politisch

Ein Fake Bild vom Präsidenten verbreitet.

Kalifornien brennt weiter, ein Ende ist noch nicht in Sicht. In der Nähe der Ronald Reagan Library in Simi Valley ist ein weiteres Großfeuer ausgebrochen. Donald Trump tweetet gar nichts zu der ungebremsten Katastrophe in Kalifornien, er verbreitet lieber ein billig bearbeitetes Foto, das ihn und den Hund zeigt, der im Anti-Terror Einsatz Abu Bakr al-Baghdadi gejagt haben soll. Darauf hängt Trump dem Hund einen Orden um. Darüber schreibt der Präsident „American Hero“. Ein gefaktes Foto von einem Mann, der tagtäglich gegen die „Fake News“ wettert. Interessant sind vor allem die witzigen Kommentare unter diesem präsidialen Tweet. Einer schreibt, Trump müsse sich in das Bild „photoshoppen“, denn der Hund würde ihm sonst in seine „kleinen Hände“ beißen.

Kalifornien interessiert da nicht, darum kümmert sich nun sein Haussender FoxNews. Dort wird erklärt, dass die Klimaschützer und die linken Horden für die Flächenbrände verantwortlich seien, denn die verhinderten eine sinnvolle Umweltschutzpolitik und sinnvolle Brandprävention. Da wird dann auch noch das Energieunternehmen PG&E zum Opfer gemacht. Der arme Konzern würde ja so gerne „fire protection“ durchführen, aber das würde immer wieder verhindert werden.

Unterdessen sind noch immer Hunderttausende ohne Strom. 100.000 Menschen können in Sonoma County noch immer nicht zurück in ihre Häuser, im Süden fliehen die Menschen vor den Flammen. Die öffentlichen Parks in meiner Gegend sind noch immer aufgrund der extremen Feuergefahr gesperrt. Bei mir gingen zum Glück die Lichter wieder an. Langsam kehrt der Alltag in diesem Teil des Bundesstaates zurück. Aber die Spuren der Feuerwalzen werden noch lange zu sehen sein.

Kleines Update aus Nordkalifornien

Mehr als 4000 Einsatzkräfte bekämpfen die Flammen. Foto: AFP.

Das Kincade Feuer ist weiter gewachsen und dennoch sind die „Fire Fighters“ optimistisch. Seit gestern morgen, nachdem die heftigen Winde etwas abgeflaut waren, konnten einige wichtige Schneisen errichtet, einige kontrollierte Gegenfeuer gelegt werden. Derzeit sind etwa 15 Prozent des Feuers unter Kontrolle. Man hofft, die Brände bis zum 7. November ganz gelöscht zu haben. Betroffen ist nach wie vor eine Fläche in der Größe von Nürnberg, Fürth und Erlangen. Die große Frage ist derzeit, wie sich die heftigen Winde auf die Brände auswirken werden, die heute Abend erwartet werden. Die kommenden 24 Stunden werden alles entscheidend sein.

Tausende von Einsatzkräften sind vor Ort, einige Evakuierungsmaßnahmen wurden aufgehoben, Tausende Anwohner können wieder in ihre Häuser zurück. Ein Funken Hoffnung gibt es. Dennoch sind nach wie vor Hunderttausende in der Region ohne Strom. Zwar wurden gestern viele Haushalte wieder ans Netz angeschlossen – mein Haus und meine Nachbarschaft blieb allerdings „dark“ – doch für heute Abend ist bereits die nächste massive und weitreichende Stromabschaltung in Nordkalifornien angekündigt worden. Das würde bedeuten, dass ich dann wohl erst am Freitag wieder Strom zu Hause haben werde.

Die Brände in Sonoma County sind auch hier in Oakland, nahezu 100 Kilometer entfernt, deutlich zu spüren. Eine dicke Rauchwolke hängt in der Luft, schon nach kurzer Zeit im Freien bekommt man Kopfschmerzen. Dennoch werde ich gleich mal mit meinem Hund losgehen, nutzt ja nichts, mal sehen, ob ich irgendwo einen Zugang zum Waldgebiet in meiner Gegend finde, der nicht wegen Feuergefahr gesperrt ist.

330 Brände in 20 Stunden

Mit kontrollierten Feuerschneisen gegen den Flächenbrand. Foto: AFP.

Warum fällt mir gerade in so einer Situation diese olle Textzeile aus einem NDW-Klassiker ein „es brennt so gut, bald sieht man nur noch Glut…“. Kalifornien brennt, am Montagmorgen gab Gouverneur Gavin Newsom bekannt, dass innerhalb der letzten 20 Stunden 330 Brände bekämpft wurden. In der Nacht auf Montag nahm das Ausmaß des Kincade Fires in Sonoma County noch einmal zu. Die eineinhalbfache Fläche von Nürnberg ist nun betroffen, gerade mal 5 Prozent sind unter Kontrolle.

Und in Los Angeles, in der Nähe des Getty Centers, ist auch ein Großfeuer ausgebrochen. Im nahegelegenen Brentwood mussten u.a. Arnold Schwarzegger und LeBron James ihre Häuser verlassen. Die Flammen machen vor niemandem Halt. Unterdessen wächst der Ärger über den Stromversorger PG&E, der weder einen klaren Plan, noch glaubwürdige Informationen zu haben scheint, wann der Strom für Hundertausende Haushalte wieder angestellt wird. Dazu kommt, dass das mangelhafte Equipment des Unternehmes etliche der Feuer entfachte. Nach dieser Krise stehen viele offene Fragen im Raum.

Die Winde haben heute etwas nachgelassen, doch das heisst nicht, dass die Lichter wieder angehen. Morgen sollen, so die Meteorologen, erneut heftige Stürme auf uns zu kommen. Die Frage also ist, ob PG&E einfach den Schalter unten läßt, bis auch diese neuen Lüftchen vorbeigezogen sind, oder ob man zwischenzeitlich versucht einige der Haushalte wieder mit Strom zu versorgen. Außerdem muss, so das Unternehmen, jede Stromleitung noch vor dem Einschalten begutachtet werden. Noch Fragen?

Unterdessen kämpfen rund 4000 Feuerwehrleute in Sonoma gegen die Flammen, darunter auch etliche Trupps aus benachbarten Bundesstaaten. Die Krise ist hausgemacht, dass habe ich an dieser Stelle schon mehrmals geschrieben. Dazu kommt der Klimawandel, der in Kalifornien deutlich zu spüren ist, auch wenn an der anderen Küste im Weißen Haus ein Präsident sitzt, der den „Climate Change“ als „Hoax“, als Schwindel und als von Chinesen erfunden bezeichnet. Schwierige Zeiten hier in den USA und in Kalifornien, die Nachrichtenlage überschlägt sich tagtäglich. Man kann nur auf einen einigermaßen guten Ausgang hoffen.

Und der Strom ist weg

Gestern Abend dann um kurz nach 23 Uhr gingen die Lichter aus. Das sind die USA, das ist Kalifornien, das ist die vielgepriesene High Tech Gegend um das Silicon Valley herum. Drei Millionen Menschen seien von diesem „Black Out“ betroffen, wird berichtet. Und ich bin einer davon. Bei mir heißt das nun nicht nur keinen Strom im Haus zu haben und das für bis zu 48 Stunden, nein, auch die Cell Phone Towers wurden wohl abgestellt, telefonisch bin ich also auch nicht erreichbar, auch kein Internet, um mal zu sehen, wie die allgemeine Lage im brennenden Sonoma oder im stromlosen Oakland ist.

Auch aus dem Auto läßt es sich bloggen.

Gerade sitze ich im Auto rund fünf Kilometer von meinem Haus in den Oakland Hills entfernt. Hier ist die mobile Verbindung einigermaßen gut, also versuche ich mein Feature-Skript über den Hotspot rauszuschicken. Mit der Produktion morgen wird es dann wohl nichts werden. Ohne Strom läuft kein Mischpult, kein Computer, kein Mikrofon. Soviel zu Amerika im Jahr 2019.

Falls man mir anmerkt, dass ich einen dicken Hals habe. Stimmt, den habe ich. Und ja, es könnte schlimmer sein, wenn ich nur an die Brände in Sonoma denke. Die Bilder sind verheerend, mehrere Freunde mussten gestern Abend noch evakuieren, einiges schnell zusammenpacken und raus. Weite Teile des Bezirks sind nun leer, das Feuer konnte bislang nur zu etwa 11 Prozent unter Kontrolle gebracht werden. Am Abend und in der Nacht nahmen die Winde wieder zu, bis zu 90 Meilen pro Stunde nahmen sie Geschwindigkeit auf. Und einzelne Funken können da bis zu zwei Meilen weit mitgetragen werden und an ganz anderer Stelle neue Brandherde entstehen lassen.

Die Situation hier ist kritisch, angespannt, surreal und auch hausgemacht. Kalifornien ist ausgedorrt, der Klimawandel ist deutlich zu spüren. Dazu noch eine vealtete Infrastruktur und ein Stromversorger, der in den letzten Jahren mehr an seine Aktionäre gedacht hat, als an Investitionen in das eigene Netzwerk. Wer mir in den kommenden Monaten nochmal damit kommt, dass das hier „the best nation on earth“ ist, der soll sich warm anziehen. Derzeit reihe ich die USA in eine Liste mit Puntland, Ruanda, Kongo, Tschad, Niger und Sudan ein, denn überall dort, in diesen Entwicklungsländern, habe ich Stromausfälle erlebt. Also nichts mehr mit „America First“, eher wohl, zumindest in bestimmten Bereichen, „America Last“.

Ein Flammenmeer im Wine Country

Das „Wine Country“ brennt. Foto: AFP.

Es brennt im Wine Country. Gerade kam die Nachricht, dass nun Geyserville, Windsor und auch die Kleinstadt Healdsburg evakuiert werden. Das Kincade Fire ist auf eine Größe von zweimal Fürth angewachsen und kein Ende ist in Sicht. Heute Abend rechnen die Einsatzkräfte mit weiteren kräftigen Winden mit Geschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde. Deshalb wurden nun die weiteren und weitreichenden Evakuierungen angeordnet. Denn klar ist, wenn das Feuer weiter wächst wird der Freeway 101 gesperrt werden, dann wäre eine geordnete Evakuierung schwierig, wenn nicht sogar zu spät.

Bislang sind gerade mal zehn Prozent der Flammen unter Kontrolle. Die Einsatzkräfte kämpfen gegen Windmühlen, derzeit geht es noch immer nur darum, Menschen und auch Tiere zu retten, schnell zu evakuieren, einige gezielte Gegenbrände zu legen. Todesopfer sind bislang noch nicht zu beklagen.

Und wieder mal deutet viel darauf hin, dass PG&E für das Feuer verantwortlich ist. Kaputtes Equipment an einem Strommast soll Funken geworfen haben, genau dort, wo die ersten Flammen gemeldet wurden. Nun will der Stromlieferant zeitgleich zum Brand in Sonoma County Hundertausenden von Kunden den Strom abschalten. Insgesamt sollen dabei mehr als zwei Millionen Menschen betroffen sein. Auch bei mir und das nicht nur über Nacht, bis zu 48 Stunden sollen hier ab heute Abend die Lichter aus bleiben. Und damit Computer, Herd, Kühlschrank und so weiter. Nicht gerade rosige Aussichten für jemanden, der von zu Hause arbeitet und gerade an einem 30 Minuten Feature sitzt, das ich nicht mit Kleber und Schere zusammen basteln kann. Da taucht bei mir immer wieder die Frage auf, was ich eigentlich in diesem Dritte-Welt-Land mit seiner katastrophalen Infrastruktur mache. Ich lebe in einer Gegend, die als High Tech Schmiede gilt, von der neue Impulse ausgehen. Und was passiert hier, sie schalten den Strom ab, weil der Wind bläst. Das nicht zum ersten Mal, es ist ein hausgemachtes Problem. Meine Güte, verbuddelt die Kabel endlich und gut ist.

Good morning, San Quentin

Das Haupttor des San Quentin State Prison.

Samstagmorgen und ich bin mal wieder in San Quentin. Der normale Wahnsinn. Am Eingang meint ein Wärter zu mir, ich solle mir mein Shirt etwas zuknöpfen, anscheinend bringe ich Gefangene oder WärterInnen mit meinem Brusthaar in Wallung. „Rule is rule“, meint er. Auch schön. Nach dem kleinen Spaziergang entlang der Bay vom Haupttor zum Besuchsraum des East Blocks, dem Todestrakt, lass ich mich mit Reno in dem kleinen Käfig einsperren. Er muss sich vorher aus seinem Rollstuhl erheben, wird umständlich mit Handschellen und einer Bauchkette gefesselt, um so den Käfig verlassen zu können, damit ich hinein kann. Nur eine Tür darf jeweils geöffnet sein. Auf meinen Einwand, dass der mittlerweile 74jährige in dem Zustand sicherlich nicht mehr die Flucht ergreifen wird, meint die Gefängnisaufseherin auf meiner Seite des Käfigs nur „that’s the rule“.

Burger, Sandwich, Popcorn, Schokolade und zwei Dosen Coca Cola, damit verbringt Reno die nächsten Stunden. Wir unterhalten uns über dies und das. Er meint, morgen sei der Jahrestag seiner Verhaftung. Vor 41 Jahren wurde er in Polizeigewahrsam genommen. Anfang 1980 kam er dann nach dem Todesurteil nach San Quentin in den East Block.

Ich kenne ihn nun seit 25 Jahren, seit mehr als 23 Jahren besuche ich ihn mehr oder weniger regelmäßig im ältesten Staatsgefängnis von Kalifornien. Neben mir kommt hin und wieder noch sein Anwalt vorbei. Mehr Besucher hat er nicht. Und das sind noch viele im Vergleich zu so manch anderem auf „Death Row“. Reno ist alt geworden, kann sich nur noch unter Schmerzen bewegen, die Gesundheitsversorgung hinter den dicken Mauern ist nicht die beste. Und heute meinte er, er wisse gar nicht, ob er jemals noch mal nach draussen wolle, denn seine Medikamente könne er sicherlich nicht bezahlen. Hier bekommt er die umsonst, eine Neuerung, zuvor mussten Häftlinge für alles zahlen. Jeden Doktorbesuch, jede Aspirin, den Rollstuhl, Zahnarzt, Brillen. Wer das Geld nicht aufbringen konnte, Pech gehabt.

Wir sitzen uns gegenüber und reden über das Gefängnis, was ihn aufregt, über Sport, das Feuer in der Nord Bay und auch über Politik und Trump. Irgendwie kann man dem nicht mehr entkommen, selbst im Todestrakt von San Quentin. Nach guten zwei Stunden ist der Besuch vorbei. Ich verspreche bald wieder vorbei zu kommen. Eine kurze Umarmung, er lässt wieder die Prozedur mit den Handschellen und der Bauchkette über sich ergehen und wird dann in den hinteren Teil des Besucherbereiches geschoben. Für mich öffnet sich die Stahlschleuse, ich bekomme meinen Ausweis zurück und kann draussen wieder tief durchatmen. Die Sonne scheint, der Rauch vom Kincade Fire liegt in der Luft. Ein Morgen in San Quentin.

Leben mit Wildtieren

Da ist also mal wieder ein Bär in Bayern unterwegs. In den Zeitungen steht es und auch Deutschlandfunk berichtet im täglichen Podcast „Der Tag“ von Meister Petz, der nun von einer Wildtierkamera geblitzt wurde. Warum aber eigentlich die Aufregung?

Hier in Kalifornien ist es ganz normal, dass man auf wilde Tiere stößt. In meiner Nachbarschaft leben Stinktiere und Waschbären, Coyoten laufen einem über den Weg und oft genug hört man sie heulen. Hin und wieder wird ein Berglöwe oder Puma gesichtet, Warnschilder an den Parks warnen vor Klapper- und anderen Schlangen. Wenn ich in den Süden fahre, kann man im Hochzommer handtellergroße Spinnen auf dem Highway sehen und ja, auch Bären haben schon mehrmals meinen Weg gekreuzt. In Michigan, wo ich hin und wieder mal bin, sind Wölfe daheim. Auch die hört man, einmal hatte ich das Glück einen aus der Ferne zu sehen.

Ein Braunbär nach seiner Behandlung. Seine Pfoten wurden auf der Flucht vor den Flammen des Thomas Fires verletzt. Foto: California Department of Fish and Wildlife.

Nach dem Thomas Fire im südkalifornischen Ojai kamen die Bären aus dem Los Padres National Forest ins Tal. Erst flohen sie vor den Flammen, dann war klar, oben in den Bergen gab es nicht mehr genug Nahrung. Also machten sie sich da breit, wo es was zum Essen gab. Die Braunbären kamen auf den Geschmack, ließen sich auf den Citrusplantagen die Avocados und die Orangen schmecken und blieben. Noch immer kann man morgens neben den Bäumen eindeutige Spuren finden. Die Verdauung nach dem Orangenverzehr scheint bei Bären schnell zu gehen.

Als Problembär, Problemcoyote, Problemwolf bezeichnet eigentlich niemand die Tiere, es sei denn es kommt zu unmittelbaren Kontakten mit Menschen. Hier bei mir in Oakland warnen Nachbarn, wenn sie einen Coyoten gesehen haben, dass man besser seine Katzen ins Haus, kleinen Hunde oder auch Hühner in Sicherheit bringen sollte. Vor einigen Wochen war ich mal wieder mit meiner Käthe im East Bay Regional Park unterwegs. Irgendwann verschwand sie im Gebüsch und ich sah etwas weiter vorne weghuschen. Ich rief sie und sie kam auch und dann ging das Konzert los. Anscheinend hatte sie die Fährte eines Muttertieres aufgenommen, die Coyotin rannte dann los, um meine Käthe von ihren Jungtieren abzulenken, was auch klappte. Doch die jungen Coyoten fingen dann an zu heulen, die Mutter antwortete, die Jungen hörten nicht auf. Ein hin und her entstand. Ich stand dann für gut zehn Minuten auf dem Weg, hatte Käthe an der Leine und hörte mir das in Ruhe an. Erst am Auto fiel mir ein, dass ich diesen einmaligen Naturgesang eigentlich hätte aufnehmen sollen…na ja, hätte, hätte Fahrradkette. So lebt es sich zumindest hier und ich muss sagen, ich bin begeistert davon, dass es hier noch wilde Tiere gibt.