Dem Henker von der Schippe springen

Die Hinrichtungskammer in San Quentin. Foto: Reuters.

Was sagt man einem Mann, der seit 1978 in der Todeszelle sitzt und sterben will? Der Staat Kalifornien könnte schon bald wieder mit Hinrichtungen beginnen. Im vergangenen Jahr stimmte eine knappe Mehrheit der Wähler dafür, die Einspruchsmöglichkeiten von zum Tode Verurteilten zu verkürzen. Das kalifornische Verfassungsgericht hat vor ein paar Wochen dieses Gesetz weitgehend für rechtens befunden. Damit ist für 18 Todeskandidaten das Ende in Sicht. weiter lesen

Der Blick in eine vergangene Welt

Gottfried Lindauer wurde 1839 im böhmischen Pilsen geboren. In Wien studierte er Kunst, aber fiel dort nicht weiter auf. 1874 machte er sich auf den langen Weg nach Neuseeland. Warum, das weiß keiner so richtig. Aber dort, auf der anderen Seite der Welt, erlangte Lindauer Berühmtheit für seine Portraits der Māori.

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4 qm Leben

Sonntagmorgen 8 Uhr. Ich habe einen Besuchstermin für San Quentin. Seit nunmehr 21 Jahren besuche ich regelmäßig einen Gefangenen auf „Death Row“, dem kalifornischen Todestrakt im ältesten Gefängnis des Bundesstaates. Am Donnerstag noch ließ ich mir telefonisch den Termin geben, „Lock Down“ sei so gut wie vorbei, hieß es. „Lock Down“ heißt, das gesamte Gefängnis oder ein Teil davon ist unter Verschluß. Die Gefangenen bleiben in ihren vier qm Zellen und die werden eine nach der anderen total umgekrempelt auf der Suche nach verbotenen Gegenständen, wie Waffen, Drogen, nicht Erlaubtes.

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Armes Amerika!

Alltagsszene in Downtown Berkeley.

Die Obdachlosigkeit nimmt zu in den USA. Jede Nacht schlafen etwa 600.000 Menschen auf den Straßen dieses Landes, Tendenz steigend. Hier in der San Francisco Bay Area kann niemand mehr das Problem übersehen. Jeder Besucher spricht mich darauf an. Die Zeltcamps unter den Autobahnbrücken in San Francisco, Oakland und Berkeley werden immer größer. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, denn den Kommunen sind finanziell die Hände gebunden. Die Mietpreise steigen, für eine Einzimmerwohnung in Oakland werden mittlerweile dafür 3500 Dollar verlangt. In San Franciscos Tenderloin, einem sozialen Brennpunkt der Stadt, verlangen versiffte Hotels 150 Dollar und mehr für eine Nacht. Die Städte haben auch nicht das Geld, um sich aus der Krise rauszubauen.

Gestern war ich in Downtown Berkeley unterwegs und sah direkt vor dem Rathaus der Stadt diese Szene. Ein Mann schlief in einem Karton. Passanten liefen daran vorbei, ein ganz normales Bild, an das wir uns alle hier nur zu sehr gewöhnt haben. Amerika 2017 ist an den Rand eines sozialen Kollaps geraten, die ökonomische Schere öffnet sich immer weiter. Es gibt mehr Millionäre, mehr Milliardäre. Es gibt mehr Arme, mehr Obdachlose. Und die vielbeschworene Mittelschicht bleibt auf der Strecke. Donald Trump spricht von Jobs, Jobs, Jobs und kürzt nebenbei Hilfsprogramme für sozial Benachteiligte, Senioren, Food Banks, Schulspeisungen. Trump betoniert gerade den Weg für ein Amerika der Ungleichheit.

Das besondere Oakland

Foodtrucks liefern die kulinarische Vielfalt.

San Francisco ist „The City“, Oakland „The Town“. Hier die glänzende Weltmetropole am Golden Gate, da die stiefschwesterliche Gemeinde auf der anderen Seite der Bay. Oakland wird gerne übersehen. Oakland, eine Stadt, die von Touristen meist gemieden wird. Und doch, es ist die Stadt in meinem Leben geworden, in der ich nun fast am längsten gelebt habe. Meine Wurzeln liegen in Nürnberg, so richtig erwachsen wurde ich in Oakland.

„The Town“ hat viel zu bieten. Kunst und Kultur, eine „Waterfront“, wunderbare Kneipen und Restaurants, kleine, heimelige Nachbarschaften, Redwood Trees und fantastische Ausblicke. Und da sind die vielen Angebote, die Oakland zu etwas ganz besonderem machen. Gestern Abend fand wie an jedem Freitag wieder „Friday Nights at the OMCA“ statt. Das „California Museum of Oakland“ ist dabei bis 22 Uhr geöffnet, Live-Musik, Bars und ein gutes Dutzend Foodtrucks laden die wunderbar vielfältige und vielgesichtige Community von Oakland ein. Das Museum wird so zu einem Treff- und Mittelpunkt der Stadt.

Partystimmung am Freitagabend im Museum.

Die Dorothea Lange Ausstellung „Politics of Seeing„, die derzeit noch im Museum zu finden ist, kann man sich mehrmals ansehen. Langes Fotos sind zeitlos, hochpolitisch, engagiert. Gerade in diesen Tagen der politischen Krise in den USA. Farbenfroh dagegen die Roy De Forest Bilder „Of dogs and other people„. Nicht ganz mein Geschmack, aber ein erhellender Gegensatz zu der Schwere im Nachbarraum. Dazu noch die vielen anderen Ausstellungsstücke des OMCA.

Und draussen tobte der Bär. Oben ein jüngerer Ukule Spieler mit einem älteren Trompeter. Unten eine Latinoband, die traditionelle Elemente mit Hip Hop vermischte. Am Strassenrand Foodtrucks, die alles servierten von mongolischem BBQ bis zu Sushi-Burritos. Was diese Abende im Museum ausmacht sind jedoch die Menschen, die zusammen kommen. Hier kann man diese multikulturelle Vielfalt Oaklands erkennen und wertschätzen. Jeder lächelt, unterhält sich, genießt diese gemeinsamen Stunden im Herzen von „The Town“.

„Not my Wall“ – ein Audiobeitrag

Nicht jeder in den USA schaut einfach nur zu, wie an der amerikanischen Südgrenze eine menschenverachtende Mauer errichtet werden soll. Es gibt Widerstand gegen dieses Bauprojekt. Nicht nur, dass damit immense Steuergelder vernichtet werden, die für dringende Infrastrukturmaßnahmen im ganzen Land benötigt werden, dass dieser Grenzwall durch indianisches Land geführt und die Natur massiv beeinflussen wird. Das Vorhaben an sich, die USA weiter abzuschotten, die Grenzen für Flüchtlinge dicht zu machen, bringt mehr und mehr Amerikaner gegen die eigene Regierung auf. Und auch einige Kommunen organisieren sich und suchen nach Wegen, die Baupläne an der Grenze, wenn nicht zu verhindern, so doch zumindest zu behindern. Dazu ein Audiobericht aus dem kalifornischen Berkeley:

      Widerstand gegen die Mauer

 

Oakland hat mehr Morde als Bayern

Die gute Nachricht zuerst, die Mordrate ist in Oakland gesunken. Letztes Jahr lag sie zu diesem Zeitpunkt bei 38, ein Jahr zuvor bei 45. 2017 gab es bislang „lediglich“ 36 Morde zu verzeichnen. Doch dieses lediglich ist auch schon die schlechte Nachricht, es sind 36 zu viel Menschen ermordet worden. Zum Vergleich, in ganz Bayern wurden 2016 38 Menschen ermordet. In Oakland leben 420.000 Menschen, in Bayern 12,5 Millionen.

Was hier in Oakland passiert ist keine Ausnahme. Oakland ist nicht gefährlicher oder sicherer als andere Großstädte in den USA. Die Gewalt konzentriert sich meist auf ein paar Brennpunkte in ein paar Stadtteilen. Wenn man da nicht wohnt und nicht hingeht, lebt man ganz gut in dieser Stadt, die derzeit boomt. Es gibt eine faszinierende und lebendige Kunst- und Kulturszene, neue Restaurants, Kneipen und Cafés werden eröffnet, Oakland hat viel zu bieten, „The Town“ tritt endlich aus dem Schatten von „The City“ heraus.

Hier hat man jedoch mit der Gewalt zu leben gelernt. Sie ist da, das weiß hier jeder. Man stellt sich darauf ein und sagt sich selbst, das ist weit weg, auch wenn es Luftlinie nur wenige Kilometer sind. Was hier passiert wird deutlich in dem Polizeibericht, der heute früh per Email kam. Darin werden jene Morde aufgelistet, die seit Ende März passiert sind und zu einer Verhaftung führten. Die Aufklärungsrate ist, auch im Vergleich zu Bayern, mehr als gering.

On March 21, 2017, 2:45 p.m., the Oakland Police Department responded to reports of an unresponsive man in the street in the 400 block of 13th Street. Officers located, 53-year-old Kenneth Cannon. Emergency medical services transported the victim to a local hospital, where he succumbed to his injuries a few days later. On July 6, 2017, the Oakland Police Department arrested the 36-year-old homicide suspect, Bryant Clofer of Oakland and was charged by the Alameda County District Attorney’s Office on July 10th with the murder of Cannon.

On March 29, 2017, at 10:22 p.m. the Oakland Police Department responded to the 9500 block of MacArthur Blvd on reports of a gunshots. Responding officers located a 17-year-old-male suffering from a gunshot wound. Emergency medical services on scene pronounced the victim deceased. On April 12, 2017, 18-year-old Olezja Booker of Oakland, was arrested and charged with manslaughter by the Alameda County District Attorney’s Office on July 14th.

On April 9, 2017, at 5:44 p.m., the Oakland Police Department was notified of a possible gunshot victim at a residence in the 1000 block of 66th Avenue. Responding officers located a 41-year-old male victim, Dennis James of Oakland, who was suffering from a gunshot wound. Emergency medical services transported the victim to a local hospital, where he succumbed to his injuries a few days later. On May 18, 2017, the Oakland Police Department arrested the 22-yeard-old homicide suspect, Alonte Hilliard of Oakland was charged by the Alameda County District Attorney’s Office with the murder of James on May 22nd.

On April 12, 2017, the Oakland Police Department responded to a report of gunshots inside an apartment building in the 800 block of E18th. Responding Officers located the 17-year-old victim suffering from a single gunshot. Emergency medical services transported the victim to a local hospital, where he succumbed to his injuries. Officers arrested 18-year-old Marco Palma-Cruz, of Oakland at the scene. He was charged with manslaughter by the Alameda County District Attorney’s Office on April 14th.

On April 30, 2017, at 10:26 p.m., the Oakland Police Department was notified of a gunshot victim in the parking lot of a business in the 4000 block of Alameda Avenue. Oakland police officers responded to the scene and located 22-year-old, Robert McCorvey, suffering from a gunshot wound. Emergency medical services on scene pronounced the victim deceased. On May 4, 2017, the Oakland Police Department located and arrested the 20-year-old suspect, Donald Aaron and was charged by the Alameda County District Attorney’s Office on May 17 with the murder of McCorvey.

On May 2, 2017, the Oakland Police Department responded to a call of an assault inside the market at 2520 Foothill Blvd, where they located 68-yeear-old Winifred Bicham unresponsive. Emergency medical services transported the victim to a local hospital where she succumbed to her injuries. Officers located and arrested 36-year-old Roy Johnson, of Oakland, later that same day and charged with manslaughter by the Alameda County District Attorney’s Office on May 4th.

On May 8, 2017, the Oakland Police Department responded to a call of stabbing in the 4500 block of San Leandro St. Responding Officers located 37-year-old Demrick Beene suffering from several stab wounds. Emergency medical services transported the victim to a local hospital where he later succumbed to his injuries. Officers located and arrested 51-year-old Stephen Brooks, of Oakland, late that same day for the stabbing. Brooks was charged by the Alameda County District Attorney’s Office on May 10th with the murder of Beene.

On May 17, 2017, at 8:27 p.m., Oakland police officers responded to a report of an assault in the 2700 block of 64th Avenue. Responding officers located 48-year-old Trevino Thomas, who was unresponsive. Emergency medical services transported the victim to a local hospital, where he succumbed to his injuries. On May 20, 2017, Trevaughn Soriano, 25, of Concord, surrendered at the OPD Police Administration Building. On May 23, 2017, Soriano was charged by the Alameda County District Attorney’s Office with the murder of Thomas.

On May 23, 2017, at 12:10 a.m., Oakland Police Officers were dispatched to the 2100 block of Fruitvale Avenue on a report of shots fired. Upon their arrival, officers were directed to the 45-year-old male victim, Godofredo Nah-Pool of Oakland, who was suffering from a gunshot wound. Emergency medical services transported the victim to a local hospital, where he succumbed to his injuries. The suspect was identified as 25-year-old Dawuan Budd of Oakland, who was located near the scene and taken into custody by Oakland Officers. On May 24, 2017, the Alameda County District Attorney’s Office charged Budd with the robbery and homicide of Nah-Pool.

On June 4, 2017, at 3:20 a.m., Oakland Police Officers responded to a report of a shooting in the 1600 block of Linden Street. Responding officers located the victim, 32-year-old Andrew Williams of San Pablo, who was pronounced deceased on scene. On June 8, 2017, 31-year-old Artison Manalastas of Antioch, was located and taken into custody by the Oakland Police Department. The Alameda County District Attorney’s Office charged Manalastas with the murder of Williams on June 12.

On June 11, 2017, at 5:44 p.m., the Oakland Police Department responded to a report of two gunshot victims in the 9500 block of Birch Street. Responding officers located 27-year-old Jose Gameros-Alvarado and 32-year-old Pedro Gonzalez, both suffering from gunshot wounds. The victims succumbed to their injuries at the scene. On July 12, 2017, 37-year-old Antonio Belvine was arrested and charged with murder of Gameros-Alvarado and Gonzalez on July 14 by the Alameda County District Attorney’s Office.

On June 16, 2017, the Oakland Police Department responded to a report of an assault in the 7700 block of MacArthur Boulevard. Responding Officers located the victim, 39-year-old Alexander Hayes. Emergency medical services transported the victim to a local hospital where, he succumbed to his injuries. Multiple witnesses identified the suspect as 43-year-old Antwan Robinson, of Oakland, who remained at the scene and was arrested. On June 19, 2017, the Alameda County District Attorney’s Office charged Robinson with the murder of Hayes.

On July 22, 2017, at 11:30 a.m. Oakland police officers responded to a report of gunshot victim in the 2700 block of 75th Avenue. Responding officers located 51-year-old Edgar Trammel suffering from gunshot wound(s). Emergency medical services transported the victim to a local hospital where he succumbed to his injuries. The suspect was identified as 50-year-old William Bernard Epting, who was apprehended the same day. On July 25, 2017, Epting was charged by the Alameda County District Attorney’s Office with the murder of Trammel.

Ein Präsident ohne Überblick

Donald Trump will nun also auch die legale Einwanderung in die USA beschränken. Nicht nur die Mauer soll die Immigration verhindern, nun wird auch ausgesiebt, wer überhaupt kommen darf. Eine Million „Green Cards“, also unbeschränkte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse, werden bislang jährlich ausgegeben, das soll halbiert werden. Und wer keine Ausbildung oder Berufserfahrung vorweisen kann, wer „nur“ Angehöriger einer hier in den USA lebenden Person ist, hat so gut wie keine Chance mehr, legal ins Land zu kommen.

Und dann ist da auch noch die Forderung von Donald Trump, jeder Zugezogene sollte Englisch sprechen können. Das alleine zeigt schon, dass Trump keine Ahnung hat, von was er da überhaupt spricht. Als jemand, der das Prozedere für die „Green Card“ und schließlich die Annahme der Staatsbürgerschaft selbst durchgemacht hat, kann ich das durchaus behaupten. Einen Sprachtest gab es nur vor der Einbürgerung und der war ein gespielter Witz, wie er auch bei Nonstop Nonsens mit Dieter Hallervorden vorkommen hätte können:

Please read „What is the color of the American flag?“. And now answer this question: „The color of the American flag is red, white and blue“. Congratulations, you passed your language test.“

Ich kam mir bei diesem Test schon etwas verschaukelt vor, denn die nette Dame von der INS Behörde holte mich im Warteraum ab, wir plauschten auf dem Weg in ihr Büro etwas, dann vereidigte sie mich und meinte, jetzt komme der Sprachtest. Danach wurden noch ein paar Fragen gestellt, wie „Welches Land grenzt an die USA im Norden?“, „Wie heißt der Ozean an der amerikanischen Westküste?“. Das wars, ich wurde damit in „God’s Country“ aufgenommen.

Trumps Forderung, die legale Immigration in die USA zu beschränken, hätte weitreichende Folgen für die Landwirtschaft in Kalifornien. Foto: Reuters.

Donald Trump, der sich wohl nie mit Konsulaten, Botschaften und solch popeligem Papierkram aufhalten musste, zeigt mit seinem Vorpreschen, dass er keinen Überblick über die katastrophale Immigrationspolitik seines Landes hat. Zu fordern, dass nur noch Akademiker mit perfektem Englisch in die USA kommen sollten, damit der Arbeitsmarkt für den „einfachen Arbeiter“ nicht zerstört wird, weil ja auch so viele englischsprachige Amerikaner auf den Feldern oder in den Küchen arbeiten wollen, ist schlichtweg ein Hohn.

Trumps Hintergedanke ist dabei klar, er präsentiert sich damit erneut als „America First“ Präsident, als jemand, der sich um den einfachen Arbeiter, den „besten Arbeiter der Welt“, so Trump, kümmert und einsetzt. Was er übersieht ist, dass die USA heute von Wanderarbeitern gerade aus Ländern südlich der Grenze abhängig sind. Alleine auf den Feldern Kaliforniens würde nichts ohne die legalen, ausländischen Arbeiter gesät und gepflückt werden. Farmer im Central Valley, in den Weinanbaugebieten in Napa und Sonoma, auf den Erdbeerfeldern in Oxnard schalten mittlerweile Anzeigen in Zeitungen, auf der Suche nach „US Bürgern“, die auf den Feldern arbeiten wollen. Keine Reaktion. Doch damit schaffen sie eine Möglichkeit legal „Gastarbeiter“ aus dem Nachbarland anzufordern. Falls also Trumps Immigrationspolitik umgesetzt werden würde, hätte das fatale Folgen für so einige Wirtschaftsbereiche in den USA. Amerika war, ist und bleibt ein Land der Immigranten. Daran darf, daran wird Trump nichts ändern!

Walreiten vor San Francisco

Die San Francisco Bay bietet sich an für hervorragenden Wassersport. Segeln und Kayaken, Rudern und Surfen und nun kommt noch das Walreiten hinzu. Andrei Grigoriev war im Juni von Crissy Field  aus mit seinem Board in Richtung Golden Gate Bridge unterwegs, als ihn ein Wal von unten kurz mal hochhob. Grioriev hatte an seinem Schirm eine Kamera angebracht, die den Vorfall filmte. In einem Interview mit einem Fernsehsender meinte er, der Wal habe ihn dann noch mehrmals umkreist „scaring the hell out of me“. Aber nichts passierte, nur das Video belegt diesen ungewöhnlichen Zusammenstoss. Wale werden derzeit ungewöhnlich oft in der San Francisco Bay gesichtet.

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If you’re going to San Francisco…

Shot In Studio

50 Jahre nach dem „Summer of Love“ feiert San Francisco seine Hippie Vergangenheit. Im De Young Museum gibt es dazu die Ausstellung The Summer of Love Experience: Art, Fashion and Rock & Roll“, eine schillernde, faszinierende und durchaus neue Seiten aufzeigende Exhibition. Von Konzertpostern und Fotos bis hin zur Mode der damaligen Bewegung. Umrahmt werden die Exponate, Bilder und Filme von der vielschichtigen Geschichte dieser aufwühlenden Wochen und Monate des Jahres 1967. Hier im Golden Gate Park war das Epizentrum der Hippies. Musik, Tanz, Ausdruck, Fashion und dann kam die Politik dazu. Und am Ende stand der Ausverkauf der Szene.

Ja, noch heute kann man am Ende der Haight Street und am Anfang des Golden Gate Parks die Spuren von damals sehen. Junge und alte Punks in der Tradition der Hippies sitzen herum, „Spare a little change“. Viele von ihnen abgestürzt, versunken in den Erinnerungen längst vergangener Tage. Touristen laufen die Haight Street hoch, machen ihre Erinnerungsbilder an der Ecke Haight/Ashbury, auf der Suche nach dem Geist von damals. Und doch es ist so ganz anders, wie das, was man in dieser Ausstellung im De Young Museum sehen kann. Vor 50 Jahren bebte die Stadt, Hunderttausende zog es ans Golden Gate auf der Suche nach dem anderen Leben, dem Anderssein. All das wird deutlich in diesem „Summer of Love“ Rückblick. Die Kreativität in der Mode, der Musik, dem Auftreten, die Ideen des Miteinanders. Die Hippies waren da, um ihr Lebensexperiment zu leben.

shot in studio

Es dauerte nicht lange, dann wurde die Bewegung vom eigenen Erfolg gefressen. Das Ende kam schneller als gedacht. Und doch, die Bedeutung des „Summer of Love“ ist deutlich zu sehen, wenn man durch diese Ausstellung läuft. Ein halbes Jahrhundert später ist die Mode, die Musik, die Kunst wieder gefragt. All das ist zeitlos, ein wichtiger Teil der westlichen Gesellschaften geworden. Da ist viel Mythos, viel Pathos, viel Kitsch und doch auch ein wichtiger Kern, den man freilegen muss, denn am Anfang stand die Hoffnung, aus dem „Summer of Love“ eine „Society of Love“ wachsen zu lassen. Daraus wurde nichts, doch die Ideen und auch die Hoffnung danach extistieren weiter. Von daher sollte man 50 Jahre danach – und gerade in diesen stürmischen Trump-Zeiten – durchaus diesen „Summer of Love“ feiern.