Leichte Entwarnung in Kalifornien

Seit Wochen schon fegt ein Wintersturm nach dem anderen über Nordkalifornien. Regen, Schnee, Überschwemmungen, Glatteis, alles was dazu gehört und wie es eben auch für diese Jahreszeit sein sollte. Und selbst Südkalifornien bekommt etwas vom feuchten Wetter ab.

Nach Jahren der Dürre steigen die Wasserpegel wieder im „Golden State“. Vor einem Jahr waren 97 Prozent des Bundesstaates im Ausnahmezustand. Die Reservoirs waren leer, die Pegel in den Seen, Flüssen und auch beim Grundwasser sackten weiter ab. In vielen Gemeinden kam kein Wasser mehr aus den eigenen Brunnen. Gouverneur Jerry Brown hatte schon zuvor den Wassernotstand ausgerufen und damit alle Privathaushalte und Businessadressen zum Einsparen verpflichtet.

Ein Jahr später hat sich in weiten Teilen Kaliforniens die Situation etwas verbessert, Grund zum Durchatmen. 42 Prozent des Bundesstaates fallen nicht mehr unter die Dürre Kategorie. Das ist die positive Nachricht in diesen Tagen. Die schlechte ist, dass der Boden das viele Wasser gar nicht aufnehmen kann. Überschwemmungen, Schlammlawinen und auch die Tatsache, dass vor allem Nordkalifornien den Niederschlag abbekommt und es nur wenig in Südkalifornien regnet. Aber dennoch freut man sich hier über den Regen….auch  mein Hund, die es liebt und genießt tagtäglich auf unseren Spaziergängen durch die Pfützen zu rennen, ein Matschfest sondergleichen.

Mein Freund der Baum ist tot

Der weltbekannte Baumtunnel ist nicht mehr. Foto: Amber Rack/bigtree.org

Einer der bekanntesten Bäume steht nicht mehr. Die jüngste Sturmserie über Nordkalifornien ließ am Sonntag den „Pioneer Cabin Tree“ im „Calaveras Big Trees State Park“ umknicken. Jim Allday, der auf seiner Facebook Seite vom Ende des Titanen berichtete, schrieb: „Wir haben einen alten Freund verloren“. Bekannt wurde der Baum durch seinen Tunnel. Vor 137 Jahren wurde nach dem Vorbild des gewaltigen „Wawona Tunnel Sequoia“ im Yosemite National Park ein größeres Loch in den Baum geschlagen, so groß, dass Generationen von Touristen mit Autos durchfuhren, durchliefen und Gruppenbilder machten, um zu zeigen, was für ein gewaltiger Baum dieser Sequoia ist.

Der Wawona in Yosemite fiel 1960 in einem Sturm, der Pioneer Cabin Tree blieb stehen und blickte im Alter von 1000 Jahren ins 21. Jahrhundert. Die kalifornische „Parks and Recreation“ Behörde erklärte, dass manche der Riesen unter den Bäumen über 3000 Jahre alt sind. In den State Parks Kaliforniens sind etliche Sequoias zu finden, die ein Alter von 1000 Jahren haben. Theoretisch, so die Behörde, können die Bäume endlos leben. Meist kommt ihr Ende durch Feuer, Überflutungen und Erdrutsche.

Russland will die Abspaltung Kaliforniens

Die Russen scheinen noch immer verärgert darüber zu sein, dass sie 1867 für schlappe 7,2 Millionen Dollar, für’n Appel und’n Ei, Alaska an die USA verkauft haben. Zwischen Keksen und Tee, Syrien und atomare Aufrüstung dreht sich deshalb vielleicht das bevorstehende Treffen zwischen Vladimir Putin und Donald Trump auch um einen anderen Bundesstaat – Kalifornien.

Schon seit ein paar Jahren gibt es in Kalifornien eine Bewegung, die sich gerne vom Rest der USA lösen möchte. So wie Franken von Bayern, will Kalifornien seine eigene Flagge wehen lassen, aber im Vergleich zum Kleinbundesland Franken würde dann eine neue Nation Kalifornien entstehen. Wirtschaftlich und politisch stark genug, um auf eigenen Beinen stehen zu können. Genau wie in Franken, war das aber lange Zeit ein Hirngespinst ohne Aussicht auf Erfolg. Doch dann kam Trump und viele im Sonnenstaat erkannten, nö, der steht so gar nicht für das Leben, die Werte und die moralischen Vorstellungen Kaliforniens.

Noch in der Wahlnacht stürzten nicht nur die Computer der kanadischen Immigrationsbehörde ab, auch die Bewegung „Yes California“ erhielt ungeahnt viele Anfragen, wie man Kalifornien aus der Trumpschen Hand entreißen könnte. Hier wollte man nicht länger in einen Topf mit Indiana, Wisconsin, Iowa und Florida geworfen werden. Das Ziel der kalifornischen „Ja-Sager“ ist ein Volksentscheid 2019. Zuvor steht noch eine „Ballot“ an, eine Abstimmung, ob es zum Volksentscheid kommen soll. Die Organisation eröffnet derzeit in vielen Gemeinden, Städten und Bezirken Büros um flächendeckend Wahlkampf zu betreiben. Kalifornien soll unabhängig werden, auch wenn nach dem Volksentscheid noch einige riesige politische Hürden warten.

Doch zurück zu den Russen und der Frage, was haben die nun mit Kalifornien zu tun? Den „Russian River“ gibt es schon in Sonoma County, den „Russian Hill“ sind schon viele Touristen in San Francisco hochmarschiert und „Russian Delis“ gibt es auch unzählige. Nun wollen die Russen auch noch die Abspaltung Kaliforniens von den USA. Zumindest sieht es danach aus. In Moskau wurde nun die erste kalifornische Botschaft eröffnet. „Embassy of the Independent Republic of California“ wurde mithilfe von Geldern einer Bewegung gegründet, die mit Kreml Unterstützung Separatistengruppen in Europa und Übersee fördert. Auch lebt der Präsident der „Yes California“ Initiative mittlerweile in Russland. Von dort organisiert er die Abspaltung Kaliforniens von den USA. Zufall oder gezielte Einmischung Moskaus in die inneren Angelegenheiten der USA? Auf den Wahlkampf für die Volksbefragung im kommenden Jahr und auch auf Trumps Reaktion kann man gespannt sein.

Kein Grund zum Feiern in Oakland

Die Mordrate bleibt in Oakland unter 100. Foto: AFP.

Es sind bislang „nur“ 84 Morde in diesem Jahr. Der jüngste am Dienstagabend, als der Fahrer eines Autos in East-Oakland mit mehreren Schüssen von einem noch unbekannten Täter gestoppt wurde. Sein Wagen fuhr auf parkende Autos auf. Die Polizei rätselt noch, wer hinter der Tat stehen könnte.

Nur noch ein paar Tage bis zum Jahreswechsel. Die Mordrate bleibt also in diesem Jahr erneut unter 100, ein Erfolg. 2015 wurden in meiner Wahlheimat 89 Menschen ermordet, 2014 waren es 80 „Homicides“. Nürnberg hat weit über 100.000 mehr Einwohner als Oakland, doch in der Frankenmetropole wurden im Jahr 2015 nur acht Morde vermeldet. Im gleichen Zeitraum gab es deutschlandweit 296 Morde. Deutschland ist im Vergleich zu den USA ein sicheres Land. Das sollte bei all den Schlagzeilen der letzten Wochen und Monate durchaus betont werden.

Schießereien und solche mit Todesfolge sind in amerikanischen Großstädten Normalität. Man lernt damit zu leben. Mit den Nachrichten, den Fernsehbildern, den Todesanzeigen. Weit über 35.000 Zwischenfälle mit Schusswaffen werden Jahr für Jahr in den USA registriert

Für mich sind diese Mordstatistiken aber auch beruhigend, so makaber das klingen mag. Denn die Wahrscheinlichkeit hier in Oakland ein Opfer zu werden, ist wohl manchmal höher als auf meinen Reisen in Konflikt- und Krisenregionen. Das lässt eine Reise nach Somalia, in den Kongo oder nach Afghanistan auf einmal ganz anders erscheinen. Natürlich hinkt dieser Vergleich, das weiß ich auch. Aber in den 17 Jahren, in denen ich in Oakland lebe wurden etwa 1500 Menschen ermordet. Zum Vergleich, bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr im Zeitraum 1992 bis 2015 fielen 106 Soldaten.

Oakland ist kein Kriegsgebiet, keine Kampfzone, keine außergewöhnlich gefährliche Metropole. Auch wenn Donald Trump im Wahlkampf Oakland mit Kabul und Bagdad verglichen hat. Es ist eine Stadt wie viele in den USA. Gewalt, Mord, Totschlag, Schießereien gehören hier einfach zum Alltag. Und die Zahl 84 am Ende des Jahres ist damit ein Erfolg.

In der Trauer die Hoffnung

Das "Ghostship" am Tag danach. Foto: Reuters.

Das „Ghostship“ am Tag danach. Foto: Reuters.

Die gedrückte Stimmung spürt man überall in Oakland. Das Feuer vom vergangenen Freitag in einer Lagerhalle im Fruitvale Distrikt brannte sich durch die gesamte Stadt. Gestern kamen Tausende am Lake Merritt in Downtown Oakland zusammen, um der Opfer zu gedenken. 36 Tote wurden bislang gefunden, noch nicht alle konnten identifiziert werden.

Die Katastrophe hat auch die Frage aufgeworfen, wie eine vitale, kreative und offene Kunst- und Kulturszene in einer Stadt wie Oakland leben und überleben kann, wenn die Mieten ständig steigen, kein Raum mehr für Kulturschaffende bleibt. Braucht das kulturelle Leben in einer Großstadt Schutz- und Freiräume? Das Feuer vom Freitag zeigte vielen auf, unter welchen Bedingungen Kunst entsteht, was Künstler und Kunstbegeisterte machen und machen müssen, um das zu schaffen, was diese Stadt und diese Region auch ausmacht.

Die Bay Area mit ihren kreativen Zentren San Francisco, Oakland, Berkeley, Marin und Sonoma County zeichnet aus, das hier immer irgendetwas passiert. Viele der Kunstobjekte beim alljährlichen Burning Man Festival werden hier entworfen, erstellt, erbaut. Künstler leben dafür in Fabrikhallen, machen Abstriche. Auch bei der Sicherheit. 1305 31st Avenue, bekannt als „Ghostship“ war da keine Ausnahme.

Die aktuelle Diskussion geht nun auch darum, wie die Stadt Oakland, die Behörden reagieren werden. Ob sie mit harter Hand vorgehen, alle umgewandelten Fabrik- und Produktionsstätten durchforsten und darauf drängen, dass alles „up to code“ sein muß. Das würde das Ende der reichhaltigen und vielseitigen Kunst- und Kulturszene Oaklands bedeuten. Oder wird man mit den Kulturschaffenden der Stadt einen gemeinsamen Weg finden, um den kreativen Puls Oaklands am Schlagen zu erhalten und gleichzeitig die Sicherheit aller zu garantieren. Und wird man es schaffen Künstler und Musiker hier zu halten, ihnen Räume zum Arbeiten und zum Leben zu bieten? Oakland steht nach einer unvorstellbaren Katastrophe vor dieser Frage, vor dieser gewaltigen Aufgabe. Sie ist zu lösen, wenn man denn erkennt, welchen Wert Kunst, Kultur auch fernab der Museen, Galerien und geförderten Treffpunkte für eine weltoffene, interessante, lebenswerte und vielschichtige Stadt wie Oakland hat.

Eine Insel mit zwei Bergen

Na ja, Berge gibt es hier nicht wirklich, am Rande von Oakland liegen jedoch die Oakland Hills, da lebe ich. Aber eine Insel ist das hier schon, eine politische Insel. Das wird ganz deutlich, wenn ich mir die Wahlergebnisse vom Dienstag ansehe.

In Oakland erhielt Hillary Clinton 78,3 Prozent der Stimmen. Donald Trump nur 14,8 Prozent. Bei der Wahl um die Nachfolge der kalifornischen US Senatorin Barbara Boxer traten zwei Demokratinnen an, Republikaner hatten es gar nicht bis auf den Wahlzettel geschafft. Hier setzte sich Kamala Harris, die u.a. von Barack Obama und Hillary Clinton unterstützt wurde, mit 76,3 Prozent durch.

Ausschreitungen in Oakland nach dem Wahlsieg von Donald Trump. Foto: Reuters.

Ausschreitungen in Oakland nach dem Wahlsieg von Donald Trump. Foto: Reuters.

Noch deutlicher war das Rennen um den 13. Distrikt für das Abgeordnetenhaus in Washington. Amtsinhaberin Barbara Lee, die praktisch keinen Wahlkampf in Oakland führte, gewann mit 90,46 Prozent gegen die republikanische Herausforderin Sue Caro, die mit 9,54 Prozent nach Hause gehen kann.

Kein Republikaner hat am Golden Gate eine Chance. Entweder kandidieren sie erst gar nicht, oder sie erleben eine krachende Niederlage. Hier in der Bay Area weht ein anderes politisches Lüftchen. Umso fragwürdiger sind da die Proteste gegen „President elect“ Donald Trump, die hier seit Tagen in Oakland, San Francisco und Berkeley ablaufen. Lautstark und teils gewalttätig wird gegen den neuen Mann im Weißen Haus marschiert, geschimpft und getönt. Schaufensterscheiben werden eingeschmissen, Müllcontainer in Brand gesetzt, Straßen und Autobahnen blockiert, Polizisten mit Steinen und anderen Wurfgeschossen angegriffen. Was das soll, was das hier soll, verstehe ich nicht ganz? Ein Zeichen setzen, Donald Trump verdeutlichen, dass es nun an ihm liegt, Amerika zu einen, ist eine Sache. Er sollte durchaus wissen, dass viele in diesem Land, ja, die Mehrheit in den USA, ihn nicht gewählt hat, ihn nicht unterstützt. Trump hat mit dem Wahlsieg keine Narrenfreiheit erlangt. Doch in jenen Städten und Gemeinden, die sich deutlich gegen Präsident Trump aussprachen, aufgeladen und gewaltbereit zu demonstrieren ist unsinnig und schadet am Ende nur dem demokratischen Prozess.

Plastiktüten, Todesstrafe, Kondome und Limosteuer

Der Präsident ist durch und Kalifornien hat auch noch über anderes abgestimmt. Das Verbot von Plastiktüten bleibt im Sonnenstaat bestehen, Pornodarsteller müssen in ihren Filmen keine Kondome drüberziehen, in vielen Gemeinden wurde eine Limosteuer eingeführt, Zigaretten werden weiter besteuert, der Preis für eine Schachtel wird wohl um zwei Dollar steigen, der Verkauf von Munition wird drastisch verschärft und dann ist da noch die Todesstrafe. Kalifornien setzt politische Rauchzeichen, die auch in Washington gehört werden. Und diese Abstimmungen zeigen, dass Amerika auch mit einem Präsidenten Trump keinen Rechtsruck macht. Nicht die Themen für die Hillary Clinton steht wurden abgelehnt, sondern die Kandidatin. Viele der Stimmen für Trump waren vor allem Stimmen gegen Hillary Clinton.

Erleichterung nach der Wahl im Todestrakt von San Quentin. Foto: S. Robinson.

Erleichterung nach der Wahl im Todestrakt von San Quentin. Foto: S. Robinson.

Ich hatte ja schon in einem früheren Blogeintrag geschrieben, dass viele im Todestrakt von San Quentin gegen die Abschaffung der Todesstrafe und für die Beschleunigung der Verfahren sind, die nun auch zur Abstimmung standen. Und jetzt liegt das Ergebnis vor. Die kalifornischen Wähler haben sich mit 53,9 Prozent gegen eine Abschaffung der Todesstrafe und einer Umwandlung aller Todesurteile in lebenslängliche Haftstrafen ohne Aussicht auf Begnadigung ausgesprochen. Doch die Zahl der „Death Penalty“ Unterstützer sinkt weiter.

In der zweiten Abstimmung, die sich mit der Todesstrafe in Kalifornien befasste, votierten 50,9 Prozent der Wählerinnen und Wähler für eine Beschleunigung der Verfahren. Zwischen der Verurteilung und der Hinrichtung solle nicht mehr so viel Zeit vergehen, damit soll erreicht werden, dass die übervolle Death Row in Kalifornien mit derzeit über 750 Todeskandidaten geleert wird. Es gibt also noch eine Mehrheit in diesem Bundesstaat, die die Höchststrafe unterstützt. Doch diese Wahl zeigt, das Ende der Todesstrafe ist in Sicht.

Todeskandidaten gegen die Abschaffung der Todesstrafe

Am 8. November wird in den USA gewählt. Und hier stimmt man nicht nur für Donald oder Hillary ab, in Kalifornien sollen oder können wir 41 Mal unser Kreuzchen machen, sprich unsere Linie zwischen zwei Punkten ziehen. Es geht neben der Präsidentenwahl auch um Abgeordnete, Senatoren, Mitglieder verschiedener öffentlicher Unternehmen, Stadträte, Richter und dann noch allerhand „Volksentscheide“ auf staatlicher, kommunaler und Bezirksebene.

Vor mir liegt ein umfangreiches Heft, so dick wie DER SPIEGEL in guten Zeiten, zugeschickt von der Wahlbehörde. Darin die Auflistung all dieser Entscheide, das Für und Wider. Als Wähler muß man hier seine Hausaufgaben machen, wobei viele wohl nur ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten abgeben werden. Wer weiß schon, welche Qualitäten ein Richter oder ein Aufsichtsratsmitglied für das lokale UBahn-System, den Park Service oder die Schulbehörde mitbringt.

San Quentin Death Row. Foto: CDC.

San Quentin Death Row. Foto: CDC.

Zwei der Volksentscheide befasssen sich auch mit der Todesstrafe in Kalifornien. „Prop. 62“ sieht die Abschaffung der „Death Penalty“ und die Umwandlung aller Todesurteile in lebenslängliche Haftstrafen ohne Aussicht auf Begnadigung vor. „Prop. 66“ hingegen will eine Beschleunigung der Verfahren durch eine Beschneidung der Einspruchsmöglichkeiten und eine zusätzliche Verpflichtung von Rechtsanwälten erreichen. Beide Initiativen führen an, dass ihr jeweiliger Ansatz massiv Steuergelder einsparen würde.

Interessanterweise werden beide „Propositions“ im Todestrakt selbst abgelehnt. Das zumindest erklärten mir gleich mehrere zum Tode Verurteilte. Klar, „Prop/ 66“, die Beschleunigung des Verfahrens, stößt nicht auf viel Zustimmung auf der „Death Row“. Die Abschaffung der Höchststrafe, „Prop. 62“ kommt allerdings auch nicht gut an, denn mit der Verlegung in andere Gefängnisse und in den allgemeinen Strafvollzug, würden ein paar der Privilegien wegfallen, die die Todeskandidaten in San Quentin derzeit haben.

Ein ganz wichtiger Vorteil sind die Einzelzellen, in denen sie untergebracht sind. Diese sind zwar nur 1,40 Meter x 2,60 Meter groß, allerdings sind im normalen Strafvollzug in San Quentin zwei Häftlinge in solchen Zellen eingepfercht, heißt, wenn einer steht, muß der andere auf seinem Bett sitzen. Wenn einer die Toilette am Kopfende benutzt, geschieht das gleich neben dem Zellengenossen. Hinzu kommt mit einer Verlegung in andere und auch modernere kalifornische Gefängnisse ein Verlust von vielen Sozial-, Kunst- und Freizeitprogrammen. Im ältesten Knast Kaliforniens, direkt im Ballungsraum an der San Francisco Bay gelegen, gibt es mehr als 70 solcher Angebote, die vor allem von Freiwilligen von draußen durchgeführt werden. Darunter eine Uni, Yoga Klassen, Musik-, Kunst-, Bildungs- und Kulturangebote. Darüberhinaus würde mit einer Umwandlung in lebenslängliche Haftstrafen ohne Aussicht auf Begnadigung für einige Todeskandidaten die Tür nach draußen endgültig geschlossen sein. Mit dem Ende der Einspruchmöglichkeiten wäre ihr Lebenslauf abgeschlossen, sie wären vergessen hinter dicken Mauern. Es gibt sie, die Häftlinge, die nach wie vor behaupten, sie seien unschuldig oder hätten nicht mit dem Tod bestraft werden sollen. Einzig die Hoffnung hält sie in San Quentin am Leben, ein Leben auf „Death Row“.

Hände weg vom Handy

In Kalifornien darf man schon lange nicht mehr beim Autofahren telefonieren. Also mit dem Handy in der Hand. Das ist verboten, wie eigentlich fast überall in den USA. Nicht alle halten sich nicht daran, wie man tagtäglich auf den Straßen, den Highways und den Freeways sehen kann. Es wird getextet und telefoniert, als gäbe es kein Morgen. Viele meinen, wenn sie das Telefon laut geschaltet haben und es nur in der Hand und nicht am Ohr halten, sei alles in Ordnung. Falsch.

Ein bekanntes Bild im Rückspiegel. Foto: Reuters.

Ein bekanntes Bild im Rückspiegel. Foto: Reuters.

Damit ist nun Schluß. „Assembly Bill 1785“ sieht vor, dass ab dem 1. Januar 2017 mobile Telefone nicht mehr in der Hand eines Fahrers in Kalifornien gehalten werden dürfen. Weder fürs SMS schreiben, weder fürs Telefonieren und auch nicht, um auf die Navigationsapp zu schauen oder in der Musikauswahl nach passenden Autofahrsongs zu suchen. Nix geht mehr. Was erlaubt sein wird ist, dass das Handy fest in einer Halterung sitzt und man nur mal drücken oder eine Fingerbewegung zum Empfang eines Anrufes tätigen darf. Das wars.

Gouverneur Jerry Brown hat dieses neue Gesetz schon unterzeichnet, damit wird es ab dem 1. Januar geltendes Recht. Bei Zuwiderhandlungen gibt es beim ersten Mal ein 20 Dollar Ticket, danach jedes Mal 50 Dollar. Mit der Verschärfung des Gesetzes soll weiter die Unfallgefahr durch Ablenkung am Steuer reduziert werden. Die Polizei hat damit eine klare Handlungsgrundlage, denn bislang konnten sich Fahrer damit herausreden, dass sie das Telefon nur wegen der Navigation in der Hand hielten. Wichtig ist diese Information auch für Touristen, die meinen, im „Land of the Free“ sei alles nicht so eng gefasst. Auch diese Annahme ist falsch.

Es wird brenzlig in Oakland

Kein Platz für Raucher und Kiffer.

Kein Platz für Raucher und Kiffer.

Es fehlt nur noch die Lunte. Derzeit blasen wieder die Santa Ana Winde über Kalifornien. Der September und Oktober sind gerade hier in der San Francisco Bay Area die heißesten Monate im Jahr. Warme Luftströme aus dem Landesinneren, die wie ein Fön wirken. Da schwitzt man schon, wenn man noch nicht einmal einen Schritt gemacht hat. Kein gutes Wetter für meine stets gut sitzende Frisur, da hilft selbt das Dreiwettertaft nicht.

Dazu kommt, dass die Wälder wieder ausgetrocknet sind, das Unterholz dicht und dröge. Zwar hat es im Norden des Bundesstaates im letzten Winter heftigst geregnet, die Reservoirs und Seen waren gut gefüllt, doch der Regen traf nur Nordkalifornien. Im Süden herrscht gähnende Leere in den Reservoirs und hinter den Staudämmen. Wasserknappheit wird zur Normalität in Südkalifornien.

Es fehlt also nicht viel, um eine weitere Katastrophe zu entfachen. In den Wäldern gleich hinter meinem Haus herrscht deshalb striktes Rauchverbot. Die Feuergefahr ist einfach zu groß, eine weggeworfene Kippe, dazu die Santa Ana Winde, und das war’s für viele Anwohner. In den Sommermonaten fressen sich zwar Schaf- und Ziegenherden durch das Unterholz und das hochgewachsene Trockengras, doch das ist bloß eine kurze Schneise am Beginn des „East Bay Regional Parks“. Betroffen wären auch die gewaltigen Redwood Bäume, die hier gleich in der Nachbarschaft wachsen. Die Feuergefahr nimmt man in den East Bay Hills von Oakland und Berkeley sehr ernst. Genau vor 25 Jahren brannte das sogenannte „Tunnel Fire“ über dem Caldecott Tunnel, der die beiden Städte voneinander trennt. Am Ende waren 2900 Häuser zerstört, 25 Menschen starben, ein Schaden von über einer Milliarde Dollar war entstanden.