Leben in der Bay Area

Wellenmässig breitete sich das Beben aus. Karte USGS.

Gestern Abend war es mal wieder soweit. Ich lag im Bett, schaute mir den Dokumentarfilm „Hail Satan“ an, da ich demnächst über den satanischen Tempel berichten möchte. Und dann um 22:33 fing das Haus an zu wackeln. Bilder kippten um, mein Hund schaute mich etwas verdutzt an.

Was macht man in solchen Situationen? Man wartet ab, was da noch kommt. Das ist wohl nicht die offizielle Richtlinie, aber mal ehrlich, wer springt schon gleich aus dem Bett und rennt unter einen Türrahmen, wenn es gerade mal ein paar Sekunden rappelt. Das Erdbeben war kein starkes, gerade mal 4,5 auf der Richterskala, aber man spürte es deutlich in der gesamten Bay Area.

Das erinnert einen immer mal wieder daran, wo man lebt und was hier passieren kann. Daran denken tut man eigentlich nicht, bis es eben mal wieder rüttelt. Jedesmal sage ich mir, ich muss das „Earthquake Kit“ auffrischen, also Wasser, unverderbliches Essen, Hundefutter, Decken, Taschenlampen, feste Schuhe, frische Kleidung und auch Bargeld so hinterlegen, dass ich dran komme, falls das Haus nicht mehr begehbar ist. Und alles sollte reichen, dass man damit problemlos drei, vier, fünf Tage ohne Hilfe von außen überleben kann. Die jüngsten Katastrophen in den USA, seien es Hurricanes oder Überschwemmungen bestätigen das.

Diese Gedanken sollte man haben, ich glaube aber, dass nur die wenigsten in der San Francisco Bay Area überhaupt an so etwas denken. Wer will schon damit leben, dass von jetzt auf gleich sein gesamtes Haus, sein Besitz, sein Leben ausgelöscht sein könnte. Von daher hofft man einfach, dass der deutliche Rüttler am Abend, eben kein Vorzeichen für „the next big one“ sein wird.

Und die Lichter gehen aus

Fast eine Million Menschen sind von den Stromabschaltungen in Nordkalifornien betroffen. Dabei geht es nicht nur darum, ob das Licht im Kühlschrank ausgeht, auch wichtige medizinische Geräte in Privatwohnungen, Alarmanlagen, Straßenlichter, Ampeln, lokale Läden, Aufladegeräte und so weiter fallen aus. Mein Fitnessclub hat die Türen geschlossen, denn ohne Strom laufen keine der Ausdauermaschinen und im Dunkeln zu Pumpen ist auch kein Spass.

Bis zu fünf Tage sollen die Abschaltungen dauern, denn der Stromversorger PG&E muss Leitungen reparieren und will „Inch by Inch“ die Kabel kontrollieren. Gouverneur Gavin Newsom spricht von einem Skandal, immerhin sind wir im 21. Jahrhundert und das in einer Gegend, die als Zukunftsschmiede, als Zentrum der High Tech Industrie gilt. Der Schaden für die Allgemeinheit wird schon jetzt auf weit über eine Milliarde Dollar geschätzt.

Die Lichter gingen aus im High Tech Country. Foto: AFP.

PG&E sieht sich allerdings im Recht. Prävention heißt das Mantra, man wolle Feuer wie im vergangenen Jahr verhindern, bei dem ganze Ortschaften wie Paradise ausgelöscht wurden, Dutzende Menschen starben, ein Schaden von nahezu 20 Milliarden Dollar entstand. Damals wurde fehlerhaftes Equipment von PG&E als Grund für die massiven Feuer ermittelt. Doch das Problem ist hausgemacht. Der Stromversorger hat es über die Jahre versäumt seine Leitungen zu erneuern, zu sichern und teils unter die Erde zu verlegen. Vielmehr wurden riesige Gewinne an die Aktionäre ausgezahlt, die eigene Infrastruktur litt unter dieser Unternehmenspolitik.

Nun will man retten, was nicht mehr zu retten ist. PG&E hat das Ansehen in der Bevölkerung verloren. Das Geld fehlt nun, um sich aus der Krise herauszuarbeiten. Deshalb geht man radikale Wege, schlägt Schneisen in Wohngebieten, in dem man ganze Baumgruppen fällt, weil ja ein Ast auf eine Leitung fallen könnte. Und man schaltet bei etwas heftigerem Wind den Strom für Hunderttausende von Konsumenten einfach ab. Nach dem Motto, wo kein Strom fließt, ist auch keine Gefahr, zumindest nicht für den Konzern. Brände durch Kerzen sind nicht das Problem von PG&E.

So lebt es sich also in Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat in den USA, dem Wirtschaftsmotor des Landes, eine der für sich größten Wirtschaftsmächte der Welt. Apple, Google, Facebook und all die anderen High Tech Giganten bereiten die Zukunft vor, natürlich mit eigenen Backup Generatoren, auf den Straßen rund um ihre Headquarters allerdings gehen die Lichter aus wie in einem Dritte-Welt-Land. Das ist die bittere Realität in der San Francisco Bay Area im Jahr 2019.

Alle Jahre wieder

Wie jedes Jahr um diese Zeit Anfang Oktober gibt es starke, warme Winde in Nordkalifornien, die 100 Kilometer Windstärke und mehr erreichen können. Dann werden die sogenannten „Red Flag Alerts“ ausgerufen, die höchste Stufe der Feuerwarnung. Parks werden geschlossen, die Feuerwehr ist in Alarmbereitschaft.Denn nach einem heißen kalifornischen Sommer ist alles ausgetrocknet, ein Funken würde genügen, dazu die Winde, die wie ein Fön wirken, und alles stände in Flammen.

Mal eben schnell für ein paar Tage den Strom abschalten.

So wie im Oktober 2017 in Sonoma County, das Tubbs Fire fraß sich durch das Wine Country. Kurz darauf brannte es in Ojai, das Thomas Fire wütete um die Kleinstadt herum und wurde zum größten Feuer in der Geschichte Kaliforniens. Doch nicht für lang, 2018 wurde das folgenreichste und tödlichste Feuerjahr im Golden State. Milliarden Dollar Schäden wurden verbucht. Und immer wieder waren die Stromversorger PG&E und Edison mitverantwortlich. Stromleitungen rissen, Transformer explodierten, die gesamte Infrastruktur der „Utility Companies“ war veraltet. Beide Konzerne wurden mit Klagen überhäuft, PG&E erklärte den Bankrott, um gerichtlich geschützt überhaupt weiterarbeiten zu können.

Und all das hat Folgen. PG&E hat nun angekündigt kurzerhand den Strom für Hunderttausende von Haushalten abzuschalten. Nicht nur für ein paar Stunden, nein, bis zu fünf Tagen solle der Strom abgeschaltet werden, denn PG&E müsse vor einem erneuten Schalterklick jeden Zentimeter der Leitungen kontrollieren. Das grenzt an Schikane. Es kursiert eine interaktive Karte, in der man seine Adresse eingeben kann und dann erfährt, ob man betroffen ist. Und natürlich bin ich betroffen. Auch wenn PG&E kürzlich erst all die Bäume im Umkreis meines Hauses abgeholzt hat, da eigentlich nichts mehr passieren kann, den Stromfuzzis scheint das egal zu sein.

Die Stromversorger sind so ein Fall für sich. Warum, so fragt man sich, werden die Kabel eigentlich nicht unterirdisch verlegt, dann gäbe es das Problem mit der Feuergefahr gar nicht. Die Kosten können es nicht sein, denn die Klagen, die PG&E und auch Edison am Hals haben, sind in ihrer Dimension deutlich höher, als Stromkabel zu verbuddeln. Aber was weiß ich schon. Ich lade mal alles auf, kaufe Batterien, lege mir Kerzen, Taschenlampen und Streichhölzer zurecht, ist ja dann quasi nach Sonnenuntergang wie Campen im eigenen Haus. Ach ja, ich habe auch einen Elektroherd!

Gemeinsam gegen die Gewalt

Die Politik in den USA tut nichts gegen die Gewalt auf den Straßen, gegen Massenschießereien und alljährlich Zehntausende von Toten und Verletzten durch Schusswaffen. Das ist die Lehre aus El Paso und Dayton. Doch damit wollen sich viele in den USA nicht mehr abfinden. Es bilden sich Koalitionen, um gemeinsam gegen die ausufernde Gewalt vorzugehen.

Fast die Hälfte der Gemeinde hat die Folgen von Schusswaffengewalt schon selbst erlebt.

The Way“ in Berkeley ist eine afro-amerikanische Kirche, die sich einmischt. Gerade die beiden Führungspersonen Pastor Mike und sein Bruder Ben McBride, beide in San Francisco und Oakland aufgewachsen, halten sich nicht zurück. Am heutigen Sonntag feierten sie einen Gottesdienst, der schlichtweg mitreißend war. Politisch, fordernd, kompromisslos. Es ging um das Thema Waffengewalt in den „black communities“ der USA. An einem Punkt forderte Pastor Mike all jene in der Gemeinde auf nach vorne zu kommen, die Angehörige, Freunde oder Bekannte durch Gewalt verloren haben. Nahezu die Hälfte der Kirchenbesucher stand danach um ihn herum, einige hatten Fotos von Verstorbenen mitgebracht. Man umarmte sich, man legte seinem Nachbarn die Hand auf die Schulter, man betete gemeinsam für ein Ende des sinnlosen Sterbens.

Die McBrides reden und beten nicht einfach nur, sie organisieren auch im ganzen Land. Pastor Mike ist einer der treibenden Kräfte in einem Verbund aus Hunderten von „black churches“ in den USA. Das Ziel ist, sich zu organisieren und gemeinsam gegen die Gewalt anzugehen. So will man politischen Druck ausüben. Mit etlichen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten hat man bereits gesprochen, auch mit Präsident Donald Trump will man ins Gespräch kommen. Doch am wichtigsten ist es diesen Kirchenvertretern, dass die Mitglieder der etwas anderen, eher unkonventionellen Gemeinde aktiv werden, sich einmischen, ihre Senatoren und Kongressabgeordnete anschreiben und das Wort Jesus Christus‘ „love your enemy“ vorleben. Es liege an jedem von uns selbst, so McBride, die Gewaltspirale zu durchbrechen.

Es sind hoffnungsvolle Worte an diesem Sonntagmorgen auf der University Avenue in Berkeley. Vielleicht etwas naiv, doch sie sind der richtige Ansatz in diesem Land. Die Veränderung beim Waffenbesitz, das Ende der Gewalt durch Schusswaffen muss aus den Kirchen kommen, von den Gläubigen selbst, die den Schutz eines jeden als die eigentliche „Pro Life“ Frage einfordern. Die Kirchen der Schwarzen in den USA machen es vor. Sie haben zu lange der Gewalt in ihren Stadtteilen zusehen müssen, darauf hoffend, dass etwas passiert. Damit ist nun Schluß. Gemeinsam will man den Druck im ganzen Land erhöhen. Es wird höchste Zeit.

Stan neben Ronnie neben Lemmy

Gestern hatte ich viel Zeit in Los Angeles. Ich glaube, das war das erste Mal überhaupt, dass ich in aller Ruhe in dieser Stadt Dinge für mich machte. Zuerst ging es zu Amoeba Records in Hollywood, ein riesiger Plattenladen, in dem man Stunden verbringen kann. Ich hatte ein „Gift certificate“, das eingelöst werden wollte. Gefunden habe ich so einiges zwischen experimenteller Musik, über deutsche Beat/Tanzmucke der 60er und 70er Jahre bis hin zu historischen Sounddokumenten aus dem Jahr 1959 und alten Aufnahmen aus dem Iran. Man kann also nicht sagen, dass ich einen eingeschränkten Musikgeschmack habe.

Von Amoeba ging es Richtung Burbank zu einem Buchladen, der einem Labyrinth glich, aber fündig wurde ich da nicht. Irgendwie hatten sie eine andere Zielgruppe. Und da ich noch ein paar Stunden zum „Totschlagen“ hatte, fuhr ich in Richtung Griffith Park und entdeckte durch Zufall den „Forest Lawn Memorial Park“ in den Hollywood Hills. Und dort ging ich auf Namenssuche, was nicht so leicht ist, denn so richtig organisiert ist man in diesem Schattenreich nicht. Aber ich fand durch Zufall das Grab von Stan Laurel, den Meister der Comedy, und dann nach langer Such noch die der Rock’n Roll Ikonen Ronnie James Dio und Lemmy. Dios Grab ist da schon etwas protziger, der „Man on the silver Mountain“. Viel Platz für den kleinen, gewaltigen Sänger, den ich einmal in San Francsico traf, als Doro Pesch im Vorprogramm von Dio spielte.

Viele kommen mit Campingstühlen auf den Friedhof, geniessen die Ruhe, den Ausblick, die besondere Atmosphäre. Rehe liegen im Schatten der Bäume und Sträucher, es wird auch vor „Mountain Lions“ gewarnt. Für jeden und jede, die Los Angeles besucht, würde ich einen Besuch auf diesem alten Friedhof voller Geschichte und Geschichten empfehlen. Einfach mal mit Zeit über die Rasenflächen spazieren, hier findet man ein etwas anderes Los Angeles, nicht weit vom hektische und lauten Hollywood Boulevard entfernt. Nur gewarnt sollte man sein, Blumen dürfen nicht geklaut werden, denn sonst wird man eingesperrt. Wo, das ist die große Frage auf diesem Friedhof?

 

 

Lieber Gott, lass uns beten

Eigentlich wollte ich nicht über den Amoklauf des 19jährigen Santino William Legan auf dem Knoblauchfest in Gilroy schreiben. Legan tötete drei Menschen und verletzte zum Teil schwer mehr als ein Dutzend Festbesucher. Denn es ist ja mal wieder nur eine von vielen Massenschießereien in den USA. Seit Sonntagabend gab es schon drei weitere in den Vereinigten Staaten, insgesamt wurden in diesem Jahr schon 283 Massenschießereien gezählt.

Doch was erschütternd ist, ist das schnelle Abhaken dieser Tat. Es wird Betroffenheit vorgespielt, ich glaube einigen Politikern durchaus, dass sie gerne etwas machen würden, doch ihnen in diesem Land und in diesem politischen Prozess die Hände gebunden sind. Präsident Donald Trump tweetet, dass er über die Lage in Gilroy unterrichtet wurde und man vorsichtig sein sollte. Dann Tagesordnung, er greift mal wieder afro-amerikanische Kongressabgeordnete an („Nein, ich bin kein Rassist“), bevor er Wahlwerbung für republikanische Kandidaten macht und dabei erklärt, diese setzten sich für das Grundrecht auf Waffenbesitz ein. Gefühlloser, nein, politisch perverser kann es gar nicht mehr kommen.

Stephen Romero, 6, wurde auf dem Garlic Festival in Gilroy tödlich getroffen. Foto: Romero Family.

In den USA grasiert eine Epidemie, die Jahr für Jahr weit über 10.000 Menschenleben fordert: GUNS! Hinzu kommen Zehntausende, die sich mit Schußwaffen umbringen, durch Schußwaffen verletzt werden. Familien im ganzen Land sind davon betroffen und nichts wird unternommen. Gilroy zeigt, dass außer Stoßgebeten und einer gottverdammten Gefühlsduselsei nichts nach solchen Tragödien passiert. Die Waffengewalt in den USA wird nicht gestoppt werden, so lange Politiker unterstützt und gewählt werden, die sich für das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz einsetzen.

Präsident Trump zieht nicht nur mit einer rassistischen Botschaft in den Wahlkampf, er wird auch den Waffenbesitz zum Wahlkampfthema machen. Er weiss, dass alle führenden Demokratinnen und Demokraten im Rennen für eine Verschärfung der Waffengesetze eintreten. Trump malt das Horrorbild für Gun-Owners und lügt ganz offen, dass Demokraten im Weißen Haus die Flinten, Pistolen und Jagdgewehre aller Bürger einkassieren wollen. Das ist einfach falsch und darum geht es auch gar nicht in dieser Diskussion. In Gilroy wurde erneut ein halbautomatisches Gewehr eingesetzt. Man muss sich fragen, warum ein 19jähriger ein AK-47 haben muss, warum so jemand das Recht hat, solch eine Waffe zu erwerben und zu besitzen? Und ja, auch diese Frage muss ganz deutlich gestellt werden, warum das Recht auf eine Waffe für Santino William Legan mehr zählt in den USA als das Recht auf Leben des Sechsjährigen Stephen Romero? Warum?

Die Todesstrafe wird zum Wahlkampfthema

Das musste ja kommen. Während der wohl liberalste Bundesstaat in den USA, Kalifornien, ein Moratorium zur Todesstrafe durchsetzt, das von vielen Seiten als Zeichen für die gesamten Vereinigten Staaten gesehen wird, dass der Wendepunkt für die Höchststrafe im Land schon bald erreicht werden könnte, geht die Trump-Administration einen ganz anderen Weg.

Während in San Quentin vorerst nicht mehr hingerichtet wird, will Donald Trump auf Bundesebene wieder Exekutionen durchführen lassen. Foto: Reuters.

Gleich fünf Hinrichtungen sind zum Jahreswechsel angedacht. Fünf Häftlinge, die zum Tode verurteilt wurden und in Bundesgefängnissen auf ihren Tag X warten. Daniel Lewis Lee, Lezmond Mitchell, Wesley Ira Purkey, Alfred Bourgeois und Dustin Lee Honken sollen Ende 2019, Anfang 2020 hingerichtet werden. Damit setzt Donald Trump ein deutliches Zeichen. Er tritt schon seit langem für die Todesstrafe ein, forderte sogar 1989 in einer eigens geschalteten Zeitungsannonce eine schnelle Hinrichtung von fünf Verdächtigen nach einer Vergewaltigung. Später stellte sich heraus, dass die “Central Park Five” die Tat nicht begangen hatten. Eine Entschuldigung des Milliardärs folgte nicht, auch nicht später, als er zum Präsidenten gewählt wurde.

Und vor kurzem machte Trump Schlagzeilen damit, dass er die Todesstrafe für Drogendealer forderte, um so eine weitere “Waffe” im Kampf gegen den illegalen Drogenhandel zu bekommen. Die Ankündigung des Justizministeriums, nun erneut fünf Inhaftierte hinzurichten muss also auf Trump zurückgehen, denn die Bundesregierung in Washington hat seit 2003 niemanden mehr exekutieren lassen. Es gab ein quasi informelles Moratorium. Trump will also mit der Todesstrafe im Wahljahr 2020 punkten und erhofft sich so seine Gegner als Weicheier zu brandmarken, die nicht an die Opfer denken. Denn er weiss, dass einige der führenden Demokraten im Kandidatenrennen, darunter Bernie Sanders, Kamala Harris und Pete Buttigieg erklärte Todesstrafengegner sind und schon ankündigten, dass sie im Falle eines Wahlsieges die Höchststrafe auf Bundesebene abschaffen würden. Die Todesstrafe soll Donald Trump also als “Law and Order” Präsidenten ohne Gnade zeigen. Klare Worte dieses Präsidenten, dem kein Thema moralisch fragwürdig erscheint, um damit Wahlkampf zu betreiben.

Unglaubliche Stille

Es gibt diese Orte, an denen man einfach bleiben möchte. „Meher Mount“ ist so ein Ort. Über die Sulphur Mountain Road kommt man aus dem Ojai Tal auf diese Anhebung. Die Straße windet sich den Berg hinauf. Hinter jeder Kurve wartet ein neuer Ausblick auf das Valley und den Los Padres National Forrest. Und dann biegt man links in die Einfahrt ein. „Welcome“ steht am Eingang.

Meher Mount ist ein, so heißt es, spiritueller Platz. Einer von vielen in diesem kleinen Tal, das ungewöhnlich von Westen nach Osten reicht. Hierher kam am 2. August 1956 Avatar Meher Baba. Schon in den 40er Jahren suchten seine Anhänger einen Ort, „ein bis zwei Stunden außerhalb einer Großstadt“, so die Vorgabe. Gefunden wurde ein über 200 Hektar großes Gelände, das einzigartig ist. Vor einem der Blick auf den Pazifik mit den Channel Islands, hinter einem erhebt sich Topa Topa, ein Gebirgszug, der bis ans Ojai Valley langt.

Hier oben ist nichts und doch so viel. Ruhe, wirklich absolute Ruhe. Kein Auto ist zu hören, kein Lärm von irgendeinem Laubpuster, kein nerviges Radiogedudel. Nichts. Nur die Vögel zwitschern, manche kreischen, ein paar singen harmonisch. Der Wind streicht durch die Bäume und durch das Gras. Und dann dieser Blick auf dem Meher Mount, direkt vor dem „Baba Tree“, unter dem der Avatar an diesem einen Tag 1956 gesessen hatte. Die Eiche wurde im Thomas Fire im Dezember 2017 fast völlig zerstört und wird nun mit viel Liebe wieder aufgerichtet.

Ein unendlicher Blick. Vor einem das ehemalige Hagman Anwesen, das nun der Scientology „Kirche“ gehört.

Auf einer Bank sitze ich und lasse es einfach wirken. Kalifornien hat einfach wunderbare Orte, wie diesen hier. Das Nachbarhaus ist von hier gut zu sehen und gehörte dem Schauspieler Larry Hagman, bekannt durch seine Rolle des J.R. in Dallas. Vor vielen Jahren war ich einmal dort, traf ihn, sprach mit ihm über seine Arbeit. Er unterstützte viele Projekte in seiner Community Ojai. Das Anwesen wurde nach seinem Tod verkauft. Und die neuen Eigentümer haben eine Festung daraus gemacht. Die Scientology Organisation hat das abgelegene Grundstück erworben und genau hier ein elitäres Behandlungszentrum ihres umstrittenen Narconon Programmes eingerichtet. Bewaffnete Wächter passen auf, dass keiner rein und keiner raus kommt. Doch davon sieht man zum Glück nichts an diesem Ort, nur das Haus, kein freier Blick darauf wird von den Scientologen zugelassen.

Meher Mount ist ein besonderer Ort. Die Ruhe, der Weitblick, die Zeit scheint hier still zu stehen. Irgendwie ist man draussen aus dem, was da weit unter einem passiert und vorbeizieht. Dieser Platz wird Teil einer meiner Geschichten über den spirituellen Ort Ojai, einer kleinen Gemeinde, die viele als ein Zentrum der fließenden Energien, als Vortex sehen, bezeichnen, erfahren. Es ist so eine ganz andere Geschichte, als das, über was ich normalerweise berichte. Aber eine, die sehr nachhallt.

Fast wie die Deutschen!

Ojai, eine Kleinstadt in Südkalifornien. Eine der großen Veranstaltungen im Jahr ist die alljährliche Parade zum Nationalfeiertag, dem 4. Juli. Schon seit Wochen (!) werden dafür von den Ojai Bewohnern Stühle an den Straßenrand gestellt. So markiert man seinen Platz, um möglichst im Schatten und mit bestem Blick der Parade zusehen zu können. Das erinnert schon sehr an deutsche Urlauber, die an Hotel Pools am frühen Morgen ihre Liegen mit den Handtüchern belegen. Hier ist das Problem hingegen, dass Beifahrer kaum noch aus dem Auto kommen, wenn man entlang der Hauptstraße parkt. Happy 4th of July!

Das teure Leben in der San Francisco Bay Area

Es wird immer teurer in der Bay Area. Die drei teuersten Bezirke in den USA liegen genau hier: San Franicsco, Marin und San Mateo. Um sich überhaupt eine einfache Zweizimmerwohnung für 3170 Dollar leisten zu können, müsste man einen Stundenlohn von fast 61 Dollar haben. Damit würde man rund 30 Prozent seines Einkommens für Miete ausgeben und läge dann bei einem Jahreseinkommen von 127,000 Dollar. Damit ist man in der San Francisco Bay Area nicht reich, man kommt damit einfach bis ans Monatsende.

Dem muss man nun den Mindestlohn gegenüber stellen. In Marin County liegt er bei 14,80 Dollar ohne Krankenversicherung. In San Francisco und San Mateo bei 15 Dollar. Wenn man nun bedenkt, dass im Gaststätten- und Service-Bereich gerade mal der Mindestlohn gezahlt wird, dann kann man sich die aktuelle Situation in der Bay Area ausmalen.

Es wird immer teurer am Golden Gate.

Diese Zahlen sind nicht die einzigen, die derzeit aufhorchen lassen. Auch wurde nun festgestellt, dass in San Francisco die höchsten Gehälter weltweit gezahlt werden. Durchschnittlich liegt das Einkommen bei 6526 Dollar, hier leben so viele Millionäre, wie kaum an einem anderen Ort. Das lässt das Durchschnittseinkommen erheblich ansteigen. Gleichzeitig haben sich in Oakland über 4000 Bewerber auf 28 neue Sozialwohnungen beworben. Hier überhaupt eine bezahlbare Wohung zu finden ist ein Glücksgriff. Die Mieten steigen genauso wie die Grundstückspreise. Die Kommunen können sich daher nicht einfach aus der Krise bauen.

Wer Geld hat, wer viel Geld hat, der hat eine riesige Auswahl. Wenn man derzeit in einem Online Wohnungsportal für San Francisco eine Mietwohnung zwischen 1500 – 2000 Dollar sucht, werden einem 50 Apartments genannt. Verändert man nun die Miete auf 5000 und mehr Dollar, werden dem Interessenten gleich 709 Adressen angezeigt. Es gibt also Wohnungen, auch in einer überfüllten Stadt wie San Francisco, aber eben nun für jene, die deutlich mehr als den Mindestlohn und das Durchschnittseinkommen verdienen.