Farmer aller Länder vereinigt Euch

Über meine Webseite radiogoethe.org bekomme ich immer wieder so einige Anfragen. Mir werden dubiose Gäste für die Sendung angeboten, Schlager und Volksmusik Lieder landen im Postfach, Praktikanten und freie Journalisten möchten im Sender „Radio Goethe“ arbeiten, was mir nur zeigt, all jene haben noch nie in das Einstundenprogramm reingehört. Und nun kam auch mal wieder eine Mail von einer „Casting Agentur“.

Vor ein paar Jahren wurde ich schon kontaktiert, ob ich nicht Interesse daran hätte, in einer „Auswanderer Sendung“ mitzumachen. Als sie mir sagten, ein Kamerateam würde dann eine Woche lang quasi rund um die Uhr hier filmen, winkte ich dankend ab. Ich bin nicht gerade ein Morgenmensch und brauche weder nach dem Aufstehen die richtige Ausleuchtung, noch will ich dabei gefilmt werden, wie ich mit meinem Hund morgens um den Block laufe. Ganz zu schweigen davon, dass ich in meinem chaotischen Büro und Musikarchiv meine Ruhe und meine Freiheit als freier Journalist sehr genieße.

Jetzt aber kam zum zweiten Mal diese Anfrage hier: „Wir sind eine TV-Produktionsfirma mit Sitz im Herzen von Berlin und produzieren für einen großen Sender RTL die Sendung „Bauer sucht Frau“. Da es uns ein Anliegen ist, nicht nur den Bauern in Deutschland bei der Suche nach der Partnerin fürs Leben zu helfen, sondern auch deutschsprachigen Bauern aus dem Ausland – hier meine Frage: Haben Sie Kontakt zu alleinstehenden, deutschsprachigen Landwirten?“

Schon nach der ersten Kontaktaufnahme vor ein paar Monaten schrieb ich zurück, dass ich hier in Oakland keine Farmer kennen würde und mir im Wine Country bislang noch kein deutschsprechender Junggesellen-Winzer in die Quere kam. Damals, wie auch jetzt, verwies ich die Dame von der TV-Produktionsfirma auf den Mittleren Westen, nach Wisconsin, Iowa, Illinois. Die Chancen wären dort wohl deutlich besser, einen deutschsprechenden Bauern zu finden, denn das ist Farm Country und gerade dorthin zog es viele deutsche Immigranten. Und, dort werden die deutsche Sprache und deutsche Traditionen noch gepflegt.

In ihrer Mail verweist die Firma auch darauf, dass sie schon Partnerinnen für Farmer in Namibia und Kanada gefunden haben: „Bei unserem Teilnehmer Gerald aus Namibia hat es auch geklappt, er hat seine Anna, die er durch uns kennengelernt hat, dieses Jahr geheiratet. Auch bei Andreas aus Kanada und Jörn, der ebenfalls in Namibia lebt, sieht es momentan nach großer Liebe aus.“ Das freut mich natürlich sehr, dass das Konzept „Bauer sucht Frau“ auch international „gut“ ankommt….gesehen habe ich die Show leider noch nie, ich glaube, ich werde auch weiterhin passen. Aber gerne gebe ich hier für interessierte deutschsprachige Farmer, Bauern und Landwirte in den USA die Email Adresse der Produktionsfirma weiter – casting@bauer-sucht-frau.deund wünsche viel Glück.

Darauf ein Bier

Am 27. November ist „Giving Tuesday“. Und in diesem Jahr ist in Kalifornien klar, wohin die vielen Spenden gehen sollen. Die gewaltigen Brände im Bundesstaat haben Tausende von Menschen obdachlos gemacht, Geschäfte zerstört, Existenzen zunichte gemacht. 84 Menschen starben, 475 werden noch vermisst.

Sierra Nevada ist eine der ältesten und erfolgreichsten „Craft Breweries“ in den USA mit Sitz in Chico, unweit von Paradise. Auch wenn die Brauerei nicht selbst vom Camp Fire betroffen war, etliche der Mitarbeiter waren es. Ein Spendenkonto mit einem Startkapital über 100.000 Dollar wurde eingerichtet. Und nun hat sich die Brauerei noch etwas besonderes einfallen lassen. Am kommende Dienstag wird das „Resilience Butte County Proud IPA“ gebraut, 100 Prozent des Erlöses kommt auf das Spendenkonto für die Betroffenen des Feuers. Doch nicht nur das, die Grossman Braufamilie hat andere „Micro-“ und „Craft-Breweries“ dazu aufgerufen, an diesem Tag ihr eigenes „Resilience IPA“ zu brauen und ebenfalls den gesamten Erlös zu spenden. Hunderte von Brauereien im ganzen Land, darunter auch Fort Point in San Francisco, machen mit. Die Brauer von Fort Point schreiben dazu auf ihrer Seite: „If you see this beer around town, made by any brewery, know it was made with heart and symbolizes support and love from the local Bay Area craft beer community.“ Also, trinken für einen guten Zweck oder vielleicht einen Sixpack mit gutem Gewissen zu Weihnachten verschenken.

Ja, ja so blau, blau, blau ist Cali-for-nia

Kalifornien hat 53 Kongressabgeordnete. Es gab schon immer eine demokratische Mehrheit, vor der Wahl hatten die Republikaner 14 dieser Sitze. Ab Januar sind es nur noch acht. Kalifornien hat am Wahltag einen blauen Tsunami erlebt, so beschreiben es politische Beobachter, denn sogar ganz Orange County, eigentlich ein konservatives Bollwerk an der „left coast“, fiel an die Demokraten.

Kamala Harris, kalifornische Sentatorin, gilt als Hoffnungsträgerin ihrer Partei. Foto: Reuters.

Das Wahlergebnis zeigt, dass Kalifornien anders tickt, als der Rest des Landes. Die Stimmen einer Abspaltung werden wieder lauter, die fordern, der „Golden State“ sollte seine eigenen Wege gehen. Politisch, Wirtschaftlich und auch kulturell. Theoretisch möglich wäre es, dass Kalifornien alleine bestehen könnte, aber realistisch ist diese Forderung nicht. Die USA werden ihren Motor nicht so einfach in die Unabhängigkeit entlassen, auch wenn es immer wieder Mißtöne und Unstimmigkeiten zwischen Kalifornien und dem Rest der Union gibt.

Es wird spannend, wie sich die erstarkte Gruppe von kalifornischen Demokraten in Washington positionieren, wie sich das Verhältnis von Gouverneur Gavin Newsom, einem erklärten Trump-Gegner, mit dem Präsidenten entwickeln, wie sich die mögliche Präsidentschaftskandidatin, die kalifornische Sentatorin Kamala Harris, präsentieren wird. Zumindest steht fest, an Kalifornien kommt man in den USA erst einmal nicht vorbei.

Da kann Donald Trump noch so viel auf Gavin Newsom, Dianne Feinstein, Kamala Harris, Nancy Pelosi, Adam Schiff, Maxine Waters und all die anderen schimpfen, da können die Konservativen im Kongress und in den Talk-Shows noch so viel die „San Francisco Values“ runtermachen, „California“ meldet sich nach dieser Wahl fast geeint und damit gestärkt zurück. Hier ist eine klare Front gegen Donald Trump, seine Politik und seine Art des Regierens aufgebaut worden. Es wurde dafür auch höchste Zeit.

Kalifornien kann von Småland lernen

Donald Trump hat immer eine Antwort parat. Und nicht nur das, er weiß auch alles besser, kennt sich in allem hervorragend aus. Immerhin ist er ein Geschäftlemacher, ein „Dealmaker“, ein Experte für alles. Ist auch klar, denn er verkauft ja seit Jahrzehnten das Bild vom „selfmade“ Milliardär, der nun eben auch Präsident geworden ist. Unterschlägt dabei gerne das Startvermögen, mit dem er ins Leben geschickt wurde, die vielen Konkursmassen, die er hinterlassen hat, die verbrannte Erde, die an seinen Sohlen klebt.

Die Titelseite sagt alles aus….“Make America Rake Again“, Harken für Amerika.

Egal, Trump ist in diesen Tagen der Waldspezialist, gibt schon mal den Feuerwehrleuten und eigentlichen Experten der Forstwirtschaft gute Hinweise, wie sie in Zukunft das Problem Waldbrand angehen sollten. Also, Gummistiefel an, Rechen in die Hand und los. Die Blätter auf dem Waldboden müssen weg, das bisschen Unterholz auch, klinisch sauber soll es sein, so der erklärte „Germaphobe in Chief“. Trump weiß es, verweist auf Schweden, daran sollte sich Kalifornien ein Beispiel nehmen, denn die haben ja auch nicht ständig so dolle und so teure Waldbrände.

Hätten denn die an Intensität und Häufigkeit zugenommenen Feuer nicht auch was mit dem Klimawandel zu tun? Immerhin verwiesen ja studierte Klimaexperten auch darauf als Grund für die Brände. „No, no“, antwortete der Präsident da nur auf die Frage eines Journalisten. Alles sei mit einem sauberen Wald zu lösen, danach würde es keine Waldbrände mehr geben, denn am Boden wäre dann ja nichts mehr, was brennen könnte. Ist klar! Von Trump hätte ich eigentlich auch nichts anderes erwartet als so eine Kaspar-Erklärung. Das Dumme ist nur, dass seine bereitwillige Anhängerschaft diesen Hokus-Pokus auch noch glaubt. In Trumpschen Huldigungskreisen heisst es schon, warum sollen wir in Alabama, Texas und Tennessee denn dafür bezahlen, wenn die Kalifornier zu blöd, zu unwillig oder zu ignorant sind, zu erkennen, dass die Lösung des Waldbrandproblems ganz einfach mit einem Rechen gelöst werden kann, nach dem Motto, wir harken uns die schöne Welt, widi-widi wie sie mir gefällt.

Es war schon ein Bild für sich, als Donald Trump da vor verkohlter Erde neben Gouverneur Jerry Brown und Governor-Elect Gavin Newsom stand. Beides erklärte Trump-Gegner und -Kritiker, die sich bei den Worten des El Presidente sicherlich auf die Zunge beißen mussten, um nicht lauthals loszubrüllen, was für eine Hohlbirne da gerade in die Mikrofone, Kameras und Schreibblöcke der Journalisten quasselt. Fazit, Trump weiß alles besser. Wiedermal! Die Folgen sind absehbar.

Dicke Luft in Kalifornien

Kein klarer Blick am Golden Gate.

Seit Tagen schon bin ich tagsüber nahezu alleine mit meinem Hund auf den Waldwegen unterwegs. Und wenn ich jemanden sehe, tragen sie Atemmasken, um sich vor dem Rauch zu schützen, der vom „Camp Fire“, mehr als 200 Kilometer entfernt, in die Bay Area weht. Der „Smoke“ ist giftig, es sind nicht nur Wälder abgebrannt, die ganze Kommune Paradise ist durch die Flammen dem Boden gleichgemacht worden. Man kann sich vorstellen, was dort alles verbrannt ist. Vom Auto bis zum Kühlschrank, von Farben bis zu Elektroartikeln. Und man will gar nicht daran denken, dass in dem gewaltigen Feuer Menschen und Tiere gestorben und verendet sind.

Kalifornien brennt erneut und schon wieder. Früher gab es hier eine Feuersaison zwischen September und Dezember. Die ist nun alljährlich und überall. Jeder, der hier mit Bäumen um sich herum lebt, etwas am Stadtrand oder in der Natur, kann davon betroffen sein. Die Anzahl der Feuer nimmt zu, die Intensität auch.

Eigentlich jeder ernstzunehmende Wissenschaftler erklärt, dass all das mit dem Klimawandel zusammenhängt. Es wird heißer, der Regen bleibt aus, das Unterholz trocknet mehr aus, die Winde nehmen an Stärke zu. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen raus aus den Städten ziehen, die viel zu teuer geworden sind und gleichzeitig die Feuerwehren die präventive und dann feuerbekämpfende Arbeit gar nicht mehr leisten können. Einen Masterplan, wie man all dem begegnen soll existiert nicht. Weder in Sacramento noch in Washington.

Kalifornien kommt in diesen Tagen an seine Grenzen. Allein im vergangenen Jahr gab es sechs massive Brände, die in der Häufigkeit und der Stärke zuvor nie beobachtet wurden. Jedesmal war es das größte Feuer,  um kurz danach schon übertroffen zu werden. Ich selbst lebe seit 20 Jahren in einer Feuerzone, daher weiß ich, dass die „Red Flag Alerts“, die höchste Warnstufe mehr und mehr ausgerufen wird. Was das bedeutet ist klar, man hat für sich die Frage geklärt, was im Falle eines Feuers schnell eingepackt werden muss und welche Fluchtwege es aus dem Canyon raus gibt. Und, der Hund muss mit! Klar, ist man an das Leben mit der Katastrophengefahr in Kalifornien gewöhnt, immerhin lebe ich nur einen guten Kilometer Luftlinie von der sehr aktiven Hayward Spalte entfernt. Jedesmal auf dem Weg zum Einkaufen fahre ich direkt auf der Spalte entlang.

Kalifornien brennt und Trump poltert

      Waldbrände in Kalifornien

Kalifornien brennt erneut. Foto: Reuters.

Es brennt erneut in Kalifornien. Im Norden das Camp Feuer, rund 175 Kilometer von San Francisco entfernt, im Süden das “Woolsey Fire” in den Hügeln um Malibu und dazu noch das Hill Fire in Zentralkalifornien. Nach den verheerenden Bränden vor einem Jahr um Santa Barbara, im Weinanbaugebiet von Sonoma und im Sommer dieses Jahres in Nordkalifornien breiten sich erneut mehrere gewaltige Feuer aus.

Tausende von Häusern wurden bereits zerstört, 30 Menschen starben in den Flammen, die Kleinstadt Paradise in Nordkalifornien wurde total zerstört. Und die Winde fachen die Feuer weiter an. Über weiten Teilen des Bundesstaates hängt eine dicke Rauchglocke, die das Atmen schwer macht. Und diesmal mischt sich Präsident Donald Trump ein und tweetete: „Es gibt keinen Grund für diese massiven, tödlichen und teuren Feuer in Kalifornien außer dem schlechten Forstmanagement”. Damit griff er in einer Katastrophe die Menschen, Feuerwehren und Brandexperten in Kalifornien an, noch bevor er überhaupt ein Wort des Mitgefühls äußerte.

Und Trump, so Waldexperten in Kalifornien, habe keine Ahnung von dem, was er sagt. LeRoy Westerling, ein Klima- und Brandexperte an der Universität in Merced erklärte, dass Trump mit seinen uninformierten Worten eine Krise politisiert. Denn zum einen sind mehr als 50 Prozent der Wälder in Kalifornien im Bundesbesitz, also unter der direkten Kontrolle der Trump-Administration. Zum anderen brennt bei diesen Feuern nach Jahren der Dürre vor allem ausgetrocknetes Unterholz und keine ganzen Wälder. Hinzu kommt, dass Trump auf diesem Weg scheinbar versucht, die ihn unterstützende Holzindustrie in Position zu bringen. Große Waldflächen, das hat der Präsident schon mehrmals gefordert, sollten für die Abholzung freigegeben werden.

Feuer gab es in Kalifornien schon immer, hier redete man von einer “Feuer Saison” im Herbst, nach einem heissen Sommer. Doch davon ist nichts mehr zu spüren. Nun besteht eine Gefahr das ganze Jahr über. Für Klimaexperten sind die gewaltigen Waldbrände in Kalifornien auch ein deutliches Zeichen für den Klimawandel.
Kalifornien muss sich darauf mit neuen Bau- und Sicherheitsvorschriften im gesamten Bundesstaat einstellen. Riesige Brände sind hier im Golden State zur Normalität geworden.

Kalifornien vor der Wahl

Gavin Newsom hat gute Chancen der nächste Gouverneur von Kalifornien zu sein. Foto: Reuters.

Morgen finden in den USA die Midterm-Wahlen statt. Die Wahlbeteiligung dürfte hoch sein. Das zeigt sich schon in etlichen Bundesstaaten, darunter auch Kalifornien, wo sich beinahe 20 Millionen Menschen für die Wahlen registriert haben. Für den bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA ist das ein neuer Rekord. Dazu ein Interview:

-Was sind die Gründe für die starke Mobilisierung bei den Midterm-Wahlen?

Da ist sicherlich Donald Trump zu erwähnen. Er will die republikanische Mehrheit im Kongress halten, um so weiter seine Politik durchsetzen zu können. Denn viele Gesetze und Vorlagen können nur mit einer Mehrheit im Abgeordnetenhaus und dem Senat verändert oder ganz neu geschrieben werden. Von daher mobilisiert er seine Basis, und erklärt auch, dass er zwar nicht direkt zur Wahl steht, aber zur Wahl steht seine “Make America Great Again” Politik.

Die Demokraten versuchen es genau andersrum und sagen, Donald Trump kann nur gestoppt werden, wenn wir die Mehrheiten im Kongress haben und so den Präsidenten besser kontrollieren, ihn ausbremsen und Schlimmeres verhindern können.

Also, Donald Trump steht im Mittelpunkt dieser Wahl, obwohl er nicht auf dem Wahlzettel steht. Fakt ist, beide Lager haben bislang so viele Wähler mobilisieren können, wie noch nie zuvor, das zeigen die Zahlen von Briefwählern und Rückmeldungen aus Wahllokalen, die bereits geöffnet haben.

– Was sind denn die Themen, die den Kalifornierinnen und Kaliforniern unter den Nägeln brennen?

Ganz klar Immigration und Umwelt und dann auch die Allzeitthemen Gesundheit und Wohnen, also eine bezahlbare Krankenversicherung und bezahlbarer Wohnraum. Immigration natürlich, denn Latinos machen die größte ethnische Gruppe in Kalifornien aus. Etwa 40 Prozent hier sind Latinos. In Los Angeles sind es schon über die Hälfte. Man darf auch nicht vergessen, dass von den 700.000 sogenannten Dreamers, also die Kinder von illegalen Einwanderern, die als Kinder in die USA kamen und hier aufwuchsen, etwa 200.000 in Kalifornien leben.
Kalifornien war auch immer ein Vorreiter in der Umweltpolitik, das wird gerade von der Trump Administration torpediert. Hier versucht man nun dagegen zu steuern, das eben mit kalifornischen Gesetzen, z.B. beim Schadstoffausstoss von Autos.
Und jeder Tourist kennt die Bilder der Obdachlosen in den Ballungsräumen San Francisco und Los Angeles. Wenn man bedenkt, dass man in San Francisco rund 3500 Dollar für eine Einzimmerwohnung zahlen muss, wenn man überhaupt eine findet, dann kann man sich vorstellen, dass Wohnen hier ein großes Problem ist. Das ist auch ein zentrales Thema im Wahlkampf gewesen.

– Kalifornien gilt als Hochburg der Demokraten. Werden die Demokraten noch zulegen können?

Das hoffen sie. Die Republikaner haben 14 der 53 kalifornischen Kongresssitze, davon sind sieben hart umkämpft. Also, es gibt gute Chancen, dass die Demokraten hier punkten können. Das liegt auch daran, dass Donald Trump und seine Politik nicht gerade gut in Kalifornien ankommen. Auch Trumps ständige Verbalspitzen und Lügen in Richtung Kalifornien haben hier viele gegen ihn aufgebracht. Obwohl hier einige Republikaner wirklich um ihren Sitz kämpfen, haben sie nicht um Hilfe aus dem Weißen Haus gebeten. Das sagt schon alles.

– Ein Republikaner, der ums politische Überleben kämpft, ist der Abgeordnete Duncan Hunter. Warum ist seine Wiederwahl gefährdet?

Duncan Hunters Vater war schon im Kongress, der Sohn ist nun seit zehn Jahren Abgeordneter und das im selben Distrikt der tief rot, also republikanisch ist. Und Hunter gilt als Erzkonservativer und Trump Freund. Doch Hunter hat wohl 250.000 Dollar an Spenden veruntreut, da gibt es eine Klage. So soll er und seine Frau mit Spendengeldern nach Italien gereist sein, für einen Hasen ein Flugticket gezahlt und Shopping Trips unternommen haben. Sein demokratischer Kontrahent ist Ammar Campa-Najjar, ein mexikanisch-palästinensischer Amerikaner, der in San Diego geboren wurde und Christ ist. Doch Duncan Hunter fährt eine Angst-Kampagne gegen ihn und unterstellt Najjar, dass er ein Islamist sei. In den jüngsten Umfragen liegt Hunter knapp vorne, es bleibt also bis zuletzt spannend.

– Neben den Kongress- und Senatswahlen wird in Kalifornien auch ein Gouverneur gewählt. Könnte hier ein Republikaner das Rennen machen?

Eigentlich müsste es eine klare Sache sein. Gavin Newsom, der Demokrat im Rennen, liegt in den Umfragen weit vorne. Sein Kontrahent, der Republikaner John Cox, will jedoch am Wahltag die Überraschung schaffen und gibt nicht auf. Er wird auch immer wieder von Donald Trump auf Twitter erwähnt. Newsom ist gewarnt, er lässt nicht locker und ist weiterhin bis zum Schluss auf Wahlkampftour, mit einem Bus fährt er kreuz und quer durch den Bundesstaat. Newsom ist ein deutlicher Trump Kritiker, der schon oft genug bewiesen hat, dass er sich auch gegen die eigene Partei stellt, wenn es sein muss. So hat er 2004 quasi im Alleingang als Bürgermeister von San Francisco die gleichgeschlechtlichen Ehen in San Francisco erlaubt, was ihm von vielen Demokraten als Steilvorlage für die George W. Bush Wiederwahl ausgelegt wurde. Aber Newsom blieb in der Politik und es sieht danach aus, dass er der nächste Gouverneur von Kalifornien wird.

Der Wahlirrsinn

Der Tisch ist reich gefüllt an Entscheidungen.

Am Dienstag wählt Amerika. Es wird nicht nur der Kongress neu bestimmt und damit darüber entschieden, ob Präsident Donald Trump in den kommenden zwei Jahren problemlos so weiter regieren kann, wie bislang. Es geht auch um Gouverneursposten, um die bundesstaatlichen Parlamente, Bürgermeister, Stadträte, Vertreter in öffentlichen Gremien, Richter, Sheriffs, Staatsanwälte und dann noch unzählige von Volksentscheiden auf der staatlichen, Bezirks- und Lokalebene.

Hier vor mir liegt ein 96 Seiten dickes Heft, in dem alle Kandidaten vorgestellt und alle „Proposals“ mit Pro und Contra dargelegt werden. Wer hier richtig wählen will, muss seine Hausaufgaben machen. Seit Monaten schon, werden wir mit Informationen zugedeckt und zugemüllt, auf denen stets lächelnde in der Sonne stehende Kandidatinnen und Kandidaten stehen oder mir Horrorszenarien vorgegaukelt werden. Der Briefkasten quillt tagtäglich über mit Flugblättern. Es vergeht kein Tag, an dem nicht mindestens fünf Anrufe zu bestimmten Entscheiden kommen und ich mehrere Anrufe auf meinen Anrufbeantworter finde. Im Fernsehen und Radio laufen Werbespots für Kandidaten und verschiedene „Ballot“-Themen. Der Wahlkampf ist ein regelmäßiges Multimillionendollargeschäft.

Es erfordert wirklich viel Zeit, um sich durch die Themen zu arbeiten, denn da geht es um ambulate Dialyse, Grundstückssteuern, Finanzierung von Kinderkrankenhäusern über weitere Schulden, Wasserprojekte, Wohnprojekte für Hilfsbedürftige, Arbeitszeiten für Krankenwagenfahrer, Tierschutz in der Landwirtschaft und auch die Frage, ob und wie die Sommerzeit hier am Pazifik gehandhabt werden soll. Ich frage mich, wer das wirklich macht. Und es geht bei meiner Stimmabgabe nicht nur um Sachthemen in Kalifornien, im Bezirk Alameda und in der Stadt Oakland, ich soll auch über Richter entscheiden, über Mitglieder der Schulaufsichtsbehörde, bei staatlichen Verkehrsbetrieben und so weiter und so fort. Ich kenne die Leute nicht, für was sie eintreten, ich weiss noch nicht einmal, was genau sie da machen oder machen sollten. Das ist der Irrsinn der amerikanischen Demokratie, dass hier über viel zu viel abgestimmt wird und man dabei viel zu leicht den Überblick verliert. Mein Wahlzettel sind vier beidseitig bedruckte Wahlzettel. Darauf muss ich Linien ziehen, also wählen sollte man auch noch im nüchternen Zustand.

 

 

Ein „deutsches“ Auto am Golden Gate

San Francisco war schon immer ein Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges, lebte die Stadt in den 1920er Jahren wieder auf. Das Erdbeben von 1906 hatte die „City by the Bay“ fast vollständig zerstört, doch die Menschen hier hatten ihren Pioniergeist bewahrt, bauten alles neu auf. San Francisco boomte und blühte in den Nachkriegsjahren. Und es gab auch damals schon Entrepreneurs, die mit eigenen Ideen überzeugten. Einer von ihnen war Paul Kleiber, ein Schmied, der 1889 als 25jähriger Deutschland verließ und über New York und Chicago Anfang der 1890er Jahre ans Golden Gate kam. Hier arbeitete er in seinem Handwerk, machte sich einen Namen, sparte und eröffnete schon bald seine eigene Werkstatt. Kleiber spezialisierte sich auf Pferdewagen und begann diese im eigenen Design zu produzieren. Nicht nur das, Kleiber verkaufte, reparierte und finanzierte die Wagen auch direkt. So hatte er einen unmittelbaren Zugang zu seinen Kunden.

San Francisco feierte am 17. April 1906 den Auftritt von Enrico Caruso. Nur wenige Stunden später, um 5 Uhr morgens des 18. April bebte die Erde, das alte San Francisco versank in Schutt und Asche. Paul Kleibers “Shop” blieb nahezu vollständig erhalten. Und der Deutsche verlieh seine Kutschen und Karren bereitwillig aus, damit die Menschen von San Francisco ihr letztes Hab und Gut in Sicherheit bringen konnten. Es dauerte Monate bis alle Wagen wieder in Kleibers Halle zurück waren, doch der Schmied verlangte keinen einzigen Cent von niemandem, der mit seinen Wagen unterwegs war. Das brachte ihm in der gebeutelten Bevölkerung von San Francisco den Namen “The honest Blacksmith” ein, der ehrliche Schmied.

Als die Automobilindustrie am Anfang ihrer Entwicklun stand, erkannte Kleiber die Zeichen der Zeit. 1912 verkaufte er seine Kutschenfabrik und gründete die “Kleiber Motor Company” mit Sitz 1424 Folsom Street in San Francisco. Er heuerte deutsche Handwerker an, die alles per Hand an seinem ersten Lieferwagen bauten. Der erste “Truck” wurde an die “Milwaukee Brewing Company” verkauft, die auch in San Francisco ihr Bier verkaufte. Kleiber spezialisierte sich auf Lastwagen, belieferte die verschiedenen Ölfirmen in Kalifornien, Coca Cola und auch die Feuerwehren. Ein Eintonner wurde für 2400 Dollar, ein Fünftonner für 5100 Dollar verkauft.

1923 war Kleiber Motor Company, die größte Automobilproduktionsstätte westlich des Mississippi. Die Nachfrage war groß nach den solide gebauten und handgefertigten Kleiber Trucks. 1924 entschied der “honest Blacksmith” den Kleinwagenmarkt in den USA aufzumischen. Auch hier setzte der Deutsche auf Handarbeit und einen Rahmen, der eigentlich für Lastwagen bestimmt war. Damit kann man die Kleiber PKW als die ersten SUVs bezeichnen. Das Ende kam mit der Automatisierung der “Car Industry”. Paul Kleiber weigerte sich seine Wagen am Fließband bauen zu lassen. Während ein Auto von Ford 500 Dollar kostete, lag der Preis für einen Kleiber bei 2100 Dollar. 1929 liess daher Paul Kleiber seinen letzten Wagen produzieren. Insgesamt wurden 815 Autos und Lastwagen von Kleiber in San Francisco produziert, die heute vielgesuchte Sammlerstücke sind.

It’s great to be alive in Colma

An Colma fährt man vorbei, wenn man von San Francisco kommend über den 280er zum internationalen Flughafen muss. Von der Autobahn kann man etwas davon sehen, für was Colma bekannt ist: Friedhöfe. Doch dieser Blick zeigt nicht das Ausmass dieser riesigen Totenstadt mit ihrem eigenen Charme, in der Gottesacker wie Parks wirken, in denen gejoggt, Hunde ausgeführt und sogar Filme für die ganze Familie gezeigt werden.

Rae Gonzalez ist die Bürgermeisterin von Colma, südlich von San Francisco gelegen, etwa 5 Quadratkilometer groß, in der gerade mal 1500 Menschen leben. Über Tage. Colma ist nämlich die Friedhofsstadt von San Francisco. 1,5 Millionen Tote sind hier begraben. Gonzalez wuchs hier auf, spielte auf den Friedhofsfeldern mit Freunden Football und Baseball. Das war ganz normal für sie und all die anderen, die hier leben. „Aber über die Jahre, als Häuser zum Verkauf standen, wollten bestimmte ethnische Gruppen nicht hierher ziehen, sie meinten, das sei kein gutes Feng Shui und bringe nur Unglück. Ich sehe es hingegen als ein offenes Feld. Meine Nachbarn sind leise und ich habe Glück, denn ich kann auch auf der anderen Straßenseite parken, ich muss mir das nicht mit den Nachbarn dort teilen.“

Im Angesicht des Todes hat man hier seinen Sinn für Humor nicht verloren. Der offizielle Slogan der “Stadt der Seelen”, wie Colma auch genannt wird, ist “It’s great to be alive in Colma”. T-Shirts und Aufkleber damit werden im städtischen Museum verkauft. Bürgermeisterin Rae Gonzalez lacht und setzt noch einen drauf, in dem sie lachen sagt: “Everybody is dying to get in”.

17 Friedhöfe gibt es in Colma, darunter vier konfessionslose, vier jüdische, zwei chinesische, einen japanischen, einen griechischen, einen serbischen, einen katholischen, einen italienischen, einen nicht mehr aktiven Armenfriedhof und einen Friedhof für Haustiere. Colma wurde aufgrund der weltlichen Vielfalt auch einmal als “United Nations of Cemeteries” beschrieben, denn im Totenreich kommen sie alle wieder zusammen.

Richard Rocchetta arbeitet im historischen Museum von Colma. Er wuchs am Rande von Colma auf und kennt die Geschichte der Kleinstadt. „Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in San Francisco eine Bewegung, alle Friedhöfe auszulagern, damit man die beschränkte Landfläche gerade im Westen der Stadt für Häuser und Geschäfte nutzen könnte. Das dauerte allerdings etliche Jahre, um die Friedhöfe aufzulösen. Es gab Gerichtsverfahren und mehrere Wahlen. Am Ende der 1930er Jahre wurden sie schließlich alle aufgelöst. Damals gab es noch vier große Friedhöfe in San Francisco, zwei wurden schon in den 1920ern umgebettet, aber erst Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre kamen die letzten beiden großen Friedhöfe und ihre Leichen nach Colma.“

Damit war auch das Ende der Farmgemeinde Colma besiegelt. 1894 wurden hier noch rund zwei Millionen Tonnen Kraut geerntet und nach San Francisco, in den Mittleren Westen und bis nach Chicago gebracht. In Colma gab es damals sogar eine deutsche Sauerkrautfabrik, die die zahlreichen deutschen Immigranten in der Region versorgte. Auch Massengräber sind hier zu finden, denn als die Stadtführung in San Francisco 1914 beschloss, die ersten städtischen Friedhöfe aufzulösen, „erbte“ die kleine Gemeinde Hunderttausende von Leichen. Viele der Hinterbliebenen konnten damals die 10 Dollar Überführungsgebühr von San Francisco nach Colma nicht bezahlen. Die sterblichen Überreste wurden deshalb einfach in Massengräbern auf dem Armenfriedhof bestattet.

Colma ist eine friedliche Gemeinde. Probleme scheint es hier kaum zu geben. Darauf angesprochen meint Bürgermeisterin Gonzalez, Parken sei das Hauptproblem, denn Besucher wüssten oft nicht, dass man eine Parkerlaubnis haben müsse. Mit 17 Friedhöfen und eineinhalb Millionen Toten, ist denn der Tod hier ein gutes Geschäft für die Kommune? Mayor Rae Gonzalez lacht und meint, „nein, leider nicht für uns. Der Bezirk bekommt alles. Das wurde schon vor vielen Jahren beschlossen, ich weiss nicht, wie es dazu kam, dass das so ist, denn wir beherbergen ja die Ruhenden. Aber das Geschäft ist gut für die Grabstein Händler, die Floristen. Es ist ja andauernd, jeden Tag. Sie sind beschäftigt, sollte ich wohl besser sagen.“