Nebel des Grauens

Diese Geschichte klingt wie ein Kapitel aus dem Buch der großen Verschwörungstheorien. Sie hätte einen guten Platz neben den versteckten Außerirdischen in der Area 51 in Nevada, der Mondlandung, die es nie gab, den wahren Hintermännern des Attentats auf John F. Kennedy, dem Abtauchen und Weiterleben von Elvis Presley, der Zerstörung des World Trade Centers durch die US Regierung oder eines internationalen jüdischen Geheimbundes.

Foto: AFP

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Doch diese Geschichte hat sich wirklich so ereignet. Im September 1950 ankerte ein Minensuchboot der US Navy rund dreieinhalb Kilometer vor der Küste San Franciscos. Tagtäglich wartete man auf die Nebelbank, die am frühen Nachmittag vom offenen Meer her kommend auf das Golden Gate zog. Sechs Tage lang versprühten dann Angehörige des amerikanischen Militärs die als harmlos geltenden Bakterien Serratia und den Bazillus Globigii aus riesigen Löschrohren in den dichten Nebel. Getestet werden sollte, ob der Nebel für einen biologischen Angriff genutzt werden könnte. Die Bakterien breiteten sich mit dem San Francisco Fog über die gesamte Bay Area aus.

Die Navy hatte zuvor 43 Messstellen in Albany, Berkeley, Daly City, Colma, Oakland, San Leandro, San Francisco und Sausalito eingerichtet und war vom Erfolg begeistert. Das Ergebnis, die Bakterien breiteten sich problemlos im nassen Dunst aus. Der Septembernebel trug die Bakterien mit sich, die nichtsahnenden Bewohner der Gegend atmeten diesen, angeblich harmlosen, Zusatz ein. Es war der erste, doch nicht der letzte Test dieser Art. Weitere Sprühaktionen wurden in der New Yorker U-Bahn, dem Pennsylvania Turnpike und im National Airport von Washington durchgeführt.

Doch die amerikanische Regierung verstieß mit diesen Tests gegen die Richtlinien des Nürnberger Kodex , die 1947 nach den Ärzteverfahren im Nürnberger Prozess mit Zustimmung und Unterschrift der Amerikaner beschlossen wurden. Dort heißt es: „Die freiwillige Zustimmung der Versuchsperson ist unbedingt erforderlich. Das heißt, dass die betreffende Person im juristischen Sinne fähig sein muss, ihre Einwilligung zu geben; dass sie in der Lage sein muss, unbeeinflusst durch Gewalt, Betrug, List, Druck, Vortäuschung oder irgendeine andere Form der Überredung oder des Zwanges, von ihrem Urteilsvermögen Gebrauch zu machen; dass sie das betreffende Gebiet in seinen Einzelheiten hinreichend kennen und verstehen muss, um eine verständige und informierte Entscheidung treffen zu können. Diese letzte Bedingung macht es notwendig, dass der Versuchsperson vor der Einholung ihrer Zustimmung das Wesen, die Länge und der Zweck des Versuches klargemacht werden; sowie die Methode und die Mittel, welche angewendet werden sollen, alle Unannehmlichkeiten und Gefahren, welche mit Fug zu erwarten sind, und die Folgen für ihre Gesundheit oder ihre Person, welche sich aus der Teilnahme ergeben mögen. Die Pflicht und Verantwortlichkeit, den Wert der Zustimmung festzustellen, obliegt jedem, der den Versuch anordnet, leitet oder ihn durchführt.“

Lange Zeit blieben diese Feldtests als Teil der biologischen Kriegsführung im Kalten Krieg unter Verschluß. Erst Mitte der 70er Jahre wurde bekannt, was die US Navy da 25 Jahre Jahre zuvor getrieben hatte. Aufgrund eines Artikels in einer Tageszeitung wandte sich Edward Nevin III an die Behörden und wollte mehr erfahren, denn sein Großvater war 1950 in San Francisco nach einer Prostataoperation an einer unerklärlichen Serratia Infektion gestorben. Zehn weitere Personen wurden damals mit Serratia Infektionen im Krankenhaus behandelt. Nevin III klagte gegen die Regierung, doch die Richter wiesen die Klage ab mit der Begründung, die Regierung hätte Immunität und das Recht gehabt, diese Geheimtests ohne die Zustimmung der Bevölkerung durchzuführen.

Der San Francisco Chronicle schrieb nach Bekanntwerden des Ausmaßes der Geheimaktion in einem Artikel, dass das Serratia Bakterium seit 1950 mehrmals in der Bay Area nachgewiesen werden konnte, was darauf hindeuten könnte, dass die ursprünglichen Tests langwierige Folgen gehabt haben.

„Golden Age of Homeland Security“

Ich bin ein begeisterter Sammler von alten Tönen. Musik und Audioclips, historischen Reden und alter Werbung. Für Radioproduktionen ist das einfach fantastisch. Ich erinnere mich noch an ein Gespräch mit meinem ehemaligen Kollegen, Rainer Knape, aus dem Funkhaus Nürnberg. Das war damals noch zu Radio Gong Zeiten in der Inneren-Cramer-Klett-Strasse. Wir gingen auf einen Kaffee in die Meisengeige und unterhielten uns übers Radiomachen. Und er sagte einen Satz, der für mich und meinen Werdegang im Hörfunk ganz wichtig wurde. „Radio ist Theater im Kopf. Du hast am Anfang eine leere Bühne vor dir und musst selbst bestimmen, wie du sie füllst.“ Im Radio macht man das durch Musik, durch historische und bekannte Aufnahmen, durch Soundeffekte, durch die Produktion selbst. Beispielsweise ist der Redefluss eines Interviewpartners ein Klangelement für sich. Beim Privatradio werden Schnaufer oftmals aus Zeitgründen geschnitten. Doch gerade das kann klanglich reizvoll sein, wenn man jemandem zuhört, der hörbar nachdenkt.

Ein Zeitalter drückt sich auch über Lieder und Originaltöne aus. Gestern hatte ich mal wieder ein Spotlight auf KUSF San Francisco, also eine Zweistundensendung zu einem bestimmten Thema. Es ging diesmal um Songs und sogenannte „Public Service Announcements“ des Kalten Krieges. Das deutsche Label Bear Family Records hat dazu eine wunderbare CD Box herausgegeben.

Und hier kann man sich die Sendung über die KUSF-Archivseite anhören.