King Donald und sein alternatives Königreich

Präsident Donald Trump zitiert gerne jene am Morgen, die ihm huldigen, ihn preisen, ihn loben. So auch am heutigen Dienstag, als er die Worte des Fox Business Moderators Lou Dobbs wiedergibt. Nach Dobbs hat Trump also mehr für Minderheiten in den USA getan, als andere Präsidenten. Das gefällt Trump, auch wenn das, was Dobbs da sagt, nicht stimmt und nur weil er es sagt nicht stimmen muss. Aber egal, Donald Trump genießt die warmen Worte am Morgen.

Es wird immer deutlicher, dass der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika in einer Parallelwelt lebt und nur für sie regiert. Vorbei am Großteil der USA und der Welt. Sein nun angekündigter Frontalangriff auf Google und andere High Tech Firmen, die, wie er sagt, nur schlechte Nachrichten über ihn verbreiteten, passt in dieses Bild. Donald Trump kann mit Kritik und kritischen Anmerkungen nicht umgehen. Er versteht gar nicht, wie man das, was er macht, was er sagt, wie er sich verhält, wie er auf andere wirkt, nicht als großartig und positiv bewertet. Donald Trump teilt die USA in ein Amerika vor seinem Amtsantritt und eines nach seinem Amtsantritt ein. Vor ihm war alles schlecht, mit ihm ist alles gut. So einfach ist die Weltsicht dieses Präsidenten.

Dass Amtsvorgänger Barack Obama durchaus die Weichen für den wirtschaftlichen Boom stellte, den Trump nun beackern kann, das will er nicht wahrhaben. Dass seine „America First“ Politik vielleicht in einer globalen Welt etwas kurzsichtig ist, erkennt Trump nicht. Warum auch, seine von ihm geblendeten Wählerinnen und Wähler glauben ihrem Märchenonkel weiter, der da von blühenden Landschaften, von internationalem Respekt, von zufriedenen Minderheiten im eigenen Land spricht.

Die Realität sieht allerdings anders aus. Trumps Wähler scheinen nicht nach Mexiko oder Kanada, nicht nach Deutschland oder Frankreich und schon gar nicht in die afrikanischen „Shithole Countries“ zu reisen, um sich vor Ort über das Bild Amerikas zu informieren. Der Großteil der Trumpianer lebt nicht in Großstädten, erlebt nicht die Realitäten des sozialen Kahlschlags und die Auswirkungen auf sozial Schwache und Angehörige von Minderheiten. Und für sie ist es unverständlich, ja, ein Affront, dass ihr King Donald nicht zur königlichen Trauung nach England eingeladen wurde und nicht an Staatsbegräbnissen wie denen der einstigen First Lady Barbara Bush und des jüngst verstorbenen Senators John McCain teilnehmen darf und soll. Trump dreht selbst diese für ihn bitteren Realitäten in Verschwörungstheorien um, die seine Anhänger in ihrer alternativen Weltsicht für real halten. Er sieht sich als Opfer einer Verschwörung aus Medien, antiamerikanischen Interessen und einem „Deep State“. Amerika durchlebt in diesen Tagen wahrlich seltsame Zeiten und ein Ende scheint mit diesem Präsidenten nicht in Sicht zu sein.

Trump und sein „World Cup“

Die Spiele haben begonnen. Die Spiele können beginnen. Donald Trump hat es geschafft, die Fußballweltmeisterschaft 2026 in die USA zu holen. Und nach Mexiko. Und nach Kanada. Die Lobeshymnen für ihn kämen von überallher, meint Trump. Woher, kann nicht eindeutig mitgeteilt werden, denn darüber schweigt sich der Präsident aus. Aber das ist egal, wichtig ist, die Trump-Spiele 2026 können beginnen. Zuvor hatte der amerikanische Präsident, der „leader of the free world“, all jenen Ländern offen gedroht, die bei der Abstimmung zwischen Marokko und USA (kanada/mexiko) gegen die Vereinigten Staaten von Amerika votieren würden. Man werde, so Trump, genau hinsehen und danach Hilfszahlungen und Entwicklungsgelder gerade an afrikanische Länder neu bewerten. Eine klare Ansage, die nun zum Ergebnis geführt hat, dass dieser Wahl für den Austragungsort 2026 ein etwas bitterer Beigeschmack anhefte. Aber das scheint Donald Trump nicht zu interessieren, ausschlaggebend ist für ihn nur, dass er es geschafft hat: America First auch im Weltfußball!

Trump bricht einen Krieg vom Zaun

Gegen den Willen aus nah und fern. Donald Trump will Strafzölle sehen. Foto: Reuters.

Immer wieder hatte der amerikanische Präsident, Donald Trump, davon gesprochen, nun will er es umsetzen. Gegen Einwände aus seiner eigenen Partei, von amerikanischen Unternehmen und ausländischen Regierungen will er dennoch die heimische Stahl- und Aluminiumindustrie gegen Importe abschotten. Und das will er mit Strafzöllen durchsetzen. Ein Handelskrieg droht, hier ein Audio-Beitrag:

Trump und die Strafzölle     

„Wollen Sie Deutscher werden?“

Die Wahlnacht in den USA war noch nicht vorbei, da ging die Nachricht von der gecrashten Webseite der kanadischen Einwanderungsbehörde um die Welt. Viele Amerikaner blickten jenseits der nördlichen Grenze, um zumindest mal herauszufinden, ob man auswandern könnte, wenn unter Trump alles schlimmer werden sollte. Man weiß ja nie, was da auf einen zukommt.

Auch ich habe Freunde und Bekannte, die auf einmal ihre europäischen Wurzeln entdecken und sich dafür interessieren, ob sie einen zweiten, einen Pass eines europäischen Landes bekommen könnten. Sicher ist sicher, ein Hintertürchen, einen Plan B wollen hier einige in Aussicht haben. Und so schlecht lebt es sich ja auch nicht in Berlin, Paris, Italien, Madrid oder anderswo im Euroraum.

Etwas überrascht war ich dann schon davon, dass die deutsche Botschaft in Washington ganz offen auf ihrer facebook Seite erklärt „Looking for information on German citizenship?“ Das wirkt gerade so, als ob man hinter Kanada als Drittland nicht zurückstehen möchte. Deutschland soll auch interessant für jene sein und wirken, die bestimmte Qualitäten mitbringen. Eine davon ist, dass der Bewerber um die deutsche Staatsbürgerschaft Deutsch sprechen muss, also eine Eingliederung in das gesellschaftliche, kulturelle und Arbeitsleben von Tag 1 garantiert ist. Es wirkt ein bißchen wie das Abschöpfen einer politisch frustrierten, aber hochgeschulten Elite im Land.

Es kann durchaus sein, dass die Botschaft in Washington regelmäßig solche Infos für an Deutschland Interessierte raushaut, bislang fielen sie mir jedoch nicht auf. Nur eine Woche nach dem Sieg Donald Trumps und bei der etwas gedrückten Stimmung im Land, wirkt solch ein Vorpreschen jedoch etwas, nennen wir es befremdlich. Der Zeitpunkt scheint da wohl ganz bewußt gewählt worden zu sein.

„Ich dachte, Du kannst helfen“

Als ich im letzten November nach Somaliland und Puntland reiste, fragten mich einige ersteinmal „wo ist das denn?“. Als ich Somalia sagte, kam die Antwort „Ja, spinnst Du denn, viel zu gefährlich!“ Als ich hier war, griffen IS-Terroristen Paris an. Seitdem ist viel passiert in der Welt, es knallte überall: San Bernardino, Istanbul, Orlando, Brüssel, Nizza, Würzburg, Ansbach, das sind die Orte, die mir gerade einfallen. Es sind sicherlich noch mehr. 2016 hat sich die Welt verändert und ich kann nur folgern, Hargeisa ist nicht gefährlicher als andere Orte. Ganz im Gegenteil, hier erklärt man mir, die nichtanerkannte Republik sei sicher.

Selbst Esel helfen beim Aufbau der somaliländischen Wirtschaft.

Esel helfen beim Aufbau der somaliländischen Wirtschaft.

Bei Reisen außerhalb der Stadtgrenzen der Hauptstadt ist für Ausländer gesetzlich eine bewaffnete Eskorte vorgeschrieben. Die bezahlt man selbst. Ein Sicherheitsgefühl bekommt man deshalb nicht unbedingt, auch wenn die beiden Polizisten Maschinengewehre bei sich führen. Irgendwie ist so eine Wumme und eine Uniform nur störend, wenn man Interviews führen möchte, gerade bei eher „persönlichen“ Themen. Aber egal, Gesetz ist Gesetz und daran hält man sich eben.

Hier in Somaliland gibt es jedoch eine Krise, die außer Kontrolle geraten könnte: die Jugendarbeitslosigkeit. Der Großteil der jungen Leute hat keinen Job. Jeden Tag sieht man viele von ihnen auf der Straße, einfach so, herumlaufend, nichts tun. Als westlicher Besucher wird man angesprochen, ich bin da keine Ausnahme. Egal wo ich sitze, jemand kommt auf mich zu, fragt mich, woher ich komme, was ich hier mache und ob ich Kontakte habe. Ali ist einer von ihnen. Vor ein paar Tagen saß ich im Garten des Hotels, als er mit ein paar Freunden auf mich zukam, höflich fragte, ob er sich setzen dürfte und anfing von sich zu erzählen. Er hat studiert, spricht fließend Englisch, hat seine Abschlüsse und findet keinen Job. „Ich dachte, Du kannst helfen“, meinte er zu mir. In Somaliland kann man sich nicht einfach bewerben, man muß jemanden kennen, der wieder jemanden kennt, der wieder jemanden kennt. Familie, Clan, Vitamin B sind hier die wichtigen Grundlagen für eine Karriere. Nicht die Qualifikation, sondern die Zugehörigkeit zählt. Das und das mangelnde Jobangebot treibt viele, zum Teil gut ausgebildete junge Leute auf die Lange Reise nach Europa. „Tahreeb“ ist in aller Munde.

Das behindert eine Entwicklung, die sowieso auf sehr brüchigen Grundfesten gebaut wird. Somaliland ist international nicht anerkannt, und das schon seit 25 Jahren. Die kleine Republik mit ihren 3,5 Millionen Einwohnern hat über die Jahre demonstriert, dass sie friedlich ihren eigenen Weg gehen will. Doch Deutschland, die EU, die USA und die UN setzen auf ein wiedervereinigtes Somalia, ein Land, das es nicht mehr geben wird. Sowieso gab es das geeinte Somalia noch nie. 1961 gingen die einstigen italienischen und britischen Kolonien zusammen. Doch schon schnell wurde klar, es passt nicht. 1981 gründete sich im Exil die Rebellenbewegung Somali National Movement (SNM). Das Ziel war die Abspaltung der einstigen britischen Kolonie Somaliland von Rest Somalia. Der bewaffnete Kampf der SNM endete 1988 in der Bombardierung der Städte Hargeisa und Burao durch die Regierungstruppen des Diktators Siad Barre. 40.000 Menschen starben, 400.000 wurden vertrieben. Als Barre 1991 entmachtet wurde, war vielen in Somaliland klar, die Chance für die Unabhängigkeit war gekommen. Die Republik Somaliland wurde ausgerufen.

Rest-Somalia versank im Chaos. Die Hauptstadt Mogadischu gibt es nur auf dem Papier. Seit 25 Jahren wird South-Central Somalia und Puntland nicht von einer Zentralregierung regiert. Puntland erklärte sich 1998 für autonom, ist aber offen für eine Wiedervereinigung. Somaliland hingegen lehnt das strikt ab. Und die Menschen in Somaliland zahlen dafür einen hohen Preis. Sie leben in Frieden, doch die wirtschafliche Situation verschlechtert sich, gerade auch, weil die Anforderungen an die Regierung wachsen. Dringend benötigte Entwicklungsgelder und Aufbauhilfen fehlen, die gehen nach Mogadischu, denn die Regierung in Hargeisa wird nicht anerkannt. Somaliland heute hängt am Tropf der somalischen Diaspora, die in Europa, den USA und Kanada lebt. Das kann jedoch keine langfristige Lösung bleiben. Nicht für Ali und die vielen anderen jungen Leute und nicht für das Horn von Afrika. Deutschland, Europa und die internationale Gemeinschaft müssen handeln, um endlich ein klares Zeichen für ein friedliches und friedliebendes Land zu setzen.

Kanada in der Nase

Da drüben ist Kanada.

Da drüben ist Kanada.

Der Obere See, oder „Lake Superior“ ist der größte der fünf Großen Seen Nordamerikas. Hier grenzen Minnesota, Wisconsin und Michigan an an die kanadische Provinz Ontario. Ein See, der mehr einem Meer gleicht. Die Fläche dieses riesigen Binnengewässers ist vergleichbar mit der von Österreich. Das Wasser ist eisig kalt, ich weiß, wovon ich spreche, ich mußte einfach mal reinspringen.

„Lake Superior“ war und ist eine wichtige Schifffahrtsstraße für beide Länder. Im südlichen Teil des Sees liegt auch einer der größten Schiffsfriedhöfe. Über die Jahrhunderte sind dort in den gefährlichen Stürmen, die oft und teils plötzlich über den See jagen, unzählige von Frachtern und Booten gesunken, eines der bekanntesten Schiffe war die am 10. November 1975 verunglückte „SS Edmund Fitzgerald“. Der kanadische Singer/Songwriter Gordon Lightfoot machte die Geschichte des Frachters zu einem Nummer Eins Hit. Der Schiffswracks werden heute vom „Whitefish Point Underwater Preserve“ geschützt.

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Die Gemeinden rund um den See leben heute vor allem vom Tourismus, weite Teile der Uferlandschaften sind Naturschutzgebiete. Dicht bewachsen und mit Wanderwegen und „Bicycle Trails“ durchzogen. Im Winter ist die Gegend bei Snowmobile Begeisterten und Langlauf-Skifahrern begehrt. Hier, in der Upper Peninsula von Michigan, sagen sich die Füchse sprichwörtlich gute Nacht. Es ist ruhig, weitläufig, verlassen, hier findet man Ruhe. Für mich eine willkommene Abwechslung zum hektischen Umfeld in der überfüllten San Francisco Bay Area.

Hundeliebe

Wissenschaftler beschäftigen sich manchmal mit Dingen, bei denen ich glaube, sie sehen manches nur sehr eindimensional. Dr. Stanley Coren, ein Psychologieprofessor an der „University of British Columbia“ hat in dem Fachmagazin „Psychology Today“ einen Artikel veröffentlicht, in dem er erklärt, dass Hunde Umarmungen so gar nicht mögen.

Eine Umarmung gefällig?

Eine Umarmung gefällig?

Coren, der schon öfters über die Psyche der Vierbeiner geschrieben hat, „analysierte“ für seine Studie 250 Fotos, auf denen Erwachsene oder Kinder Hunde umarmen. Die Bilder wurden wahllos ausgewählt. Er kam zu dem Schluß, dass in über 81 Prozent die Hunde Anzeichen von Stress, Unruhe und Unbehagen zeigen. Nur 7,6 Prozent der Hunde zeigten sich entspannt und der Rest würde es einfach erdulden, dass da ein Zweibeiner ihnen so nahe kommt. Das ist also eine wissenschaftliche Untersuchung, die ich so allerdings nicht bestätigen kann.

Ich bin mir nicht sicher, ob Stanley Cohen schon mal einen Hund gehabt hat und selbst erlebte, wie ein Hund reagiert, wenn man mal etwas länger weg war. Als ich von meiner letzten Reise nach zwei Wochen zurückkehrte, schaute meine Käthe erst einmal, wer da durch die Tür kam. Als sie mich erkannte, rannte sie auf mich zu, sprang mich an. Als ich mich setzte, kletterte dieser nicht gerade kleine Hund auf meinen Schoß und wollte gar nicht mehr weg. Nun könnte ich sagen, dass Käthe zu den 7,6 Prozent gehört, die sich freuen, wenn man sie umarmt, doch so reagierten meine vorherigen vierbeinigen Mitbewohner auch.

Ich nehme mal nicht an, dass dieses Verhalten der Hunde unbedingt mit mir zu tun hat. Vielmehr glaube ich, dass man nach einer „Analyse“ von Fotos nicht zu diesem allgemeingültigen Schluß kommen darf, wie es Professor Cohen hier darstellt. Jede Situation ist anders und ich würde einen Hund auch nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit umarmen. Genausowenig, wie ich Menschen um mich herum einfach so umarme, nur weil da jemand mit einer Kamera steht.

Die Grenze, die keinen aufhält

Alter Grenzzaun an der US-Mexiko Grenze. Dahinter der neue undurchlässige Schutzwall.

Alter Grenzzaun an der US-Mexiko Grenze. Dahinter der neue undurchlässige Schutzwall. Foto: Peltner.

5525 Meilen ist die Grenze zwischen den USA und Kanada lang. Dazu kommen nochmals mehr als 2000 Meilen an der südlichen Grenze zu Mexiko. Wenn es nach einigen Präsidentschaftskandidaten im aktuellen Wahlkampf ums Weiße Haus geht, dann sollen da ab Januar 2017 unüberwindbare Mauern und Grenzzäune entstehen. Donald Trump poltert herum, dass die Mexikaner sogar diese Mauer im Norden ihres Landes bezahlen werden. Scott Walker erklärte kürzlich, von Kanada drohe die Gefahr islamistischer Terroristen, von daher sollte man über einen Grenzzaun offen reden.

Das alles sind Gedankenspiele, die nicht neu sind. Schon seit fast 25 Jahren gibt es immer wieder Ansätze, zumindest die Grenze im Süden der USA dicht zu machen. An einigen Stellen, wie in San Diego, Norales, El Paso gibt es bereits Doppelzäune, die darüberhinaus noch mit Sicherheitstechnik bestückt sind. Die Kosten für die Errichtung einer Meile Grenzzaun liegt bei rund 6,5 Millionen Dollar. Kein schlechter Preis, den man durchaus einmal auf die gesamte Grenze hochrechnen sollte. Das Problem bei allem ist, dass Experten der Border Patrol und des Homeland Security Ministeriums erklären, der Zaun bringe eigentlich nichts. Zumindest keinen großen Erfolg in der Bekämpfung der illegalen Einwanderer.

40 Prozent der Illegalen im Land reisen legal ein und bleiben einfach. Viele der verbliebenen 60 Prozent illegaler Einwanderer werden von Schlepperbanden über die Grenze gebracht. Die Zahl der Toten an der Grenze steigt, das berichten immer wieder Menschenrechtsorganisationen, die darauf verweisen, dass aufgrund des Zaunes an manchen Stellen mehr und mehr Menschen in gefährlichen Wüstenregionen des Landes die Grenze überschreiten.

Unter Präsident Barack Obama wurden die Grenzzaunaktivitäten seines Vorgängers George W. Bush eingestellt. Die Obama Administration setzte auf die „virtuelle Wand“. Drohnen, Wärmesensoren, Bewegungsmelder in der Wüste. Damit sollten Illegale gestoppt werden. Ein Programm für sieben Milliarden Dollar wurde verabschiedet. Doch schon nach einem Jahr war Schluß damit, die Einsicht kam, dass auch diese „Wand“ nicht den erwünschten Erfolg bringt. Gerade auch, weil Drogenkuriere und auch Schlepperbanden nach wie vor die Grenzanlagen problemlos überwinden und untertunneln konnten. Allein in Nogales, einer Grenzstadt in Arizona und Sonora wurden in nur vier Jahren 51 Tunnel entdeckt, die den kleinen Grenzverkehr ganz unproblematisch werden ließen.

Die Grenzsicherheit im Süden und im Norden der USA ist nicht durch den Bau eines Grenzzauns oder einer Mauer zu erreichen. Das Getöse der Republikaner im Wahlkampf ist also nur Schaumschlagen, denn sie wissen, dass 51 Prozent der Amerikaner in Umfragen erklären, dass die Grenzsicherheit ein Hauptproblem in den USA ist. Der demokratische Kongressabgeordnete aus Texas, Henry Cuellar, brachte es jedoch treffend auf den Punkt. Er erklärte; „Ein Zaun ist eine Lösung aus dem 14. Jahrhundert für ein Problem des 21. Jahrhunderts“. Was wohl Erfolg versprechen würde, wäre die Militarisierung der Grenze, wie wir sie von der innerdeutschen oder nordkoreanischen Grenze her kennen. Doch das will selbst niemand bei den Republikanern.

Kann ich US Präsident werden?

Nein, eigentlich will ich ja gar nicht. Also, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden. Das wäre echt nichts für mich. Zwei Jahre lang Wahlkampf führen, blöde Fragen beantworten, immer schön lächeln und am nächsten Tag lesen zu müssen, was ich am Vortag gegessen, gelesen, getragen, gemacht habe. Also nein, ich will nicht.

ABER…und das aber ist bewußt groß geschrieben…vielleicht wäre es ja doch möglich. Bislang galt eigentlich immer, dass ein US Präsident in den USA geboren sein mußte. In der Verfassung heißt es: „Natural born citizen“. Aus diesem Grund haben die „Birthers“, die Rechtsausleger der Tea Party Bewegung, auch noch immer nicht aufgegeben, die Legalität von Barack Obamas Präsidentschaft anzuzweifeln. Sie meinen, er habe getäuscht, sei in Kenia geboren und sei eigentlich gar nicht berechtigt das hohe Amt zu besetzen. Auch Präsidentschaftskandidat John McCain mußte begründen, warum er kandidieren darf, denn McCain kam nicht in den USA zur Welt, sondern in der Panama Kanal Zone. McCain allerdings argumentierte, dass diese Zone damals amerikanisches Territorium war.

Ein Kanadier will US Präsident werden.

Ein Kanadier will US Präsident werden.

Interessanterweise gibt es erneut diese Debatte. Der republikanische Senator Ted Cruz will Präsident werden und ihm werden gute Chancen eingeräumt, u.a. hat er die Unterstützung der Tea Party. Cruz allerdings war bis letztes Jahr nicht nur Amerikaner sondern auch Kanadier, denn Cruz wurde in Calgary, in der kanadischen Provinz Alberta, geboren. Seine Mutter war US Amerikanerin, sein Vater ein kubanischer Flüchtling, der auf den kanadischen Ölfeldern arbeitete. Da die Mutter Amerikanerin war hatte der kleine Ted von Anfang an auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Und deshalb meint er, er sei ein „natural born citizen“ und dürfe daher kandidieren.

Am Ende werden wohl die Gerichte entscheiden, was eigentlich diese drei Wörter bedeuten, die von den Gründungsvätern nie klar definiert wurden. Die Frage ist nun, wie weit die Auslegung gehen könnte, also, ob ich mir mit meinem amerikanischen Pass doch noch Hoffnungen machen kann, wenn ich denn wollte, fürs Präsidentenamt zu kandidieren. Denn Bayern war ja amerikanische Besatzungszone, der Besatzungsstatus endete erst mit der deutschen Wiedervereinigung 1990. Die Frage ist also, ob ein US Territorium dem einer amerikanisch kontrollierten Besatzungszone gleichkommt? Wer nun meint, diese Argumentation sei zu hirnspinstig, der sollte sich mal die Urteile des amerikanischen Verfassungsgerichts in der Vergangenheit ansehen. Da wurden Unternehmen die gleichen Grundrechte wie Personen zugestanden, was bedeutet, dass Unternehmen im Wahlkampf den Schutz der Meinungsfreiheit genießen, also auch dementsprechend laut- und finanzstark auftreten dürfen. Oder die haarsträubenden Urteile zum Waffenbesitz in den USA, die Auslegung was das Recht auf „to bear arms“ wirklich bedeutet. Von daher liege ich doch gar nicht so falsch mit meiner Aussage, dass ich 1968 eigentlich auf amerikanischem Boden geboren wurde, oder?

Entscheidung eines Lebens

Die kanadischen Zwillinge Binh and Phuoc Wagner brauchen dringend eine Lebertransplantation.

Die kanadischen Zwillinge Binh and Phuoc Wagner leider an einer Erbkrankheit und brauchen dringend eine Lebertransplantation.

Die dreijährigen Zwillinge Binh und Phuoc Wagner leiden an der Erbkrankheit Alagille-Syndrom. Es ist eine Gallenstauung, die schlimmstenfalls eine Lebertransplantation erfordert. Die beiden vietnamesichen Mädchen wurden 2012 von der kanadischen Wagner Familie adoptiert. Damals wußten die Wagners schon, dass die Zwillinge die Erbkrankheit haben. Doch was dann passierte, konnte keiner erahnen.

Der Gesundheitszustand von Binh und Phuoc verschlechterte sich, Ärzte rieten zur Lebertransplantation bei beiden Mädchen, um sie zu retten. Spender wurden gesucht und auch Adoptivvater Michael Wagner ließ sich untersuchen. Das Ergebnis, er war positiv für eine Organspende. Doch er kann nur einen Teil seiner Leber für ein Mädchen spenden. Eine Entscheidung, die kein Vater treffen will.

Die Mediziner wollen in den nächsten zwei Wochen die Transplantation durchführen. Wer von den beiden Mädchen nun ein Stück der Leber des Vaters bekommt ist noch unklar. In der Zwischenzeit hoffen die Wagners und die Ärzte auf weitere positive Spender. Dazu wurde eine facebook Seite eingerichtet, um möglichst viele Menschen auf dieses familiäre Drama aufmerksam zu machen.