Rheinhessenwein in Kigali

Im Kandt Haus in Kigali gab es gestern Abend einen Empfang für die Delegation aus Rheinland-Pfalz. Die 21köpfige Gruppe unter der Führung von Innenminister Karl Peter Bruch war hier, um verschiedene Projekte zu besuchen. Darunter vor allem Bildungsprojekte, die vom Land Rheinland-Pfalz unterstützt werden. So wurde eine größere Buchspende der Universität in Gitarama übergeben. Bücher, die aus einer Bibliothek der US Streitkräfte stammen, die aus Rheinland-Pfalz abgezogen wurden.

Rheinland-Pfalz in RuandaAm Nachmittag empfing der ruandische Präsident Paul Kagame die Delegation. Und das ist nichts alltägliches. Es belegt die enge Partnerschaft zwischen Mainz und Kigali. Rheinland-Pfalz ist seit den frühen 80er Jahren sehr eng mit Ruanda verbunden und unterstützt auf ganz verschiedenen Ebenen das Land und die Leute. Und man gab auch nicht auf, als der blutige Bürgerkrieg und der Genozid 1994 das Land zerriss. Bruch erklärte mir am Abend, warum man zu Ruanda stand, dass das sicherlich eine schwierige Entscheidung war. Doch beide grossen Volksparteien setzten sich in den Folgemonaten nach dem Genozid für eine Weiterführung der Partnerschaft ein. Rheinland-Pfalz hatte damals schon ein Büro in Kigali, das durch einen Mitarbeiter in der Unruhezeit gesichert werden konnte. So montierte dieser sogar die Autoreifen von den Fahrzeugen ab und versteckte sie, damit die Autos nicht geklaut werden konnten. Dieses Büro war der Ausgangspunkt für Soforthilfemaßnahmen für die geschundene Bevölkerung. „Es ging uns nicht um Politik, wir wollten damals nur helfen“, so Minister Bruch im Gespräch.

Über die Jahre haben sich sehr enge Kontakte zwischen Ruandern und Rheinland-Pfälzern entwickelt. Man tauscht sich aus, man besucht sich gegenseitig, man hilft, Freundschaften entstanden. Wenn man heute durch Ruanda fährt sieht man überall die Schilder aus Rheinland-Pfalz. Viele Ruander setzen Rheinland-Pfalz mit Deutschland gleich. Die Kooperationen reichen von Schulen und der Unterstützung landwirtschaftlicher Projekte bis zum Aufbau des größten Solarkraftwerks Afrikas außerhalb von Kigali durch die Mainzer Stadtwerke. Diese Art von Entwicklungshilfe kommt an, denn sie ist direkt und persönlich und wird von weiten Teilen der Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und Ruanda getragen.

Diese enge Verbundenheit spürte man auch am Abend im Kandt Haus. Herzhafte Umarmungen, intensive Gespräche, viel Lachen bei Bier und einem Gläschen Rheinhessenwein.