Die Lage südlich der „Mauer“

Feature - The Perfect Storm     

Eine alltägliche Szene in Juarez.

2009 reiste ich zum ersten Mal nach Ciudad Juarez. Damals tobte ein Drogenkartellkrieg in der Nachbarstadt von El Paso, Texas. Tausende von Menschen wurden Opfer des brutalen Straßenkrieges. Die Touristen blieben aus, Restaurants, Kneipen, Läden machten dicht, wurden mit Brettern vernagelt. Juarez versank im Chaos, glich nachts einer Geisterstadt. Mit Maschinengewehren bewaffnete und vermummte Polizisten patroullierten auf Pick Up Wagen durch die Stadt. Das Sinaloa Kartell kämpfte gegen das Juarez Kartell um die wichtigen Drogenrouten in die USA.

Nach ein paar Jahren stabilisierte und beruhigte sich die Lage wieder, das Sinaloa Kartell hatte den Krieg gewonnen. Die Mordrate sank von über 3000 im Jahr 2009 auf rund 500. Ciudad Juarez rutschte auf der Weltrangliste der gefährlichsten Städte von Platz 1 ins Mittelfeld ab.

Doch die Ruhe in Mexiko war nur von kurzer Zeit, wie die jüngste Statistik der 50 gefährlichsten Städte der Welt zeigt. Hier werden die Morde pro Einwohnerzahl gemessen. 12 der Städte liegen in Mexiko, unter den Top Ten sind sogar fünf mexikanische Städte zu finden: Platz 1 Los Cabos, Platz 3 Acapulco, Platz 5 Tijuana, Platz 6 La Paz, Platz 8 Victoria. Und Ciudad Juarez liegt auf dem 20. Platz mit einer Entwicklung nach oben, sprich die 1000er Mordrate in diesem Jahr ist schon jetzt fast erreicht. Mexiko und gerade auch die Touristenziele Los Cabos und Acapulco versinken in einem Blutbad. Die Gewaltspirale dreht sich erneut beim südlichen Nachbarn der USA.

Doch wie einst George W. Bush sieht auch Donald Trump das Problem in Mexiko selbst. Für Trump gilt, der Mauerbau würde – zumindest für die USA – alles lösen. Den Drogenfluss von Süd nach Nord, den Waffenfluss von Nord nach Süd und schließlich auch nocht die mexikanischen „Bad Guys“, „Rapists“ und „Criminals“ draußen lassen. Mexiko solle sich gefälligst um die eigenen Probleme kümmern. Das ist die Logik, die schlichtweg falsch ist. Die Gewalt in Mexiko hängt nach wie vor eng mit dem größten Drogenmarkt und den liberalsten Waffengesetzen der Welt zusammen. Die USA sind gefordert mit Mexiko zusammen zu arbeiten, um die erneute Gewaltwelle unter Kontrolle zu bringen. Doch das ist Wunschdenken in einer Zeit, in der eine Hunderte Meilen lange Mauer als Lösung für nationale Probleme gesehen wird.

Das ist richtiges “Reality TV”

“Al Jazeera America” setzt ganz neue Maßstäbe. Der Nachrichtenkanal aus Katar ist vor Ort und präsentiert in seinen Programmen ein Bild, dass von dem, was CNN, MSNBC und FOXNews zeigen, Welten entfernt ist. Hier schreien sich keine erzkonservativen Obamahasser an wie auf FOXNews, hier türmt man nicht eine nach der anderen Verschwörungstheorie auf, um auf den Grund des verschollenen malaysischen Airliners zu kommen. Al Jazeera zeigt die Welt hinter den amerikanischen Grenzen, berichtet mit eigenen Korrespondenten aus Afrika, Asien, Südamerika, ist präsent und vor Ort.

Und nein, ich will hier keine Lobhudelei auf einen Sender loswerden, ich werde nicht von ihnen bezahlt, obwohl ich durchaus gerne für Al Jazeera arbeiten würde. Aber gestern Abend sah ich eine Sendung auf “Al Jazeera America”, die einfach großartig war. Nicht nur, dass damit das Thema der illegalen Einwanderung anders, einleuchtend, verständlich vermittelt wurde. Die Produzenten schafften mit “Borderland” auch eine grundlegende Kritik am amerikanischen Fernsehen. Seit Jahren schon nerven mich diese “Reality Shows” im Fernsehen. Da werden irgendwelche Hampelmänner und –frauen auf Südseeinseln oder in sonst einen Busch geschickt, um zu “überleben”. Andere lassen sich in Container einsperren, um den “Big Brother” nachzuspielen, unter den Augen der Öffentlichkeit wird dann “alles gezeigt”. Dann diese dämlichen Sendungen mit irgendwelchen Hausfrauen aus Beverly Hills oder sonst einem reichen Vorort. Nicht auszuhalten. Und das deutsche Fernsehen ist ja nicht besser. Da sucht ein Bauer eine Frau und die Zuschauer ergötzen sich an einem seltsamen Schauspiel, dass an Fremdschämen nicht zu überbieten ist. Außer man mag “Stromberg”, aber das ist im Vergleich gutes deutsches Fernsehen.

Und nun also Al Jazeera mit einer neuen Sendung, die, man kann es nicht anders sagen, brillant ist. Sechs Personen, Männer und Frauen, werden in “Borderland” zu einem Leichenschauhaus in Pima County gebracht. Dort Regale voller Leichen in “bodybags”, die in der Wüste gefunden wurden. Illegale Grenzgänger. Und hier beginnt diese Form von “Reality TV”. Jeweils zwei Kandidaten bekommen ein Bild und einen Namen von einem Toten und reisen in die Gemeinden. Nach Guaetemala, nach Südmexiko, nach Des Moines, Iowa. Und dort sprechen sie mit Verwandten und Freunden, erfahren mehr über diejenigen, die in der Wüste verendet sind, folgen ihren Spuren, erleben, was sie auf sich genommen haben, um in das gelobte Land nördlich der Grenze zu kommen. Die Gruppe der “Borderland Kandidaten” ist eine Mischung aus Menschen, die zum einen sagen, macht die Grenze dicht, lasst niemanden mehr herein. Und dem anderen Teil, die erklären, Grenzen sind unsinnig, Menschenleben werden so nur unnötig gefährdet. Doch beide Seiten müssen im Zuge ihrer neuen Erfahrunge ihre Haltung von grundauf überdenken, denn Al Jazeera geht in dieser Fernsehserie nicht nur auf die illegalen Einwanderer ein, die in den USA arbeiten wollen. Die Produzenten berichten auch vom brutalen Drogenkurierdienst durch die Wüste von Arizona, kontrolliert von den mexikanischen Kartellen. Sie bringen die Gruppe zu Farmern im Grenzland, die ihnen von ihren Problemen, Ängsten und ihrer allgemeinen Siutation berichten. Von gewaltbereiten Drogenschmugglern, die schneller schießen als Hallo zu sagen.

“Borderland” ist TV, wie man, wie ich es mir wünsche. Nah dran, gut recherchiert, kontrovers, zum Nachdenken anregend, neu….eben nicht nur eine dumme Berieselung und ein Vorgegaukel an Problemen, die eigentlich keine sind. “Al Jazeera America” läuft in den USA auf einem Kabelkanal, den man extra abonnieren muß. Das ist der eigentliche Skandal hier, denn eine Sendung wie “Borderland” gehört ins freie Abendprogramm zur besten Sendezeit. Denn, wenn mehr Amerikaner das sehen würden, könnte eine “Immigration Reform” nicht länger auf die lange Bank geschoben werden.

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Man kann wieder leben in Juarez

1623. 2754. 3622. 2086. 797. 450. Diese Zahlen sind die Mordraten zwischen 2008 und 2013 in der nordmexikanischen Stadt Ciudad Juarez. 2010 war ich zum ersten mal in der Nachbarstadt von El Paso. Hier die sicherste Großstadt der USA, auf der anderen Seite der Brücke die gefährlichste Stadt der Welt. Die einstige Partystraße gleich hinter der Santa Fe Bridge war verwaist. Bars und Restaurants mit Brettern vernagelt. Schwer bewaffnete Bundespolizisten patroullierten die Straßen, von Touristen war weit und breit nichts mehr zu sehen. Ab 20 Uhr waren die Straßen wie leer gefegt. Damals 2010 erreichte der Kartellkrieg mit 3622 Morden einen Höhepunkt. Verfeindete Gangmitglieder wurden mit Maschinengewehren durchsiebt, ihre Köpfe abgetrennt und als Warnung irgendwo abgeladen. Juarez versank im Chaos.

Ein Jahr später hatte sich die Lage leicht verbessert, doch nach wie vor war man in der Stadt nicht sicher. Damals meinte jemand, es werde erst dann besser, wenn eines der beiden Kartelle den brutalen Drogenkrieg gewinnt. Das Sinaloa Kartell hat den blutigen Kampf um Macht, Einfluß und Drogenwegen Richtung Norden schließlich gewonnen. Das Juarez Kartell ist so gut wie zerschlagen.

Juarez ist auch heute sicherlich keine sichere Stadt. 450 Morde sprechen für sich. Raubüberfälle und Vergewaltigungen sind nach wie vor an der Tagesordnung. Es gibt noch immer Stadtteile, in die man besser nicht gehen sollte. Doch das Leben hat sich zum Positiven hin verändert. Die Menschen erleben wieder ihre Stadt, trauen sich auf die Straßen, genießen das Nachtleben in Restaurants, Bars und Nachtclubs. Die Kunst- und Kulturszene von Juarez, die einmaliges zu bieten hat, blüht wieder auf. Das Jellyfish Colectivo war immer dort und hat auch während der gefährlichsten Zeit das Stadtbild farbenfroh verändert. Eine Gruppe von jungen Künstlern, die ganz deutlich und überzeugt sagten: „Qiero a mi Ciudad – Ich liebe meine Stadt“. Es ist an der Zeit mal wieder nach Ciuadad Juarez zu reisen.

 

Keine Angst mehr vor der Angst

Eine Grenze, die einen Großraum zerreißt. Früher waren El Paso und Ciudad Juarez fast eins. Man ging hin und her, tauschte sich aus, wandelte zwischen den Welten. Das hat sich alles durch den Drogenkrieg in Mexiko und den Anti-Terror Einsatz der Amerikaner geändert. Eine schwer bewachte Grenze teilt nun die beiden Schwesterstädte. In manchen Bereichen wurden zusammengewachsene Nachbarschaften auseinander gerissen. Ein hoher schwarzer Zaun im Stadtgebiet, alle 500 Meter ein Border Patrol Agent in einem SUV, Kameras und Bewegungsmelder und sogar Dronen werden im Kampf an der Grenze eingesetzt.

Man läuft über die Santa Fe Bridge und kommt auf die Avenida Benito Juarez, der einstigen Partystraße von Juarez. Noch vor zehn Jahren waren die Restaurants, Bars, Läden mit amerikanischen Touristen gefüllt. Anfang 2008 änderte sich dann alles. Ein offen ausgetragener Drogenkartellkrieg, Korruption in den Reihen der Polizei, die Weltwirtschaftskrise, neue Passgesetze in den USA und ein Nachbar im Norden, der einfach wegsah bildeten einen „perfect storm“. Juarez versank im Chaos, in einem Blutbad, der seitdem weit über 10.000 Menschenleben kostete.

Viele der Läden, Restaurants und Bars sind noch immer geschlossen, mit Brettern vernagelt. Doch es tut sich was in der Stadt. Man sieht mehr Menschen auf den Straßen, mehr Kinder die spielen, neue Läden und Kneipen werden eröffnet. Es scheint, man hat hier genug Angst gehabt. Man will leben, man will frei atmen, man will sich nicht länger verstecken in der Hoffnung, nicht der nächste Name in der Opferliste zu sein. Nach wie vor  bekriegen sich zwar die Gangs in einem blutigen Straßenkrieg, Frauen verschwinden spurlos, die Arbeitslosigkeit ist hoch, die sozialen Probleme erdrückend. Doch genug ist genug.

Juarez und El Paso, die Grenzregion in diesem westlichen Teil von Texas, ist eine wunderschöne Gegend. Hier treffen sich Autoren und Maler, Musiker und Kulturschaffende aller Art. Die Kreativität in der Region hat nie aufgehört, trotz Mord, Totschlag, Entführung, Vergewaltigung. Sie hat sich nur verändert, vielleicht ist sie sogar dadurch nur noch intensiver und vielfältiger geworden.

 

Der Tod kommt vom Norden

Mehr als 10.000 Menschen sind seit Anfang 2008 auf den Straßen der nordmexikanischen Grenzstadt Ciuadad Juarez ermordet worden. Ein brutaler Drogenkartellkrieg wird in der Nachbarstadt zu El Paso ausgetragen. Es geht um die lukrativen Routen in den größten Drogenmarkt der Welt – die USA.

Die Waffen für die Kartelle und die Gangs, die den Straßenkrieg befeuern kommen aus den USA. Es gibt in Mexiko keinen freien Zugang zu Knarren, der einzige legale Waffenladen ist in Mexiko City und nur zugänglich für Angehörige der Polizei und der Armee. Nördlich der Grenze, entlang der „Border Region“, haben Hunderte von Waffenläden aufgemacht. Gezielt werden alle Kaliber über die Grenze geschmuggelt. Alleine seit Dezember 2006 wurden von den mexikanischen Sicherheitsbehörden 140.000 Waffen im ganzen Land beschlagnahmt.

Um ein Zeichen gegen die unkontrollierte Waffenflut von Nord nach Süd zu setzen, hat nun der mexikanische Präsident Felipe Calderon ein mehrere Tonnen schweres „Billboard“ (Werbetafel) in Grenznähe enthüllt. Aus zertrümmerten Pistolen und Gewehren wurden die Worte „No More Weapons“ geformt. Zuvor nahm er an der  Zerstörung von 7500 beschlagnahmten Waffen teil.

Mexiko braucht im Kampf gegen die Drogenkartelle die Unterstützung der Vereinigten Staaten. Doch gerade bei der Waffenkontrolle sind Präsident Obama die Hände gebunden. Konservative Kräfte und die überstarke Waffenlobby in den USA wehren sich gegen jeglichen Eingriff in ihr vermeintliches Grundrecht auf Waffenbesitz und schärfere Waffengesetze. Die Probleme südlich der Grenze seien ein rein mexikanisches, heißt es. Ein Irrglauben, wenn man sich nur die harten Zahlen der geschmuggelten Drogen Richtung Norden und des illegalen Waffentransfers Richtung Süden ansieht.

Alles sonnig in Juarez

“Woher kommen Sie?”

“Aus Nürnberg”.

“Lieben Sie Ihre Stadt?”

“Ja.”

“Würden Sie sie verteidigen?”

“Ja”

“Genau das mache ich.”

Héctor Murguía ist der neue Bürgermeister von Ciuadad Juarez. Na, nicht ganz. Der 57jährige war schon einmal “Presidente Municipal” von 2004 bis 2007. Danach kam José Reyes Ferriz, dessen Administration als die blutigste in die Annalen der Stadt einging. Kurz nach Ferriz’ Amtsübernahme brach ein blutiger Drogenkartellkrieg aus, der bislang weit über 7000 Menschenleben forderte. Allein im vergangenen Jahr 3111. Und in dieser Zeit wurde der alte zum neuen Bürgermeister gewählt.

Doch für Héctor Murguía ist die Welt in Ordnung. Die schlimmen Meldungen über Juarez? Alles nur Propaganda. Die anderen, so der Bürgermeister, seien nur neidisch auf die vielen neuen Jobs in der Stadt. Deshalb redeten sie Juarez schlecht, um die ansässigen Firmen abzuwerben. Und was ist mit der hohen Mordrate? Morde gibt es überall, sie seien hier nicht mehr als in Mexiko City. Ach ja, und was ist mit den vielen ermordeten, vergewaltigten und entführten Frauen? In Juarez wird sehr viel für Frauen getan. Nirgends sonst würde es so viele Jobs für Frauen geben, wie eben in Juarez. Also, sorgen Sie sich nicht um Ihre Mitarbeiterinnen hier im Rathaus, wenn sie spätabends nach Hause gehen? Nein, wieso denn, die Stadt ist sicher, hier geht man abends aus.

Bei diesem Interview staunte ich nur. Noch vor einem Jahr saß ich in dem gleichen Büro dem Vorgänger José Reyes Ferriz gegenüber, der die Situation ernsthaft, doch nicht übertrieben darstellte und schon gar nicht untertrieb. Er gestand Fehler ein, beschrieb die Probleme und zeigte auch Lösungen auf.

Und nun der Nachfolger, der breitbeinig und mit etwas Überheblichkeit vor rund zwei Dutzend (!) Selbstportraits sitzt und vom schönsten Ort der Welt redet. Nach solch einem Gespräch läuft man durch die Straßen der Stadt, vorbei an den verfallenden Häusern, den vernagelten Ladenfronten, denkt noch mal an die Interviews vor einem Jahr, an die vielen Artikel und Bücher, die man in der Zwischenzeit gelesen hat und fragt sich, auf welchem Planeten dieser Héctor Murguía lebt…jedenfalls nicht in Juarez.

3000 Tote in Juarez

Ciudad JuarezAm Dienstag wurden in Ciudad Juarez, der Grenzstadt zu El Paso, Texas, zwei weitere Männer auf offener Straße erschossen. Damit stieg die Mordrate in diesem Jahr auf 3000, so hoch wie noch nie.

Juarez ist die derzeit gefährlichste Stadt der Welt. Der seit Anfang 2008 schwelende Drogenkartellkrieg in Mexiko, hat alleine hier mindestens 7386 Menschenleben gefordert.

2008 starben 1623 Menschen, 2009 2763 und dieses Jahr ist mit 3000 Toten noch nicht zu Ende. Nichts deutet derzeit darauf hin, dass die verheerende Situation in Juarez unter Kontrolle zu bringen ist

Das Morden geht weiter

Ciudad Juarez kommt nicht zur Ruhe. Allein am Samstag wurden 18 Menschen im Stadtgebiet umgebracht. Der Krieg von Drogenkartellen und -Banden ist einfach nicht stoppen. Ciuadad JuarezSeit fast drei Jahren bekämpfen sie sich in der Grenzstadt zu El Paso und die Regierung, die Polizei und das Militär schauen hilflos zu. Sie versuchen zwar die Situation unter Kontrolle zu bekommen, verhaften hier und da einen „Kingpin“, einen der Drogenbosse, doch das hat bislang zu nichts geführt. Es scheint, als ob sich die Lage von Monat zu Monat nur noch verschlimmert. Seit Beginn des Kartellkrieges vor drei Jahren sind rund 7000 Menschen in Ciudad Juarez ermordet worden.

In Ciudad Juarez herrscht die Anarchie. Zwar wurde erst kürzlich ein neuer Bürgermeister ins Amt gewählt, doch die Aussichten für ihn sind mehr als düster. Die Bürger der Stadt, die die noch nicht weggezogen sind und bleiben müssen, trauen sich nicht mehr aus dem Haus. Restaurants und Bars sind verwaist. Juarez ist zu einem Vorhof der Hölle geworden.

Tod und Anarchie in Juarez

Ciudad JuarezÜber die Situation im nordmexikanischen Ciudad Juarez wird in diesen Tagen viel berichtet. Ein erneutes Massaker an Jugendlichen geht durch die Nachrichten…

Vor einigen Monaten besuchte ich die Grenzstadt zu El Paso. Als ich dort war, wurden täglich „nur“ zehn Menschen ermordet. Mittlerweile ist die Situation erneut außer Kontrolle geraten. 20-30 Menschen werden in Juarez täglich Opfer von Gewaltverbrechen…..und ein Ende ist nicht in Sicht.

Zum Nachhören hier das SWR/DRS-Feature. Reise in eine Stadt, die im Chaos versinkt:

Besuch in Ciudad Juarez     

Der Kinderalltag in Juarez

Ciudad Juarez ist die Grenzstadt zu El Paso. Nur eine Brücke trennt die beiden Städte. Hier die zweitsicherste amerikanische Großstadt, dort die gefährlichste Stadt der Welt. Alleine in diesem Jahr sind schon über 2100 Menschen in Juarez ermordet worden. Am vergangenen Donnerstag war es wieder mal besonders blutig. 25 Menschen starben, der jüngste gerade mal 15 Jahre alt.

Mord in JuarezDie 1,5 Millionen Stadt gleicht einer Kriegszone. Ein normales Leben ist schon lange nicht mehr möglich. Schießereien, „Drive-by shootings“, gezielte Morde, Entführungen, Vergewaltigungen und nun auch immer öfters Autobomben, der Alltag in Juarez wird mit Blut gemalt. Die Polizei und das Militär zeigen Präsenz, bekommen die Situation aber nicht unter Kontrolle. Die Kartelle und die ihnen angegliederten Banden bekriegen sich bis zum bitteren Ende. Drogen, Waffen, Respektlosigkeit vor einem menschlichen Leben, Juarez ist zum einem Höllenplatz geworden.

Und die Kinder, die in Familien geboren wurden, die nicht einfach wegziehen können, sie wachsen mit der täglichen Gewalt auf, den täglichen Bildern in den Zeitungen und im Fernsehen und in der Nachbarschaft. Mit der Angst selbst davon betroffen zu sein. Dieses Bild zeigt genau das, was in Juarez tagtäglich passiert. Ein kleines Mädchen schaut durch ein Gitter zum Nachbargrundstück. Dort liegen nach einer Schiesserei gleich mehrere Tote auf dem Asphalt. Der Drogenkrieg hat viele Opfer.