Amerika zwischen den Küsten

In Oakland und der Bay Area zu leben heißt, man lebt auf einer politischen Insel. Donald Trump erreichte bei den Wahlen 2016 in den meisten Distrikten meiner Wahlheimat einstellige Ergebnisse und lag oftmals noch hinter der Kandidatin der Grünen Partei, Jill Stein. Wer mutig ist und auffallen will in Oakland, Berkeley oder San Francisco läuft mit einer „MAGA“ Mütze durch die Straße. In meiner Nachbarschaft hat ein älterer Herr einen NRA-Aufkleber auf seinem Auto, schon allein das ist Gesprächsstoff unter Nachbarn.

Wellenlos mit Johnny Cash über den See.

Doch San Francisco/Oakland und selbst Kalifornien sind nicht die USA. Wer Amerika verstehen will, muss von den Küsten weg fahren, rein ins Land, dorthin, wo über Jahrzehnte das Mittelwellenradio mit Sendungen von Rush Limbaugh, Farm Talk oder Gun Talk die Tagesgespräche bestimmte. Auf einer jüngst in der New York Times veröffentlichten Landkarte mit den genauen Wahlergebnissen der Präsidentenwahl von 2016 kann man sehen, dass das Land weitgehendst rot ist, also republikanisch. Demokratische Blautöne gibt es vor allem in den Küstenmetropolen und in Universitätsstädten wie Butte, Montana, Madison, Wisconsin, oder auch hier oben in Houghton, Michigan. Und damit will ich nicht sagen, dass unstudierte Amerikaner vor allem Donald Trump gewählt haben. Vielmehr, dass Universitätsstädte vielleicht auch mehr für ein kritisches Denken und Weltoffenheit stehen.

Gestern Abend beim Kayaken über den kleinen See, an dem ich gerade bin, dachte ich genau darüber nach. Johnny Cash spielte ein paar Songs, der perfekte Soundtrack für diesen Versuch des Amerikaverstehens. Und hier in der Einöde, der Wildnis, der Abgeschiedenheit ist Washington, der Handelskrieg, Iran und Nordkorea, „Pussy Grabbin'“ und selbst die Mauer an der mexikanischen Grenze ganz weit, weit weg. Hier gibt es andere Probleme, die nicht von Washington und nicht von Präsident Trump gelöst werden können, auch wenn hier vereinzelt Schilder am Rand des Highways stehen „Support the UP – Logging & Mining“. Die regionale Wirtschaft wird man durch mehr Baumfällen und Bergbau nicht ankurbeln können. Wie die San Francisco Bay Area eine politische Insel fernab von Amerika ist, ist auch diese Region eine Insel im amerikanischen Kosmos. Weit weg von der Scheinrealität, die uns über CNN, FOXNews und andere vorgegaukelt wird.

Beim Versuch dieses riesige Land auf dem kleinen See zu verstehen wurde mir einfach klar, dass Amerika nicht zu verstehen ist. Es gibt nämlich nicht nur dieses eine Amerika. Es ist ein Land der Immigranten, die oftmals ihre Herkunft, die Sprache und die Kultur ihrer Eltern pflegen. Es ist ein Land der verschiedenen Interessen, die hier problemlos ausgelebt werden können. Es ist ein Land der vielen kleinen Inseln in einem stürmischen Meer. Nichts und niemand wird die Staaten von Amerika vereinen können. Was das Ziel vielleicht sein könnte ist, dass die gesellschaftlichen Gräben in diesem Land nicht tiefer werden. Und das allein wäre schon ein riesiger Erfolg.

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Jeder Muskel schmerzt

Als freier Journalist zu arbeiten ist nicht immer einfach. Immer ist man auf der Suche nach Themen, und wenn man die hat, dann nach Abnehmern. Im Urlaub und bei Krankheit verdient man nichts und Gehaltserhöhungen gibt es auch nicht. Und doch, ich wollte es gar nicht mehr anders. Denn man kann auch einfach sagen, heute mal nicht. Und heute war so ein Tag. Hier in Nordkalifornien herrschen derzeit frühlingshafte Temperaturen. Die Sonne scheint, kaum Wind. Also dachte ich mir, heute gehe ich mal wieder kayaken. Und nicht nur so, sondern rund um Alameda Island. Das ist die Insel, die vor Oakland liegt.

Ich weiß, San Francisco Reisende verschmähen meist die East-Bay, doch das ist ein Fehler. Glauben Sie mir einfach, ich lebe hier schon lange genug. Die Tour, die ich mir heute mal wieder vornahm, ist nicht ohne. Mehr als vier Stunden paddelte ich um die Insel. Am Ende verfluchte ich meine Entscheidung, jeder Muskel in meinen Armen und im Oberkörper schmerzte, der rechte Unterarm wollte nicht mehr, einige Finger meiner rechten Hand verkrampften sich nur noch, die Blasen an den Händen wurden groß und größer.

Doch im Nachhinein ist alles vergessen, die San Francisco Bay Area ist ein wunderschöner Fleck Erde. Im Kayak unterwegs hat man einmalige Ausblicke. Am Anfang ging es vorbei an „Coast Guard Island“, einem Stützpunkt der amerikanischen Küstenwache. Das ist eine kleine aufgeschüttete Insel zwischen Alameda und Oakland. Ich bin kein Vogelexperte, doch ich schätze mehr als ein Dutzend Vogelarten kreuzten meinen Weg, darunter auch geschützte Arten, wie der braune Pelikan. Und immer wieder tauchten Seelöwen auf und schauten dem Bekloppten im blauen Boot zu.

Alameda Island hat eine komische Form. Lange Zeit war die Insel ein Stützpunkt der US Navy. Schutzmauern wurden ins Wasser gebaut, um die Flotte zu sichern. Heute liegt die USS Hornet im Hafen von Alameda, ein alter Flugzeugträger, den man unbedingt besuchen sollte, wenn man in der Gegend ist. Diese Seemauern mußte ich allerdings umpaddeln. Damit kam ich sehr weit raus in die Bay und war dann sogar auf Höhe von Buena Vista und Treasure Island, in der Mitte der Bay Bridge. Der Blick von dort einmalig.

Und dann ging es zurück in den Kanal zwischen Oakland und Alameda. Links der Hafen von Oakland, einer der größten an der amerikanischen Westküste. Es dauerte eine Ewigkeit, bis ich an den gewaltigen Containerschiffen vorbeigepaddelt war. Trockendocks auf der rechten Seite und dann kommen die Hausboote, die es auch hier gibt, nicht nur in Sausalito, auf der anderen Seite der Golden Gate Bridge. 20 Jahre lebe ich nun schon in der Gegend, 17 davon in Oakland. Die Stadt hat viele schöne Seiten, eine davon ist die Hafengegend, die „Waterfront“ mit dem Jack London Square. Nach über vier Stunden war ich zurück am Ausgangspunkt, das Kayak konnte ich kaum aus dem Wasser heben. Mit Sicherheit werde ich heute Nacht sehr angenehm und tief schlafen.

„Bär, warum machst du das?“

Mary Maley paddelte mit ihrem Kayak von Ketchikan nach Petersburg in Alaska, als sie einen Zwischenstopp in Berg Bay einlegte. Kurz darauf tauchte ein Bär auf, der neugierig auf sie zulief. Maley griff zu ihrem Pfefferspray, drückte ab, was dem Bären so gar nicht gefiel. Dabei redete sie auf Meister Petz ein. Der drehte sich jedoch um und ging schnurstraks auf ihr Kayak zu. Mary Maley versuchte ihn mit Worten davon abzuhalten, doch der zerlegte etwas das Boot der Touristin. Nach etwa zehn Minuten verschwand der Schwarzbär, Maley mußte zu einem Segelboot in der Bay schwimmen, um von dort Hilfe zu rufen. Ein deutsches Schiff griff sie und ihr lädiertes Kayak schließlich auf. Das Video von der etwas anderen Bärenbegegnung wurde zum youtube Hit.

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Die Tote, das Meer und der Hund

Die 53jährige Donna Chen ging mit ihrem Hund in Sarasota, Florida, spazieren, als sie von einem Auto erfasst wurde. Am Steuer saß der 22jährige, betrunkene Blake Talman. Chen starb noch am Unfallort. Ihr Hund wurde bei dem Unfall verletzt, riss jedoch aus. Kurze Zeit später wurde er gefunden, als er auf das Kayak von Roy O’Connor zuschwamm, der sich fast einen Kilometer vor der Küste beim Angeln treiben ließ. Der Tourist aus Bellingham, Washington State, filmt immer mal wieder seine Angeltouren, und auch diesmal rollte die Kamera, als aus dem Hintergrund der Hund angeschwommen kam. Sein Video von der besonderen Hunderettung ist zum You Tube Renner geworden.

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