Hillary kandidiert nicht

Mehr als eineinhalb Millionen facebook „Likes“. In Umfragen liegt sie vor allen anderen potentiellen Kandidaten und Kanditatinnen. In den Talk Shows und den 24 Stunden Nachrichtenunterhaltungsprogrammen wird sie schon jetzt als die zukünftige Präsidentin gehandelt. Und dennoch, Hillary Clinton wird 2016 nicht fürs Weiße Haus kandidieren. Das sagt sie nicht selbst, sie hat sich bislang weder für eine Kandidatur noch gegen eine ausgesprochen.

Ich glaube nicht, dass Hillary Clinton in den Ring steigen wird. Das hat gleich mehrere Gründe. Zuallererst ihr Alter, Hillary wird im Wahlkampf 2016 kurz vor dem Wahltag ihren 69. Geburtstag feiern. Barack Obama war 47 als er gewählt wurde, George W. Bush 54 und Bill Clinton 46 Jahre alt. Amerika hat kein Problem einen hochbetagten Verfassungsrichter oder Senator zu wählen, aber einen Präsidenten oder eine Präsidentin, die das Renteneintrittsalter schon überschritten hat, ist, gerade im schnelllebigen Internetzeitalter, kaum noch vertretbar.

Dann ist da der Scherbenhaufen, den Barack Obama hinterlassen wird. Seine Gesundheitsreform, auch „Obamacare“ geschimpft, wird nicht so umgesetzt, wenn überhaupt, wie er das erhoffte. Der Unmut gegen dieses Regierungsprojekt wächst in der Bevölkerung. Hillary Clinton selbst stand während der ersten Amtszeit ihres Mannes für den Versuch, eine breite Gesundheitsreform umzusetzen und scheiterte kläglich. Das hat man ihr bis heute nicht vergessen. Der Vergleich zwischen Hillary und Obama wird gezogen werden, auch ihr wird man weiter Reformversuche nachsagen. Ein tödliches Unterfangen nach „Obamacare“. Darüberhinaus ist Obama ein gescheiterter US Präsident, der eigentlich nur wiedergewählt wurde, weil sein Gegenkandidat schwächelte und einen miserablen Wahlkampf fuhr. Hillary müßte auf dem Scherbenhaufen eines Demokraten in den Kampf ziehen, sie müßte sich ganz klar absetzen und distanzieren. Das alleine ist schon eine Schwächung.

Hillary Clinton hat sich zwar als US Senatorin für ihre Wahlheimat New York und dann als Außenministerin einen guten Ruf und Anerkennung erarbeitet, doch es liegen so einige politische Leichen in ihrem Keller, die mit Sicherheit ausgegraben werden. Man denke da nur an den Terroranschlag von Benghazi, damals war Clinton „Secretary of State“. Wie brutal und schmerzhaft das sein kann, das zeigte ihr der Wahlkampf 2008 gegen Barack Obama. Hillary, die schon damals als sichere Kandidatin galt, war verwundbar und wurde öffentlich gedemütigt. Das weiß sie, das hat sie nicht vergessen.

Ein Wahlkampf der Superlative, wie es das Rennen 2016 zweifellos werden wird, verlangt eine Frau oder einen Mann, der sich zuallererst in den eigenen Reihen durchsetzen kann. Beide Parteien werden einen Vorwahlkampf führen, der schon in diesem Jahr beginnen wird, mehr als zwei Jahre vor der eigentlichen Stimmabgabe. Dann geht es in das Rennen gegen den politischen Gegner. Der letzte Marathon ums Weiße Haus kostete über eineinhalb Milliarden Dollar. 2016 wird die Preismarke für Oval Office locker auf über zwei Milliarden Dollar steigen.

Hillary Clinton wird heute in Washington und darüber hinaus respektiert. Doch der Stern der Clintons ist schon länger gesunken. Mittlerweile ist auch vielen Demokraten in den USA klar, dass Bill Clinton kein Überpräsident war, wie das Kennedy oder Reagan waren. Und auch Hillary wird nicht das verwirklichen können, was Barack Obama im Wahlkampf 2008 mit „Hope“ und „Change“ erreichen wollte.

Hillary Clinton wird nicht kandidieren, das steht für mich fest. Doch warum nimmt sie ihren Namen dann nicht aus dem Hut der möglichen Kandidaten? Ganz einfach, so lange sich die Medien, die Öffentlichkeit und auch der politische Gegner auf sie konzentrieren, so lange wird keiner der anderen potenziellen demokratischen Kandidaten verheizt. Und es tut ihrem Ego und auch ihrem Verkaufswert gut, wenn sie so oft wie jetzt als die Heilsbringerin der USA dargestellt wird, wenn sogar politische Kontrahenten erklären, sie wäre besser als Obama gewesen. Eine späte Genugtuung der besonderen Art.

Zu diesem Zeitpunkt wäre ich also mehr als überrascht, wenn die einstige First Lady ins Rennen einsteigt. Denn fest steht für mich, sie hätte nach acht Jahren Obama keine Chance ins Weiße Haus einzuziehen.