Gesetzestreue in Juarez

Nach einem Interview an der Universität in El Paso ging es wieder rüber nach Juarez. Die Stadt hat einen Reiz, auch wenn man als Besucher nicht ganz begreift, wie man sagen kann “I love this city”. Noch viel mehr Ladenfronten als im letzten Jahr sind vernagelt, Häuser herunter gekommen, verwahrlost, am Einstürzen. Dann die allseits präsente und schwerbewaffnete lokale und Bundespolizei, dazwischen immer wieder Militär. Die schönen Tage von Ciudad Juarez sind längst verblasst.

Und dann ging es mit dem jungen Reporter einer Lokalzeitung durch die Stadt. Der 22jährige erzählt von seiner Arbeit, seinen Erlebnissen, berichtet vom Leben diesseits und jenseits der Grenze. Vor kurzem mußte er nach El Paso übersiedeln, nachdem er von der Bundespolizei entführt worden war. Zuvor hatte er einen Artikel über die Verflechtungen der Polizei mit den Drogenkartellen veröffentlicht. Kein Spaß, Luis zog sich erst einmal zurück.

Nach all den Interviews in El Paso und Ciudad Juarez schaut man die patroullierende Polizei ganz anders an. Den Schupos vertrauen hier die wenigsten, ich schließe mich da gerne an. Die noch im letzten Jahr überall zu findenen Flugblätter von verschwundenen Frauen, die damals noch an jedem Lichtmast und Telefonhäuschen hingen, sind fast vollständig verschwunden. Auch die rosa Kreuze auf einem Grundstück, auf dem die Leichen von zehn Frauen gefunden wurden, sind nicht mehr da. Es scheint fast so, als ob Juarez nicht in aller Öffentlichkeit an die Gefahr und die Frauenmorde erinnert werden will. Nach den Interviews mit dem Bürgermeister und dem Bischof wundert einen gar nichts mehr.

Doch man kann auch lachen in Juarez. Im Kentucky Club auf der Avenida Benito Juarez hängen die gesetzlich vorgeschriebenen Nichtraucherzeichen, doch niemand stört sich daran. Es wird gequalmt. Auf die Frage, warum man das hier darf, bekommt man nur ein Lachen. Ja, es wäre wohl eher sehr seltsam, wenn ausgerechnet dieses gutgemeinte Gesetz in Juarez eingehalten werden würde – Rauchen kann tödlich sein!