Ruandische Kaffee-„Gulldur“ in DC

Es schmeckt nach Afrika.

Es schmeckt nach Afrika.

Für eine Veranstaltung bin ich für ein paar Tage in Washington DC. Die ist erst morgen Abend, von daher laufe ich heute durch die Gegend. Erster Anlaufpunkt, das Bourbon Café auf der Pennsylvania Avenue. Ein kleines Nachbarschaftscafé, man läuft fast daran vorbei. An den Wänden ruandische Körbe, ein paar Sessel in vertrauten afrikanischen Mustern, viel Holz, aber alles sehr schlicht gehalten. Ich wollte hier meinen Morgenkaffee trinken, denn diese Café-Kette kommt aus Ruanda. Bei meinen zahlreichen Aufenthalten in Kigali war ich oft im „Bourbon“.

Ruanda ist bekannt für seinen Kaffee, obwohl man in vielen Hotels nur grottiges, lösliches Pulver angeboten bekommt. Bourbon Café hat das geändert. Man hat erkannt, dass die hügelige Landschaft Ruandas ideal für den Kaffeeanbau ist. Seit über 100 Jahren wachsen dort schon wild die Bohnen. Nun setzt man in der „Schweiz Afrikas“ auf diesen Exportschlager, mit seinen „deep, buttery chocolate flavors, as well as their sweetness and very light fruit overtones“…genau, ich könnte es nicht besser beschreiben.

In den USA gibt es bislang nur in Washington DC und in Cambridge vier dieser Cafés. Mit den großen Ketten kann man da nicht konkurrieren, aber will man das überhaupt. Ich genieße jetzt noch eine zweite Tasse Latte, bevor ich dann weiterlaufe in Richtung „German-Heritage Museum„. Ein Tag voller „Gulldur“, wie der Franke sagt (Pardon my Frankonian). Von der Kaffeekultur Afrikas zu dem, was die deutschen Einwanderer mit ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten mitgebracht haben.

„Die wollten mich killern“

      Besuch bei Schwester Milgitha

Heute morgen bekam ich die Nachricht: „Milgitha ist gestern Abend gestorben“. Immer mal wieder hatte ich über sie in der NZ, im Blog und in anderen Medien berichtet. Eine große Frau, eine katholische Ordensfrau, die seit den 70er Jahren im ländlichen Kaduha in Ruanda lebte.

Schwester Milgitha in Kaduha, Ruanda.

Schwester Milgitha in Kaduha, Ruanda.

Über eine Huppelpiste fuhren wir damals in das kleine Dorf, um sie zu treffen und zu interviewen. Teils im Schritttempo, die Straße war mehr ein Bachbett. Und dann saßen wir da in diesem Raum, ein riesiges ruandisches Holzkreuz an der Wand und Milgitha erzählte aus ihrem Leben. Von den Anfängen in Kaduha, vom Aufbau der Gesundheitsstation, von den Tagen „als der Teufel nach Ruanda kam“. Es war schon fast stockdunkel draußen, wir hörten ihr einfach zu, wie sie das schilderte, was sie gesehen und erlebt hatte, wie sie versuchte, das Unausprechbare in Worte zu fassen. Ich hielt einfach das Mikrofon und ließ sie reden. Und dann sagte sie in ihrem münsterländischen Akzent diesen Satz, an den mich Britta heute morgen erinnerte „Die wollten mich killern“. Wir mußten damals beide lächeln. Und ich lächele jetzt auch. Die wollten sie „killern“, aber sie konnten nicht.

Es war eines der bewegendsten und folgenreichsten Interviews für mich. Damals fuhren Britta und ich tief bewegt nach Kigali zurück. Wir haben sie danach noch mehrmals getroffen. Das letzte mal sah ich sie im Garten des berühmten „Hotel Ruanda“, des Hotel des Milles Collines in Kigali. Wir saßen zusammen, aßen und tranken etwas, unterhielten uns, lachten viel. Milgitha erzählte gerne. Und sie war bekannt, wie der bunte Hund in Ruanda. Immer wieder kamen Männer und Frauen an unseren Tisch und schüttelten ihr die Hand. Milgitha war für viele Jahre der gute Engel im Land der tausend Hügel.
Sie war eine kraftvolle Frau, voller Energie. Sie ging ihren Weg, so weit, dass sie sich sogar mit dem Mutterhaus in Münster überwarf und schließlich ausgeschlossen wurde. Sie wollte in ihrem Ruanda sterben, doch vor ein paar Wochen mußte sie für eine Operation nach Deutschland ausgeflogen werden. Eine Krankenversicherung hatte sie nach ihrem Rauswurf aus dem Mutterhaus nicht mehr, Familienmitglieder, Freunde, Bekannte und Unterstützer halfen aus. Es ging nicht mehr anders. Gestern Abend verstarb Schwester Milgitha in einem Bonner Krankenhaus.

Jahrestag des Genozids

      Ein Zeuge berichtet

In den Abendstunden des 6. April 1994 wurde die Präsidentenmaschine im Anflug auf den Flughafen der ruandischen Hauptstadt Kigali abgeschossen. An Bord der ruandische Präsident Juvénal Habyarimana und sein burundischer Amtskollege Cyprien Ntaryamira. Das Attentat war der Auslöser für das 100tägige Abschlachten der Tutsi Minderheit und der gemäßigten Hutu Opposition im Land. Am Ende waren fast eine Million Menschen ermordet worden.

Die westlichen Nationen zeigten sich vom Ausmaß überrascht, weigerten sich lange Zeit, von einem Genozid zu sprechen. Erst nach langem Druck auf die UN und die westlichen Nationen, wurde das gezielte Morden nicht länger nur eine Stammesfehde genannt. Doch das Einschreiten kam zu spät, viel zu spät.

Der Audiobeitrag schildert die Erfahrungen der katholischen Ordensschwester Milgitha im ruandischen Kaduha im April 1994.

 

Ich bin nicht der einzige

      Ich bin nicht der einzige

Es gibt solche Momente, da ist man sprachlos. Was soll man auch sagen in solchen Augenblicken? Wenn man zum Beispiel in Kigali einem jungen Mann gegenüber sitzt, der einem erzählt, wie er als Kind vor dem Genozid in Ruanda fliehen mußte, Verwandte ihn im Busch von Tansania aussetzten, seine Eltern beim Abschlachten in Ruanda umkamen, er danach mit viel Wille, Ehrgeiz, Mut und Kraft in die Schule ging, lernen wollte. Er einem gesteht, es gab Augenblicke, an denen er sich umbringen wollte, er dennoch seinen Lebensweg weiter ging, Deutsch lernte, in Deutschland studierte und zurück in sein Land kam, um hier am Wiederaufbau mitzuhelfen. Wenn dieser junge Mann im Blick zurück erklärt, es sei nie leicht gewesen und gleichzeitig relativiert „ich bin nicht der einzige“….

Oder man sitzt in einem kleinen Büro in der ruandischen Hauptstadt und hört die Lebensgeschichte eines anderen, der beschreibt, wie seine Eltern sich ein paar Tage Überleben erkaufen konnten, bevor die Hutu Milizen mit Macheten und Knüppeln kamen. Er überlebte, weil er sich bei einem Freund versteckte, danach mit der Hilfe eines Bekannten flüchten konnte, vorbei an abgeschlachteten Männern, Frauen, Kindern. Er erlebte den ganzen Horror des ruandischen Genozids, als die Welt 100 Tage einfach wegschaute, so als ob da nichts passierte im Herzen von Afrika. Wenn dieser Mann heute die Genozid Gedenkstätte in Kigali leitet, aus dem Drang heraus, dass so etwas nie wieder passieren darf, er für sich einen Weg gefunden hat seine eigene Geschichte zu verarbeiten, auch dann sitzt man schweigend da.

Dieses Feature soll erinnern, nachdenklich machen, anregen, genauer hinzusehen, was da in der weiten Welt passiert.

Hier schraubt der Pilot noch selbst

San Francisco – Kigali…lange Strecke, die man auch noch länger machen kann. Der Doppeldecker von Lufthansa kommt zu spät in SFO los, ein Gerenne dann in Frankfurt, um von einem Ende des Flughafens zum anderen zu kommen. Der Frankfurter Airport ist einfach eine Katastrophe. Aber ich kriege noch die Maschine nach Addis Abeba. Nur beim Buchen war mir nicht klar, dass wir auch noch in Khartum im Sudan zwischenlanden. Auch schön….und kaum unten in der sudanesischen Hauptstadt kam Habub, ein für den Sudan typischer rötlicher Sandsturm. Also saßen wir da auf der Landebahn und warteten und warteten und warteten, bis der Pilot wieder 250 Meter weit sehen konnte.

Weiter ging es nach Addis Abeba in Äthiopien. Aufgrund der Verspätung wieder durchs Flughafengebäude gerannt. Mit einem Bus sollte ich dann zur Maschine gebracht werden, doch der Fahrer wußte nicht so recht, wo das Flugzeug parkte. Also verfuhren wir uns gleich mehrmals auf dem Gelände. Auch schön…doch schließlich sass ich in einem abgeranzten und sichtlich abgeflogenen Flieger der Ethiopian Airlines Richtung Ruanda…und es ging nicht direkt nach Kigali, sondern erst einmal ins ugandische Entebbe. Auch das hatte ich bei der Buchung übersehen. Und dort wartete ich wieder eine Stunde im durchgesessenen Sitz.

Schließlich schmiss der Pilot die Propeller an und rollte Richtung Startbahn. Doch dann drehte er ab, fuhr ein bißchen durch die Nacht am Flughafen und hielt irgendwo und mittendrin an. Motoren aus. „Wir haben ein kleines technisches Problem“. Und um die Passagiere richtig zu beruhigen, kam der Pilot mit einem Schraubenzieher aus dem Cockpit und begann da vorne rumzuschrauben. Doch das half nichts, die blinkende Warnleuchte im Cockpit wollte einfach keine Ruhe geben. Also ging er nach hinten und holte von dort einen Laptop auf dem er – kein Witz – das „Fault Isolation Manual“ öffnete, also die Anleitung zur Problemlösung für diese Maschine. Motoren an, Motoren aus, Motoren an, Motoren aus, rumgefummele, der Schraubenzieher wurde auch wieder eingesetzt…und nach einer Stunde, mitten in der Nacht, ging es dann weiter Richtung Kigali. Sicher und ohne Störungen setzte der Flieger auf….alles klar, bis auf mein fehlendes Gepäck, doch nach rund 32 Stunden unterwegs, ist einem auch das in dem Moment völlig egal.

In der Hölle und zurück

Unten wurde der polnische Ministerpräsident mit Militärehren, Fanfaren und Salut empfangen, im zweiten Stock saß ich General a.D. und Senator Romeo Dallaire gegenüber. Ottawa strahlte an diesem Montagmorgen unter einem blauen Himmel. Und auch der 65jährige lacht. Ganz stolz zeigt er mir die deutsche Ausgabe seines Buches „Handschlag mit dem Teufel„.

Romeo Dallaire ist durch die Hölle gegangen, ein Jahr lang war er in Ruanda stationiert. Hochmotiviert kam er im August ’93 in dieses kleine afrikanische Land, um die UN Truppen zu befehligen, die das dortige Friedensabkommen überwachen sollten. Doch alles kam anders. Im Rückblick war klar, radikale Kräfte in der Regierung und im Land arbeiteten auf die Endlösung hin, sie wollten die Tutsi Minderheit auslöschen. Man spielte mit ihm. Die verschiedensten radikalen Kräfte im Land und auch die Politdiplomaten daheim in New York.

Im Interview berichtet der Senator von damals, von seinen Einschätzungen, von den Versuchen, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen endlich zum Handeln zu bringen. Aber auch davon, dass Länder wie Deutschland schlichtweg versagt haben, kaum mit ihm als UN Vertreter vor Ort zusammen gearbeitet haben oder zusammen arbeiten wollten. Deutschland war Teil einer Gruppe von Botschaftern, die sich regelmäßig in Kigali traf, um die Lage vor Ort zu besprechen.

Romeo Dallaire erzählt, man merkt ihm im Gespräch nicht an, dass er Zeuge eines der schlimmsten Verbrechen der Geschichte war. Im Jahr 2000 versuchte er sich umzubringen, die Diagnose posttraumatische Belastungsstörung. Die Geister von Ruanda lassen ihn nicht mehr los. Seine Erlebnisse, seine Erfahrungen in Ruanda und innerhalb des gewaltigen UN Apparats, die Enttäuschungen, die Hilflosigkeit, der Handschlag mit dem Teufel haben sein Leben verändert. Romeo Dallaire blickt nach vorne, sucht den Kontakt und das Gespräch mit vielen jungen Menschen. Man habe aus der Geschichte gelernt, sagt er. Und fügt hinzu, zumindest auf dem Papier.

Manager von Hotel Ruanda ausgezeichnet

Das Hotel Des Mille Collines in Kigali ist weltberühmt durch den Film „Hotel Ruanda“ geworden. Darin wird die Geschichte des Hotelmanagers Paul Rusesabagina beschrieben, der während des ruandischen Genozids verfolgten Tutsis und Hutus in seiner Herberge Unterschlupf und Schutz bot. Der Hollywoodfilm portraitiert Rusesabagina als einen Mann, der sich bewußt, entschlossen und energisch gegen die mordenden Banden vor seinem Tor stellte und somit vielen Menschen das Leben retten konnte.

Nach dem Genozid zog Paul Rusesabagina nach Belgien, wo er heute noch lebt und zu einem deutlichen Kritiker von Ruandas Präsident Paul Kagame wurde. Was der einstige Manager vor allem immer wieder anspricht ist die Tatsache, dass in jenen 100 Tagen 1994 nicht nur Tutsis umgebracht wurden, es also nicht ein reiner Genozid an dieser Bevölkerungsgruppe war. Rusesabagina weist immer wieder darauf hin, dass auch Tausende von Hutus umgebracht und abgeschlachtet wurden, die sich gegen diesen geplanten und gezielten Massenmord richteten.

Doch dieses Bild stößt der Regierung in Kigali auf. Schon länger setzen patriotische Gruppen Ruandas im Ausland jene unter Druck, die die offizielle Sichtweise Kigalis anzweifeln und auch die Kriegsverbrechen der RPF Armee unter General Kagame untersucht haben wollen. Auch Paul Rusesabagina ist ins Fadenkreuz der Ruander geraten, schon seit Jahren traut er sich nicht mehr in sein Heimatland zu reisen.

Als nun Paul Rusesabagina für den Menschenrechtspreis der Lantos Stiftung in den USA vorgeschlagen wurde, gab es heftige Proteste in Ruanda, Belgien, USA und Kanada. Der Organisation wurde vorgeworfen, einen Verfechter des  historischen Revanchismus auszuzeichnen, der mit seinen Äußerungen nur die Spaltung des ruandischen Volkes verfolge. Auch wird Rusesabagina von Seiten ruandischer Gruppen beschuldigt, 1994 nur dann Tutsis in sein Hotel gelassen zu haben, wenn sie dafür Tausende von Dollar zahlten. Er, Rusesabagina, habe sich also am Leid und der Not anderer bereichert und sei wahrlich kein Anwärter auf einen Menschenrechtspreis. Die Lantos Stiftung weißt diese Beschuldigungen zurück und erklärte, man habe genauestens recherchiert.

Paul Rusesabagina wurde nun in Washington trotz Proteste ausgezeichnet. Dafür, dass er als Manager des Hotels Des Mille Collines rund 1200 Tutsis und Hutus im Schlachthaus Ruanda das Leben rettete, als die Weltöffentlichkeit lieber wegschaute.

 

Immun, wenn genehm

Am 6. April 1994 wurde im Landeanflug auf den Flughafen der ruandischen Hauptstadt Kigali eine Maschine abgeschossen. An Bord waren der ruandische Präsident Juvenal Habyarimana und der burundische Präsident Cyprien Ntaryamira. Beide Hutus. Dieses Attentat eskalierte die Situation in Ruanda, die radikalen Hutu Kräfte im Land nahmen den Abschuss zum Anlass, mit Macheten, Speeren und Knüppeln gegen die Tutsi Minderheit vorzugehen. Ruanda glich in den folgenden 100 Tagen einem Schlachthaus, in dem am Ende rund eine Million Menschen ermordet wurden. Die Weltgemeinschaft schaute weg, allen voran der amerikanische Präsident Bill Clinton.

Die Eskalation in Ruanda führte auch dazu, dass der Führer der RPF Armee, Paul Kagame, massiv vom Norden her kommend auf Kigali marschierte. Die Hutus schlachteten sich durchs Land, gefolgt von der „Befreiungsarmee“ der RPF, die auch nicht gerade zimperlich vorging.

Der Abschuss der Präsidentenmaschine wurde nie aufgeklärt. Die radikalen Hutus im Land sahen eine Verschwörung der belgischen Armee mit der RPF. Als Antwort ermordeten sie zehn belgische UN Soldaten, was zum Abzug der Belgier und zu einer weiteren Eskalation führte. Von Seiten Kagames wurden die Hutus in der Regierung beschuldigt, die mit ihrem Schlachtruf „Hutu Power“ das Attentat als Auslöser für ihr Bluthandwerk nutzten. Doch die genauen Hintergründe wurden nie geklärt.

Die Witwen der beiden Präsidenten hatten im April 2010 eine Klage gegen Paul Kagame an einem Gericht im US Bundesstaat Oklahoma eingereicht, als dieser für eine Veranstaltung dort war. Sie beschuldigten den heutigen ruandischen Präsidenten, das dieser den Abschuss des Flugzeugs angeordnet hätte. Sie beriefen sich dabei auch auf einen Beschluß des Verfassungsgerichts von 1997, in dem damals der Prozess Clinton gegen Jones weitergeführt werden konnte, obwohl Bill Clinton als Präsident noch im Amt war und Immunität genoß. Doch Richter Lee West hat nun die Argumentation des Weißen Hauses und des State Departments gelten lassen, die massiv auf die Immunität Paul Kagames als ruandischer Präsident verwiesen. Das Gericht habe keine Zuständigkeit, so Washington. Mit der Klage wurden auch die Hoffnungen vom Tisch gewischt, endlich heraus zu finden, wer hinter dem Attentat vom 6. April 1994 steckte….und vielleicht auch, wer schon lange mehr wußte, als er zu gibt.

Guten Morgen in Kigali

Vor kurzem war ich mal wieder in Ruanda und habe dort die Green Hills Academy besucht, eine Privatschule an der u.a. auch Deutsch unterrichtet wird. Und das erfolgreich. Rund 500 von den 1200 Schülern lernen dort Deutsch. Von der Grundschule bis zum Abitur.

Durch die Unterstützung der Bundesregierung konnte ein umfangreiches Deutschprogramm aufgebaut werden. Betreut wird es durch die deutsche Botschaft in Kigali und das Goethe-Institut in Nairobi. Der bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband schickt dazu sogar PraktikantInnen nach Ruanda und fördert die Lehrerfortbildung vor Ort.

Dazu ein Hörbeitrag, Deutschlernen in Ruanda:

      Deutschlernen in Ruanda

Guten Tag in Kigali

Auf (Nimmer) Wiedersehen sagt man in den USA. Ein Deutschprogramm nach dem anderen wird an High Schools und Universitäten eingestampft. Das Geld in den Bildungseinrichtungen fehlt vorne und hinten, da wird gestrichen wo es geht. Fremdsprachen, wenn es nicht gerade Spanisch oder Chinesisch ist, Musik- und Kunstunterricht, bestimmte Sportarten, alles fällt dem Rotstift zum Opfer. Deutsch ist in den USA beliebt, die Nachfrage da, aber eben nicht mehr so, wie noch vor 20 Jahren. Also weg damit.

Ganz anders hier in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda. An der „Green Hills Academy“ wird die Lehrerin mit „Guten Morgen“ begrüßt. Die Schüler lernen mit den Wise Guys etwas Umgangssprache, schauen sich deutsche Musikvideos an, rappen auch schon mal die deutsche Nationalhymne ganz locker vom Hocker. Deutsch ist „in“ an dieser Schule. Es ist cool die Sprache von Goethe und Rammstein zu lernen. So beliebt sind die Deutschklassen, dass sogar Schüler abgewiesen werden müssen. Über 500 Deutschlernende gibt es an der Schule, alle Altersgruppen, ein Erfolg sondergleichen.

Unterstützt wird das ganze durch das Projekt „Schulen: Partner der Zukunft“ des Auswärtigen Amts, vor Ort betreut durch die deutsche Botschaft. Wenn es in bestimmten Städten keine deutschen Auslandsschulen gibt, werden Partnerschulen vor Ort gesucht, die Deutsch unterrichten oder unterrichten möchten, an denen die Lehrerfortbildung gewährleistet ist und die Nachfrage nach Deutsch da ist. Und in Kigali an der „Green Hills Academy“ ist sie da. Ein Klassenzimmer mit allen Schikanen wurde eingerichtet, Lehr- und Unterrichtsmaterial gestellt, der bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband unterhält ein Austauschprogramm.

An dieser Privatschule kommen die Kinder von überallher. Viele Ruander, doch auch viele Kinder aus anderen afrikanischen Ländern, aus Korea, Japan, nur wenige Schüler sind aus europäischen Ländern. Und Deutsch gilt bei Ihnen als schwierige Sprache, doch auch als Sprache der Zukunft. Etliche von ihnen waren schon in Deutschland, viele wollen später dorthin reisen oder auch dort studieren, wie David aus Nigeria, der schon zwei Jahre lang in Hannover lebte und gerne für ein Studium nach Deutschland zurückkehren möchte. „Wie geht es Ihnen?“ „Mir geht es gut“…wenn ich solche mitreißenden Schul- und Sprachprojekte, engagierte Lehrerinnen und begeisterte Schüler im Herzen von Afrika erleben kann.