Musik nur, wenn sie laut ist

Gestern Abend spielten KMFDM in San Francisco. Eine Band, die seit fast 30 Jahren kompromisslos ihren Weg geht, oder wie es in einem Lied heisst, den „ultimate beat“ präsentiert. Gegründet vom Hamburger Sascha Konietzko gehören KMFDM weltweit zu den Pionieren des härteren Industrial-Metal Sounds. Konietzko singt mal auf Englisch, mal auf Deutsch und liebt solche Wörter wie „Hauruck“, „Ruckzuck“ oder „Tohuvabohu“, die dann vom Publikum begeistert und lauthals mitgesungen werden. Eine Deutschlektion, der etwas anderen Art. Auf solchen Wörtern bauen ganze Songs  auf, und ja, sie sind durchzogen vom „ultimate beat“.

KMFDM touren regelmäßig durch die USA und Kanada. Sie sind eine der deutschen Bands, die unbeachtet von Kulturinstitutionen, Konsulaten und deutschen Musikexportbüros Werbung für Deutschland machen. Am gestrigen Abend traf ich auch Dave Heckman, den Besitzer von Metropolis Records, auf dem KMFDM seit einigen Jahren veröffentlicht sind. Heckman sagte mir mal, sein Label sei wohl das bedeutendste deutsche Label in den USA. Und recht hat er. Seitdem ich Radio Goethe produziere kenne ich Metropolis Records. Neben KMFDM und vielen EBM und Darkwave Acts, wie Wumpscut, Funker Vogt, In Strict Confidence u.a. waren dort auch Wolfsheim und Melotron  mit ihrem Elektropop und viele andere veröffentlicht.

Und auch die Münchner Eisbrecher haben hier ein US Zuhause gefunden. Eisbrecher sind richtig angesagt „overseas“. Wenn man auf Pandora „Rammstein“ oder „KMFDM“ eingibt, dann ist fast jeder dritte Song, der gespielt wird ein Eisbrecher Lied. Auf Deutsch wohlgemerkt. Dave Heckman bestätigte mir, dass dieser Streaming Service mittlerweile mehr als wichtig für sein Indie-Label geworden ist und Eisbrecher darüber hervorragend verbreitet werden.

Heute steht noch ein Interview mit Jürgen Engler an. Er war Gründungsmitglied von „Die Krupps“, die wieder zusammen gekommen sind und mit „The Machinists of Joy“ ein hervorragendes Comeback Album vorlegen. Viele der Texte sind auf Deutsch, die amerikanischen Fans wird es freuen. Harter Beat und „Tschörman“, das geht hier drüben spielend zusammen. Jürgen Engler lebt in Austin, Texas und natürlich kommt die Platte in den USA auf Metropolis heraus. Die Krupps sind auch eine dieser einflussreichen deutschen Bands, die gerne übersehen werden. Doch wer sich ein bisschen mit der deutschen Musikgeschichte beschäftigt, wer einmal genauer hinblickt, der wird etliche Gruppen aus Deutschland finden, die Pioniere in ihrem Genre sind. Und ich rede hier mal nicht von Kraftwerk, Can und Tangerine Dream. Gerade was Anfang der 80er Jahre in Deutschland passierte und allgemein als Neue Deutsche Welle durchgewunken wird, war eine Revolution im internationalen Musikzirkus. Wer an NDW denkt, dem trudeln Lieder der Spaßfraktion von Nena, Markus, Frl. Menke und UKW durchs Ohr. Doch die Plattenfirmen veröffentlichten damals, wohl mehr aus Versehen, auch bahnbrechende Gruppen, die etwas ganz anderes machten, doch eben deutsch waren und somit den NDW Sticker erhielten.  Gerade im Ausland wurden diese Bands für ihre Arbeit, für ihre neuen Ansätze erkannt und geschätzt. Der Blick zurück lohnt sich. Garantiert.

 

KMFDM Sucks

Also, diesen Ausspruch „KMFDM sucks“ sollte man nicht so wörtlich nehmen. „Sucks“ ist eine Single vom 93er Album „Angst“. Darin machen KMFDM deutlich, um was es ihnen geht und singen eben auch „KMFDM sucks“….und genau das riefen die Fans am Samstagabend in San Francisco, um die in Hamburg ansässige Band zu einer weiteren Zugabe zu animieren.

We don’t have no lyrics, our message is nil
We hate all DJs, they’re makin‘ us ill
Whatever we tell you, is meant to be crap
We hate all music, and especially rap
We don’t like Michael Jackson
We hate Depeche Mode
We don’t care for Madonna
Or Kylie Minogue
KMFDM Sucks!

Und auch wenn sie sich selbst auf den Arm nehmen, derzeit tourt die Band um den Hamburger Sascha Konietzko wieder erfolgreich durch die USA. Portland ausverkauft, San Francisco ausverkauft…nun geht es über Los Angeles Richtung Ostküste und dann zurück zum Abschlußgig am 30. März in Seattle. Ein einziger freier Tag, sonst wird durchgebrettert.

Gestern im Independent in San Francisco war die Bude voll. KMFDM wurden lautstark von Fans empfangen, die seit nunmehr Jahrzehnten die Band begleiten. Sie legten los mit Songs aus dem neuen Album „Kunst“. Und immer wieder kamen Klassiker, von „Anarchy“ bis „Tohuvabohu“. Am Ende, als letzte Zugabe, die finale Dröhnung „A drug against war“.

Im Jahr 29 nach Bandgründung hat die Gruppe nichts von ihrem „Drive“, ihrer Energie, ihrer Kraft verloren. Sascha Konietzko ist Anfang 50, man merkt es ihm nicht an, die Hamburger Luft scheint ihm gut zu tun. Er gehört im internationalen Musikgeschäft zu den Pionieren in seinem Bereich. Keine andere Band in diesem Genre hat jemals so eine weltweite und eingeschworene Fangemeinde aufbauen können, und das über einen so langen Zeitraum. Andere kamen, andere gingen, andere wurden massiv beeinflußt. Die Deutschen haben durchaus einen guten Ruf auf der internationalen Bühne, dank Bands wie KMFDM. Sie sind die Topseller auf dem Metropolis Records Label, füllen problemlos die Clubs in Übersee…und haben letztendlich auch Rammstein mit nach oben gebracht. 1997 spielten Rammstein im Vorprogramm von KMFDM und präsentierten ihren Sound einer begeisterten und an der deutschen Musikszene interessierten Fangemeinde.

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Mit Fiddler’s Green und Shiny Gnomes am Pazifik

Vor 16 Jahren schob ich an einem Samstagmorgen in einem kleinen Radiostudio auf dem Campus der University of San Francisco einen Regler nach oben und sagte: „Hallo und guten Morgen, hier ist Radio Goethe“….oder so ähnlich. Die Aufnahme habe ich noch hier auf Kassette rumliegen, aber nicht wieder gehört. Denn solche „Air Checks“ können manchmal sehr peinlich sein. Egal, wichtig ist, es ging los vor 16 Jahren. Mit einer Handvoll CDs schlappte ich an jenem Morgen ins Studio von KUSF und überraschte die paar Hörer, die eingeschaltet hatten. Vor mir lief eine armenische Sendung, nach mir kamen die Perser zum Zug, da passte so ein Deutscher mit einer Musikmischung zwischen Joachim Witt und Kraftwerk ja ideal. Hallo, was ist das denn!

Schon der Name „Radio Goethe“ war alles andere als passend. Amerikaner kennen Goethe nicht und können den Namen auch nicht aussprechen. Das klingt dann nach „Gothic Radio“ oder „Radio GoThiiiii“. Als ich im August 1996 nach San Francisco zog fand ich schnell KUSF im Radio. Der Collegesender war bekannt für seine bunte und vor allem internationale Mischung. Dort konnte ich Kraftwerk, Nina Hagen, Faust, KMFDM und die Neubauten hören und immer auch mal wieder ein paar Underground Hitsingles wie „Der Mussolini“ von DAF. Collegeradio in den USA, vor allem KUSF, war international aufgestellt. Hier blickte man nicht auf die heimischen Charts, hier war man Trendsetter, schaute sich um, hielt Verbindungen mit Industrial Bands in Deutschland, genauso wie mit schrillen Punk Trios in Japan.

Und an einem Tag im September stand ich bei der Programmchefin von KUSF auf der Matte und machte mit holprigem Englisch klar, dass ich Radiomacher und frisch aus dem Volontariat im Funkhaus Nürnberg hierher an den Pazifik gekommen sei und nun unbedingt eine Sendung brauche. Kate Ingram schaute mich ewas perplex an, fand aber wohl, für mich überraschend, die Idee interessant und meinte nur, als „Cultural Producer“ bräuchte ich einen „Underwriter“, also jemanden, der die Sendezeit von 20 Dollar pro halbe Stunde übernimmt. Sie habe auch ein offenes Zeitfenster, eben Samstagmorgen von 10-11 Uhr. In meiner Naivität dachte ich, das ist doch eigentlich die Aufgabe vom Goethe-Institut, die müssten doch an so einer tollen, neuen deutschen Radiosendung interessiert sein. Und der Direktor war es dann sogar auch und fragte, ob ich denn schon einen Namen für die Show habe? Soweit hatte ich gar nicht gedacht. Er schlug „Radio Goethe“ vor. Na ja, nicht gerade der Renner, aber wenn man nichts anderes und besseres weiß, dann nimmt man eben das. Also hieß das Ding von nunan „Radio Goethe“.

Samstagmorgen fing ich mit dem Senden an. Nach ein paar Jahren übernahm nach einer finanziellen Fehlentscheidung der neuen Goethe-Instituts-Direktorin das deutsche Generalkonsulat den „Underwriter“ Part. Die Sendung wurde auf Donnerstagabend verschoben, eine viel bessere Sendezeit. Nun beplapperte und beschallte ich die Hörer zwischen einer kulinarischen Sendung und einer abgefahrenen Astrologenshow. Interessanterweise merkte ich schon bald, dass die Rückmeldungen von überallher kamen, also auch von außerhalb des eigentlichen UKW Sendegebiets. KUSF war einer der ersten Sender, der auch im Netz sendete. Die Idee einer Radio Goethe „Syndication“ war geboren.

Es war einfach die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt. Rammstein gingen ab wie die Rakete in den USA, Al Gore hatte sein Internet erfunden und viele junge Leute suchten im WWW nach deutscher Musik. Und diesen schrägen, schrillen, fremden Sound lieferte ich allwöchentlich live auf KUSF und in einer vorproduzierten „Syndication“ Sendung.

Für mich wichtig war von Anfang an auch immer Bands und Musik aus meiner alten Heimat einzubauen. Das reichte von den Shiny Gnomes, über Klaus Brandl, Atze Bauer und JBO bis zu Fiddler’s Green, von Blue Manner Haze bis Fade und viele mehr. Ich spielte, was ich in die Hand bekam und erzählte über Nürnberg, Franken, das Leben und die Kultur dort. Dazu gab es Interviews mit Musikern, Filmschaffenden, Künstlern, Politikern.

Radio Goethe ist heute auf etlichen Sendern in den USA und Kanada zu hören. Darüberhinaus kann man das Programm am Hindukusch in Afghanistan über die Frequenz des Bundeswehrsenders Radio Andernach und sogar in Namibia empfangen. Etliche Sender im deutschsprachigen und europäischen Ausland strahlen das Programm aus. Und auch lokal ist Radio Goethe in Nürnberg auf AFK Max empfangbar. Radio Goethe wurde in diesen 16 Jahren auf Stationen in 12 Ländern ausgestrahlt.

16 Jahre Radio Goethe, das hätte ich mir damals an diesem besagten Samstagmorgen nicht vorstellen können. Was mich im Rückblick überrascht ist die große Resonanz auf die deutsche Musikszene im Ausland. Und das nicht nur auf Bands wie Rammstein oder Tokio Hotel, sondern auch auf die vielen Bands, die einfach ihr Ding machen, ohne große Unterstützung von Plattenfirmen und Management. Radio Goethe war nie eine Genre Sendung, das sollte sie auch nie sein. Mir war wichtig, die Vielseitigkeit und die Vielschichtigkeit der Musikszenen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu präsentieren. Natürlich habe ich Lieblingsbands und Lieblingssongs, die immer mal wieder auftauchen. Das ist wohl dann meine persönliche Marke. Ob ich das ganze noch weitere 16 Jahre weitermache bleibt offen. Auf alle Fälle wird weitergesendet, so lange es noch Spaß macht und es noch Hörer für dieses schräge Formatradio unfreundliche Programm gibt.

Wie einst Leni Riefenstahl

Ich habe sowohl Riefenstahls Nürnberger Parteitagsfilm und ihren 36er Olympiastreifen gesehen, wie auch schon etliche Rammsteinkonzerte live miterlebt. Aber irgendwie will das für mich nicht zusammen passen. Anders allerdings für amerikanische und kanadische Kritiker, die sich bei der aktuellen Tour der Berliner Combo an Hitlers Lieblings-Leni erinnern. Muß man wohl so stehen lassen, ich denke ja beim Pommesessen bei McDonald’s auch immer an die Lynchjustiz in den amerikanischen Südstaaten. Ist klar, oder?

Rammstein tourten letztes Jahr durch die USA. Die Nachfrage war so groß, dass man gleich nochmal kommen wollte. Es geht wieder quer durchs Land und die Fans sind begeistert. Vom „besten Tag meines Lebens“ bis „phänomenal“ und „einzigartig“ werden die Konzerte in den Blogs und auf facebook beschrieben. Rammstein rocken sich durch den Wilden Westen und zeigen ganz ungeniert, dass man durchaus auch mit deutschen Texten Amerika aufrollen kann.

Die explosive Pyroshow der Berliner ist einzigartig, man kann ohne zu übertreiben sagen, dass Rammstein derzeit die beste Live-Performance im Rockzirkus bieten. Die Tickets für ein Konzert sind nicht gerade billig, doch die Tour ist ausverkauft. Solch einen Hype erlebt man selten. Rammstein sind da, wo sie immer sein wollten. Mit einer bewundernswerten Ausdauer und Disziplin verfolgten sie ihren Masterplan. Als ich 1997 mit Paul Landers im kleinen Club „The Edge“ in Palo Alto hinter der Bühne saß, meinte er, sie begreifen selbst nicht, was da gerade abläuft. Das Ziel sei allerdings, so Landers lachend, auch in den USA die ganz großen Konzertsäle zu füllen. Doch dann auf der Bühne war klar, Rammstein sind ein Phänomen. Die paar Dutzend Amerikaner im Publikum waren geschockt, fasziniert, überrascht, geplättet. Sänger Till Lindemann setzte sich gleich beim ersten Song „Rammstein“ in Flammen. Die Band spielte ihr Programm auf dieser kleinen Bühne.

Seit dieser ersten Tour im Vorprogramm von KMFDM sind Rammstein Kult in den USA. Man hört sie selten im Radio und dennoch verkaufen sich ihre Platten, die größten Konzerthallen sind schon lange ausverkauft, nichts scheint sie stoppen zu können. Lange Zeit drückten sich die offiziellen deutschen Stellen in den USA, Botschaft, Konsulate und Goethe-Institute, darum, auch nur irgendwie in die Nähe der Berliner gebracht zu werden. Und das, obwohl Rammstein wohl mehr für die Verbreitung der deutschen Sprache und der deutschen Kultur getan haben, als viele der „offiziellen“ Kultur- und Sprachangebote. Man muß sich nur ein Konzert der Band ansehen, man sollte nur mal auf die Fanseiten blicken, dann sieht man, Deutsch ist „in“. Und wenn ein 15jähriger über „Du hast“ zum Deutschlernen kommt, soll mir das recht sein.

Rammstein Songs werden in den Deutschstunden der High Schools behandelt. In den Klassenzimmern kommt man über die Berliner auf die deutsche Musikszene, die Berliner Mauer, die DDR, Geschichte, Politik und Kultur.

Und nun touren sie wieder, die Fans jubeln, die Kritiker wissen so gar nicht, was sie davon halten sollen, dass tausende von Kids lautstark auf Deutsch mitsingen. Klar, holen wir mal wieder die olle Leni aus der Mottenkiste. Muß ja sein, jemand, der so schön das „R“ rollt wie Till Lindemann, hat  sicherlich was mit dem bekloppten, kleinen Österrrrrreicher zu tun. Und Explosionen, Feuer und Flammenshow, na, wenn das nicht an den Blitzkrieg über England erinnert.

Das Gute an allem ist, dass die Fans sich von solch bescheuerten Kritiken nicht beeinflussen lassen. Rammstein haben Interesse an Deutschland und der deutschen Sprache geweckt. Dafür sollte man ihnen dankbar sein.

Hitman’s Heel/WTF?!

Gestern Nachmittag saß ich mit Danielle de Picciotto und Alexander Hacke im Cafe de la Press in San Francisco. Wir trafen uns für ein ausführliches Interview. Danielle de Picciotto ist Amerikanerin, lebt allerdings schon seit Mitte der 80er Jahre in Berlin. Und sie ist seit zehn Jahren mit Alexander Hacke, seines Zeichens  Gründungsmitglied der Einstürzenden Neubauten, verheiratet. Man hat nicht oft solche offenen und interessanten Gespräche. Es drehte sich über Kunst und Kultur, über Berlin damals und heute, über die jüngste Platte der beiden – Hitman’s Heel – die als Reisetagebuch gedacht war. Eine sehr empfehlenswerte Platte. Seit einem Jahr pendeln die beiden um die Welt, nehmen Eindrücke auf, machen sich Notizen, genießen das leichte Leben mit nur jeweils einen Koffer.

Und nun sind sie auf USA und Kanada Tour. Danielle de Picciotto liest aus ihrem Erstlingswerk „The Beauty of Transgression: A Berlin Memoir„, ein Buch, das, wie sie sagt, seeeehr lange in Arbeit war. Alexander Hacke wird dazu die musikalische Untermalung liefern. Die beiden ergänzen sich, auf der Bühne, als Künstlerpaar und auch im Interview.

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In zwei Wochen treten KMFDM erneut an, um den Amerikanern eine geballte Ladung Musik „made in Germany“ direkt auf die 12 zu ballern. Im Herbst steht Europa an, natürlich auch etliche Konzerte in Deutschland. Seit über 25 Jahren brettert Sascha Konietzko mit seiner Band durch die Lande. Lange Zeit lebte er in Seattle, seit fünf Jahren ist er wieder in Hamburg. Die Luftveränderung hat ihm nicht geschadet. Die jüngste Platte heißt „WTF?!„, ein brachial geniales Poweralbum. In Deutschland haben sie Probleme mit den Sound, doch weltweit ist KMFDM gefragt. Sie gelten als Pioniere des harten Elektro-Beats. Die Band ist hochpolitisch, hält kein Blatt vor den Mund und das ist und war erfrischend im Bush-Amerika. Als kein Künstler nach 9/11 auch nur einen Hauch an Kritik äußern wollte, alle hatten sie ihre Buxen gestrichen voll, veröffentlichten KMFDM WWIII. Darauf der Song „Stars & Stripes“, in dem es hieß:“Control the airwaves / Fuel the reaction / Use every weapon of mass-distraction / Turn active people into passive consumers / Feed ‚em bogus polls and harebrained rumours / Cut back civil rights / Make no mistake / Tell ‚em homeland security is now at stake / Whip up a frenzy keep ‚em suspended / Don’t let ‚em know that their liberty’s ended“

Natürlich wurde dieser Song kaum im amerikanischen Radio gespielt (außer – of course – auf Radio Goethe!!!), doch der Song fand seine dankbaren Abnehmer. Bei Konzerten wurde der Text von hinten bis vorne mitgesungen. Als ich vor ein paar Tagen mit Sascha telefonierte, meinte er, die anstehende Tour werde richtig gut werden. Das neue Album stehe im Mittelpunkt der Konzerte, es werde komplett gespielt. Ich hoffe natürlich, dass auch ein paar KMFDM Klassiker mit auf die Playlist rutschen.

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Im Nordwesten unterwegs

Zurück aus Afrika und gleich ging es in den Norden nach Bellingham, zwei Autostunden nördlich von Seattle. Hier oben an verschiedenen Universitäten und einer High School geht es in den kommenden paar Tagen um die Frauen Fußball WM, Studienmöglichkeiten in Deutschland und auch über die deutsche Musikszene. Bin mit einem Vertreter des Generalkonsulats und der Repräsentantin des DAAD an der Westküste hierher gereist.
Heute Nachmittag werde ich etwas über die Berliner Musikszene erzählen, am Abend dann in einem Uni-Club auflegen. Deutsche Musik ist hier im Nordwesten der USA sehr gefragt. Die Tickets für das Rammstein Konzert in Tacoma am 15. Mai sind schon fast weg. Aber hier oben lebten auch lange die Mitglieder von KMFDM und hier wurde auch der erste amerikanische Megaherz Fanclub gegründet.
Im Holzfällerhemdland Washington State kommen die harten deutschen Klänge hervorragend an. Mal sehen, wie es heute Abend wird.
Boah, nur kalt ist es hier, gerade im Vergleich zum tropischen Klima in Ruanda/Uganda/Kongo. Heute soll es 2 Grad werden….na toll!!!

„Kein Mitleid für die Mehrheit“…

kmfdm…oder „Kein Mehrheit für die Mitleid“. Bekannter aber als KMFDM….(und nein, das steht nicht für „Kill Motherfucking Depeche Mode“). Dahinter steckt vor allem der aus Hamburg kommende Sascha Konietzko, und der hat wahrlich Musikgeschichte geschrieben. Mitte der 80er Jahre ging es als Kunstprojekt in Paris los, dann zog es ihn in die USA, wo er die Musikszene gehörig aufmischte. Konietzko und seine KMFDM gelten heute als Pioniere des Elektro-Metal-Industrial Sounds. Harte, treibende Beats, provokante Lyrics und schweisstreibende, lautstarke Shows.

Am heutigen Abend waren KMFDM mal wieder in San Francisco. Das erste mal, seitdem Sascha Konietzko und seine Frau und Bandkollegin Lucia Cifarelli von Seattle zurück nach Hamburg gezogen sind. Es war erneut ein Hammerkonzert. Ein Wechsel zwischen Klassikern und Songs der jüngsten CD „Blitz“.
KMFDM sind eine der wenigen deutschen, oder deutsch geleiteten Bands, die es international zu Ruhm gebracht haben und als Pioniere ihres Genres gelten. Ohne Zweifel haben sie Bands wie Oomph! oder auch Rammstein massgeblich beeinflusst (Rammstein tourte u.a. zuerst als Vorband von KMFDM durch die USA).

Der Ballsaal (!) des Grand Regency war am Abend sehr gut gefüllt und die Fans sangen auch bei den zahlreichen deutschsprachigen Songs kräftig mit („Hau Ruck“, „Tohuvabohu“, Potz Blitz!“). Ob sie es verstanden, weiss ich nicht, aber deutsche Texte sind kein Hindernis mehr in den USA. Bei KMFDM ist die deutsche Sprache sogar zu einem wesentlichen Element der Musik und des Sounds geworden. Natürlich habe ich auch mein iPhone hochgehalten, man sieht nicht viel…aber, hey, ich war da.

KMFDM auf myspace

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„Es wird kalt in den USA“

Das zumindest sagte mir Alexx, Frontmann von Eisbrecher. Denn die Münchner Band hat nun endlich wieder einen Plattenvertrag in den USA an Land ziehen können. Und das gleich mit einem der Major Indie-Labels „Metropolis Records„. Dort sind etliche deutsche Musiker und Bands unter Vertrag, wie Diary of Dreams, Wumpscut, And One, Funker Vogt oder KMFDM. Eisbrecher passen ideal ins Raster des Labels. Und über eine Tour wird nun auch offen und intensiv nachgedacht. Es wäre auch endlich an der Zeit, dass Eisbrecher live in den USA und Kanada spielen. Die Fangemeinde ist schon seit Jahren heiss auf Live-Gigs.

Da „Sünde“, der aktuelle Longplayer der Band, nun auch in Nordamerika in den Plattenregalen steht, habe ich für Radio Goethe ein kleines Spezial produziert, das man in der aktuellen Radio Goethe Sendung oder hier hören kann:

Radio Goethe Eisbrecher     

Heute Abend spielen Gudrun Gut und Thomas Fehlmann in San Francisco. Als ich vor ein paar Wochen in Deutschland und eben auch in Berlin war, traf ich Gudrun für ein Interview:

Gudrun Gut Sendung     
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Ihr Sound kommt weltweit an, ihre Musik gilt so ein bisschen als Soundtrack des modernen Berlins. Und helfen tut ihr sicherlich auch die enge Verbindung zu den Einstürzenden Neubauten und deren schillernden Frontmann Blixa Bargeld. Musik verbindet zwischen Neuseeland, China, Berlin und San Francisco. Deutschland gilt schon lange nicht mehr als Entwicklungsland in Sachen Musik.

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