Die Pflicht eine Waffe zu tragen

Amerika debattiert derzeit über neue Waffengesetze, viel bringen wird es nichts. Sogenannte „Background-Checks“ bei denen geprüft werden soll, ob ein Waffenkäufer eine kriminelle Vergangenheit oder psychische Probleme hat, sind beim Stand von über 300 Millionen Waffen im Umlauf sinnlos. Knarren gibt es an jeder Ecke einer Großstadt zu kaufen.

Die anderen Verschärfungen im Waffengesetz, die Präsisent Obama vollmundig nach dem Attentat in Newtwon ankündigte – das Verbot von voll- und halbautomatischen Schießeisen und die Begrenzung von Patronen in Magazinen – sind bereits vom Tisch. Dafür gibt es keine Mehrheit im Kongress und Senat. Punkt.

Sowieso zeichnet sich in diesen Tagen immer mehr ab, wie gespalten Amerika in der Frage seiner Waffenpolitik ist. In einigen Südstaaten wurden die Waffengesetze nach den Amokläufen in Aurora und Newtown sogar noch erleichtert. Amerikaner dürfen dort offen ihre Ballermänner rumtragen, an Schulen und Universitäten ist es Lehrern und Professoren erlaubt, ein Schießeisen zum eigenen Schutz mitzuführen. Man muß ja auf alles gefaßt sein. In der Ortschaft Nelson, Georgia, ging der Stadtrat sogar so weit, dass die Bürger verpflichtet wurden, daheim eine Knarre zu haben. Einstimmig wurde dieser Entscheid angenommen. Man verstehe das mehr als ein politisches Signal, wurde danach erklärt, denn die lokale Polizei werde sicherlich nicht von Tür zu Tür gehen und sich die Pistolen und Gewehre der Bürger von Nelson zeigen lassen. Aber Gesetz ist Gesetz, Waffenpflicht in Nelson. Man kann sich nur wundern, entweder ist die Kleinstadt Nelson von Kriminellen überlaufen oder aber es ist ein Hort der Jäger. Waidmannsheil!

Dennoch, im „Heartland“ der USA gehören Waffen zum Alltag, „it’s the American way of life“. Und nichts und niemand, weder ein Präsident noch ein Amoklauf, können das verändern.

Los Angeles kauft Knarren ein

Die Einkaufszentren waren voll mit Käufern, die nach Schnäppchen suchten und Beschenkten, die ihre Geschenke umtauschen wollten. An zwei Parkplätzen stauten sich am Mittwoch jedoch vor allem die Autos. An der Los Angeles Memorial Sports Arena und vor dem Van Nuys Masonic Temple ging es nur langsam voran, doch das aus gutem Grund.

Fast 2000 Pistolen, Shotguns und Gewehre weniger sind seit Mittwoch im Umlauf. Los Angeles hat seine jährliche Rückkaufaktion für Knarren kurzerhand vom Muttertag auf den zweiten Weihnachtsfeiertag vorverlegt. Mit dem Amoklauf von Newtown in den Schlagzeilen war man der Überzeugung, dass man mehr Menschen im Großraum LA für diese Aktion gewinnen könne. Und das war dann auch so. Für Supermarktgutscheine konnte jeder seine Knarre eintauschen. Es wurden keine Fragen gestellt, warum und weshalb man diese oder jene Wumme überhaupt hatte. Für Handfeuerwaffen gab es 100 Dollar, für Sturmgewehre 200 Dollar. Man fuhr einfach vor, reichte die Schußwaffe einem Beamten wie beim „Drive Through“ von McDonald’s aus dem Autofenster und der gab einem einen Gutschein. Das wars.

Auch wenn nur wenige automatische Angriffsknarren eingetauscht wurden, bezeichneten Bürgermeister Antonio Villaraigosa und Polizeichef Charlie Beck die Rückkaufaktion als vollen Erfolg. Schon am Nachmittag standen die einsammelnden Polizisten ohne Gutscheine da, so groß war die Nachfrage. Von alten Revolvern bis hin zu einem Kofferraum voller Pistolen wurde alles angenommen.

Seit 2009 konnten so mehr als 8000 Schußwaffen in Los Angeles eingesammelt werden. Das löst sicherlich nicht das Gewaltproblem in der kalifornischen Metropole, doch es zeigt auf, wie viele Knarren in der Stadt im Umlauf sind