Der Klimawandel findet statt, aber ohne die USA

Warnungen gibt es genug, doch gehört werden sie nicht da, wo sie gehört werden sollten. Während nahezu 80 Prozent der demokratischen Wähler in den USA an den Klimawandel und seine katastrophalen Folgen glauben, sind es bei den republikanischen Wählern weniger als 30 Prozent. Und diese Zahl ist seit 2015 noch gesunken, dem Jahr, in dem Donald Trump seinen Feldzug gegen die Wissenschaft angetreten hat.

Mit „sauberer“ Kohle in die Katastrophe. Foto: Reuters/

Und Präsident Trump setzt nun Schritt für Schritt das um, was er im Wahlkampf versprochen hat. Er glaubt an das Ammenmärchen von der sauberen Kohle, hört auf die Industriebosse und dreht die Uhren zurück. Heißt, er setzt Umweltschutzmaßnahmen außer Kraft, die sein Vorgänger Barack Obama eingeführt hatte. Für Trump und sein Umweltministerium geht es um „clean energy“ und die hat mehr mit Dollars als mit sauberer Luft zu tun. Nun hat er weitere Regularien außer Kraft gesetzt, die es älteren Kohlekraftwerken erlaubt am Netz zu bleiben. Die Industrie jubelt, Umweltverbände schütteln nur noch resigniert den Kopf, in einem Bericht der „Environmental Protection Agency“ (EPA), dem Umweltministerium heißt es sogar, dass diese zurück gefahrenen Gesetze der Obama-Administration zwischen 470 und 1400 Todesfälle mit sich bringen werden. Doch das ist kein Problem in der Trumpschen Weltsicht.

Amerika, so scheint es, fährt mit Volldampf auf die Katastrophe zu. Warnzeichen, Hilferufe, ernstzunehmende Signale werden vom Tisch gewischt. Alles „Fake News“, der Klimawandel sei nicht wissenschaftlich bewiesen, „Climate Change“ eine Verschwörung, um den Amerikanern ihre Freiheiten zu nehmen. In diesen Diskussionen fehlen einem die Worte. Nun wird also weiter auf Kohle gesetzt, der Schaden wird immens sein, die Uhr läuft ab, die dünne Chance überhaupt noch etwas an den Drohszenarien zu ändern verschwindet gänzlich. Trump macht ernst, „America First“ bedeutet keine Rücksicht auf Verluste und für ihn persönlich: nach mir die Sintflut.

Die USA sind ein Land der Lobbyisten. Und das vor dem Hintergrund, dass nun keine seriösen, öffentlichen Debatten mehr stattfinden können. Mit einem Präsidenten an der Spitze, der seit Amtsantritt vor 20 Monaten nachweislich über 4200 Unwahrheiten und Lügen verbreitet und davon nichts zurück genommen oder relativiert hat, der von einem Amerikabild aus längst vergangenen Tagen spricht, in denen die Vereinigten Staaten eben nicht „great“ waren, lassen sich die Zukunftsprobleme nicht lösen. Doch nicht nur das, mit republikanischen Wählern, die an der Wissenschaft zweifeln, den von Menschen verursachten Klimawandel nicht wahrhaben wollen, Fakten ignorieren oder schlichtweg als Lügenpropaganda hinstellen, hat dieses Land einen fatalen Kurs eingeschlagen. Die Wahlen im November und in zwei Jahren werden daran nichts mehr ändern können.

Die Zukunft heißt Solar, Mister Trump

Ich denke mal nicht, dass Donald Trump meinen Ratschlag will. Er hat ja eine Reihe von erfolgreichen Unternehmern um sich gesammelt, die ihn beraten. Darunter sind aber wohl nur wenige zukunftsorientierte Energiewissenschaftler und Geschäftsleute. Denn anscheinend erkennen die Trumpschen Jünger nicht die Zeichen der Zeit.

Die Pumpe für den neuen Wasserturm außerhalb von Dilla, Somaliland, wird mit Solarkraft betrieben.

Gestern schaute ich mir den Neubau eines Wassertanks an, der sauberes Grundwasser außerhalb von Dilla in Somaliland speichern soll. Die Pumpe, mit der das Grundwasser aus über 100 Metern Tiefe an die Oberfläche gebracht wird, ist solarbetrieben. Ein nachhaltiges Projekt von CARE, solche Bauprojekte werden nun vermehrt mit Solarenergie bestückt. Keine Ausnahme, denn im Herbst 2015 besuchte ich den Osten Somalilands. Auch dort gibt es CARE Wasserprojekte. Pumpen werden mit Solarkraft betrieben, die überschüssige Energiegewinnung hilft sogar den Dorfbewohnern ihre Handys aufzuladen und Strom in mehrere Geschäfte und Wohnhäuser zu bringen. Das sind ein paar Beispiele, wie effektiv und nachhaltig und vor allem preiswert die Sonnenenergie genutzt werden kann.

Die USA sind für eine umfassende Solarnutzung prädestiniert. Solarkraftwerke existieren bereits in Kalifornien und auch anderswo im Süden des Landes. Die Frage ist allerdings, wie lange noch? Denn wenn es nach Donald Trump geht, werden dem Energieministerium – genau, jenes Ministerium unter der Führung von Rick Perry, der als Kandidat noch sein eigenes Ministerium abschaffen wollte – noch in diesem Jahr 500 Millionen Dollar gestrichen. Und das im Bereich der Forschung für neue Energiequellen und -nutzung. Das sind 25 Prozent des gesamten Haushalts des „Office of Energy Efficiency and Renewable Energy“ (EERE), das Teil des „Departments of Energy“ ist. Für das Budget 2018 soll eine ganze Milliarde Dollar von EERE gestrichen werden.

Wissenschaftler sprechen davon, dass diese Kürzungen der Todesstoss für die Solarforschung in den USA sei. Doch Trump hört lieber anderen Leuten zu, wie jenen, die ihn an seine Wahlkampfversprechen erinnern. Trump kandidierte mit dem Versprechen die Kohleindustrie wieder anzukurbeln. Jobs, Jobs, Jobs für den Bergbau. Sinn macht das keinen, vor allem auch keinen finanziellen, aber das ist Trump egal. Neben der Kohlehuldigung streicht er auch so einige Umweltregularien, die sein Vorgänger Barack Obama der Industrie auferlegt hat. Das eingesparte Geld aus der Solarforschung soll jedoch nicht für neue Kohlegruben investiert, sondern weitgehendst für den Ausbau der Atomenergie in den USA eingeplant werden. Amerika hat unter Donald Trump einen energiepolitischen Irrweg mit weitreichenden Folgen eingeschlagen. Da kann man nur noch „Glück auf, Mister President“ wünschen.

Das sieht ja lecker aus

Ein Murmeltier ist derzeit der Hit. Greepeace hatte im Glacier National Park in Montana eine Kamera installiert, um über einen längeren Zeitraum die Veränderung der Natur durch den Kohleabbau zu dokumentieren. Die Kamera war auf eine wunderschöne Landschaft gerichtet. Und da kommt auf einmal das Murmeltier den Berg hoch gewackelt, sieht das fremde Ding da und fängt an, es zu beschnuppern und zu lecken. Zwar will bei so einem Video niemand etwas vom Kohleabbau wissen, doch Greenpeace selbst veröffentlichte das Filmchen mit dem Zusatz „Wer den Lebensraum des Kleinen hier retten will, bitte hier klicken“:

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Mit neuer Energie in den Wahlkampf

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney macht nun mit seinem Energieprogramm klar, was Barack Obama da in den letzten vier Jahren in Sachen Energiepolitik verzapft hat, sei blanker Blödsinn. Obama habe die Suche nach Ölreserven auf Bundesland und vor den Küsten der USA gestoppt, die gesamte Ölindustrie massiv mit immer neuen Auflagen und Einschränkungen behindert, den Kohlebergbau gezielt verkleinert und stattdessen – fälschlicherweise, wie Romney meint – auf erneuerbare Energiequellen, wie Wind und Solar, gesetzt. Auch die Atomindustrie habe unter Obama nicht so recht boomen können.

Aber damit sei nun bald Schluß. Romney hatte erst kürzlich ein Treffen mit Vertretern der Ölindustrie, die quasi seinen Energieplan geschrieben haben. Mit ihm im Weißen Haus werden die Umweltauflagen der Obama Administration zurück genommen, verstärkt die Erschließung neuer Ölreservern voran getrieben und die einzelnen Bundesstaaten könnten dann selbst entscheiden, ob auf Bundesland in ihrem Staat nach Öl und Gas gebohrt werden dürfe. Vor Ort wisse man das sowieso viel besser als im fernen Washington. Und auch Kohlekraftwerke sind Teil des Romneyschen Umweltprogrammes. Immerhin sind die Bergleute auch Wähler: Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt!

Es gehe um Arbeitsplätze und um die Sicherung des amerikanischen Energiebedarfs. Für grüne Hirngespinste und Schreckensmeldungen sei kein Platz in einer gesicherten und unabhängigen amerikanischen Energieversorgung. Mitt Romney verliert kein Wort für die Probleme der Erderwärmung, für die Reduzierung der Kohlendioxide, für die Ausbeutung ganzer Landstriche, für internationale Verträge und Ansätze im Kampf für eine bessere Umwelt. Es geht nicht um Energieeinsparungen, um ein Umdenken in der Energie- und Verkehrspolitik, nein, Romney redet davon drei Millionen Arbeitsplätze im Energiesektor zu schaffen, die Teil seines 12 Millionen Jobprogrammes sein sollen.“Ich will, dass jeder Amerikaner, der einen guten Job haben will, auch einen guten Job bekommt“.

Eine klare Ansage an Amerika und den Rest der Welt. Lass die Europäer mal in ihren Nuckelpinnen durch die Gegend rollen, ein Amerikaner kutschiert mit einem Straßenkreuzer herum. Energiesparen ist was für Sozialisten, Amerikaner verblasen so viel Energie, wie sie nur wollen. So sieht das aus….im Amerika des Mitt Romney!