Eisbrecher Vollkurs voraus

Eisbrecher feierte die Rheinfeier auf der "MS RheinEnergie".

Eisbrecher feierte die Rheinfeier auf der „MS RheinEnergie“.

Eine Rheinfahrt die ist lustig. Seit 18 Jahren produziere ich „Radio Goethe“, seit dem Beginn der Band Eisbrecher laufen die Mannen um Käpt’n Alex regelmäßig im Programm. Damals als Alex Wesselsky bei Megaherz ausstieg, gab er mir kurz danach eine CD mit den ersten Hörbeispielen seines und Noel Pix‘ neuem Projekt in die Hand. Es war anders, elektronischer, doch vor allem vielversprechend. Und mit Eisbrecher blühte Alex auf, realisierte vieles, was mit Megaherz musikalisch nicht umgesetzt werden konnte. Das erlebte man am gestrigen Samstagabend erneut beim Jahresabschlußkonzert auf der „MS RheinEnergie“.

Fast 1100 Fans und geladene Gäste waren an Bord, als der Kölner Dom rechts liegen gelassen wurde und die Motoren des Schiffes angeschmissen wurden. Es ging flussaufwärts. Die Zuschauer erlebten ein außergewöhnliches, ja, ein einmaliges Konzert. Draußen zog das Ufer vorbei, innen kochte der Saal mit den besten Songs aus 11 Jahren Eisbrecher. Sänger Alex war der perfekte Unterhalter, Moderator und Anheizer. Die wenigen neuen Gesichter im Publikum wurden fast persönlich in der Eisbrecher Familie willkommen geheißen.

Im Januar wird nun das neue Album „Schock“ erscheinen. Zwei Songs daraus präsentierte die Band am Samstagabend. Und wieder wird auch dieses Album in den USA auf Metropolis Records veröffentlicht werden. Damit sind Eisbrecher eine der wenigen deutschsprachigen Bands, die auch weiterhin auf dem US Markt präsent und erfolgreich sind. Ihr Sound kommt an, die Songs sprechen diese universelle Sprache, die man versteht, egal, ob man den Wortspielen von Alex Wesselsky folgen kann oder auch nicht.

Nach dem Konzert erhielt ich noch eine kleine Extra-Zugabe, als Alex erfuhr, dass ich nun die doppelte Staatsbügerschaft besitze. Er setzte – mit Hand auf dem Herzen – zum Singen der amerikanischen Hymne an. Ein besonderes Ständchen zu später Nachtstunde. Persönlich und ganz und gar nicht politisch gemeint. Danke Alex!

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Ich habe Feuer gemacht

Das muß 1984 gewesen sein. Rührersaal in Nürnberg Reichelsdorf. Purple Schulz spielte dort auf seiner “Verliebte Jungs” Tournee. Eigentlich war das damals so gar nicht meine Musik, doch sein Song “Sehnsucht”, der hatte es in sich. Dieser Schrei, diese Sprachlosigkeit, diese innere Energie, die einfach raus mußte. Das Konzert war klasse, ich war von Purple Schulz, der Band und auch mir selbst überrascht. Fortan stand zwischen Kiss, Uriah Heep und Extrabreit nun auch Purple Schulz im Plattenregal. Seitdem verfolge ich seinen Weg. Mal intensiver, mal weniger. Wir haben uns vor ein paar Jahren mal in Köln auf einen Kaffee getroffen, immer mal wieder lief ein Song von ihm im Programm von Radio Goethe.

Nun hat er eine neue Platte herausgebracht “So und nicht anders”. Eine sehr persönliche Scheibe, die ihm selbst sehr am Herzen liegt. Und das hört man. Für die neue Platte geht er auch auf große Deutschlandtournee, am 6. März wird er in Fürth in der Comödie spielen. Nach all den Jahren war es mal an der Zeit mit Purple Schulz ein Interview zu führen.

NZ: Warum hat es so lange mit der neuen Platte gedauert…“So und nicht anders” ist der Titel des neuen Albums, das klingt etwas nach Trotz, nach persönlicher Freiheit, nach “This way or the Highway”… Ist es ein persönliches Album?

Purple Schulz: Ja, ich gebe zu, das Album hat sehr lange gedauert. 15 Jahre sind vergangen seit dem letzten Album und 15 Jahre sind natürlich eine lange Zeit, wenn man sie, wie Tom Hanks, auf einer einsamen Insel verlebt. Ich habe in diesen 15 Jahren wahnsinnig viele Sachen gemacht, habe zwei Kindermusicals geschrieben, ich habe mit den unterschiedlichsten Künstlern zusammen Konzerte gespielt. Hatte eine ganz lange Konzertreihe z.B. mit Heinz-Rudolf Kunze hier in Deutschland, die ging über drei Jahre und das waren rund 180 Konzerte. Ich habe mit dem Ensemble der Kölner Stunksitzung zusammen gearbeitet, Kabarett gemacht und Theater und was weiss ich alles. Also, ich habe mich in den 15 Jahren wirklich nicht gelangweilt, aber habe mich wie gesagt immer nur um die Projekte vor allem auch anderer Künstler gekümmert und dabei ein bißchen aus dem Auge verloren, dass ich ja auch noch was zu sagen habe.

Und ich habe mich dann Ende 2011 von meinem langjährigem Partner Josef Piek getrennt, nach 33 Jahren, mit dem ich wirklich allerhand zusammen eingespielt habe, komponiert hatte und so weiter und sofort. Ja und diese Trennung war nicht einfach, aber sie war die Initialzündung dieses neue Album zu machen, das jetzt heisst „So und nicht anders“. Und natürlich ist das auch ein bißchen provokant, aber ist halt so, ohne diese Trennung wäre das Album nicht so geworden. Und so wie es geworden ist, bin ich mehr als glücklich. Es ist wirklich, ich würde sagen, mein persönlichstes Album, weil ich all die Dinge reingepackt habe, die ich für wichtig erachte.

NZ: Was bedeutet ein neues Album für Dich? Ist es der Drang was raus zu lassen, Geschichten zu erzählen oder eine Art Tagebuch?

Purple Schulz: Ich glaube, jedes Album ist eine Art Tagebuch. Aber bei diesem Album ging es mir in allererster Linie darum Geschichten zu erzählen. Deshalb ist auch am Anfang des Booklets ein Zitat von Jorge Bucay, einem argentinischen Therapeuten. Das Zitat heisst ,,Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen“. Und das ist für mich auch das Leitmotiv des Albums und aller Texte, die darauf erschienen sind. Ich habe die Hälfte der Texte mit meiner Frau zusammen geschrieben, oben in der Küche.[nbsp]Und wir konnten immer, wenn so ein Text fertig war, runter gehen ins Studio, weil das ganze Album bei mir zu Hause entstanden ist. Das sollte man auch noch sagen, und dadurch wussten wir auch sehr, sehr schnell, was funktioniert und was nicht funktioniert. Es gibt Stücke, die haben vier verschiedene Texte bekommen, bis es dann wirklich so war, wie ich mir das vorgestellt habe. Das Album beginnt auf der Säuglingsstation und es endet auf dem Sterbebett. Zwischendurch ist all das vertreten, was das Leben der heutigen Vierzig- bis Fünfundsechzigjährigen ausmacht. Und das sind Geschichten über Demenz, über pubertierende Kinder, es sind Geschichten über die politische Situation, die wir jetzt im Moment in der Bundesrepublik haben, über Religion, alles, es gibt eigentlich kein Thema, was auf diesem Album ausgespart ist. Und trotzdem ist es eine ganz homogene Geschichte.

Ich würde sagen, es ist mein ernsthaftestes Album, aber auch mein bissigstes. Ja, kann man so sagen, stellenweise. Was auch ganz wunderschön ist, dass ganz viele befreundete Musiker, Musikerinnen mitarbeiteten und meine komplette Familie mitsingt. Das habe ich auch noch nicht erlebt, das war sehr, sehr schön bei der ganzen Produktion zu erleben, dass teilweise oben vier Generationen um den Tisch versammelt waren und gegessen haben in der Pause. Das hat mich sehr glücklich gemacht und ich bin jeden Abend ins Bett gegangen und habe mir sagen können “ey geil, ich habe Feuer gemacht!” Und das war richtig klasse.

NZ: Du bist schon seit Ewigkeiten im Geschäft, hast Riesenerfolge mit “Sehnsucht” und “Verliebte Jungs” gehabt. Die Musikindustrie hat sich verändert, lohnt es sich noch, ein Album zu veröffentlichen?

Purple Schulz: 2012/2013 ein Album zu veröffentlichen ist natürlich was anderes als es das vor 30 Jahren war. Die Musikindustrie hat sich komplett geändert, die ganze Medienlandschaft hat sich verändert. Ich hab das gesehen auf der Promotions Tour für das neue Album. Es ist alles anders als damals und wirtschaftlich macht es eigentlich überhaupt keinen Sinn ein Album rauszubringen, weil man an einem Album kaum noch was verdient. An Downloads sowieso schon mal nicht. Das einzige, wo Musiker an einem Album noch was verdienen, ist, wenn sie nach den Konzerten was verkaufen und das mache ich immer, weil ich signiere das dann auch. Da habe ich dann auch wirklich das direkte Feedback von den Fans, die in die Konzerte kommen. Obwohl, Feedback hat man natürlich auch über die ganzen Social Networks, wie facebook oder über youtube, wo ich einen Haufen Videos reingestellt habe. Die übrigens mein jüngster Sohn filmt und schneidet, der Dominik, der auch Gitarrist ist, aber er ist ein fantastischer Filmer und hat diese wunderschönen Purple Schulz Videos vom neuen Album gemacht.

NZ: Im Rückblick, was waren für Dich die schönsten Momente Deiner langen Karriere?

Purple Schulz: Unvergessen sind für mich die Konzerte in der ehemaligen DDR, als die Mauer noch stand. Dann das große Konzert mit Herbert Grönemeyer, Toten Hosen und Rio Reiser gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. Aber es gibt natürlich auch diese ganz kleinen Konzerte, wenn man nur vor 150-200 Leuten in einem kleinen Theater spielt, wo man eigentlich diese opulenten Werke reduziert auf ein Gerüst mit Klavier und Gitarre. Das ist hoch spannend, was da dabei raus kommt. Man ist den Stücken sehr, sehr nahe und man ist dem Publikum unfassbar nahe. Das finde ich eine ganz aufregende und spannende Geschichte. Das sind Konzerte, die ich auch sehr, gerne spiele.

NZ: Was würdest Du heute anders machen?

Purple Schulz: Es gibt ja so ein bestimmtes Image von Purple Schulz, das geprägt ist durch die Songs, die heute noch im Radio laufen, das sind halt überwiegend die Titel aus den 80er Jahren. Das sind so Songs wie “Verliebte Jungs“, „Kleine Seen”, “Nur mit Dir”, mit denen ich eigentlich nicht mehr sehr viel am Hut habe, aber natürlich spiele ich sie noch in meinem Programm, weil die Fans die hören wollen. Das ist mein “Satisfaction”, das muss ich einfach spielen, da komme ich nicht drum rum, völlig klar und macht ja auch Spaß. Aber die Reaktion darauf ist, dass das mit dem heutigen Purple Schulz nichts mehr zu tun hat. Und da kann das schon sein, dass ein alter Titel zu einer Altlast wird, den man mit sich rum schleppt.

Bei „Sehnsucht“ ist das z.B. nicht der Fall. „Sehnsucht“ ist ein Stück aus dem Jahr 1983, das 1984 einen sensationellen Erfolg hatte und mit dem ich aber heute noch auf die Bühne gehen kann und es immer noch so frisch präsentieren kann, als wäre es gestern geschrieben worden. Das ist halt der Unterschied bei den Songs. Wenn man was anders machen würde im Laufe der Jahre, dann ist es vielleicht zu reflektieren, was ist eigentlich in 20 Jahren mit diesem Song? Also, das überlege ich mir schon, wenn ich den Text schreibe, weil ich möchte gerne Sachen machen, die nicht nur Substanz haben, sondern auch sich über Jahrzehnte behaupten können. Ich denke, das macht gute Musik aus. Gute Musik hat nichts mit Moden zu tun. Moden interessieren mich in der Musik überhaupt nicht und auch keine Trends und neue Produktionsgeschichten, das ist für mich völlig uninteressant. Für mich steht der Song im Vordergrund, die Geschichte, der Text, das ist für mich wichtig. Diese Geschichte muss man rüber bringen, wie in einem Film, für mich ist das nichts anderes wie Filme machen.

NZ: Du trittst immer wieder mit anderen Musikern auf, auch auf Deiner neuen Platte hast Du Gastmusiker, wie Heinz-Rudolf Kunze oder Christina Lux, eingeladen. Wie wichtig ist Dir der Austausch mit anderen?

Purple Schulz: Durch das gemeinsame Musizieren kommt man vielen Dingen richtig nahe, man entdeckt auch wieder ganz neue Facetten innerhalb der eigenen Sachen, die man geschrieben hat. Das ist eine tolle Erfahrung. Es ist aber auch so, dass sich all diese Musiker, die auf dem Album mitgewirkt haben, echt in den Dienst dieser Sache gestellt haben, das fand ich sehr beeindruckend. Es ging all diesen Menschen gar nicht darum sich irgendwo am Instrument zu profilieren, sondern die Geschichte rüber zu bringen, die Atmosphäre mit aufzubauen. Ich glaube, das ist auch, warum diese Songs die Hörer sehr, sehr tief und sehr, sehr emotional treffen. Also, ich merke das an den Reaktionen, die ich zurück bekomme, wirklich überwältigend teilweise. Ich hatte schon Leute hier sitzen, hier unten bei mir im Studio, denen ich z.B. einen Titel vorgestellt habe, erwachsene Menschen, die anfingen hemmungslos zu weinen, weil auf einmal diese Musik und diese Geschichte etwas bei ihnen ausgelöst haben, was ganz, ganz tief verborgen war bis dahin.

NZ: So richtig bekannt wurdest Du zur Zeit der Neuen Deutschen Welle mit der “Neuen Heimat” und dann mit Deiner ersten Soloplatte. Hätte ein Purple Schulz heute noch die Chance auf den Erfolg, mit Musik, die zwischen mehreren Genres daheim ist?

Purple Schulz: Dazu muss man sagen, „So und nicht anders“ ist eigentlich meine erste Soloplatte. „Verliebte Junges“, das war ja damals noch das Album von Purple Schulz und Purple Schulz war damals eigentlich ein Trio, bestehend aus Josef Piek (Gitarrist), Dieter Hoff (Schlagzeuger) und mir. Nur war es in den 80er Jahren so, dass die Künstler in Deutschland echt über die Frontleute verkauft wurden. Es gab halt Künstler wie Wolf Maahn, Klaus Lage, Herbert Grönemeyer, Herwig Mitteregger und insofern hat man auch beschlossen die Band nach mir zu benennen, weil ich nun mal der Mann bin, der da vorne steht und singt.

Ob das so richtig war, weiß ich nicht, aber es entsprach schon der Tatsache, weil ich doch schon sehr viel nach außen von dem repräsentiert habe, worum es in den Geschichten geht. Da ich ja heute so ein Wanderer bin zwischen Liedermachern und Pop Musikern – übrigens das Wort Pop benutze ich immer noch im althergebrachtem Sinn. Pop war damals eine Musik, die hat alles möglich gemacht. Popmusik, wie wir sie von den Beatles kennen, in der war alles machbar. Ganz im Gegensatz in der Popmusik von heute, man hat heute diese bescheuerten Radioformate, wo gar nichts mehr machbar ist. Wenn du heute ein etwas anderer Künstler bist, bekommst du einfach keine Schnitte bei den Medien. Das ist leider so und da muss man sich mit abfinden, fällt nicht immer leicht, aber ich weiß, dass es trotzdem genug Leute gibt, die diesen Bullshit gar nicht mehr hören und die kommen dann zu mir.

NZ: Wie siehst Du die heutige deutsche und deutschsprachige Musikszene?

Purple Schulz: Es gibt einen Haufen junger Bands, vor allen Dingen fantastische Sänger in Deutschland und es gibt auch ein paar gute Texter, aber im großen und ganzen finde ich im Moment die deutsche Musikszene eher uninteressant, weil da passiert nicht sehr viel Innovatives.

NZ: Was ist Musik für Dich, wie wichtig ist Dir das Songschreiben, das Auftreten, das Aufnehmen Deiner Lieder?

Purple Schulz: Musik ist für mich das Transportmittel für Emotionen. Konzerte sind für mich richtige kleine Feiern, wo man die eigene Kreativität natürlich ein bißchen feiert, wo man aber auch den Austausch hat mit den Leuten. Für mich sind die Konzerte eigentlich das Allerwichtigste und so eine CD, an der man ja sowieso nichts verdient, ist eigentlich mehr oder weniger so ein Vehikel, um wieder auf die Bühne zu kommen, so muss man sich das Konzertgeschäft vorstellen. Das ist auch der Grund, warum Prince z.B. eine CD kostenlos zum Konzertticket dazulegt. Was natürlich auf der anderen Seite schade ist, dass der Wert dadurch natürlich völlig ins Hintertreffen gerät. Das ist eine sehr traurige Entwicklung, können wir Künstler eigentlich nur damit auffangen, dass wir liebevolle Booklets dazu legen, wenn wir ein Album rausbringen, und, dass wir zeigen, dass das, was wir machen wirklich mit Herz machen. Dass es nicht in erster Linie darum geht, hier irgendwelche großartigen Umsätze zu erzielen, das kann man sowieso nur, wenn man mit einer Major Company zusammen arbeitet, die aber dann wiederum soviel Geld in die Promotion steckt und es dem Künstler durch die Hintertür wieder abnimmt. Für mich ist das völlig inakzeptabel und völlig uninteressant. Ich bin lieber autark, habe hier mein Studio, arbeite nach meinem Zeitplan, arbeite mit meinen Leuten und bin einfach frei. Das ist für mich das Entscheidende. Ich bin jetzt 56 Jahre alt und ich habe keinen Bock hier irgendwelche Rechte abzugeben, auf Jahre weg. Solche Fehler habe ich früher gemacht.

 

 

 

Afghanistanreise – 23.12.2011

Früh aufstehen, duschen, Frühstück. Es geht tatsächlich los, mit einer Transall unter blauem Himmel nach Termez, ein paar Stunden Aufenthalt und mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr fliegen wird dann zurück nach Köln. Über Usbekistan, Kasachstan, Russland, die Ukraine, Polen, Tschechien und hinein in den deutschen Luftraum. Zurück….also frohe Weihnachten und Merry Christmas!

Elektronika „Made in Germany“

Die Deutschen kommen an in den USA….Was mit Kraftwerk, Tangerine Dream und anderen experimentierfreudigen Krautrockbands Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre angefangen hat, zieht sich weiter duch die Jahrzehnte bis heute. Die Deutschen legen den Maßstab in Sachen Elektronika und Soundtüftelei. Die Amerikaner blicken immer wieder gespannt und gebannt nach Deutschland. Was daheim so gar nicht richtig bekannt ist, deutsche Elektrofummler, DJs und Soundkreative touren weltweit und kommen mit ihrer Musik an. Zwischen New York, Los Angeles, Tokio und Peking hat die deutsche elektronische Musikszene einen hervorragenden Ruf. Von daher hier mal ein Review einer neuen Platte, die über Radio Goethe bereits im ausländischen Radio getestet wurde und beeindruckende Rückmeldungen bekommen hat. Sølyst heißt sie, dahinter steckt der Schlagzeuger der Kölner Gruppe Kreidler, Thomas Klein:

Manchmal bekomme ich Cds zugeschickt, die mich restlos begeistern. Und dann sitze ich an meinem Schreibtisch, das Album läuft und ich versuche das in Worte zu fassen, was ich gerade höre. Doch irgendwie lässt sich das gerade nicht fassen. Sølyst, das Soloprojekt von Kreidler Drummer Thomas Klein. Es ist Elektronik, es ist Ethno, es ist weltoffen, hypnotisierend, ergreifend….ein bisschen Krautrock, ein bisschen Buschtrommeln, mal düster, mal ganz nah und sehr persönlich. Und dann wieder voller Beat und Drums, distanziert, wie in einem berauschenden Diafilm mit Momentaufnahmen. Das Label, selbst nach Worte suchend, umschreibt diese Musik als “Tribal Dub Krautrock” und das zeigt schon die Schwierigkeit, diese Klangweiten in eine Schublade zu pressen.

Ja, es ist die ideale Musik für einen Afrikafilm. Ich denke an Bilder und Momente, die ich in Ruanda, Kongo, Uganda gesehen und erlebt habe. Sølyst wäre der ideale Soundtrack dazu gewesen. Steppe, Weite, Sonne, wunderschöne Landschaft, erbärmliche Armut, reiche Natur, Grausamkeiten der Menschheit, Gesichter, alt und jung. Sølyst unterlegt diesen Film…meinen und ich denke jeden Erinnerungsstreifen, egal ob Afrika oder hoch im Norden. Es ist diese persönliche Weite, die die Musik von Thomas Klein auszeichnet. Für mich ist dieses Album eines der absoluten Höhepunkte in diesem Jahr. Sehr, sehr empfehlenswert.

 

Komm ich heim ins Frankenland

Seit fast 15 Jahren pendele ich hin und her. Von der amerikanischen Westküste ins Frankenland. Da läppern sich viele Flugmeilen, schlechtes Airline Essen, genervte und nervige Stewardessen (Pardon Flugbegleiterinnen), eingeschlafene Beine, angestoßene Knie, übervolle Toiletten, verschwundene Koffer und und und aneinander.

Reisen war mal schön, damals 1987, mein erster USA Trip mit meinem Bruder. PanAm gab uns einfach ein Upgrade in die Business Class. Kein Ding. Und heute läuft man bettelnd einer großen deutschen Airline hinterher, damit die endlich mal die angesammelten Meilen für Freiflug oder Upgrade anerkennen. Doch „Blackout Days“ und keine Plätze frei trotz A380 lassen das Konto anwachsen und damit auch den Frust.

Aber so eine Reise nach Deutschland beschert einem auch immer wieder einen schönen Blick von außen auf uns Deutsche. Und vieles stimmt leider, was es da an Vorurteilen gibt. Ernst und sachlich, genervt und weinerlich, übergenau und erstmal abweisend, kühl und…alles in allem sehr unterhaltsam. Gerade die Heulerei klingt einem gleich ins Ohr. Wenn man Deutschen so zuhört meint man immer gleich, die Welt ist schon lange zwischen Flensburg und Garmisch untergegangen. Ein Geheule ist das. Das Wehklagen erinnert manchmal an so ein windiges Holzhäuschen, der Wind pfeift durchs Gebälk, es zieht, aber irgendwie fühlt man sich doch wohlig und angenehm…heimelig eben.  Das Genöle gehört einfach zu Deutschland, eigentlich sollte man die Nationalhymne fortan in so einer weinerlichen Stimme vortragen, das wäre dann passend. Alles ist ja sowieso woanders immer besser.

Zum Beispiel die ältere Frau aus Köln. Die saß schon da, als ich in Frankfurt Airport Richtung Nürnberg Hauptbahnhof einstieg. Nennen wir sie mal Frau Konopka. Frau Konopka unterhielt sich mit einer 38jährigen Lesbe im Rollstuhl aus Wuppertal. Nein, das habe ich jetzt nicht erfunden, die Frau hat das tatsächlich so gesagt. Also, die beiden unterhalten sich über dies und das, sehr laut, der gesamte Wagen wird unterhalten und muß notgedrungen zuhören, wobei Frau Konopka eigentlich nur Monologe führte. Vom Kaffee, vom Bahnreisen, von dem Dingens aus dem Kölner Vorort (“Ach, den kennen Sie auch?”), von ihrem Sohn und Neffen, also bei ihr merkte man, woher der Spruch „Gott und die Welt“ herkam.

Irgendwann war ich auf einmal auch Teil des Gesprächs. Fragen, woher, wohin, weshalb….Ach ja, in Amerika ist alles besser, dort heben sogar alte Frauen im Park den Müll auf. Hat sie gesehen, die Frau Konopka. Sowas müßte es auch bei uns geben. Viel sauberer ist es da in den USA. Mein Einwand, dass das ja nun so auch nicht sei, wischt sie lapidar mit einer Handbewegung vom kleinen DB-Tischchen. Ich hätte ja keine Ahnung. Sie sei ja 1990 für zwei Wochen in New Jersey gewesen und habe das selbst gesehen. Auch mein erneutes Nachhaken, dass ich bereits seit 1987 die USA bereise, seit15 Jahren dort lebe und mittlerweile so 40 Bundesstaaten besucht habe, läßt sie nicht gelten. Vielleicht „da“ in San Francisco sei das so, rüffelt sie mich, aber in New Jersey…ja, da könnten sich die Deutschen noch was von abschneiden.

Zwei Stunden neben Frau Konopka sind denn auch genug, gerade nach einem Transatlantikflug mit neun Stunden Zeitverschiebung, da dreht sich dann alles. Aber, ich gebe es auch zu, es ist unterhaltsam. Nürnberg Hauptbahnhof kommt näher. Die Wuppertalerin macht sich dann noch mal auf zur Behindertentoilette und kommt ewig nicht zurück. Als sie dann doch schließlich wieder angerollt kommt, meint sie, jemand hätte im Klo auf die Brille gepieselt. Sie hatte sich beschweren wollen, doch der Obersepp der Bundesbahnzugbegleiter war beschäftigt. Genau in dem Moment kam der Herr wichtige Oberbahnbegleiter dann doch. Der fragte etwas wichtig nach, ob die Frau noch auf die Toilette müsse, wenn ja, dann müsste sie am nächsten Bahnhof Nürnberg aussteigen, dort dem Bedürfnis nachgehen und auf den nächsten Zug warten (!). Hallooooo!!!! Haben die keine Lappen an Bord oder können die nicht mal die Zentrale anrufen, dass da kurz mal am nächsten Halt eine Bundesbahnausgebildete Reinemachspezialkraft die Toilette  säubert. Toller Service!….Bahn + Frau Konopka und die vielen genervten Blicke der Reisenden heißen mich in der alten Heimat willkommen. Ein guter Start! Mit Sicherheit  kann es nur besser werden!