Nürnberg IST mehr wert

Das stimmt. Nürnberg ist mehr wert, als ein Wahlspruch, der für die CSU eine „Katastrophe“ (Sebastian Brehm) brachte. Nürnberg ist eine sehr schöne, lebens- und besuchswerte Stadt. Ich bin dort aufgewachsen, zur Schule gegangen, habe dort studiert, Volontariat gemacht, viel über die Geschichte, die Menschen, das Leben dort gelernt. Und auch, wenn ich seit 1996 in Kalifornien wohne und arbeite, bin ich noch immer sehr mit Nürnberg verbunden. Familie, Freunde, tiefe Wurzeln. Dieses komische Wort „Heimat“ habe ich erst im Ausland so richtig verstanden.

Nun geht es zurück in meine zweite „Heimat“, Kalifornien. Nach Oakland, eine Stadt, in der ich bis heute nie richtig angekommen bin. Es ist eine schöne Stadt, eine einzigartige Region, doch nichts wiegt das auf, was Nürnberg zu bieten hat. Das Golden Gate ist nichts im Vergleich zum Königstor. Das ist kein platter Vergleich, zumindest nicht für mich. Das Golden Gate ist wunderschön, die Brücke ein Jahrhundertwerk. Und doch, am Königstor liegen Erinnerungen, die einem ein Leben lang bleiben.

Und nein, ich werde hier nicht melancholisch. Ganz im Gegenteil. Als jemand, der Nürnberg kennt und nun als Besucher immer wieder und immer wieder gerne zurück kommt, verstehe ich nicht, warum die Nürnberger Nürnberg schlecht reden. Alles ist irgendwie ein Prolbem. Von den Fahrradwegen bis zur VAG, vom Müll auf der Straße bis zur Sicherheit, von den Nachbarschaften bis zum Verkehr. All das erlebe ich auch als Besucher und ich frage mich jedesmal, wo ist das Problem. Nürnberg ist eine sichere Großstadt. Das belegen nicht nur die Statistiken, das empfinde ich auch. In keiner anderen Stadt fühle ich mich sicherer. Es gibt keinen Stadtteil, um den ich einen großen Bogen machen würde und ich gehe gerne nachts spazieren. In Oakland gibt es gleich mehrere, die ich meide und in denen ich zu bestimmten Tageszeiten sicherlich nicht zu Fuß unterwegs sein möchte. Wenn ich in der Vergangenheit als Journalist unterwegs war, in Los Angeles, in Ciudad Juarez oder in Goma, dann fragte ich immer zuerst dort Wohnende, was ich machen kann, was ich nicht machen sollte. Daran halte ich mich, das ist meine Faustregel auf allen Reisen. Sicherlich, das sind drei extreme Städte, doch es sind Städte, in denen Menschen leben und überleben. In Nürnberg brauche ich das nicht. Nürnberg ist sicher.

Die U-Bahn fährt pünktlich. Nürnberg ist ein Paradies für Fahrradfahrer. Nürnberg hat ein wunderschönes Umland, das einfach und direkt zu erreichen ist. Nürnberg pflegt sein Bratwurst- und Lebkuchenimage, und doch ist es eine Kulturstadt mit zahllosen Angeboten, Museen, Theatern, Konzerten, Ausstellungen, Filmfestivals. Man muß nur hinschauen. Und ja, Deppen gibt es überall, die ihren Müll auf die Strße schmeißen. Das hat nichts mit SÖR zu tun, sondern mit einer Einstellung zum öffentlichen Raum.

Vor ein paar Tagen war ich mit einer alten Bekannten aus Funkhauszeiten einen Kaffee trinken, sie arbeitet bei der Stadt Nürnberg und erzählte mir eine so typische Anekdote für Nürnberg. Täglich kommen Nürnbergerinnen und Nürnberger zu ihr ins Büro und fragen nach Programmen. Doch sie fragen nicht; „Könnte ich ein Programm bekommen?“. Nein, sie fragen; „Sie  haben sicherlich kein Programm mehr?“. In Nürnberg sieht man die Dinge in einer Schieflage. Alles ist schlimm, und wenn nicht, wird es schlimm geredet. Die Münchner kriegen eh mehr und haben es viel besser. Die haben Bayern München und feiern einen Sieg und einen Titel nach dem anderen, wir haben den 1. FC Nürnberg und erklärtes Saisonziel ist immer der Nichtabstieg. Aber mal ehrlich, will jemand Bayern München Fan sein?

Nürnberg war, ist und bleibt eine schöne Stadt und sicherlich gibt es Probleme. Keine Frage, die gibt es überall. Aber man sollte wirklich mal einen Blick von außen auf die Frankenmetropole werfen. Das lohnt sich. Ich weiß, wovon ich spreche.