Die Heimat ist weit, doch wir sind bereit

Vor kurzem hat bereits Bear Family Records eine umfassende Box mit Liedern aus dem Spanischen Bürgerkrieg veröffentlicht. Ein Monumentalwerk, für das man Zeit, Ruhe und Raum braucht. Aufnahmen, die knistern, die knastern, die voller Geschichte sind. Für 173 Euro nicht gerade billig, aber der Preis für diese 7CD, 1 DVD und ein umfassendes Begleitbuch sind durchaus berechtigt. Ein Liebhaberstück, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

"Songs of the Spanish Civil War" erschienen bei Smithsonian Folkways Records.

„Songs of the Spanish Civil War“, neu erschienen bei Smithsonian Folkways Records.

Nun hat Smithsonian Folkways eine alte Platte neu aufgelegt. „Songs of the Spanish Civil War“, im Original bereits in den 1960er Jahren erschienen. Die CD umfasst 24 Lieder, darunter Songs der amerikanischen Lincoln Brigade, Lieder von Ernst Busch und Woody Guthrie. Kampflieder voller Wehmut, Hoffnung, Siegeswillen. Folkways hat hier wieder tief im reichen Archiv gegraben und eine Perle herausgebracht, die durchaus auch aus deutscher Sicht beachtet werden sollte. Ernst Busch singt hier auf Deutsch, er gehörte zweifellos zu den bekanntesten Musikern, die in den Spanischen Bürgerkrieg zogen. Er unterhielt die anti-faschistischen Kämpfer aus aller Welt mit seinen kraftvoll vorgetragenen Liedern. „Die Heimat ist weit, doch wir sind bereit“, sang Busch. Daneben auch das Lied der  Moorsoldaten oder „Peat Bog Soldiers“ (unten zu hören), das bereits 1933 im Konzentrationslager Börgermoor geschrieben worden war. Ernst Busch sang dieses Lied in Spanien, die internationalen Brigaden nahmen es mit in ihre Heimatländer. Die Moorsoldaten wurde eines der wichtigsten und weit verbreitetsten Anti-Faschismus Lieder des 20. Jahrhunderts.

„Songs of the Spanish Civil War“ ist eine beeindruckende Liedersammlung, angereichert durch ein umfangreiches Booklet. Man kann die CD oder den Download direkt beim Label bestellen.

Moorsoldaten oder „Peat Bog Soldiers“:

70 Jahre nach Pearl Harbor

Heute vor 70 Jahren griffen die Japaner den amerikanischen Navy Stützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii an. 2403 amerikanische Soldaten starben bei diesem Angriff in den Morgenstunden des 7. Dezember 1941. Noch heute wird behauptet, es sei eine „heimtückische“ Aktion der kaiserlichen Armee gewesen, obwohl auch klar ist, dass der amerikanische Präsident Roosevelt schon vorab von geplanten Aktionen der Japaner informiert gewesen war. Die Spionageaktivitäten des japanischen Konsulats in Honolulu waren den Amerikanern bekannt. Die Diplomaten hatten regelmäßig Informationen über die Flotte der US Navy nach Tokio gefunkt.

Um 6:10 Uhr Ortszeit am 7. Dezember 1941 begann die erste Angriffswelle der Japaner auf den Navy Stützpunkt Pearl Harbor. Und noch eine zweite Angriffswelle kam, der letzte japanische Kampfjet drehte um 9:45 Uhr ab. Die US Flotte war im Mark getroffen: 2403 getötete Soldaten, 1178 Verwundete, 12 gesunkene oder gestrandete Schiffe, 9 beschädigte Schiffe, 164 zerstörte Flugzeuge, 159 beschädigte Flugzeuge. Amerika war geschockt. Nur einen Tag später trat Präsident Roosevelt vor den Kongreß in Washington und erklärte Japan den Krieg. Zuvor war das amerikanische Parlament noch gespalten, ein Großteil der Abgeordneten wollte die USA lieber nicht in die Kriegswirren in Europa und Asien hinein gezogen sehen. Doch am Tag nach dem Angriff auf Pearl Harbor stimmten alle Parlamentarier bis auf einen für die Kriegserklärung von Roosevelt. Vier Tage später erklärten Deutschland und Italien den USA den Krieg, damit eskalierte der Zweite Weltkrieg.

Nach der Attacke der Japaner änderten sich auch die Bedingungen für Japaner, Japan-Amerikaner, Deutsche und Italiener in den USA. Die amerikanischen Konzentrationslager wurden eröffnet, in denen weit über 100.000 Japaner und japanisch stämmige Amerikaner, 11000 Deutsche und rund 1500 Italiener interniert wurden. Viele der Deutschen lebten bereits seit Jahren in ihrer neuen Heimat, etliche waren aus Hitler-Deutschland geflohen, darunter auch jüdische Bürger. Zudem wurden auch einige in den USA geborene Kinder deutscher Eltern mit verhaftet. Doch das FBI kannte keine Gnade. Die Camps waren zumeist im Landesinneren angesiedelt, wie in Bismarck, North Dakota oder Crystal City, Texas. Und nicht nur das, die amerikanische Bundespolizei verhaftete sogar in Süd- und Mittelamerika Deutsche und Japaner und verschleppte sie in einer Nacht- und Nebelaktion in die US Camps.

An diesem 7. Dezember wird an den Angriff auf Pearl Harbor gedacht, die noch lebenden Veteranen von damals  geehrt. 70 Jahre danach, eine lange Zeit, doch die Narbe ist für die Amerikaner geblieben. An diesem Tag sollte man aber auch an jene denken, die als Einwanderer in die USA kamen, um eine neue Heimat zu finden. An jene, die unschuldig in amerikanische Internierungslager geschickt wurden, einzig aus dem Grund, weil sie Japaner, Deutsche oder Italiener waren.

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