Ein Kraftwerker packt aus

Eigentlich will Karl Bartos gar nicht mehr groß darüber reden. Immerhin ist er schon seit über 25 Jahren nicht mehr Teil einer der wohl bedeutendsten Gruppen überhaupt. Und doch, alles, was er heute musikalisch und visuell macht, wird mit dem „Output“ seiner einstigen Band verglichen. Kraftwerk wurde für Karl Bartos zum Segen und zum Fluch. Nach 25 Jahren Ausstieg aus der legendären Gruppe legt er nun seine Autobiografie vor, die eine umfangreiche Klangbiografie geworden ist. Eine wahrhafte Spurensuche in der Hörwelt. weiter lesen

Da dreht sich Donna Summer im Grab herum

Mit den Toten kann man es ja machen. Der deutsche Auslandssender, die Deutsche Welle, setzt seit ein paar Jahren auf eine neue Zielgruppe. Die Jugendlichen in aller Welt sollen angesprochen werden. Dafür begeistert man sich nun auch für Rammstein, deren CDs man in den 90er Jahren noch nicht einmal mit spitzen Fingern anfassen, geschweige denn über die weltweiten Frequenzen spielen wollte. Nun gut, man denkt um. Bravo dw!

Donna Summer - the German Superstar.

Donna Summer – the German Superstar.

Gestern Abend klickte ich mal wieder durch die Sender und blieb bei Kanal 32 hängen. KMTP-TV ist ein offener Kanal in der San Francisco Bay Area, die Deutsche Welle hat sich hier Sendezeit gekauft. Und es lief PopXport, das Musikmagazin „Made in Germany“. Diesmal ging es um „The ten most successful German acts of the 70s“. Na, das ist doch ein Thema, bei dem ich gerne zuschaue und dranbleibe. Aber dann kam es. Auf Platz 10 die Scorpions, auf Platz 9 Tangerine Dream, auf Platz 8 Eruption, auf Platz 7 Les Humphries Singers, auf Platz 6 Baccara, auf Platz 5 Kraftwerk, auf Platz 4 Silver Convention, auf Platz 3 James Last, auf Platz 2 Boney M und auf dem Spitzenplatz – tata – die Nummer 1 der deutschen Acts in den 70ern setzte die Deutsche Welle Donna Summer.

So…was stimmt mit dieser Liste nicht? Wenn ich die Logik der deutschen Auslandsradiospezialisten weiter verfolge, dann müssten da eigentlich auch David Bowie, Iggy Pop, Lou Reed, Brian Eno, Mike Batt und viele andere stehen, denn die haben auch in Deutschland in den 70ern gelebt, gearbeitet, Platten aufgenommen. David Bowie veröffentlichte sogar Songs, die „Neuköln“ und „V-2 Schneider“ hießen und man denke nur daran, dass er von den „Helden für einen Tag“ sang. Also, Kollegen, deutscher geht es ja wohl nicht mehr!

Dass Deutschland in den 70er Jahren durchaus eine Rolle auf der internationalen Musikbühne spielte, ist unbestritten. Mit Frank Farian werkelte da einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Produzenten seiner Zeit. Mit den Musicland Studios in München und den Hansa Studios in Berlin gab es weltweit geschätzte Aufnahmemöglichkeiten. Und dann gab es da auch noch eine ganze Reihe von wichtigen Bands, die international ihre Spuren hinterließen. Klar, Kraftwerk, Tangerine Dream, Can, Faust uva. Gerade deshalb braucht man die Amerikanerin Donna Summers nicht posthum und noch ein paar weitere Gruppen zu  „German acts“ umschreiben.

Liebe Deutsche Welle, das kommt einfach etwas komisch bei mir und anderen hier drüben in den USA an. Das wäre ungefähr so, als ob ich Fiddler’s Green zu einer Los Angeles Band machen würde, weil sie ihre Platte „Spin Around“ in den Sound Image Studios in LA aufgenommen haben. Ich glaube, wenn ich das damals nach meinem Studiobesuch geschrieben hätte, hätten sich wohl einige zurecht an den Kopf gefasst.

Und hier kommt der Nächste

Immer mal wieder versuchen es deutsche Musiker und Bands in den USA groß rauszukommen. Doch bislang haben es nur ganz wenige geschafft. Klar, da sind die Scorpions, da ist Kraftwerk, da ist Rammstein, die man hier drüben als Superstars feiert. Interessant bei Rammstein ist, dass sie es mit deutschen Texten geschafft haben. Sie haben sich nicht verbogen und verdreht, um es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu packen. Sie blieben sich und ihrer Musik treu.

Andere Bands und Musiker touren viel durch die USA, sind veröffentlicht und haben auch ihre Fangemeinde. Ich denke an Blind Guardian, an Accept, an Kreator, an die Einstürzenden Neubauten, an Faust und auch an KMFDM, an zahlreiche deutsche Krautrock und Elektro Acts. Viele deutsche Independent Bands sind ebenfalls veröffentlicht und auf Tour. Sie alle haben ihre Nische gefunden und sind damit zufrieden.

Doch es gibt Großangriffe, die nicht funktionieren (können). Tokio Hotel wurden von ihrer Plattenfirma gehypt. Namhafte Konzerthallen, wie das Fillmore in San Francisco, gebucht, Tickets billig verkauft, um die Hallen zu füllen, und jedem Konzertbesucher ein Poster überreicht, darauf, wie hier, „Tokio Hotel in San Francisco“. Der angepeilte Erfolg blieb aus. Im Konzert riefen viele junge Mädchen „sing German“, doch die netten Jungs von Tokio Hotel spulten ihr Programm vor allem auf Englisch runter.

Herbert Grönemeyer spielte live in San Francisco im legendären Bimbo's Club in North Beach.

Herbert Grönemeyer spielte live in San Francisco im legendären Bimbo’s Club in North Beach.

Ähnlich verlief es mit Herbert Grönemeyer. In Deutschland kann er tun und lassen, was er will. In den USA fiel er kaum auf. Seine englischsprachige Platte „I walk“ wurde groß angekündigt, Interviews liefen sogar auf National Public Radio mit ihm, denn Grönemeyer brachte den Superstarnamen aus Deutschland mit, war bekannt durch den Klassiker „Das Boot“ und sein Duett mit Bono auf der Debut Platte schadete seinem Ansehen auch nicht. Herbert Grönemeyer erklärte mir im Interview, dass er den Versuch in den USA gelassen sieht. Und tatsächlich, er verwirklichte sich wohl eher einen Traum. Auch in seinen Konzerten waren vor allem Deutsche, die ihn einmal in Clubatmosphäre und nicht im großen Stadion oder auf einer Anti-Pegida Demo sehen wollten. Auch sie riefen „Herbert, sing Deutsch“, doch auch Grönemeyer blieb fast nur beim Englischen.

Und jetzt kommt der Rapper Cro über den großen Teich. Seine Single „Traum“ wird nun neu und englischsprachig veröffentlicht, ein US Magazin riet seinen Lesern auf eine Reihe internationaler Rap Musiker zu achten, dabei kam Cro sogar auf Platz zwei. Und er selbst zeigt sich durchaus angetan, erklärte er in einem Interview, dass er nun die Chance hat, im Geburtsland des Hip Hop mal einen abzurappen. Die Erfolgsaussichten sind allerdings auch bei Cro gering.

Deutsche Musiker und Bands haben meiner Meinung und Einschätzung nach nur dann in den USA eine wirkliche Chance, wenn sie etwas ganz anderes liefern, als der größte Musikmarkt schon selber hat. Jene Gruppen, die es hier irgendwie geschafft haben einen Fuß in die Tür zu bekommen, sind das beste Beispiel dafür. Die Liste ist lang und vielseitig. Doch Tokio Hotel, Herbert Grönemeyer und auch Cro sind bei dem, was sie machen gut, aber sie können in den USA auch nicht annähernd den gleichen Erfolg feiern, den sie daheim haben.

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Düsseldorf ist überall

Rüdiger Esch beschreibt in Electri_City die Düsseldorfer Musikszene.

Rüdiger Esch über die Düsseldorfer Musikszene.

Wer von der deutschen Musikszene spricht, denkt vor allem an Berlin. Klar, in der Hauptstadt ist viel passiert. Doch viel wichtiger für die internationale Musikszene war Düsseldorf. Was dort in den 70er und Anfang der 80er Jahre im Bereich der elektronischen Musik passierte war einmalig. Keine lokale Musikszene war so prägend, wie diese. Von Los Angeles bis Tokio verneigen sich die Musikfans und -kritiker vor dieser Stadt.

Als ich im Herbst 1996 zum ersten Mal zu KUSF San Francisco ging, um dort meine Sendung anzubieten, schaute ich mir auch in aller Ruhe das riesige Platten und CD Archiv des legendären Collegesenders durch. Und dort fand ich etliches aus Deutschland, hochgeschätzt von den DJs der Freeform Radiostation. Im Rückblick waren es vor allem Düsseldorfer Bands. Ich muß zugeben, damals war mir selbst die Bedeutung Düsseldorfs nicht bewußt. Klar, ich kannte Bands wie Kraftwerk, DAF und auch Die Krupps, aber das große Bild vermochte ich (noch) nicht zu sehen.

Das hat sich über die Jahre geändert. Nach vielen Interviews und Gesprächen mit Musikern, dem Verbinden der Punkte auf der Soundkarte, das Nachlesen, wer wo mit wem gespielt hat führte dazu, dass ich immer neugieriger wurde. Und nun liegt da „Electri_City“ vor mir, das Buch vom Krupps Bassisten Rüdiger Esch geschrieben. Für mich eine Antwort auf viele der noch offenen Fragen. Es ist eine Collage aus Interviews mit Zeitzeugen. Musiker aus der Region erinnern sich, Wegbegleiter berichten, dabei entsteht ein Bild, dass die ganze Dimension dieser elektronischen Musikstadt vor einem entfaltet wird.

Kraftwerk sind sicherlich die wichtigsten Vertreter, sie sind international am bekanntesten. Doch da gibt es so viel mehr zu entdecken, auch heute noch. DAF, Neu!, Klaus Dinger, Michael Rother, La Düsseldorf, Wolfgang Flür…und von all jenen Bands gehen weitere Klangpfade ab: Fehlfarben, Rheingold, Wolfgang Riechmann, Harmonia… Und da ist natürlich auch die unschätzbare Arbeit und Weitsicht von Produzent Conny Plank. Was er damals produzierte war ein Gütesiegel auf der internationalen Bühne. Bands wie Heaven 17, OMD, Depeche Mode, Visage, doch auch David Bowie, Brian Eno und Iggy Pop wurden vom Düsseldorfer Sound inspiriert und beeinflusst. Nur wenige der Düsseldorfer Bands erzielten mit ihrer elektronischen Pionierarbeit große Erfolge. Die hatten andere, gerade jene Bands aus England.

Der Soundtrack zum Buch ist auf Grönland Records erschienen.

Der Soundtrack ist auf Grönland Records erschienen.

Rüdiger Esch „connects the dots“ in „Electri_City“. Ein spannend zu lesendes Buch, das einfach Lust auf eine ausgiebige Plattensuche macht. Einiges habe ich schon hier, anderes konnte ich schon finden, wieder anderes steht auf meiner Liste. Begleitend zum Buch erschien die Compilation beim Herbert Grönemeyer Label „Grönland“. Nicht verwunderlich warum gerade dort, veröffentlicht Grönemeyer doch schon seit Jahren solche musikalischen Perlen von Neu! bis Conny Plank auf seinem Label.

Was Esch hier hervorragend leistet, ist den roten Faden zu finden ohne zu kommentieren. Er läßt einfach die Zeitzeugen sprechen und es so stehen. Einige von ihnen, wie Chrislo Haas, Conny Plank oder auch Klaus Dinger sind schon verstorben. Man wundert sich anfangs, warum die Kraftwerk Gründer Ralf Hütter und Florian Schneider nicht zu Wort kommen. Doch deren Geheimniskrämerei ist Verpflichtung, auch heute noch. Viele aus ihrem Umfeld reden und zeichnen so ein Bild der genialen Protagonisten und Soundtüftler, die doch auf ihrem Weg teils skrupellos vorangingen.

Die Stadt an der Düssel ist der Ursprung der elektronischen Musik. Was heute in New York, San Francisco, London, Tokio produziert wird, geht auf seltsame Weise auf die Klangtüfteleien einiger experimentierfreudiger Musiker in Düsseldorf zurück. „Electri_City“ ist ein Buch für Musikfans und Musikhistoriker. Für all jene, die mehr wissen, die Zusammenhänge erkennen und Musik auch ein stückweit verstehen wollen. Absolut empfehlenswert.

Electri_City – Elektronische Musik aus Düsseldorf

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Kraftwerk fürs Museum

Kraftwerk wurden für die Hall of Fame nominiert.

Kraftwerk wurden erneut für die Hall of Fame nominiert.

Es gibt nicht viele Bands aus Deutschland, vor denen sich Musikfans weltweit voller Hochachtung verneigen. Klar, international werden Gruppen wie Can, Faust, Einstürzende Neubauten für ihre musikalischen Arbeiten und ihre Experimentierfreude geliebt und geschätzt. Einig sind sich jedoch alle, dass Kraftwerk schon lange in die Rock’n Roll Hall of Fame gehören. Keine andere deutsche Band hat solch einen Einfluß auf das Musikgeschehen rund um den Globus gehabt. Und das nicht nur für die elektronische Musikszene, sondern auch für Genres wie Rock, Hip Hop und Pop, ganz zu schweigen von all den Subgenres, die es da so gibt.

Nun wurde die Düsseldorfer Formation erneut für die Ahnengalerie in Cleveland nominiert. Zum zigten Mal wohlgemerkt, bislang wurden Kraftwerk immer wieder übergangen. Ob es diesmal klappt muß man abwarten. Wahrscheinlich ist es nicht, denn die Liste der Vorschläge ist lang und die Amerikaner huldigen lieber ihresgleichen und auch noch ein paar Briten. Für 2014 wurden nominiert: Green Day, Nine Inch Nails, Joan Jett & The Blackhearts, Sting, Stevie Ray Vaughan, Lou Reed, NWA, War, Bill Withers, Chic, The Marvelettes, The Smiths, The Spinners, The Paul Butterfield Blues Band. Wo und wie da Kraftwerk mit ihrem geradlinigen und minimalistischen Elektrosound reinpassen ist fraglich.

Es scheint bei der Rock’n Roll Hall of Fame auch nicht um den Einfluß einer Band oder eines Musikers zu gehen, sondern vielmehr um den Geschmack der Jury. Kraftwerk sind einzigartig. Ihre Pionierarbeit veränderte die Musikwelt, ließ weltweit Musiker aufhorchen. Und selbst heute, 40 Jahre nach ihren bahnbrechenden Platten, klingt von all dem nichts verstaubt, veraltet, „out of touch“. Ganz im Gegenteil, im Frühjahr sah ich Kraftwerk live in Oakland. Es war ein lebendiges Konzert, verankert in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Und gerade das macht Kraftwerk aus, Musik ohne Grenzen und ohne Stillstand. Sie haben es verdient endlich ins Clevelander Museum aufgenommen zu werden.

Kraftwerk in Oakland

„Where did you get that Radio Goethe jacket?“, fragte mich einer im Fox Theater in Oakland. „I am Radio Goethe“, meinte ich darauf. Klar, an so einem Abend muß ich doch meine von Atze Bauer bedruckte Radio Goethe Jacke tragen. Kraftwerk spielten zum ersten mal in meiner Wahlheimat Oakland. Erst wurde ein Konzert angekündigt, nun sind sie an drei Abenden in der Stadt. Ausverkauft.

Mein erstes 3D Konzert und es war der Wahnsinn. Am Eingang erhielt jeder Besucher eine 3D Brille ausgehändigt. Auch wenn mit Ralf Hütter nur noch ein Gründungsmitglied mit dabei ist, das macht rein gar nichts aus, denn die Kraftwerker bewegen sich eh nicht viel auf der Bühne. Vier Pulte, dahinter stehen sie in seltsam gestreiften Anzügen und dahinter eine riesige Leinwand, auf der Symbole herumfliegen und Filmchen gezeigt werden. Dreidimensional wohlgemerkt, der eine oder andere im Publikum, etwas berauscht vom nordkalifornischen Gras und den elektronischen Klangteppichen der Düsseldorfer, duckte sich immer mal wieder vorsichtshalber weg. Yeah!

Rund 140 Minuten lange beschallten Kraftwerk ihr begeistertes Publikum, der Altersdurchschnitt lag bei etwa 50. Ich war also weitaus nicht der Älteste, eher so im unteren Durchschnitt. Alle Platten der Elektro-Pioniere wurden abgearbeitet. Es klang frisch und doch, hier wurde das Fundament der modernen Musikwelt präsentiert. Kraftwerk leben von ihrem Namen, von ihrer Grundlagenarbeit in den 70er Jahren. Und doch ist das anders, als wenn hier Uriah Heep auf der Bühne stehen würde. Es ist nicht einfach ein Abspielen alter Songs, quasi „Easy Livin'“. Kraftwerk arbeiten vielmehr mit den technischen Möglichkeiten von heute, um ihren „alten“ Sound ganz neu zu präsentieren. Es ist ein Wohlfühl-Klangbad, in dem man sich akustisch und visuell aalt. Ein Hörgenuss für alte Fans und junge Neugierige, die von diesen „Germans“ schon viel gehört, aber sie noch nie so nah erlebt haben.

Ein Kraftwerk(er) kommt nach Nürnberg

      Karl Bartos im Radio Goethe Interview

Am 29. Januar spielt Karl Bartos, zweiter von links in der legendären Kraftwerk Formation, live in Nürnberg. Im Festsaal des K4 wird der Musikpionier altes von Kraftwerk und neues von seiner zweiten Soloplatte „Off The Record“ gekonnt vermischen. Viele der Kraftwerk Klassiker, wie „Die Roboter“ oder „Tour de France“, wurden von ihm mitgeschrieben. Dabei wird deutlich, dass Bartos nie bloß Gastmusiker oder Platzhalter auf den hindrapierten Fotos der Band war. Für „Off The Record“ hat er sein umfangreiches Archiv durchstöbert und alte Klangideen aus seiner Düsseldorfer Kraftwerk Zeit neu verarbeitet.

Die Tour von Bartos könnte zu keinem besseren Zeitpunkt beginnen. Am 25. Januar, wenn Karl Bartos in Köln seine erste Solotour seit acht Jahren startet, erhalten Kraftwerk in Los Angeles einen Grammy für ihr Lebenswerk.

Seit Jahren werden die Düsseldorfer Elektrotüftler bei der Aufnahme zur „Rock’n Roll Hall of Fame“ kläglich übergangen, doch nun wird endlich auf internationaler Bühne die maßgebliche Vorarbeit von Kraftwerk ausgezeichnet. Gerade was die Band in den 70er Jahren leistete, ist Grundlagenarbeit für viele Genres gewesen, die sich später erst entwickelten. Ob im Rock, im Pop, im HipHop, die heutige elektronische Musikwelt wäre ärmer ohne den Weitblick von Krafwerk.

Einen Eindruck dieser klanglichen Welten kann man nun am 29. Januar im K4 live erleben. Karl Bartos kommt in die Frankenmetropole. Für meine Sendung Radio Goethe hatte ich vor einiger Zeit mit Karl Bartos geskypt, das Interview kann man oben hören.

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Kritiker Kraft(werk)los

Man will es nicht glauben, Kraftwerk wurden von den seltsamen Mitgliedern der Rock And Roll Hall of Fame übergangen. Einer der einflußreichsten Bands der Musikgeschichte wurde damit gesagt, nö, ist nicht. Nominiert ja, aber dann nicht aufgenommen in diese Ehrenhalle des Rock’n Roll. Stattdessen wurden Rush, Heart, Public Enemy, Randy Newman, Albert King und Donna Summer (!) ausgewählt…..Ja, Discoqueen Donna Summer, klar „she works hard for her money“.

Neben Kraftwerk wurden auch Deep Purple, Procol Harum, Meters, Joan Jett and the Blackhearts, Marvelettes, Chic und die Paul Butterfield Blues Band links liegen gelassen. Also, schon seltsam, was da am 18. April in Los Angeles ausgezeichnet werden wird.

Herbert will es wissen

„Hast du etwas Zeit für mich, dann singe ich ein Lied für Dich…“ trällert Nena noch immer durch den amerikanischen Äther. Und das hat sich wohl auch Herbert Grönemeyer gedacht, wenn Nena das kann…. Der Großvater des Deutschrock will es nun auch in Amerika wissen. Sein Konzert mit Gaststar Bono von U2 wurde für das US Fernsehen PBS aufgezeichnet und wird im Dezember als „Fundraiser“ für zwei Stationen ausgestrahlt. Wer spendet kann Tickets für zwei Konzerte von Grönemeyer in New York und Chicago bekommen.

Im Februar soll dann auch ein Album in den USA erscheinen. Falls die Platte gut läuft, soll es auch eine Tour im Herbst 2013 geben. Grönemeyer ist bekannt in Amerika…zumindest sein Gesicht aus dem Film „Das Boot“. Den deutschen Filmklassiker kennt eigentlich jeder. Doch Herbert Grönemeyer als Sänger in Amerika, man kann gespannt sein. Schon jetzt wird von Seiten der deutschen Botschaft und der Konsulate die Werbetrommel für die CD und Tour geschlagen, wobei ich mich wundere, ob Grönemeyer wirklich auf dem amerikanischen Markt eine Chance haben wird. Er ist gut – keine Frage. Er hat deutsche Musikgeschichte geschrieben – ohne Zweifel. Sein Genuschel ist einzigartig und zeigt, dass man nicht unbeding klar und deutlich singen mus, um erfolgreich zu sein – mit absoluter Sicherheit. Aber Herbert Grönemeyer ist weder Kraftwerk noch Rammstein noch Max Raabe.

„I walk“ heißt das Album, das im Februar erscheinen soll. Grönemeyer singt da auf Englisch, seine erste CD, die nicht in der Muttersprache aufgenommen wurde. Auch das nun auf PBS ausgestrahlte Konzertspezial heißt „I walk“ und umfasst neben eigenen Songs auch Klassiker, die Herbert klasse findet, darunter „Always on My Mind“ von Willie Nelson, „Marie“ von Randy Newman und „I’m On Fire“ von Bruce Springsteen.. Als Schmankerl schaut Bono für zwei Songs auf der Bühne vorbei….wo ist der eigentlich nicht zu finden? Weißes Haus, Afrika und bei Herrn Grönemeyer. Alles für den guten Zweck.

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Kraftwerk wird geehrt

Eigentlich war es höchste Zeit dafür, denn kaum eine andere Band hat die moderne Musikszene so maßgeblich beeinflußt wie Kraftwerk. Die Düsseldorfer Formation wurde nun für die „Rock and Roll Hall of Fame“ nominiert, ein Gütesiegel, das überfällig war. Kraftwerk waren Pioniere ihrer Zeit. Mit Alben wie „Autobahn“ oder „Mensch-Maschine“ beeinflussten sie nicht nur die elektronische Musikszene ihrer Zeit und nach ihnen, sondern auch Musiker anderer Genres, wie Afrika Bambaataa, der als Urvater des Hip Hops gilt.

Kraftwerk ziehen ihre eigenen Bahnen im Rock Universum. Auch im Jahr 2000, als Musikjournalisten über die wichtigsten Gruppen und Musiker des 20. Jahrhunderts sprachen, wurden Kraftwerk immer wieder genannt. Ihre Experimentierfreude, ihr Umgang mit Sound und Sprache waren bahnbrechend. Die Nominierung für die „Hall of Fame“ ist also nur eine offenkundige Wertschätzung für die wichtigste deutsche Band aller Zeiten.

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