Die Uhr tickt noch bis Montag

Montag 17 Uhr Ortszeit. Bis dahin wird Jahi McMath noch an einer Beatmungsmaschine angeschlossen bleiben. Das hat ein weiterer Richter in dem bizarren Rechtsstreit in Oakland festgelegt. Die 13jährige war nach einer Routineoperation an den Mandeln in ein Koma gefallen und schließlich am 12. Dezember für hirntot erklärt worden. Die Administration des Children’s Hospital Oakland erklärte ein paar Tage später den geschockten Eltern, dass nichts mehr zu machen sei, die Maschinen ausgeschaltet werden sollten. Die Eltern klagten und erreichten eine einstweilige Verfügung, Jahi weiter beatmen zu lassen. Ein unabhängiger Mediziner wurde eingeschaltet, der jedoch auch den Hirntod des Mädchens bestätigte.

Montag 17 Uhr. Dann soll die Beatmung des toten Körpers beendet werden. Doch um die 13jährige ist nun ein Rechtsstreit entbrannt. Zahlreiche „Pro Life“ Organisationen sollen, nach Auskunft des Rechtsanwalts der Familie, angeboten haben, Jahi in eine Pflegeeinrichtung bringen zu lassen, um sie so „am Leben“ zu erhalten. Ärzte und Pflegepersonal halten solch ein Vorgehen für falsch. Vielmehr solle man den Eltern nicht länger Hoffnung auf ein Wunder geben, das nicht eintreten werde und Jahi stattdessen ein passendes Begräbnis ermöglichen. Doch das kommt nicht an. Am Tag vor Weihnachten protestierten Familie, Freunde und „Pro Life“ Aktivisten vor dem Krankenhaus gegen das Abschalten der Beatmungsmaschine von Jahi.

Die 13jährige ist ungewollt in den Mittelpunkt einer Debatte gelangt, in der es um die Frage geht, wann ist das Leben vorbei und wer entscheidet, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist.

Wann ist man tot?

Erinnern Sie sich noch an Terri Schiavo? Nach einem fast 15jährigen legalen Kampf zwischen Ehemann und Eltern entschied ein Richter, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen für die damals 42jährige Frau in einem Krankenhaus in Florida abgeschaltet werden können. Der Fall machte weltweit Schlagzeilen. Wann ist das Leben vorbei, wann darf, wann soll man die Maschinen am Patientenbett abstellen?

Nun liegt in Oakland eine 13jährige im Krankenhaus, die von der Krankenhausleitung für klinisch tot erklärt wurde. Die Eltern allerdings wollen das nicht akzeptieren. Jahi McMath wurde am 9. Dezember an den Mandeln operiert. Zuerst sah alles nach einem Routineeingriff aus, doch bereits im Aufwachraum fingen die Blutungen im Kopfbereich an. Am 12. Dezember wurde das Mädchen für klinisch tot erklärt. Die Krankenhausverwaltung drängte darauf, dass man die lebenserhaltenden Maßnahmen abbreche, doch die Eltern weigerten sich „to pull the plug“ und zogen vor Gericht. Sie erklärten Jahi reagiere auf Berührungen und auf die Stimme ihrer Mutter. Die Ärzte im Oakland Children’s Hospital bezweifeln das.

Nun hat ein Richter entschieden, dass ein unabhängiger Neurologe die Patientin untersuchen soll. Beide Seiten haben sich auf eine Liste von fünf Fachärzten geeinigt. Diese sollen nun entscheiden, ob noch Hoffnung auf ein Wunder besteht, wie es die Eltern der 13jährigen herbei sehnen. Unterstützung erhält die Familie von zahlreichen christlichen Organisationen, die betonen, dass man auch in diesem neuen Fall der Patientin Zeit geben solle.

One Way Ticket To San Francisco

„One way ticket“ hieß der größte Hit der Discoband Eruption. Einzelfahrkarten stellen auch gerne südkalifornische Gemeinden aus, wenn sie Obdachlose loshaben wollen. Ein Greyhound Busticket und ab geht die Reise nach San Francisco, denn die nordkalifornische Metropole ist bekannt für den liberalen Umgang mit Obdachlosen. Ab und weg, das Problem ist gelöst.

Seit einiger Zeit nun schon setzen die Nevada Städte Reno und Las Vegas noch einen drauf, obwohl dieses asoziale Verhalten kaum noch zu toppen. Sie haben es spielend getoppt. Die Stadtverantwortlichen kaufen Pflegebedürftigen ein Busticket und schieben so teure Pflegefälle einfach Richtung San Francisco ab. Jüngstes Beispiel ist der 47jährige taubstumme und blinde Timothy Martin, der im April aus Reno kam. Auf den Straßen San Francsicos wurde er von einer Ambulanz aufgegriffen und ins General Hospital gebracht. Dort stellten Ärzte fest, dass ihm aufgrund seines Diabetes ein Bein abgenommen werden muß, die Krankenhausrechnungen haben sich mittlerweile auf mehrere Hunderttausend Dollar angehäuft. Und die muß die Stadt San Francisco übernehmen, denn Martin ist arm wie eine Kirchenmaus und müßte eigentlich in Betreuung sein.

Bis 2010 lebte Timothy Martin mit seiner Mutter. Als diese an Lungenkrebs verstarb wurde er im privaten, psychiatrischen „West Hills Hospital“ in Reno untergebracht. Doch die Rechnungen häuften sich für den mehrfach behinderten Mann an. In Reno sah man daher einen einfachen Ausweg; Abschiebung. Das Meeresklima in San Francisco würde ihrem Patienten sicherlich gut tun, dachten sich wohl die verantwortlichen Ärzte und kauften ihm ein Busticket. Auch eine Lösung, um den klammen Haushalt so einiger Einrichtungen und Gemeinden zu gesunden.

Die Stadt San Francisco geht nun der Frage nach, wie viele dieser Fälle vorliegen, die bereits als „Greyhound Therapy“ bezeichnet werden. Eine Therapie für die Stadtsäckel einiger Gemeinden wohlgemerkt, die einfach ihre teuren Pflegefälle per Greyhound Bus abschieden. Auf Nimmerwiedersehen wohlgemerkt.

 

Palin packt es nicht mehr

Sarah PalinSarah Palin ist für viele Republikaner und Konservative in den USA eine tolle Frau, eine Politikerin mit Sex Appeal und Charisma, wie einige Coverstories in konservativen Blättern belegen sollen. Einige reden von ihr bereits als die kommende Präsidentin. Palin wird umhätschelt und gelobt, wo es eigentlich gar keinen Grund gibt. Und auch die jüngsten Nachrichten aus dem Palin Umfeld werden stillschweigend übergangen. Ihre Abzocke bei den „Freebies“, den Geschenken an die Stars und Sternchen im Vorfeld der Oscar Verleihungen, oder nun auch ihr Eingeständnis, dass sich die Politikerin auch schon in Kanada ärztlich behandeln liess, werden unter den Tisch gekehrt.

Interessant ist beides, denn Palin kritisiert immer wieder Hollywood und die Dekadenz der Traumfabrik, macht aber auch die Taschen auf, wenn es um Geschenke geht. Und dann vor allem ihre Kritik an der Gesundheitsreform von Präsident Obama, der ja ein sozialistisches System einführen wolle, wie es die Europäer und die Kanadier hätten, so Palin. In den USA, so die frühere Gouverneurin von Alaska, hätte man doch das beste Gesundheitssystem der Welt. Von daher ist es eine besondere Meldung wert, nun auch mal zu verkünden, dass selbst Sarah Palin sich in Kanada medizinisch versorgen lässt. Im Land der Unbegrenzten Möglichkeiten gilt eben auch die Freiheit der Arztwahl…auch wenn der in Kanada ist.

Aufgepasst, sonst ist das Bein ab

Marin General HospitalHeute rief mich eine Freundin an und meinte, ihre Mutter sei gestürzt, habe sich dabei die Hüfte gebrochen und müsse heute noch operiert werden. Ich also rüber ins Marin General Hospital, wieder mal, denn vor Jahren waren wir schon mehrmals hier, als ihr Mann regelmässig zur Strahlentherapie hierher kommen musste.

Die Mutter wartete noch auf die OP, doch kurz nach meinem Kommen wurde sie runter gefahren. Die OP Schwester fragte, ob die richtige Seite schon markiert worden sei? Nö, meinte Susan, meine Freundin. Also musste der operierende Arzt geholt werden, der Susan dann fragte, ob es die rechte Hüfte ist (es war offensichtlich!!!). Susan antwortete dann etwas im Spass, sie hätte immer Probleme mit links und rechts. Der Arzt blickte sie bierernst an: „Das ist hier kein Witz, sondern Teil der „Nationalen Initiative zur Bekämpfung von Fehleingriffen“. Wow, wenn es da schon eine offizielle „Nationale Initiative“ gibt, dann muss einem ja angst und bange  werden. Und tatsächlich sterben jedes Jahr rund 100.000 Amerikaner in den Krankenhäusern aufgrund von medizinischen Fehlgriffen.

Nachdem man sich also auf die rechte Seite geeinigt hatte, unter Zeugen wohlgemerkt, denn zwei OP Schwestern standen dabei, machte der operierende Arzt mit einem extra dafür bereitgelegten Stift sein Kreuzchen auf der rechten Hüfte der Mutter und schmiss dann den „Marker“ in die Mülle. Dieses Land braucht wirklich eine Gesundheitsreform!

Gesundheitsreform auf Amerikanisch

Derzeit diskutieren sich die klugen und weniger klugen Köpfe in Amerika die Ohren heiss. Das Thema, die Gesundheitsreform. Präsident Obama will eine allgemeine Versicherungspflicht nach dem Modell europäischer Nationen einführen. Die Republikaner lehnen das strikt ab und malen den Teufel an die Wand. Das konservative Nachrichten Network „FOX News“ palavert schon seit Wochen mit seinen Star Moderatoren dummes Zeug. Allen voran Sean Hannity, Bill O’Reilly und Glenn Beck, die neben ihren Fernsehshows auch noch „syndicated“, also nationalweit ausgestrahlte Radioprogramme haben. Tag für Tag wettern sie gegen Obama und seine Politik.

Wie hier drüben die Diskussion über die Gesundheitsreform geführt wird, zeigt dieser Mitschnitt des Glenn Beck Programmes, das Anfang der Woche über den Äther ging….dran bleiben, das ganze wird richtig unterhaltsam:

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Toter ohne Totenschein

Es ist schon makaber, aber darüber muss man einfach schreiben. An dieser Stelle hatte ich im Oktober berichtet, dass mein Bekannter im Alter von fast 94 Jahren verstorben ist. Er lag im Krankenhausbett und schlief einfach ein, nachdem sein Herzschrittmacher ausgeschaltet wurde.

Nun bin ich für seinen Nachlass zuständig, muss alles auflösen, mich mit Erben und Mietern seines Hauses auseinandersetzen. Und plötzlich auch mit einem leiblichen Sohn, der nun aus der Versenkung aufgetaucht ist und schlichtweg alles verlangt. Er sei der alleinige Erbe, auch wenn Hans ihn bewusst in seinem Testament nicht erwähnte…egal, das muss nun ein Gericht klären.

Gestern hatte ich auch mal wieder ein schönes Telefonat wegen Hans. Seit Monaten schon bekommt er Rechnungen des Krankenhauses zugeschickt, die von seinem letzten, und ich meine wirklich den allerletzten, Aufenthalt stammen. Also habe ich mal angerufen, denen freundlich gesagt, dass Hans tot sei und sie sich doch an die Versicherung wenden sollten:

KH: „Wir brauchen dafür aber eine Totenbescheinigung“.

AP: „Aber er verstarb doch bei Ihnen im Krankenhaus?“

KH: „Trotzdem“.

AP: „Ein Arzt von Ihnen hat ihn für tot erklärt und sogar den Totenschein unterschrieben…“.

KH: „Trotzdem“.

AP: Stille, Fassungslosigkeit

Man kann sich also gut vorstellen, dass ich hier mit rollenden Augen sass und den Telefonhörer anstarrte…so viel Logik tut manchmal richtig weh.

Was mach ich hier nur?

Eigentlich wollte ich über meinen jüngsten Flug von Indianapolis nach Oakland schreiben und die Logik, mit der man von manchen Stewardessen oder Flugbegleiterinnen geschlagen wird….aber nun ist alles mal wieder anders.

Sitze hier in der Notaufnahme von UCSF, dem Uni-Krankenhaus in San Francisco. Hans, mein 94jähriger Freund aus Schlesien, musste eingeliefert werden. Und da sitzen wir nun – er liegt, ich sitze – und warten auf…ja, auf was warten wir eigentlich? Nicht auf den Weihnachtsmann oder das Christkind…ein Arzt war auch schon da…Wir warten schlichtweg darauf, dass endlich jemand kommt, der das Bett auf eine Station schiebt. Und das kann dauern. Wenigstens haben sie hier Wireless und ich nutze die Minuten, während Hans schläft, um ein bisschen zu schreiben.

Ich weiss nun nicht, ob jemanden in Nürnberg interessiert, was ich hier in San Francisco mache…wahrscheinlich ist das so egal wie der berühmte Sack Reis, der in China umfällt, aber ich schreibe trotzdem, denn mir ist langweilig. Was soll man auch machen, wenn man hier in der Notaufnahme rumsitzt…Dem schreienden Kind im Nebenzimmer zuhören, das etwas im Ohr stecken hat und keinen Arzt und keine Krankenschwester an sich ran lässt. Eine meinte, „sieht aus wie eine Küchenschabe. Schon die dritte in dieser Woche“. Was das Kind nicht wirklich beruhigte.

Vielleicht sollte ich doch von der ollen Flugbegleiterin sprechen, die mich auf meinem Gang zur Toilette mit den Worten stoppte „Sie können hier nicht nach vorne kommen, gehen Sie nach hinten“. „Aber die Toilette ist doch frei“. „Gehen Sie nach hinten“. „Aber ist doch frei“. „Gehen Sie nach hinten“, das war dann schon ein scharfer Ton, bei dem ich dachte, sie alarmiert gleich die Federal Marshalls, die an Bord sind, um mich zu verhaften. Also ging ich nach hinten und reihte mich in die Schlange der Bedürftigen ein.

Was die Flugtante nicht sagen wollte war eigentlich klar. Der Pilot musste auch mal  und deshalb darf man als normaler Fluggast und potenzieller Sohn Osamas nicht mehr aufs selbe Klo. So ist das nun in den Weiten des Himmels, von der grenzenlosen Freiheit über den Wolken ist nichts mehr zu spüren. Und vom Sicherheitsbeamten in Indianapolis, der die Zahnpasta schon als wichtigen Part in meinem mobilen Bombenbaukasten sah, ganz zu schweigen. Habe ich ja immer dabei, unterm Arm sozusagen…wenn der wüsste, dass Chemie nie so mein Fach war. Aber macht richtig Spass, endlich auch einmal als „Bad Boy“ gesehen zu werden….Kleiner Scherz, aber mal ehrlich, fliegen nervt nur noch. Da kommt man sich vor wie bei Aldi an der Kasse, wenn die „nette“ Frau im Kittel einen anraunzt die Tasche zu öffnen, man ist ersteinmal ein potenzieller Dieb. Rasterfahndung pur, bei Aldi und über den Wolken….verdächtig ist jeder.

Zurück zum Krankenhaus in San Francisco, hier kommen sie auch nicht richtig in die Pötte, aber Hans wacht gerade auf, von daher hör ich mal auf…