Kreditkartenunsinn

Ich lebe in Amerika, ich habe etliche Kreditkarten, hier zahlt man alles mit Kreditkarten, hier wird man zugemüllt mit Karten. Eigentlich liegen wöchentlich Angebote von verschiedenen Banken und Unternehmen in meinem Briefkasten. Eine Karte nutze ich vor allem, das ist die, mit der ich Meilen für eine große deutsche Airline sammele. Und die Fluggesellschaft arbeitet hier in den USA mit der drittgrößten britischen Bank zusammen. Soweit so gut.

Eine Tasche voller Kreditkarten.

Eine Tasche voller Kreditkarten.

Nun also sah ich mal wieder auf meiner Abrechnung, dass die Bank den jährlichen Betrag von 79 Dollar abgezogen hat. Das fand ich nun nicht gut und rief an, um diese Gebühr zurückerstattet zu bekommen. „Hello, thank you for calling your Miles and More… How may I help you?“ Einer netten Frau erklärte ich mein Anliegen, dass ich als guter Kunde, der seine Rechnungen auch begleicht, die jährliche Gebühr zurückerstattet bekommen möchte. Ein paar Floskeln und nette Worte später meinte sie, das ginge leider nicht. Ok, meinte ich, „please connect me to your Supervisor“. Kurz danach kreiste mein Anruf in der Warteschleife.

„Hello, this is April. I understand there is an issue with your Miles and More credit card?“ „Well, April….die Sache ist ganz einfach, ich will die Gebühr nicht zahlen, denn eigentlich macht ihr ja schon genug Geld mit mir. Und außerdem habt ihr auch in der Vergangenheit die Gebühr gestrichen.“ April, ganz April meint, das ginge nicht, sie könne das nicht machen. „Aber April, Ihr macht doch genug Geld mit mir, denn jedesmal, wenn ich die Karte zücke, gehen Prozente des Betrags an Euch. Deshalb, wenn die Gebühr nicht gestrichen wird, schließe ich mein Konto bei Euch. Und das sieht dann für mich so aus, als ob ihr keine Kunden wollt, die ihre Rechnungen begleichen. Denn ich verstehe schon, dass ihr als Bank mehr Geld macht, mit Kunden, die ihre monatlichen Rechnungen nicht voll zahlen, sondern mit hohen Zinsen abstottern müssen.“

Nein, nein, versicherte mir April, dass das nicht so sei. Aber sie könne wahrlich nichts machen. Na gut, dann solle sie mich mit ihrem Supervisor verbinden, vielleicht habe der noch ein Ass im Ärmel. Wenn nicht, könne man gleich heute mein Konto bei der britischen Bank schließen. April tippte da rum und haute mich erneut in die Warteschleife, seltsame Musik ertönte, die ich noch nie gehört hatte.

Ein paar Minuten später: „Hi, this is David, sorry for keeping you waiting. I understand there is an issue with your Miles and More card“. „Well, David….wie schon gesagt, Ihr habt in der Vergangenheit die Jahresgebühr gestrichen und das möchte ich nun wieder von Euch. Einfach aus dem Grund, dass ich als langjähriger Kunde meine Rechnungen zahle und die Gebühr überflüssig finde.“ Und auch David erklärte mir, dass das eigentlich nicht geht. Außerdem habe April bereits mein Konto geschlossen. „Ähm, sollte sie eigentlich noch nicht“. David fummelt also da an seinem Arbeitsplatz rum und sagt, er habe es wieder aktiviert, aber das ändere nichts daran, dass sie die Gebühr erlassen könnten. Also frage ich ihn erneut, ob sie denn keine Kunden wollen, die ihre Rechnungen zahlen. Was ich durchaus verstehen könnte, aber dann sollte man mir das doch sagen, ich würde dann gerne einen Radiobeitrag daraus bauen. Auch David verneint das und schlägt schließlich vor, dass er die Gebühr nicht erlassen kann, er könne mir nur auf der nächsten Rechnung eine Gutschrift von 79 Dollar verbuchen.

Etwas verdattert frage ich ihn nun, wo da nun der Haken sei. Kein Haken, aber anders ginge das nicht. „Ok. Whatever!“ Na dann, David wünscht mir noch einen schönen Tag. Ich zahle die Gebühr und bekomme von der Bank in Großbritannien auf der nächsten Monatsabrechnung eine Gutschrift über den gleichen Betrag verbucht. Woher nun dieses Geld kommt, weiß ich auch nicht. Ich kann nur sagen, dass ich froh bin, kein Finanzjournalist zu sein, denn diese Welt des großen Geldes verstehe ich wahrlich nicht.

Über den Wolken…

… ist die Freiheit schon lange nicht mehr grenzenlos. Fangen wir mal mit den Sitzen an. In der Economy Class wohlgemerkt, nicht in der First oder Business Class. Da ist die Welt noch in Ordnung. Wer größer als 1,70 Meter ist, hat in der Touristen- oder „Holzklasse“ die Minuskarte gezogen, auch wenn man eine Vielfliegerkarte bei einer der großen deutschen Airlines hat. Die Knie stoßen an den Vordersitz und das bereits, wenn der Vordermann noch nicht einmal die Rückenlehne zurück gestellt hat und einem dann quasi auf dem Schoß liegt. Bei der Schweizer Partner Airline, einst das Flaggschiff und der ganze Stolz der helvetischen Nation, sind im Fußbereich darüberhinaus noch metallene Kästen angebracht, die den sowieso engen Fußraum noch weiter einschränken.

Die Kranich Airline hat gefühltermaßen noch ein paar Sitzreihen in die Economy Class eingefügt. Zentimeterarbeit war das, dabei hat man sich nach der Durchschnittsgröße eines chinesischen Bauern orientiert oder eines indischen Yogi, der problemlos seine Beine falten kann und das stundenlang durchhält. Diese Neuausrichtung der deutschen Fluggesellschaft ist nicht verwunderlich, denn der asiatische Markt ist, wie weitläufig bekannt, der Zukunftsmarkt. Auf Transatlantikflügen, auf denen mehr hochgewachsene Deutsche, Schweizer und auch Amerikaner reisen, wird man schon mit 1,83 Meter zu einem Hünen.

Die Flüge sind überbucht, die Zeiten des freien Sitzplatzes neben einem sind schon lange vergangen. Und das ist nun kein Vorwurf, die Airlines sind ja im Geschäft, um Passagiere zu befördern. Doch Spaß am Fliegen hat man schon lange nicht mehr. Ein 11 Stunden Flug wird zur Gruselreise. Der Platz schwindet, der Service ist deutlich schlechter geworden und selbst als Vielflieger fühlt man sich immer mehr verarscht. Hier ein Beispiel: Mein letztes Ticket von SFO nach NUE kostete 1233 Dollar, ein stolzer Preis für die Economy Class. Doch das ist die unterste Preis- und damit Servicekategorie. Das heisst, auf dem Langstreckenflug sammelt man gerade mal 25% der möglichen Meilen, sprich in etwa so 1200 Meilen. Wenn man als Vielflieger auch noch eine Kreditkarte mit dem Unternehmenslogo führt, bekommt man immer wieder Angebote bei diversen Geschäften und Unternehmen. Avis schreibt einem 500 Meilen für jede Anmietung gut. Im Dezember kaufte ich in der Nürnberger Innenstadt etwas für rund 100 Euro, dafür wurden mir 3000 Meilen „geschenkt“. Die Frage ist nun, was ist eigentlich der Sinn einer Fluggesellschaft? Passagiere durch die Luft zu befördern oder Dinge zu verkaufen? Ach ja, wenn man in dieser „Billigklasse“ fliegt und nur 25% der Meilen sammelt, dann ist natürlich auch ein „Upgrade“ ausgeschlossen. Kann ja wohl auch nicht sein, dass man als geiziger Schmarotzer auch noch sein übervolles Meilenkonto leeren will.

Wer sich beschwert, der wird einfach ignoriert. Nach drei Anschreiben kam dann mal eine Antwort. Unbefriedigend für mich, aber das war ja nicht überraschend. Das Fliegen ist schon lange kein grenzenloser Spaß mehr. Jede Fluggesellschaft hat sich in den vergangenen Jahren dem Preisdruck angepaßt, das steht außer Frage und ist auch verständlich. Allerdings sollten Airlines durchaus erkennen, dass der Großteil der Kunden nicht nur First und Business Klasse fliegt. Kundenservice sollte für alle Passagiere gelten und ein Langstreckenflug ist nun einmal so lang wie er ist. Nicht 25 Prozent so lang, wäre zwar schön, aber ist eben nicht so.

 

Legaler Kreditkartenschwindel

KreditkartenIn den USA zahlt man eigentlich immer und überall mit der Plastikkarte. Beim Tanken, im Supermarkt, im Restaurant. Dann bekommt man am Monatsende seine Rechnung und zahlt, zahlt nicht oder eben den Mindestsatz von ein paar Dollar. Letzteres hat allerdings zur Folge, dass man einen ziemlichen Schuldenberg anhäuft und das auf ganz legale und auch gewollte Weise.

Die Kreditkartenunternehmen finden das natürlich in Ordnung, denn mit den Zinsen und Zinseszinsen verdienen sie richtig, richtig gut. Nun allerdings, im Zuge der Wirtschaftskrise und der neuen Regierung in Washington, sollen ein paar Änderungen für Kreditkartennutzer und -anbieter kommen, die die Verbraucher schützen sollen. Die Unternehmen wollen deshalb noch schnell einiges vorab ändern, um auch weiterhin den dicken Reibach machen zu können. Eine Änderung, die bereits von etlichen Banken vorgeschlagen wurde ist, die Leute mit zusätzlichen Gebühren zu belasten, die ihre Rechnungen voll und ganz am Monatsende begleichen (!). Richtig gelesen, wer in den USA keine Schulden macht, soll also in Zukunft noch eine drüber gebraten bekommen. Man bekämpft also die amerikanische Schuldenkrankheit mit einer weiteren Infektion. Auch ein Weg…

Amerika und Nord-Korea

Auf der Suche nach nordkoreanischen Nachrichtensendungen zum Clinton Besuch stiess ich auf eine prächtige Seite: Die offizielle Webseite der Volksrepublik (DPRK). Na, da jubeln die Altkommunisten und Stalinisten, die Freunde der „Achse-des-Bösen“ und Anti-Amerikaner. Denn hier präsentieren sich die Steinzeitideologen um den „Dear Leader“, den kleinen Mann im hellbraunen Kackanzug.

Neben der offiziellen Landesgeschichte, gibt es auch Songs aus Nord-Korea zu hören. Wow, da haut es einem im Land von „American Idol“ voll um. Hit folgt auf Hit, schade nur, dass man die Lieder nicht scratchen darf. Aber dafür würde man wahrscheinlich im Land mit Arbeitslager bestraft werden. Man kann auf der Seite auch Mitglied im Freundeskreis der Volksrepublik werden (Gibt es wirklich Freunde Nord-Koreas?). Allerdings muss sich der Bewerber mit den Zielen der „Korean Friendship Association“ (KFA) einverstanden erklären. Ah, hier ist der Haken an der Mitgliedschaft, die kostenlos ist.

Aber am interessantesten ist der „Shop“ für den Freund des wohl seltsamsten Regimes zwischen hier und dort. Von revolutionären Kaffeetassen bis zum Mousepad mit Propagandabildchen ist alles zu haben. Sogar Golfshirts und Kissen mit nettem Schlachtruf sind zu haben. Und da es sich bei der Firma, die diese Werbematerialien erstellt, um eine amerikanische handelt, kann man also beruhigt auf die real existierende nordkoreanisch-amerikanische Verbundenheit hinweisen. Schön vor allem, dass man problemlos mit seiner Kreditkarte zahlen darf…natürlich nur in harten Dollars und Euros, denn den „Won“ nehmen sie noch nicht einmal im eigenen Propagandaladen an.

MC Mess

Nein, MC steht hier nicht für „Master of Ceremonies“ sondern für eine der Kreditkarteninstitute. Und die haben mich so richtig auf 180 gebracht. Bislang hatte ich über United Airlines eine Kreditkarte, um Meilen zu sammeln und hin und wieder einen Freiflug nach Deutschland zu bekommen. United ist allerdings in den letzten Jahren ziemlich den Berg runter gewirtschaftet worden. Schlechter Service, durchgesessene Sitze und immer mehr Gängeleien haben mich schliesslich zu dem Entschluss gebracht die Fluggesellschaft zu ändern.

Nun also mit Lufthansa die Meilen gesammelt, Kreditkarte bestellt, extra die Businessversion, denn darüber kann man auch gleich einen Mietwagen mieten und bekommt die Versicherung gratis dazu. Dachte ich zumindest, doch im Kleingedruckten stiess ich auf einen Haken…

Ich muss hier kurz ausholen. Während meines letzten Deutschlandaufenthaltes wurde mein geparkter Mietwagen in Berlin angefahren und anschliessed Fahrerflucht begangen (Wenn ich den oder die jemals in die Finger bekommen sollte, schmeisse ich alle meine Zivildienstleistenden Versprechungen über Bord!). Ich hatte keine zusätzliche Versicherung abgeschlossen, denn es hiess USAA, mein und der Versicherungsschutz der Militärangehörigen in den USA, würde auch bei Mietwagen gelten. Telefonisch wurde das sogar bestätigt, doch leider stellte sich danach heraus, dass im Kleingedruckten steht, das gelte nur für Mietwagen in den USA. Auch das Argument, dass ich mich im Amerikanischen Sektor von Berlin aufhielt, zog leider nicht.

Am Ende stand ich mit einer Rechnung von 5500 Dollar da. Man kann also verstehen, dass ich von nun an kleingedruckte Vertragswerke lese. So stiess ich bei der LH-MC auf eine Zeile, die mich aufhorchen liess: „Excluded rental vehicles: Any rental vehicle that has a manufacturer’s suggested retail price that exceeds $ 50,000.“

Beim derzeitigen Dollarkurs sind das 31,745 Euro. Ist ’ne Menge Geld, aber bei Neuwagen nicht gerade viel. Vor allem, wenn man längere Strecken fahren muss und einen BMW oder Mercedes geliehen bekommt. Ich rede hier nicht von den grossen Modellen, sondern von den Kleinwagen der Firmen. Auf alle Fälle rief ich bei LH an, die mich an die Barclays Bank vermittelten, die mich dann weiter an MC reichten…An dem Punkt hatte ich schon einen dicken Hals, denn nach Dauerberieselung von bescheuerter Aufzugmusik und mehrmaligem Nennen meiner Social Security Nummer und „Could you please spell your name“ und immer noch keiner Antwort, platzte mir der Kragen.

Dann schliesslich jemand von MC, der mir sagte:

Nö, wenn sie einen Wagen mieten, der neu mehr kosten würde als 50,000 Dollar, haben sie keinen Versicherungsschutz.

Wie jetzt, also, wenn der Wagen 50,001 Dollar kostet, sind sie nicht für die 50,000 zuständig und ich für den einen Dollar?

Nö, bei so einem Wagen zahlen wir nix.

Ja, wie jetzt, muss ich mich jetzt vor dem Anmieten eines Wagen erkundigen, wie teuer der Wagen neu wäre?

Ja, das müssen sie. Aber sie können sich ja auch einen kleineren Wagen nehmen.

Der letzte Satz war kein Witz des MC-Beraters, sondern ein ernster Ratschlag.

Na klasse…Kurzum, ich wollte eine Stellungnahme des Supervisors auf Band haben, die mir jedoch verweigert wurde. Interessanterweise ist das Limit für das Anmieten von Autos bei der deutschen LH-MC deutlich höher. Hier darf man Mietwagen mit einem Neupreis von 75,000 Euro aussuchen, die dann den nötigen Versicherungsschutz haben. Beim derzeitigen Dollarkurs ist das weit mehr als das Doppelte. Ich kann also nur jedem raten, genauestens das Kleingedruckte zu lesen, denn darin liegt das Detail, das tausende von Euro kosten kann.

Wie und warum es beim selben Unternehmen solche drastischen Unterschiede gibt, werde ich mal versuchen heraus zu finden…eine Antwort gibt es bald an dieser Stelle.