Eine musikalische Spurensuche

      Kulturelle Spurensuche

Amerika, der „Melting Pot“ der Kulturen und Sprachen. Ich muss mir nur die Nachbarn auf meiner Straße ansehen, Menschen aus aller Welt und mit verschiedenster Herkunft. Das macht dieses Land auch aus, denn jeder, der hierher kam, hat etwas mitgebracht, es eingebracht in eine Gesellschaft, die zwar von einigen heute gerne als „weiß“ gesehen wird, aber eigentlich ein farbenfrohes Bildnis des Miteinanders ist.

Immigranten haben immer ein stückweit ihrer Kultur mit in die neue Heimat gebracht, es eingefügt in dieses gesellschaftliche, lebendige und vielschichtige Puzzle und damit die Vereinigten Staaten von Amerika zu dem gemacht, was sie heute sind. Daran wird auch ein Präsident Donald Trump und sein rückwärts gewandter Ruf „Make America Great Again“ nichts ändern. Amerika heute ist ein reiches, ein großartiges Land, auch und vor allem Dank der Immigranten, die aus aller Welt hierher kamen und die USA auf ihre Weise mitprägten.

Dieses Feature zeigt die Bedeutung der Einwanderer aus den deutschsprachigen Ländern auf. Sie kamen aus Deutschland, aus Österreich, aus der Schweiz, um hier ganz neu anzufangen und dennoch haben sie in der „Neuen Welt“ ihre alte Heimat nicht vergessen. In Vereinen, Liederkränzen und auf Festen feierten sie ihre Wurzeln. Die Musik der Immigranten und die Lebensfreude, für die sie stand, wurde in den USA nur zu gerne angenommen und auf ihre Weise von anderen Bevöllkerungsgruppen aufgegriffen. Dieses Feature geht auf die Suche nach den musikalischen Spuren der deutschsprachigen Einwanderer.

„The day the music died“

So genau, kann man den Tag wohl nicht festlegen. Auch nicht, ob er in der Vergangenheit, der Gegenwart oder Zukunft liegt. Aber irgendetwas hat sich verändert im Musikgeschäft. Ich klinge da wohl nostalgisch, zeige mein Alter, wenn ich davon spreche, wie ich als Jugendlicher durch die Nürnberger Innenstadt von einem Plattenladen zum nächsten lief, auf der Suche nach Schallplatten und nach den besten Preisen dafür. Adler, Montanus, Phonac, Musik Shop, Francoise, Goofy. Bei Hertie kaufte ich meine erste LP. All die Läden gibt es schon lange nicht mehr.

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„Es gibt keine Mauern zwischen uns“

Eröffnung einer beeindruckenden Ausstellung.

Eigentlich sollte es „nur“ um Teotihuacan gehen. Die Ruinenstadt nordöstlich von Mexiko-City, Weltkulturerbe seit 1987, Anziehungspunkt für Millionen von Touristen. Die neue Ausstellung im de Young Museum in San Francisco ist eine faszinierende Kulturschau, mit weit über 200 Exponaten, die einen tiefen Einblick in die Geschichte des südlichen Nachbarlandes gewährt. weiter lesen

Der Blick in eine vergangene Welt

Gottfried Lindauer wurde 1839 im böhmischen Pilsen geboren. In Wien studierte er Kunst, aber fiel dort nicht weiter auf. 1874 machte er sich auf den langen Weg nach Neuseeland. Warum, das weiß keiner so richtig. Aber dort, auf der anderen Seite der Welt, erlangte Lindauer Berühmtheit für seine Portraits der Māori.

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Das besondere Oakland

Foodtrucks liefern die kulinarische Vielfalt.

San Francisco ist „The City“, Oakland „The Town“. Hier die glänzende Weltmetropole am Golden Gate, da die stiefschwesterliche Gemeinde auf der anderen Seite der Bay. Oakland wird gerne übersehen. Oakland, eine Stadt, die von Touristen meist gemieden wird. Und doch, es ist die Stadt in meinem Leben geworden, in der ich nun fast am längsten gelebt habe. Meine Wurzeln liegen in Nürnberg, so richtig erwachsen wurde ich in Oakland.

„The Town“ hat viel zu bieten. Kunst und Kultur, eine „Waterfront“, wunderbare Kneipen und Restaurants, kleine, heimelige Nachbarschaften, Redwood Trees und fantastische Ausblicke. Und da sind die vielen Angebote, die Oakland zu etwas ganz besonderem machen. Gestern Abend fand wie an jedem Freitag wieder „Friday Nights at the OMCA“ statt. Das „California Museum of Oakland“ ist dabei bis 22 Uhr geöffnet, Live-Musik, Bars und ein gutes Dutzend Foodtrucks laden die wunderbar vielfältige und vielgesichtige Community von Oakland ein. Das Museum wird so zu einem Treff- und Mittelpunkt der Stadt.

Partystimmung am Freitagabend im Museum.

Die Dorothea Lange Ausstellung „Politics of Seeing„, die derzeit noch im Museum zu finden ist, kann man sich mehrmals ansehen. Langes Fotos sind zeitlos, hochpolitisch, engagiert. Gerade in diesen Tagen der politischen Krise in den USA. Farbenfroh dagegen die Roy De Forest Bilder „Of dogs and other people„. Nicht ganz mein Geschmack, aber ein erhellender Gegensatz zu der Schwere im Nachbarraum. Dazu noch die vielen anderen Ausstellungsstücke des OMCA.

Und draussen tobte der Bär. Oben ein jüngerer Ukule Spieler mit einem älteren Trompeter. Unten eine Latinoband, die traditionelle Elemente mit Hip Hop vermischte. Am Strassenrand Foodtrucks, die alles servierten von mongolischem BBQ bis zu Sushi-Burritos. Was diese Abende im Museum ausmacht sind jedoch die Menschen, die zusammen kommen. Hier kann man diese multikulturelle Vielfalt Oaklands erkennen und wertschätzen. Jeder lächelt, unterhält sich, genießt diese gemeinsamen Stunden im Herzen von „The Town“.

Was aus Wein alles werden kann

Mit etwas Wein lässt sich manche Kunst einfacher erfahren, erkennen, erleuchten. Manchmal braucht es da auch etwas mehr vom göttlichen Tropfen. Aber Wein und Kunst passen gut zusammen. Das merkt man auch, wenn man durch die nordkalifornischen Weinanbaugebiete in Sonoma und Napa fährt. Zwischen all den Reben macht sich Kunst und Kultur breit. Von gewaltigen Burning Man Skulpturen bis zu kreativen Ideen, was man aus einem alten Weinfass machen kann.

Und dann sind da die Sammler von Kunst. Rene di Rosa war einer von ihnen. Er hat sein Geld mit dem Traubensaft gemacht und damit die Arbeit nordkalifornischer Künstler unterstützt. Zusammengekommen ist eine umfangreiche und einzigartige Sammlung. Zu sehen ist sie in der Carneros Region des Napa Valleys, eine gute Autostunde nördlich von San Francisco, also in Reichweite jedes Besuchers am Golden Gate. Und wer mal mehr sehen möchte als nur die Brücke, Chinatown und Fisherman’s Wharf, wer die kreative Seite dieser wunderbaren Gegend erfahren möchte, der sollte sich einen Wagen mieten und „5200 Carneros Highway, Napa, CA 94559“ in sein GPS eingeben.

Die Landschaft um das di Rosa Anwesen ist einmalig schön. Das Verweilen, das Einatmen dieses Augenblicks ist gewollt und erwünscht. Der Blick über den hauseigenen See, die leichten Wellen der Landschaft, ganz hinten befindet sich der Skulpturengarten der Sammlung, eingerahmt von den Reben. Das Gelände ist weitläufig und voll mit Kunstobjekten. Draußen wie auch in gleich mehreren Gebäuden kann man sich herausfordern lassen und hinterfragen, was Kunst ist, sein sollte und letztendlich sein muß. Eine Galerie am Eingang, alles ordentlich, offen, hell. Dann das Anwesen, ein vollgepferchtes Haus, die Kunst erschlägt einen fast. Wohin soll man blicken? Unzählige Bilder, eine Wanne voller Bowling Kugeln, eine Glocke, Skulpturen, Kunst-Stücke, die mir teils zumindest fragwürdig erschienen. Eine unterirdische Kapelle, in der das Lichtspiel des Tages nachgezeichnet wird. Ein alter VW Scirocco hängt von einem Baum, aufgeknüpft und dem Wetter ausgesetzt. Pfaue stolzieren über das Anwesen, von weitem schon hört man ihre lauten Rufe.

Die di Rosa Kunstsammlung im Napa Valley ist ein Erlebnis. Präsentiert wird die lange und vielseitige Kreativszene dieser Region, der weitläufigen San Francisco Bay Area. Ein Besuch auf dem Anwesen beruhigt, bewegt, begeistert und zeigt einem vor allem, wie beschränkt man durchs Leben wandelt. Denn Kunst ist der Spielball in einer Gesellschaft, den wir nur zu selten an die eigenen Erfahrungsgrenzen kicken. Und das wird hier vor Augen geführt, wenn man denn will. Grenzen werden erweitert oder ganz niedergerissen, das hängt allein vom jeweiligen Betrachter ab. Die weiche Landschaft und dazu diese fordernde Kunst, mit der man sich beschäftigen muss, in der jeder etwas (anderes) sehen kann. Manches ist einfach und direkt, anderes bleibt auch nach langem Verweilen davor verschlossen. Und wieder bei anderem denkt man sich, da hatte einer zu viel Zeit. Zumindest ging es mir so…vor manchen Bildern, Skulpturen, Kunststücken hätte mir dann vielleicht doch ein Gläschen Wein die Erleuchtung gebracht.

Der kulturlose Präsident

Der geplante Kahlschlag in der amerikanischen Gesellschaft kommt nicht aus dem Nichts. Donald Trump ist nicht gerade bekannt dafür ein Fan von Kunst und Kultur zu sein. Von daher kann es auch nicht verwundern, dass er Förderprogramme und staatliche finanzielle Unterstützung für Museen, Bibliotheken, Galerien, Auftrittsmöglichkeiten, für Künstler und Musiker wahllos streicht. Trump hat keinen Plan davon, was er da mit dem Rotstift vernichtet.

Auch die Museen und Einrichtunges des Smithsonian in Washington DC wären massiv von den Kürzungen der Trump-Administration betroffen.

Es sind nicht nur Tausende Jobs, die in Gefahr sind, vom „greatest job president in American history“ (Trump Eigenwerbung) gestrichen zu werden. „Es geht um Genuss, um Inspiration, um Jobs, aber es geht auch um Menschlichkeit. Es geht um Amerika und wer wir als Nation sind“, so beschrieb die demokratische Abgeordnete Nancy Pelosi die Trumpschen Vorschläge.

Um ein Zeichen zu setzen kamen in dieser Woche 700 Vertreter von Kultureinrichtungen nach Washington, um gemeinsam am „Arts Advocacy Day“ für die Kulturnation USA zu werben. In Gesprächen mit Abgeordenten beider Parteien wurde versucht, das drohende Unheil abzuwenden. Ob die warnenden Stimmen gehört werden ist noch nicht bekannt. Klar ist nur, dass die Kultur und Kunst in den USA ein wichtiger Teil der amerikanischen Gesellschaft ist. Ein Kahlschlag, wie er nun vom Weißen Haus ins Gespräch gebracht wurde, um Gelder für das Militär und das Ministerium für Heimatschutz freizumachen, ist ein fataler Irrweg, der langfristige Konsequenzen für das Leben in den USA haben wird.

Trump will Geld einsparen und gleichzeitig wurde nun bekannt, dass der Secret Service für die Extraausgaben zum Schutz von Donald Trump und seiner Familie in New York und Florida weitere 50 Millionen Dollar pro Jahr beantragt hat. Auch das zeigt, wie Trump denkt und handelt. Hier den Rotstift ansetzen, dort ohne Probleme Millionenbeträge zum Fenster rauswerfen. So, Mister President“ machen sie nicht „America great again“.

 

Donald Trump zeigt mir die Welt

Ich hätte ja auch nicht gedacht, dass ich mal ein gutes Wörtchen für diesen Präsidenten finden werde. Aber der Nationalist und „America First“ Verfechter Donald Trump zeigt mir die Welt. Zumindest musikalisch. Mir fällt auf, dass ich seit Trumps amerikanischem Isolationismus verstärkt Musik aus den verschiedensten Ländern und Regionen anhöre. Aus Afrika und dem Nahen Osten, aus Vietnam, Afghanistan und Japan. Und da ist kaum Musik aus den USA dabei, und wenn, dann sind es alte Aufnahmen, die ich sehr schätze.

Gerade liegen die CDs der Box „Voices of forgotten worlds“ im CD-Spieler. Ja, ich höre noch CDs und auch Vinyl. Mit mp3 Files konnte ich mich nach all den Jahren noch immer nicht anfreunden. Ich brauche was in der Hand, will in einem Booklet blättern, Musik halten. Was ich bislang an Liedern als mp3 gekauft habe, kann ich wohl an einer Hand abzählen. Und wenn, waren es auch nur dringend benötigte Songs für eine Radioproduktion. „Voices of forgotten worlds“ präsentiert eine musikalische Welt, so ganz fernab von Pop und Glanz und Glimmer. Nix mit Grammy und MTV Awards, keine Stars und keine Sternchen.

Es sind zumeist Feldaufnahmen aus Regionen wie Grönland, Nepal, Papua-Neuguina, Zentralafrika, Eritrea oder den indianischen Nationen in den USA und Kanada. Ein „spin around the world“, Musik, die Sprachen, Kulturen und Länder präsentiert. Auch ein Lied der „Bad Dudes“ aus dem Iran ist auf dieser Box vertreten, die mit einem umfangreichen Begleitbuch erschienen ist. Es wird gesungen in allen möglichen Variationen, getrommelt und auf Instrumenten gespielt, die man in unseren Breitengraden nicht kennt. Doch diese Musik, wie fremd und anders sie auch klingen mag, verbindet, macht Lust auf mehr, auf den Blick jenseits der großen Wasser links und rechts der USA.

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Trumps sinnloses Einreiseverbot für Menschen aus dem Iran, Irak, Syrien, Libyen, dem Sudan, Jemen und Somalia hat mir auch schon schöne Arbeit gebracht. Als nächstes bespreche ich die neue Platte von Rahim Alhaj, einem Iraker, der seit 2002 in den USA lebt. „Letters from Iraq“ ist nun ganz unbeabsichtigt zu einer politischen Aufnahme geworden. Ein wunderschönes Album, das diesen Meister auf der Oud präsentiert, der musikalisch von seiner alten Heimat, einem geschundenen Land und seinen Menschen erzählt. Auch das schafft Trump, die Politisierung der Kunst, der Kultur. Nicht nur die Veröffentlichung von Musik aus diesen Ländern ist da eine klare Botschaft, sondern auch das bewußte Hin- und Zuhören. Musik kennt wahrlich keine Grenzen, keine Visa und keine Mauern.

 

 

In der Trauer die Hoffnung

Das "Ghostship" am Tag danach. Foto: Reuters.

Das „Ghostship“ am Tag danach. Foto: Reuters.

Die gedrückte Stimmung spürt man überall in Oakland. Das Feuer vom vergangenen Freitag in einer Lagerhalle im Fruitvale Distrikt brannte sich durch die gesamte Stadt. Gestern kamen Tausende am Lake Merritt in Downtown Oakland zusammen, um der Opfer zu gedenken. 36 Tote wurden bislang gefunden, noch nicht alle konnten identifiziert werden.

Die Katastrophe hat auch die Frage aufgeworfen, wie eine vitale, kreative und offene Kunst- und Kulturszene in einer Stadt wie Oakland leben und überleben kann, wenn die Mieten ständig steigen, kein Raum mehr für Kulturschaffende bleibt. Braucht das kulturelle Leben in einer Großstadt Schutz- und Freiräume? Das Feuer vom Freitag zeigte vielen auf, unter welchen Bedingungen Kunst entsteht, was Künstler und Kunstbegeisterte machen und machen müssen, um das zu schaffen, was diese Stadt und diese Region auch ausmacht.

Die Bay Area mit ihren kreativen Zentren San Francisco, Oakland, Berkeley, Marin und Sonoma County zeichnet aus, das hier immer irgendetwas passiert. Viele der Kunstobjekte beim alljährlichen Burning Man Festival werden hier entworfen, erstellt, erbaut. Künstler leben dafür in Fabrikhallen, machen Abstriche. Auch bei der Sicherheit. 1305 31st Avenue, bekannt als „Ghostship“ war da keine Ausnahme.

Die aktuelle Diskussion geht nun auch darum, wie die Stadt Oakland, die Behörden reagieren werden. Ob sie mit harter Hand vorgehen, alle umgewandelten Fabrik- und Produktionsstätten durchforsten und darauf drängen, dass alles „up to code“ sein muß. Das würde das Ende der reichhaltigen und vielseitigen Kunst- und Kulturszene Oaklands bedeuten. Oder wird man mit den Kulturschaffenden der Stadt einen gemeinsamen Weg finden, um den kreativen Puls Oaklands am Schlagen zu erhalten und gleichzeitig die Sicherheit aller zu garantieren. Und wird man es schaffen Künstler und Musiker hier zu halten, ihnen Räume zum Arbeiten und zum Leben zu bieten? Oakland steht nach einer unvorstellbaren Katastrophe vor dieser Frage, vor dieser gewaltigen Aufgabe. Sie ist zu lösen, wenn man denn erkennt, welchen Wert Kunst, Kultur auch fernab der Museen, Galerien und geförderten Treffpunkte für eine weltoffene, interessante, lebenswerte und vielschichtige Stadt wie Oakland hat.

Auch Goethe würde Radio hören

      Radio Goethe Station ID

rg_karteVor 20 Jahren fing das mit Radio Goethe an. Am 23. November 1996, einem Samstagmorgen, ging ich zum ersten Mal auf KUSF 90.3 fm „on air“. Das war nur ein paar Monate nach meinem Umzug von Nürnberg nach San Francisco. KUSF war damals der Collegesender der Stadt. Er gehörte der jesuitischen „University of San Francisco“. Doch das Uniradio war mehr als nur Unifunk. KUSF war ein wichtiger Communitysender in der Stadt, der offen war für viele Minderheiten, ethnische Gruppen und die etwas anderen Programme. Da gab es eine finnische Show, eine türkische, Radiotheater und Sendungen von Behinderten, die Show eines schwulen Pastors. Radio Goethe wurde zwischen die armenische und die persische Sendung gepackt. Hier auf der 90.3 fm hörte man die Welt. Und mein Freund Ramon Montana lieferte mir die Verpackungselemente und Station IDs, die auf KUSF sofort auffielen. Der Sender war eine der wichtigsten Collegestationen in den USA und hatte viele bekannte Musiker und Bands gefördert, darunter Metallica, Nirvana, Tom Waits, PJ Harvey uva.

      Radio Goethe Station ID

Anfangs sendete ich auf Deutsch, später dann zweisprachig und schließlich ganz auf Englisch. Radio Goethe heißt übrigens Radio Goethe, weil ich keinen besseren Namen wußte. Damals ging ich zum Goethe-Institut und fragte, ob sie die 40 Dollar Sendekosten pro Sendung übernehmen würden. Der damalige Direktor willigte ein, fragte mich, ob ich schon einen Namen für die Sendung hätte. Als ich verneinte, schlug er Radio Goethe vor. Dabei blieb es, auch wenn kaum ein Amerikaner Goethe kennt und erst recht nicht aussprechen kann. Station IDs von Sammy Hagar oder anderen Rockgrößen klangen dann mehr nach Gothic Radio oder Radio Gute.

      Sammy Hagar Station ID

rgm_button2Egal, ich sendete jeden Samstagmorgen live. Um halb elf gab es dann noch einen Nachrichtenblock, selbst gelesen oder wenn ich Praktikantinnen bei meinem Job mit der Neuen Presse hatte, übernahmen die die Rolle der Nachrichtensprecherin. Die News fielen dann irgendwann ganz weg, ich sendete fortan am Donnerstagabend. KUSF war einer der ersten Sender, die auch im Internet ausstrahlten. Und auf einmal bekam ich Rückmeldungen von Hörern außerhalb des eigentlichen Sendegebietes. Die Vorstellung begeisterte mich, dass diese Idee des Lokalfunks total aufgehoben wurde. Mit einer Projektidee wandte ich mich an das deutsche Generalkonsulat San Francisco. Ich wollte Radio Goethe ausbauen, anderen College- und Communitystationen in den USA und Kanada anbieten. Das GK stimmte nach Absprache mit der deutschen Botschaft in Washington zu und so begann die Ausbreitung von Radio Goethe mit einer extra produzierten Sendung. Das ist etwas, was wohl so nur in den USA möglich war. Collegesender, die die musikalische Welt in ihre Städte und Gemeinden holen wollten.

      T.C.Boyle Station ID

Heute, 20 Jahre später, ist die Sendung auf rund 40 Stationen zu hören. Sender kamen, Sender gingen. Über die Jahre war und ist Radio Goethe terrestrisch in den USA, Kanada, Neuseeland, Namibia, Irland, Polen, Tschechien, Slowenien, Dänemark, Österreich, Schweiz und Deutschland zu hören (gewesen). Hinzu kommen allwöchentlich Hörerinnen und Hörer, die sich online zuschalten, das Podcast abonniert haben. Die Live-Sendung gibt es nicht mehr. Die Jesuiten der „University of San Francisco“ haben vor ein paar  Jahren die Frequenz 90.3 fm für viel Geld verkauft und damit die wichtige Community Station KUSF zerschlagen.

      Oliver Stone Station ID

rgm_button1Radio Goethe war und ist eine „One Man Show“. Eine Einstundensendung, die Woche für Woche an die Stationen überspielt wird. Ich brauche meine Playlist mit niemandem abzustimmen, ich brauche keine Werbung schalten, ich verdiene keinen Cent mit der Show. Radio Goethe ist mein Ding, und ich weiß, mein Geschmack ist nicht der von vielen. Es ist Minderheitenradio, Radio für Musikinteressierte und -begeisterte, für all jene, die offen sind, mir einfach mal zuzuhören. Es macht Spaß, noch immer, deshalb mache ich weiter. Ich spiele, was mir gefällt. Natürlich habe ich musikalische Vorlieben, natürlich hat sich mein Geschmack über die Jahre verändert. Heute kann ich aus den vollen Regalen greifen, es hat sich viel angehäuft. Damals, an diesem ersten Samstag im November 1996, hatte ich nur ein paar CDs bei mir. Viel hatte ich damals nicht in meinen zwei Koffern mit in die USA bringen können. Aber es war ein Anfang, das Archiv von KUSF bot mir noch weitere deutsche Acts, darunter DAF, die Einstürzenden Neubauten, Faust, Kraftwerk und viele der eher abgefahreneren Bands der 70er und 80er Jahre.

      Herbert Grönemeyer Station ID

rgembassyIm Rückblick gibt es viele Highlights, von denen ich berichten kann. Viele schöne Interviews mit Musikern, Musikerinnen und Bands, Schauspielerinnen und Schauspieler, Politikerinnen und Politiker, einen Radiopreis für das auf Radio Goethe ausgestrahlte Feature über das Lied der Moorsoldaten, die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes für meine kulturelle Arbeit im Ausland, „Radio Goethe Magazine“ eine Zusammenarbeit mit deutschen Uniradios, Live-Präsentationen an Unis, High Schools, in der deutschen Botschaft in Washington und sogar im ruandischen Butare, die Vermittlung von Infamis an Wim Wenders…

      Extrabreit Station ID

rg_buttonDoch was für mich vor allem wichtig war und ist, sind die vielen Freundschaften, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Freundschaften mit Musikerinnen und Musikern, Promotion- und Labelvertretern…ihr wisst, wer ihr seid. Und dann auch mit Hörerinnen und Hörern, die im ganzen Land zu finden sind. Als ich noch die Live-Sendung auf KUSF hatte, diskutierte Woche für Woche am Donnerstagabend eine Gruppe von ihnen online über das, was ich da sendete. Oder beim Kraftwerk Konzert in Oakland. Ich hatte meine vom Höchstadt gedruckte Radio Goethe Jacke an (Danke Atze), stand da und wartete auf den Beginn des Konzerts. Auf einmal sprach mich jemand an und fragte, woher ich die Jacke habe, er höre regelmäßig Radio Goethe. Ich sagte „I am Radio Goethe“. Aus diesem Treffen wurde eine Freundschaft.

      Nena Station ID

Ich weiß, ich kann es nie allen recht machen. In einer Stunde kann man nur soviel Musik spielen, und ja, ich habe meine Lieblingsbands, die da immer wieder auftauchen. Bands, die mir gefallen, am Herzen liegen, die mir sehr viel bedeuten. Meine Verbindung zu Nürnberg und Franken kommt auch immer wieder durch. Zuletzt mit der Straßenkreuzer CD (Danke Martin) oder auch mit Fiddler’s Green, mit denen mich seit Jahren eine enge Freundschaft verbindet (Danke Stefan).

20 Jahre Radio Goethe, ich hätte nie gedacht, dass das mal so lange läuft. Aber es ist für mich zu einem Selbstläufer geworden, Woche für Woche Musik aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu präsentieren. Zum Schluß dieser Zeilen ein herzliches Dankeschön an alle, die „den da drüben in Kalifornien mit seinem Radio“ unterstützt haben. Mit Musik, mit dem Zuhören, mit den Rückmeldungen. Ohne Euch wäre schon längst die letzte Sendung gelaufen.

      Stendal Blast Station ID