Es geht um den Halm

Donald Trump eröffnet eine weitere Front in seinem Kulturkrieg. In seinen über 12.000 Lügen, Halbwahrheiten und Falschaussagen seit Amtsantritt, hat er schon viel dem politischen Gegner schon vorgeworfen. Doch nun geht es um den Strohhalm, diesem ureigensten amerikanischen Trinkgenuss. Dieser wird schon länger in so manchen US Städten und unzähligen Restaurants ersetzt oder ganz abgeschafft, Dank den „liberal-sozialistischen Klimafaschisten“, so das Trump Lager.

„Stand with President Trump“, heißt es auf der Webseite von Donald Trump. Neben T-Shirts und den MAGA Hüten gibt es da auch den Zehnerpack Strohhalme mit dem Trump Namenszug für 15 Dollar zu haben. Nach dem Motto: Saug Amerika wieder großartig. Und die „Straws“ sollen nach Angaben der Trump-Kampagne ein Renner sein. 670,000 Dollar will man allein in einem Monat mit den Strohhalmen eingenommen haben, ein Zeichen dafür, so das Trump-Lager, dass Amerika sich nicht länger vorschreiben lassen will, wie man sein Leben zu leben hat. Amerikaner haben das Recht auf ihre Beefburger, ihre BBQs, ihre dicken SUVs, ihre Flugreisen und eben auch auf ihre Strohhalme mit denen sie ihre Soft Drinks trinken. Nichts und niemand darf ihnen das verbieten.

Genau damit zieht Donald Trump in den Wahlkampf und beschreibt die Demokraten als „Gängelpartei“, die das Leben der Amerikaner einschränken und stark reglementieren wollen. Der Klimawandel sei nicht wissenschaftlich belegt, die Erde habe schon immer Phasen der Hitze und der Kälte erlebt, so Trump. Alles ganz natürlich, der „Climate Change“ sei vielmehr ein „Hoax“, Humbug, Schmarrn, Hirngespinst von jenen, die den „American Way of Life“ einschränken wollen. Es geht also um den Strohhalm, an dem sollten sich die Amerikaner festhalten, wenn es nach Trump geht. Denn dieses Röhrchen steht für viel mehr als nur den „American Way of Drinking“. Er steht nun für den Kulturkampf in den USA.

Das andere Amerika des Donald Trump

Dass die USA nicht gerade ein Hort von Friede, Freude, Eierkuchen sind, das war mir schon immer klar, Aber als ich hier vor einigen Jahren meine Papiere einreichte, um amerikanischer Staatsbürger zu werden, hatte ich eigentlich ein anderes Land im Kopf, in dem ich in Zukunft leben würde. Denn meine Vorstellungen von Amerika sind so ganz anders als die des derzeitigen Präsidenten der USA.

Selbst „Lady Liberty“ ist eine Immigrantin. Foto: AFP.

Der fordert eine massive Militärparade in Washington, vorbei am Weißen Haus und dem Kongress, um so eine Machtdemonstration sondergleichen zu zeigen. Wie es heißt, zögert man sogar im Pentagon vor solch einer teuren Waffenschau mit Panzern, Raketen, marschierenden Soldaten und Kampfjets auf der Pennsylvania Avenue. Derzeit, so schreibt die Washington Post, versuchen einige im Verteidigungsministerium eine Parade im November zu organisieren, am „Veterans Day“, um 100 Jahre Kriegsende des Ersten Weltkrieges zu feiern. Hintergedanke dabei ist, dass man solch eine Parade nicht unbedingt mit den Absichten des Präsidenten verbinden möchte.

Aber das ist nur ein Punkt in der langen Liste der Trumpschen Weltsicht, die mir derzeit aufstösst. Er bezeichnete oppositionelle Demokraten im Kongress, die bei seiner „State of the Union“ Rede nicht applaudierten und ihm keine stehende Ovationen gaben als „unamerikanisch“ und „verräterisch“. Trump will dauerhaft gebauchpinselt werden, wenn das nicht geschieht, schwingt er die unsägliche Patriotenkeule. Die anschließende Erklärung der Pressesprecherin des Weißen Hauses, Trump habe nur gescherzt, klang wie ein billiger Versuch der Schadensbegrenzung.

Eigentlich frage ich mich jeden Tag, wohin die Reise hier geht. Amerika durchlebt einen Kulturkrieg sondergleichen. Und Donald Trump ist der General auf dem Weg zu diesem unamerikanischen Amerika. Er will ein abgeschottetes Land, sprich, er will ein weißes Amerika. Nicht anders kann man die Politik erklären, die zwischen Mauerbau und einer geweißten Immigrationsreform liegt. Trump will keine Menschen mehr aus „Shithole Countries“ in Afrika in die USA lassen, ihm schweben vielmehr Immigranten aus Norwegen vor. Deutlich rassistischer geht es nicht. Unter Trump wurden sogar die Einreisemöglichkeiten für Asylsuchende weiter beschränkt und beschnitten. Die demokratische Abgeordnete Zoe Lofgren spricht gar von einer „Zerschlagung des Asylsystems“.

Donald Trump lässt sich gerne vor nationalen Symbolen ablichten oder nutzt diese für seinen nationalistischen Feldzug durch die USA. Es klingt wie Hohn, wenn man die Worte und die Absichten des 45. Präsidenten dem gegenüber stellt, was auf dem Sockel der Freiheitsstatue steht, jenem Symbol Amerikas, das Trump auch schon für sich beschlagnahmt hat:

Gebt mir eure Müden, eure Armen,
Eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren,
Die bemitleidenswerten Abgelehnten eurer gedrängten Küsten;
Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturme Getriebenen,
Hoch halt’ ich mein Licht am gold’nen Tore!
Sende sie, die Heimatlosen, vom Sturm Gestoßenen zu mir.
Hoch halte ich meine Fackel am goldenen Tor.