Industriefriedhöfe

„Copper Country“ wird dieser Teil der Upper Peninsula von Michigan auch genannt. Hier findet man nämlich noch immer den reinsten Kupfer der Welt und das in Brocken die Kleinwagen groß sind. Doch gehoben wird dieser Schatz schon lange nicht mehr. Es lohnt sich nicht mehr, der Bergbau hat hier ausgedient, die Kumpel sind weitergezogen, haben umgeschult oder ganz mit der Maloche aufgehört.

Zurückgeblieben sind, wie auch im Ruhrgebiet, ausgediente Industrieanlagen. Doch anders als in Dortmund, Essen, Duisburg und Gelsenkirchen wurden aus den Zechen und Industrieanlagen keine Kulturzentren, Gallerien oder Auftrittsorte geschaffen. Hier wurde nach dem Ende der Fördermaßnahmen einfach „Schicht im Schacht“ ausgerufen, abgesperrt, mit weißer Farbe „Do Not Enter“ auf die Fassade gepinselt. Licht aus, das wars!

Obwohl hier schon seit 50 und mehr Jahren kein Kupfer mehr gefördert wird, stehen viele der alten Türme noch immer in der Landschaft herum. Sie sind Zeuge einer anderen Zeit, als diese Gegend wohlhabend und reich an Arbeitsplätzen war. Die Natur hat sich einiges zurück geholt, was eben ging. Aufräumarbeiten, eine umweltgerechte Sanierung und einen Abbau der Anlagen hat es nie gegeben. Das Geld fehlte am Ende. So waren lange Zeit viele der kleineren Ortschaften nach dem Aus mit den ungesicherten Anlagen und den Umweltschäden alleine gelassen. Heute findet man in dieser Region viele „Ghost Towns“, meist nur noch Fundamente in überwucherten Ortschaften, deren Namen man einzig auf alten Landkarten finden kann. Die Wälder hier sind voller Geschichten.

Glück auf! Es geht in den Stollen

adventureIn der UP, der „Upper Peninsula“ von Michigan gibt es das reinste Kupfer der Welt. 99.99 Prozent ist es rein, nirgends sonst auf der Welt findet man so reines Kupfer und in solchen Mengen wie hier im Norden der USA. Und doch, alle Minen sind dicht, nichts wird mehr gefördert, und das schon seit fast 90 Jahren. Der Großteil der Stollen wurde Ende der 1920er Jahre geschlossen. Einige Minen blieben noch offen, die letzte wurde 1995 geschlossen, doch da war diese Gegend schon weitgehend verlassen. Aus einst boomenden Bergwerksgemeinden wurden überwucherte „Ghost Towns“. Verlassen, vergessen, wie von der Bildfläche verschwunden. Noch nicht mal das GPS-Gerät ortet diese Gemeinden mehr, links und rechts der Landstraße gibt es nur dichte Waldflächen, obwohl noch vereinzelte Ortsschilder auf die Ansiedlungen hinweisen.

Der Kupfer wird hier nicht in in kleinen Stücken gefunden, hier liegen Brocken rum, die die Größe eines VW-Käfers haben. Und gerade das machte und macht den Abbau so schwierig. Das habe ich gestern in der „Adventure Mine“ in Greenland erfahren, einem alten noch gut erhaltenen Stollengebilde, das heute für Touristen und Studenten der Bergwerkstechnik an der „Michigan Technological University“ in Houghton offen steht.

Der als "Widow Maker" bekannte Presslufthammer unter Tage.

Der als „Widow Maker“ bekannte Presslufthammer unter Tage.

Mit einem alten Schweizer Armeefahrzeug ging es auf engen, steinigen und steilen Waldwegen hoch zum Mineneingang. Hinter einem dicken Metalltor ging es dann in den Stollen. Mit Helm und Lampe marschierte die kleine Gruppe durch die Dunkelheit, das Wasser tropfte von den Wänden und der Decke. Draußen war es schwülwarm, hier im Stollen war es gerade mal 8 Grad. Es muß eine unglaubliche Knochenarbeit unter Tage gewesen sein. Zwischen 1850 und 1920 wurde hier Kupfer abgebaut. Anfangs mit Hammer und Meißel, später dann mit ersten mechanischen Geräten, die mit Druckluft betrieben und als „Witwenmacher“ bekannt wurden. Denn die Kumpel arbeiteten daran alleine, die Verletzungsgefahr war groß. Heute erinnert ein lokales Bier, das „Keweenaw Widow Maker Black Ale“ an diese ersten Vorschlaghämmer unter Tage.

Die „Adventure Mine“ ist von Ende Mai bis Mitte Oktober für Besucher geöffnet. Im 30 Meilen nördlich gelegenen Hancock gibt es noch die „Quincy Mine„, in der man mehr über den industriellen Abbau von Kupfer in der Region erfahren kann. Diese Mine war von 1846 bis 1945 in Betrieb, hier gab es seinerzeit den mit 2,82 Kilometer tiefsten Schacht und die größte Förderdampfmaschine der Welt. Wer in diese nördlichste Gegend Michigans reist, sollte unbedingt Besuche in den einstigen Bergwerken einplanen, es ist ein Stück weit lebendige Geschichte, in die man dabei „einfahren“ kann.