Beyond Recall – ein unwiederbringlicher Kulturschatz

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Truppen das Konzentrationslager Auschwitz. Das Ende des sogenannten „Dritten Reiches“ war da schon in Sicht. An diesem historischen Tag erinnern sich weltweit Menschen an das Unrecht, an das Grauen, an die Folgen, an die Brutalität der Nazi-Diktatur. An das, was in zwölf Jahren im Namen des Deutschen Volkes geschehen ist. Es ist ein Tag, an dem man sich erinnern sollte, erinnern muss.

Hitlers Schergen hatten versucht gezielt und geplant das jüdische Leben in Deutschland auszumerzen. Nichts sollte mehr übrig bleiben. Doch es gab in Deutschland den jüdischen Kulturbund, der es schaffte, bis in die späten 30er Jahre Veranstaltungen zu organisieren und Aufnahmen davon zu produzieren. Erhalten blieb ein einmaliger und reicher Kultur- und Klangschatz. Dazu die Zweistundensendung, die ich vor einigen Jahren für Sender in den USA produziert hatte. Darin kann man zahlreiche jüdische Aufnahmen nach der Machtergreifung Hitlers hören, die es eigentlich nicht mehr geben sollte. Sie zeigen auch, dass die Nazis ihr menschenverachtendes Ziel nicht erreicht haben. Hingewiesen werden soll an dieser Stelle auf die umfangreiche und einzigartige CD-Box „Beyond Recall“ von Bear Family Records, die mit einem Begleitbuch erschienen ist.

Beyond Recall 1     
Beyond Recall 2     

Hab‘ ich was verpasst?

Von Somalia zurück an meinem Schreibtisch in Oakland. Auf der Reise ans Horn von Afrika habe ich immer wieder Fragen nach Donald Trump beantworten müssen. Das geplante Einreiseverbot in die USA für Menschen mit somalischen Pass war genauso Thema, wie die geplanten Budgetkürzungen für die amerikanischen Entwicklungshilfeprogramme USAID, gerade in einer Zeit mit etlichen Hungerkatastrophen. Amerika unter Donald Trump wirft weite Schatten voraus.

Nun wieder hier im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und ich frage mich, was ich verpasst habe? Ein paar Bombenangriffe, einen Sprecher des Weißen Hauses, der Konzentrationslager als „Holocaust Centers“ umschreibt, Dutzende von selbstverliebten und realitätsfernen Tweets, ein paar Skandale und Skandälchen….also nichts neues in den USA!

Heute findet in Berkeley (!), der wohl liberalsten und politisch progressivsten Stadt in den USA, eine weitere Pro-Trump Demonstration statt. Die erste vor ein paar Wochen artete aus, es kam zu Schlägereien, Verhaftungen, zahlreichen Verwundeten. Damit das ganze nicht wieder in einer wilden Rauferei endet, hat die Polizei schon mal vorab bekannt gegeben, was man nicht mitbringen sollte: Metal pipes, Baseball or softball bats, Lengths of lumber or wood of any size, Wooden dowels, Poles, Bricks, Rocks, Glass bottles, Pepper spray (OC spray), Mace, Knives or daggers, Shields, Axes, axe handles, or hatchets, Ice picks, Razor blades, Tasers, Eggs, Any other item that can be used as a weapon. Na, das ist eine Liste. Gebracht hat sie allerdings nicht viel, denn zur Stunde kloppen sie sich im „Martin Luther King Jr. Civic Center Park“ in Berkeley.

An der Golden Gate Bridge wird nun nach etlichen Jahren Diskussion und Planung ein Stahlnetz unterhalb der Brücke angebracht. Das 211 Millionen Dollar teure Projekt soll in Zukunft Selbstmörder vom Sprung abhalten oder sie zumindest nach dem Fall retten. Das Netz sei so konzipiert, dass es sich um einen Springenden legt. Ohne Hilfe, so heißt es, kann sich der Selbstmörder nicht befreien. Über die Jahrzehnte sind nahezu 2000 Menschen von der Brücke in den fast sicheren Freitod gesprungen. Notfalltelefone, Seelsorger und Wachpersonal haben kaum zu einer Verringerung der Selbstmorde geführt. Auf Druck von Hinterbliebenen und der wenigen Überlebenden wird nun das Netz unterhalb der Fahrbahn angebracht und damit das Bild der Brücke dauerhaft verändert.