Der amerikanische Tag der Arbeit

Heute ist Feiertag in den USA, „Labor Day“. So etwas wie die 1. Mai Demonstrationen in Deutschland sind hier unvorstellbar. Zwar wird auf der Webseite des Weißen Hauses an die Bedeutung der amerikanischen Arbeiterbewegung erinnert, aber groß gefeiert wird der Tag nicht.

Zum amerikanischen Tag der Arbeit hat „The Nation“, das Flaggschiff der linken Presse und die älteste Wochenzeitung in den USA eine Liste mit den Top Ten der „Labor Songs“ auf ihre Webseite gestellt. Das reicht von Pete Seeger bis zu Dolly Parton. Ob das nun wirklich die besten sind, das sei mal dahin gestellt, wahrscheinlich hat man nur die auf youtube gefunden, aber es ist eine interessante Mischung an Videos zum Thema „Arbeit“ heraus gekommen. Top Ten Labor Day Songs

Die Brücke an der Bay

Am 3. September sollte es endlich so weit sein. Die neue Bay Bridge, der Ost-Teil, sollte mit Posaunen, Trompeten, Tamm-Tamm und viel Trulala eröffnet werden. Ein Volkslauf sollte organisiert werden, ein freier Spaziergang bis nach Treasure Island möglich sein, Volksfeststimmung war geplant. Und nun fällt die Feier wohl ins trübe Bay Wasser.

Das eigentlich auf eineinhalb Milliarden Dollar geplante Projekt kostet mittlerweile 6,4 Milliarden Dollar. Eine kleine Kostenerhöhung, die in Kalifornien daran liegt, dass über lange Zeit jeder mitreden wollte. Bürgermeister kamen und gingen auf beiden Seiten der Bay und verlangten Nachbesserungen, denn mit so einer Brücke kann man sich ja auch in die Annalen der Region einschreiben. Dann stieg der Stahlpreis und schwupps hatte man ein paar Milliarden mehr Kosten verursacht.

Als ich in die San Francisco Bay Area zog wurde gerade die Brückengebühr von einem Dollar eingeführt. Die sollte zeitlich begrenzt sein und zur Finanzierung des Neubaus beitragen. Mittlerweile zahlt man zu den Stoßzeiten sieben Dollar Gebühr und keiner redet mehr davon, dass dies auch wieder abgeschafft wird. Auch nicht die steuerfeindlichen Republikaner….ach ja, stimmt, das ist ja keine Steuer. Denn nur wo Steuer drauf steht, ist auch eine Steuer drin.

Doch zurück zum 3. September. Die Party muß wohl abgesagt werden, denn vor kurzem hat man festgestellt, dass 32 Bolzen, die teilweise drei Meter messen, brüchig sind. Und das genau in dem Bereich, an dem die Brücke nach links in das Tunnel auf Treasure Island biegt. Nun rätselt man, wie es dazu kommen konnte. Erst hieß es, die Stahlfirma in Ohio, die die Bolzen lieferte, habe schlampig gearbeitet. Die wehrte ab und meinte, nix da, wir haben sauber malocht. Jetzt heißt es, die Bolzen haben über fünf Jahre neben der Brücke gelegen, anscheinend habe das Regenwasser und der feuchte Nebel die Teile splissig gemacht. Andere Experten fragen sogar, ob nicht ganz falsch geplant worden sei und der Fehler in der seismischen Ausrichtung der Brücke liege.

Egal, was nun der Fehler ist, es sieht nicht gut für die Party am 3. September aus. Die Bürgermeisterin von Oakland, Jean Quan, meinte schon, dass würden die Hotelbesitzer in ihrer Stadt nicht gerne hören, denn an disem verlängerten Labor Day Weekend sei alles schon ausgebucht. Nun debattiert man darüber, ob man nicht dennoch, auch mit den ollen kaputten Bolzen die Brücke für den Verkehr eröffnen kann. Denn das Problem ist die alte 1936 errichtete Brücke direkt daneben, die nicht erdbebensicher ist und schon beim 89er Earthquake nachgab.

Wir hier haben also die Wahl, entweder weiter auf einer Wackelbrücke Jahrgang 1936 zu fahren oder aber auf einer niegelnagelneuen Skybridge voran zu kommen, in der Hoffnung, dass nicht noch mehr Bolzen rissig werden. Kalifornien ist wahrlich zum Schildbürgerland geworden.

In der Wüste brennt ein Mann

Heute Nacht geht es los. In aller Herrgottsfrühe aufstehen und dann über Reno in die Wüste von Nevada fahren. Seit Montag schon treffen sich dort in der „Black Rock Desert“ die „Burner“.

Jedes Jahr in der Woche vor dem „Labor Day“ wird hier das Burning Man Festival gefeiert, erlebt, durchlebt, zelebriert. Es ist wie eine Mischung aus Mad Max meets Love Parade. Schräg, schrill, einzigartig. Es geht um Kunst und Kultur, um Gemeinschaft und Sein.

Alles ist möglich. Alles kann sein. Man ist erstaunt und fasziniert, begeistert und nachdenklich. Man erlebt Grenzen und überschreitet diese auch. Kunst ist ein dehnbarer Begriff, der hier in der Wüste ganz neu definiert wird. Und auch die Menschen, die für eine Woche „Black Rock City“ erschaffen, sind ein besonderer Schlag Mensch. Ich bin gespannt, was mich dieses mal erwarten wird. Auch wenn ich dienstlich dort hin muß, manche „Jobs“ sind gar nicht so schlecht.

Wenn ich eine Internetverbindung irgendwo da draußen finde, werde ich mich reinmelden. Ein kleines Lebenszeichen aus der Wüste von Nevada nach Nürnberg.

Brückenverschiebung

Bay BridgeAm kommenden Montag ist „Labor Day“ in den USA, also ein drei Tage Wochenende steht den Amerikanern bevor. Viele fahren weg, gehen campen, geniessen die paar Tage frei. Und seit ein paar Jahren schon bedeutet das für die San Francisco Bay Area, dass an diesem Wochenende die gesamte Bay Bridge gesperrt wird. Die Brücke muss erdbebensicher gemacht werden, den Westteil der Bridge konnte man ausbessern. Der Ostteil jedoch wird ganz neu gebaut. Die Bay Bridge wurde im November 1936, ein halbes Jahr vor der Golden Gate Bridge eröffnet.

Nun ist man fast fertig, doch eine Verkehrsumleitung ist notwendig, um das letzte Teilstück zum Tunnel auf Buena Vista Island zu leiten. Dafür wurde eine Aushilfsbrücke gebaut, die nun während der Totalsperre der Bay Bridge an ihren Platz geschoben wird. Daher ist der Verkehr von Donnerstagabend 20 Uhr bis Dienstagmorgen total gesperrt.

Doch nicht nur die Brückenbauer sind über das verlängerte Wochenende am ackern. Teile der Fahrbahn werden ausgebessert, die Maler streichen einiges neu an, ausgebrannte Glühbirnen werden ersetzt und sogar die Feuerwehr probt auf der Brücke einen Einsatz.
Für die Bewohner der Bay Area bedeutet die Sperrung ein ziemliches Verkehrschaos. Denn obwohl an diesem langen Wochenende weniger Verkehr auf den Strassen ist, muss man von San Francisco kommend nun die Golden Gate Bridge und Richmond Bridge oder die San Mateo Bridge nutzen, um nach Osten zu fahren. Ich glaub, ich pack lieber mein Kayak aus und paddele mal über die Bay.