Gangland Los Angeles (2)

Besuch bei Homeboy Industries     

Anfang der 90er Jahre glich Los Angeles einer Kriegszone, zumindest in einigen Stadtteilen wurde scharf geschossen. Junge Menschen starben links und rechts, die Mordrate lag bei nahezu 1500 Opfern. Ein Zustand, der Politik, Sozialverbände und Kirchen auf den Plan rief, gemeinsam das Problem der Gang Kriminalität und Gewalt anzugehen.

Father Gregory Boyle, oder Father G. wie er überall in Los Angeles bekannt ist, war damals schon in seiner Gegend aktiv. Er suchte die Nähe zu Gangmitgliedern, zeigte ihnen Respekt, Hoffnung und einen Weg in die Zukunft. Aus anfänglichen Versuchen wuchs „Homeboy Industries„, eine Einrichtung, die neben der Beratung und direkten Hilfe, auch Jobtraining und Tätowierungsentfernung anbietet. Dazu ein Audiobericht, Besuch bei Homeboy Industries.

Die Straßen von San Francisco

Scotty, Mike und Moe haben mir heute Abend mal San Francisco von einer anderen Seite gezeigt. Die drei sind Mitglieder der „Gang Unit“ des SF Police Departments. Nach einem Burger ging es erstmal mit einem Zivilwagen zum General Hospital. Dort wurde ein Verwundeter mit Schussverletzung eingeliefert. „Wenn du jemals eine Schussverletzung hast, lass dich hierhin bringen. Das sind die besten auf dieser Seite des Mississippis“, meinte Moe zu mir. Gut zu wissen! Die Ärzte, Krankenschwestern und allerlei Auszubildende schauten sich interessiert das Röntgenbild an. Darauf die Kugel im linken Lungeflügel. Scotty und Moe wollten den Angeschossenen zur Tat befragen, aber der kriegte kaum Luft und irgendwie wollte der auch nicht reden. Auf der Strasse löst man Probleme und Streitigkeiten einfach anders. Vor dem Krankenhaus standen schon ein paar Kumpels des Verletzten, die sich über seinen Zustand informierten.

Vom General Hospital ging es durch den Mission Distrikt nach Bay View Hunters Point, zwei Krisenstadtteile mit Gang Aktivitäten. Alle drei erzählten von ihrer Arbeit, beantworteten Fragen, zeigten da und dorthin. „Scotty verfährt sich immer“, lachte Mike. „Ich darf ja nie fahren“, meinte der. An einer roten Ampel brauste auf einmal ein weisser Ford Taurus rechts vorbei. Also hinterher. Nach 200 Metern wurde der mit Lichtsignal zum Anhalten aufgefordert. Alle drei stiegen aus, ihre „Badges“ sichtbar. Moe kam von rechts, Scotty von links die Knarre an der Hüfte griffbereit machend. Mike blieb etwas entfernter stehen. Und der Reporter durfte aus dem Auto zusehen. Nach ein paar Minuten kamen sie zum Wagen zurück. „Wir haben ihn nur verwarnt, alles kein Ding“, die drei waren wirklich nur auf Gangjagd. Und dann lachten sie drauflos. „Scotty hat den Fahrer gefragt, ob das neben ihm seine Mutter ist“, Moe kriegte sich nicht mehr ein. „Die sah aber auch alt aus“, verteidigte der sich. „Man das war seine Freundin, die war höchstens 25“, meinte Mike.

Und weiter ging die Fahrt…im Schritttempo durch die Mission Gegend, durch kleine Nebenstrassen. Die drei zeigten auf Graffiti, erzählten von verschiedenen Aktivitäten an dieser und jener Strassenecke, berichteten von Mord, Schiessereien, Überfällen. Schliesslich ging es zurück ins Präsidium, wo Scotty mir noch verschiedene Bilder und Videos von Gangs und Gangmitgliedern in der Stadt zeigte. Die Gewaltbereitschaft hat zugenommen. San Francisco hat sich seit den Zeiten der berühmten Fernsehserie mehr als nur verändert.

Hier noch ein von Gangmitgliedern selbst produziertes Video aus dem Mission Distrikt:

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