„In Za, in Zaire“

„Goma ist ein Dreckloch“, meinte einer zu mir. Am Ende der Promenade von Ginsenyi liegt ein Grenzübergang. Villa neben Villa und dann der Grenzposten. Formular ausfüllen auf ruandischer Seite, Pass zeigen, dann rüber laufen. DRC Grenzposten, 30 Dollar zahlen, ein paar dämliche Fragen beantworten und man bekommt ein Din A 4 Visum ausgestellt. Ganz toll! Darf man das nun falten? Egal, muss in die Tasche rein.goma2

Ein Fahrer von UNHCR, dem Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen, holt mich ab. Mit dem Jeep geht es durch die Stadt. Nur wenige Minuten später ein kleiner Zwischenfall an einer Strassenecke, ein aufgebrachter Pulk von Menschen, Sicherheitsleute dazwischen. Der UN Fahrer haut die Linkskurve rein, fährt auf der anderen Strassenseite schnell vorbei. Warum, wieso, weshalb…kein Kommentar. Hundert Meter weiter meint er, dass hier 2002 der Lavastrom entlang floss, als der Vulkan Nyiragongo ausbrach. Die frühere Strasse liegt zwei Meter unter der jetzigen Asphaltdecke, der einzigen geteerten Strasse in Goma.

Die UN ist seit den 60er Jahren in Goma präsent, versucht hier unmögliches zu leisten. Ein Ende ist nicht in Sicht. Flüchtlingsströme haben sich verschoben. Nach dem Genozid in Ruanda begannen die kriegerischen Auseinandersetzungen, die noch immer in Teilen von Nord-Kivu anhalten. Erst der erste Kongo Krieg, dann der zweite. Hutu Milizen versuchen sich erneut zu formen, ihr Ziel ist die gewaltsame Rückkehr nach Ruanda. goma3Der Osten des Kongos gleicht in weiten Teilen einem Chaos. Die Hauptstadt Kinshasa im Westen ist weit weg, und was dort beschlossen wird, kommt nicht unbedingt in dieser Region im Osten an.

Rund 40 Hilfsorganisationen sind vor Ort, darunter auch die GTZ, die deutsche „Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit“. Wenn man durch die Strassen von Goma läuft fragt man sich ernsthaft, wie man hier technisch zusammen arbeiten kann. Alles scheint ein reiner Moloch zu sein. Es ist dreckig, Abfall überall. Gebäude, Strassen in einem desaströsen Zustand. Doch die Leiterin des UNHCR Büros in Goma zeigt sich optimistisch. Sie meint, es sei nicht einfach, aber man müsse mit den Gegebenheiten hier arbeiten. Was sie damit sagen will ist klar. Es gibt in Goma und der Nord-Kivu Region verschiedene Machtzentren, die teils gegeneinander arbeiten, verschiedene Interessen haben und nicht leicht zu durchschauen sind. Aber man mache Fortschritte, meint sie. Die Flüchtlingslager seien fast vollständig aufgelöst worden, nun versuche man mehr mit lokalen Führungen am Wiederaufbau zu arbeiten. In Goma braucht man Optimismus, ansonsten versinkt man in Hoffnungslosigkeit.