Wild West an Schulen

Nach dem Massaker an der High School in Parkland, Florida, wurden die Rufe lauter Lehrer zu bewaffnen. Allen voran blies Präsident Donald Trump in das Horn der „National Rifle Association“ und forderte mehr Knarren auf dem Schulhof. Sowieso wird nach jeder Massenschießerei – 284 gab es bereits in diesem Jahr in den USA – verlangt, dass dieses Problem nur mit der Bewaffnung aller Amerikaner gelöst werden kann, ganz nach dem Motto der NRA „a bad guy with a gun can only be stopped by a good guy with a gun“.

Lehrer werden in Florida an der Waffe geschult. Foto: Reuters.

Nun scheint Bildungsministerin Betsy DeVos der Logik ihres Bosses folgen zu wollen und willigt wohl ein, dass Bundesmittel für Schulen fortan auch dafür genutzt werden dürfen Lehrer zu bewaffnen. Gelder, die eigentlich für akademische Zwecke oder Schulprogramme ausgewiesen sind, sollen künftig auch dafür hergenommen werden dürfen, um Schießeisen zu kaufen und Lehrer auf dem Schießstand zu schulen. Gelder, die dann wieder an anderen Stellen im Schulwesen fehlen. Wenn ich mal an meine Schulzeit zurückdenke – Grundschule Schweinauer Hauptstrasse, Dürer Gymnasium, Staatliche Realschule Eibach, Städt. Fachoberschule – dann fällt mir keine Lehrerin und kein Lehrer ein, die oder den ich gerne mit einer Wumme im Holster gesehen hätte. Und wenn ich doch mal diesen Gedankengang verfolge, dann würde ich im Rückblick sagen, niemand von ihnen mit einer Knarre hätte mir ein Gefühl der Sicherheit gegeben.

Im Amerika 2018 wird also nun ernsthaft in Erwägung gezogen, Lehrerinnen und Lehrer zu bewaffnen, um so auf eventuelle Amokläufe an ihren Schulen reagieren zu können. Das ist also die Antwort, um auf Katastrophen wie an der Columbine High School, der Sandy Hook Elementary School oder der Parkland High School zu reagieren. Dieser Logik kann, will und werde ich auch nach 22 Jahren in den USA und mit amerikanischem Pass nicht folgen. Ich bin nur froh, dass ich keine Kinder durch dieses Schulsystem bringen musste.

Arbeiten auf Hawai’i?

Auf Hawai’i herrscht Lehrermangel. Die Behörden gehen davon aus, dass in diesem Herbst rund 1600 Stellen offen sind. Von daher klingeln die Alarmglocken, Lehrer müssen her, wie, das hat man noch nicht endgültig geklärt. Allerdings sucht man nun schon mal auf dem amerikanischen Festland nach geschulten Fachkräften und auch in Übersee, denn um den Job als Lehrkraft annehmen zu können braucht man nicht amerikanischer Staatsbürger zu sein. Lediglich die Arbeitserlaubnis für die USA muß man besitzen.

Auf Hawai'i läßt es sich leben. Foto: Reuters.

Auf Hawai’i läßt es sich leben. Foto: Reuters.

Der Hawai’i Schuldistrikt will den Umzug für Neulehrer finanziell unterstützen. Bis zu 10.000 Dollar sollen Fachkräfte erhalten, die sich verpflichten für drei Jahre anzuheuern. Vor allem für die Insel Oahu werden Lehrkräfte gesucht. Die Inselgruppe im Pazifik ist kein billiges Pflaster, gerade das hat zu der jetzigen Situation geführt. Lehrer auf Hawai’i verdienen gerade mal etwa 35.000 Dollar im ersten Jahr. In San Francisco liegt das Einstiegsgehalt bei 50.000 Dollar, doch auch hier ist das zu wenig zum Leben bei derzeitig monatlichen Mietpreisen um die 3500 Dollar.

Wer also in Nürnberg, im Frankenland oder wo auch immer dieser Blog gelesen wird Interesse an einer Lehrerstelle auf Hawai’i hat, der kann sich an das Hawai’i State Department of Education wenden. Ein paar Jahre in der Sonne mit dem „Mahalo“-Gefühl, es könnte schlimmer sein.

„It takes a village…“

„…to raise a child“. Dieser Satz der einstigen First Lady Hillary Clinton erlebt eine ganz neue Bedeutung im Kongo. Hier muß man zusammen halten und zusammen arbeiten, um auch nur kleine Fortschritte zu erzielen.

Die lutherische Grundschule im kleinen Ort Kilungutwe. Am Rande des Dorfes gelegen findet man zwei Klassenzimmer aus Backsteinen (Bild links), selbstgezimmerte, wackelige Schulbänke, die Fenster offen, Lehmboden. Einen kleinen Hügel hinauf liegen zwei weitere Klassenzimmer für die älteren Kinder. Ein Lehmbau mit Strohdach, der mehr an einen Stall als an eine Bildungseinrichtung erinnert.

Und auch in Bukavu, immerhin eine Großstadt, ist das Bild nicht besser. In der Gemeinde Bizimana stehen zwar größtenteils aus Backsteinen gefertigte Klassenzimmer, doch der Gesamteindruck ist mehr als ärmlich. Über 400 Kinder werden hier unterrichtet. Der Boden ist unbefestigt, draußen ist es schlammig. Gleich neben dem Klassenzimmer der 1A (Bild) liegen die Außentoiletten. Im Raum riecht man die Fäkalien. Bis zu fünf Kinder teilen sich eine Schulbank. Ein paar Schüler schreiben auf Schiefertafeln, einige haben Hefte, der Großteil jedoch kann gar nicht mitschreiben. Die Unterrichtsmaterialien fehlen hier überall.

Die Schule ist eine halbstaatliche, was bedeutet, die lutherische Kirche ist der Träger, die Lehrer müßten aber eigentlich vom Staat finanziert werden. Müßten….denn  seit längerem, teilweise schon seit Jahren, haben sie kein Gehalt mehr bekommen. 40 Dollar im Monat erhält ein Lehrer normalerweise, nun leben sie von den kleinen Schulbeiträgen der Schüler. Und die kommen auch eher sporadisch und meist nur teilweise. Und dann hat der Staat am Anfang des Schuljahres verkündet, dass alle Schulen für die ersten drei Klassen kostenlos sind, was zur Folge hat, dass die Eltern nun kein Schulgeld mehr zahlen müssen. Und das, obwohl der Staat auch weiterhin nicht die Lehrer bezahlt. Eine fatale Situation.

Vor kurzem wurde einigen Lehrern ein Teilmonatsgehalt ausgezahlt. 20.000 kongolesische Franc, also rund 20 Dollar. Allerdings erhielten die Lehrer nur 17.000. Denn derjenige, der die Kasse verwaltete mußte auch was bekommen und der mußte ebenfalls etwas an seinen Vorgesetzten abdrücken.

Die Situation ist nicht anders bei den Schülern, die nach dem Abschluß den Sprung auf die Universität schaffen. Auch hier müßten die Professoren eigentlich vom Staat finanziert werden, doch Gehälter werden schon lange nicht mehr bezahlt. Deshalb treiben die Professoren das Geld bei den Studenten ein. In jeder Vorlesung, vor jeder Prüfung, wenn man die korrigierte Arbeit zurück haben will und dann auch noch das Zeugnis bekommen möchte. Natürlich zahlt man extra für die Prüfungsunterlagen, die der Prof. selbst zusammen gestellt hat.

Die Regierung in Kinshasa und der gesamte Staatsapparat leben auf dem Rücken der Bevölkerung. Für alles und nichts muß gelöhnt werden. Vor allem bei staatlichen Einrichtungen wird von den Beamten kräftig zugelangt, denn die kleinen Zugelder sind ihr Einkommen. Wenn man sich die Zustände in den Schulen ansieht weiß man, dass der Kongo in absehbarer Zeit nicht voran kommen wird. Und das, obwohl dieses Land, aufgrund seiner Bodenschätze zu einem der reichsten der Welt zählen könnte.