Es geht nicht um Qualität

Richard Grenell wurde Botschafter in Berlin, nicht weil er ein guter Diplomat, ein Kenner Deutschlands oder Europas, ein Verteidiger der transatlantischen Partnerschaft war, sondern weil er ein 150prozentiger Unterstützer von Donald Trump ist. Blind, gehorsam, kritiklos, einfach abnickend und lauthals verteidigend, was der Boss im Oval Office vorgibt. Und genauso macht man Karriere in der Trumpschen Welt. Um Vorwissen, Einfühlungsvermögen oder gar eine Ausbildung geht es nicht.

Die Trumpistin Merritt Corrigan arbeitet nicht länger für USAID. Foto: AFP.

Merritt Corrigan ist ein anderes Beispiel. Sie wurde im Frühjahr von Trump bei der staatlichen Entwicklungshilfeorganisation USAID als Verbindungsperson zum Weißen Haus eingesetzt. Kein Spur davon, dass sie eine Ahnung von Entwicklungs- oder Außenpolitik hat. Corrigan arbeitete zuvor für die republikanische Partei und auch in der amerikanischen Botschaft in Budapest. Da fiel sie auf, dass sie den ungarischen Präsidenten Victor Orban „the shining champion of Western civilization“ nannte. Schon zuvor wetterte sie gegen Feminismus, Flüchtlinge und liberale Werte. Corrigian selbst sieht sich als christliche Kämpferin, die diese Grundhaltung auch an ihren Arbeitsplatz bei USAID mitbrachte. Mit Unterstützung der fundamentalistischen Evangelikalen in den USA trat sie ihren Job an, denn die hatten mit Mike Pence eine „christian warrior“ im Weißen Haus, der fortan die Entwicklungshilfe der USA auf ihren Kurs brachte – gegen Abtreibung, gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften, für christliche Familienwerte.

Doch bei USAID flog Merritt Corrigan nun nach nur wenigen Monaten raus. Immer wieder kämpfte sie gegen Projekte der Behörde an, wie sie es auch in einem Tweet darlegte: „Gay marriage isn’t marriage Men aren’t women US-funded Tunisian LGBT soap operas aren’t America First“. Und weiter „The United States is losing ground in the battle to garner influence through humanitarian aid because we now refuse to help countries who don’t celebrate sexual deviancy. Meanwhile, Russia and China are happy to step in and eat our lunch.“

Ihre Anti-LGBTQ Haltung wurde ihr nun zum Verhängnis. Seit Montag 15 Uhr ist sie nicht länger bei USAID angestellt, verkündete die Entwicklungshilfeorganisation. Doch Corrigan will sich damit nicht abfinden. Sie kündigte für Donnerstag eine Pressekonferenz an, um, wie sie sagt, die anti-christliche Politik und Vorgehensweise von USAID offenzulegen. Sie beschuldigt die Medien und Politiker der Demokraten einer Schmierenkampagne gegen sie. Sie werde sich nicht „radikalen, anti-christlichen Linken“ unterwerfen. Noch hat Donald Trump nicht auf den Rauswurf seiner Frau in der Behörde reagiert, aber das ist nur eine Frage der Zeit, denn verschiedene evangelikale Gruppen im Land fordern Konsequenzen nach dem Rauswurf ihrer Frau bei USAID.

 

Es wird immer surrealer

Nun also ein weiterer Milliardär, der ins Rennen um das Weiße Haus einsteigt. Michael Bloomberg hat ein Vermögen von geschätzten 54 Milliarden Dollar, er braucht keine Kleinspender, er kann seinen Wahlkampf einfach mal so selbst zahlen. Bloomberg will auch gar nicht in Iowa und New Hampshire in den Vorwahlkampf eingreifen, dafür fehlt ihm nun die Zeit und die Deadlines sind abgelaufen. Doch das ist kein Problem, Bloomberg glaubt, er hat eine reale Chance.

Damit sind nun drei Milliardäre dabei, die alle glauben, sie haben die Antworten auf Amerikas Probleme. Zwei davon, Tom Steyer und Michael Bloomberg, sind sich sicher, dass sie den anderen Superreichen Donald Trump aus dem Amt vertreiben können. Geld regiert die Welt.

Die Ankündigung von Bloomberg hat große Wellen geschlagen, denn der ehemalige New Yorker Bürgermeister zielt auf die eher gemäßigteren Wählerinnen und Wähler im demokratischen Lager ab, also auf die, die auch Joe Biden hinter sich haben will. Biden ist durch die Ukrainie Krise in den USA politisch angeschlagen, deshalb auch die Kandidatur von Michael Bloomberg, der seine Chance gekommen sieht. Auch Donald Trump wird sichtlich nervös, denn Bloomberg ist ein Außenseiter, ein erfolgreicher Geschäftsmann, einer, der seinen Weg gegangen ist. So wie er. Bloombergs Kandidatur hat bei den eher linken Kandidatinnen und Kandidaten im Rennen, allen voran Bernie Sanders und Elizabeth Warren, zu großen Fragezeichen geführt. Denn Bloomberg kann ohne Probleme einen Wahlkampf finanzieren und organisieren. Und wählbar ist er auch, das hat er als Bürgermeister von New York City bewiesen. Wie soll darauf nun geantwortet werden.

Unterdessen wirft Donald Trump weiter seine Rauchbomben im „Impeachment“ Verfahren. Er verdreht die Fakten, greift Zeugen an, beschimpft sie als unpatriotisch, als Verräter Amerikas und als „Never Trumpers“. Und er versucht nun in den afro-amerikanischen Communities auf Stimmenfang zu gehen, um so die demokratische Basis zu spalten. Klimaschutz wird da lächerlich gemacht und gegen die Afro-Amerikaner ins Feld gebracht. Klar ist auch, dass Trump oder seine Verbündeten schon im Hintergrund gegen einige der Kandidaten bei den Demokraten wettern. Pete Buttigieg und Cory Booker sind homosexuell und das kommt bei den eher christlich, konservativen „Black Church Goers“ gar nicht gut an. Damit will Trump punkten. Der Umweltschutz und LGBTQ Rechte werden nun also dafür geopfert, um ein paar Stimmen mehr zu bekommen oder „Black Voters“ zumindest von ihrer Stimmabgabe abzuhalten. Es wird noch mehr passieren, die Wahlkampfmaschine ist gerade erst so richtig angelaufen, in einem Jahr ist Wahltag, bis dahin werden noch viele Register gezogen und die werden nicht „pretty“ sein.

Ein Trump müsste man sein

Ein MAGA-Fan müsste man sein, ein Trumpscher „Make America Great Again“ Anhänger. Denn dann könnte man so richtig im donaldjtrump.com Fanshop einkaufen. Und da findet man ein reichliches Sortiment an Tshirts und Mützen, Aufkleber und Tassen, Fahnen und Golfutensilien, Dosenhalter und Kennzeichenrahmen und noch so vieles, vieles mehr. Ganz offizielle, vom Präsidenten selbst abgenickt und für gut befunden. So was hatte Barack Obama nicht und auch „Crooked Hillary“ hätte so ein reichhaltiges Fan-Angebot nicht vorzeigen können.

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