Das ist einfach „oakländisch“

Wenn sie das wüssten! Donald Trump würde gemeinsam mit den IS Kämpfern die Augen rollen. Solch ein Zeichen der Vielfalt, Gemeinsamkeit und des Miteinanders lehnen sie nämlich grundsätzlich ab. Im islamischen Kulturzentrum von Nordkalifornien hielt Oaklands Bürgermeisterin Libby Schaaf ihre jährliche „State of the City“ Rede. Und sie war ein Erfolg. weiter lesen

Der Abgang der Raiders

Oakland ist Raiders Nation. Das American Football Team ist fest verankert in der Stadt, seiner Geschichte, seiner Bewohner. Und die Raiders haben Tradition und eine Fankultur, die vielleicht vergleichbar ist mit der so einiger Traditionsvereine in der Fussballbundesliga. Die Fans strömen bunt verkleidet, teils martialisch zu den Spielen der Raiders. Doch das wird schon bald der Vergangenheit angehören.

Die Fans der Raiders setzten sich vergeblich für ihr Team in Oakland ein. Foto: AFP.

Die „National Football League“, NFL, hat nun fast einstimmig entschieden, dass die Raiders in die Glanz- und Glitzer Wüstenstadt Las Vegas umziehen dürfen. Eine mehr als umstrittene Entscheidung, denn Las Vegas lockt mit Steuermitteln, Oakland weigerte sich, einen Stadionneubau aus öffentlichen Geldern zu finanzieren. Bürgermeisterin Libby Schaaf wollte die Raiders halten und dafür Privatgelder anzapfen. Lediglich benötigte Infrastrukturmaßnahmen im Umfeld des geplanten, neuen Stadions sollten von der Stadt übernommen werden. Schaaf führte an, dass Oakland noch immer Millionen Dollar Schulden von der letzten Stadionsanierung in den frühen 90er Jahren abbezahlt. Geld, das eigentlich dringend an anderer Stelle im Stadthaushalt gebraucht würde.

Die NFL setzte also lieber auf das große Geld im Spielerparadies Las Vegas, als auf Tradition in der East Bay. Jeder der Besitzer eines NFL Teams erhält für den Umzug etwa 25 Millionen Dollar ausgehändigt. Für die Superreichen Sportmannschaftsbesitzer gab es also eigentlich keinen Grund, die Raiders in Oakland zu belassen. Geld regiert die Welt und schon sehr lange im professionellen Sport.

Mit den Raiders wandert nun ein zweites Profi-Team aus Oakland ab. Die Golden State Warriors werden zukünftig in San Francisco auf Körbejagd gehen. Nur die Oakland A’s bleiben als traditionsreiches, aber nicht gerade erfolgreiches Underdog Team meiner neuen Heimatstadt erhalten. Und das ist dann schon fast wieder wie in Nünberg….back to the roots!

Ein Kampf ums Überleben

Eine Woche Donald Trump im Weißen Haus zeigt, der „American Dream“ und die „American Values“ sind in Gefahr. Ein harter und intensiv geführter Kampf steht in den USA an. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Reisefreiheit, ja, die Demokratie an sich steht auf dem Spiel.

Donald Trump zeigt einen Regierungsstil, der an den von Diktatoren erinnert. Mit einer Unterschrift ordnet er an. Und das mit weitreichenden Folgen, wie nun das Einreiseverbot für Muslime aus dem Iran, dem Irak, Jemen, Syrien, Somalia, Libyen und Sudan zeigt. Was er sagt stimmt, auch wenn das noch so abwegig und offensichtlich falsch ist. Trump glaubt, was er aus seinem eigenen Mund hört. Da bleibt nicht viel Zeit zum Nachdenken und Reflektieren.

Foto: Reuters.

Noch gibt es jedoch Medien und Politiker, Kommentatoren, Fachleute und Bürger, die sich einmischen. So twitterte der frühere Ethik-Berater von Barack Obama, Norm Eisen, von der Gruppe „Citizens for Responsibility and Ethics in Washington“: „WARNUNG: Mister President, ihr Muslimbann läßt Länder unbeachtet, in denen Sie Geschäftsinteressen haben. Das ist eine Verfassungsübertretung. Wir sehen uns vor Gericht.“ Auch die massiven Protestveranstaltungen am Tag nach dem das neue Kapitel in der amerikanischen Geschichte endgültig aufgeschlagen wurde machten das deutlich. Die amerikanischen Straßen beben und es scheint ganz so, dass sich viele in den USA nicht mit dem Status Quo, mit diesem Mann im Oval Office abfinden wollen.

Trump unterschrieb auch ein Dekret, das finanzielle Mittel für all jene Städte streichen soll, die sich selbst als „Sanctuary City“ einstufen, also Städte, die unter bestimmten Umständen nicht mit den Einwanderungsbehörden zusammen arbeiten wollen. Sie behandeln all ihre Bürger gleich, unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Darunter sind etliche Bay Area Städte. Die „Mayors“ trafen sich nun – Berkeley Mayor Jesse Arreguín, San Francisco Mayor Ed Lee, San Jose Mayor Sam Liccardo, Oakland Mayor Libby Schaaf – und machten in einer gemeinsame Stellungnahme deutlich, dass sie sich nicht den Drohungen von Donald Trump beugen wollen. Die Gelder, die der Präsident nun streichen will, sind nicht unerheblich. Allein Oakland erhält 130 Millionen Dollar aus Washington, Gelder, mit denen Bildungsmaßnahmen und polizeiliche Projekte finanziert werden. Trump, so die Bürgermeister, spiele mit dem sozialen Frieden und der Sicherheit in vielen amerikanischen Städten.

Doch Donald Trump wird sicherlich nicht auf die gemeinsame Stellungnahme aus der Bay Area hören. So etwas geht ihm wohl wahrlich an der Haartolle vorbei. Trump ist resistent für einen produktiven Dialog. Nach einer Woche im Amt trampelt er weiter über all das, für was Amerika einmal stand. Sogar vor der weltweiten Erinnerung am internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts macht Trump nicht Halt. Er unterschrieb sein unsinniges Dekret zum Einreiseverbot für Menschen aus dem Iran, dem Irak, Jemen, Syrien, Somalia, Libyen und dem Sudan ausgerechnet an diesem 27. Januar 2017. Wer noch immer glaubt, Trump werde ein großer Staatsmann mit Weitsicht, Ehrfurcht und Verantwortungsbewußtsein sein, der sollte sich all die Tweets und Reden und Entscheidungen dieses Mannes durchlesen, die er in dieser einen Woche von sich gegeben hat. Wort für Wort. Das sagt alles aus über Präsident Donald Trump.

 

 

„The most dangerous place in the world“

Ich war in der mexikanische Grenzstadt Ciuadad Juarez zu Fuß unterwegs, als dort im Jahr 3600 Menschen ermordet wurden.

      Besuch in Ciudad Juarez

Mit der Bundeswehr war ich zweimal in Afghanistan. Nach der Landung in Kunduz bekam ich gleich eine kugelsichere Weste und einen Stahlhelm verpasst, im gepanzerten Fahrzeug ging es die kurze Strecke vom Flughafen in die Kaserne der Deutschen. Ich reiste in den Ostkongo, um über die dortige Krise zu berichten, sprach im Rebellengebiet der M23 mit dem Präsidenten, während vor der Tür bewaffnete Soldaten mit Maschinengewehren und Raketenwerfern standen.

      Besuch im Ostkongo

Es ging in den Tschad. Im Süden des Landes herrschte eine Flüchtlingskrise, das Chaos aus der benachbarten Zentralafrikanischen Republik drohte in den Tschad überzuschwappen.

      Besuch im Tschad

Dann ging es nach Somalia, ans Horn von Afrika. Einen funktionierenden Staat gibt es dort nicht mehr, seit 25 Jahren ist das Land gespalten, Teile versinken im Chaos, werden von Terrorgruppen, wie der Al-Shabaab Miliz, tyrannisiert.

      Besuch in Somalia

Ach ja, und hier drüben war ich auch mal in Los Angeles unterwegs, um dort auf Spurensuche nach den Gangs zu gehen, denn LA gilt als die Hauptstadt der Banden und kriminellen Organisationen in den USA.

      Besuch in Los Angeles
Donald Trump redet mal wieder Unsinn. Foto: Reuters.

Donald Trump redet mal wieder Unsinn. Foto: Reuters.

Das sind nur ein paar der „Reiseziele“, die ich in den letzten Jahren angesteuert habe. Waffen, Gewalt, Not und Elend gab es auf all diesen Trips zu sehen. Doch anscheinend hätte ich für den „Nervenkitzel“ gar nicht so weit fahren müssen, denn der angehende republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump erklärte nun in seiner allumfassenden Kenntnis des amerikanischen Alltags in einem Interview mit der New York Times: „There are places in America that are among the most dangerous in the world. You go to places like Oakland, or Ferguson. The crime numbers are worse. Seriously.“ Oakland ist, laut Trump, also vergleichbar mit den Krisenherden dieser Welt.

Was stimmt, meine neue Heimatstadt in Kalifornien hat ein Gewaltproblem. Die FBI Statistik für 2014 belegt, dass es in dem Jahr 6900 Gewaltverbrechen in Oakland gab, darunter 80 Morde. Doch das ist nichts besonderes für die USA. Vergleichbare Städte, wie Miami oder New Orleans, liegen noch darüber. Oakland ist also nicht gefährlicher als andere US Städte.

Die Reaktion in Oakland ließ nicht lange auf sich warten. Bürgermeisterin Libby Schaaf, geboren und aufgewachsen in Oakland und eine erklärte Hillary Clinton Unterstützerin, twitterte und postete diese Nachricht auf facebook: „Let me be clear, regarding @nytimes story, the most dangerous place in America is Donald Trump’s mouth.“ Dazu muß ich glaube ich nichts mehr hinzufügen!

Kein friedliches Fest in Oakland

Einen Tag vor Weihnachten ist die Mordrate in Oakland auf 92 gestiegen. Ein 17jähriger und ein 21jähriger sind die jüngsten Opfer der Waffengewalt in meiner zweiten Heimatstadt. Die beiden Freunde standen am gestrigen Abend vor einem Wohnhaus in West-Oakland, als die tödlichen Schüsse fielen. Die Polizei sucht noch nach Zeugen, Motiv und dem Täter.

Die Oakland Polizei ermittelt nach einem weiteren Doppelmord. Foto: Reuters.

Die Oakland Polizei ermittelt nach einem weiteren Doppelmord, der die Opferzahl auf 92 gebracht hat. Foto: Reuters.

Mit diesen beiden „Homicides“ liegt die Zahl schon um sechs höher als im gesamten Jahr 2014. In Oakland hofft man Jahr für Jahr nicht die magischen 100 zu überschreiten. Bürgermeisterin Libby Schaaf, die im letzten Jahr auch ins Amt gewählt wurde, weil sie die hohe Gewalt- und Mordrate in der Stadt zur Priorität machen wollte, steht vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe. Ein Gewaltpräventionsplan ist schon seit langem in Arbeit, doch in Oakland findet man keine gemeinsame Linie. Stadträte, denen der Plan nicht weit genug geht, blockieren die Ansätze von Schaaf. Verschiedene kommunale Gruppen fühlen sich übergangen, Oakland gleicht einem politischen Tollhaus. Um es anders darzustellen, wer die Fernsehserie „The Wire“ kennt, kann sich die Situation hier vorstellen. Die Produzenten der TV Serie hatten anfangs sogar geplant, „The Wire“ in Oakland zu drehen, denn die Stadt ähnelt in vielem Baltimore. Nicht nur der Hafen und die hohe Gewaltrate erinnern an die City in Maryland. Auch der politische Irrsinn und die unzähligen Interessensgruppen machen Oakland wie Baltimore unkontrollierbar.

Zwei weitere Morde kurz vor den Feiertagen lassen auf nichts gutes zum Jahresausklang hoffen. Der Doppelmord könnte der Beginn eines neuen Gangkrieges in Oakland sein. Ein friedliches Fest sieht anders aus.

Wir sind in der Endlosschleife

Gestern Abend fand in Oakland eine Veranstaltung zum Thema „21st Century Policing“ statt. Also, es ging darum, wie die Polizei heute und morgen arbeitet und arbeiten soll. „Community Policing“, die Beziehungen zu den Bürgern stand dabei im Mittelpunkt. Nach Ferguson, Baltimore und auch den Ereignissen der letzten Jahre in Oakland, ist das Verhältnis zwischen vielen Nachbarschaften und den Polizeieinheiten gestört. Von Vertrauen ist keine Spur mehr zu finden.

Doch die öffentliche Veranstaltung am gestrigen Abend, zu der Bürgermeisterin Libby Schaaf geladen hatte, war ganz anders, als man sie aus einer deutschen Perspektive erwarten würde. Es wurde vor allem über das Auftreten der Polizei, über Respekt, über die Militarisierung der „Police Forces“ im ganzen Land gesprochen und Fragen beantwortet. Auf der Bühne sassen Ron Davis, der Leiter der Task Force für Präsident Obama in Fragen der Polizeiarbeit. Neben ihm der Präsident des Oakland Police Departments, Sean Whent, und der Bürgerrechtsanwalt John Burris.

Die Fragen aus dem Publikum waren alle etwas einseitig, Polizei kritisch, um es mal vorsichtig auszudrücken. Klar, in den Polizeireihen gibt es „crazy Cops“, die ihre Macht in Uniform ausnützen. Auch hier in Oakland. Doch die andere Seite der Medaille wurde bei allem gar nicht beleuchtet. Die offene Ablehung und der Hass gegen die Beamten, die täglich schwierige Situation einer unterbesetzten Polizeidirektion. Ganz zu schweigen von bewaffneten Gangs und Einzeltätern, die ihre Knarren ohne mit der Wimper zu zucken auch geben Polizisten wenden. Kein „policeman“ in den USA weiß bei einem Notruf und einem Einsatz, was auf ihn wartet. Die Knarren sitzen locker, hier und da. Wo da der Anfang der Gewaltspirale liegt, gleicht der Frage, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei?

Eine Diskussion wie die gestrige in Oakland würde es in Deutschland nie geben. Denn kein Wort wurde dazu gesagt, dass Amerika ein schwerbewaffnetes Land ist. Die Gewaltprobleme in den Städten, die hohen Mordraten, die täglichen Schießereien in den USA, sie hängen eng mit den rund 350 Millionen Schußwaffen im Umlauf zusammen. Ja, die „homicide rate“  ist in den letzten Jahren gefallen, auch hier in Oakland. Anfang September lag die Mordrate in meiner neuen Heimatstadt bei nur noch 56, ein Erfolg (!). In einer Stadt mit noch nicht einmal 400.000 Einwohnern. Zum Vergleich die Zahl in Deutschland, 2014 wurden im gesamten Bundesgebiet 298 Menschen umgebracht.

Die Diskussion in den USA über Gewalt, ja, auch Polizeigewalt, läuft fehl. Wer die eigentlichen Gründe nicht anspricht, nicht ansprechen kann, weil in der Verfassung ein angebliches Grundrecht auf Waffenbesitz existiert und damit quasi der Persilschein zum Rumballern ausgestellt wird, der wird das Problem nicht lösen können. Amerika ist eine Gesellschaft, die gelernt hat, mit der Gewalt zu leben. Leider.

Bang, bang….Nummer 44!

Ich schreibe gerne über Oakland. Über die Stadt, in der ich wohne, in der ich mich sehr wohl fühle, in der ich immer wieder etwas neues entdecken kann. Letzte Woche war Oakland geflaggt, die Leute tanzten und feierten auf der Straße, die Sonne schien vom blauen Himmel, die Golden State Warriors waren gerade NBA Champion geworden. „Yeah, that’s Oakland, Baby“, meinte mein Nachbar. Die Bürgermeisterin Libby Schaaf freute sich, dass Oakland endlich einmal mit ganz anderen Bildern in den Nachrichtensendungen überall im Land gezeigt wird.

Und dann, heute früh, der 44. Mord in diesem Jahr. Ein 57jähriger steht kurz vor zwei Uhr morgens vor seiner Tür im 2300 Block der 27. Avenue. Zwei Männer gehen auf ihn zu und erschiessen ihn. Einfach so. Noch am Tatort verstirbt der Mann. Nummer 44 in einem nicht endenwollenden Kreislauf aus Gewalt, Sinnlosigkeit, Waffenwahnsinn.

Es gibt Ansätze in Oakland, die Hoffnung machen, dass sich etwas ändern könnte. Hier freut man sich schon, dass die Mordrate in diesem Jahr nicht höher liegt, als im vergangenen zum gleichen Zeitpunkt. Aber man weiß auch, dass das keine Lösung, keine Beruhigung und kein Ziel sein kann. Libby Schaaf wurde gewählt, um Dinge anders zu machen. Sie will sie anders machen. Sie redet von „wir müssen etwas verändern“, und sagt nicht mehr, wie ihre Vorgängerin, „ich mache das schon“. Schaafs Vorgehensweise fällt auf in den USA, man schaut derzeit genau hin, was in Oakland passiert, ob die viel zu hohe Mordrate unter Kontrolle gebracht und vielleicht sogar drastisch gesenkt werden kann. Doch die Mühlen mahlen langsam. Alles braucht seine Zeit. Der 44. Mord in diesem Jahr führt das erneut vor Augen. Der 45., der 46., der 47. wird kommen. Das steht fest. Vielleicht schon morgen, vielleicht nächste Woche, vielleicht noch in diesem Monat. Der Gewaltprävention auf den Straßen Oaklands geht eine blutige Spur voraus.

Eine Frau mit Vision

Gestern hatte ich für ein längeres Feature ein Interview mit der Bürgermeisterin von Oakland, Libby Schaaf. Sie ist ein Kind der Stadt, wurde hier geboren, wuchs hier auf, engagierte sich schon früh für ihre Heimatstadt. Nach verschiedenen administrativen Aufgaben wurde sie „Council Member“, eine Art Stadtrat. Und dann kandidierte sie im vergangenen Jahr für das Amt der Bürgermeisterin. „Made in Oakland“ war ihr Wahlkampfslogan, der nicht nur ausdrückte, dass sie hier geboren wurde, sondern auch ihren Stolz eine Oakländerin zu sein. Sie wurde für viele überraschend im ersten Wahlgang gewählt.

Oaklands Bürgermeisterin Libby Schaaf.

Oaklands Bürgermeisterin Libby Schaaf.

Libby Schaaf betont im Gespräch immer wieder, was für eine schöne Stadt Oakland ist. Eine Stadt, die sich nicht verstecken muß, schon gar nicht hinter der nordkalifornischen Metropole San Francisco. Oakland ist eine der ethnisch interessantesten Städte Amerikas. Es ist keine Megacity with LA oder New York, und doch trifft man hier Menschen aus aller Herren Länder mit den verschiedensten kulturellen Wurzeln. Die Kunst- und Kulturszene boomt, neue Restaurants werden fast wöchentlich eröffnet, Oakland verändert sich im Sauseschritt. Dazu kommt, wie Libby Schaaf gerne betont, die Schönheit der Stadt. 20 Meilen Ufer, ein See mitten in Downtown, Redwood Bäume in den Hills, das bessere Wetter als die Stadt hinter der Bay Bridge und dazu noch fantastische Ausblicke auf das Golden Gate.

In dem Interview ging es um die Gentrifizierung in San Francisco. Viele ziehen von der einen Seite der Brücke auf die andere Seite nach Oakland. Gerade Künstler und Kulturschaffende kommen, die in der East-Bay noch bezahlbaren Wohnraum und Studios finden, zum Teil in den alten leerstehenden Industrieanlagen. Hinzu kommen Restaurants, die in San Francisco ihre Türen schlossen, um in Oakland etwas neues zu eröffnen.

Libby Schaaf sieht die Chance, die sich durch diese Bereicherung bietet, durchaus realistisch. Denn auch in Oakland steigen dadurch die Miet- und Grundstückspreise. Doch es gibt Ansätze und Maßnahmen, um die Gentrifizierung in Oakland unter Kontrolle zu bekommen. Die 49jährige Schaaf ist dennoch eine Visionärin, die mitreißen kann. Sie glaubt an die Stadt, an die kreative Energie, die hier existiert, an die Zukunft Oaklands. Die 100 Tage Schonzeit als Bürgermeisterin hat sie schon hinter sich. Auch wenn sie keine Wunderheilerin für die tiefen Wunden und zahlreichen Narben der Stadt ist, die Stimmung ist nach wie vor positiv in Oakland. Ihre offene, ehrliche und angenehme Art hat ein ganz neues Klima geschaffen. Es ist ein lokales „Yes, we can“ Gefühl, das sich breit macht und das Oakland richtig gut tut.

Mit vier Pfoten durchs „Oaklandish“ Leben

Oakland ist eine hundefreundliche Stadt. Klar, Katzen sind auch beliebt. Aber ich bin eben nun mal mehr der Hundefreund. Es gibt mit den „East Bay Regional Parks“ eine einzigartige stadtnahe und weit offene Fläche, die man mit seinem Vierbeiner durchwandern kann. Eigentlich bin ich da jeden Tag auf verschlungenen Trampelpfaden unterwegs, zwischen Redwoods und kleinen Bächen. Es ist ein Auftanken der besonderen Art. Und dann diese teils Wahnsinnsausblicke auf die Bay Area mit Oakland, San Francisco und dem Golden Gate. Ich habe nie verstanden, warum all die SF Touristen immer nur in die Marin Headlands fahren und diese einzigartige Parklandschaft in der East Bay verschmähen. Kleiner Geheimtipp für alle Leserinnen und Leser dieses Blogs, falls Sie mal in die SF Bay Area kommen, Oakland ist einen oder auch mehrere Ausflüge wert. Davon berichte ich hier ja auch immer mal wieder, ich denke, mittlerweile ist schon bekannt, dass ich mich in dieser Stadt ganz wohl fühle.

Oakland ist also eine hundefreundliche Stadt, Wassernäpfe findet man überall. Viele Restaurants und Kneipen am Wasser laden richtiggehend dazu ein, mit seinem Hund einfach den Tag zu genießen. Ich empfehle da nach einem Spaziergang in den Oakland Hills (East Bay Regional Parks) Stop zu machen im „Heinold’s First and Last Chance Saloon„. Das wohl älteste Gebäude der Stadt, eine schiefe Bar, die einfach Kult ist. Dort kann man mit seinem Vierbeiner auch draußen sitzen, Leute kucken, lokales Bier genießen, die Oakland Atmosphäre in vollen Zügen einatmen. Und das an einer durchaus historischen Stelle, denn diese Bar war für viele Seeleute und Soldaten seit den 1880er Jahren der erste und letzte Anlaufpunkt. Auch Jack London ging hier ein und aus und schrieb an den abgegriffenen Tischen in der Kneipe. Heute ist Heinold’s ein beliebter Treffpunkt der Oakländer.

Wie sehr Oakland seine Hunde mag kann man auch am neuen Video der SPCA, dem städtischen Tierheim, sehen. Professionell produziert wird für Adoptionen geworben, und mal ehrlich, wenn sogar Bürgermeisterin Libby Schaaf darin mit Schäferhundwelpen auftritt, dann weiß man, „Oakland is a dog town“!

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Oakland blickt nach vorn

35 neue Polizeibeamte wurden am Freitag in Oakland vereidigt. Damit steigt die Zahl der Polizisten auf 725, so hoch wie seit 2008 nicht mehr. Doch noch immer ist die Anzahl zu gering für einen Stadt wie Oakland und deren Probleme. Auch sind nicht alle 725 Polizisten im Außeneinsatz, darunter fallen alle Bediensten des „Oakland Police Departments“.

Die OPD Reihen füllen sich wieder.

Dennoch ist die erste Abschlußklasse der Police Academy in der Amtszeit der neuen Bürgermeisterin Libby Schaaf ein Hoffnungsschimmer. Sie setzt sich für eine Aufstockung der Polizeireihen ein und gleichzeitig für einen umfassenden Gewaltpräventionsplan in der Stadt. Schon in den nächsten Wochen sollen Vertreter der verschiedensten Organisationen und Behörden gemeinsam an der Ausarbeitung beteiligt werden. Ein neuer und offener Ansatz, der hoffen läßt.

Oakland kämpft seit Jahren gegen eine hohe Mordrate. Hinzu kommt, dass die Gewaltkriminalität deutlich höher als in anderen kalifornischen Städten liegt. Amtsvorgängerin Jean Quan wurde im vergangenen Herbst abgewählt, da sie in ihrem Alleingang keine Lösungen für die drängenden Probleme der Stadt finden konnte. Schaaf setzt auf einen neuen Ton in der Stadt, der durchaus vielversprechend ist. Man kann nur hoffen, dass Oakland, meine neue Heimatstadt, den Sprung aus der Gewaltspirale schafft. Die Stadt gleich auf der anderen Seite der Bay Bridge sollte endlich aus dem Schatten von San Francisco herauskommen….auch für Touristen, die in die Region reisen.