Ebola, das „Nurse Killer“ Virus

„In West Afrika nennen sie die Krankheit den Pflegepersonal Mörder, denn das Pflegepersonal ist 24/7 bei dem Patienten“. Das ist eine Aussage einer Vertreterin der Krankenschwesterorganisationen „California Nurses Association“ der Gewerkschaft „National Nurses United“. Beide demonstrierten am Mittwoch hier in Oakland und forderten bessere Vorbereitungen und Ausrüstung für die Krankenschwestern und Krankenpfleger. Ja, Ebola ist überall, auch in Oakland. Ganz in rot marschierten die Mitglieder, die aus allen Teilen Kaliforniens nach Oakland gekarrt wurden und riefen „Kein weiterer Patient“, „Stoppt Ebola“.

Pflegepersonal in roter Kleidung gegen Ebola.

Pflegepersonal in roter Kleidung gegen Ebola.

Der Protest war Teil des internationalen „Global Ebola Action Day“. Damit sollte auf die mangelnde Bereitschaft westlicher Krankenhäuser aufmerksam gemacht werden, die im Falle des Falles des Falles des Falles nicht reagieren könnten. Wir reden hier von Oakland! Die Wahrscheinlichkeit, dass hier jemand in ein Krankenhaus läuft und tatsächlich infiziert ist und dann auch noch falsch diagnostiziert wird, geht gegen Null.

Ebola und die USA ist eher ein politisches Problem. Da streiten sich Politiker in Washington, ob man die Länder in West-Afrika isolieren sollte. Da setzen Nachrichtenkanäle die Ebola Gefahr mit der Terrorismus Gefahr gleich. Die Republikaner haben mit der Ebola Panik am Ende so einige Stimmen mehr bekommen und die Wahlen Anfang November gewonnen. Mal wieder ein Angstwahlkampf, der sich auszahlte. Logisch ist das nicht, denn die Ebola Gefahr in den USA existiert so gut wie gar nicht. Hier kommt niemand mehr einfach so aus Ländern wie Sierra Leone, Liberia oder Guinea am Flughafen an und wird mit einem freundlichen „Welcome Home“ begrüßt. Es wird genau darauf geschaut, welche Reisepässe von Touristen da vorgelegt werden, welche Stempel ein US Amerikaner im Pass hat. Die Passagierlisten auf Flügen in die USA werden vorab genauestens betrachtet. Und überhaupt, kein Flug aus West-Afrika landet im Westen der USA.

In allen Teilen der USA sind Ärzte und Pflegepersonal in Krankenhäusern geschult worden, wie sie mit Ebola Patienten umzugehen haben, wie sie im Falle eines Verdachts reagieren sollten. Von daher sind solche Proteste, wie hier in Oakland, für die Katz‘. Sie bringen alles andere als Lösungen für eine Epidemie in West-Afrika. Sie verunsichern nur mehr eine Bevölkerung, die ihre Informationen von schreienden und agitierenden Moderatoren und Online-Schlagzeilen bekommt.

 

Ich lass das mal mit dem Arzt

Ich habe da ein kleines Problem. Eigentlich wollte ich nach meiner Rückkehr hier in Oakland zum Arzt gehen, doch allein die Tatsache, dass ich in Afrika unterwegs war, birgt nun ein Problem. Denn es gibt da ja die einfache Rechnung: Afrika + Unpässlichkeit = Ebola.

Ebola ist das Topthema auf der CDC Webseite.

Ebola ist das Topthema auf der CDC Webseite.

Amerika „liebt“ Horrorszenarien. Al Qaida baut Terrorzellen in den USA auf. Saddam Hussein hat riesige Arsenale mit chemischen und biologischen Waffen. Die Terrorgruppe Islamischer Staat steht schon in Ciudad Juarez an der amerikanischen Grenze, um mit Unterstützung der Drogenkartelle Attentate zu planen. Die Flüchtlinge aus Guatemala, Honduras und El Salvador werden das amerikanische Sozialnetz vernichten. Ach ja, dann sind da noch Kuba, weiße Haie an Stränden, gelegentlich ein Berglöwe in einer Nachbarschaft, Pädophile hinter jedem Busch und Strauch. Und, und, und nun eben auch noch Ebola. Damit lassen sich 24 Stunden „Nachrichtenkanäle“ füllen.

Amerika reagiert panisch. Die Medien stürzen sich darauf, berichten über etwas, was fast nirgendwo im Land auch nur aktuell ist. Gestern Abend stand tatsächlich in den 23 Uhr Nachrichten ein Reporter eines lokalen Fernsehsenders für einen Live-Bericht (!) am Flughafen von San Francisco. „Wird SFO bald Ebola Testtechnologie bekommen?“, fragte er. Hallo!!! Es gibt keine direkten Flüge von Freetown in Sierra Leone oder Monrovia in Liberia nach San Francisco. Also, was soll das?

Die konservativen Meinungsmacher von FOXNews, wie Sean Hannity, die Radio Talkshow Brabbler, wie Michael Savage, die Online Kolumnisten, wie Ann Coulter, sie alle sehen die Ebola Krise als eine politische Krise im Land. Barack Obama verfolge das Weltbürgertum, nur so sei zu erklären, warum es keine Reisebeschränkungen nach Westafrika gebe. Zwischen den Zeilen kann man da die rassistischen Töne durchhören, er sei ja ein Schwarzer, da wolle er seine Brüder und Schwestern in Afrika nicht vor den Kopf stoßen. Erneut zeige sich jedoch die Führungsschwäche des „Commander in Chief“. Egal, was Obama auch macht, es ist für seine Berufskritiker nicht genug. Der zuständige Chef des „Center for Disease Control“ (CDC) müßte umgehend entlassen werden, die Grenzen dicht gemacht, Reisewarnungen und Reiseverbote ausgesprochen werden, kein Amerikaner dürfe mehr in die betroffenen Länder reisen. Man hat den Eindruck, das Ebola Virus lauert hinter jeder Ecke und wartet nur darauf einen Amerikaner, „a good patriot“ zu infizieren. Obama, der Weichling, lasse es zu, dass „god’s country“ verseucht wird, so die Meinung der vielbeachteten Meinungsmacher.

Und nun wieder zu meinem angedachten Arztbesuch. Ich glaube, es ist verständlich, dass ich erst einmal ein bisschen warte. Schmerzen hin, Schmerzen her. Unwohlsein hin, Unwohlsein her. Bevor ich mir das antue, erneut jemanden vor mir im Schutzanzug zu sehen, lasse ich lieber noch etwas Wasser die Pegnitz runterfließen. Die mit ihrer Panikmache gehen mir gerade ziemlich auf den Geist. Hier und da. Denn durch die Ebolakrise bekomme ich noch nicht mal meine Tschadthemen in den Medien unter. Die Afrikaberichterstattung drehe sich derzeit nur um Ebola, heißt es. So, als ob der Kontinent eh nur aus Krankheiten und Seuchen besteht.

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Fokus auf einen vergessenen Kontinent

Ukraine, Gaza, Afghanistan, Mexiko. Im Nachrichtensumpf dieser Tage ist nicht viel Platz für Afrika. Ach ja, zwei amerikanische Entwicklungshelfer wurden aus Westafrika ausgeflogen, die sich mit dem Ebola Virus infiziert hatten. Afrikanische Themen kommen in den amerikanischen (und auch deutschen) Medien meist nur zum Zug, wenn ein direktes Interesse besteht.

US-Africa Leader Summit. Ein Treffen der USA mit Präsidenten aus 50 afrikanischen Ländern.

Obama hat Vertreter aus Afrika nach Washington geladen.

Nun geht das Weiße Haus in die Offensive. Vom 4. – 6. August findet in Washington das erste Treffen zwischen den USA und rund 50 Präsidenten und Regierungsvertretern afrikanischer Staaten statt. Ein Ereignis, das eigentlich gefeiert werden sollte, denn damit versucht Amerika verlorenes Vertrauen wieder herzustellen, bestehende Verbindungen zu stärken und neue aufzubauen. Afrika war lange Zeit nur ein Nebenschauplatz der USA während des Kalten Krieges. Man rüstete Verbündete auf, stärkte Despoten und ließ unliebsame Präsidenten, wie Patrice Lumumba im Kongo, ermorden. Und Washington hat auch in jüngster Zeit mehrfach total versagt, als es darum ging, eine Führungsrolle auf dem Kontinent zu übernehmen. Man denke an Ruanda, an Liberia, Sierra Leone, Zimbabwe, Somalia, Kongo und andere afrikanische Staaten.

Nun also will man zeigen, dass Amerika den Kontinent nicht vergessen hat. Man will diskutieren, sich austauschen, Lösungen und Strategien finden. Doch in den hiesigen Medien wird dieses Treffen fast vollständig ausgeblendet. Die Grenzsituation zu Mexiko ist politisch angespannter, der Krieg in Gaza näher. Was interessieren da die Probleme eines ganzen Kontinentes, der sowieso nie aus seinem „Dritte Welt Status“ herausfinden wird, so die Denke der Medienmacher. Man kann also nur hoffen, dass die USA dieses mal ihr Wort halten werden, wenn es am Rande der Zusammenkunft in Washington zu Absprachen und Verträgen kommen sollte. Die afrikanischen Nationen haben viel zu bieten und sollten nicht nur für ihre Rohstoffe und als Exportmarkt amerikanischer Waffenschmieden gesehen werden. Doch vor allem geht es um die Zukunft der Menschen in Afrika. Ein symbolträchtiges Zeichen ist „Young African Leaders Initiative (YALI)“, einer Initiative, die 2010 ins Leben gerufen wurde und Jahr für Jahr junge Menschen aus Afrika in die USA bringt. Afrika lohnt sich, das will Obama mit dem Treffen zeigen.

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