Grenzenlose Musik ohne Einreiseverbot

Es gibt eigentlich in jedem Land, in das ich reise, zwei Dinge, die ich unbedingt machen möchte. Zum einen ist es Radiosender, vor allem Community Stationen, besuchen. Zum anderen in Läden nach lokaler Musik auf Vinyl oder CD suchen oder Musiker zu treffen, deren Musik ich aufzeichnen kann und darf. In Somaliland habe ich so Abdi Nasir Macalin aufnehmen können, im Niger lernte ich die Band Studio Shap Shap kennen und lieben.

Musik verbindet, das habe ich erst wieder in Niamey gelernt. An einem Nachmittag im Garten von Laetita probte „Studio Shap Shap“. Sechs Musiker, die alle lächelten und mich Willkommen hießen. Die Musik sprach dann für sich, ein wunderbares Erlebnis, in dem es nicht um Worte und großes Verstehen ging, vielmehr um ein sprachübergreifendes, inniges Zusammensein. Musik verband uns und verbindet uns noch immer.

Foto: AFP.

Seit nunmehr über 20 Jahren produziere und moderiere ich Radio Goethe, eine Sendung, mit der ich versuche im Ausland Interesse an der deutschen Musikszene zu schaffen. Und es geht da nicht nur um Musik, es geht um Sprache, um Kultur, um den Blick in ein anderes Land, um Verständnis und Interesse zu schaffen. Kurz nachdem ich 1996 in die USA kam, begann ich mit der Sendung auf einem Collegesender in San Francisco. Ich wurde eingeladen meine Kultur, meine Wurzeln, meine Musik einer offenen und interessierten Hörerschaft zu präsentieren.

Eigentlich wollte ich nur drei Jahre in den USA bleiben, schließlich beantragte ich die Green Card und wurde auch amerikanischer Staatsbürger. Ich kam mit einem Journalistenvisum und wurde ein Immigrant in diesem Land.

Als Präsident Donald Trump ein Einreiseverbot für sieben zumeist muslimische Länder aussprach, dachte ich, ich müsste etwas sagen, etwas tun. Aber ich wußte nicht was, bis ich daran dachte, eine Radio Goethe Sendung mit Musik aus Somalia, Iran, Libyen, Sudan, Jemen, Irak und Syrien zu produzieren. Im Laufe der Jahre mit Radio Goethe und auf all meinen Reisen, die mich auch immer wieder in Krisen- und Konfliktgegenden, wie Somalia, führten, lernte ich, dass Musik eine universelle Sprache ist, die jeder versteht. Ich habe viele Menschen in den Ländern getroffen, die offen, herzlich und hilfsbereit waren. Ich glaube, dass uns alle mehr verbindet, als uns trennt. Die Musik war dabei immer eine Sprache, die wir alle verstanden haben.

Ich weiß, wenn ich eine Stundensendung mit Musik aus Somalia, Iran, Libyen, Sudan, Jemen, Irak und Syrien produziere, die auf einigen Dutzend College- und Communitystationen ausgestrahlt wird, wird das nichts im Großen ändern. Vielleicht ist es aber ein kleiner Blick, ein Ohr voll, auf die reiche Kultur jener Länder, die den meisten nur durch die hässlichen Schlagzeilen von Krieg, Terror und Krisen bekannt ist.

Von daher, die aktuelle Radio Goethe Sendung gibt es hier zu hören:

      Radio Goethe

 

 

Das gewollte Chaos des Mister Trump

Eine Woche im Amt, dann kam der große Knaller. Zuvor hatte King Donald I schon mehrfach per Dekret wichtige politische Entscheidungen seines Vorgängers Barack Obama ausgebremst und ausgehebelt. Trump wollte schnell einen neuen Ton in Washington setzen.

Und dann am vergangenen Freitag die umstrittenste aller Entscheidungen, Menschen aus Somalia, Sudan, Iran, Irak, Syrien, Jemen und Libyen voerst die Einreise in die USA zu verweigern. Ein Einreiseverbot für Muslime meinten die einen. Ein Einreiseverbot für „radical islamic terrorists“ argumentierte Trumps Umfeld, so, als ob sich Terroristen ordnungsgemäß an Pass- und Visagesetze und die Formalitäten des internationalen Luftverkehrs hielten.

Foto: Reuters.

Donald Trump und seine Gehilfen fegen durch Washington ohne Rücksicht auf Verluste. Alles wird in Frage gestellt, Geschichte wird umgeschrieben, Verträge gekündigt, Freundschaften beendet. Nach außen wirkt alles stümperhaft, nicht durchdacht, überhastet, ohne Plan. Doch Trump und seine Berater haben einen Plan, den haben sie schon im Wahlkampf deutlich gemacht. Sie wollen Amerika neu ausrichten und das mit einer Chaos-Strategie. Trump twittert weiter, wettert und hetzt gegen Demokraten, Medien und alle, die sich ihm in den Weg stellen, darunter auch namhafte Republikaner wie die Senatoren John McCain und Lindsey Graham.

Es sieht nach Unvermögen aus, das Ziel nicht erkennbar. Trump hat jedoch in diesen Tagen das Ziel fest vor Augen. Er will seine Basis stärken, verbreitet dafür Falschmeldungen, und alles was über ihn, seine Entscheidungen und Absichten berichtet wird, bezeichnet er als „Fake News“. Auf seinem Haussender FOXNews haben sich so einige Moderatoren, allen voran Sean Hannity, zu Bütteln des neuen Kaisers gemacht. Trump schafft bewußt Unruhe, will die Gesellschaft spalten und so seine Gefolgschaft ganz auf sich ausrichten. Was er sagt stimmt, was die anderen sagen ist falsch. Gegenfragen sind nicht erlaubt und werden als unerlaubte Kritik am „Big Man“ gesehen.

Die Trump-Anhänger jubeln, endlich einer, der in Washington aufräumt, durchgreift, seine Wahlversprechen einlöst. Zumindest sieht es danach aus, doch Trump kann nicht auf Dauer per Dekret regieren. Was er aber schafft ist, er zeigt mit ausgestrecktem Finger auf den Kongress und schiebt den Abgeordneten und Senatoren die Schuld zu: „Ich würde ja gerne machen, aber die unterstützen mich nicht“. Die Mauer muß gebaut, der Umweltschutz beendet, Unternehmen gezwungen, Terroristen die Einreise in die USA versperrt werden. America First!

Noch jauchzen die Trumpschen Chöre, denn bislang betrifft sie nicht das, was er umsetzt. Die „New York Times“ und „Washington Post“ lesen sie nicht, CNN schauen sie nicht, die Mauer stört sie nicht, eine Ölpipeline durch Reservate geht sie nichts an, Hauptsache das Benzin wird billiger. Flüchtlinge aus Somalia und Syrien kennen sie nicht. Von daher „Make America Great Again“, „Hire American, Buy American“. So sehr ich mich vor diesem Vergleich auch scheue, all das erinnert mich an die Worte von Pastor Martin Niemöller:

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

„I’ll visit you in Germany“

Burco ist die zweitgrößte Stadt in Somaliland, hier leben rund 400.000 Menschen. Das Gebäude von CARE ist in einer Wohngegend, am Tor kein Schild der Hilfsorganisation. Aus Sicherheitsgründen, wie es heißt. Von hier ging es in die sprichwörtliche Pampa. Erst auf einer langen Schotterpiste immer geradeaus, dann kam die Sandstraße, die sich um Büsche schlängelte und ins Nichts zu führen schien. Der Fahrer heizte dahin, als gäbe es kein Morgen.

Die Landschaft war beeindruckend, sandig und dennoch wunderschön. Ein weiter Blick, immer mal wieder Ziegen rechts und links der Straße, Nomaden, die sie hüteten und gelegentlich trabte ein Kamel über die Straße. Blau markierte Steine im Sand zeigten, wo Landminen geräumt worden waren. Die Spuren des Krieges sind in Somaliland noch immer zu sehen.

Unser erstes Ziel war das Dorf Harasheik. CARE hat dort eines dieser Brunnenprojekte aufgebaut, von dem ich gestern berichtet hatte. In Harasheik wartete man auf uns, die Dorfältesten berichteten von ihren Erfahrungen und Wünschen mit dem Brunnen und der Solarkraft. Danach noch ein paar Interviews, Fotos, Klangaufnahmen, ein kleiner Spaziergang alleine durchs Dorf. Dann ging es mit den Geländewagen nach Xaaxi, einem weiteren Projektdorf.

Ein Treffen im Schatten unterm großen Baum. Fotos: A. Peltner.

Ein Treffen im Schatten unterm großen Baum. Fotos: A. Peltner.

Auch in Xaaxi gab es ein herzliches Willkommen, diesmal suchte ich jedoch mehr das Gespräch mit Jugendlichen. Wir saßen unter einem Baum und sie erzählten davon, dass sie weg wollen. Von den etwa 15 jungen Männern hoben 12 die Hand. In Somaliland gebe es keine Jobs, keine Zukunft. Und andere, die gegangen sind und es geschafft haben, hätten Fotos von sich auf facebook gepostet. Bilder, die zeigen, dass sie erfolgreich angekommen, erfolgreich einen Job gefunden, erfolgreich ein neues Leben begonnen haben. Auf meinen Einwand, dass sie nicht alles glauben sollten, was sie auf facebook sehen und lesen, dass in Europa keine Jobs auf sie warten, ließen sie nicht gelten. Nun planen die jungen Kerle vor mir über Äthiopien und den Sudan nach Libyen zu gelangen, um von dort über das Mittelmeer Europa zu erreichen. Bereitwillig wollen sie sich in die Hände von Schleppern begeben, die bekannt dafür sind, irgendwo auf der Strecke mehr Geld zu fordern, die Eltern daheim anzurufen und sie die Schmerzensschreie ihrer Kinder hören zu lassen, bis sie zusichern, mehr Geld zu schicken. Eine lange und gefährliche Reise liegt vor den Jugendlichen. All das ist ihnen egal, meint einer. „I’ll visit you in Germany“, lacht ein anderer. Sie alle sind sich sicher, sie werden es schaffen. Inshallah!

Hillary und die mangelnde Alternative

Vieles deutet auf eine Kandidatur von Hillary Clinton hin. Doch ich glaube noch immer nicht daran. Und die jüngsten Kontroversen, um es gelinde auszudrücken, bestätigen mich nur darin, dass sie nicht antreten wird. Die Republikaner sehen eine Chance, die Überdemokratin schon im Vorfeld zu Fall zu bringen. Seit dem Terrorangriff auf das Konsulat im libyschen Benghazi ist Hillary Clinton im Fadenkreuz der Konservativen. Damals war sie Außenministerin und alles deutete danach auf eine Fehleinschätzung des „State Departments“ hin. Warnungen wurden nicht wahrgenommen, die Sicherheitsbedingungen waren mangelhaft. Und danach bekleckerte man sich in der Analyse des Anschlags und der Informationspolitik auch nicht gerade mit Ruhm.

Hillary Clinton versinkt in ihren Skandalen.

Hillary Clinton versinkt in ihren Skandalen.

Und dieser Terrorangriff verfolgt Hillary Clinton noch immer. Oder zumindest lassen die Republikaner nicht locker. Nun erreicht der Skandal um Benghazi einen weiteren Höhepunkt. Clinton gestand dem Benghazi-Untersuchungsausschuß, dass sie nie eine offizielle Email Adresse des Außenministeriums hatte. Vielmehr nutzte sie eine Privatadresse mit eigenem Server, der bei ihr daheim stand. Hillary habe nun die angeforderten Dokumente an das „State Department“ weitergeleitet, doch die Auswertung könnte Monate dauern, so ein Sprecher des Ministeriums. Nicht nur, dass ein Bericht dann in den Beginn des Vorwahlkampfes fallen würde. Auch bleibt unklar, ob Clinton wirklich alle Emails von ihrem Server rausgerückt hat.

Hillary Clinton gerät unter Druck, Benghazi könnte zum Stolperstein für ihre Kandidatur werden. Ob an Vorwürfen nun was dran ist oder auch nicht, ist eigentlich nebensächlich. Man erinnere sich nur an den Wahlkampf 2004, als das Bush-Team den sogenannten „Swiftboat“-Skandal lostrat, der am Ende John Kerry schadete. Seine Militärkarriere wurde angezweifelt und unterminiert, etwas, auf das Kerry durchaus stolz war und glaubte damit punkten zu können. Er hatte in Vietnam gedient und nicht wie George W. Bush sich vor dem Dienst an der Waffe gedrückt. Am Ende gewann Bush knapp, dank der Zweifel am Kandidaten Kerry.

Nun ist Hillary dran, sie galt lange als begnadete Außenpolitikerin. Eine Stärke, auf die sie im Wahlkampf bauen wollte. Doch damit ist es nun vorbei. Sie könnte sich an den Flammen von Benghazi verbrennen. Zuvor schon war bekannt geworden, dass die Clinton Foundation Millionenbeträge von Regierungen anderer Staaten angenommen hatte, darunter auch Algerien, die sich durchaus Hoffnungen auf bessere Beziehungen zu Madame Secretary ausrechneten.

Unterdessen distanzieren sich immer mehr Demokraten von der einstigen First Lady. Das Problem in den demokratischen Reihen ist, es gibt derzeit keine Alternative zu Clinton. Zu lange schon hatte man auf eine Kandidatur von Hillary gebaut. Hillary, Kandidatur, Punkt. Niemand sonst traute sich nach vorne. Jetzt könnte es zu spät sein, noch einen weiteren ernstzunehmenden Kandidaten aufzubauen. Die Wahl könnte damit für die Demokraten schon frühzeitig verloren gegangen sein.

Das Bild vor Augen

Syrien, Irak, Libyen, Nigeria, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo, Afghanistan und da ist auch noch die Ukraine. Ein paar der Kriegsschauplätze, die mir auf Anhieb einfallen. Der Blick in Deutschland und auch in den USA geht vor allen nach Osten in die Ukraine, denn dieser Konflikt könnte eskalieren und noch dramatische Folgen für Europa haben.

"Nukemap" wurde von Alex Wellerstein entwickelt.

„Nukemap“ wurde von Alex Wellerstein entwickelt. Hier kann man sehen, welche Auswirkungen ein Einschlag über der Nürnberger Altstadt hätte.

Daran mußte ich denken, als ich die Webseite „Nukemap“ fand. Eine Webseite, die von Alex Wellerstein eingerichtet wurde. Wellerstein ist Wissenschaftshistoriker mit dem Schwerpunkt Nuklearwaffen und -geheimhaltung. Er ist Assistenz-Professor am „Stevens Institute of Technology“ in Hoboken, New Jersey. Seine Dissertation schrieb er zum Thema “Knowledge and the Bomb: Nuclear Secrecy in the United States, 1939-2008.” Sein Blog ist ein umfassendes Archiv zum Bereich der Nuklearwaffen. Informationen über Technik, Hintergründe und die Geheimhaltung der militärischen Nuklearnutzung.

So ganz nebenbei hat er „Nukemap“ entwickelt, eine Seite, auf der man eine beliebige Adresse angeben und dazu eine passende Bombe aussuchen kann. Verschiedene Herkunftsländer sind angegeben, von den USA über Russland, Nordkorea, Pakistan, China. Dazu noch die Kilotonnenstärke.

Zuerst dachte ich an ein zynisches Spielchen, doch das ist es nicht. Die Karte zeigt nur den explosiven Radius. Man kann, man muß sich selbst vorstellen, was passieren würde wenn… Wellenstein will nicht schocken, sondern eher mit seinen Einschlagkarten aufklären. Der kalte Krieg ist zwar vorbei, aber die Gefahr einer kriegerischen Eskalation nicht gebannt.

Eine Stadt in Afrika

Straßenbild in N'Djamena, Tschad.

Straßenbild in N’Djamena, Tschad.

Schön ist sie nicht, die Hauptstadt der Republik Tschad. Zumindest habe ich die schönen Seiten noch nicht gesehen, auch wenn es auf Wikipedia heißt, man sollte sich die „Altstadt“ ansehen. Also, die hier ist nicht zu vergleichen mit der in Nürnberg.

N’Djamena hieß bis 1973 Fort-Lamy, dann wurde die Stadt umbenannt. Die Spuren der Kolonialzeit sollten ausgemerzt werden. Viel ist von der französischen Herrschaft nicht übrig geblieben, man muss schon danach suchen. Heute morgen war ich zur Sicherheitsbesprechung im Büro von CARE. Der Compound der Hilfsorganisation liegt nicht weit vom Hotel entfernt. Ein paar Straßen weiter, zwei Kreisverkehre, dann ist man auch schon da.

Der Tschad ist Krisengebiet. Man muß nur auf die Landkarte blicken und weiß, hier könnte es schon bald drunter und drüber gehen. Im Norden Libyen, im Osten der Sudan, im Süden die Zentralafrikanische Republik, im Osten Kamerun, Nigeria und Niger. Eine Krise neben der anderen wickelt sich um das Land herum. Weite Teile der Grenze wurden von der tschadischen Regierung abgeriegelt, aus Angst vor Übergriffen. Libyen im Norden, Boko Haram im Westen, radikale Milizen im Süden. Dazu noch der Alptraum Ebola, der bereits hinter der Grenze zu Nigeria lauert. Zur Sicherung verwendet und verschwendet die tschadische Regierung riesige Beträge fürs Militär, Geld das woanders fehlt. Im Süden, Osten und Westen gibt es riesige Flüchtlingslager, Hilfen, Unterstützung und Programme aus N’Djamena gibt es nicht. Denn dafür sind ja die internationalen Hilfsorganisationen vor Ort.

Noch zwei Tage sind wir hier, dann geht es in den Süden des Landes, an die Grenze zur Zentralafrikanischen Republik. Flüchtlingslager, Elend, Not, eine vergessene Krise bei all den Krisen weltweit. War da was in Afrika?