„He got, what he wanted“

Donald Trump am 4. Juli. Foto: Reuters.

Er hat das bekommen, was er wollte. So kann man den Auftritt von Donald Trump am 4. Juli vor dem Lincoln Memorial umschreiben. Als ich ihn da stehen sah, dachte ich mir, die Bilder kann sein Publicity Department nicht nutzen, denn jemand hatte vergessen, die Panzerglasscheibe vor ihm abzutrocknen. Donald Trumps Image war für die Fernsehnation hinter einer Regenschicht etwas verschwommen.

Doch am Abend dann wurde ein Video auf Twitter veröffentlicht, das man durchaus in die Kategorie „Propaganda Video“ packen kann. Trump hat genau die Bilder bekommen, die er haben wollte. Er vor dem Lincoln Memorial, Tausende von Menschen, Kampfflugzeuge, Panzer, patriotische Lieder und viele Fahnen. Genau auf solche Images steht Trump, der sich selbst gerne als großen, wenn nicht sogar als den größten US Präsidenten aller Zeiten bezeichnet. Die zahlreichen historischen Ungenauigkeiten in seiner Rede wurden zwar im Nachhinein erwähnt, doch kaum kritisiert. Trump erwähnte am Freitag, der Teleprompter sei ausgefallen, deshalb habe er die Fehler gemacht. Damit ist das auch geklärt.

Bemerkenswert war sicherlich, dass Donald Trump beim eigentlichen Skript der Rede blieb und nicht zu einer großen politischen Abrechnung für seine Basis ausholte. Die war sicherlich erstaunt davon, denn man hatte mit was anderem gerechnet, ja, sogar darauf gehofft. Doch Trump brauchte das an diesem 4. Juli nicht. Ihm genügten die Bilder, die er haben, die er ins Land und um die Welt schicken wollte. Der Präsident vor den nationalen Symbolen, als „Commander in Chief“, als Erklärer der „Greatest Nation“ in der Geschichte der Menschheit. Sein „Salute to America“ war genau so, wie er das seit fast zwei Jahren haben wollte. Der eigentliche Skandal, sein Auftritt überhaupt, die Verschwendung von Steuergeldern für diesen PR-Stunt und für seine republikanischen Großspender, das war ihm wie immer egal. Nun kann man darauf warten, dass Trump schon bald einen erneuten Auftritt für das nächste Jahr ankündigt. Das würde zu ihm passen. Und es wären dann nur noch ein paar Monate vor dem Wahltag. Was wäre da besser als eine vielbeachtete Rede an einem geschichtlichen Ort zu halten?

Von Küste zu Küste

Da bin ich wieder Zuhause. Ein paar Tage in Washington DC, die Sonne schien, es war schwülwarm und ich habe mir die Füsse wund gelaufen. Aber DC ist wirklich eine beeindruckende Stadt, die man sehr gut erlaufen kann. Nette Häuser, interessante Botschaften, viele kleine Geschäfte. Von Georgetown rüber zum Weissen Haus, wo man sich nun auch den Gemüsegarten der Obamas ansehen kann, entlang der Mall, dem Vietnam Memorial, zum Lincoln Memorial, dem Kongress und dann noch ins „Newseum„, einer Einrichtung, die sich die News Branche an die Pennsylvania Avenue hingestellt hat. Sehr schick, aber durchaus mit Mängeln behaftet. So werden dort überhaupt nicht die vielen Immigrantenzeitungen, Radio- und Fernsehprogramme behandelt. Nachrichtenquellen, die Generationen von Einwanderern genutzt haben und noch immer nutzen. Auch sind die vorgestellten Newsereignisse sehr US zentriert…Eine Weltnachricht ist es scheinbar erst dann, wenn die USA beteiligt sind. Deutschland kommt nur als Drittes Reich und beim Fall der Berliner Mauer vor…Vielleicht sehe ich das alles zu sehr mit einer deutsch/europäischen Brille, aber Nachrichten müssen meiner Meinung nach im internationalen Kontext gesehen und dargestellt werden.

Der Grund, warum ich nach DC geflogen bin, war das Fest der Europäischen Botschaften, das „Open House“. Rund 4000 Besucher kamen auf das Gelände der „German Embassy“, ein voller Erfolg. Und ich mitten drin mit einem kunterbunten Mix zwischen Udo Lindenberg, Sportfreunde Stiller und Silbermond.

Ach ja, und dann hatte ich noch ein interessantes Gespräch in der Botschaft. Mal sehen, wenn alles klappt, werde ich schon bald meine Koffer für eine weitere Reise packen. Diesmal, um über den Bundeswehreinsatz vor der Küste Somalias zu berichten.