Live von den Riesenwellen

Gerade mal 24 Surfer sind dabei. Der Mavericks Wettkampf in Half Moon Bay, südlich von San Francisco, ist seit 8 Uhr morgens in vollem Gange. Nur die besten Surfer werden zu diesem jährlichen Ereignis eingeladen, um hier die Riesenwellen zu reiten, die fast 20 Meter Höhe erreichen. Und sie kommen sofort aus aller Welt, wenn die Bedingungen da sind. Innerhalb von 24 Stunden reisen die Surfer an.

Hier sind gleich zwei Live-Webcams, die den Wettkampf übertragen:

Live von Half Moon Bay auf Mavericks Invitational

Live von Half Moon Bay auf CBS Local San Francisco

Wie einst Leni Riefenstahl

Ich habe sowohl Riefenstahls Nürnberger Parteitagsfilm und ihren 36er Olympiastreifen gesehen, wie auch schon etliche Rammsteinkonzerte live miterlebt. Aber irgendwie will das für mich nicht zusammen passen. Anders allerdings für amerikanische und kanadische Kritiker, die sich bei der aktuellen Tour der Berliner Combo an Hitlers Lieblings-Leni erinnern. Muß man wohl so stehen lassen, ich denke ja beim Pommesessen bei McDonald’s auch immer an die Lynchjustiz in den amerikanischen Südstaaten. Ist klar, oder?

Rammstein tourten letztes Jahr durch die USA. Die Nachfrage war so groß, dass man gleich nochmal kommen wollte. Es geht wieder quer durchs Land und die Fans sind begeistert. Vom „besten Tag meines Lebens“ bis „phänomenal“ und „einzigartig“ werden die Konzerte in den Blogs und auf facebook beschrieben. Rammstein rocken sich durch den Wilden Westen und zeigen ganz ungeniert, dass man durchaus auch mit deutschen Texten Amerika aufrollen kann.

Die explosive Pyroshow der Berliner ist einzigartig, man kann ohne zu übertreiben sagen, dass Rammstein derzeit die beste Live-Performance im Rockzirkus bieten. Die Tickets für ein Konzert sind nicht gerade billig, doch die Tour ist ausverkauft. Solch einen Hype erlebt man selten. Rammstein sind da, wo sie immer sein wollten. Mit einer bewundernswerten Ausdauer und Disziplin verfolgten sie ihren Masterplan. Als ich 1997 mit Paul Landers im kleinen Club „The Edge“ in Palo Alto hinter der Bühne saß, meinte er, sie begreifen selbst nicht, was da gerade abläuft. Das Ziel sei allerdings, so Landers lachend, auch in den USA die ganz großen Konzertsäle zu füllen. Doch dann auf der Bühne war klar, Rammstein sind ein Phänomen. Die paar Dutzend Amerikaner im Publikum waren geschockt, fasziniert, überrascht, geplättet. Sänger Till Lindemann setzte sich gleich beim ersten Song „Rammstein“ in Flammen. Die Band spielte ihr Programm auf dieser kleinen Bühne.

Seit dieser ersten Tour im Vorprogramm von KMFDM sind Rammstein Kult in den USA. Man hört sie selten im Radio und dennoch verkaufen sich ihre Platten, die größten Konzerthallen sind schon lange ausverkauft, nichts scheint sie stoppen zu können. Lange Zeit drückten sich die offiziellen deutschen Stellen in den USA, Botschaft, Konsulate und Goethe-Institute, darum, auch nur irgendwie in die Nähe der Berliner gebracht zu werden. Und das, obwohl Rammstein wohl mehr für die Verbreitung der deutschen Sprache und der deutschen Kultur getan haben, als viele der „offiziellen“ Kultur- und Sprachangebote. Man muß sich nur ein Konzert der Band ansehen, man sollte nur mal auf die Fanseiten blicken, dann sieht man, Deutsch ist „in“. Und wenn ein 15jähriger über „Du hast“ zum Deutschlernen kommt, soll mir das recht sein.

Rammstein Songs werden in den Deutschstunden der High Schools behandelt. In den Klassenzimmern kommt man über die Berliner auf die deutsche Musikszene, die Berliner Mauer, die DDR, Geschichte, Politik und Kultur.

Und nun touren sie wieder, die Fans jubeln, die Kritiker wissen so gar nicht, was sie davon halten sollen, dass tausende von Kids lautstark auf Deutsch mitsingen. Klar, holen wir mal wieder die olle Leni aus der Mottenkiste. Muß ja sein, jemand, der so schön das „R“ rollt wie Till Lindemann, hat  sicherlich was mit dem bekloppten, kleinen Österrrrrreicher zu tun. Und Explosionen, Feuer und Flammenshow, na, wenn das nicht an den Blitzkrieg über England erinnert.

Das Gute an allem ist, dass die Fans sich von solch bescheuerten Kritiken nicht beeinflussen lassen. Rammstein haben Interesse an Deutschland und der deutschen Sprache geweckt. Dafür sollte man ihnen dankbar sein.

Kraftwerk – NYC – MOMA

Eigentlich ist es das Konzertereignis des Jahres. Kraftwerk live in New York. Nicht ein Abend, nicht zwei Abende…nein, gleich acht Abende haben die deutschen Musikpioniere im Museum of Modern Art in New York City gebucht. Und in jedem Konzert wird eine andere Langspielplatte der legendären Düsseldorfer Formation im Mittelpunkt stehen:

Dienstag, 10. April  – Autobahn (1974)
Mittwoch, 11. April – Radio-Activity (1975)
Donnerstag, 12. April 12 – Trans Europe Express (1977)
Freitag, 13. April – The Man-Machine (1978)
Samstag, 14.  April – Computer World (1981)
Sonntag, 15. April 1 – Techno Pop (1986)
Montag, 16. April  – The Mix (1991)
Dienstag, 17. April – Tour de France (2003)

Kraftwerk sind Kult. Und das weltweit. Es ist wohl die einzige deutsche Band die maßgeblich unzählige Gruppen und die verschiedensten Genres beeinflußt haben. Ihre musikalische und künstlerische Weitsicht kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Ich finde ja immer, es wird sehr inflationär mit dem Begriff „Musikpionier“ umgegangen. Doch wenn ich diesen Begriff nur einmal für eine Band verwenden dürfte, dann wäre es für mich zweifellos Kraftwerk.

Auf nach New York City!

Rammstein mit Heimspiel in NYC

Ein Konzert. Nur ein Konzert gaben sie in den USA. Seit Jahren das erste. Und die Bude war voll am Samstag. Die Bude, das ist der Madison Square Garden. Innerhalb von einer halben Stunde waren im Vorverkauf die Tickets weg.

Nun bekomme ich Mails und Online Postings, wie fantastisch das Konzert war. Von überallher kamen die Fans. Persönlich kenne ich Leute aus Arizona, aus Seattle und Texas, die bis nach New York reisten, um Rammstein live zu sehen. Und dann kam auch die folgende Mail über den Verteiler der Deutschlehrer in den USA, die eigentlich alles ausdrückt. Geschrieben vom Leiter einer Fremdsprachenabteilung an einer Universität im Bundesstaat Maryland.

In dieser Mail beschreibt er, dass vier seiner Studenten mit ihm beim Konzert waren, und weiter: „Ich habe Studenten mit in die Staatsoper nach Wien und in den Kennedy Center nach Washington und zu anderen Orten genommen, aber dies hier war bei weitem das interessanteste und unvergesslichste Event, das ich je besucht habe. Ich glaube, ich werde das nie vergessen.

Es waren dort ungefähr 20.000 Menschen, aus allen Lebenslagen, Mütter mit ihren Söhnen, Väter mit ihren Töchtern, verrückt gekleidete Leute, lustig und provozierend, in Kostümen, viele über 50 oder 60, Deutsche aus Schwerin und Berlin, Kanadier aus Edmonton und Nova Scotia, Amerikaner aus Los Angeles und Alabama, Japaper, Ukrainer, jung und alt, ein paar Männer mit Irokesenschnitt, meine Studentin im Dirndl, ein junger Mann in Lederhosen, aber auch ein Manager, ein junges jüdisches Paar, das zum Ende des Sabbath kam, Leute, die bislang noch nie bei einem Rammstein Konzert waren und viele, viele mehr.

Die Show war perfekt, die Musik großartig und die Atmosphäre ekstatisch, voller Energie und einfach Wahnsinn. Tausende, die eigentlich kein Deutsch können haben in perfektem Deutsch mitgesungen, wußten jedes Wort und jeden Vers. Doch vor allem war es sehr, sehr friedlich und es gab nicht einen Vorfall. Egal, was einige auch an Rammstein und ihrer Musik, ihren Themen und ihren Texten zu kritisieren haben, sie machen „Werbung“ für die deutsche Sprache.“

Hier noch ein Video vom Konzert. Rammstein sind provokant, aber sie haben ohne Zweifel sehr viel für die deutsche Sprache und das allgemeine (positive) Interesse an der deutschen Kultur getan. Das kann man in Deutschland belächeln und abtun wie man will, doch Rammstein sind zu den wichtigsten Kulturbotschaftern im Ausland seit Kraftwerk geworden.

YouTube Preview Image