Wie überlebt man Isolation?

Nach 44 Jahren kam die Freiheit. Körperliche Freiheit, betont Albert Woodfox. Denn im Gefängnis sei sein Geist nie eingesperrt gewesen. Gestern sass ich mit dem 70jährigen auf seiner Veranda in seinem Haus in New Orleans. Wir unterhielten uns über sein Leben, das vor allem hinter Gittern in einer kleinen Zelle stattfand. Albert Woodfox war einer der „Angola Three“, drei Häftlinge, die Jahrzehnte im „Louisiana State Penitentiary“ in Einzelhaft verbracht haben für einen Mord, den sie nicht begangen haben.

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„So viel Regen ist verrückt“

      Die Lage in Houston

Houston versinkt in den Fluten. Foto: Reuters.

Es regnet und regnet in Texas. Ersten Schätzungen zufolge könnte ein Schaden von 40 Milliarden Dollar entstanden sein. Die Öl- und Gasindustrie an der Küste ist gewaltig getroffen worden, schon jetzt werden höhere Benzinpreise im ganzen Land erwartet. Und Harvey wütet weiter.

Ein Reporter steht am frühen Montagmorgen in der Mitte einer Straße in Houston, das Wasser reicht ihm bis zur Hüfte. Die Bilder aus der texanischen Millionenstadt zeigen das ganze Ausmaß der Katastrophe. Es regnet und das ohne Ende. Überschwemmungen weit und breit, die Infrastruktur ist in weiten Teilen zusammen gebrochen. Zur Sicherheit mussten die Schleusen mehrerer Trinkwasser Reservoirs geöffnet werden, die Dämme drohten aufgrund der Wassermassen zu brechen. Allein in den letzten 72 Stunden fiel im Bezirk Houston weit über einen Meter Niederschlag. Die Stadt ist auf Sumpfgebiet und weiß mit Hochwasser umzugen, aber Harvey und seine Folgen seien eine historische Katastrophe, wird hier überall gesagt.

Leah Kernohan steht vor ihrem überfluteten Haus und sagt, dass sie mit ihren 45 Jahren schon viele Stürme und Hurrikans durchgemacht hat, aber das hier sei das verrückteste, was sie je gesehen habe. So viel Wasser gab es noch nie.

Nach wie vor versuchen Helfer der Nationalgarde, der Küstenwache und auch viele Bürger mit Booten in den schwer betroffenen Nachbarschaften von Haus zu Haus zu kommen, um Anwohner aus misslichen und gefährlichen Lagen zu retten. Denn ein Ende der Krise ist noch lange nicht in Sicht, bis Ende der Woche soll es weiterregnen, meinen Meterologen.

Für den Chef der Katastrophenhilfe FEMA, William Long, hat jetzt erst die eigentliche Katastrophe begonnen. Man sehe die ersten Schäden, aber noch immer regnet es, auch in anderen Teilen von Texas. Die Flüsse könnten diese Mengen an Niederschlag gar nicht verkraften. Überall treten die Fluten über die Ufer. Es werde, so Long, gewaltige Schäde geben. Das hier sei ein langes und frustrierendes Ereignis für Texas.

Unterdessen hatte auch der Gouverneur im Nachbarstaat Louisiana Präsident Donald Trump darum gebeten, den Notstand für Louisiana auszurufen, auch hier sind die Folgen von Harvey deutlich zu spüren.

Es geht wieder los

Vor wenigen Tagen wurde Präsident Barack Obama zum zweiten mal im Amt vereidigt. Vier Jahre steht er nun (noch) den USA vor. Doch bereits jetzt geht es in den zweiten und dritten Reihen der Republikaner und Demokraten rund. Wer wird der Kandidat seiner – oder ihrer – Partei 2016?

Die Republikaner stehen derzeit innerparteilich vor einem Scherbenhaufen. Ein verlorener Wahlkampf, eine Zersplitterung der Partei, keine gemeinsame Linie. Und dennoch, einige drängen nach vorne. Der US-Kubaner Marco Rubio, Senator aus Florida, gilt als einer der Top-Kandidaten seiner Partei. Immer wieder prescht er mit politischen Ideen und Programmen nach vorne, die fast alle wohlwollend aufgenommen werden. Rubio ist gerade mal 41 Jahre alt und stand schon ganz oben auf der potenziellen Vize-Kandidaten Liste von Mitt Romney.

Ebenfalls  41 Jahre alt ist Piyush „Bobby“ Jindal, der republikanische Gouverneur von Louisiana. Er ist gegen Abtreibung und für das Recht auf Waffen, bietet so gut wie keine politische Angriffsfläche für Widersacher in den eigenen Reihen. Geboren in Baton Rouge als Sohn von Einwanderern aus Indien trat der verheiratete Vater von drei Kindern vom Hinduismus zum Katholizismus über. Jindal, genau wie Rubio, sprechen offen die fehlende Linie und Geschlossenheit der eigenen Partei an. Das macht sie beliebt, denn damit preschen sie in die Rolle der Führungspersonen, der Leithammel vor.

Auf demokratischer Seite rechnet eigentlich niemand mit einer Kandidatur von Vize-Präsident Joe Biden. Alle Augen sind derzeit auf Hillary Clinton gerichtet, die als die beliebteste Politikerin in den USA gilt. Ihre vier durchaus erfolgreichen Jahre im Außenministerium haben ihr „Kredit“ in der eigenen Partei und auch bei den Republikanern eingebracht. Wenn Hillary zur Kandidatur bereit wäre, hätte sie die breite Basis der Partei hinter sich. Und auch Präsident Obama säße in ihrem Boot, wir er in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit CBS andeutete. Der Wahlkampf 2016 hat begonnen.

Privatisierung der Schulen

Das öffentliche Schulsystem in den USA liegt im argen. Landauf, landab, von Osten nach Westen sind die „public schools“ ein Desaster. Die Probleme für das Scheitern vieler Schüler sind vielfältig. Von gesunkenen finanziellen Mitteln, von überstarken Lehrergewerkschaften, vom reinen Testlernen bis hin zum Absenken des Lernniveaus….die öffentlichen amerikanischen Schulen sind reformbedürftig, das steht außer Frage. Doch die Ansätze, eine grundlegende Reform durchzusetzen und somit den Schülerinnen und Schülern die bestmöglichste Bildung zu bieten, wurde politisiert. Demokraten setzen auf eine allgemeine Bildung, fordern mehr Gelder und wollen den Einfluß der Gewerkschaften nicht beschneiden. Die Republikaner glauben nicht an eine Reform, können sich zu einer Abschaffung der „public schools“ aber auch nicht durchringen. Sie versuchen nun das öffentliche Schulsystem finanziell auszubluten.

Allen voran Bobby Jindal, Gouverneur von Louisiana und Hoffnungsträger seiner Partei. Er hat gegen den Willen der Opposition einen sehr fragwürdigen Plan durchs Abgeordentenhaus von Baton Rouge gepaukt. Dieser besagt, dass in Zukunft die Eltern von Schülern der öffentlichen Schulen die freie Wahl haben, ihre Kinder auch auf Privatschulen zu senden. Und falls sie dies tun, wird ihnen vom Staat einfinanzielle Gutschein in der Höhe jenes Betrages gewährt, den öffentliche Schulen für ihre Schüler ansetzen. Damit hofft Jindal, dass zum einen langfristig Gelder im 3,5 Milliarden Dollar Bildungshaushalt eingespart werden. Zum anderen ist er, wie eigentlich jeder Republikaner, davon überzeugt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Nutznießer, so der Gouverneur, wären am Ende die Schüler. „Wir lassen die Eltern selbst entscheiden, was für ihre Kinder am besten ist, nicht die Regierung“, faßt er seinen Plan zusammen.

Das einzige Problem dabei ist, dass es nicht genug Privatschulen und vor allem qualitative Alternativen für die Eltern und Kinder in Louisiana gibt. Dennoch erwarten viele, gerade christlich-fundamentalistische Kleinstschulen einen staaatlichen Geldregen. In Ruston ist die Einrichtung „New Living Word“ angesiedelt, die zwar ein anerkanntes Basketball Team hat, aber keine Bücherei. Die Schüler verbringen den Großteil der Stunden vor dem Fernseher, über denen sie Auslegungen der Bibel in allen möglichen Fächern vermittelt bekommen. Die „Upperroom Bible Church Academy“ in New Orleans, ein bunkerähnliches Gebäude ohne Fenster und Spielplatz, plant 214 Gutscheinschüler aufzunehmen. Der Gegenwert 1,8 Millionen Dollar. Die Pastorin und jetzige Schulleiterin Marie Carrier will mit diesem neuen Gesetz 135 Schüler für ihre „Eternity Christian Academy“ in Westlake hinzugewinnen. Auch hier wird die Welt ausschließlich durch den christlichen Blick vermittelt. Das Wissenschaftsbuch beginnt mit den Worten „what God made“. Von Evolution ist keine Rede. „Wir versuchen von all den Dingen fern zu bleiben, die unsere Kinder verwirren könnten“, meint Carrier. Andere Privatschulen benutzen im Unterricht Materialien, die vor „Liberalen“ warnen, denn diese würden die Weltgemeinschaft gefährden, und nutzen „wissenschaftliche“ Bücher, die alles andere als wissenschaftlich fundiert sind.

Louisisanas Gouverneur hat mit seinem Gesetzesvorstoß die Totenglocke für das öffentliche Schulsystem geläutet. Anstelle einer mutigen und weitgehenden Reform, setzt er auf „die Wahl der Eltern“, die jedoch in Wahrheit keine ist. Am Ende werden im Bibelgürtel Amerikas noch mehr bibelfeste Kinder leben. Ach ja, das ist wohl die Wahl, die alles entscheidende im Süden der USA.

 

 

 

 

 

 

Ein Schuß gegen Obama

Bei einem Wahlkampfstopp von Rick Santorum in West Monroe, Louisiana, kam es zu einem unschönen Zwischenfall. Der Kandidat, im Anzug und im Rambofieber, wollte den mitgereisten Presseleuten mal zeigen, wie sicher er mit einer Schußwaffe umgehen kann. Also wurde ein Auftritt an einem Schießplatz organisiert. Santorum ballerte also auf die schwarzen, menschlichen Umrisse, die dort in rund 15 Meter Entfernung als Zielscheiben hingen. Sichtlich entspannt drückte er immer wieder ab. Zwischendrin kann man jedoch ganz klar die Worte einer Frau hören „Pretend it’s Obama“, stell Dir vor es ist Obama (0:36 Sekunden).

Santorum bekam davon nichts mit, doch auf den Zwischenfall danach angesprochen meinte er, dass er sich sicherlich keine Person beim Schießen vorstelle und, dass so ein Kommentar „schrecklich und brutal“ ist und er froh sei, ihn nicht gehört zu haben. Am heutigen Samstag sind die Vorwahlen in Louisiana und Rick Santorum gilt als sicherer Sieger.

Die Frau wurde bislang noch nicht gefunden. Der Secret Service ermittelt allerdings wegen einer Morddrohung gegen den amerikanischen Präsidenten.

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Der jüngste Soldat der US Army

Brennan Daigle kämpft jeden Tag um sein Leben. Der 10jährige hat eine seltene Krebsform, Embryonal Rhabdomyosarcoma. Der Junge aus Sulphur, Louisiana, bekam die Diagnose im Oktober 2009. Seitdem versuchen Ärzte den Krebs unter Kontrolle zu bringen, doch immer wieder wurden neue muskuläre Tumore gefunden, die die Knochen angreifen. Vor kurzem eröffneten die behandelnden Ärzte den Eltern, dass sie nichts mehr für Brennan tun können.

Der 10jährige war immer ein großer Fan der US Army und zu seinem 10. Geburtstag wurde er nun ganz besonders überrascht. Seine Mutter wurde vor einiger Zeit von der Organisation „Make a wish Foundation“ kontaktiert, die von Brennans Krankheit erfahren hatte. Die „Make a wish foundation“ erfüllt schwerkranken Kindern ganz ungewöhnliche Wünsche. Kristy Daigle meinte denn auch zu Becky Prejean, ihr Sohn wolle keinen Fallschirmsprung oder ein Computerspiel, er wolle vielmehr Soldaten der US Army treffen, bevor seine Krankheit schlimmer werde.

Becky Prejean schrieb daraufhin für die Stiftung die US Army an. Und dort wurde der Wunsch des Kleinen sehr ernst genommen. Zu seinem heutigen 10. Geburtstag meinte sein Vater, er wolle mit ihm fischen gehen, doch stattdessen brachte er seinen Sohn ganz woandershin. Als Brennan ausstieg, salutierte ein Kommando Soldaten vor ihm und luden ihn zu einer Rundfahrt im Humvee Geländewagen ein. Die Soldaten feierten den Kleinen, übergaben ihm eine Uniform mit eigenem Namensschild und ernannten ihn zum Ehrensoldaten der US Army.

Kristy Daigle hat für ihren Sohn auch eine facebook Seite eingerichtet. „Brennan’s Brigade“ hat mittlerweile weit über 32.000 Fans. Zum Geburtstag bekam der 10jährige Glückwünsche von überallher. Besonders gefreut haben wird er sich über die Grüße aus den Einsatzgebieten der US Army im Irak und in Afghanistan. Die Soldaten in Übersee grüßten ihren „Kameraden“ und „Army Brother“. Happy Birthday, Brennan.

 

Das Ausmaß der Katastrophe

Brauner Pelikan im Golf von MexikoNun kommen sie also, jene Bilder, die man eigentlich nicht sehen will. Der Ölteppich im Golf von Mexiko waberte so für Wochen vor sich hin. Man hörte viel über die Probleme der Fischerei- und Tourismusindustrie, über das Ausmaß des Ölteppichs und vor allem darüber, dass auch mit modernster Technik das Loch bislang nicht zu stopfen ist. Doch da sind nun diese Bilder, die man eigentlich zu gut kennt, die einen aber immer wieder betroffen machen.

Und da ist die neueste Meinungsäußerung von Sarah Palin, der ehemaligen Gouverneurin von Alaska und Vize-Präsidentschaftskandidatin neben John McCain. Schon im Wahlkampf 2008 trat sie als Bohrlochfetischistin auf. In der Fernsehdebatte mit dem demokratischen Vize-Präsidentschaftskandidaten Joe Biden antwortete sie auf dessen Vorbehalte zur Energiepolitik McCains: „Der Ruf ist ‚Drill, Baby, Drill‘. Und das hören wir auf allen unseren Veranstaltungen im ganzen Land, denn die Menschen sind so hungrig danach, diese eigenen Quellen der Energie anzuzapfen“. Der Spruch „Drill, Baby, Drill“ ist zwar noch nicht mal von ihr, aber Palin machte ihn berühmt-berüchtigt.

Brauner Pelikan im Golf von MexikoDie neueste Verbalattacke des GOP Darlings kommt diesmal aus aktuellem Anlass, der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, und ist an die Umweltschützer und Demokraten gerichtet: „Extremes Tiefseebohren ist nicht die beste Wahl, unseren Energiebedarf zu lösen, aber Eure Proteste und Klagen und Lügen über das Ölbohren auf dem Land und in seichtem Gewässer haben diese Gebiete abgeriegelt. Nun holt es Euch ein. Das tragische, beispiellose Tiefsee Ölleck beweist es“. Das ist wahrlich eine, ja, schamlose Umkehrung der Tatsachen. Sarah Palin setzt sich weiterhin für Ölbohrungen ein. Ihr scheinen solche Bilder aus der Golf Region nichts auszumachen. Bis 2012 sind wohl auch die offensichtlichen Folgen dieser Katastrophe nicht mehr zu sehen, dann kann sich die lächelnde Sarah ja wieder an den Strand von Louisiana stellen und auf die tollen Jobs in der Ölindustrie verweisen, die sie als Präsidentin schaffen wird….