Angriff auf allen Ebenen

Egal, was zu diesem Zeitpunkt gesagt wird, die amerikanischen Medien berichten darüber. Und wenn sich ein Paul Ryan, seines Zeichens Vize-Kandidat im Team Romney, hinstellt und die Obama Adminstration ganz platt mit der von Jimmy Carter vergleicht, dann wird auch das einfach mal verbreitet. Welcome to 24 hour News….auch wenn das keine Nachrichten sind, aber man muß Sendezeiten füllen. Carter ist für die Konservativen im Land noch immer das Bildnis eines schwachen, unpatriotischen und gescheiterten Präsidenten. Es gibt für sie nichts schlimmeres als einem Demokraten zu sagen, er sei wie Carter.

Der Nahe Osten gleiche dem von 1979. Damals die Botschaft in Teheran, heute die diplomatischen Vertretungen Amerikas in Ägypten und Lybien. Obama gleich Carter, deshalb, so Ryan, sollte auch dieser Demokrat nur eine Amtszeit im Weißen Haus bekommen. Obama schwächele, zeige der Welt, man können mit den Amerikanern machen, was man wolle, so die Analyse Ryans. Keine Reaktion auf die Angriffe, nur lasche und beschwichtigende Worte, dazu noch die Ankündigung, dass man das US Militär ausdünnen wolle. Für Paul Ryan ist die Sache klar, der Nahe Osten verlange die starke amerikanische Hand. Und mit Mitt Romney im Weißen Haus, werde man aufrüsten, auch wenn die eigenen Generäle das gar nicht wollen. Man werde sofort auf solche Attacken mit harter Hand reagieren. Und Israel werde auch und bedingungslos geschützt. Auch da sei Obama zu unklar, sprich „moslemisch“.

Romney und sein Co präsentieren sich als Hardliner im Wahlkampf. Obama sei eine Lusche und mache eh alles falsch. Die USA bräuchten wieder Führung im Weißen Haus, so wie damals als nach Jimmy Carter Ronald Reagan ins Oval Office einzog… und mit ihm ein sündhaft teurer und verhängnisvoller Kalter Krieg an allen Fronten.

Zu schnell geschossen, Mister Romney

Da dachte Mitt Romney, jetzt aber…und dann ging der Schuß nach hinten los. Romney wollte endlich außenpolitisch mit seinem Statement punkten, dass die Obama Administration nicht deutlich genug die amerikanischen Interessen im Nahen Osten vertritt und sich auch noch auf die Seite der Aggressoren stelle, anstatt schützend vor die amerikanischen Opfer. Doch Romney schoß zu schnell, noch bevor alle Fakten bekannt waren, noch bevor klar war, dass es bei dem Angriff auf das Konsulat in Bengasi auch Todesopfer gab. Selbst am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, einem Tag, an dem Amerika eigentlich zusammen rückt, politisierte der GOP Kandidat, versuchte einen politischen Vorteil aus einem Anschlag gegen die Vereinigten Staaten zu zu ziehen. Ein absolutes Eigentor des Republikaners.

Und auch einen Tag danach, als klar war, der Republikaner hat einfach überhastet und mit Übereifer reagiert, entschuldigte er sich nicht. Ganz im Gegenteil, Romney griff weiter Präsident Obama an und machte das Weiße Haus quasi mitverantwortlich für die Anschläge vom Dienstag. Doch genau diese Uneinsichtigkeit könnte ihm schaden, denn sowohl Demokraten wie auch zahlreiche Republikaner warfen Mitt Romney vor, mit seiner Äußerung erneut zu zeigen, keinen Plan von der Außenpolitik zu haben.

Die hat er wohl auch nicht. Seine Auftritte in London und nun seine Schnellschüsse lassen viele Wähler aufhorchen. Von einem besonnenen und kühl reagierenden Präsidenten scheint der Kandidat noch weit entfernt zu sein, und es sind nur noch 52 Tage bis zur Wahl. Mit dem Republikaner im Weißen Haus könnten keine guten Zeiten für Amerika im Ausland anbrechen.

 

Wo ist Waldobama?

MIA…Missing In Action. Barack Obama ist derzeit überall und nirgends. Man sieht ihn, man hört ihn, aber eigentlich nicht da und für was er eigentlich gewählt wurde. Obama beim Golfspielen, Obama bei netten Empfängen und am Donnerstag steht der St. Patrick’s Day an, also auch da wird gefeiert. Etwas unpassend war auch am Samstag seine „Weekly Radio Address“, die wöchentliche Radioansprache des Präsidenten. Sie drehte sich, nein, nicht um die Katastrophe in Japan, sondern um den Weltfrauentag….wichtig, aber wirklich so wichtig einen Tag nach dem verheerenden Erdbeben in Japan und dem brutalen Vorgehen von Gaddafis Truppen in Libyen in der vergangenen Woche?

Nicht nur die Republikaner werfen Barack Obama mittlerweile vor, dass er auf die dringenden Probleme keine Antworten hat und sie wohl lieber aussitzen möchte. Vom Weißen Haus hatte man eine klare Haltung bezüglich der Situation in Nordafrika und im Nahen Osten erwartet. Fehlanzeige! Das Erdbeben, der Tsunami und nun die Gefahr eines Super-Gau…auch hier ist Obama auffallend unauffällig. Vielleicht meint der „leader of the free world“, dass, wenn er eher abtaucht ihm niemand Fehlverhalten vorwerfen kann. Ich weiß, vieles geschieht ja in geheimen Gesprächen, in Hinterzimmern und durch diplomatische Kanäle. Aber so abwesend war schon lange kein amerikanischer Präsident mehr vom Tagesgeschehen, wie derzeit Obama. Zumindest nicht seit George W. Bush. Doch auch der lernte sehr schnell, dass Fernsehbilder von seinen entspannten Aufenthalten auf seiner Ranch in Texas nicht so gut beim Volk ankommen, während im Irak und in Afghanistan junge Soldaten verheizt werden.

Also, wo ist Obama?

Mann mit Durchblick

John Bolton nervt. Er ist der frühere UN Botschafter der Vereinigten Staaten unter Präsident Bush. Jener Bolton, der der Welt Horrorszenarien aus dem Irak unterschob. Er quasselte von Aufrüstung, Massenvernichtungswaffen und geheimdienstlichen Informationen. Am Ende, das wissen wir nun alle, war alles Lug und Trug was dieser Diplomat und seine Regierung der Welt auftischten.

Und dieser John Bolton ist gern gesehener Gast beim konservativen Fernsehnetwork FOXNews. Dort lässt er sich mit „Mr. Ambassador“ ansprechen und faselt von Außenpolitik und innerer Sicherheit, weil er ja soooo viel Erfahrung in dem Bereich hat. Und nun setzt er noch eins drauf. In einer Kolumne für NYDailyNews.com wettert er gegen Präsident Obama, dass der überhaupt keinen aussenpolitschen Plan bei den Massenprotesten in Tunesien, Ägypten und Lybien habe. „Hatten wir adäquate geheimdienstliche Informationen über das, was passieren wird? Die offensichtliche Antwort ist „Nein“, und das grundsätzlich.“ Hallo! Ich glaub‘ es hackt…. Obama und Amerika waren zweifellos etwas überrascht von den Ereignissen in Nordafrika. Aber jemand, der die Weltöffentlichkeit mit Schwachsinnsinformationen in einen Krieg getrieben hat, sollte mal lieber schön ruhig sein.

„Waren wir darauf vorbereitet amerikanische Bürger zu beschützen, in dem Land oder durch notwendige Evakuierung?“ Auch da sollte sich Herr Bolton mal lieber durch den mächtigen Schnauzer kraulen, denn seine Regierung hatte auf sowas überhaupt keinen Wert gelegt und lieber so einigen Nationen Feuer unterm Allerwertesten gemacht und damit Amerikaner weltweit gefährdet.

Dann holt John Bolton noch weiter aus. Präsident Obama habe überhaupt keine Ahnung, erklärt der frühere UN Botschafter. Was macht der da eigentlich im Weißen Haus? Und auch andere Republikaner und denen nahestehende Medien schlagen einfach mal drauf auf Klein-Barack. Mitt Romney, schon jetzt heißblütiger Anwärter auf die republikanische Präsidentschaftskandidatur, meint denn auch, Obama habe keinen blassen Schimmer von der Wirtschaft. Er, ja, er und nur er könne Amerika wieder voran bringen. Gleichzeitig wird berichtet, dass Barack Obama süchtig nach Golfspielen sei und in seiner Amtszeit schon 60 mal auf dem Golfplatz stand. Pro Spiel müssten vier Stunden veranschlagt werden + An- und Abreise, heißt, während amerikanische GIs im Irak und Afghanistan für ihr Land sterben, ballert der „Commander in Chief“ den Ball übers Grün. Vergessen wird auch hier, dass sein Vorgänger Präsident George W. Bush lieber auf seiner Ranch in Texas das Unkraut jäten und die Büsche stutzen war, als sich in Washington um das Tagesgeschehen zu kümmern. Und dessen Vorgänger Bill Clinton, tja, man denke nur an Zigarre und an ein blaues Cocktailkleid.

Wenn ich so drüber nachdenke…John Bolton sollte wahrlich ruhig sein. Doch auch für viele andere im amerikanischen Politzirkus wäre es wohl besser, wenn sie nicht mit dem Finger in der Gegend rumzappeln würden.