California here I come

Ich hab‘ Rücken. Dazu gab es noch Ebola Warnung. Jeder, dem ich von einem Magen-Darm-Virus erzählte, gepaart mit der Tatsache, dass ich in Afrika war, ging gleich mal zwei Schritte rückwärts. Auch wenn es im Tschad kein Ebola gibt, auch wenn sogar der Ansprechpartner am „Kompetenzzentrum“ in München, das ich auf ärztliches Anraten kontaktierte, mich gleich unterbrach und sagte „Sie haben kein Ebola“. Afrika und Durchfall heißt in diesen Tagen Ebola. Punkt.

Auf dem Weg nach Kalifornien.Mit Swiss Air ging es zurück ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Viele Möglichkeiten hat man jedoch nicht auf dem Flug, man ist für 12 Stunden quasi an den Sitz gefesselt. Wenn der Vordermann die Rückenlehne zurück setzt, stößt man sich den Kopf. Meine Rückenlehne ging zurück und hinter mir war eine ältere Frau mit Blasenschwäche, die ständig monierte, ich solle die Lehne vor machen, da sie auf die Toilette müsse und so nicht von ihrem Platz kommt. Ein vor und zurück also über den Wolken. Film schauen ging auch nicht so richtig, denn zum einen hat man den Monitor quasi an der Nasenspitze hängen, zum anderen ist auch bei der Lufthansatochter Swiss der Sparwahn ausgebrochen und Filme werden nicht mehr so oft ausgetauscht. Ich hatte das, was ich interessant fand, schon auf dem Hinweg vor vier Wochen gesehen.

Der Platz im Flieger wird enger und enger. Der Beinraum wird noch durch eine metallene Box beschnitten, die einfach unter den Sitz des Vordermanns geschraubt wurde. Auch schön. Egal wie man sich auch setzt und dreht, 12 Stunden hält man es in diesen dünnen Sitzen nicht aus. Also, der Urlaub oder die Reise fängt mit Sicherheit nicht mehr am Flughafen an. Wer das dennoch behauptet, hat entweder kein Gefühl im Gesäß, ist auf Drogen, Fesselungsfetischist oder gehört zur körperlich kleineren Bevölkerungsgruppe.

Das Fliegen, ich rede hier ausdrücklich nur von der „Economy Class“, ist zu einer Tortur geworden. Und zwar, wenn man größer als 1,65 Meter ist und mehr als 65 Kilogramm wiegt. Da haben wir wohl auch wieder das alte Problem. Anscheinend werden nun auch die Flugzeuge, oder zumindest Teile der Innenausstattung, in China produziert. Die nehmen dann die chinesischen Normalgrößen als Grundlage für ihre Bemessungen. Ist genauso, wie wenn ich mir ein XL T-Shirt „Made in China“ kaufe, das spannt dann etwas im Arm-, Schulter- und Brustbereich und ist bauchnabelfrei. Sehr attraktiv. Und im Flugzeug ist es eben auch so, die Sitze sind nicht mehr für Ottonormalverbraucher sondern für Dengchongping ausgelegt. Selbst wenn ich mit angelegten Ellenbogen das Essen vor mir verzehre, stoße ich dem Nachbarn in die Seite. Auf dem Weg zur Bordtoilette kann ich nur noch seitlich gehen, so eng ist der Gang geworden. Die Toilettenräume sind für Häftlinge in San Quentin ausgelegt, die jahrelanges Training in der Unterbringung auf engstem Raum haben. Und sicherlich ist das alles EU Norm und vom Gesetzgeber abgenickt. Ich weiß, ich weiß. Und klar, billig ist das alles nicht mehr. Heute zahle ich dreimal so viel für einen Flug SFO – NUE, wie noch vor zehn Jahren. Aber irgendwie muß ja die Pilotenrente ab 55 bezahlt werden. Über den Wolken, ist von einer grenzenlosen Freiheit nichts mehr zu spüren.

Amerika „Made in China“

Was für eine blöde Diskussion wird denn da gerade vom Zaun gebrochen? Demokraten und Republikaner in Washington regen sich auf, dass die Uniformen des US amerikanischen Olympiateams in China geschneidert wurden. Und die, die sich hier echauffieren sind noch nicht mal Hinterbänkler und versuchen das Sommerloch zu nutzen, um ihren Namen auch mal gedruckt zu sehen. Nein, es sind solche „Führungskräfte“ wie Senator Harry Reid („alles auf einen Haufen und verbrennen“), Kongressabgeordneter Steve Israel („einfach nur dumm“), Nancy Pelosi („sie sollten Uniformen „Made in USA“ tragen“), John Boehner („man würde hoffen, sie wüßten es besser“). Lediglich Präsident Barack Obama und sein Kontrahent Mitt Romney ließen sich nicht aufs Glatteis führen und meinten jeweils ganz vorsichtig, vielleicht könnte man beim nächsten mal darauf achten.

Die Diskussion ist unsinnig und zeigt nur, dass das politische Establishment in Washington einfach keinen Bezug mehr dazu hat, was da draußen passiert. Die Herren Reid und Madame Pelosi kaufen sicherlich in exklusiven Boutiquen ein, da stellt sich die Frage (noch) nicht. Aber wer heute als Normalsterblicher und ohne Privilegien und dickem Geldbeutel in den USA T-Shirts, Hosen, Pullover, Jacken einkauft, der kommt fast nicht drum herum „Made in China“ oder „Made in PRC“ zu erwerben. Man kann schon froh sein, wenn man was zum Anziehen findet, was auf dem nordamerikanischen Kontinent, südlich der Grenze in Mexiko produziert wurde. Die großen amerikanischen Bekleidungsunternehmen, vom Sportartikelhersteller Nike bis zum Jeansproduzenten Levi’s lassen alle schon lange nicht mehr in den USA nähen.

Es gibt nur noch wenige Bekleidungsfirmen, die in Amerika produzieren, darunter „American Apparel“, „New Balance“ und „Carharrt“. Und selbst die lassen schon einen Teil ihres Angebotes in Übersee nähen. Politiker in Washington fordern Jobs für Schulabgänger und High School Absolventen. Doch haben genau jene Politiker über die Jahre ganze Industriezweige mit ihren Entscheidungen abgeschafft und ausgelagert. Das kapitalistische System Amerikas beruht auf Gewinnsteigerung. Und es ist heute für eine amerikanische Firma billiger im fernen China T-Shirts und Hosen produzieren und dann die gefüllten Container quer um die Welt zurück in die USA  schippern zu lassen, als die Klamotten hier im eigenen Land herzustellen. Das ist die Rechnung eines US Unternehmens. Dabei geht es nicht um soziale Folgekosten und gesellschaftliche Verantwortung im eigenen Land, um Arbeitsrechte an den Produktionsstätten, nicht um umweltpolitische Bedenken. Wichtig ist nur, was für Firmenleitung und Aktionäre am Jahresende ausgezahlt wird.

Firmen wie WalMart machen damit Werbung, dass eine Familie, die regelmäßig bei ihnen einkauft pro Jahr rund 2500 Dollar sparen wird. Einfach, weil die Produkte billiger als bei den Konkurrenten sind. Vergessen und nicht erwähnt wird dabei, dass das System WalMart auf Produkten „Made in China“ aufbaut. Auf Produkten, die nicht mehr von amerikanischen Arbeitnehmern zusammengebaut, genäht, erstellt werden. Und da beginnt der Teufelskreis. Familien müssen sparen, kaufen billig ein, achten nicht darauf, was sie da erwerben und zerstören damit genau die Jobs, die sie oftmals gehabt haben. Ein irres System, über das unsinnigerweise auch im diesjährigen Wahlkampf gesprochen werden wird. Romney, der eiskalte Kapitalist und Obama, der als Demokrat auch nicht gerade viel besser ist.

Ein Unternehmenssprecher von Ralph Lauren, die die diesjährigen Olympia Uniformen entworfen haben, kündigte an, in Zukunft wieder in den USA zu produzieren. Zumindest diese Uniformen für die Olympiamannschaft. Wir anderen müssen uns mit „Made in China“ zufrieden geben. Oder, vielleicht sollte man beim Einkaufen doch mal genauer auf die Etiketten schauen. Es lohnt sich!

Heul halt!

Da werden nun so manche Blagen in San Francisco heulen. Denn die bösen Onkels und Tanten Supervisors haben am heutigen Dienstag mit 8:3 endgültig beschlossen, dass keine Spielzeuge mehr in die „Happy Meals“ von Fast Food Restaurants reingepackt werden dürfen. Wenn die „fröhlichen“ Menus mehr als 600 Kalorien, 35 Prozent der Kalorien von Fett oder mehr als 640 Milligramm Salz enthalten, dann kommt kein Spielzeug mehr in die Tüte. Also, jedes dickliche Kind, das Burger und Fritten verspeisen will, darf nun dabei nicht mehr mit dem ach-so-tollen Plastikkram „Made in China“ spielen. Ich hör das Geflenne jetzt schon…nix mehr mit „Happy Meal“.

Die Supervisors in San Francisco haben damit wahrlich ein deutliches Zeichen gesetzt. Als erste amerikanische Stadt haben sie damit das „Happy“ aus dem „Happy Meal“ genommen. Wenn man dick ist hat man keinen Spass zu haben, und schon gar nicht, wenn man so ein laufender Meter ist. Mit dieser Politik wird garantiert der Hüftspeck verringert. Die Kleinen werden fortan Möhrensaft statt Milchshake schlürfen, Bärlauch statt Burger verzehren und Fenchel statt Fritten genießen…natürlich mit Soja-Mayo und Tomatenketchup aus kontrolliert organischem Anbau.

Amerikaner und vor allem amerikanische Kids sind zu dick. Das ist klar und unumstritten. Also was tun, ist doch klar, es wird nicht mehr gespielt beim Essen. Nun werden Burger, Fritten und Shake genossen. Hat schon meine Großtante gesagt: Bei Tische sind die Kinder so ruhig wie die Fische.

Wie heißt dann eigentlich das „Happy Meal“, wenn kein Spielzeug mehr drin ist? „Salzige Kalorienbombe“ wäre mein Vorschlag…

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