Nicht jeder Tote ist ein guter Toter

Zombies und Geister, Erhängte und Massenmörder. An Halloween laufen Armeen von „Untoten“ durch die amerikanischen Straßen. Alles was blutig, brutal und bescheuert ist und sein könnte, wird in Kostümen dargestellt. Die 22jährige Alicia Ann Lynch aus Michigan dachte sich, da kann man kreativ sein, quasi tagesaktuell und dem ganzen Blutrausch am 31.10. noch einen draufsetzen. Sie beschloß, sich als Opfer des Terroranschlags beim diesjährigen Boston Marathon zu verkleiden. Mit Blut, blauen Flecken und im Sport Outfit.

Lynch stellte einige Bilder online, wie sie lachend an ihrem Arbeitsplatz im Schockeroutfit posierte. Und dann begann der „Shitstorm“. Über Twitter wurde sie massiv angegangen. Ihr Geschmacklosigkeit und Unsensibilität vorgeworfen. Einige Nutzer fanden online ihre Adresse, die ihres  Arbeitgebers, ihres Elternhauses und schickten Hassmails und Morddrohungen. Sogar Nacktbilder von Alicia Ann Lynch wurden entdeckt und weiter verbreitet.

Die junge Frau war mehr als überrascht von den Reaktionen und versuchte in Stellungnahmen zurück zu rudern, sich zu erklären, verwies darauf, dass sie ja „nur“ als „Überlebende“ des Anschlags verkleidet war und nicht als ermordetes Opfer. „Ich bin kein schlechter Mensch“, schrieb sie. Doch all das half nichts mehr. „Ich habe Voicemails bekommen, in denen mir Leute androhten, mir die Kehle durchzuschneiden, mich aufzuhängen, mein Gesicht zu zerstückeln“, erklärte sie schockiert. Und schließlich wurde ihr auch noch gekündigt, als ihr Arbeitgeber von den Photos erfuhr.

Unterdessen hat eine erneute Diskussion in den USA zu „Cyber Bullying“ begonnen. Dieser Fall wirft die Frage auf, wie weit darf Kritik gehen, wann werden Grenzen online überschritten?

 

 

 

 

Amerika steht Kopf

„Wir sind erst einmal Amerikaner, bevor wir Republikaner oder Demokraten sind“, das sagte Präsident Barack Obama unmittelbar nach dem gestrigen Anschlag in Boston. Damit wollte er deutlich machen, dass Amerika geeint ist, dass man an die Opfer und deren Familien denkt, dass nun gemeinsam alles getan werden wird, um die Täter zu fassen. Tja, die Einheitsfront „Made in USA“ dauerte noch nicht mal einen Tag. Schon ging es los mit den Anfeindungen.

Demokraten beschuldigten Republikaner, aufgrund deren Blockadehaltung im Haushaltsstreit, seien wichtige Gelder für die Polizei und Ermittlungsbehörden gekappt worden. Natürlich habe das nicht direkt zum Terrorakt geführt, aber es hätte im Vorfeld des Marathons durchaus Einsparmaßnahmen gegegeben. Die Republikaner hingegegen sehen den schwarzen Peter eher in der Hand von Obama, der mit seinem Starrsinn die nationale Sicherheit Amerikas gefährde.

Und die konservativen Talk-Sendungen hatten ein volles Programm am heutigen Tag danach. Talk Show König Rush Limbaugh zeigte sogar Verständnis für den Fall, wenn der Täter wirklich Amerikaner gewesen sei. Wörtlich sagte er: „Ich glaube man sollte nicht verwerfen, dass wir in diesem Land in einem wirtschaftlichen Desaster sind. Es gibt Leute, die einfach nicht mehr weiter wissen. Sie finden keine Arbeit, keinen Job, keinerlei Hoffnung. Das führt zu allerlei Ärger und Chaos.“ Also, nach der Logik von Rush Limbaugh ist es also nur eine Frage der Zeit, bis ein Teil der Amerikaner los schlägt. Bewaffnet sind sie ja, dafür palavert Limbaugh ja schon lange genug.

Andere konservative Moderatoren, wie Bill O’Reilly oder Sean Hannity, machten „nur“ die „liberalen“ Medien dafür verantwortlich, dass nun eine politische Diskussion losgetreten wurde. Die „Libs“ wollten einfach einen Nutzen aus dem Attentat ziehen.

Der Anschlag in Boston hätte für Barack Obama zu keinem schlimmeren Zeitpunkt kommen können. Das fünfte Jahr der Präsidentschaft, das erste Jahr nach der Wiederwahl, sind die 12 Monate, in denen der Präsident wirklich was entscheiden kann. Quasi sich in die Annalen der Geschichte einschreiben. Obama hatte viel vor. Die Waffengesetze verschärfen, eine Reform des Einwanderungsgesetzes durchpauken, die gleichgeschlechtlichen Ehen im Bundesgesetz zu verankern. Daneben noch den Haushalt in ein günstiges Fahrwasser bringen und den Krieg in Afghanistan auslaufen lassen. Damit hätte Obama viel erreicht. Doch nur einen Tag nach dem Attentat ist klar, es wird schwer, verdammt schwer für all diese Ziele. Nun konzentriert sich alles wieder auf die nationale Sicherheit, auf den Terrorismus, auf die Frage, wer patriotischer als sein Nachbar ist.

Teile der GOP haben bereits erklärt, erst einmal die „Immigration Reform“ neu überdenken zu müssen. Denn falls es zutreffe, dass ein ausländischer, sprich saudiarabischer Student für den Anschlag verantwortlich zu machen sei, müßte alles neu formuliert werden. An Waffengesetze und an Schwulenehe ist zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht zu denken. Obama läuft die Zeit davon, denn 2014 wird er nur noch ein Präsident auf Abruf sein. Die Kongresswahlen stehen dann im November an und die ersten Kandidaten auf beiden Seiten werden sich ins Rampenlicht rücken. Da ist kein Platz mehr für die politischen Ideen eines Barack Obama.

Boston und was kommt danach

Der Anschlag von Boston zeigt, dass der sogenannte „War On Terror“, der Krieg gegen den Terrorismus, nicht gewonnen werden kann. Gegen Terror aus dem Ausland oder dem Terror von innen. Zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht klar, wer hinter der blutigen Tat steckt, nur eins ist klar, der Boston Marathon war ein symbolträchtiges Ziel. Es handelte sich nicht um eine Militäreinrichtung, die auf irgendeine Art und Weise in den Kriegen im Irak und Afghanistan verwickelt ist. Es wurde auch kein Politiker, kein Liberaler, kein Hardliner getroffen. Keine Abtreibungsklinik war das Ziel und auch kein Richter, der in der Vergangenheit  gleichgeschlechtlichen Partnern das Recht auf Ehe zugesprochen hat. Die Bomben gingen in keinem Schwulenclub und auch auf keinem Schießplatz hoch. Keine Ölfirma und kein Tierversuchslabor wurden getroffen.

Nein, es wurde eine Sportveranstaltung gewählt, an der Zehntausende teilnahmen. Profiläufer und Freizeitsportler. Alte und Junge, Familien und Kinder. Und das an einem Feiertag, an dem klar war, Familien würden am Rand des Geschehens sein, ihren Freunden, Vätern, Müttern, all den Läufern zujubeln. Egal wer hinter diesem Terroranschlag steckt, egal, ob die Bombenleger gefasst und abgeurteilt werden, die Täter haben ihr Ziel erreicht. Amerika wurde im Herzen getroffen. Denn eins ist klar nach diesem 15. April 2013, nirgends in den USA ist man mehr vor einem Bombenanschlag sicher. Da werden auch die nun gesteigerten Sicherheitsmaßnahmen im ganzen Land nichts helfen. Denn auf die Dauer, und da sollte sich niemand etwas vormachen, sind sie unbezahlbar. Die Terroristen haben gezeigt, Amerika ist verwundbar.

Schwergewichtig ins Ziel

181 Kilogramm bringt Kelly Gneiting auf die Waage. Der Mann ist dick, ein richtiger Koloss. Doch all das Gewicht hält ihn nicht zurück Sport zu treiben. Er ist ein bekannter Sumo Ringer in den USA. Aber irgendwie wollte er einen neuen Kick und sich und anderen beweisen, dass man auch als Dicker einiges leisten und beweglich sein kann.

Und das hat Kelly Gneiting nun gemacht. Er beendete seinen zweiten Marathon. Nicht gerade in der Wettkampfbestzeit, aber für ihn mehr als akzeptabel: 9 Stunden, 48 Minuten und 52 Sekunden brauchte er für die Strecke des Los Angeles Marathons. Damit unterbot er seine eigene persönliche Bestmarke um zwei Stunden. Und Gneiting setzte auch noch einen Weltrekord obendrauf, als schwerster Mensch, der je einen Marathon beendet hat. Der bislang gewichtigste Läufer lag bei 125 Kilogramm.

Der Lauf war nicht so einfach für ihn, teils joggte er, teils spazierte er die Strecke entlang, aber er sagte sich die ganze Zeit; „auch wenn ich über die Ziellinie kriechen muß, ich schaffe das.“ Am Ende der 42,195 Kilometer war Kelly Gneiting schon wieder zum Spaßen aufgelegt. „Ich möchte mal den Kenianer sehen, wie der zwei Stunden über seiner Bestzeit liegt“. Die nächste Herausforderung wartet auch schon auf ihn. Er will den Ärmelkanal durchschwimmen.