Mr. President, you’re the best!

Ein Buch, ein Leitartikel und schon steht das Weiße Haus in Flammen. Diese Woche lief nicht gut für Donald Trump, bis auf den gestrigen Abend, da ließ sich der Präsident wieder einmal auf einer seiner Jubelveranstaltungen feiern. Tausende huldigten ihm, Trump genoss sichtlich das Bad in der Menschenmenge.

Donald Trump vergisst im Menschenbad die Probleme daheim. Foto: Reuters.

Vergessen waren für eine kurze Zeit die Sorgen, wer im Weißen Haus, in seiner Administration mit Pressevertretern spricht, wer der New York Times erklärte, es gebe eine geheime Widerstandsgruppe im „White House“, die gegen ihn und seine folgenreiche Politik arbeite. Nachdem die ersten Informationen über das Buch von Investigativreporter Bob Woodward bekannt wurden, antwortete Trump mit Vertrauensbekundungen seiner „Generäle“ Mattis und Kelly. Beiden wird in dem Buch nachgesagt, sie hätten deutliche Kritik am Präsidenten geäussert. Beide ließen in dieser Woche verlauten, das stimme nicht. Der angesehene Washington Post Journalist Woodward habe sich die Geschichte selbst zusammen gereimt. Alles Lüge, alles „Fake News“.

Nur einen Tag später veröffentlichte die New York Times einen Beitrag eines anonymen Autors, der angeblich im Weißen Haus arbeitet und das bestätigt, was Woodward in seinem Buch beschreibt – eine Gruppe von Insidern, die gegen Trump arbeitet oder ihn zumindest im Zaum halten will. Der Präsident tobte, sprach von Verrat und Gefährdung der nationalen Sicherheit. Vize-Präsident Mike Pence gab schriftlich eine Erklärung ab, dass er nicht der Autor der Zeilen sei und verlangte auch von anderen in der Administration solch eine Gelübde abzulegen.

Keiner will es also gewesen sein, keiner will mit Bob Woodward gesprochen haben. Und das passt ins Bild dieser Administration und des politischen Washingtons. Wer mit Trump zurecht kommen will, der muss ihm huldigen, ihn preisen, als großen und einzigartigen Präsidenten, der historische Taten leistet, Amerika wieder „great“ macht, Amerika wieder an erster Stelle stellt und den Ruf Amerikas in der Welt erhallen läßt. Selbst einst kritische Senatoren, wie Lindsey Graham, der Trump als „unfit“, also als ungeeignet einstufte, schwärmt und verteidigt nun den Präsidenten. Auch andere, wie Marco Rubio, Ted Cruz und Rand Paul loben Trump immer wieder über den Klee, und das, obwohl sie noch vor kurzem schärfste Kritiker des Kandidaten und Präsidenten Trump waren.

Es sieht danach aus, als ob sich so einige in Washington und im Weißen Haus selbst „ihre“ Strategie im Umgang mit Trump zurecht gelegt haben. Augen zu und durch, Trump loben, im Honig ums Maul schmieren und hoffen, dass es am Ende nicht so schlimm sein wird. Das ist naiv, das ist opportunistisch, das ist schlichtweg dumm, denn den Schaden, den die Trump Administration anrichtet, wird über Jahre hinaus zu spüren sein. National und international sind schon jetzt fatale Konsequenzen der Politik zu sehen und zu spüren, die nichts, aber auch rein gar nichts mit „Make America Great Again“ zu tun haben. Man kann nur hoffen, dass die Wählerinnen und Wähler sich an all jene erinnern, die Trumps Politik mit möglich und mit unterstützt haben.

„Lyin‘ Ted“ und Donalds Tweet

Im Wahlkampf 2016 machte sich Donald Trump über so manchen Gegner lustig. Jeb Bush hatte „low energy“, Marco Rubio war zu klein („little Mario“), Bernie Sanders war für Trump nur „Crazy Bernie“ und natürlich gab es da auch „Crooked Hillary“. Einer aus der eigenen Partei, der bis zum Schluß sein Fett abbekam war „Lyin‘ Ted“, damit gemeint war der texanisch-republikanische Senator Ted Cruz. Beide schenkten sich im Wahlkampf nichts, doch vor allem Trump griff Cruz immer wieder auf Twitter an. Unbarmherzig, brutal und frontal.

Foto: GoFundMe.

Nach der erfolgreichen Wahl von Donald Trump wurde das Geschimpfe begraben, nun war man wieder beste Freunde. Allerdings haben so einige die bitteren und beleidigenden Worte von Trump in Richtung Ted Cruz nicht vergessen. Einer davon Antonio Arellano, ein Aktivist aus Houston, der kurzerhand eine GoFundMe Seite online stellte, um seine Idee einer großen Billboard-Tafel zu verwirklichen. Und die soll nun schon bald genau dort stehen, wo Präsident Trump schon bald  für seinen Senator Ted Cruz im Wahlkampf auftreten will. Cruz muss sich nämlich einer Wiederwahl stellen und sein Sieg im November ist nicht sicher. Man kann sich also fragen, wie die Wählerinnen und Wähler darüber denken, wenn Trump für Cruz wirbt, wenn er noch vor kurzem über ihn sagte, dass Ted Cruz eigentlich so rein gar nichts für die Texaner erreicht hat, „all talk, no action“!

Er regiert nur für sie

Man stelle sich vor, Bundeskanzlerin Angela Merkel würde behaupten, ihre Unterstützer seien die klügsten, stärksten, am härtesten arbeitenden und loyalsten, die Deutschland je gesehen hätte. Wie lange würde es wohl dauern, bis ein Aufschrei durchs Land gehen würde?

Anders ist das in den USA. Es scheint, man hat sich an die Entgleisungen von Präsident Donald Trump schon gewöhnt, der in diesem Tweet mal wieder ganz deutlich macht, dass er nicht der Präsident aller Amerikaner ist, sondern vielmehr nur für seine politische Basis regiert. Und das sind nach wie vor rund 28 Prozent der Wählerinnen und Wähler. Trump kann auf seine Unterstützer bauen, die seinen „MAGA“ und „America First“ Rufen blind folgen, seine Tweets als „präsidial“ verehren, keine Kritik an diesem eher unkonventionellen Präsidenten zulassen.

Amerika war schon lange gespalten, auch schon vor Donald Trump. Doch mit dem New Yorker Geschäftsmann und Selbstdarsteller in Amt und Würden haben sich die Gräben im Land noch weiter vertieft. Und nicht nur das, sie sind unüberbrückbar geworden. Warfen viele in der republikanischen Partei dem Amtsvorgänger Barack Obama Unerfahrenheit und Naivität vor, schwärmen sie nun von Trump davon, wie er unvorbereitet und ohne Feingefühl auf der internationalen Bühne agiert. Er gehöre nicht zum Washington Establishment, sei ein politischer Außenseiter, spreche die Sprache des Volkes (bitte welches Volkes?). So wird jedes Fettnäpfchen entschuldigt, in das Trump absichtlich hineinstapft.

Der Iran-Deal unter Obama war in den Augen Trumps und seiner Unterstützer der schlimmste Deal aller Zeiten, der Nordkorea Deal hingegen sei ein Meilenstein für den Weltfrieden. Trump huldigte in der vergangenen Woche Diktator Kim Jong-Un als „talentiert“, „klug“, „witzig“, als jemanden, der sein Land liebt. „Die großen Gewinner“ seines Deals, so Trump, seien die vielen Internierten in Nordkorea (!). Das ist schon sehr gewagt und zeigt nicht gerade geschichtliches oder diplomatisches Feingefühl. Der Handschlag mit Kim Jong-Un wurde gefeiert, als Obama Kubas Präsident Raúl Castro die Hand reichte, wetterten die Republikaner, Obama denke nicht an die vielen politischen Häftlinge und das Unrecht auf dem Inselstaat. Obamas Verbeugung vor Königen wurde angegriffen, Trumps Salut eines nordkoreanischen Generals verteidigt.

Trump ist genau das und macht genau das, was die Republikaner Obama vorwarfen. Doch nun wird eben genau das gefeiert, was zuvor noch angeprangert wurde. „Unsere Verbündeten trauen uns nicht, unsere Feinde fürchten uns nicht und die Welt weiß nicht, wo Amerika steht“. Dieser Satz könnte die aktuelle Situation um Donald Trump beschreiben, tut sie aber nicht. Vielmehr stammt dieser Satz  von Marco Rubio aus dem Jahr 2015 und sollte die Politik Obamas umschreiben. Von Rubio hat man bezüglich Trump bislang wenig gehört.

 

Der König feiert sich selbst

Nach dem G20 Treffen feiert sich Donald Trump selbst und lässt sich feiern. Alles sei „great“ gewesen, er habe für Amerika gekämpft. Und auch einige im republikanischen Lager sehen das so, priesen den „Commander in Chief“ als großen Führer und dankten ihm für seine Rolle in Warschau und Hamburg. Der Schocker kam vom früheren Senator Bob Dole, der die Amerikaner in einer Stellungnahme dazu aufforderte „stolz“ auf Donald Trump zu sein. Nun sei es Zeit gemeinsam die Probleme der Welt anzugehen. Natürlich schmeichelte das Trump und er gab diesen Brief nur zu gerne via Twitter an seine „Follower“ weiter.

Auch bei FOXNews blies man größtenteils ins Trump-Horn. Dort hieß es, das Russland Kapitel sei nun abgeschlossen, wenn die Demokraten da weiterhin dranblieben, hiesse das, sie wollten wohl einen Krieg mit Russland. Trump selbst präsentierte seine Unterhaltung mit seinem russischen Kollegen als produktiv, gemeinsam wolle man nun Cyber-Angriffe verhindern. Diese Forderung allerdings brachte den Senator Marco Rubio auf die Florida Palme. Dann könnte man ja auch gleich mit dem syrischen Präsidenten Assad eine Task Force zur Verhinderung des Einsatzes von chemischen Waffen aufbauen. Aufgestoßen ist allerdings einigen bei Demokraten und Republikanern, dass Ivanka Trump am Tisch der Mächtigen Platz nahm, als Donald Trump den Raum verließ. Gefragt wurde, was wohl passiert wäre, wenn Bill Clinton seinerzeit bei einem solchen Treffen seine Tochter Chelsea dort platziert hätte. Trump sei ein diplomatischer Tölpel, das habe dieser Zwischenfall erneut gezeigt.

Trump konnte es am Sonntag auch nicht lassen mal wieder gegen seinen Amtsvorgänger Barack Obama zu pöbeln. Der hätte nichts gegen die Cyber-Angriffe unternommen, obwohl er davon gewusst habe. Trump bleibt Trump, vor und eben auch nach dem G20 Gipfel

Marco bleibt in Florida

Florida, Ohio, Illinois, North Carolina, Missouri. Fünf Wahlen, zwei Sieger und die heißen wieder Donald Trump und Hillary Clinton. Auf zwei Wahlgänge wurde am Dienstag besonders geachtet, Florida und Ohio. Aus dem einen Bundesstaat kommt Senator Marco Rubio, aus dem zweiten Gouverneur John Kasich. Und für beide waren Siege lebenswichtig, um überhaupt noch eine Berechtigung zum Weitermachen zu haben. Kasich siegte in Ohio, Rubio ging unter. So deutlich, dass der Senator schon kurz nach den ersten Hochrechnungen das Ende seines Wahlkampfes verkündete. Marco bleibt also gleich in Florida.

Marco Rubio kann am Mittwoch in seinem Bett in Miami ausschlafen. Foto: Reuters.

Marco Rubio kann nun in seinem Bett in Miami ausschlafen. Foto: Reuters.

Der strahlende Sieger – mal wieder – Donald Trump. Dem konnten weder Kloppereien auf seinen Veranstaltungen, Tausende von Gegendemonstranten noch Dutzende von Anti-Trump Werbeclips und eine immer größer werdende politische Gegenfront etwas anhaben. Vier der fünf Wahlen gingen an ihn. Die Republikaner sollten sich langsam aber sicher mit dem Supgergau in ihren Reihen abfinden. Donald Trump wird 2016 entweder der Kandidat der Lincoln- und Reagan-Partei oder es kommt zu einem Hinterzimmerdeal, der am Ende die Republikaner spalten wird. Beides wäre politischer Selbstmord.

Trump wird es wahrscheinlich nicht schaffen, die 1237 notwendigen Delegiertenstimmen noch vor dem Parteikonvent im Juli einzusammeln. Aber er wird mit einer deutlichen Führung nach Cleveland reisen. Das würde dann zu einem Parteitag führen, auf dem eine Entscheidung gefällt werden muß, und die ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.

Bei den Demokraten sieht nun alles nach Hillary Clinton als Kandidatin aus. Sie hat am heutigen Dienstag ihren Vorsprung deutlich ausbauen können. Mit den erklärten Superdelegierten hat sie nun mehr als doppelt so viele Stimmen wie ihr Herausforderer Bernie Sanders. Doch Clinton, das muß man offen und ehrlich sagen, hat sich in diesem Wahlkampf bewegt. Politisch ist sie auf Sanders zugegangen, hat viele seiner Themen aufgegriffen. Sie ist zur Kämpferin geworden, die das Ziel, das Oval Office, fest im Blick hat. Ein Bernie Sanders und schon gar nicht ein Donald Trump werden sie noch aufhalten. Dennoch liegt viel Arbeit vor ihr. In einigen Bundesstaaten konnte Sanders fast 90 Prozent der Erstwähler und jungen Wähler auf sich vereinen. Hillary braucht jedoch die massive Unterstützung aus dem Sanders Lager, um am Ende die erste amerikanische Präsidentin zu werden.

Trump marschiert weiter

Nur der Texaner Ted Cruz kann Donald Trum noch stoppen. Foto: Reuters.

Nur der Texaner Ted Cruz kann Donald Trum noch stoppen. Foto: Reuters.

„Ted Cruz hat in Maine gewonnen, denn das liegt ja gleich neben Kanada“. Ein typischer Trump-Satz in diesem wahnwitzigen Wahlkampf. So was hat Amerika und die Welt noch nicht gesehen. Am Abend stand es bei den Republikanern 2:2. Zwei Siege für Donald Trump (Louisiana und Kentucky, zwei Siege für Ted Cruz (Kansas und Maine). Marco Rubio und John Kasich lagen unter ferner liefen und müssen sich nun ernsthaft die Frage gefallen lassen, was sie eigentlich noch in diesem Wahlkampf wollen. Rubio tönt nach wie vor, er ist der einzige Kandidat, der die Partei gegen Trump einen kann. Das klingt ungefähr so überzeugend, wie wenn ich meinen fast 16jährigen Neffen, ein Leichtathletik-Ass, zum 1000 Meter Lauf herausfordere und ihm erkläre, ich war 1984 auf dieser Distanz Schulmeister an der Staatlichen Realschule Nürnberg. Einfach lächerlich! Kasich hingegen zielt wohl auf den Vize-Präsidentenposten ab, das will er mit einem Sieg im wichtigen „Swing-State“ Ohio beweisen.

Ab Ende März Ende werden zwei Kandidaten bis zum Wahlkonvent im Juli marschieren: Donald Trump und Ted Cruz. Zwei Persönlichkeiten, die keiner im republikanischen Establishment auch nur annähernd gut finden kann. Trump der Egomane, Cruz der christliche Fundamentalist. Beide vertreten nicht die Mehrheit der Partei. Zu lange hat man in der GOP zugeschaut, was da passiert. Das Ergebnis: auf dem Highway ist die Hölle los, doch in der Zentrale der Partei kam das nicht an. Dort hieß es nur, das richtet sich schon, das wird schon, kein Grund zur Sorge. Doch mit jeder Umfrage, mit jedem Wahlsieg von Trump und auch Cruz wurden die Sorgenfalten der alten Herren in der Grand Old Party tiefer. Und nun ist es zu spät. Die verbliebenen Rubio und Kasich, die in den Parteireihen als gemäßigt gelten, sind hoffnungslos abgeschlagen. Mit der zwangsläufigen Nominierung von Trump oder Cruz schwinden die Aussichten auf einen Erfolg in der Novemberwahl. Selbst dann, wenn die Kandidatin der Demokraten die verhasste Hillary Clinton sein wird. Amerika ist derzeit wahrlich „out of its mind“, doch trotz allem nicht bereit, einen Präsidenten Donald Trump oder Ted Cruz ins Oval Office zu schicken.

Die Implosion der Republikaner

Vor einem Jahr sah alles noch so gut aus. Die Republikaner feierten sich für ihr breites Kandidatenfeld. Etliche Gouverneure, Senatoren, Kongressabgeordnete und ein paar beliebte konservative Außenseiter wollten Präsidentschaftskandidat werden. Das republikanische Lager war hochmotiviert, aufgeladen, begeistert, „energized“. Ein Ende der Obama-Ära war in greifbare Nähe gerückt.

Der Ton wird rauher. Donald Trump und Marco Rubio werden keine Freunde mehr. Foto: Reuters.

Donald Trump und Marco Rubio werden keine Freunde mehr. Foto: Reuters.

Was dann folgte war so und in dem Ausmaß nicht abzusehen. Die Republikaner taumelten von einer negativen Schlagzeile zur nächsten. Einer nach dem anderen stieg aus dem Rennen aus, darunter Hoffnungsträger wie Scott Walker, Rick Perry, Chris Christie, Jeb Bush. Und alle blickten verduzt und verduzter auf den Überraschungs-Frontrunner Donald Trump. Der riss schon frühzeitig die Debatte an sich und bestimmte ganz nach Belieben die politische Diskussion in den Reihen der Republikaner. Die anderen lächelten und lachten anfangs nur, doch auf einmal lag Trump mit 20, 30, 40 Prozentpunkten in den Umfragen vorne. Seine skandalösen und zum Teil kindischen Forderungen kamen bei einem Teil der Wähler an.

Nach dem „Super Tuesday“, an dem Trump sieben von elf Wahlen für sich entscheiden konnte, wurden die Republikaner endlich wach. Trump geht gar nicht, hieß es auf einmal von allen Seiten. Doch das kam etwas spät, wenn nicht sogar zu spät. Nun wollen die Republikaner den Donald stoppen, nur wie, das weiß keiner. Alles läuft nun darauf hinaus, dass Marco Rubio und John Kasich ihre Bundesstaaten Florida und Ohio gewinnen. Nur so ließe sich Donald Trump noch aufhalten, was heißt, dass er bis zum Parteikonvent im Juli keine Mehrheit der Delegiertenstimmen auf sich vereinen kann. Erst dann und dort würde ein Kandidat gekürt werden. Die Hoffnung ist, ein anderer als Trump.

Doch bei all diesen Zahlenspielen gibt es viele Unsicherheiten. In den Umfragen liegt Trump nämlich in Florida und in Ohio noch vor Rubio und Kasich, in beiden Bundesstaaten wird übernächste Woche gewählt. Und der Ton verschärft sich bei den Republikanern, der blutige Grabenkrieg wird in aller Öffentlichkeit ausgetragen. Die amerikanische Fernsehnation wird derzeit allabendlich Zeuge, wie sich die Grand Old Party selbst zerfleischt und abschafft. Wenn die Demokraten eine andere Kandidatin als Hillary Clinton hätten, wäre die Wahl im November schon längst gelaufen. Doch Hillary wird von ihren Skandalen verfolgt, die ihr trotz der derzeit bestmöglichen Ausgangslage noch den Einzug ins Weiße Haus vermasseln könnten.

Republikaner gegen Trump

Das waren wirklich 24 fette Stunden. Ben Carson steigt aus, Mitt Romney und John McCain warnen das amerikanische Wahlvolk in sehr direkter Art und Weise vor Donald Trump und dann schießen sich die Moderatoren von FOXNews in der elften Debatte der republikanischen Kandidaten auf den Außenseiter und Milliardär ein. Nach dem Super-Tuesday wird Trump nun offen bekämpft. Er gilt als die größte Gefahr für die Republikaner in Washington DC.

"Ich habe keine kleinen Hände und auch nichts anderes, was klein ist", erklärte Donald Trump. Foto: Reuters.

„Ich habe keine kleinen Hände und auch nichts anderes, was klein ist“, erklärte Donald Trump. Foto: Reuters.

Vergessen ist die Tea Party Fraktion, die seit Jahren politische Entscheidungen blockiert. Ihr Grund, sie hassen ganz offen und ehrlich Präsident Barack Obama. Der wird mal als Sozialist, als Nazi, als unamerikanisch, als Nigger, als schwul, bisexuell, als Verräter, Callboy und Leichtgewicht bezeichnet, all das zählt nicht in den republikanischen Reihen. Große Aufregung darüber gibt es weder vom Establishment der Partei, nicht von den Verfassungsfetischisten in der GOP und auch nicht von den erzkonservativen Christen in den Reihen der Republikaner. Alles halb so wild, denn es geht ja gegen den ersten afro-amerikanischen Präsidenten, der noch nicht mal so richtig schwarz ist.

Nun also Trump, und ich will ihn wirklich nicht in Schutz nehmen. Aber was die Republikaner derzeit liefern, ist ein einziges Tohuvabohu. Man verweist bei der GOP immer auf die Partei von Lincoln und Reagan, doch seien wir mal ehrlich, die beiden Präsidenten würden sich im Grab umdrehen, um diesen Wahlkrampf nicht sehen zu müssen. Es ist ein kindisches Scharmützel, in dem der eine vom „kleinen Mario“ redet, der andere von Trumps „kleinen Händen“ und einem bei den Ausführungen des Texaners im Bund angst und bang‘ wird. Nur Ohios Gouverneur John Kasich macht da Sinn, doch der hat keine Chance.

Die Wahl in den republikanischen Reihen scheint zwischen Luzifer, Beelzebub und Mephisto zu sein. Am Ende wird einer der drei in den Wahlkampf ums Weiße Haus ziehen, der da wirklich nicht hingehört. Das klingt hart, aber Rubio, Trump und Cruz lassen all das vermissen, für was Amerika im Laufe der Geschichte steht. Der heutige Tag und die heutige Debatte haben das erneut ganz deutlich gemacht. Die Republikaner sind nur noch ein Verbund aus Splittergruppen, unfähig zu regieren, unfähig Kompromisse zu schließen, unfähig tiefe Gräben zu überwinden, unfähig dieses Land wieder zu einen und unfähig, eine Führungsrolle in der Welt zu übernehmen.

„Mal ganz logga bleim!“

Donald Trump hier, Donald Trump da. Doch Donald Trump ist noch lange nicht der Kandidat der republikanischen Partei. Auch, wenn das viele in Deutschland gerne sehen würden, denn das würde ihr Bild von den bekloppten Amerikanern bestätigen. Nach wie vor heißt es ja von Flensburg bis Garmisch, in den USA könnte auch Ronald McDonald oder Mickey Mouse gewählt werden.

Donald Trump sieht sich als "number one" in der Partei. Foto: AFP.

Donald Trump sieht sich als „number one“ in der Partei. Foto: AFP.

Klar, Trump hat am gestrigen Abend sieben von 11 Wahlen gewonnen. Die Liste sieht gut aus: Alabama, Georgia, Massachusetts, Tennessee, Virginia, Vermont und Arkansas. In New England genauso wie in den Südstaaten. Damit punktete der Milliardär bislang in zehn Bundesstaaten. Beachtlich, vor allem auch deshalb, weil niemand Trump das zutraute. Lange Zeit wurde er belächelt, nicht ernstgenommen, als Reality-TV Clown im seriösen Politgeschäft abgetan.

Der Donald hat in den letzten Monaten und Wochen den Republikanern vorgeführt, was für eine kaputte Partei aus der Lincoln- und Reagan-Partei geworden ist. Der „Grand Old Party“ laufen die Wähler weg. Sie setzen auf einen Außenseiter, der mit kräftigen Parolen als Heilsbringer gefeiert wird. Und das Establishment der Partei hat keine Antworten, wartete zu lange ab, in der Hoffnung, alles wird sich schon richten.

Donald Trump ist noch nicht der Kandidat der Republikaner. Er hat zwar siegen, aber sich nicht deutlich mit den erkämpften Delegiertenstimmen vom Feld absetzen können. Nach dem „Super-Tuesday“ hat er lediglich 316 Wahlstimmen für den Parteitag. Ted Cruz auf Platz zwei liegt mit 226 Stimmen durchaus in Reichweite dahinter. Doch aus der Parteizentrale kann man hören, dass die Wahl zwischen Trump und Cruz einer Entscheidung zwischen Erschießen und der Giftspritze gleichkomme. Danach kommen Marco Rubio mit 106, John Kasich mit 25 und Ben Carson mit 8 Stimmen. Bislang waren die Vorwahlen nicht nach dem Motto „the winner takes it all“, also der Sieger im Bundesstaat bekommt alle Wahlmänner gutgeschrieben. Das wird sich nun ändern und darauf bauen Trumps Kontrahenten und Parteigegner. Jetzt wird der Wahlkampf erst richtig dreckig, fies, brutal, eine Ansammlung von Anfeindungen, Unwahrheiten, Tiefschlägen, persönlichen Diffamierungen.

Trump ist also noch einholbar. Am Samstag geht es in Kansas, Kentucky, Louisiana und Maine an die Wahlurnen. Am kommenden Dienstag steht der dicke Brocken Michigan an und am 15. März die alles wohl entscheidenen Bundesstaaten Florida, Illinois, Missouri, North Carolina und Ohio. Alles entscheidend könnte dann aber auch heißen, dass keiner der Kandidaten, auch nicht Trump, die notwendigen 1237 Delegiertenstimmen für den Parteikonvent vom 18. – 21. Juli in Cleveland erhält. Ohne Mehrheit eines Kandidaten würde dann erst auf dem Parteikongress eine Entscheidung fallen. Das wäre eine fatale Situation für die Republikaner, denn bis dahin flösse Blut. Von einer Einigung, einer gemeinsamen Front gegen die verhasste Hillary Clinton wäre man dann Welten entfernt.

Donald Trump hat die Partei nicht gespalten. Schon in den letzten Jahren waren die tiefen Gräben zwischen dem Establishment der GOP und dem Tea-Party-Flügel nicht mehr zu überbrücken. Trump hat lediglich weitere Schützengräben im Minenfeld der Reagan-Partei gebuddelt.

 

Der „Hochstapler“ räumt ab

Donald Trump und Hillary Clinton denken nach dem heutigen Abend schon an November. In ihren Reden hielten sie sich nicht mehr lange mit dem Vorwahlkampf auf, für sie geht es jetzt ums Oval Office. Zwar sind beide noch nicht ganz am Ziel ihrer Träume, doch der „Super Tuesday“ hat die Weichen in den Parteien gestellt. Trump hat mindestens sieben Bundesstaaten gewonnen (Alaska steht noch aus), Clinton konnte sich in sieben Wahlen durchsetzen. Ted Cruz gewann in seinem Heimatstaat Texas und in Oklahoma, Marco Rubio lag in Minnesota vorne und Bernie Sanders war Sieger in Vermont, Oklahoma, Colorado und Minnesota.

Hillary Clinton blickt nach dem erfolgreichen "Super Tuesday" auf die Wahl im November. Foto: Reuters.

Hillary Clinton blickt nach dem „Super Tuesday“ auf die Wahl im November. Foto: Reuters.

Clinton und Trump sind damit so gut wie durch. In zwei Wochen wird in Florida, Illinois, Missouri, North Carolina und Ohio gewählt, dann steht das endgültige Ergebnis fest. Bei den Demokraten ist der Ton in den letzten Wochen nicht ausgeufert, beide Kandidaten zeigen Respekt voreinander und werden sicherlich gemeinsam am eigentlichen Wahlziel, dem Einzug ins Weiße Haus, arbeiten können. Bei den Republikaner sieht das schon anders aus. Donald Trump wird geliebt oder gehasst. Auch wenn sich der Sieger am heutigen Abend ganz präsidial gab, Ted Cruz und Marco Rubio hielten sich in ihren Reden nicht zurück. Cruz beschrieb sich als den einzigen Kandidaten, der Trump schlagen kann. Doch das sagte auch Rubio. Beide beschrieben Trump als einen Lügner und Betrüger, als jemanden, der die republikanische Partei spalten wird, wenn man ihn nicht noch stoppe. Die kommenden Wochen werden noch blutig.

Donald Trump gab sich am Abend ganz gelassen, er machte deutlich, dass ohne ihn nichts mehr geht. In seiner Rede schoß er sich schon auf Hillary Clinton ein, wiederholte seine aberwitzigen Wahlkampfversprechungen von der Grenzmauer zum südlichen Nachbarn, die von Mexiko selbst bezahlt werden wird.

Und auch Hillary Clinton sah den Vorwahlkampf für beendet an. Bei den notwendigen Delegierten liegt sie uneinholbar vor Bernie Sanders. Was jedoch beeindruckend ist, Clinton bewegte sich in den letzten Wochen immer mehr auf Sanders zu, auf dessen politische Aussagen, Forderungen, Absichten. Clinton will die Partei geeint in die Novemberwahl führen, das machte sie immer wieder deutlich, das erklärte sie auch am Dienstagabend. Der politische Gegner heißt für sie Donald Trump, darauf konzentriert sie sich nun.