„I can’t drive 55“

Red Rocker Sammy Hagar genießt den guten Tropfen.

Red Rocker Sammy Hagar genießt den guten Tropfen.

Autofan Sammy Hagar schrieb „I can’t drive 55“, noch heute ein Klassiker, den seine Fans immer und immer wieder hören wollen. Als ich ihn mal interviewte meinte er, er liebe Deutschland, jedes Mal, wenn er dort sei, ziehe es ihn mit einem schnellen Wagen auf die Autobahn. In den USA sei er schon oft genug fürs Rasen gestoppt worden, meinte er lachend.

Doch Sammy Hagar ist nicht nur auf den Freeways und Autobahnen auf der Überholspur. Der Ex-Sänger von Van Halen und Montrose, erfolgreich auch mit seinen Solo Platten, machte vor allem sein Geld mit Tequila. Vor ein paar Jahren verkaufte er 80 Prozent seines Anteils an „Cabo Wabo Tequila“ für satte 91 Millionen Dollar an die „Gruppo Campari“.

Hagar verbrachte seit den 80er Jahren seine Zeit zwischen Marin County in Kalifornien (nördlich von San Francisco) und Cabo San Lucas in Baja California, Mexiko. Und irgendwann produzierte er seinen eigenen Tequila, den er nicht nur in seinen „Cabo Wabo Cantinas“ ausschenken ließ. Seit 1999 wurde der Tequila auch in die USA importiert. Die anfängliche Menge von 37,000 Kisten wuchs in nur wenigen Jahren auf 140,000 Kisten an. Die Cabo Wabo Marke wurde ein Erfolg und ist überall in amerikanischen Supermärkten und Großmärkten wie Costco erhältlich.

Eigentlich könnte sich Sammy Hagar auf die faule Haut legen. Autos kaufen, Autos fahren und hin und wieder mal eine neue Platte aufnehmen. Doch der 67jährige „Red Rocker“ hat keinen Bock aufs Altenteil. Er hat auch noch ein Haus auf Hawaii und dort wird u.a. Zuckerrohr angebaut. Hagar überzeugte einen Bekannten, doch mit ihm Rum zu produzieren. Gesagt getan, das Ergebnis ist „Sammy’s Beach Bar Rum“, der nun in den dafür eröffneten „Sammy’s Beach Bar & Grill“ Restaurants ausgeschenkt wird. Die Gewinne aus dem Rumverkauf gehen an lokale gemeinnützige Organisationen auf Hawaii. Prost!

Sammy Hagar     

 

Wer verdient an der Musik?

Per App in der Spotify Musikbibliothek.

Per App in der Spotify Musikbibliothek.

Die Sängerin Taylor Swift hat nun ihre Musik aus den Streaming Angeboten wie Spotify zurück gezogen. Sie sagt, andere verdienen da mit ihren Songs. Das sagt eine Musikerin, die gut im Geschäft ist. Spotify reagierte, Firmenchef Daniel Ek erklärte , man habe allein im letzten Jahr eine Milliarde Dollar an die Musikindustrie überwiesen. Wenn die Plattenfirmen das nicht weitergeben würden, läge das Problem dort und nicht bei Spotify. Mal schnell den Schwarzen Peter weiter gereicht. Schon vor einiger Zeit hatte sich auch Purple Schulz von den Streaming Diensten verabschiedet. Es bringe nichts, meinte er auf seiner facebook Seite. Seine Fans erreicht er vielmehr direkt in sozialen Netzwerken oder in Konzerten.

Tatsache ist, dass von dem Musik-Streaming Minimalstbeträge bei den Musikern und Bands ankommen. Andere werden damit reich. Das sieht man derzeit auch hier in der San Francisco Bay Area. Tim Westergren ist der Gründer von Pandora, einem der großen Streaming Services. Und er hat sich gerade ein riesiges Estate in Inverness, Marin County, geleistet. Das wurde auch nur bekannt, weil er derzeit mit den Behörden in West-Marin und den Anwohnern in der Point Reyes Region im Klinsch liegt. Westergren will größere Anbauten durchführen, was nicht jedem gerade gefällt. Der Pandora Gründer wurde mit seinem Streaming Dienst sehr reich, das zeigt er jetzt mal so nebenbei.

Streaming Dienst Pandora wurde zum Erfolg.

Streaming Dienst Pandora wurde zum Erfolg.

Nein, es geht hier nicht um Neid, Tim Westerberg oder auch Daniel Ek sollen verdienen was sie wollen, besitzen was sie können. Aber es geht darum, dass man diesen Erfolg nicht auf dem Rücken anderer macht und wenn, dann sollte man fair dafür bezahlen. Und das machen sowohl Spotify wie auch Pandora nicht. Die Münchner Band Eisbrecher ist in den USA auf Metropolis Records veröffentlicht. Wenn man auf Pandora „Rammstein Radio“ wählt, dann ist fast jedes dritte, vierte Lied eines von Eisbrecher. Was die Band damit verdient sei einmal dahingestellt, bislang jedenfalls können sich Eisbrecher keine USA Tournee leisten.

Ja, es hängt viel davon ab, wie die Konsumenten, die Hörer heute Musik nutzen. Die Zeiten sind lange vorbei, als ich als Jugendlicher durch die Nürnberger Plattenläden stöberte, auf der Suche nach Bands, die ich auf AFN, Bayern 3 oder bei Freunden gehört hatte. Das ging vom Radio Adler zum Francoise in der Breiten Gasse, da war der Phonac, der Musik Shop, der Goofy. Auch Hertie, Kaufhof und Karstadt hatten Plattenabteilungen. Dann kam der WOM und dann der Müller und dann machte irgendwann ein Laden nach dem anderen dicht. Spotify und Pandora machen es heute einfach. Einfach für den Kunden. Doch dabei wird vergessen, dass Musik nicht nur ein Konsumgeschäft ist. Die mp3 Tauschbörsen, youtube, iTunes und all die anderen legalen und illegalen Plattenformen haben das Geschäft schon verwässert. Mit Plattenverkäufen verdienen heute nur noch die wenigsten Bands und Musiker etwas. Die Streaming Dienste sind so etwas wie Leichenfledderer. Der Patient ist schon tot, man verschachert nur noch das, was übrig geblieben ist und verdient damit „gutes“ Geld. Was danach noch übrig bleibt, wird sich zeigen. Ich glaube, nicht mehr viel.

 

Shakespeare hinter Gittern

San Quentin Shakespeare     
Shakespeare in San Quentin

Shakespeare in San Quentin

Was hierzulande zum Strafvollzug dazu gehört, ist in den USA keine Selbstverständlichkeit: Resozialisierung. Gefängnis bedeutet in den USA vor allem Strafe. In Kalifornien drückt sich diese einseitige Sichtweise durchaus in Zahlen aus. Fast 70 Prozent der entlassenen Strafgefangenen sind innerhalb von drei Jahren wieder hinter Gittern. Programme, die Häftlingen helfen sollen, sind eine Ausnahme.

Kein Wunder also, dass in Kalifornien Häftlinge versuchen ins berüchtigte und veralterte Gefängnis von San Quentin verlegt zu werden. Denn dort setzt man auf Resozialisierung. Rund 70 Programme werden angeboten. Das reicht von Tennis bis Baseball, von Yoga bis zum Zeitungs und Radiomachen. Und auch Theater wird in San Quentin gespielt. Eine eigene Shakespeare Theatergruppe ist seit Jahren aktiv.

Zur jüngsten Aufführung war ich vor Ort. Dazu der obige Audiobericht.

Ende am Golden Gate

Golden Gate BridgeZahlen werden selten veröffentlicht. Das hat einen einfachen Grund, niemand soll einen bestimmten Platz in der Statistik einnehmen können. Lange bevor der 1000te Selbstmörder von der Golden Gate Bridge in den fast sicheren Tod sprang wurden keine Zahlen mehr publik gemacht. Nun hat der Gerichtsmediziner von Marin County jedoch erklärt, im vergangenen Jahr sind 31 Menschen von der Brücke gesprungen, drei weniger als im Jahr zuvor. Das sind die offiziellen Zahlen. Fälle von denen man weiss. 20 Leichen tauchten auf, wurden von der Coast Guard gefunden. Von den anderen fehlt jede Spur. Man weiss nur, dass 31 Menschen den Freitod wählten, denn Passanten wurden Zeuge.

Seit der Eröffnung der Golden Gate Bridge 1937 beendeten damit mehr als 1300 Menschen ihr Leben an diesem monumentalen Bauwerk. Nur ganz, ganz wenige überlebten den Sprung aus schwindelnder Höhe in das kalte Wasser der San Francisco Bay. Fast alle sprangen von der Ostseite mit Blick auf San Francisco in die Tiefe.

Supernasen im Einsatz

Jährlich erkranken rund 9000 Frauen in Deutschland an Eierstockkrebs. Das Problem ist oftmals dabei, dass diese Form des Krebses erst zu spät entdeckt wird und sich bereits Metastasen gebildet haben. Im kleinen San Anselmo in Kalifornien, nördlich von San Francisco, hat sich die Pine Street Stiftung der Aufklärung und Früherkennung des Krebes verschrieben. Und dafür hat man ein paar empfindliche Nasen angeheuert

Auf die Idee, Hunde als wissenschaftliche Mitarbeiter einzusetzen, kam man über einen Artikel im englischen Medical Journal „Lancet“. Darin wurde eine Frau beschrieben, deren Hund immer wieder ein Bein der Frau anbellte, daran kratzte und auch biss…Immer an der gleichen Stelle. Schliesslich ging die Frau zum Arzt und es stellte sich heraus, dass sie genau dort Hautkrebs hatte.

Die Forscher der Pine Street Klinik dachten sich, wenn Hunde das schon ohne Ausbildung könnten, dann sollte man mal versuchen sie gezielt auf den Geruch von Krebs zu trainieren. Vor drei Jahren gab es die ersten sehr positiven Ergebnisse beim Lungen- und Brustkrebs. Nun wendet man sich dem Eierstockkrebs zu. Bis zum Ende des Jahres werden noch Frauen in das Projekt aufgenommen, die einfach nur in einen Behälter mit Fasern ausatmen müssen. Man geht davon aus, dass diese Fasern den Geruch des Krebses auffangen. Anschliessend werden die Hunde darauf trainiert.

Wer das nun einfach so als Blödsinn oder Humbug abtut, der sollte bedenken, dass der Geruchssinn von Hunden phänomenal ist. Sie werden in der Drogen- und Bombensuche eingesetzt, sind im Einsatz um Verschüttete zu finden und können sogar von einem Boot aus Ertrunkene am Grund eines Sees erschnüffeln. Warum also nicht auch Krebs?

Ein Audiobeitrag