Im Gleichschritt zur Staatsbürgerschaft

Präsident Obama wollte die Gesundheitsreform. Das war eine seiner wichtigsten politischen Ziele. Doch mit der Umsetzung des landläufig als „Obamacare“ verschrienen Gesetzes, wurde alles andere in Washington ausgebremst. Die Republikaner hassen Obama und hassen noch mehr „Obamacare“. Die Gesundheitsreform sei unamerikanisch, sozialistisch, ein Jobkiller. Alles wird versucht, um irgendwie auch noch jetzt und heute die neue Regelung auszuhebeln. Klar ist, mit einem republikanischen Präsidenten im Weißen Haus, wird „Obamacare“ ausgehöhlt oder ganz abgeschafft werden.

Egal, dass nun auch Menschen mit chronischen Krankheiten versichert sein können oder bislang Unversicherte einen Versicherungsschutz bekommen. „Obamacare“ hat alles andere ausgebremst. Nichts geht mehr in Washington. Der totale Stillstand hat eingesetzt. Seit Jahren wird versucht in den USA eine Reform des Einwanderungsgesetzes durchzusetzen. Ich selbst habe die Idiotie dieses legalen Prozesses mitmachen müssen und habe mich bei jedem Schritt gefragt, wie das jemand aus Mexiko überhaupt hinbekommen kann. Ich war dankbar Deutscher zu sein, um Amerikaner zu werden.

In dieser Legislaturperiode und in der verbleibenden Amtszeit von Präsident Obama wird es keine grundlegende Überarbeitung des Immigrationsgesetzes mehr geben. Das steht fest. Nun haben ein paar Republikaner eine neue Initiative ins Gespräch gebracht, um Willigen den amerikanischen Pass schmackhaft zu machen. Potenzielle Einwanderer sollen sich „freiwillig“ zum Dienst an der Waffe verpflichten, dem neuen Vaterland dienen, bereit sein für Amerika zu sterben. 43 republikanische Abgeordnete haben diese Initiative unterschrieben, die sie passend „ENLIST Act“ nennen, also man unterschreibt bei der Navy, der Army, der Air Force, den Marines und wird dann bevorzugt auf dem Weg zum Staatsbürger behandelt.

Als Amerika noch eine „Draft“, eine allgemeine Wehrpflicht, hatte, wurden auch hier lebende Deutsche zum Militärdienst eingezogen. Ich kenne einige Deutsche, die in den 50er Jahren in die USA auswanderten und dann erstmal ihren Armeedienst ableisten mußten. Pikanterweise wurden sie oftmals in Deutschland oder Österreich stationiert, als Mitglied der US Army.

Neue Zeiten brechen an

Vor fünf Monaten hat die US Administration die umstrittene Regelung „Don’t ask, don’t tell“ aufgehoben, die Schwulen und Lesben in den amerikanischen Streitkräften verbot, offen zu Ihrer sexuellen Orientierung zu stehen. Also nichts sagen und eben auch nicht von Offiziellen gefragt werden. Nach dem Motto: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“.

Doch Präsident Obama ist 2008 angetreten, um diese überflüssige Regelung aufzuheben. Was soll das auch, kann ein homosexueller Mann, kann eine homosexuelle Frau nicht genauso gut seinem und ihrem Land dienen? Schießt ein Gewehr anders? Marschiert man anders? Unter großem Protest aus dem republikanisch-konservativen Lager wurde die Regelung nach intensiven Beratungen und Untersuchungen und mit Zustimmung der Militärführung aufgehoben. Auch wenn der Untergang des Abendlandes und die Verweichlichung der Streitkräfte prophezeit wurde, die US Army, die Air Force, die Navy, die Marines, die vielen Spezialeinheiten des amerikanischen Militärs, sie alle in Uniform leisten noch immer ihren Dienst so ab, wie zu Zeiten von „Don’t ask, don’t tell“.

Als Sergeant Brandon Morgan nun von seinem Einsatz in Afghanistan zurückkam, wurde er in der Kaserne der Marines in Kaneohe Bay auf Hawaii von seinem Lebenspartner Dalan Wells freudig begrüßt. Freude, Erleichterung, Nähe.. Die beiden umarmten und küssten sich ganz offen, etwas, was noch vor wenigen Monaten undenkbar gewesen wäre. Der Moment wurde von einem Fotografen der Associated Press festgehalten und wird wohl als ein bedeutendes Foto in die Geschichte der amerikanischen Streitkräfte und der amerikanischen Gesellschaft eingehen. Neue Zeiten sind angebrochen.

Marschieren unterm Regenbogen

San Diego ist die zweitgrößte kalifornische Stadt. Strand, Badewetter, Surfer und der größte Militärstützpunkt der US Marines westlich des Mississippi. Das Militär prägt das Bild der Stadt und der Region. Kriegsschiffe liegen im Hafen. Helikopter und Militärflugzeuge heben ab und landen. Am Flughafen ist es ganz normal auf Soldaten in Kampfanzügen und in Ausgehuniform zu treffen.

Am Samstag nun fand die jährliche „Gay Pride Parade“ in San Diego statt, die Parade der Homosexuellen, mit der für Gleichberechtigung und Offenheit eingetreten wird. Und dieses mal, zum ersten mal, nahmen auch rund 250 Angehörige der Streitkräfte teil. Mitglieder der Navy, der Marines, der Army, der Air Force, sie alle kamen zusammen, um für die Aufhebung von „Don’t ask, don’t tell“ einzutreten. „Don’t ask, don’t tell“ ist die Leitlinie des Pentagon mit homosexuellen Soldaten umzugehen. Also, man fragt von offizieller Seite nicht, welche sexuelle Orientierung ein Soldat hat, und als Soldat zeigt man nicht, ob man schwul oder lesbisch ist. Homosexualität wird einfach in den militärischen Rängen unter den Teppich gekehrt. Es geht bei diesem Kampf der „Gay-Bewegung“ nicht nur darum, ob ein Schwuler auch öffentlich sagen kann, er liebe einen Mann. Es geht vor allem um gleiche Rechte, so z.B. wenn ein verwundeter Soldat im Krankenhaus liegt und sein vom Militär nicht akzeptierter Partner ihn aufgrund von bestehenden Beschränkungen nicht besuchen darf und kein medizinisches Mitspracherecht hat. Oder wenn ein Soldat im Einsatz stirbt, der Partner jedoch keine finanzielle Abfindung oder Rente erhält.

Die Soldaten am Samstag wollten in die Öffentlichkeit gehen. Uniformen waren ihnen nicht erlaubt, deshalb kamen sie in ziviler Kleidung, doch durch ihre braunen und grauen T-Shirts waren sie gut als Militärangehörige erkennbar. Sie marschierten in einem für sie ungewissen Marsch. Jeder von ihnen hielt eine kleine amerikanische Fahne in der Hand, um zu zeigen, dass sie stolz ihren Dienst ableisteten. Einige von ihnen kamen gerade vom Einsatz in Afghanistan zurück. Im Krieg ist die sexuelle Orientierung egal, doch das ist noch nicht so ganz bis Washington durchgedrungen. Zwar hat Präsident Barack Obama „Don’t ask, don’t tell“ schon im Dezember für nichtig erklärt, doch gab er dem Pentagon einen unbefristeten Zeitraum, diese neue „Policy“ auch umzusetzen. Das Pentagon läßt sich also Zeit. In einer Stellungnahme am Samstag hieß es, die teilnehmenden Zivilpersonen düften durchaus in der Parade mitmarschieren, das sei jedem frei gestellt. Die Passanten zumindest entlang der Paradestrecke bejubelten die mutigen Soldaten, die auch daheim ihren Kampf für gleiche Rechte weiter austragen.

Ready for War

West PointWest PointDie Kadetten, die am Dienstag in West Point auf die Rede Präsident Obamas warteten, waren in guter Stimmung. Die Zeit, bis der „Commander in Chief“ eintraf, nutzten sie mit interessanter Lektüre. Einer lass „Kill Bin Laden“, ein anderer schmökerte in „On Killing: The Psychological Cost of Learning to Kill in War and Society“. Und nun gehen diese Bilder um die Welt. Macht bestimmt einen guten Eindruck zwischen Afghanistan und Pakistan.

Eiertanz mit Barack

ObamaDie seit Wochen und Monaten mit Spannung erwartete Rede des amerikanischen Präsidenten sollte die Nation einen. Doch stattdessen spaltete sie nur noch mehr.

Hier ein Audiobericht:

Obama Rede